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Aus -er Giadi Gießen.

Ohne Strümpfe in Holzsandalen.

Der Wandel in der Auffassung über das, was man ganz allgemein mit Mode bezeichnet, hat auch gegenwärtig nichts an seiner Regelmäßigkeit ein­gebüßt. Die kriegsbedingte Anpassung' unserer Frauen an eine sommerliche Fußbekleidung, die zum geringsten Teil aus Leder und vorwiegend aus Holz, Kork, Stroh, Stoff und ähnlichen Aus­tauschstoffen besteht, mag ein bezeichnendes Ber- spiel sein. Trotz aller materialmäßigen Eigenarten, die bestimmend sind für Form und Verarbeitung und trotz manch zögernder oder abwartender Hal­tung gegenüber dem, was an sich schon lange den Charakter des Behelfsmäßigen verloren und vollen Gebrauchswert erlangt hat, zeigt sich durch das Klappern der Holzsohlen auf den Straßen, durch ihr Erscheinen in den Büros und an den sonstigen Arbeitsplätzen, daß sich bereits ein sehr inniges Verhältnis zwischen diesen Schuherzeugnissen und ihren Trägerinnen entwickelt hat.

Während der Strohschuh oder, besser gesagt, die Strohsandale wohl mehr im Bereich des Hauses und des Büros verbleiben wird, herrscht draußen die Holzsohle, wohl auch der mittels Kork gefertigte Unterbau der Fußbekleidung vor. Die Holzsohle hat bereits eine Reihe von Versuchen hinter sich. Die starre, dem Fuß bzw. der Fußsohle nachgeformte Holzsohle dem Holzpantoffel entsprechend be­sitzt häufig einen Oberteil, der beim Schreiten ein Anheben der Ferse ermöglicht, während die in Riegel oder Glieder zerteilte Holzsohle, die teilweise mit Lederstücken benagelt ist, der Fußbewegung beim Gehen nachgibt. Diese Form herrscht vor und weist die verschiedenartigsten Oberteilausführungen auf, zum Teil sogar so geschickt ausgeführt, daß man erst bei näherem Hinsehen die Holzsohle ent­deckt. Eine besondere Eigentümlichkeit haftet dieser Gliedersohle an. Sie muß vor Ingebrauchnahme durch Zerbrechen der dünnen Holzstege zwischen den einzelnen Gliedern gangbar gemacht werden. Diese Stege haben vorher lediglich die Aufgabe, die Verarbeitung zu erleichtern.

Rach der Beliebtheit zu urteilen, wird sich der leichte Holzsohlenschuh mit dem luftigen Oberteil, überhaupt die Sandale und ihre verschiedenen Aus­führungen als Sommerfußbekleidung ebenso einbür­gern und vielleicht sogar zum dauernden Bestand­teil unserer Tracht werden, wie z. B. der Holzschuh Hollands oder die Sandalentracht anderer Völker in wärmeren Regionen. Eine Frage für sich ist es, ob die Männer im wahren Sinne des Wortes auf mehr oder weniger leisen Sohlen den Fußtapfen der so vorangehenden Frauen folgen werden. Auch für sie hat die Schuhindustrie vorgearbeitet und bereits Halbschuhe mit Stoffoberteil und sparsam­ster Oberlederverarbeitung herausgebracht, abge­sehen von Holzsandalen mit beweglichen und star­ren Sohlen und der bekannten einfachen Riemen­anordnung, die auch unsere Kinder seit langem als zweckmäßige Straßentracht eingeführt haben.

An unseren Kleinen stellen wir überdies auch fest, daß man sich auch ohne Strumpf auf der Holzsohle wohlfühlen kann und damit die häufig auftauchende Strumpfrage wenigstens im Sommer eine einfache und naheliegende Lösung findet. Gesund­heitliche Bedenken braucht es nicht zu geben, tut sich doch vielmehr hier ein neuer, eigentlich ja schon recht alter Äeg zur Abhärtung des Körpers und zur Förderung der Gesundheit unserer Füße auf. Was ihnen z. B. in der Sommerfrische, am Strand der See oder auf der Badewiese infolge völliger oder teilweiser Befreiung von Schuh und Strumpf guttut, kann unter gleichen Witterungsverhältnissen gegebenenfalls zur Gewohnheit des Alltags wer­den, um so mehr, wenn es die krieqsbedinate Ein­schränkung der Strumpfoerschleißes fordert. Warum also sollte das Barfußgehen im Holzschuh oder in der Sandale nicht bald gleichfalls zum gewohnten Anblick, und wenn es nicht anders geht, sogar Mode werden"?

Es ist schließlich auch ein kriegswirtschaftliches Gebot dieses Sommers und ein sehr ernst zu neh­mender Ratschlag, trotz dieser an sich glücklich ge­lösten Fußbekleidungsfraqe dennoch dafür zu sor­gen, daß unser Lederschuhwerk und unsre Strumpf­bestände bis zum Einbruch des Witterungswechsels im Herbst geschont werden. In späteren Jahren des Ueberflusses kann Frau Mode dann wieder eigen­willig werden.

Kür Tapferkeit vor öem Keinöe.

Der Gefreite Alfred Brück aus Gießen, Kanzleiberg 5, der in einem Infanterieregiment im Osten kämpfte und sich zur. Zeit in einem Lazarett befindet, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Verdnnkelungszeit:

17. Juni von 22.47 bis 4.28 Uhr.

Die neuen Lebensmittelkarten.

Wieder Margarine. Obstsirup kartenpflichtig.

In der 38. Zuteilungsperiode, die vom 29. Juni bis zum 26. Juli reicht, bleiben die Lebensmittel­rationen die gleichen wie in der 37. Zuteilungs­periode. Nur beim Fett tritt dadurch eine Aenderung ein, daß von der nächsten Kartenperiode an kein Butterschmalz mehr verteilt und die Margarine­verteilung wieder ausgenommen wird. Die gesamte Fettration bleibt für alle Verbraucher­gruppen die gleiche; sie beträgt für den Normal­verbraucher 825 Gramm und verteilt sich von nun an zu 575 Gramm auf Butter, von denen es 75 Gramm auf Kleinabschnitte gibt, zu 125 Gramm auf Margarine, die es nur auf,Kleinabschnitte gibt, zu 62,5 Gramm auf Schweineschlachtfette und zu 50 Gramm auf Speiseöl. 'Die Gaststätten werden auf Anweisung ihrer Wirtschaftsgruppe für Felü- küchengerichte und andere 50 Gramm Fleischgerichte nur noch 5 Gramm Fett fordern. Darum werden

NSG. Der Führer verlieh wie bereits im Gieß. Anz." Nr. 131 vom 8. Juni, gemeldet an den aus Gießen stammenden Hauptmann Hel, mut Hudel für seinen hervorragenden tapferen Einsatz und sein vorbildliches Draufgängertum das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Hauptmann Hudel ist Kompaniechef in einem württembergischen Pan­zerregiment. Durch seinen Einsatz hatte er mehr­fach wesentlich zu den Erfolgen der Panzer-Division im Ostfeldzug beigetragen.

Nachdem Hauptmann Helmut Hudel damals noch als Oberleutnant mit seinen Panzerschützen in der Zeit von Juni bis Dezember 1941 14 feind­liche Schwerpanzer, drei mittlere Panzer sowie acht Geschütze vernichtet und sechs Panzer schwer beschä­digt hatte, kamen Ende Februar 1942 in den schweren Abwehrkämpfen der Panzerdivision im mittleren Abschnitt der Ostfront die Tage, an denen sein hervorragender Einsatz für die gesamte Ab­wehrfront der Division von entscheidender Bedeu­tung war.

Seit Tagen versuchten weit überlegene und von zahlreichen Panzern unterstützte Jnfanteriekräfte die noch im Aufbau befindliche Abwehrstellung der Di­vision zu durchbrechen, um die Verbindung mit ab­geschnittenen Feindteilen zu erzwingen. So war es dem Feind nach Einbruch der Dunkelheit, unter­stützt durch sechs schwere Panzer in vorderer Linie und zahlreiche weitere Panzer, gelungen, in eine für die Abwehrfront entscheidend wichtige Ortschaft örtlich einzudringen. Trotz zähesten Widerstandes der deutschen Schützen konnten die.Feindmässen nicht aufgehalten werden, da auch die eingesetzten Pan­zerabwehrgeschütze durch Beschuß außer Gefecht ge­setzt worden waren.

In dieser äußerst bedrohlichen Lage erhielt Haupt­mann Hudel den Auftrag, mit den ihm zur Ver­fügung stehenden drei Panzern die feindlichen Kampfwagen außer Gefecht zu setzen, um den eige­nen Schützen das weitere Halten der Ortschaft zu ermöglichen. Im tiefen Schnee fuhr Hauptmann Hudel mit seinen Panzern gegen den Feind, schoß unterwegs einen bolschewistischen 40-Tonner ab und traf, am Ortsrand anqekommen, einen weite­ren feindlichen 44-Tonnen-Panzer. Sofort nahm er den Feuerkampf auf und traf den feindlichen Kampf­wagen so schwer, daß er sich zurückziehen mußte und nach 200 Meter unbeweglich liegenblieb.

Inzwischen wurde der Feinddruck immer stärker, die eigenen Schützen wichen vor den vielfach über­legenen Feindkräften langsam aus, so daß sich schließlich die ganze Ortschaft in feindlichem Besitz befand. Hauptmann Hudel standen zum Gegenstoß nur feine drei Panzer sowie 30 Schützen zur Ver­fügung. Obwohl sich in der feindbesetzten Ortschaft vier moderne Panzer sowie weit überlegene Feind­infanterie befanden, entschloß sich Hauptmann Hu­del, sofort mit seinen schwachen Kräften zum An­griff anzutreten. Zwischen den brennenden Häusern drang er mit großer Umsicht und Kaltblütigkeit so geschickt vorwärts, daß er dem Beschuß der Feind­panzer entzogen wurde. Sein Angriffsschwung und sein Draufgängertum übertrugen sich auf alle seine Soldaten, die immer tiefer in die Ortschaft eindran­gen und unter dem eigenen Panzerschutz die Feind­infanterie zum Ausweichen zwangen. Alle noch stehenden Häuser wurden durch Hauptmann Hudel planmäßig beschossen, so daß der eingenistete Feind vernichtet oder verjagt wurde. Zwei Feindpanzer wurden dabei so erfolgreich unter Feuer genom­men, daß sie sich zurückziehen mußten. In den ersten Morgenstunden war die Ortschaft schließlich wieder nach schweren Nahkämpfen in eigener Hand.

die 5-Gramm-Kleinabschnitte der Fettkarte ver­mehrt, die 10-Gramm-Kleinabschnitte vermindert. Die Fettkarte hat von nun an 20 Kleinabschnitte über je 5 Gramm und 10 über je 10 Gramm.

Vom 29. Juni an ist O b st s i r u p karten- pflichtig. Als Obstsirup gelten die mit Zucker eingedickten Fruchtsäste, wie beispielsweise Him­beersaft, nicht aber die Säfte aus frischem Obst, wie Obstmost und Süßmost. Der Verbraucher kann Obftsirup auf Zuckerkarte und die zum Zuckerbezug berechtigten Abschnitte der Marmeladekarte kaufen. Für 100 Teile Zucker werden 150 Teile Obftsirup ausgegeben. Auf den gleichen Kartenabschnitt kann sowohl Zucker als auch Obstsirup oder beides ge­meinsam gekauft werden.

Die Fettkarte ist verkleinert und den anderen Karten im Format angepußt worden.

Als sich Hauptmann Hudel kurz vom Kampfplatz entfernt hatte, um von einer Fernsprechstelle aus bei der Division weitere infanteristische Kräfte an­zufordern, traf er auf seiner Rückfahrt auf zwanzig Meter mit einem Feindpanzer zusammen, eröffnete sofort das Feuer und kämpfte die ausbootende Be­satzung nieder. Nach seiner Rückkehr fand er einen der beiden zurückgelassenen Panzer zerschossen vor, und die Feindkräfte traten wieder erneut zum An­griff auf die Ortschaft an. Di» Munition wurde knapp, trotzdem aber entschloß sich Hauptmann Hudel in Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der Ortschaft für die weitere Kampfführung, mit seinen zwei Panzern den Ort zu halten. Nach hef­tigem Feuerkampf schoß er erneut einen Feind- Panzer ab und kämpfte immer wieder vorgehende bolschewistische Jnfanteriekräfte nieder. Am Vor­mittag verfügten seine beiden Panzer noch über sechs Panzergranaten, stießen aber trotzdem weiter in die Orftchaft vor und schossen aus nächster Ent­fernung wieder einen Feindpanzer ab. Als der Feind nun einen 52-Tonner in den Kampf führte, nahm Hauptmann Hudel trotz des schweren Feind- beschusses den ungleichen Kampf auf. Mit vier Schuß traf er das Stahlungetüm so schwer, daß es sich zurückzog. Mit nur zwei Panzergranaten und den Maschinengewehren hielt Hauptmann Hudel weiter die Ortschaft gegen die vordrängende Feindinfante- rie, als sich in den Mittagsstunden plötzlich drei

Der zweite Titel heißtSalzburger Nockerln", und das aufregende Originalrezept dazu kann man schon vor Beginn auf dem Vorhang und auf der Rückseite des Programms studieren. Den Autoren Dr. Max W a l l n er und Kurt Feltz scheint eine Art Gegenstück zumWeißen Rößl" am Wolfgang­see vorgeschwebt zu haben. Den Inhalt der fünf Bilder der Reihe nach zu erzählen, wäre unnötige Verschwendung des heute doppelt kostbaren Raumes: er besteht, was in Operetten keine Neuigkeit ist, zu großen Teilen aus Liebe und Eifersucht, und die dramatischen Energien der Handlung werden durch drei überstürzte Verlobungen übers Kreuz und deren radikale Lösung zwecks endlicher Vereinigung der zueinander passenden Paare ziemlich restlos ver­braucht. Die Neuordnung der bevölkerungspolitischen Belange wird heiter und bodenständig verbrämt mit Nockerln-Rezepten, Fensterln, Tanz und Blas­musik, mit viel alpinem Fremdenverkehr, Gast­stättenkonkurrenz, Versteigerung eines Wirtshauses, neuzeitlicher Autoindustrie und altem Brauchtum. Den dauerhaften Erfolg verdankt die Operette aber der Musik von Fred Raymond: er hat, was kein Fehler ist, obwohl es kaum besonders viel zu singen gibt, nicht mehr komponiert, als ihm eingefallen ist, und es sind ihm, abgesehen von dem schon er­wähnten Rezept, zwei . ausgesprochen zündende Schlager eingefallen:Wenn der Toni mit der Vroni", kräftig und stilgerecht rhythmisiert, und dann die durch den Rundfunk und Rosita Serrano popu­lär gewordene, sehr hübsche MelodieUnd die Musik spielt dazu".

Die schwungvolle Wiedergabe der Partitur war eine lohnende Aufgabe für den neu verpflichteten Operettenkapellmeister Egon Bosch, der sich mit dieser Aufführung am Dirigentenpult vorteilhaft ein­

Feindpanzer mit aufgesesienen Infanteristen der Ortschaft näherten. Die eigenen Schützen wichen vor der Wucht des zahlenmäßig überlegenen Feindan- griffes langsam zurück. Da brachte plötzlich ein gut liegender Stuka-Angriff Entlastung. Sofort nützte Hauptmann Hudel die Wirkung der Stuka-Bomben aus und riß Teile der eigenen Schützen wieder auf Höhe der Panzer vor. Endlich gelang es auch, die Panzer wieder frisch zu munitionieren und unter ihrem Schutz die Verteidigungsstellung neu aufzu- bauen. Hauptmann Hudel veranlaßte das Auslegen von Minensperren, und schon nach kurzer Zeit fuhr ein bolschewistischer Schwerpanzer auf eine Mine und blieb liegen.

Im Schutze der ausgebauten Verteidigungsstel­lung gelang es nun, allen Feindangriffen erfolgreich ftandzuhalten und den Besitz der wichtigen Ortschaft ndgültig zu sichern. Dem mitreißenden Vorbild uüd der zähen und tapferen Entschlossenheit des Haupt­manns Hudel ist es zu verdanken, daß der unver­meidbar scheinende Einbruch verhindert werden konnte. In diesem schweren Kamps hatte Hauptmann Hudel allein fünf Panzer vernichtet und somit seit Ende Januar 1942 23 Schwerpanzer a b ge­schossen, sieben beschädigt sowie sechs Pak und fünf Geschütze erbeutet. Die Verleihung des Ritterkreuzes durch den Führer an diesen tapferen Panzeroffizier ist die äußere An­erkennung für seinen vorbildlichen tapferen Einsatz.

Don der Reichskleiderkarte.

Bezugsabschnitte 3lt. 1 bis 20 der 3. Reichskleiderkarle ab 1. November 1942 fällig.

In einer imReichsanzeiger" vom 17. Juni ver­öffentlichten 19. Durchführungsverordnung des Son­derbeauftragten für die Spinnstoffwirtschaft zur Ver­ordnung über die Verbrauchsregelung für Spinn- stofftvaren sind die mit dem AufdruckGültig nach Aufruft versehenen Bezugsabschnitte Nr. 1 b t s 2 0 der 3. Reichskleiderkarte für Männer, Frauey, Kna­ben, Mädchen und Kleinkinder aufgerufen worden. Der Zeitpunkt der Fälligkeit dieser 20 Bezugsab­schnitte ist für alle 3. Reichskleiderkarten einheitlich auf den 1. November 1942 festgesetzt worden, worden.

In der gleichen Durchführungsverordnung ist die Geltungsdauer der 2. Reichskleiderkarte für Männer, Frauen, Knaben, Mädchen und Kleinkinder und der 2. Zufatzkleiderkarte für Jugendliche über den 31. August 1942 hinaus um ein weiteres Jahr bis zum 31. August 1943 verlängert worden. Un­ausgenutzte Bezugsabschnitte der 2. Reichskleider­karte und der 2. Zusatzkleiderkarte für Jugendliche können also neben den Bezugsrechten der 3. Reichs- kleidertarte auch nach dem 31. August 1942 für An­schaffungen verwendet werden.

Die Vorarbeiten für die Herausgabe der 4. Reichs­kleiderkarte find bereits aufgenommen.

führte. Die von Herrn Payer geleitete Inszenie­rung war sichtlich auf Stimmung, Bewegung und Kontakt mit dem Publikum bedacht. Herr Löff­ler, der die Ausstattung betreute, kam dieser Ab­sicht durch Einbeziehung der Proszeniumslogen in das Bühnenbild entgegen; außer den Entwürfen für den fünffach wechselnden Schauplatz (für unseren Geschmack teilweise etwas sehr farbenfreudig) hatte er lustige Verwandlungsoorhänge gevinselt mit blauem Enzian und roten Herzen. Die Tanzgruppe, von der Ballettmeisterin Inge Berg temperament­voll geführt, hatte reichlich Gelegenheit zur Ent­faltung. Vock den drei Paaren schoß der Toni mit der Vroni unbestritten den Vogel ab: Annemarie Schwind als Mehlspeisköchin war gesanglich, tän­zerisch und auch sonst in ihrem Element; in Herrn Kurt Würtenberger (a. G.) hatte fie einen mit natürlichem Temperament, Humor und sym­pathischer Stimme begabten Partner. Valeska Lange fang sehr hübsch die Steffi, Herr Hell- mers-Hallwegh die etwas operettenmäßig-un- wahrfcheinliche Partie des Rennfahrers Frank. Käte Jaenicke als die ungebärdige Erika und Herr Payer als der gezierte Parfümfabrikant, der beim Fensterln einen Sondererfolg erzielte, machten das dritte Duett. Bei dem Berliner Monteur Knopp haben bewährte Vormlder, vor allem aus dem Weißen Rößl", Pate gestanden: für Herrn Bosny war die Rolle ein gelungener Anlaß, mit trockener Treffsicherheit feine mundartlichen Qualitäten spielen zu lassen. Vom umfänglichen Ensemble taten sich weiterhin Hella Henzky und Aenne E l g g, sowie die Herren Fischer, Heck, Seitz und Mayr hervor. Der 'Erfolg war, besonders nach dem vierten Bilde, groß; mehrere Wiederholungen, Applaus und Blumenspenden. Hans Thyriot.

3m Kamps mit vielfach überlegenem Feind.

Dom Einsatz des Gießener Ritterkreuzträgers Hauptmann Hudel.

Theater der Llniversitätsstadt Gießen.

, Fred Raymond: »Saison in Salzburgs.

Briefe in Bareiros Hand

Roman von Anna Elisabet Weirauch

Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

10.

Albrecht Sierinck kommt nach Hause, er begrüßt Frau und Kinder, es ist wie jeden Tag eine Szene voll heiterster Zärllichkeit, und da das Mädchen Betty hereinkommt und fragt, ob angerichtet wer­den soll, bittet er um einen Aufschub von fünf Minuten. Er will sich noch schnell vor dem Essen umkleiden, weil sie nachher einen Theaterbesuch vor­haben. Irmela hat ihn etwas zu spät daran erinnert, daß ihrAbonnementstag" ist.

Er läuft rasch und leichtfüßig die Treppe hinauf, die dicken Teppiche dämpfen seine Schritte, und als er über den Gang geht, sieht er mit einem Er­staunen, daß die Tür zu Irmelas Toilettenzimmer offensteht und Licht brennt.

Er kann von seinem Standpunkt aus den breiten Schrank für Kleider und Wäsche im Zimmer nicht sehen. Aber die Tür dieses Schrankes steht offen, und an der Innenseite dieser Tür ist ein breiter und hoher Spiegel angebracht. Sein Blick fällt gerade in dieses blinkende Glas, und er sieht darin feinen Schwager, der ein herausgezogenes Schiebefach durchwühlt.

Ein unklares Gefühl hätt ihn davon ab, der ersten Eingebung zu folgen, und den erstaunten Ruf: Was machst du denn da?" auszustoßen. Es ist durchaus kein Verdacht, es liegt nicht in seiner Ab­sicht, den Lauscher zu spielen. Es ist ihm einfach peinlich, einen erwachsenen Menschen bei einer Heimlichkeit zu ertappen. Und es hat etwas von Heimlichkeit und Verbotenem an sich, was er da

sieht ist es nicht das Etui mit der Kette, das | Gerd da eben in den Händen hält, unb nach einem flüchtigen Blick in die Brufttafche steckt?

Albrecht geht jetzt absichtlich geräuschlos ein paar Schritte zurück und beginnt zu pfeifen. Und dann tritt er sehr fest auf. Ein Schub fliegt zurück, und die Schranktür knarrt. Zwei Sekunden später steht Gerd ihm gegenüber, sein Gesicht ist leicht gerötet, aber er lächelt Albrecht mit klaren Augen entgegen:Ach du, Albrecht?"

Ja. Ich will mich noch schnell vorm Essen um­ziehen. Suchst du etwas?"

N ... ja." Er schwenkt ein zartes Stoffetzchen zwischen den Fingern.Ich hab' für Irmela ein Taschentuch geholt."

In diesem Augenblick faßt Albrecht den Entschluß, ihn festzuhallen.Gehst du eigentlich heute abend mit? Ich weiß gar nicht, was gegeben wird. Ach, sag mal, was ich dich noch fragen wollte." Er kommt auf etwas Geschäftliches zu sprechen, es läßt ihn nicht los, er zieht ihn im Gespräch in das Nebenzimmer.Irmela wird auf das Läppchen nicht warten, wenn sie einen Schnupfen hat, nutzt es ihr doch nichts sag doch mal eben ..." Er spricht und fragt, während er rasch den Rock und die Schuhe wechselt. Es ist keine Möglichkeit für Gerd zu entkommen.

. 11.

In der Zeit, da Albrecht sich umkleidet, kann Ir­mela rasch noch die Abendtasche packen das Glas ist darin, die Karten, Geldbörse und Schlüssel muß sie aus der anderen Tasche nehmen als sie die große Ledertasche öffnet, findet sie Papierschnitzel darin der zerrissene Brief.

Eine Sekunde geht ihr Blick suchend umher, lieber nicht in den Papierkorb, sie häuft sie mit einem raschen Entschluß in einer Aschenschale an und hält ein brenenbes Streichholz dagegen. Sie braucht noch eines und noch eines, bis das weiße Papier durch und durch geschwärzt ist, und sie die knistern­

den Stückchen mit einem kleinen Messingpinguin zu Asche zerreiben kann. So! Sie tuf es mit dem Gefühl einer befriedigten Rache, sie haßt dieses alberne Stück Papier, das ihr ein häßliches Zerr­bild entgegengehalten hat.

Mit Albrecht zusammen kommt Gerd ins Zimmer.

Hier hast du dein Taschentuch", sagt er und überreicht es ihr.

Was für ein Taschentuch? Hao ich's verloren?"

Du hast mich doch geschickt, um es zu holen!" Er steht so vor ihr, daß er ungesehen von Albrecht eine Grimasse schneiden kann. Er schielt sie an, genau wie als kleiner Junge, und sie versteht sofort.

Ach so, ja, danke", sagt sie mit einem unter­drückten Lachen.Entschuldige, ich bin wirklich zu konfus, das hatte ich schon wieder vergessen."

Albrecht hat das kleine Spiel wohl bemerkt, ihr flüchtiges Erstaunen, ihr schnelles Eingehen, und es kränkt ihn weit über Gebühr. Er hat immer eine leise Eifersucht auf das unbedingte Zusammenhalten der Geschwister. Es ist nicht das erstemal, daß er sich fremd und ausgeschlossen fühlt. Aber es wäre kindisch, darüber Worte zu verlieren, jetzt etwa eine Aufklärung zu fordern.

Bin ich so lange weggeblieben, daß das Essen angebrannt ist?" Er schnuppert mit einem halben Lachen.Es riecht angebrannt!"

Ach, das ist der Aschbecher", sagt Irmela ohne Ueberlegung,ich habe Papier verbrannt."

Was verbrennst du denn für Papiere im Asch­becher?" fragte er scherzend.

Unbezahlte Rechnungen natürlich!" erwiderte sie im gleichen Ton.

Das ist allerdings die bequemste Art, sie zu er­ledigen!" Er lacht, er fragt nicht weiter, und als Betty die Türen auseinanderschiebt, gehen sie gut­gelaunt zu Tisch. Aber während sie von anderen Dingen plaudern, sind Albrechts Gedanken ebenso wie Irmelas bei den verkohlten Papierstückchen in der Bronzeschale.

Natürlich ist es ein Unsinn, daß Irmela unbe­

zahlte Rechnungen verbrennt denkt Albrecht aber wie kommt sie darauf, das zu sagen? Und was hat.sie verbrannt? Man verbrennt nicht ein Stück Papier, wenn man es nicht unbedingt vernichtet haben will. Er kennt feine Frau, und er vertraut ihr, aber in einem Punkt hat er einen leisen Ver­dacht: das ist Gerd. Nicht unmöglich, daß sie eine Rechnung verbrannt hat eine Rechnung für Gerd, die sie bezahlt hat. Sie verzieht den Jungen, und das ist nicht zu seinem Besten. Herrgott, es ist doch nicht Geiz, wenn er den Jungen knapp hält! Das ist etwas, was Irmela anscheinend immer noch nicht begriffen hat Geld in den Fingern zu haben, ist eine Gefahr für junge Leute. Eine noch größere Gefahr ist das Bewußtsein, daß chre Schulden be­zahlt werden, wenn sie es verstehen, ein bißchen zu schmeicheln und zu bitten.

Ich muß Albrecht natürlich erzählen, daß ich einer. Brief verbrannt habe", denkt Irmela. Und was für einen! Die ganze Geschichte muß ich ihm erzählen. Daß er die Albernheiten nicht mehr lesen kann, das ist nur gut.Vielleicht werde ich hei­raten aber dich werde ich ewig lieben ..." Hatte nicht irgendwo solch ein Blödsinn auf den verkohlten Aschenresten gestanden? Wie soll ich Albrecht glaub­haft machen, daß das längst, längst vergessen war, als ich ihn kennenlernte? Er hat ein klein wenig Anlage zu dem Mißtrauen, daß ich ihn seines Reich­tums wegen geheiratet habe.. Trotzdem: es geht nicht, daß ich das kleinste Geheimnis vor ilM habe, ich könnte das Leben einfach nicht ertragen, wenn ich ihm etwas verbergen müßte.

Ich habe dir noch gar nicht erzählt, daß ich heute einen alten Bekannten getroffen habe!" Sie macht unmittelbar einen Anfang, aus ihren Gedanken her­aus.Du mußt ihn, glaube ich, auch kennen, Fer­nando Bareiro."

Ach?" fährt Gerd hoch.Hast du ihn getroffen? Wie komisch!"

(Fortsetzung folgt)