Ausgabe 
20.1.1942
 
Einzelbild herunterladen

Regierungsumbildung im Protektorat

bite

ich

Giraßenbekannifchasten.

Geschildert von Hedwig Forstreuter.

Immerhin würde die Ablehnung der Kriegserklä­rung eine Niederlage Roosevelts bedeuten. Sie könnte auch durch den jetzt vorgeschlagenen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den Achsen- möchten nicht kaschiert werden. Die einziae Macht, die den Krieg wollte, ist in Amerika die USA. ge­wesen. Deutschland, Italien und Japan haben nie­mals auch nur die geringsten südamen^amschen Belange durchkreuzt.

bet am Donnerstag, dem 22. Januar 1942, 12 Uhr, im Ehrenhof der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg statt.

Generalfeldmarschall von Brauchitsch operieft.

Berlin, 19. Ian. (DNB.) Generalfeldmarschall v o n B r a u ch i t s ch hat sich einer Operation unter­ziehen müssen. Die Operation ist trotz der vor zwei Monaten aufgetretenen schweren Herzstörung b e - friedigend verlaufen. Der Generalfeldmar- schall befindet sich auf dem Wege der Besserung und wird nach Heilung noch eine längere Kur in An- spruch nehmen müssen. Der Führer übermittelte dem Generalfeldmarschall seine besten Wünsche für baldige Genesung.

Staatsbegräbnis für den Wirtschastsführer Sr. Oiehn.

Berlin, 19.San. (DNB.» Der Führer hat für den verstorbenen Generaldirektor des DeutschenKalisyndikatsDr. August Diehn ein Staatsbegräbnis angeordnet. Der Staatsakt fin-

Explc

Ron Pro«,

Als ich schnell meines Weges daherkam, sah den kleinen Jungen am Straßenrands stehen, den Schlitten neben sich, eifrig beschäftigt, irgend etwas an seiner Kleidung zu ordnen. Er hatte den Man­tel offen, hielt den Kopf gesenkt und knüpfte und zerrte eifrig an etwas herum, das ich beim Näher- kommen als den Strumpfhalter erkannte, dessen Haken er vergeblich über den Leibchenknopf zu zwängen versuchte. Seine Finger waren rot und klamm vor Kälte. Er kam nicht zurecht mit der

Heldenkampf einer ^-Division

Von ^-Kriegsberichter Kurt Schaaf.

Oie ersten Zeitungen.

Wir können uns heute das Leben ohne Zeitung ifar nicht mehr denken und erwarten von ihr die chnellste und zuverlässigste Berichterstattung, aber üe Menschen haben lange ohne sie auskommen müssen und waren auf Nachrichten angewiesen, die oft ungenau oder gar falsch waren. Im Mittelalter gab es nur briefliche Mitteilungen von Neuigkeiten, und als im 16. Jahrhundert gedruckte Flugblätter an ihre Stelle traten, erschienen auch diese nicht regel­mäßig, sondern würben nur bei besonderen Anlässen herausgegeben, so daß sie nur als Vorläufer der Zeitung gelten können. Aber schon im Jahre 1502 taucht die BezeichnungZeitung" in einem solchen Flugblatt in der Ueberschrift einer Nachricht auf, die Neue Zeitung vom Orient und Ausgang" bringt. Das ganze 1v. Jahrhundert über gibt es solche

Der stellvertretende Reichsprotektor hat im Hin­blick auf die fortschreitende Befriedung den noch für Prag und Brünn geltenden Ausnahme- zustand aufgehoben. Damit fallen auch dis- sonstigen noch bestehenden Gebote und Verbote fort.

Kleine politische Nachrichten.

Armeegeneral Vittorio Ambrosio beendet sein Amt als Kommandeur der 2. Armee und übernimmt das Amt des Stabschefs des Herres. Armeekorps­general Mario Roatta, bisher Stabschef des Heeres, übernimmt das Kommando der 2. Armee.

*

Zum Nachfolger des Generals Wavell in Indien ist General Sir Allan Fleming Harty ernannt worden. Zu seinem Generalstabschef wurde General­leutnant Morris bestimmt.

*

Deutsche Kampfflugzeuge sichteten etwa 200 Kilo- meter nördlich der afrikanischen Küste auf der Höhe zwischen Bengasi und Agedabia einen britischen Ge­leitzug, der stark gesichert war, zersprengten ihn und belegten zwei Schiffe von je 8000 BRT. und ein weiteres von 6000 BRT. mit Bomben schweren

i "SM e sagte Ä "geb V heben M K. Da/ P weite W* 01 Lt*Min s Ä 8»! IM.

Nr, ir * 8, tz-H

Ä St

I C.* q

Führung der Division abgeben. Aber schon nach einigen Wochen Aufenthalt in einem Heimatlazarett bittet er den Reichsführer ff, wieder zur Truppe zurückkehren zu dürfen. Seine Wunde ist kaum ver­heilt, da ist er wieder bei seinen Männern.

Gerade in diesen Wochen machen die Sowjets verzweifelte Durchbruchsoersuche. Südlich des Il­mensees bei Lufchno rennen sieben Schutzen- und eine Panzerdivision gegen die ff-Division an. Mit eiserner Entschlossenheit leitet der ff-Gruppenführer persönlich den Kampf. Sein Geist, seine unerschüt« terliche Ruhe und sein Draufgängertum sind es, die sich auf die Männer der Division übertragen. Nur wer weiß, was ein Kommandant für seine Truppe bedeutet, vermag zu ermessen, wie groß das persönliche Verdienst bei den erfolgreichen Ab­wehrkämpfen ist. Die Division ist stolz auf ihren Kommandeur. Mit ihm empfindet sie die Freude über die hohe Auszeichnung. Wenn man jedoch dem Gruppenführer gratuliert, wird er mit Sicherheit auf die Leistungen seiner tapferen Männer ver­weisen.

gehörigkeit zum Reich wegzog, und damit zum eu- ropä'ischen Unruheherd werden ließ, ging er auf den Weitblick des Führers bei der Mobilisierung aller Kräfte für den entscheidenden Kampf im mittleren Europa ein, brarJbmarfte die Verantwortungslosig­keit^ und Feigheit der seinerzeit maßgebenden Kreise des tschechischen Volkes, die jetzt in gleicher Weise in der Emigration-ttig sind, und würdigte den wei­sen Entschluß des Staatspräsidenten im Frühjahr 1939. Dann rechnete er mit der Passivität der bis- herigen Regierung ab, deren Haltung zu den Ereig­nissen vom Herbst 1941 führte und sprach den neuen Ministern sein Vertrauen aus.

widerspenstigen Materie. Als ich stehenblieb, um ihm zu helfen, sah er mich schnell und scheu an und bemühte sich weiter: es ging ihm sichtlich gegen die Ehre, in diesem hilflosen Zustande vor einer Fremden zu stehen. Doch kniete ich schon vor ihm und streifte die Handschuhe ab. Ungern, aber doch erleichtert, überließ er mir das weitere. Und wäh. rend es mir gelang, die Metallöse über den reich­lich großen Knopf zu zwänaen, spürte ich mit Rüh­rung die Wärme seines schmalen Leibes, die aus den Kleidern stieg. Dann saß der Strumpfhalter wieder fest, wir glätteten das Leibchen, strichen schnell den wärmenden Wolljumper darüber und schlossen den Mantel.

Wie kalt du geworden bist, sagte ich, denn er hatte die ganze Zeit mit offenem Mantel im Wind­hauch gestanden, und seine Backen waren bläulich vor Frost. Als ich den Mantelgürtel durch die Schlaufe zog, öffnete der Junge den Mund zu einem leisenDanke", und dann lächelte er. Dieses Lächeln breitete sich Über das erfrorene Gesichtchen aus und machte es ganz hell und kindlich. Er mochte etwas von der Selbstverständlichkeit gespurt haben, mit der ihn sonst seine Mutter anzog und zum Ausgang zurechtmachte. Und nicht anders als einer Mutter, fröhlich abschiednehmend nickte er mir dann zu und rannte mit seinem Schlitten da­von, daß der Schnee hinter ihm aufstäubte...

*

Klägliches Weinen klingt über die Straße und dazwischen das hohe eindringliche Singen einer Kinderstimme. Es ist um die Dämmerzeit. Man kann nicht gleich feststellen, aus welcher Richtung

ff°P^. Der Führer und Oberste Befehlshaber hat, wie bereits gemeldet, dem Kommandeur einer Division der Waffen-ff, ff-Gruppenführer und Ge­neralleutnant der Waffen-ff Eicke, das Ritter­kreuz des (Eifernen Kreuzes verliehen. Sein Name ist untrennbar verbunden mit der Begründung und Entwicklung der in so vielen Schlachten siegreichen Waffen-ff. Auf seinem Rock trägt der ff-Gruppen­führer das Goldene Parteiabzeichen. Er gehört auch mit zu den Männern, die als engste Mitarbeiter des Reichsfführers ff, Heinrich Himmler, die Schutz­staffel aufbauten. Während der Kampfzeit führte er die 10. ff-Standarte in der Pfalz. Nach der Macht­übernahme wurde er der Kommandeur der ff- Totenkopfverbände, die er aufbaute. Sie gehörten zu den ersten Einheiten der jetzigen Waffen-ff.

Mit seiner motorisierten Division rückte der Kom­mandeur, der inzwischen zum Generalleutnant ber Waffen-ff befördert worden war, über Holland und Belgien nach Frankreich ein. Nach einem mehr­tägigen Eilmarsch konnte diese Division in die. ge­waltige Umfassungsschlacht in Flandern ein-greifen. Bei Eambräi und Arras, am La-Bass6e-Kanal, bei Le Eornett, Malo und Paradis erwarb die junge Truppe den ersten militärischen Ruhm. Durch kühnen Einsatz in einem mitreißenden Angriffsschwung konnte der Komandeur mit seiner Division die Ab- schnürungsaktion gegen die Engländer wesentlich

unterstützen. Die enMchen Eliteregkmenter, Royal Scotch, die Norfolks und andere, konnten dem Ansturm nicht widerstehen. Dann kam die große Verfolgungsschlacht, die bis hinunter nach Lyon und dann nach Bordeaux führte.

In den entscheidenden Kampfesmomenlen war der Kommandeur immer in der vordersten Linie

Die Wafsen-ff stellt laufend Freiwillige auf Kriegsdauer ohne Dienstzeitoerpflichtung ein. Meldungen können erfolgen bei der Er­gänzungsstelle Fulda-Werra (IX) der Wafsen-ff, Kassel- Wilhelrnshöhe, Löwenburgstraße 10, Te. lephon 36683/34441, und Ergänzungsstelle Rhein (XII) der Waffen-ff, Wiesbaden, Hindenburg- allee 59.

kl w te! fc&l Ar flUter

iS

AS te KJ».

Eft Ef * w Reinen Kren »Minen M . fcrtn unt erla' |L fletyhe den L und mA B^trt sogar b ILti bei wen MNehriahl.der Kber Jurist s' M keineswegs-, Mi eine gewi M Fachkenntni^ Minen an das M Massen, som jflri qanj anher W* °ls « «feiJK hondkobk Kn/ ihm also KStseheskuM Keiner ober K.-iept' Hilst, d K^iinn auch n Elia ist: dah t K ni wohl sehr Kil, aber nichi KiPe bes W « fassen, bei Km Drrsta^ fei um ©efi Kchau-druSe n llrteilsbegi Krrinanbersehi K Fachaustt Kil in oermei WÄmng Öen Kitcher sein, i M.ums ober t'ikrn. Di! Kill In Urteil Nährer i begriffen

Jen anoefül N mutz, tr Benn aber bc U^ie, die sät Hmbe 3rrtiim jl-to einRe Kch auch nicht seine 6ign jlr1 vorn ftühn lAWchen. Wii IIN für ein MMN, nämli sich üom |vr Wzgenl

Kalibers. Es konnte nicht beobachtet werden, ob die Schiffe gesunken sind.

Der Führer hat dem ordentlichen Professor em. Geheimen Hofrat Dr. Richard Schmidt in Leipzig aus Anlaß der Vollendung seines 80. Le­bensjahres in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Rechts- und Staatslehre die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Der in Kassel wohnende General der Infanterie a. D. Otto von Below, einer der bekanntesten Heerführer im Weltkrieg, konnte sein 85. Lebensjahr vollenden.

Irn Rahmen des deutsch-japanischen Rund^unk- abkommens wurde am 19. Januar die erste japa­nische Austauschsendung von Tokio nach Deutschland gesendet. Das Programm enthielt Ansprachen des japanischen Außenministers Togo und des deutschen Botschafters in Tokio, General Ott.

*

Um auch in einem längeren Krieg eine gerechte Verteilung aller Nahrungsmittel ju erzielen, wird die javanische Regierung vorsorglich ein Rationie- rungssystem am 1. Februar in Kraft setzen. Das Karten- und Punktsystem wird eine Verteilung von Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken ermöglichen, durch die alle Verbraucher gleichmäßig und so aus­giebig wie möglich bedacht werden sollen.

Im Beisein von Offizieren verschiedener Waffen­schulen und der Verbindungsoffiziere zu den drei Wehrmachtsteilen sprach Stabschef Lutze vor SA.- Männern, die als Offiziersanwärter an den Lehr­gängen der Waffenschulen des Heeres teilnehmen.

Der Reichsminffter der Finanzen Graf S ch w e. rin von Krosigk begibt sich Ende dieser Woche nach Mailand, um dort vor der Deutschen Handels­kammer für Italien zu sprechen. Er wird von fei­nem persönlichen Referenten Ministerialrat Dr. Scholl bereitet.

Die Genfer Sicherheitspolizei hat eine geheime Druckerei entdeckt, die das verbotene kommunistische BlattLe Pravail" Herstellen wollte. Das Setz­material wurde beschlagnahmt. Mehrere Personen, darunter drei Ausländer, wurden verhaftet.

Hongkong japanisches Generalgouvernement.

Tokio, 19. Ian. (Europapreß.) Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong wurde nach einer Mitteilung des japanischen Hauptquartiers in ein japanisches Generalgouvernement umgewandett. Als erster japanischer Generalgouverneur wurde am gleichen Tage vom Tenno der frühere Ches des Generalstabes der japanischen Kwantung-Al-mee, Generalleutnant Ute I s o g a i, ernannt. Bei der Amtseinführung im.kaiserlichen Palast in Tokio war auch Ministerpräsident Tojo anwesend.

zu finden. Sein persönlicher Mut war in der gan­zen Division bekannt. Wichtig für ihn war nur, daß der Angriff klappte. Daran änderte sich auch i m Ostfeldzug nichts. Besonders stolz ist die Divi­sion auf tüe Tatsache, daß Timoschenko eigens in ei­nem Tagesbefehl die unbedingte Vernichtung dieser Division der Waffen-ff verlangte. Auch hier wieder an der Spitze, hat ^--Gruppenführer Eicke den Druchdruch durch die schwer befestigte Stalinlinie geführt. Es waren Tage und Wochen härtester Kämpfe gegen einen zahlen- und materialmäßig weit überlegenen Gegner. Die Taae von Kveslau und Rageli, von Dagda, Sebesh und Opotschka und schließlich von Luschno, all die Kämpfe Mich des Ilmensees, sind Ruhmestaten der Division, die un­vergessen in der Geschichte dieses Krieges bleiben werden.

Bei der Rückkehr von einer Spitzenkompanie zum Divisionsgefechtsstand fuhr fein Kübelwagen auf eine sowjetische Mine. Der ^-Gruppenführer wurde schwer verwundet. Er mußte vorübergehend die die schlagfertigen Pointen in der Rede dieser tat­kräftigen Mutter. Als das Paar in der Pause auf- staüd, sah ich, daß die junge Frau selbst bald eine kleine Mutter werden wollte, und so rührte es mich wunderlich, als sie beim Einsetzen des zweiten Aktes bei einer besonders drolligen Stelle ihren Kopf an die Schulter des Mannes lehnte und sich dort unter Tränen auslachte. Die Gebärde war Anschmiegen und beglückendes Wissen um Gebor­genheit zugleich.

Als ich das junge Paar zum dritten Male wieder- traf, schob sie einen Kinderwagen, und ihr Gesicht blühte unter der weißblonden Haarwelle. Der Vater ging groß und jungenhaft neben dem Wagen, und um beide war, wie sie da so durch die Schnee­landschaft daherkamen, ein Leuchten von Glück, das fast überirdisch schien. So schafft das Kommen eines Kindes immer wieder ein Gleichnis zur höchsten und geheimnisvollsten Geburt auf Erden.

Wir sahen uns an, wie wir aufeinander zuschrit- ten, und ich fühlte den starken Impuls, hinzugehen und ein Wort froher Anteilnahme zu sagen, aber dann war da die Hemmung der Form, und ich tat es nicht, nur unsere Augen grüßten sich, und im Grunde war das auch genug. Denn ist es nicht so? Blick und Schweigen sagen mehr und Tieferes als Worte.

Prag, 20. Januar. (DNB. Funkspruch.) Die Er­kenntnis der Notwendigkeit, noch mehr als bisher alle Kräfte des Protektorats Böhmen und Mähren für den Endsieg des Reiches und für die Neuord­nung Europas unter der Führung Adolf Hitlers zu aktivieren und die Leistungsfähigkeit des Füh- rungs- und Verwaltungsapparates durch Verein­fachung zu erhöhen, veranlaßten den amtierenden Vorsitzenden der Regierung, Dr. K r e j c i, dem Staatspräsidenten Dr. Hacha die Gesamtdemission des Kabinetts anzubieten. Staatspräsident Dr. Hacha betraute Dr. Krejci mit der Bildung einer neuen Regierung. Zu Ministern des neuen Kabi­netts wurden ernannt: Dr. Krejci, Vorsitzender der Regierung und Justizminister: Landespräsident Richard Dienert, Innenminister; Dr. Walter Bertsch, Wirtschaft und Arbeit; Oberst a. D. M o r a v e c, Erziehungsminister, gleichzeitig Amt für Volksaufklärung; Adolf Hruby, Land- und Forstwirtschaft-, Dr. Heinrich Kamenicky, Ver­kehr und Technik, und Dr. Joses K a l f u h , Finanz­minister. .

Der Staatspräsident empfing die neue Regierung zur Eidesleistung und erklärte: ,Zu einer Zeit, wo sich fast alle souveränen Staaten Europas ein­deutig zur Neuordnung des Kontinents nach dem Willen des Führers bekennen und aktiv mit dem Reich arbeiten, halte ich es für notwendig, daß im Protektorat ein vollständig neuer R e g i e - rungsturs der positiven und aktivistischen Kräfte eingeschlagen wird." Der Staatspräsident betonte, daß eine weitgehende sachliche Umgestaltung der Zentralbehörden des Protektorats durchgeführt werde. Die unmittelbare Leitung der wichtigsten Angelegenheiten von Wirtschaftund Arbeit durch einen Reichsbe a m t e n bedeute einen großen Vorteil für die gemeinsamen Inter­essen des Protektorats und des Reiches.

Eine Regierungskundgebung besagt, Böhmen und Möhren sei durch die Vorsehung in die Mitte des großen Deutschen Reiches gestellt und mit diesem und seinem Schicksal für immer eng und unzer­trennlich verbunden. In? diesem Sinn bedeute die Neubildung der Regierung einen entscheidenden Schritt zum restlosen Hineinwachsen ins Großdeutsche Reich.Wir haben endgültig den Mut zur Wahrheit. Zum Wohl des tschechischen Volkes gehen wir diesen Schritt offenen Herzens und sauberen Sinnes, im Bekenntnis zu Führer und Reich, in der Gewißheit um den Sieg der neuen europäischen Ordnung und in eindeutiger und schärfster Verurteilung und Ablehnung der bolsche­wistischen und plutokratischen Mächte." Die Pro- teftoratsregierung sei entschlossen, die ihr anver- traute Ausgabe zur Führung und Erziehung der Menschen dieses Raumes, besonders der Jugend, des Einsatzes aller Kräfte für den aroßdeutschen und europäischen Endsieg, der harten Abwehr aller in= und ausländischen Zersetzungs- und Zerstörungs­versuche bis zum letzten zu erfüllen. Sie verlange daher von jedem Bewohner dieses Raumes Glauben und Beistand. Unverbrüchliche Reichstreue fei eine unerläßliche Voraussetzung für die glückliche Zu- tunft des Protektorats.

Der stellvertretende Reichs Protektor, 77- Obergruppenführer General der Polizei H e y d - rich, empfing in der Burg die neue Regierung. Er betonte, daß es sich bei dieser Neubildung der Regierung verbunden mit der Reorganisation der Ministerien um einen geschichtlich bedeutsamen R i ch- tungswechsel handele. Nach einem Rückblick auf die politische Fehlentwicklung zur Republik, die die Bevölkerung Böhmens und Mährens bewußt von der organischen geopolitischen und historaschen Zu-

das Weinen kommt. Dann sehe ich vor mir einen Kinderwagen, den eine junge Frau schiebt, das Kleine im Wagen schreit jämmerlich und hält die Hände in den Fausthandschuhen anklagend empor. Wahrscheinlich friert es in der bitteren Kälte. Die Mutter bleibt stehen, um die Stulpen der Hand­schuhe höher über die Mantelärmel aufzustreifen, )abei wärmt und streicht sie tröstend die Händchen in weißen Wollhandschuhen zwischen ihren Händen. Die kleine Schwester aber lehnt sich über den Wa­gen und singt mit schallender Stimme ein Wiegen­lied, um das Kind zu beruhigen. Es bringt sie gar nicht von ihrem guten Werk ab, daß die frierende Kleine sich wenig um diesen Trostversuch kümmert und mit unverminderter Lungenkrast fortfährt zu jammern. Sie singt weiter mit dem schönen Eifer derer, die an ihre Sendung glauben, und es schallt hell und tröstlich und von unbewußter Mütterlich­keit erfüllt durch Schneeluft und Straßenbahn­kreischen:Schlaf, Kindchen, schlaf, da draußen gehn zwei Schaf."

Das junge Ehepaar, das mir zuweilen in der Straßenbahn gegenübersaß, lebte sichtlich noch in dem Glück des ersten frohen Zusammenseins. Sie sprachen wenig miteinander, aber die Art, in der sie sich ansahen oder lächelten, der Händedruck, mit dem sie sich trennten, wenn der Mann ein paar Haltestellen früher ausstieg, die kurze Verabredung, die sie vorher trafen, alles zeugte davon, wie glück­lich sie waren, und wie sehr sie übereinstimmten. Der Mann war groß, breitschulttig und dunkel­blond, in Ausdruck und Lächeln glich er noch ganz einem großen Jungen. Die junge Frau war einen Kopf kleiner, mit einer Welle sehr blonden Haares über der Stirn; ihr Gesicht erhielt den Ausdruck durch einen roten eigenwilligen Mund. Gesundheit und Lebenskraft sttahlten von ihr aus; als unsere Blicke sich trafen, Hütte ich ein starkes Ge­fühl von Sympathie.

Ein halbes Jahr später sah ich das Paar im Theater wieder, sie saßen eng nebeneinander im ersten Rang und verfolgten mit frohem Lachen und geflüsterten Bemerkungen das Lustspiel auf der Bühne, das vom unbändigen Stolz einer Mutter auf ihren Heranwachsenden Sohn erzählte. JÖie beiden kicherten Immer wieder sehr angeregt über

Luristifches Denken.

Bon Dr. Hueber, Unterstaatssekretär im Reichsjusüzrninisterium.

In der ZeitschriftDeutsche Justiz, dem amtlichen Organ der deutschen Rechts­pflege, erschienen die nachfolgenden, auch die Allgemeinheit interessierenden Ausführungen:

Es ist Mode geworden, über die Juristen herzu­ziehen oder ihnen je nach Bedarf wohlwollend auf die Schulter zu klopfen. Die also handelnden Krittker haben Recht, allerdings meist nicht in der Sache, sondern nur deshalb, weil wir Juristen uns das bisher gefallen ließen. Wir haben bisher wenig oder gar nichts bageaen gesagt oder gar getan, und das war weder für uns noch für die Sache von Nutzen. Es wird Zeit, die zum Teil recht naiven Angriffe auf die Justiz fortlaufend zu be­antworten. Dies wird zweckmäßig fein sowohl zur Abwehr von Angriffen als auch um das heutige Recht und die Rechtspflege dem Volke verständlich zu machen. ,

Damit soll keineswegs dem Juristen das Wort geredet werden, der sich in nationalsozialistisches Denken nicht hineinftnden kann. Im Geaenteil, dieser geflissentlich rückständige Jurist ist selbst ein Feind der Justiz. Wenn ferner berufene Stellen an einzelnen Urteilen Kritik üben, so ist das etwas anderes, als wenn ein Unberufener Dinae kritisiert, dcwi denen er wenig ober nichts versteht. Ein be­stimmter Fall gibt mir Anlaß zu biefer allgemeinen Bemerkung: Eine Zeitung desvricht in keineswegs gehässiger aber doch etwas yerablassender Form ein Urteil, in dem eine Lebensrettung, die mit bem Tode bes Lebensretters tragisch endete, als Ge­schäftsführung ohne Auftrag bezeichnet wirb. Daß die Richter zum richtigen praktischen Ergebnis kamen, wirb allerdings bäbei ausdrücklich anerkannt. Die Hauptsache steht also fest. Der Entschädigungs­anspruch der Erben bes tödlich verunglückten Ret­ters wird in allen Instanzen zugesprochen, teil­weise mit verschiedener rechtlicher Begründung. Daran stößt sich jener Kritiker. Zugegeben, es wirkt wenig idealistisch und schwungvoll, hier von einer Geschäftsführung ohne Auftrag zu sprechen. Aber auf das kommt es nicht im mindesten an. Die Rechtswissenschaft ist ein nüchternes Gebiet und bl-etbt in ihrer Formulierung auch bei größter Lebensnähe und größtem Idealismus nüchtern, und das hat feinen guten Grund darin, daß flar und kalt überlegt und gesagt werden muß, wie der be­absichtigte Deale Erfolg herbeizuführen ist.

Ist das eine Besonderheit der Justiz? Gehen andere Wissenschaften darin nicht viel weiter? Ein unbestritten idealer Beruf ist 3. B. der bes Arztes. Was beim Juristen der Vertrag ober das Urteil ist, ist beim Arzt das Rezept oder bie Operation. Bei aller Idealität des ärztlichen Berufes eignet sich weder das eine noch das andere zur poetische-n Ver­klärung. Das Rezept ist eine nüchterne chemische Formel, die Operation ein Eingriff in die Ana­tomie des Körpers mit Narkose oder örtlicher Be-

Neue Zeitungen^, in denen nüchterne Berichte und phantastische Wundergefchichten abwechseln, und erst an seinem Ende erscheinen Nachrichtenblätter regelmäßig in bestimmten Zwischenräumen, die halbjährigen Zeitungen ober Meßrelationen, die an die Frühjahrs- und Herbstmesse anknüpfen. Der Begründer dieserMeßzeitungen", die fteilich auch noch nicht richtige Zeitungen in unserem Sinne sind, war der Oefterreicher Michael Eyzinger, der von 1588 ab jedes Jahr zwei halbjährliche Meß. berichte auf den Markt warf und damit das erste regelmäßig wiederkehrende Unternehmen auf diesem Gebiet ins Leben rief.

Ein großer Fortschritt war es, als man zu An­fang des 17. Jahrhunderts dazu überging, all­wöchentlich Nachrichten auszugeben. In der Heidel­berger Universitätsbibliothek befindet sich der fast vollständige Jahrgang einer gedruckten Zeitung aus dem Jahre 1609, der ältesten Zeitung, bte einen be­scheidenen Anspruch auf Vergleich mit unfern heu- tigen Blättern erheben barj. Der Titel erinnert noch an bas Unternehmen Eyzingers:Relation aller fürnehmen und gedenkwürdigen Historien, fo sich hin und wider in Hoch und Nieder Deutschland, auch in Frankreich, Italien, Schott- und Engelland, Hispanien, Hungarn, Polen, Siebenbürgen, Wal­lachei, Moldau, Türkei etc. in diesem 1609. Jahr verlaufen und zutragen möchten." Aus demselben Jahr gibt es noch eine andere Zeitung, bie in Augsburg herausgegeben worden zu fein scheint, und von dieser Zeit an nehmen bie wöchentlichen Zeitungen an Zahl und Verbreitung zu. Schon als Schüler abonnierte 1619 der später als Barock- Satiriker bekannt gewordene Moscherosch dieWo- chendlichen Avisen" für 1 Gulden und 5 Schillinge.

Als im Lause des 17. Jahrhunderts die Poften regelmäßiger und schneller wurden, begann auch der eigentliche Aufschwung der Zeitung. Häufig wird der Postmeister mit dem Zeitungsschreiber gleichgefetzt, und viele Zeitungen führen den Titel Postreuter", an den noch heute die Zeitungstitel. Post",Bote",Kurier" erinnert. Deutschland ging auch mit dieser Einrichtung in der Welt voran, die vom Ausland bald nachgeahmt wurde; fo gab es seit 1619 in Antwerpen, feit 1622 in London, feit 1631 in Paris regelmäßig erscheinende Wochen­blätter. C.K-