festliche Essen, heimlich und allmählich zusammengespart, genau so wie die Muhe zum Feiern; auch die wird man sich in den allermeisten Fällen durch vorausschauende Arbeitseinteilung oder durch rechtzeitiges Beschaffen von Vertretung sichern können. Mütter haben immer bewiesen, daß Liebe eine Wunderkraft ist. Sie werden der Tochter oder dem Sohn auch diesen Tag vollends zum Ehrentag machen.
Zur Feier sind die äußeren Dinge nicht einmal das Wichtigste, so erfreulich ein guter Schmaus, hübsche Geschenke und die neue Uniform auch sind. Schon diese Uniform aber — falls sie sich im Krieg rechtzeitig beschaffen läßt — ist mehr als äußeves Festgewand. Sie ist Symbol neuer Pflichten und einer neuen Lebensstufe. Wenn die Eltern spüren lassen, daß auch zu Hause eine neue Stufe von Kameradschaftlichkeit selbstverständlich ist, wenn Leistung, für die Gemeinschaft, Verantwortungsbewußtsein und Disziplin wachsen, so tun sie viel, um dem Kind den Lebensabschnitt eindringlich zu machen. Für Mütter ist diese Haltung manchmal nicht leicht, weil sie sich so ungern von dem Kind trennen, wie es war, als es noch von ihnen abhing, auf ihre Hilfe und Führung völlig angewiesen.
Jugend, die etwas taugt, wird aber um so eher Vertrauen rechtfertigen, je bereitwilliger es ihr geschenkt wird, je mehr man ihr Ehrgefühl anseuert. Selten wird erweiterte Selbstverantwortlichkeit — im rechten Maß und zu rechter Zeit verliehen — mißbraucht werden. Nichts gibt dem jungen Menschen soviel Bindung an die elterlichen Kameraden und soviel innere Haltung wie die Teilnahme an deren Interessen, Sorgen und Ueberlegungen. Gerade heute, da Mütter und Väter an der totalen Front ihre Dienste zu leisten haben, müssen sie sich
für diese ihre Heranwachsenden Kameraden und Freunde hie und da Zeit nehmen. Sonst läuft der Alltag über alles hin. Keiner denkt daran, wie sehr der andere Freundschaft und Kameradschaft bestätigt fühlen muß, und so lockert sich die innere Bindung. Am Tag der Verpflichtung vor allem sollte man seinem Kind schenken, was heute kostbarer ist als Geld: nämlich Zeit.
Doch auch das Geld läßt sich in ein Symbol des Vertrauens wandeln; etwa in der Form eines Sparbuches. Es braucht nicht gleich ein Vermögen au sein, aber vielleicht kann das Taschengeld so erhöht, vom Lehrlings- oder Arbeitslohn so viel zur Selbstverwaltung ab gezweigt werden, daß bei ernstlicher Sparsamkeit dem glücklichen Sparbuchbesitzer selbst die Möglichkeit bleibt, mitzuwirken am Wachsen seines Schatzes. Wieviel Träume,. Wünsche, Pläne werden lebendig bei dem Gedanken: „In einigen Jahren darfst du das Geld nach eigener Entscheidung verwenden."
Die Vierzehnjährigen wachsen in eine neue Zeit hinein, die auch von ihnen noch viel verlangen wird. Besser haben sie es dennoch als manche früheren Jahrgänge, die als wahrscheinliches Schicksal die Arbeitslosigkeit vor sich sahen. Die Jugend von heute weiß sich getragen von Staat und Gemeinschaft. Doch das allein weckt noch nicht alle ihre Kräfte. Irgendwo muß jeder suchende, werdende junge Mensch sich ganz persönlich verstanden fühlen, muß er Vertrauen und Liebe spüren. Der Tag der Verpflichtung zeigt daher nicht nur der Iuaend neue Pflicht, er verpflichtet auch alle Erwachsenen, ihr Bestes zu tun, um diese Jugend in der Pflichterfüllung zu unterstützen. Er ruft vor allem die Eltern auf, sich ihren eigenen jungen Kameraden verbunden zu fühlen, auch wenn sie nun die Schwelle der Kindheit überschreiten. Docky Hammer.
Der Tag der Verpflichtung
In der Nationalsozialistifchen Parteikorrespondenz erläutert Oberbannführer Otto Zander von der Reichsjugendführung Sinn und Bedeutung des Tages der Verpflichtung für Eltern und Kinder und schreibt sodann über die Ausgestaltung des Tages im einzelnen:
Die nationalsozialistische Bewegung, msbeson- dere die Hitler-Jugend selbst, hat alle im Kriege möglichen Vorbereitungen getroffen, dieser Feier eine besondere Bedeutung und Würde zu verleihen und den an ihr beteiligten jungen Deutschen mit dem weltanschaulichen Gehalt und der verpflick)- tenden Kraft dieses Ereignisses zu verbinden. An diesem Tage wird der einzelne aus der Gemeinschaft herausgehoben, um dem Führer sein persönliches Versprechen abzugeben, daß er in Liebe und Treue zu ihm und zu seiner Fahne allezeit seine Pflicht erfüllen wird. Der Hoheitsträger der NSDAP, wird ihm vor dem eigentlichen Akt der Verpflichtung noch einmal die Bedeutung dieses Augenblicks nahebringen, nachdem der zu verpflichtende Jugendliche in den vorangegangenen Heimabenden Der Hitler-Jugend den Sinn und den Inhalt der Verpflichtungsworte ,Hch verspreche, in der Hitler-Jugend allezeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne" vertraut gemacht worden ist. Nach der Ansprache des Hoheitsträaers folgt eine kurze Verabschiedung der Schulentlassenen durch den Schulleiter. Dann übergibt der Jungvolkfüftrer zugleich im Namen der Jungmädelführerin seine Jungen und Mädel an die Hitler-Jugend bzw. den Bund Deutscher Mädel. Der Führer der Hitler- Jugend übernimmt sie und weist sie noch einmal darauf hin, daß sie mit dem Blick auf den Führer, dem sie sich in dieser Stunde verpflichten, ihren Weg ins Leben antreten. Zur bleibenden Erinnerung an diese Stunde und an diesen Akt der Verpflichtung wird den verpflichteten Jungen und Mädeln ein Gedenkblatt mit dem Bild des Führers überreicht, dessen Aushändigung mit persönlichem Namensaufruf und einer Ehrung durch den Hoheitsträger verbunden ist.
Für die künstlerische Ausgestaltung der Feiern zur Verpflichtung der Jugend hat die nationalsozialistische Bewegung alle Mittel und Möglichkeiten bereitgestellt. Orchester, Musikkorps, Musikzüge, Spieleinheiten ^der Hitler-Jugend, Chöre der Jugend usw. werden in vollem Umfang hierbei eingesetzt. Die Reichsjugendführung hat ferner eine auf diesen Tag ab gestimmte Mustkliteratur für Chöre und Instrumentalmusik herausgegeben.
Da der Tag der Verpflichtung der Jugend ein Festtag des ganzen Volkes ist und im besonderen zugleich ein Ehrentag für die deutsche Familie, sind
die Eltern und nächsten Verwandten der »zur Verpflichtung gelangenden Jugendlichen durch den Hoheitsträger der NSDAP, und den Führer der Hitler-Jugend zur Feier eingeladen. Außerdem sind die Eltern mit ihren Jungen und Mädeln an den Vortagen oder am Vorabend der Verpflichtungsfeier Gäste der NSDAP, und der Hitler-Jugend bei den besonderen Der- anstaltungen im Rahmen des Deranstaltungsringes der HI., die Theateraufführungen, Konzerte, Dichterlesungen, Filmstunden oder Veranstaltungen der Spieleinheiten bringen. Reichsminister Dr. G o e b. b e l s hat zu diesem Zweck die deutschen Theater angewiesen, sich weitgehend in den Dienst dieser Veranstaltungen zu stellen und seinerseits einen größeren Betrag für die künstlerische Ausgestaltung des Vorabends zur Verfügung gestellt. Der Groß- deutsche Rundfunk wird die Bedeutung des Tages der Verpflichtung der Jugend mit einer Sendung am Vorabend der Übertragung der Haupt- veranstaltung im Deutschen Opernhaus zu Berlin unterstreichen. Buchhandlungen und Geschäfte, die geeignete Gefchenkartitel für den Tag der Dervflich- tung der Jugend führen, werden in ihren Schaufenstern kleine geschmackvolle Ausstellungen unter Hinweis auf dieses Ereignis bringen. Den Eltern der zur Verpflichtung gelangenden Jugendlichen gift in der vorangehenden Woche ein persönlicher Besuch des Hoheitsträgers zusammen mit dem HI.-Führer und der Führerin des B'DM. Hierbei wird die bisherige Haltung und Bewährung ihrer Jungen und Mädel in der nationalsozialistischen Jugendbewegung eine Würdigung erfahren und der weitere Lebensweg des Jugendlichen behandelt.
So wird von der nationalsozialistischen Bewegung alles getan, um über das Gemeinsame hinaus auch das. Persönliche zu werten und zu fördern. Denn der Führer hat uns wieder ins Bewußtsein gerufen, welch einen Wert der deutsche Mensch darstellt. Auf den Schlachtfeldern des Ostens hat sich gezeigt, was der einzelne deutsche Soldat wert ist» Dort steht mit ihm die Persönlichkeit gegen eine dumpfe und stumpfe Masse. Dort wiegt der einzelne Deutsche Hunderte von der anderen Seite auf. Nunmehr begreifen wir auch, was es bedeutet, wenn wir die Feststellung wiederholen: Am 22. März 1942 verpflichten sich 1,1 Millionen deutsche Jungen und Mädel freiwillig auf den Führer. Es ist dies keine tote Zahl, keine bloße Summe, sondern es ist ein Teil jener geballten deutschen Kraft, die stärker und mächtiger ist als alle Schätze der Plutokraten, und die auf der Waage der Geschichte den Ausschlag gibt.
Schwere Abwehrkämpfe bei Schnee und strengem Frost.
Berlin, 16. März. (DNB.) Wie das Oberkommando der Wehrmacht mitteift, hielt am Sonntag nordostwärts Taganrog und im Donez- gebiet die Kampftätigkeit trotz dauernder heftiger Sch nee stürme und bei strengem Frost weiterhin an. An verschiedenen Stellen wurden mehrfache Angriffe des Feindes in harten Kämpfen abgewehrt und dabei mehrere Panzer^ab- geschofsen. Auch im mittleren Frontabschnitt, insbesondere an den Punkten, die in den letzten Tagen wiederholt das Angriffsziel des Feindes waren, kam es bei anhaltenden Schneestürmen und Kältegraden biszu30Gradzu harten Abwehrkämpfen. In einem Korpsabschnitt war dem Feind, begünstigt durch den Schneesturm, der nur Sicht auf kürzeste Entfernung zuließ, ein örtlicher Einbruch in unübersichtlichem Waldgelände gelungen. Nach löftünbigem harten Kampf konnte die Einbruchsstelle im Gegenangriff wieder ge= schlossen werden. Der Feind erlitt dabei hohe blutige Verluste. Jrn N o r d a b s ch n i 11 der Front wurde bei auch dort herrschenden Schneestürmen in einem Divisionsabschnitt allein am Nachmittag des 15. 3. drei feindliche Angriffe unter hohen blutigen Verlusten für den Gegner abgeschlagen.
Der Wehrmachiberichi.
DNB. AusdemFührerhauptquarlier, 16. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der Halbinsel Kertsch wiederholte der Feind auch gestern seine von zahlreichen Panzern unlersiühten Wassenangrisse. Sie scheiterten an der tapferen Abwehr der deutsch-rumänischen Truppen. Die Sowjets hatten hohe blutige Verluste und verloren 48 Panzer. Damit wurden in den letzten drei Tagen an diesem Frontabschnitt insgesamt 136 feindliche Panzer vernichtet. x
An anderen Stellen der O st f r o n t wurden feindliche Angriffe bei heftigem Schneesturm in harten Kämpfen zurückgeschlagen.
Starke Kampf- und Jagdfliegerverbände unterstützten in rollenden Angriffen die Kämpfe auf der Erde und vernichteten 4 5 feindliche Flugzeuge; ein eigenes Flug-eug ging verloren.
Bei der Abwehr starker wochenlang wiederholter Angriffe des Feindes hat sich die sächsische 134. Infanterie-Division besonders airs- gezeichnet.
An der Mur man küste wurden ein großer Transporter in Brand geworfen und Hafen- und Bahnanlagen in Murmansk bombardiert.
In Nordafrika wurden feindliche Aufklä- rupgskräfte zurückgeworfen. Ein britischer Flugplatz im ägyptischen Küstengebiet sowie militärische Anlagen in Tobruk erfolgreich bombardiert. Bei Luftangriffen auf feindliche Kraftfahrkolonnen in der östlichen Lyrenaika wurden mehrere Fahrzeuge in Brand geschossen.
Auf Malta griffen deutsche Kampf- und Jagdflugzeuge bei Tag und Nacht britische Flugplätze und Flakstellungen sowie militärische Anlagen von La Valetta an.
Schnellboote griffen im Kanal einen britischen Zerstörerverband an und torpedierten einen Zerstörer, der nach zwei starken Detonationen unter- ging. In einem weiteren Gefecht wurde ein britisches Kanonenboot so schwer getroffen, daß auch mit seinem Verlust zu rechnen ist. Lin eigenes Schnellboot wurde schwer beschädigt und ging nach Abschluß der Kämpfe beim Abschleppen unter.
Im mittleren Atlantik versenkte ein deutsches Kampfflugzeug ein britisches Handelsschiff von 2000 VRT.
3n den Kämpfen des 13. März hat der Oberwachtmeister Schroedel, Geschützführer in einer Sturmgeschühabteilung, acht feindliche Panzer, darunter drei schwere, abgeschossen.
Zu Generalobersten befördert.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 16. März. Der Führer beförderte die Generale der
Panzertruppe Reinhard! und Schmidt zll Generalobersten. Beide sind verdienstvolle Ober*» befehlshaber von Armeen, die sich in den schweren Abwehrschlachten des Winters besonders ausgezeichnet haben.
Das Ritterkreuz.
Berlin, 14. März. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz an: Oberst von Erdmann s- d o r f f, Kommandeur eines Infanterieregiments, Hauptmann Betz, Bataillons sichrer in einem Schützen-Regiment, und Hauptmann Bürger, Bataillonsführer in einem Infanterieregiment. — Oberst von Erdmannsdorff zeichnete sich bet der Verteidigung einer wichtigen Stadt im Raume südlich des Ilmensees aus. Den Sowjets, die mit weit überlegenen Kräften und von Panzern unterstützt gegen die Stadt vorstießen, getan'g es mehrfach, vorübergehend in die Stadt einzudringen. Immer wieder verstand es Oberst von Erdmannsdorff, feine Infanteristen trotz einer Kälte von 30 bis 40 Grad und scharfem Ostwind zum Gegenstoß vorzureißen. So wurden 91 Taa- und Nachtangriffe unter ungeheuren Verlusten für die Bolschewisten erfolgreich abgewiesen. — Hauptmann Betz hatte entscheidenden Anteil an der Vernichtung der vorübergehend in die Hauptkampflinie eingedrungenen Sowjets, die dabei über 2000 Tote, über 200 Gefangene, 37 schwere und acht mittlere Panzer verloren. — Hauptmann Bürger warf in kühnem Gegenstoß den in der rechten Flanke seines Abschnittes eingebrochenen Gegner zurück und schloß die Einbruchslücke.
*
Der Führer verlieh ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Hauptmann Petersen, Staffelkapitän in einem Kampfgeschwader. Unter schwierigsten Wetterverhältnissen hat er in den Abwehrkämpfen auf der Halbinsel Krim zahlreiche Tiefangriffe auf feindliche Kolonnen und Nachschubstraßen durchgeführt und dem Gegner so schwere blutige und materielle Verluste zugefügt, daß die eigene Abwehrfront entscheidend entlastet wurde. Bei einem kühnen Tiefangriff auf den Hafen Tuapse am Schwarzen Meer zerstörte er eine stark geschützte Oelanlage, wodurch die Versorgung des Gegners nachhaltig getroffen wurde.
Berlin, L6. März. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Major Werner Schulze, Bataillonskommandeur in einem Infanterie-Regiment, und Hauptmann Rittershausen, Kompaniechef in einem Infanterie- Regiment. Major Schulze riegelte mit zusammengerafften Reserven eine Einbruchstelle ab, vernichtete im harten Kampf die Sowjetarmisten und eroberte die Hauptkampflinie restlos zurück. Hauptmann Rittershausen eroberte einen für die Kampfführung wichtigen Ort, in dem die Bolschewisten, unterstützt von zwei Batterien, sich zäh verteidigten. Mit wenigen Mann stürmte der Kompanieführer vpr und eroberte die Geschütze. Dadurch machte er für seine Division den Weg nach vorwärts frei. Er wurde 1899 in Dillenburg geborgen.
„Das Nennen um die Zeit verloren."
General Wabell über die britische« Niederlagen in Ostasien.
Lissabon, 16. März. (Europapreß.) General W a v e l l hat englischen und nordamerikamschen Journalisten in Neu Delhi ein Interview gewährt, in dem er sich über die Gründe der britischen Niederlagen auf Malaya und Singapur verbreitete. Er betonte, daß die britischen Soldaten für den Kampf auf den Hochebenen von Iran ausgebildet gewesen mären,' darum seien sie auch den im Dschungelkrieg erfahrenen japanischen Soldaten unterlegen gewesen. Für die Schwierigkeiten bei der Verteidigung Burmas machte er den britischen Nachschub verantwortlich. Die britischen Frontlinien wären varallel.zu den Nachschublinien verlaufen. Jeder Militär wisse, was das zu bedeuten habe. Die Hilfe der Alliierten für Burma fei zu spät und in Zu geringem Umfange eingetroffen. Auf die Frage der Journalisten über die Niederlage in Java ant-
Der feurige Gfeu
Roman von Hans von Hülsen
41. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nein, Marion, diesmal ist es etwas Menschliches.
Und gerade darum wünschte ich, daß du dabei bist." „Also gut, ich telephoniere Fontana. Ist es meinem lieben Pascha recht, wenn wir die Musik auf den Sonntag verschieben?"
Christian Fehr nickte nur. Er ärgerte sich über sich selbst, daß er feinen Ton so wenig beherrscht hatte. War Marion nun verstimmt? Das fürchtete er, das lähmte ihn selber immer. Und gerade jetzt hatte er die volle innere Freiheit und Heiterkeit so notig.
Marion ging ins Herrenzimmer zum Fernsprecher. Ihr war nicht ganz geheuer zumute. Sie hatte kein ganz gutes Gewissen gegen Fehr. Viel hätte sie darum gegeben, Abbeg gerade jetzt zu vermeiden. Am letzten Samstag, als sie Fips zur Bahn brachte, hatte er sie in der Stadt wiedergetroffen und wieder mit seinen Fragen und Einladungen bedrängt.
Die alte Haushälterin droben im Jagdhaus sagte, Herr Fontana fei vor wenigen Minuten nach -em Schloß gefahren. ' .
„Gr ist schon fort", wandte sich Marion an Fehr, der hinter ihr eingetreten war: „Er ist schon unterwegs. Welches fino nun deine Befehle?"
„Ich habe keine Befehle, Marion/, erwiderte er nervös. ,Zch habe nur eine Bitte an dich geäußert. Du wirst zugeben, das kommt nicht allzu häufig vor. Aber wenn du sie nicht erfüllen und lieber Musik machen willst, so füge ich mich natürlich."
„Keine Rede davon. Ich schlage einfach vor, wir warten Fontana ab und nehmen ihn mit. Ewig hast du mit Abbeg ja wohl nicht zu reden. Wir können dann immer noch musizieren?
So geschah es. Zehn Minuten später wanderten sie zu dritt den Waldweg nach der „Sophienau" entlang. Die vielen Lastwagen hatten ihn schrecklich zugerichtet, er mußte im Frühjahr völlig erneuert werden. Das ging zu Lasten der Hüttenverwaltung.
Fontana, an Marions rechter Seite, äußerte fein lebhaftestes Vergnügen darüber^ baß dieser glückliche
Zufall es ihm vergönne, einmal eine Glashütte zu sehen: die erste in seinem Leben! Marion plauderte von dem Besuch, den sie Anfang Februar den Glasfabriken in Murano abgestattet hatten. Fehr selbst schwieg meist, in Gedanken mit dem beschäftigt, was ihm bevorstand. Er hatte feit dem Unglückstag, da er den Kaufvertrag unterzeichnete, die „Sophienau" nicht mehr betreten, hatte alle Formalitäten der Uebergabe durch Forstmeister Koch wahrnehmen lassen. Nur vom Hörensagen wußte er, daß dort draußen jetzt alles verändert war.
Nun sah er es mit Augen — schon von weitem, als sie aus dem Wald auf die Lichtung traten, wo die Hütte stand. Große Veränderung! Das Hüttengebäude selbst war erhalten, aber neu verputzt und durch einen Anbau erweitert. Maurer beschäftigten sich, einen zweiten Schornstein aufzumauern. Neben der Hütte war ein großes Blockhaus errichtet. Sie müßten über Feldbahngleise klettern, um an den Eingang des Hüttengebäudes zu kommen.
Dort fragte Fehr einen Arbeiter, dessen Gesicht er nicht kannte, nach Direktor Abbeg. Eine Bewegung mit dem Daumen bedeutete ihm, daß der Gewünschte in der Hütte sei.
So traten sie ein.
Im ersten Augenblick erschrak Fehr. Wie sah es hier aus! Wohin war das alte trauliche Bild der dunklen, räucherischen Hütte entschwunden, das er kannte, soweit sein Gedächtnis zurückreichte? Jetzt war hier alles geräumig, licht, modern. Der Fußboden, früher' aus gestampftem Lehm, war betoniert, große quadratische Fenster in halber Höhe der Wände ließen das Licht hereinfluten. Der Ofen war ganz neu und wohl ums Doppelte größer als vorher. Feurig flammten feine vielen Äugen. Die Arbeiter standen mit entblößtem Oberkörper auf der Plattform, die um den ganzen Rundbau herumlief, tauchten die Pfeifen em und bliesen die weiß- glühende Masse am Pfeifenende zur Kugel auf. Das war wie früher — aber die Weite und das viele Licht hatten alles Geheimnisvolle und Märchenhafte verjagt, das ehemals poetisch und erinnerungsreich um den Ofen gegeistert hatte. Nun herrschte hier die Nüchternheit eines Fabrikbetriebs.
Mitten in dem großen Raum stand Abbeg, die Hände in den Hosentaschen vergraben, lebhaft auf einen Meister einredend.
Als er die drei sah, kam er ihnen entgegen.
„Baronin — hier paßt wirklich mal das alte Wort: ,Wie^ kommt mir solcher Glanz in meine Hütte!' — Sehr erfreut ,Baron, daß Sie mir einmal die Ehre schenken. Fürchte nur, es wird nicht alles nach Ihrem Gusto fein, was ich aus der Sophienau gemacht habe. Äber, wenn wir rationell arbeiten wollen, ging's nicht anders. — Darf ich die Herrschaften herumführen?" Und er setzte sich an Marions Seite und begann zu erklären.
„Sie arbeiten ja schon mit voller Kraft, sehe ich?" fragte Fehr, indem er auf den Ofen deutete.
„Mit halber, Baron. Der zweite Ofen wird erst in einigen Tagen rauchen. Aber trotzdem geht die Produktion schon weit über die Höchstzahlen von früher hinaus. Wenn Sie genau Hinsehen — dieser moderne Ofen ist ganz anders konstruiert als Ihr alter Backofen. Siemens-System, wissen Sie. Sie haben Ihren Ofen alle drei Monate neu aufbauen müssen, und Ähre Häfen waren nach drei Wochen kaputt — hab' ich recht? Dieser Kerl hier wird drei Jahre stehen, und meine Häfen halten sechs Wochen. Und wenn Sie für einen Zentner Glas acht Zentner Holz verbraucht haben — ich komme mit einem Zentner aus. Segen der Nationalisierung, von der Sie in München nichts wissen wollten! — Hier sind die neuen Kühlöfen. Alles von Grund auf erneuert —"
„Und nfas fabrizieren Sie nun?" fragte Marion, um sich den Anschein von Interesse zu geben.
„Tja, mit den kostbaren Kunstgläsern ist's Essig! Wir arbeiten nicht mehr für den Luxus, sondern für den praktischen Bedarf. Retorten, Phiolen, Röhren, Reagenzgläser — alles, was die Herren Chemiker so brauchen. Daraus machen wir so nach und nach eine Spezialität. In ein paar Jahren, prophezei' ich Ihnen, wird es kein Laboratorium in Deutschland mehr geben, das nicht Sophienauer Artikel verwendet. Der Bedarf ist ja ungeheuer —"
Fontana trat an den Ofen, um ein Weilchen zuzusehen. Abbeg holte eine schwarze Brille aus der Tasche und setzte sie ihm auf. Er sah die wabernde Lohe in den runden Fenstern der Oefen, aus denen die Bläser mit langer Pfeife ein Klümpchen flüssigen Glases herausholten, — er sah an dem hoch- geschwungenen, unablässig gedrehten Rohr durch den
Hauch der Lunge das Klümpchen zum glühenden Ballon aufschwellen sah den Ballon in der hölzernen Form verschwinden, die unter seiner Glut aufzischte — sah ein seltsam geformtes Gefäß daraus hervorgehen, rotglühend jetzt, und wieder in die Glut des Ofens zurückwandern, damit es abermals zur Weißglut erhitzt werde. Er fclh andere Bläser den glühenden Ballon mit einer wassertriefenden hölzernen Schere in Form bringen, sah, wie Lehrlinge halbfertige Gebilde mit Holzgabeln zum Kühlofen trugen ... Das alles war sehr interessant für ihn, er hatte niemals etwas Aehnliches gesehen.
Abbeg hielt inzwischen dem Baron einen Vortrag über feine Vorkehrungen für die Fabrikation optischer Gläser, die er aufnehmen wolle, sobald der zweite Ofen in Betrieb sei.
Christian Fehr hörte aufmerksam zu. Die kalte, sachliche Leidenschaft machte ihm Eindruck, ohne Zweifel. Vielleicht hatte er diesen Mann mit den Fischaugen doch falsch eingeschätzt. Vielleicht war er wirklich gichtiger — ja, vielleicht war es sogar edler, optische und chemische Gläser herzu- stellen, die der Wissenschaft und der Forschung dienten, als kostbare Kunstkelche, die in den Vitrinen der Sammler verschwanden. Vielleicht war das, was ihm in so vielen bösen Stunden den Sinn verdüsterte, der Verkauf der alten, von Vater und Vorväter ererbten Hütte, vor einem höheren Gesichtspunkte doch gerechtfertigt und gut. Er sagte plötzlich:
„Ja, lieber Direktor, ich gebe mich vollkommen geschlagen von allem, was Sie mir erzählen, und was ich hier mit Augen sehe. Es ist gewissermaßen der Triumph unserer Zeit über Liebhabereien einer absterbenden Generation. Ich selber gehöre zur ab- sterbenden Generation, darüber mache ich mir gar nichts vor — und Sie vertreten unsere Zeit —, unbedingt! Da ist es ja nur in der Ordnung, daß ich Ihnen und Ihrem Wirken hier das Feld geräumt habe. ,Das Alte stürzt — und neues Leben blüht aus den Ruinen/ Sehr gut, wenn man's mal unter diesem Gesichtswinkel betrachtet. Gut und heilsam. Es zieht einem gewissermaßen einen Dorn aus der Pfote! — Aber ein anderer sitzt noch drin und schwärt. Möchten Sie sich nicht als Tierarzt betätigen, lieber Direktor?"
Fortsetzung foM


