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Dienstag, 17. März 1942

Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger für Oberhessen * «letzt»,^chulftratze 7-4

O2. Jahrgang Nr. 64 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags

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Indiens Absage an Roosevelt.

Bangkok, 16. März. (Europapreß.) Eine scharfe Absage des indischen Volkes an den USA.- Präsidenten 'Roosevelt erteilte der indische nationale Rat in Thailand am Montag­abend über den Bangkok-Rundfunk. Die Erklärung lautet,

Seit Ausbruch des Krieges haben die Inder eingesehen, daß die Vereinigten Staaten, und vor allem Präsident Roosevelt, auf feiten des bri­tischen Imperialismus standen, denn die Ver­einigten Staaten betrachten sich als die gesetzlichen Nachfolger Großbritanniens. Es ist Roosevelt, der versucht, die Beute des britischen Empire zu erben. Indien war besonders enttäuscht, als Roosevelt und Churchill ihre berüchtigte atlan­tische Urkunde aussetzten. Als die Punkte dieser Erklärung in Indien bekannt wurden, und als Churchill ausdrücklich erklärte, daß Indien nicht eingeschlossen sei, wehte ein Protest­sturm durch das nationale Indien, Indien erkannte ein für allemal, daß Roosevelt nicht der Verfechter der Freiheit ist, für den er sich ausgibt, sondern ein skrupelloser Geschäftsmann und Bankier, für den Wahrheit nur solange etwas bedeutet, als ein Extraprofit vorliegt. Der Plan, eine amerika­nische Wirtschafts Mission nach Indien zu entsenden, um Indiens Schätze in einem noch grö­ßeren Umfang- auszubeuten als bisher, hat jeden­falls die wahren Absichten Roosevelts gegenüber Indien bewiesen. Falls Roosevelt dem Vorschlag Churchills zustimmt (die Garantie für die britischen Versprechungen auf.Verleihung des Dominion- status nach dem Kriege zu übernehmen), so wird Indien dadurch nicht verleitet werden. Es wird einem solchen Schritt keinerlei Bedeutung beimessen. Indien will nicht wieder verraten werden."

England mobilisiert die indischen Fürsten gegen die Freiheitsbewegung.

Bangkok, 17. März. (DNB.-Funkfpruch.) In hiesigem indischen nationalistischen Kreisen wird zum Zusammentritt derF ü r st e n - K a m m e r" in In­

dien darauf hingewiesen, daß London erneut den Versuch mache, den Weg Indiens zur Unabhängig, kett mit Hilfe der indischen Fürsten zu blockieren. Genau so wie man die Mohammedaner gegen die Kongreßpartei ausspielte, so benutze man die Ansprüche der Fürsten, um die angebliche Unmög­lichkeit zu beweisen, Indien eine freiheitliche Ver­fassung zu geben. In den letzten englischen Berichten werde schon vor Beginn der Sitzung darauf hinge­wiesen, daß die Fürsten sich sicherlich auf den Stand­punkt stellten, ihre Interessen müßten bei einer Re- form der indischen Verfassung gewährleistet werden. Da Indien über 600 größere und kleinere von Eng­land künstlich aufrechterhaltene Fürstentümer zähle, deren Existenz von der Gnade Großbritanniens ab­hänge, könne man ermessen, welche Widerstands- kräfte England gegen die indische Nationalbewegung ins Feld führen wolle.

Roosevelts ^persönlicher Minister" für Indien.

Lissabon, 17. März. (Europapreß.) Präsident Roosevelt hat den früheren Kriegssekretär Louis Johnson zum Stellvertreter des Chefs der USA.- Mission in Indien mit dem Rang einespersönlichen Ministers" ernannt. Stephen Early, der Sekretär des Weißen Hauses, fügte dieser Mitteilung hinzu, der Titelpersönlicher Minister" bebeufe, oaß der Träger keine amtliche Funktion ausübe.

Die für Indien bestimmte Kommission hat den Auftrag, die von England systematisch vernach­lässigte Entwicklungderindischen S chw e r- industrie zu fördern und zu beschleunigen. Auch in Kapstadt wird eine ähnliche nordamerikanische Kommission erwartet. Sie soll eine Rationalisierung der südafrikanischen Schwerindustrie und der Berg- Werksunternehmungen durchführen, wobei besonders an die Einschränkung des Goldbergbaues zugunsten der Förderung anderer für die Rüstungsindustrie wichtigerer Mineralien gedacht ist.

Englands Kolonialpolitik hat versagt.

Selbstanklagen der »Times".

Genf, 17. März. (DNB.-Funkspruch.) Die JSjv» mes" befaßt sich mit den Mängeln ber britischen Kolonialverwaltung. Die Katastrophe von Malakka habe blitzartig die Aufmerksamkeit ganz Englands auf die Struktur des kolonialen b r i t i -- fchen Empire gelenkt. Der Bestand Englands als Großmacht hänge davon ab, ob es endlich seine Lektion lerne. Es stehe fest, daß die meisten Men­schen in England jetzt die Gewißheit erhalten hätten, daß die eigene Kolonialoerwaltung den neuen, in der Welt herrschenden Verhältnissen angepaßt wer-' den müsse. Eine solche Anpassung sei um so not­wendiger, als alle Verbündeten Englands kritische Blicke auf das Empire würfen. Das Blatt fragt, was wohl geschehe, wenn plötzlich feindliche Trup­pentransporter und Flugzeugträger auf der Außen­reede von Mombasa (Ostafrika) erschienen. Wie werde die Mehrzahl der Bevölkerung von Kenia darauf reagieren-? Würden die verschiedenen dort bestehenden indischen Gemeinschaften, die einzelnen mit der britischen Verwaltung unzufriede­nen Stämme sowie die an der Kiffte siedelnden Araber sich der Verteidigung Kenias zur Ver­fügung stellen? Das sei sehr unwahrschein­lich, denn die brittsche Kolonialverwaltung habe mit veralteten Methoden gearbeitet, die im Grund­satz während des letzten Jahrhunderts feftgelegt wor­den seien. Es seien Grundsätze, die der erste Welt­

krieg noch nicht zu zerstören vermocht habe. Einer dieser Grundsätze sei die Auffassung, daß das Em­pire dem Wohlstand des Mutterland'es dienen müsse. Inzwischen aber hätten Deutschland und Italien mit der ihnen innewohnenden inrperia- len Dynamik in den letzten Jahren neuen Grund- s ä tz e n Geltung verschafft. England hätte diese neue Taktik sich zu eigen machen und in der Kolonialver-- waltung ausnutzen sollen. Die britische Kolonialver­waltung habe sich so gut wie gar nicht um das Wohl der eingeborenen Bevölkerung gekümmert. Einzelne Handelsgesellschaften, die nur sich selbst und niemand anderen verantwortlich seien, hätten sich nach freiem Ermessen diese Dinge angelegen sein lassen. Die Folge sei gewesen, daß viele Kolo­nien schnell industrialisiert wurden und die sozia­len Belange gänzlich vernachlässigt wurden. Armenviertel von Eingeborenen seien ent­standen, ohne daß irgend jemand sich um die wirt­schaftliche Not ihrer Einwohner sorge. Die Eingebo­renen habei man, solange sie noch arbeitsfähig wa­ren, mit niedrigen Löhnen ab gespeist, und es ihnen selbst überlassen, wie sie im Alter mit sich und ihren Familien fertig würden. Jetzt habe man in Ostasien den außerordentlich hohen Preis für die falschen Methoden der britischen Kolonialverwaltung zu zah­len. Der japanische Angriff habe alle Schwächen unbarmherzig in Erscheinung treten lassen.

Oie Bolschewisierung Irans.

Ankara, 16. März. (Europapreß.) Nach neue­sten Meldungen aus Iran haben sowjetische Trup­pen an zahlreichen Stellen die ursprünglich verein­barte Demarkationslinie überschritten und weiteres Gebiet, namentlich in W e st i r a n, unter ihre Kontrolle gebracht. So sind sie über den Rewandus-Paß im Anmarsch auf das O e l g e b i e t 0 0 n M 0 s s u l, während sich d i e B r i t e n in den bisher von ihnen besetzten Zonen überall zurück­ziehen. Nach Meldungen aus Teheran scheint die von den Bolschewisten gewünschte neue Demar­kationslinie etwa auf der Linie Hamadan SultanahadIsfahan zu verlaufen. Sie würde da- mit der Grenze der russischen Einflußzone aus dem britisch-russischen Verttag vom Jahre 1907 ent­sprechen.

In den Randgebieten der iranischen Staates, vor allem im Osten, Südosten und Süden, sollen um­fangreiche Aufstanüsbewegungen unter den Nomadenstämmen ausgebrochen sein. Auch in den nordöstlichen Provinzen, vor allem in Noras- s a n, sollen die Stämme im Aufstand gegen die sowjetischen Besatzungstruppen stehen, da diese alle Nahrungsmittel im Lande beschlagnahmen und außer Landes bringen. Der Verkehr auf der trans­iranischen Bahn mußte vorübergehend eingestellt werden, die Materialtransporte aus den Häfen des Persischen Golfes zum Kaspischen Meer sind ins Stocken geraten. Die nordamerikanische Militär­mission in Teheran scheine kurz vor der Abreise zu stehen.

Die Alarmmeldungen aus dem Iran finden na- tyrgemäß in der Türkei stärkste Beachtung. Eng­lische Berichte mit der offenkundigen Tendenz zu be­ruhigen, bleiben ohne Wirkung. Die Zeitung ,Hk- dam" erklärt, die Schwierigkeiten im Iran hätten ihren Anfang mit der Besetzung des Landes und mit der Absetzung Rezah Schahs, mit der Vermin­derung der Bestände der iranischen Armee und mit der Zerschlagung der Regierungsautorität genom­men. Daneben müsse es auch noch vielfach zu un­bekannt gebliebenön Dingen von Bedeutung ge­

kommen sein, die nun die Ruhe und Ordnung in diesem Staate zerstören.

*

Als gegen Ende Aügust des Vorjahres englische Truppen die iranische Grenze bei Quasr-Schirin überschritten, während die Bolschewisten die irani­sche Provinz Asserbeidschcm zu besetzen begannen und die englische Flotte den Hafen Bender beschoß, den Kopfpunkt der ttansiranischen Bahn, geschah das angeblich, um Iran vor den bösen Deutschen zu retten, die von der iranischen Regierung als Techniker und Ingenieure ins Land gerufen worden waren, um das neue Iran mitgestalten zu helfen. DieseRettungsaktion", wie der LondonerDaily Herald" diese Aggression au nennen beliebte, war eine Untat, die um so schwerwiegender war, als die iranische Regierung niemals von der Linie der Neutralität abgewichen war. Die Strategie von London und Moskau lief aber darauf hinaus, sich mit Gewalt dieses Bindestückes zwischen Indien und dem Vorderen Orient zu bemächtigen.

Damals erhob der iranische Ministerpräsident Ali Mansur im Parlament von Teheran eine flam­mende Anklage gegen das Ultimatum, das von Iran das Aufgeben seiner Selbständigkeit forderte. Er fügte hinzu, der Einmarsch der Briten und Bolsche­wisten habe bereits begonnen, noch ehe die diplo­matischen Vertreter von London und Moskau ihm Mitteilung von der Besetzung Irans gemacht hätten. Zu schwach, den kombinierten höllischen Kräften zu widerstehen, unterwarf sich Iran, die Engländer be­setzten Süd-Iran, während die Bolschewisten stch Nord-Irans bemächtigten. Schah Reza Palewi, der tatkräftige Erneuerer seines Landes, wurde ge- zwunaen, zurückzutreten, und nach bekanntem Muster mußte das Teheraner Parlament, genau so wie Aegypten, einenBündnisoertrog mit Moskau und London" unterzeichnen, der m Wirrlichkett Iran den letzten Rest seiner Selbständigkeit nahnt, wobei der englische Gesandte Billard vechcherte, der Ver­trag bildeeine Gewähr für die Unabhanglg^it unb Jittegrität Ivans", und der BvtMfter der Sowjet.

union behauptete, alle demokratischen Länder wür­den die Unterzeichnung mit Freuden begrüßen.

Was die Vergewaltigung der Souveränität und die Verletzung der Integrität des Iran ausmachte, haben seitdem die Iraner schmerzlich verspürt. Der englische Außenminister.Eden hat in Moskau mit Stalin auch über Iran verhandelt, und die Folgen dieser Verhandlungen zeigten sich bald. Die Bolsche- wisierung Irans ist auf dem Marsch, England hat Moskau freie Hand gelassen, seitdem sind die Iraner nicht nur dem bolschewistischen Terror ausgeliefert, sondern auch der Hungersnot, da England sofort die Häfen Irans sperrte, trotz des abgeschlossenenBünd­nisvertrages". Die Folgen waren einzelne Aufstände iranischer Stämme, die aber von den Bolschewisten und Briten blutig unterdrückt wurden. Ende Fe­bruar rettete sich die Familie des neuen Schahs nach Aegypten, da die Gattin des Schahs eine Schwester König Faruks ist. Die Haltung der Bol­schewisten war derart geworden, daß man sogar für das Leben der Köniqsfamilie fürchtete.

In der Provinz Asserbeidschcm wurde das Sow- jeffystem eingerichtet, in ganz Iran ging die Jagd' gegen die Kaukasier los, die vor 20 Jahren vor den Bolschewisten geflüchtet waren und sich als Iraner hatten neutralisieren lassen. In Täbris er­richteten die Bolschewisten ein Kommissariat, das die Bolschewisierung in Angriff nehmen sollte, in Teheran selbst wurde ein GPU.-Büro eingerichtet, zahlreiche Iraner wurden meuchlings ermordet. Jetzt wird gemeldet, daß Teheran selbst von den Briten aufgegeben wurde, daß die Bolschewisierung auch des von ihren Truppen besetzten Teiles von Iran fortschreitet, wobei sich die englischen Truppen all­mählich aus Iran zurückziehen. Die Bolschewisierung Irans wird also vervollständigt. Eden hat im Auf­trage Churchills ein Land, das einer neuen Blüte entgegenging, im Namen des Selbstbestimmungs­rechtes der Völker nach dem Prinzip Churchills und Roosevelts der bolschewistischen Barbarei ausge­liefert. Das ist die Moral dieser Geschichte, und nur im Lande Roosevelts ist man mit dieser Vergewal­tigung und Bolschewisierung einverstanden.

Das Echo in den arabischen Ländern.

Saloniki, 17. März. (DNB.-Funkspruch.) In den arabischen Säubern wird die fortschreitende Bolschewisierung Irans mit wachsender Unruhe der­folgt Die Tatsache, daß die Sowjets mit Englands Einverständnis die Besetzung und Knebelung Irans planmäßig durchführen, hat überall Aufsehen er­regt Vor allem ruft das Verhalten Edens bei den arabischen Völkern Verwunderung hervor,' auf dessen Initiative Moskau freie Hand in der Behandlung Irans gelassen wird. Da die Bolsche­wisierung Irans mit Riesenschritten vor sich geht, scheint England diesen wichtigen Posten ebenso ab­zuschreiben, wie es auf den niederländisch-indischen Kolonialbesitz zu verzichten gezwungen ist. Der Prestigevetlust, den England und seine Politik durch die Entwicklung im Iran erleidet, wird sich zweifellos Im gesamten vorderen Orient stimmungs­mäßig auswirken.

Ans Kindern werden Kameraden.

NSK. Wenn der Tag der Verpflichtung der Jugend feierlich begangen wird, so ist es nicht nur die Jugend, der diese Feier gilt. Ganz Deutschland geht es an, wenn die Vierzehnjährigen den Schritt aus der Kindheit in einen verantwor­tungsvolleren Lebensabschnitt tun. Vor allem auch den Eltern dieser Buben und Mädel, die nun nicht mehr ganz Kinder sind und doch stets Kinder ihrer Eltern bleiben werden, gilt dieser Tag. Denn was in ihren Kräften stand, haben die Eltern ge­tan, die Kinderzeit zu behüten, sorglos und froh zu gestalten, und deshalb haben sie ihren Teil an der Feier, die im Leben der Jungen eine erste Wende bezeichnet.

Mit diesem festlichen Tag beginnt die Jugend sich bereitzumachen, der vorigen Generation die Last ein wenig von den Schultern zu nehmen. Diele treten in Lehre, Berufoder Pflichtjahr: der erste Schritt ist getan auf dem Weg, der einmal zur Selbständigkeit führen wird. Gerade die heutige Generation, die für die Aufbauarbeit im Innern, für den Krieg und für die unabsehbaren Ausgaben nach dem Siege alle Kräfte anspannen muß, be­grüßt diese jungen Reserven der Zukunft mit freu­diger Genugtuung. Hier kommen sie, die weiter­führen werden, was mit soviel Hingabe, mit so mancherlei Opfer begonnen worden ist.

Das Wort Verpflichtung hat einen ernsten mahnenden Klang. Alle, die bisher Kinder waren, sollen in den kommenden Jahren aus dem Kinder- gehorsam zu einer neuen Art des Gehorsams heranreifen: willig sollen sie sich einordnen aus eigener Erkenntnis des höheren Zweckes, aus der wahre Freiheit erwächst. Es werden nicht immer leichte Jahre fern; die eigene körperliche und seelische Entwicklung fordert viele Gedanken und Kräfte des Jugendlichen. Gerade deshalb soll und darf er nie vergessen, daß er Glied einer großen Ge­meinschaft ist. Gerade deshalb soll er Gedanken und Kräfte für diese Gemeinschaft noch bereit haben.

Weil aber mit dem Tag der Verpflichtung das Bewußtsein der Verantwortung und die Vorbereitung auf eine aufgabenreiche Zukunft eingeleitet wird, weil diese Jugend auf die Schul­tern nehmen soll, was die heutige Generation noch auf den ihren trägt, darum sollen auch die (Ettern in ihren Kindern an diesem Tag die Zukunft grüßen. Auch den Eltern muß die Wichtigkeit des Abschnittes so klar sein, wie sie den Neuner-^ pflichteten während der vorbereitenden Heimabende und durch die gemeinschaftliche Feier klargemachr wird. Soll eine unvergeßliche Erinnerung bleiben, sollen sich Vorsätze und guter Wille lebendig halten, so muß dieser Tag auch im Elternhaus aus dem Alltäglichen herausgehoben werden.

Der Mutter als dem Mittelpunkt der Familie fällt diese Aufgabe vor allem zu, um so mehr, als viele Väter an der Front stehen. Gewiß, es gibt heute in Deutschland wenig Mütter, die überflüssige Muße für festliche Vorbereitungen haben. Was trotz aller Beanspruchung ermöglicht wird, ist um so mehr Geschenk und Ehrung. Es läßt sich vieles scheinbar Unmögliche verwirklichen, wenn man nur rechtzeitig anfängt, vorzusorgen. Das gilt für das

Drei Jahre Slowakei.

Bon unserem Sch.-Korrespondenten.

Preßburg, im März 1942.

Die Slowakei beging am 14. März in würdigen Feiern den dreijährigen Bestand ihrer Selbständig­keit. Die kurze Zeitspanne ist ausgefüllt gewesen mit schwieriger Aufbauarbeit und Kampf. Der inner­staatliche Ausbau konnte unter dem deutschen Schutz ungestört seinen Verlauf nehmen und zeitigte be­reits vielversprechende Ergebnisse. Im Vorder­grund der dreijährigen Arbeit stand jedoch auch im Lande unter der Tatra der Kampf für das neue und gerechtere Europa. Die junge Slowakei ist vorbehaltlos in diesen Kampf eingetreten und be­reit, ihren Anteil zu leisten. Schon knapp sechs Monate nach Erringung der slowakischen Selbstän­digkeit marschierten die Soldaten der noch im Aus­bau befindlichen jungen Armee an der Seite der deutschen Wehrmacht gegen Polen. Und heute, im Endkampf für die kulturellen und materiellen Werte Europas, halten slowakische Divisionen tapfer und zäh ihren Abschnitt in der Front gegen den Bol­schewismus.

Die Innen- und Außenpolitik des flowakischen Staates ist durch eine entschlossene Lösung aller Probleme und klare Entscheidungen in internattona­len Fragen gekennzeichnet gewesen. Es kann dabei nicht übersehen werden, daß die Slowakei ein schwie- riges Erbe von dem künMchen Staatengebilde Tschecho-Slowakei mit übernommen hatte: die Ju­den und die tschechischen Staatsbeam- t e n. Der innerstaatliche Ausbau mußte unter Aus­schluß dieser Faktoren zum Teil auf völlig neue Grundlagen gestellt werden. Die slowakische Regie­rung ist an alle Probleme nicht nur energisch her- angegangen, sie hat auch die Grundlage für eine er­folgreiche Lösung derselben geschaffen. Die Planun­gen waren weitgehend auf die Interessen der arbei­tenden Gemeinschaft ausgerichtet und die bewährten Methoden des nationalsozialistischen Deutschlands konnten oft als Vorbild herangezogen werden. Die Zehntausende tschechischen Staatsbeamten wurden durch Slowaken ersetzt; die Iudenfrage konnte durch Schaffung von Rassengesetzen auf den Weg zur end­gültigen Lösung geführt werden.

Die Arbeitslosigkeit, das große Uebel der ver­gangenen Zeit, verschwand in den letzten Monaten vollends, und heute wird in einigen Industriezwei­gen sogar ein Mangel an Arbeitskräften festgestellt. Für die Arbeiter konnten Lohnerhöhungen durchge- setzt werden; Familienlöhne und ein geordnetes Für- sorgewesen wurden eingeführt. Einige dieser Pla- nuHigem konnten infolge der außergewöhnlichen Zei­

ten noch nicht zu Ende geführt werden. Sie Slo» malet kann jedoch auch auf diesem Gebiete den Ver- gleich mit vielen anderen Südostländern ruhig auf­nehmen.

Auf dem Gebiete des technischen Aufbaues wurden bedeutende Erfolge erzielt. Neue Straßenzüge, Eisenbahnstrecken, Brücken, Kraftwerke und Indu­strieanlagen entstanden.' Der Ausbau der Landwirt- schäft ist im Gange. Die slowakische Industrie weist volle Beschäftigung auf und gönnte auch die kriegs­bedingten Rohstosfschwierigkeiten überbrücken. Es muß erwähnt werden, daß der Krieg natürlich auch hier bereits zu Einschränkungen führte.

Innerhalb der europäischen Völkerfarnllie hat die Slowakei in den drei Jahren ihres Bestandes einen festen Platz erringen können. Die Außenpolitik der slowakischen Regierung stand vom Anbeginn im Zeichen der treuen Erfüllung aller Verpflichtungen. Als Mitgliedsstaat des Dreimächtepaktes und des Antikominternabkommens war es daher für die Slo­wakei selbstverständlich, daß sie feinen Augenblick lang zögerte und als erster Staat am 24. Juni 1941 ihre junge Armee an die Seite der ruhmreichen deutschen Wehrmacht in die Kampffront gegen den Bolschewismus stellte. Die formelle Proklamierung des Kriegszustandes mit den USA. fällt ebenfalls in den Rahmen der Politik der klaren Fronten, zu welcher die slowakische Nation sich stets bekannt hat. In der großen Auseinandersetzung für eine gerechte Ordnung dieses Kontinents will die Slowakei vor behaltlos ihren Beitrag leisten und auch vor Opfern nicht zurückschrecken.

Die Anerkennung, die dem slowakischen Front» soldaten von höchster deutscher Stelle und aus be. rufenem Munde bereits öfter zuteil wurde, ist ein Beweis, daß die slowakische Armee die neue Be­währungsprobe auf den weiten Schlachtfeldern des Ostens hervorragend bestanden hat. Es sind alle Propagandamanöver der in London sitzenden Emi< granten vergeblich gewesen. Der slowakische Sol­dat dachte nicht einen Augenblick lang daran, seine Haltung zu ändern, und auch der ruhige Ausbau des jungen Staates konnte durch die Versprechun­gen einiger Emigranten nicht gestört werden. Die Slowaken sahen die europäische Entwicklung völlig real und ohne Illusionen. Der Kamps um die eigene Freiheit war lang unh hart. Heute gilt es, diese Freiheit zu verteidigen: der Slowake ist sich längst bewußt geworden, daß er seine Opfer nicht zuletzt auch für den selbständigen Staat und die Zukunft feines Volkes bringt