142. Jahrgang Nr. 89
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Gietzener Anzeiger
vriihlsche Univrrstlälidruckrrri 8. Lang« General-Anzeiger für Oberhessen «iehen^Lch-Iftratzk 2-9
Zreltag, 17. April 1942
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DerGtoß gegenEnglandsSeeherrschast.
Genf, 16. April. (DNB.) Die Londoner „Daily Mail" untersucht das Stärkeverhältnis zwischen der Flotte Englands und der USA. und den Seestreit- trösten der Achsenmächte. Dabei kommt das Blatt zu dem Schluß, daß während der letzten Wochen die englisch-amerikanischen Kriegs- und Handels- schiffsverluste katastrophal gewesen seien. Malta, der Schlüfselpunkt zur Unterbrechung der Achsenverbindungen nach Afrika, könne nur noch von kleinen Einheiten angelaufen werden. Im Indischen Ozean seien Colombo und Trinko- mali nach den letzten Verlusten nicht mehr als Flottenstützpunkte anzusehen. Die B r e n n st o f f - Versorgung aus Ostasien einschließlich der Lieferungen aus Borneo und Burma hätten a u f gehör t, die Lieferungen aus dem Iran und Irak feien gefährdet. Sowjetrussisches Oel stehe nicht zur Verfügung, das rumänische befinde sich in deutscher Hand. Im Karabischen Meer würden die englischen und amerikanischen Tanker mit Oel in steigendem Maße von den U-Booten der Achse angegriffen und versenkt. So müsse England auf seine in England selbst aufgestapelten Vorräte zurückgreifen, die zwar groß aber nicht unerschöpflich seien.
Mit einer mächtigen Flotte im Indischen Ozean und starken deutschen sowie italienischen Seestreit- kräften im Mittelmeer und im Atlantik seien der britischen Flotte auf allen Weltmeeren so gewaltige Aufgaben zugefallen, daß sie unterbiet er Saft zusammenbrechen müsse. Wolle England unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Versuch machen, irgendwo einen großen und entscheidenden Seesieg zu erringen, dann sei es jetzt gezwungen, f eine Flotte z u konzentrieren. Weder die Heimat- noch die Mittelmeer- noch die Fernostflotte seien noch in der Lage, unabhängig voneinander erfolgreich eine große und entscheidende Seeschlacht auszukämpfen. Die Seeherrschaft sei für England so gut wie verloren. Dies habe ernste Folgen und vor allem die, daß ein Sieg Großbritan
niens, seines Empires und der USA. und auch ein Sieg der Sowjetunion nicht möglich sei, so lange man nicht die frühere Herrschaft über die Weltmeere zurückgewinne.
„Man Hai den Geist sterben lassen."
Die Gründe
für den Niedergang der britischen Flotte.
Tokio, 17. April. (DNB. Funkspruch.) „Japan Times and Advertiser" befaßt sich mit der kläglichen Rolle, die die britische Flotte in diesem Kriege spielt. Das britische Empire verdanke seine Größe der Flotte, schreibt das Blatt und fährt fort: jedoch deuten die Taten der britischen Marine im jetzigen Ostasienkrieg darauf hin, daß alles dies der Geschichte angehört. Die Ausfahrt der britischen Marinestreitkräfte aus Singapur zehn Tage vor dem Fall der Insel, wodurch die Landtruppen ihrem Schicksal überlassen wurden, war Beweis für die Veränderung, die sich an einer Marine vollzogen hat, auf die England, die Herrin über sieben Meere, einst stolz war." Die Schlacht vor Ceylon sei ein weiterer Beweis für das moralische Absinken der britischen Marine, da nicht ein einziges der Schlachtschiffe sich herangewagt habe, um die angreifenden Japaner zum Kampf zu stellen. Die Kreuzer „Dorsetshire" und „Cornwall" hätten sichaufdem Wege nach einemsicheren Liegeplatz befunden, als sie von japanischen Flugzeugen eingeholt und versenkt wurden. Das Blatt schreibt zum Schluß: „Das britische Empire muß mit seiner Flotte fallen, wie es mit ihr in der Vergangenheit emporgestiegen ist. Das Fundament, aus dem sich ihre Größe aufbaut, ist dahin. Man hat d e n G e i st, der in den Herzen der Engländer hätte weiter leben und brennen müssen, sterben lasse n."
Japanische ümsassungsmanöver in Aordburina.
Schanghai, 16. April. (Europapreß.) Wie aus Mandalay, dem Sih des Hauptquartiers des britischen Generals Alexander, verlautet, ist es starken japanischen Streitkräften gelungen, den rechten von britischen Truppen gehaltenen Flügel der alliierten Stellungen in Nordburma zu umgehen. Hierdurch seien die Verbindungen mit den tschung- king-chinesischen Truppen stark gefährdet, um so mehr, als auch diese Truppen sich unter dem starken Druck der Japaner im Kampfabschnitt des Swa-Flufses weiter zurückziehen mühten.
Landung auf der Philippineninselpanay
Tokio, 17. Aprll. (DNB. Funkspruch.) Das Kaiserliche Hauptquartier bestättgt die am 16. April erfolgte Landung japanischer Truppen auf der Philippineninsel Panay und teilt mit, daß sich die militärische Lage auf der Insel.Panay ebenso wie auf Cebu zugunsten der japanischen Streitkräfte entwickele.
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Die bergige, stark bewaldete und sehr fruchtbare Insel Panay liegt südlich von der philippinischen Hauptinsel Luzq/r und hat eine Flächenausdehnung von 11520 qkm mit einer Bevölkerung von annähernd einer Million. Hauptstadt ist der bedeutende Hafen Jlo-Jlo an der Südküste der Insel, von dem Zuckerrohr, Reis, Tabak, Pfeffer und Edelhölzer ausgeführt werden.
Lorregidor unter dem Feuer der Japaner.
Tokio, 17.April. (DNB.°Fun7spruch.) Die letz- ieh Meldungen von der Ba-taanfront besagen, daß die japanische Artillerie seit Donnerstag ihr Feuer hauptsächlich gegen die feindlichen Stellungen im Süd feil der Insel fe st ung Corregidor richtet. Sie wird unterstützt durch fortgesetzte Bombenangriffe der Armee- und Marineluftwaffe. Das' gegnerische Feuer hat inzwischen völlig aufgehört. Die Baracken und alle übrigen
militärischen Einrichtungen der Insel sind vollständig zertrümmert, lieber der Festung lagern, dicke grauschwarze Rauchschwaden.
Politik der versengten Erde.
Amerikanische Zerstörungen auf Cebu.
Tokio, 16. April. (Europapreß.) Die Amerikaner verfolgen die Politik der versengten Erde auf den Philippinen und werden dabei durch manche kommunistisch infizierte Filipinoelemente unterstützt. Beispielsweise waren die japanischen Truppen noch nicht auf der Insel Cebu gelandet, als sie bereits von ihren Transportschiffen aus in der Nacht plötzlich Flammen in der Stadt Cebu hundert Meter hoch gegen den Himmel schlagen sahen. Der dumpfe Ton der Explosionen verriet ihnen, daß die Amerikaner die Benzintanks in Brand gesteckt hatten. •
Bei der Errichtung von Sperrbefestigungen benutzten die Amerikaner rücksichtslos alle Materialien, welche ihnen gerade zur Hand waren. Japanische Soldaten, welche den von den Amerikanern besetzten Wall genommen hatten und hinter den vermeintlichen Sandsäcken Deckung suchten, stellten fest, daß es sich um mit Zucker gefüllte Sacke handelte, wodurch es den Japanern gelang, ihre eisernen Rationen auf bequeme Weise zu ergänzen.
Tschungking
spürt den Ausfall der Burmastraße.
Hsinking, 16. April. (Europapreß.) Der Verlust der Burma-Straße - tritt für die Wehrkraft Tschungkings immer empfindlicher in Erscheinung. Nach Meldungen aus Schanghai fehlen den Truppen Tschiangkaischeks am meisten Benzin und Sanitätsmaterial. Der Mangel an nachrichtentechnischen Einrichtungen schwächt die Wirksamkeit des chinesischen Befehlsapparates. Tschiangkaifchek hat dringende Hilferufe nach Britisch-Jndien gerichtet, ihm das genannte Material sowie Munition im Werte von 1,2 Mill. Pfund sofort zu übersenden.
Krästegruppe der Sowjets im mittleren Frontabschnitt vernichtet.
Der Wehrmachtbericht.
DVD. Aus dem Führerhauptquartier, 16. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Osten griff der Feind an einzelnen Stellen an. Die Angriffe wurden blutig abgewiesen.
3m mittleren Abschnitt wurde eine von ihren Verbindungen abgefchnitlene Kräftegruppe der Sowjets vernichtet, nachdem alle vorhergehenden Ausbruchsversuche des Feindes unter hohen blutigen Verlusten gescheitert waren.
3m nördlichen Frontabschnitt gewannen Verbände des Heeres und der Waffen-^ bei örtlichen Angriffen unter schwierigsten Geländeverhältnissen weiter an Voden.
Bei Luftangriffen auf Murmansk wurden zahlreiche Bombentreffer in Kaianlagen und Lagergebäuden erzielt. Lin großes und zwei mittlere Handelsschiffe gerieten in Brand. Begleitende 3äger schossen sieben feindliche Flugzeuge ab.
3n Vordafrlka keine besoaderen Kampfhandlungen.
3n Luftkämpfen über dem Kanal und bei Einflügen des Feindes in die Deutsche Bucht schossen 3äger und Marineartillerie zehn britische Flugzeuge ab.
Kampfflugzeuge griffen in der Nacht zum 16. April den wichtigen britischen Hafen und Schiffs- bauplah Sunderland an. Vach Bombentreffern schweren Kalibers wurden ausgedehnte Brände beobachtet.
Britische Bomber führten in der letzten Nacht Störangriffe auf verschiedene Orte in Westdeutschland durch. Die Zivilbevölkerung hatte geringe Verluste. Ein feindliches Flugzeug wurde abgeschossen.
Trotz Schlamm und Schmelzwasser.
B e r I i n , 16. April. (DNB.) Zu der Vernichtung einer von ihren Verbindungen abgeschnittenen Kräfte- Gruppe des Feindes im mittleren Frontabschnitt teilt das OKW. ergänzend mit, daß die Bolschewisten verzweifelte Versuche unternahmen, die deutsche Abriegeluna zu durchbrechen. In den frühen Morgensttmdon Des 15.4. unternahm eine
feindliche Gruppe den Versuch, sich aus der deutschen Umklammerung zu befreien. Im wegelosen und vom Schmelzwasser überschwemmten Gelände wurde ein Regiment zum Gegenangriff angesctzt zusammen mit weiteren Truppen, die von der Gegenseite in den Kessel vorstießen. Ein Teil des Feindes versuchte sich in ein Waldstück zu retten, das jedoch bereits von deutschen Truppen umstellt war. Auch diese feindliche Gruppe wurde vernichtet
Einige Stunden später versuchte der Feind noch einmal durchzustoßen. Auch dieser Versuch mißlang und kostete den Bolschewisten über 900 Tote und 100 Mann Gefangene. Die Verhinderung des feindlichen Durchbruchversuches war für die deutschen Truppen im schlammigen und vom Schneewasser völlig aufgeweichten Gelände eine außerordentliche Leistung. •
Nordostwärts des Ilmensees versuchte der Feind nach einstündigem Trommelfeuer mit Unterstützung von mehreren Panzern die Stellungen eines Verbandes der Waffen-^ anzugreifen. Als es den Bolschewisten an einer Stelle gelang, in die deutsche Hauptkampflinie einzudringen, riegelten die deutschen Truppen durch einen Gegenstoß die Ein- bruchsstelle ob, wodurch die feindlichen Kräfte eingeschlossen wurden. An der S wir-Front zwischen Ladoga- und Onegasee, wo das beginnende mildere Wetter das Gelände noch nicht aufgeweicht hat, wurden eingedrungene feindliche Kräfte abgeriegelt, eingeschlossen und vernichtet. Eine weitere eingekesselte feindliche Kampfgruppe unternahm Ausbruchsversuche, die jedoch die Vernichtung der eingeschlossenen Bolschewisten nicht aufhalten konnten. Durch die Verleihung des Ritterkreuzes geehrt.
Berlin, 16. April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an Oberleutnants latzer, der als Staffelführer in einem, Sturzkampfgeschwader auf über 200 Einsätzen im Ostfeldzug hervorragende Waffentaten vollbrachte. Im Kampf gegen England vernichtete er vier Transportschiffe, warf einen Kreuzer in Brand und beschädigte zwei Zerstörer und ein Schlachtschiff. Als feine Staffel von vier Spitfire-Flugzeugen angegriffen und eine Besatzung durch Beschädigung des Flugzeuges über feindlichem Gebiet zum Fallschirmabsprung gezwungen wurde, landete Oberleutnant Platzer neben der ab gesprungenen Besatzung und rettete sie vor der Gefangennahme. Außerdem vernichtete er sechs Panzer, setzte eine Anzahl Batterien außer Gefecht, vernichtete einen Transportzug und brachte einen Munitionszug zur Explosion. Oberleutnant Platzer ist im März den Heldentod gestorben.
Admiral Oönitz beim Duce.
Der Duce empfing in Gegenwart des Unter- ftaatsfefretärs für die Märine, Admiral Riccardi, des deutschen Botschafters von Mackensen und des deutschen Marineattachös, Kapitän zur See Löwisch, den Befehlshaber der deutschen U-Boot-
Waffe, Admiral D ö n i tz.
Kamps um den fünften Erdteil.
Von Vizeadmiral Pfeiffer.
Der Krieg steht vor den Toren des fünften Erdteils! Ob er ihn in seinen Bereich ziehen wird, liegt ausschließlich in Japans Ermessen. Angesichts dieser militärischen Möglichkeit ist ey von Interesse, sich über die Gesamtlage Australiens Rechenschaft zu geben, soweit sie die militärischen Aussichten für den Verteidiger und Angreifer bestimmt.
Die Ausgangslage ist so, daß Japan durch den Besitz der Sunda-Jnseln, mit der in Kürze bevorstehenden Eroberung ganz Neuguineas und durch das Fußfassen auf der Insel Buka am NW=(Enbe der Salomon-Inselkette den australischen Kontinent von Nordwesten bis Nordosten in brauchbarem Flugabstand (zwischen 240 bis 600 sm) umfaßt hat und den See- und Luftraum in diesen Küstengebieten uneingeschränkt beherrscht. Für Australien und seinen neuen Befehlshaber, den vom Philippinen- Archipel geflüchteten General Mac Arthur ist die Lage so, daß sie sich bis auf mehr symbolische Hilfe der USA. durch Truppenkontingente und einige über Hawai—Samoa—Fidschi-Inseln und Neu-Kaledonien zur Luft herangeführte Langstreckenbomber auf die im Lande befindlichen schwachen Kräfte beschränkt sehen. Denn England hat sich im richtigen Gefühl feiner für die gleichzeitige Hilfe an Indien und Australien unzureichenden Kräfte und Transportmöglichkeiten bereits für feine Schatzkammer Indien entschieden unter Preisgabe Australiens, dessen Schutz es den USA. überlassen muß, ohne selbst bereit zu sein, die australischen Kontingente in Noro- afrika, Syrien, Iran, Irak und Indien heimzubefördern, was es mit Schiffsraummangel bemäntelt
Im Großen gesehen liegt der Schlüssel der Lage des fünften Erdteils in feinen Verkehrsver> t) ä 11 n i f f e n. Wählend der ganze Nordweften des Kontinents verkehrsarm, weitgehend vegetationslos und fieblungsarm ist, liegt neben dem Weizen- und Goldgebiet des südlichen Westauftraliens der wirtschaftliche und politische Schwerpunkt im Süd- osten, von Adelaide über Melbourne, Sydney und Newcastle bis etwa Cooktown in Queensland reichend. Die wichtigsten Orte stehen zwar in Eisenbahnverbindung untereinander und mit dem agrarischen Hinterland, aber jeder Bundesstaat hat nach seiner eigenen, meist von der des Nachbarn abweichenden, Spurweite gebaut. Und die feit langem beschlossene Angleichung der verschiedenen Systems steckt noch in den ersten Anfängen. Eine transkontinentale West-Ostverbindung verbindet Westaustva- lien mit dem wirtschaftskräftigeren Osten, aber die lange geplante Nord-Südlinie nach Port Darwin hat von Port Augusta erst die Mitte des Kontinents bei Alice Springs erreicht, rdährend von Port Dar. win aus nur eine kurze Schmalspurstrecke bis Daly Waters führt.
Das bisher fehlende, einheitliche Schienennetz und die Tatsache, daß alle bedeutenderen Niederlassungen am Meere liegen, haben der Küstenschif fahrt unter dem Schutze einer Navigattonsakte eine aus-
Das neue Kabinett Filoff.
Von unserem RH.-Korrespöndenten.
Sofia, Aprll 1942.
Die Gestalt des bulgarischen Mini st er- Präsidenten Professor Dr. Bogdan Filoff, der in feiner mehr als zweijährigen Arbeit Entscheidungen von historischem Ausmaß gefällt und Großbulgarien mitgeschaffen hat, bestimmt auch das Programm der neuen bulgarischen Regierung. Die Motive für die. Umbesetzung von nicht weniger als sechs Ministerien sind weder durch die Außenpolitik noch durch die Innenpolitik Bulgariens bedingt. Filoff, dessen Unterschrift auf dem Wiener Protokoll steht, in dem Bulgarien feinen Beitritt zum Dreimächtepakt vollzog, der auch den Antikominternpakt vom 25. November unterschrieb, der am 12. Dezember 1941 den Kriegszustand mit England und den USA. proklamierte, hat auch die Leitung des Außenministeriums mit dem Ziel einer Vereinheitlichung des Staatsapparates übernommen. Die Innenpolitik wird weiter von dem bisherigen Innenminister Gabrowski geleitet, der in das neue Kabinett übernommen wurde. Unverändert bleibt auch die Finanzpolitik des Staates, die in dem Finanzminister Bojileff einen Meister gefunden hat. Auch der Bauten- minifter Ingenieur Waffileff blieb auf feinem Posten.
Die Veränderungen in den übrigen Refforts sind daher nur persönlicher Natur. Mit dem neuen Kriegsminister Generalleutnant Michoff ersckeint eine Persönlichkeit vor der breiten Öffentlichkeit, die — Michoff war Kommandeur der Kriegsschule — nicht nur beim älteren, sondern auch beim jüngeren Offizierskorps sehr beliebt ist. Die Minister für Landwirtschaft und Verkehrswesen, Petro ff bzw. Radoslawoff, haben sich, jener zuletzt als Kreisdirektor von Sofia, dieser als tüchtiger Ingenieur und Generaldirektor des staatlichen Bergwerks Pernik, einen Namen gemacht. Der neue Unterrichtsminister Iotzoff, ein in Fachkreisen bekannter Philologe und Literaturkenner, war zuletzt Generalsekretär des Ministeriums und knüpfte dort enge Beziehungen mit feinem Vorgänaer, dem jetzigen Ministervräfidenten Professor Filoff an. Der neue Justizminister Partoff stammt aus der aufgeschlossenen jüngeren juristischen Generation: er kommt aus dem Obersten Verwaltunqsgericht in die Regierung. In der Reihe der Fachminister bildet scheinbar der Abgeordnete und bisherige Vizepräsident des Sobranje, Z a ch a r i e f f, eine Ausnahme. Aber sein sorgfältiges Studium des Genossenschaftswesens, seine einschlägige Mitarbeit in gewerblichen Organisationen und seine langjährige Praxis schaffen ihm alle Voraussetzungen für das Gelingen seiner Pläne. Er ist erst 44 Jahre alt und damit der jüngste Minister Bulgariens.
In seiner Regierungserklärung wies der Mini
sterpräsident auch auf die großen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten des Landes und die politische Anspannung als unausweichliche Begleiterscheinung der heutigen Zeit hin. Die Ueberleitung des Staates aus der friedlichen Epoche in die Anstrengungen des Krieges war das Werk der vorigen Regierung Filoff. Es wird von ihren Nachfolgern weitergefuhrt werden. Europa macht eine Verwandlung feiner Zügss und feines geistigen Inhalts durch, und auch der Balkan hat sich dieser Umwälzung unseres Erdteils angepaßt.
Unter diesen Gesichtspunkten muß der ideologische Teil der Regierungserklärung Filoffs vom Sonntag betrachtet werden. In 18 Thesen hat er angedeutet, in welcher Richtung die Ausgestaltung des Staates als nationale und soziale Heimstatt vor sich gehen soll. Das parteilose Regime ist demnach ein lieber» gang vom demokratisch-liberalen System zu den Grundsätzen des neuen Europas nach dem Vorbild der verbündeten Mächte Deutschland und Italien. Die neuen Ideen sollen der völklichen Eigenart der Bulgaren angepaßt werden. Träger der Idee des sozialen Staates und Mittler zwischen Volk und Führung werden die Staatsjugend Brannik, die Berufsoerbände der Arbeiter, Dauern, der Gewerbetreibenden und der Intelligenz, Hüter der soldatischen Tugenden der Verband der Wehrmachtreservisten sein. Die Regierungserklärung betont auch, daß alle nationalen Verbände ihren Anteil an dieser Hierarchie haben werden.
Wir hören Formulierungen, die uns wohl vertraut sind: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz", Forderung einer besseren Einheit und größeren sozialen Gerechtigkeit zum Schutz der sozial und wirtschaftlich schwachen Schichten. „Das Kapital muß in den Dienst der nationalen Belange gestellt", die Arbeit nicht nur „zum Recht des Bürgers, sondern zur Pflicht erhoben werden." — In logischer Konsequenz dieser Gedanken wird der Kampf gegen Kommunismus und Plutokratie, gegen volksfremde Elemente und ihre internationalen Verbindungen — eine Bezugnahme auf die noch ungeklärte Judenfrage —* weitergeführt werden.
Dieses Regierungsprogramm der 18 Thesen sprengt den Rahmen üblicher Regierungserklärung gen, so meint man hier. Es leitet eine neue Etappe in der Vereinigung aller geistigen und materiellen Mittel des Tages ein, es führt Bulgarien auf der Straße durch die neue Ordnung zu dem Platz, auf dem es in Europa würdig vertreten fein wird. Diese Erläuterung gibt Fingerzeige auch für die Bedeutung des Regierungswechsels in Bulgarien und beweist, daß Bulgarien im Sinne seiner so eifrig ausgebauten Armee nicht nur sein Herz, sondern auch seine Seele an das Schicksal der jungen kämpferischen Völker bindet.


