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das östlichste Mittelmeer hatten zum Gegenstück, daß die Engländer Aegypten und Vorderasien nur ver­proviantieren können, wenn sie ihre Frachten um ganz Afrika herum schicken. Der denkbar längste Weg ist ihr Weg. Die Idee des Suez-Kanals ist aus den Kopf gestellt.

Der Abstieg der englischen Seemachcherrschaft wird hier augenscheinlich. Jeder Engländer empfin­det dies schwer. Nicht der Atlantik, sondern das Mittelmeer war der Schauplatz der Siege Nelsons über Napoleon! Aber: die englische Kriegsflotte ist durch ihre Zersplitterung gelähmt. Die Kriegsaus­weitung hat ihren eigenen Herrn geschlagen. Und so ist die Grundideee der Engländer im November und jetzt wieder, durch Landoperationen ihrer Kriegsflotte, die in den östlichsten Mittelmeer­winkel verbannt ist, Bewegungsfreiheit zu schaffen, insbesondere die Sperrlinien der Luftwaffe von

Kreta nach der Cyrenaika und von Sizilien nach Tripolis zu sprengen, auch den Nachschub nach Malta zu erleichtern und so diese Jnselfestung wie­der zu einer Ausfallbastion zu machen. Es ist das erste mal in der Seekriegsgeschichte Englands, daß es für seine Kriegsflotte Erleichterungen durch Operationen zu Lande erhofft!

Dieses Ziel ist der Maßstab für die Beurteilung der Schlacht in Libyen. Stalin steht sehr im Hinter­grund und das Argument der Zweiten Front ist ... Tarnung der urenglischen Pläne. Aber diese englischen Pläne sind schon jetzt in Libyen wie­der einmal gescheitert. Das Gesetz des Handelns liegt in den Händen des Generalobersten Rommel. Der Nachschub nach Libyen hat gut geklappt und so den anschaulichsten Beweis für die Verbannung der englischen Kriegsflotte in den östlichen Mittelmeer­zipfel geliefert.

Sieter Einbruch in das VerteidiglWSsyüein von Sewastopol.

Ser Wehrmachtberichi.

DNB. Aus dem Jührerhauptquarlier, 15. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Kampf um Sewastopol wurde der Feind trotz hartnäckiger Gegenwehr aus mehreren stark befestigten Stellungen der Südsront der F e st u n g geworfen. 3m Nachstoß gelang der an­greifenden 3nfanterie ein tiefer Einbruch in das feindliche Verteidigungssystem, lieber dem Festungs­gebiet schossen als Begleitschuh der Kampfgeschwa­der eingesetzte 3agdverbände ohne eigene Verluste 16 Sowjelflugzeuge ab.

3m Raum ostwärts Charkow wurden die Reste des geschlagenen Feindes vernichtet oder gefangen genommen. Die gestern gemeldeten Zahlen haben sich auf über 25 000 Gefangene, 266 Panzer und 208 Geschütze erhöht. 3m Raum o st w ärts Kursk wiesen deutsche und ungarische Truppen wiederholte Angriffe des Feindes ab.

3m mittleren und nördlichen Front­abschnitt nahmen eigene örtliche Angriffsunler- nehmungen im rückwärtigen Frontgebiet weiteren günstigen Verlauf. An verschiedenen Stellen wurden einzelne Gruppen regulärer Truppen und Banden vernichtet. An der w o l ch o w - F r o n t wurden

stärkere feindliche Angriffe in schweren Kämpfen abgefchlagen.

3n Lappland schlossen deutsche 3agdkomman- dos in weglosem Urwaldgelände feindliche Kräfte ein und vernichteten sie.

3m hohen Norden belegte die Luftwaffe das Hafengebiet von Murmansk mit Bomben und beschädigte einen feindlichen Zerstörer.

3n der Zeit vom 2. bis 11.3uni verlor die Sowjetluftwaffe 4 5 6 Flugzeuge, davon wur­den 343 in Cufftämpfen, 66 durch Flak­artillerie und 28 durch Verbände des Heeres ve r n i ch t e l, die übrigen am Boden zerstört, wäh­rend der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 47 eigene Flugzeuge verloren.

3n Nordafrika warfen deutsche und italie­nische Truppen den Feind in harten Kämpfen weiter zurück. Der Gegner verlor hierbei 52 Panzer und zahlreiches Kriegsgerät. Deutsche 3äger brach­ten am gestrigen Tage 14 britische Flug­zeuge zum Absturz.

3m Kampf um Sewastopol haben sich bei der Wegnahme des Forts Stalin ein Bataillon einer niedersächsischen 3nfanteriedivifion unter Füh­rung des Majors Arndt, eine Pionierkompanie unter Führung von Oberleutnant Heyer und eine Sturmgeschühbatterie unter Führung von Haupt­mann Caesar besonders ausgezeichnet.

Hessische Infanterie in

NSG. Seit Tagen tobt die große Schlacht u m Charkow. Es ist die Frühnngsschlacht des Krie­ges geaen den Bolschewismus, die am 12. Mai, am ersten sommerheißen Frühlingstag, begann und seit­dem ohne Unterbrechung forttöbt Die Soldaten freilich kommen kaum dazu, diesen Frühling zu ge­nießen, denn ihre Tage find angefüllt von Lärm und von den Anstrengungen der großen Schlacht. Sie haben sich mit eiserner und übermenschlicher Kraft gegen die Masse der sowjetischen Panzer- wehren müssen, die den Durchbruch nach Westen versuchten.

. Ander nördlichen Flanke steht ein hes­sisches In fanterie-Regiment, das seit Tagen einen Kampf auf Tod und Leben kämpft, und das, allen Massenangriffen zum Trotz, seine Stellungen behauptet hat. Die 76.sowjetische Gebirgs-Division ist gegen dieses Regiment ange­rannt' sie wurde zerschlagen. Nicht besser erging es der 13. Schütz- '' Division, dann der 227., der 293. und der 301. Infanterie-Division. Im Zeitraum von knapp einer Woche hat dieses eine Regiment fünfzig Angriffe abgeschlagen. Der Munitionsverbrauch hat einen Umfang erreicht, wie bisher während des ganzen Krieges noch nicht. Die Soldaten kämpfen und schießen und kämpfen und schießen und geben ihre Stellungen nicht preis. Und wenn sie da und dort aus taktischen Gründen einmal zurückgenommen werden sollen, dann fragen sie: Warum? Warum sollen wir zurück oder aus dem Dorf raus? Wir halten es!

Da liegt hart am Donez das Dorf Gr. Es ist ein Eckpfeiler der deutschen Abwehr und Verteidi­gung, und es ist gleichzeitig ein Zentrum des bol­schewistischen Angriffs. Südlich des Dorfes sind die Bolschewisten mit Massen durchgebrochen, und nun sickert diese lehmfarbige Flut langsam nach Westen, formiert sich zum Angriff, fommt wie die Flut des aufgeregten Meeres in immer neuen Wel­len angeftürmt. Im Dorf fitzt eine kleine deutsche Kampfgruppe unter Führung eines verwundeten

der Frühlingsschlacht.

Oberleutnanats, der mit durchschossenem Oberschen-. kel die Verteidigung weiterführt.Wir hauen euch heraus!" sagt der Regimentsführer durch den Feld­fernsprecher. Noch klappt die Drahtverbindung, we­nige Minuten später ist sie zerschossen oder zer­schnitten, und die Verteidiger find ganz auf sich gestellt. Die Schreiber und die Küchenbullen und jeder Soldat, der gerade aufzutreiben ist, haben sich die Karabiner, MG. und Maschinenpistolen un­ter den Arm geklemmt, den Stahlhelm aufgesetzt, die Koppel mit Handgranaten vollgesteckt, und nun schwärmen sie aus, um das Dorf zu verteidigen, gegen das schon die Ausläufer der neuen bolsche­wistischen Flutwelle branden. Nun greifen die Bol­schewisten an. Eine Welle nach der anderen, klum­pen- und rudelweise, in einer Frontbreite von min­destens 500 Metern.

Südlich von dem Dorfe Gr. liegt ein breiter grü­ner Streifen, ein Getreidefeld, dessen Saat soeben aufgegangen ist. Davor liegen die ungepflügten, gelbbraunen Stoppeläcker. Auf diesen Aeckern würde man die lehmfarbigen Uniformen der Bolschewisten schwer erkennen. Aber sie müssen vorher über den grünen Streifen, und hier ereilt sie ihr Schicksal. Der Batteriechef steht auf Rufweite an seiner Beteile neben dem Regimentskommandeur, der alles sieht, was sich drüben abspielt. Der Batterie­chef aber, ein württembergischer Oberleutnant, setzt die gemeinsamen Beobachtungen in nüchterne Zah­len um:20 Strich links, eine Lage. Hinein!"

Dieses eine Wort .^Hinein!" ist der Schlacht­ruf des Regiments. Mit diesem Schlachtruf stür­men die Hessen. Mit diesem Schlachtruf gehen sie schlafen. Mit diesem Schlachtruf setzen sie sich ans Kochgeschirr. Und nun heult es über unsere Köpfe. Drüben steigen schwarze Sprenqwolken und Erdfontänen hoch hinein! Die bolschewistischen Kompanien werden zerfetzt. Die Sowjets laufen nach links.Fünf Strich links", sagt der Oberleut­nant durch den Fernsprechereine Gruppe!" Hinein! Die Bolschewisten laufen zurück.Zehn

Strich mehr! Eine Gruppe!" Hinein Und immer wieder stürmen sie und kommen doch nicht über das Getreidefeld hinaus, das mit ihrem Blute gedüngt wird. Der Angriff bleibt liegen. Die stür­menden Bolschewistenhaufen verbluten sich. Genau ostwärts von uns liegt ein Hang, da stürmten sie am Vormittag. Nun ist die Erde mit Leichen über­sät.

Unterdessen ist aber der eigene Gegen­angriff im Gange. Am rechten Flügel der Ein­bruchsstelle kommt eine Radfahrschwodron gut voran, und frontal rückt eine Infanteriekompanie immer näher an den Dorfrand heran. Nach zwei Stunden schweigt die Batterie, sind die beiden Kom­panien am Dorfrand, bringen sie in das Dorf ein. Und der Regimentsführer meldet der Division, daß die Einbruchs st eile g e s ch lo s s e n und das Dorf Gr. entsetzt ist.

Die Division hat als Leitspruch die Worte: Tapfer und treu." So ist jeder ihrer Soldaten: Tapfer und treu im Leben und bis zum Tode. Denn gar mancher lebt, wenn die Dämmerung sich nach einem solchen heißen Kampftag auf das Schlachtfeld senkt, nicht mehr. Tapfer und treu besiegelt er seinen soldatischen Einsatz mit dem Leben, lieber seinem Grabe leuchtet die Sonne der Frühlingsschlacht, ziehen die Wolken, die Falken und Weihen, donnern die Motoren der deutschen Adler ... Oswald Zenkner.

Frontverkürzung vor Sewastopol.

Berlin, 15. Juni. (DNB.) Vor Sewastopol wurden von den deutschen Truppen in den harten Kämpfen des Sonntags weitere Geländegewinne erzielt, so daß gegen den in Bunkern und Feld­stellungen sich zäh verteidigenden Feind eine Frontverkürzung durchgeführt werden konnte. Gegenangriffe der Bolschewisten gegen die neuen deutschen Stellungen brachen unter hohen Verlusten des Feindes ebenso zusammen wie die verzweifelten Gegenstöße gegen eine b e- herrschende Höhe, deren gesamtes Stellungs­system von einer anderen deutschen Angriffsgruppe genommen wurde. An weiteren ©teilen des Festungsbereiches wurde der Feind trotz heftiger Gegenwehr aus feinen starken Stellungen gewor­fen. Auch rumänische Stoßgruppen dran­gen beiderseits einer wichtigen Straße in das feind­liche Verteidigungsfystem ein, wo sie mehrere starke Bunker nahmen. Durch schwere und schwerste Artilleriee des Heeres wurden Volltreffer auf Forts und Befestigungswerke erzielt, während Artilleriestörungsfeuer auf Feldstellungen und Nach­schubstraßen der Bolschewisten lag. Dabei gelang die Vernichtung einer feindlichen Küstenbatterie.

Die schon gemeldete Einnahme des Forts Sta- l i n erfolgte nach tagelanger Beschießung dieses auf beherrschender Höhe gelegenen modernen Be- festigungswerkes durch schwere und schwerste Ar­tillerie des Heeres im Zusammenwirken mit der Luftwaffe. Das Fort erhielt allein an einem Tage vier Volltreffer schwersten Kalibers, wodurch die Hälfte der Bunkergeschütze außer Gefecht gesetzt wurde. Dann wurde das Fort in den frühen Mor­genstunden des 13.6. durch niedersächsische Infanterie und rheinheffische Pioniere angegriffen und in erbittertem Nahkampf erstürmt, während die Artillerie andere Befestigungswerke durch schwe­res Störungsfeuer niederhielt und den Angriffe gegen Flankierungen abschirmte.

Am Aefchen Tage, an dem bereits in der Frühe hochsommerliche Temperaturen herrschten, wurden sechs Bunker, ein Flakstand und eine Panzerkuppel durch Volltreffer zerstört. E(n weiteres starkes Fort wurde mit Zerstörungsfeuer belegt, so daß dessen Turm nur noch mit einem Geschütz feuern konnte. Eine weitere Kampfgruppe setzte die ganze Nacht hindurch ihren Angriff entlang einer großen Straße fort und entriß dem Feind um 5 Uhr früh eine wichtige Höhenstellung. Der Kampf um weitere Festungswerke und stark ausgebaute Hügelstellungen ist in vollem Gange. Gegenangriffe gegen die neu gewonnenen Stellungen wurden unter sehr hohen blutigen Verlusten der Bolschewisten abgewiesen. Auch die deutsche Luftwaffe unterstützte mit starken Kräften bie Angriffe des Heeres gegen.die Festungs­werke von Sewastopol. Zahlreiche Panzerwerke wurden durch Bombenvolltreffer vernichtet, während Kampf- undSturzkampfflugzeuge die feindliche Ar­tillerie niederhielten.

Indische Unabhängigkeits-Konferenz in Bangkok.

Ankara, 15. Juni. (Europapreß.) In Bangkok begann unter Teilnahme zahlreicher indischer Dele­gierter aus allen Ländern die indische Unabhängig­keits-Konferenz, zu der Subhas Chandra Bose ein Telegramm gesandt hatte. Bose sagte darin, daß für Indien nun bald die Zeit des bewaffneten End­kampfes kommen werde. England werde den Krieg verlieren und das britische Empire völlig zerfallen. Die Versammlung, zu der zum ersten Male Teil­nehmer der verschiedensten indischen Rassen und

Giegesparaden ohne Siege.

Von unserer Berliner Schristleitung.

Amerikaner,. Engländer und Sowjets: alle drei haben bisher keinen Sieg feiern können. Sie haben sich jetzt den 14. Juni alsT a g d e r v e r b ü n d e - ten Nationen" ausgesucht, um auch einmal eine Siegesparade veranstalten und die Häuser mit Flaggen schmücken zu können. Man muß sich vor­stellen, daß so etwas in Deutschland geschähe. Wir haben Siege in Polen, Norwegen, Frankreich, in Jugoslawien, Griechenland, Libyen und auf Kreta und schließlich in der Sowjetunion hinter uns. Aber wie selten ist geflaggt worden. Das deutsche Volk weiß, daß der Führer keinenRummel" leiden mag. Wenn ein großer Erfolg errungen ist, bann sollen die Herzen zusammenklingen, dann soll sich das ganze Volk in einer Stunde der Erhebung ver­einen und zusammenfinden. Aber Kinkerlitzchen wer­den nicht feilgeboten.

Roosevelt hat diesenTag der verbündeten Na­tionen" durch ein sehr verwässertes und sehr ver­längertesVater-Unser" gefeiert, das eine einzige heuchlerische Blasphemie ist.Gott der freien Men­schen", so betete er, wir verpfänden unsere Herzen und unsere Leben am heutigen Tag der Sache der ganzen freien Menschheit ... Gib uns einen ge­meinsamen Glauben!" Er forderte den Segen für dieNiederwerfung der Tyrannen", ein Ziel, das noch über seine eigene kurze Lebenszeit hinaus- gehe." Seinevier Freiheiten der Menschheit" zählt er im übrigen zu den täglichen Bedürfnissen wie die Luft, der Sonnenschein, das Brot und das Salz". Seine Ueberheblichkeit kommt hier besonders deutlich zum Ausdruck, denn der Kampf, zu dem durch die Reichen dieser Erde die Habenichtse ge­zwungen wurden, hat eben gerade darin seinen Grund, daß man diesen Habenichtsen nicht nur die vier menschlichen Freiheiten, sondern vor allem Luft, Sonnenschein, Salz und Brot, die elementar­sten menschlichen Lebensbedürfnisse vorzuenthalten sucht!

Die Wurzel, aus der Haß und Heuchelei unserer Feinde sprießen, ist der selbstgerechte puritanische Geist, in dem sie so sehr befangen sind, daß sie sich als auserwählte Vollstrecker eines göttlichen Wil­lens auf dieser Well betrachten. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Die Vorsehung hat die Waffen der Habenichtse auf dieser Well, die im tapferen Kampf um das nackte Leben stehen, sicht­bar gesegnet.

Religionen zusammengekommen sind, begann mit der Willkommensbotschaft des thailändischen Mini- sterpräsidenten. Zum Präsidenten der Konferenz wurde Rash Behari Bose erwählt. Bose er­klärte alle wahren indischen Patrioten hätten mit Freude von der Kriegserklärung Japans an die Angloamerikaner und den Erfolgen der japanischen Wehrmacht gehört. Die Inder müßten selbst dazu beitragen, die Achtung ihrer Freunde zu bewahren. Dann wurden Telegramme des japanischen Minister­präsidenten T o j o und des Außenministers Togo verlesen.

Weiterer LlGA.-Kreuzer vor den Midways versenkt.

Tokio, 15. Juni. (Europapreß.) Einen weiteren harten Verlust der nordamerikanischen Flotte, die einwandfreie Versenkung eines schweren Kreu­zers der San-Franzisko-Klasse wäh­rend des Seegefechts vor Midway, meldet das ja­panische Hauptquartier. Außerdem wurde ein nord- amerikanisches U-Boot vernichtet, während die Zahl der in der Schlacht abgeschossenen feindlichen Flugzeuge mit 150 bekanntgegeben wurde. Die 9950-Tonnen-Äreuzer derSan-Franzisko"-Klasse sind mit neun 20,3-cm-Geschützen und acht 12,7-cm- Flakgeschützen bestückt. Sie besitzen zwei Katapulte für Bordflugzeuge und haben eine Geschwindigkeit von 33 Knoten. Ihre Besatzung beträgt 551 Mann. Kleine politische Nachrichten.

NSG. Das Amt für Beamte führte eine Tagung seiner Kreisamtsleiter durch. Gauamtsleiter Kremmer behandelte alle vor­dringlichen Fragen und gab Richtlinien für die Ar­beit der kommenden Monate .

*

In Darmstadt ist der Senatspräsident am Ober­landesgericht Dr. Ludwig Fuchs gestorben. Er war lange Jahre Vorsitzender des Vereins für na­turgemäße Lebens- und teilweise.

Reichsminister Dr. Frick traf in Posen ein, um den Aufbau der staatlichen Verwaltung im Warthe­land kennenzulernen. Der Minister, in dessen Be­gleitung sich Staatsstkretär Pfundtner befindet, wird einer Arbeitssitzung des ©eneralaufbauftabes bei­wohnen und bei feiner Fahrt durch bas Gaugebiet verschiedene Einrichtungen und die neuen Umfieb» lerbörfer besichtigen.

Briefe in Bareiros Hand

Roman von Anna Elisabet Weirauch

Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie nimmt den Bogen, den er ihr zögernd hin- hält, und ihr Blick fällt auf die engbefdjriebenen Seiten. Es ist immer noch ihre Handschrift, und es ist mehr als peinlich, in dieser Handschrift die Worte zu lesen, die ihr da entgegenschreien. Was für lächerlich pathetische Worte in ihrer eigenen Schrift!

. wenn der sanfte Wind über meine Stirn geht, dann fühle ich über die Weite des Ozeans deinen Atem mich anwehen, ich mache die Augen zu und bilde mir ein, deinen Herzschlag dicht an dem meinen zu fühlen ... schlägt dein Herz immer noch so heiß und so stark? Und schlägt es nur für mich?" I gilt, wie schwöqig!" Irmela verzieht die Brauen, gequält und angeekelt.

Nein, das erlaubte ich nicht!" Mit einem em­pörten Auflachen greift Bareiro nach dem Blatt. Du darfst den Brief vernichten, das ist dein gutes Recht! Du darfst vergessen, daß du ihn je ge­schrieben hast, wenn das für deine Seelenruhe besser ist. Aber du darfst dich nicht darüber lustig machen! Das kann ich nicht dulden! Du beleidigst etwas, was mir heilig ist, ein süßes blondes Mädchen, das hier auf diesem selben Platz neben mir gesessen hat, ... und-mich geküßt ..."

Schlimm genug!" sagt Irmela mit einem un­freien Lachen.Bitte, vergiß es lieber ..."

Du hast es sehr schnell vergessen." Eine Bitter­keit Hingt durch den Ton.Lies den Brief nur ruhig zu Ende. Er hat mitbeftimmenb auf mein ganzes Leben eingewirkt. Ich habe nie mehr einer Frau Glauben und Vertrauen schenken können."

Irmela wendet das Blatt um, sie faßt es mit spitzen Ringern an, als wollte sie nicht in allzu innige Berührung damit kommen.

.. Sag mir, daß ich auf dich warten soll, und ich werde warten. Auch wenn es zehn Jahre dauert oder mehr. Auch wenn ich alt und grau darüber werde. Ich kann doch nie wieder einen anbern Mann so lieben wie dich. Vielleicht, wenn du mich nicht mehr haben willst, dann werde ich heiraten. Aber nicht aus Liebe. Dich werde ich lieben, bis an mein Lebensende."

Schrecklich!" sagt Irmela.Mein Gott, wie über­trieben! Wie kann man so einen Nonsens schriftlich von sich geben! Du hast sicher sehr gelacht, als du dies Gefasel gelesen hast! Schließlich warst du ja schon erwachsen."

Gelacht? Ich habe es leider bitter ernst genom­men, ich wußte nicht, daß du so wenig erwachsen warst. Ich habe es nicht anders als kindisches Ge­fasel aufgefaßt, sondern als eine große und echte Liebe."

Das war es ja wohl auch." Irmela legt das Blatt zusammen, mit einem unangenehmen krachen­den Geräusch reißt das Papier in ihren Händen entzwei.Damals."

Jedenfalls war es kein sehr dauerhaftes Gefühl."

Es ist an Unterernährung eingcgangeh!" Das Papier kracht noch einmal, und wieder, und ihr Lachen wird ungezwungener.Auch das heftigste Feuer erlischt, wenn es keine Nahrung mehr findet. Du hättest dir wenigstens die Mühe geben sollen, einen solchen Brief nicht unbeantwortet zu lassen"

Es ist gut, daß er niemals geantwortet hat. Alles, was geschieht, ist gut und richtig, aber für einen Herzschlag lang ist wieder alles da, dieses unsagbar quälende Warten auf eine Antwort, die grenzen­lose Enttäuschung, die verzweifelte Scham, die Angst, daß der Brief nicht in seine Hände gekommen ist, ihr wird so heiß, daß sie den Pelz zurückwirft.

Unbeantwortet?! Diesen Brief unbeantwortet?" Das Erstaunen klingt sehr echt, und in der unge­

wissen Beleuchtung sieht es sogar aus, als ob er erblaßt, aber vielleicht ist es auch nur der Ausdruck, den er seinen Zügen gibt.Ist das dein Emst? Hast du nie eine Antwort bekommen? Das hast du vergessen, weil du es vergessen wolltest?"

Bestimmt nicht. Es war mein letzter Brief an dich, sagst du ja. Mein letzter, weil er ohne Antwort geblieben ist!"

Ader das ist doch nicht möglich! Ein solcher Brief kann nicht verloren gehen? Ein Brief wie der, den ich dir damals geschrieben habe so ausgesucht grausam kann kein Schicksal sein und keine Postver­waltung. Es können doch nicht zwei Menschenleben zerstört werden durch einen verlorenen Brief!"

Aber Ferry!" Irmela fühlt sich durch diesen hef- tigen, wenn auch gedämpften Ausbruch peinlich be­rührt.Wenn du wirklich geantwortet hast"

Natürlich habe ich geantwortet? Beschworen habe ich dich, angefleht, zu warten, bis ich unsere Zu­kunft gesichert habe! Und nie wieder etwas von dir gehört, verstehst du nun, daß ich mißtrauisch ge­worden bin gegen alle Gelöbnisse und Versprechun­gen aus dem Mrmd einer Frau?"

Das ist natürlich sehr unangenehm", Irmela spielt mit den Papierschnitzeln, sucht sie auf den Tisch zusammen und wirft sie in eine leere Aschen­schale:... wenn es sich wirklich so verhält Felsenfest überzeugt ist sie nicht.Wer es ist ja nun nicht mehr zu ändern, und man weiß bei solchen Zufällen nie, ob es eine Bosheit des Teufels ist oder eine freundliche Einmischung des lieben Gottes."

Für mich das erstere, für dich das letztere", stellte Bareiro mit einem bitteren Lächeln fest.Du siehst glücklich aus, es freut mich aufrichtig, daß es dir gut geht."

Ich bin' auch sehr dankbar, ich habe den besten Mann der Welt, und zwei süße Kinder ..." Ein zärtliches Aufleuchten huscht über ihre beweglichen Züge.Und du bist du nicht verheiratet?" Sie lenkt mit Absicht auf ihn über. Sie hat kein Ver­

langen, mit chrem Glück, zu prahlen, im Gegenteil, es ist etwas fo Großes und Heiliges, daß man besser nicht darüber spricht.

Nein!" sagt Bareiro schroff.Mir sind viel« Frauen über den Weg gelaufen, aber nicht die Frau. Oder, was viel schlimmer ist, sie ist mir einmal beaegnet, und ich habe sie verloren. Das ist, wie soll ich es ausdrücken? wie ein Schuß durch die Flügel. Er hat mich lahm geschlagen. Ich hätte alles erreichen können, mit einem Ziel vor Augen. Man kann nicht arbeiten, wenn man nicht weiß, für wen."

Ach, Ferry!" Irmela legt den Kopf schräg und zieht zweifelnd die Brauen hoch.Ist das nicht viel­leicht ein bißchen Einbildung? Nachttägliche Einbil- düng? Du bist nie ein fanatischer Arbeiter gewesen, und du hast immer sehr viel Phantasie gehabt, und sehr große und schöne Worte, ich glaube, du hältst es für höflich, mir so etwas zu' sagen, aber es macht mir keine Freude, durchaus nicht ..." Sie fängt an, die Papierschnitzel wieder von dem Aschen­teller ' aufzusammeln, die Kellnerin fitzt so gelang­weilt in ihrer Ecke, vielleicht hat sie "doch soviel müßige Zeit, die Fetzchen wieder aneinanderzulegen. Ich muß jetzt gehen. Bei uns im Hause herrscht eine fanatische Pünktlichkeit."

Und die anderen Briefe?" fragt er.

Ja richtig die anderen Briefe." Eine Se- i künde nagt sie unschlüssig an der Lippe.Verbrenn ' sie doch einfach, oder ..." Sie ist nicht ganz sicher, daß er sie verbrennen wird, auch wenn er cs ver- ' spricht, und es ist ein recht unangenehmes Gefühl, daß diese unglaublich törichten Worte erhalten blei­ben.Ich habe jetzt solche Eile, kann ich dich nicht armrfen?"

Selbstverständlich. Ich wohne im Baltic. Vor­mittags erreichst du mich immer."

Schön. Also dann auf Wiedersehen."

Ich hoffe es."

(Fortsetzung folgt.)