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192. Jahrgang Nr. 138 tericbemt ragiict), außer Sonntags und feiertags

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vienrlag.16. Juni 1942

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Eichener Anzeiger

SrühIIchtUniorrfilälrdrucktrii S. tauge General-Anzeiger für Oberhessen $ ekf,.. S.nlltW 1-1

Jn Ttordafrika zur Küste durchgestoßen.

Große feindliche Verbände eingeschloffen.

Rom, 15. Juni. (DRV.) Das italienische Haupt­quartier gibt bekannt: Die neue Phase, die nach dem Fall von Vir hacheim begann, hat nach blutigen Kämpfen zur Vernichtung der feindlichen Kräfte geführt. Die deutschen und italienischen Streitkräfte haben nach einem Vormarsch über Acroma und die Via Va 1- bia hi na us die Lüste erreicht; sämtliche großen verbände des Feindes westlich davon sind e i n g e f ch l os s e n. Die Zahl der Gefangenen und das Ausmaß der Beute ist bisher noch nicht zu übersehen.

Der italienische Bericht.

Rom, 15. Juni. (DND.) Der italieniscl-e Wehr­machtbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

Rom, 15. Juni. (DJIB. Funkfpruch.) Das italie- nische Hauptquartier gibt folgende Sondermeldung bekannt:

Liner der beiden im italienischen Wehrmacht- bericht vom 15. Juni genannten Geleitzüge, der unter starkem Geleit von Schlachtschiffen und zwei Flugzeugträgern vom Atlantik kam, wurde in den ersten Stunden des 13. Juni von unseren Auf­klärern gesichtet und während des ganzen Tages verfolgt. Er wurde gestern wiederholt von italie­nischen Luftstreitkräften im Seegebiet zwischen Sardinien und Tunis angegriffen. Starke Verbände von Torpedoflugzeugen, Bombern und Sturzkampfflugzeugen, die rechtzeitig in den am günstigsten gelegenen Stützpunkten zusammengezo­gen worden waren, griffen vom Morgengrauen bis Sonnenuntergang trotz des Abwehrfeuers der Ge­leitschiffe und der heftigen Angriffe der von den Flugzeugträgern auf gestiegenen Jäger in ununter­brochenen Wellen an.

Don dem Angriff gibt ein Sonderberichterstatter der Agenzia S t e f a n i folgende Schilderung:

Am 13. Juni sichtete um 16.15 Uhr ein italienischer Fernaufklärer einen feindlichen Flottenverband, der sich ungefähr 150 Kilometer nördlich Kap Bengut (Algerien) befand und mit 18 Knoten in der Stunde auf Ostkurs lief. Der Verband bestand aus einem Schlachtschiff derMalay a"-Klasse, aus zwei FlugzeugträgernA r g u s" undCa g l e", einigen Kreuzern und ungefähr 20 Zerstörern. In der Nacht zum 14. Juni vereinigte sich der feindliche Verband vor der algerischen Küste mit einem Geleitzug von etwa 12 bis 14 Dampfern und setzte gemeinsam mit ihm die ^ahrt nach Osten fort. Die Fahrtgeschwindigteit wurde entsprechend herabgesetzt. Die geleiteten Dampfer wurden in die Mitte genommen. Im Morgengrauen des 14. Juni stand der Geleitzug w e st l i ch Phi- lippe Dille und folgte bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten in der Stunde dem 38. Breitengrad.

Gegen 8 Uhr setzte e i n e erste Well e^ von mehrmotorigen Kampfflugzeugen sowie von Sturz­kampfflugzeugen, geleitet von Jägern, zum Angriff an, der sich in der Hauptsache gegen einen d e r Flugzeugträgern richtete. Bei diesem An­griff wurden Zwei Hurriccmes abgeschossen, tfunf italienische Flugzeuge kehrten nicht zurück. Bald darauf erzielte e i n e z w e i t e aus Kampfflugzeugen und Torpedoflugzeugen bestehende Welle folgende Ergebnisse: Zwei Transportdampfer flogen in die Luft. Ein dritter geriet in Brand und ging unter. Ein vierter erhielt Treffer. Ein Zerstörer wurde versenkt. Das Schlachtschiff erhielt ebenfalls Treffer. Auf einem Flugzeugträger, der getroffen wurde, brachen Brände aus. Zwei der Kreuzer erhielten Torpedotreffer. Am frühen Nachmittag wurde einer der Kreuzer (7000 Tonnen) nördlich Phüippe- ville im Geleit von zwei Zerstörern bei langsamer Fahrt gegen Westen gesichtet. Er wurde von neuem angegriffen und erhielt zwei Bom­ben- sowie einen Torpedotreffer. Der Kreuzer zeigte starke Schlagseite. Die Mannschaft begab sich in die Rettungsboote. Einer der Begleitzerstorer wurde ebenfalls von einer Bombe getroffen. Kurz vor Sonnenuntergang sichtete eine Streife italienischer Torpedoflugzeuge den inzwischen von einem Zer­störer ins Schlepp genommenen Kreuzer, der einen weiteren Torpedotreffer erhielt und sicherlich un­tergegangen ist.

Die den Angriffen entgangenen feindlichen Ein­heiten setzten inzwischen langsam ihre Fahrt nach Osten fort und gelangten am späten Nachmittag in die Reichweite der aus. Sizilien stationierten Luftwasfenverbände. Um 17.45 Uhr stiegen Hellen von Kampfflugzeugen, Torpedoflugzeugen und Ja- gern auf und trafen vor Biserta auf den Feind.

Die Torpedoflugzeuge richteten vier Torpedos gegen einen der Flugzeugträger, erztetten auf dem Schlachtschiff einen Treffer am Bug und griffen einen Kreuzer und einen D a m p - f e r an. Die weiteren Ergebnisse konnten infolge der hefttgen Gegenwirkung des Feindes nicht mehr mit Genauigkeit beobachtet werden. Zwei Hurncanes wurden von den italienischen Torpedoflugzeugen abgeschossen, von denen eines nicht zurückgekehrt ist. Die Sturzkampfflugzeuge versenkten durch drei Bomben schwersten Kalibers einen Kreuzer. Ein anderer Dampfer erhielt durch drei Bomben-

Im Gebiet von Ain el Gazala lebhafte Artil­lerie- und Spähtrupptätigkeit. Die vom Feind in den Kämpfen des 12. und 13. Juni erlittenen Der-, lüfte stiegen auf 69 Panzer und 13 Geschütze, zerstört oder erbeutet, sowie auf 7 0 0 Gefangene.

Die Luftwaffe unternahm wirksame Angriffe auf Auto- und Truppenzusammenziehungen in den unmittelbaren feindlichen Nachschublinien. Acht Pan­zerspähwagen wurden in Brand gesetzt, einige Dut­zend Lastwagen getroffen und beschädigt.

Im M i t t e l m e e r ist seit gestern eine heftige Luft- und Seeschlacht gegen zwei große stark ge­sicherte britische Geleitzüge im Gange.

Nach Beendigung der Aufräumungsarbeiten stieg die Gesamtzahl der Opfer des feindlichen Luftan­griffes auf Tarent aufi 99, vvn denen 12 noch nicht identifiziert werden konnten.

Es wurden 2 Kreuzer, 1 Torpedobooiszerstürer und 4 Dampfer versenkt, 1 Schlachtschiff, 1 Flug­zeugträger, 2 Kreuzer, 1 Torpedobootzerstörer und 4 Dampfer wiederholt von Torpedos und Bomben getroffen und fchwer beschädigt. In heftigen Luft­kämpfen, die sich beim jedesmaligen Auftauchen un­serer Angriffsverbände entwickelten, wurden 15 feindliche Flugzeuge brennend abge- schaffen.

20 italienische Flugzeuge sind nicht zu ihren Stütz­punkten zurückgekehrt. Einige Mannschaften wurden von Seenotflugzeugen geborgen. Der Kommandant eines Schwarms, der Kommandant einer Gruppe und 2 Staffelkommandanten werden vermißt. Von den Mannschaften find mehrere verletzt. 3 Flugzeuge erreichten, obwohl sie von Schüssen durchlöchert waren, heimisches Gebiet.

Die Aktionen wurden feit den frühen Morgen­stunden des heutigen Tages fortgesetzt und gehen gegen die übriggebliebenen feindlichen Einheiten noch weiter.

treffer schwere Schlagseite. Ein Dampfer brach aus­einander und ging unter. Die Kampfflugzeuge erzielten auf dem Heck des Schlachtschiffes drei Bombentreffer und setzten drei Dampfer in Brand. Die Begleitjäger schossen neun Hurricanes mit Sicherheit und zwei mit Wahrscheinlichkeit ab. Der Angriff wurde am 15. 6. morgens wieder aufgenommen.

Die italienische Luftwaffe bediente sich bei ihren Angriffen einer überaus wirkungsvollen Angriffs­taktik, indem gleichzeitig Wellen von Sturz- kampftlugzeugen, von Kampftlugzeugen und von Torpedoflugzeugen angriffen, wobei die letztge­nannten ihre Angriffe im äußersten Tief­flug, fast die Meeresoberfläche berührend, durch­führten.

Neben diesen gegen den aus Gibraltar ausge­laufenen britischen Geleitzug erzietten Ergebnissen treten die Erfolge der immer wieder erneuerten An­griffe der Streitkräfte der Achsenmächte gegen einen zweiten Geleitzua, der Alexandrien mit Westkurs verlassen hatte."

*

Das im Bericht der Agentur Stefani genannte Schlachtschiff der M a l a y a - K l a s s e ist 30 100 Tonnen groß, hat eine Geschwindigkeit von 25 Knoten und eine Normalbesatzung von 1180 Mann.' Die schwere Artillerie des Schiffes besteht aus acht 38,l-cm-Geschützen.^ Ferner verfügt das Schiff noch über zwölf 15,2-cm-Geschütze und eine Flakartillerie von acht 10,2-cm-Geschützen. Es hat Flugzeugschleuder und ein Flugzeug an Bord. Die Malaya-Klasse, deren Namensschiff ein Geschenk der malaiischen Staaten war, ist in den ersten Jahren des Weltkrieges gebaut worden. Don den als schwer­beschädigt gemeldeten Flugzeugträgern ist die Eagle" 22 600 Tonnen groß, verfügt über eine Geschwindigkeit von 24 Knoten und konnte 21 Flug­zeuge an Bord nehmen. Sie war ursprünglich als Linienschiff für Chile gebaut worden, 1917 von England übernommen und zum Flugzeugträger um- gebaut. Die21 r g u 5" war als Fahrgastdampfer für Italien gebaut und 1916 von England gekauft worden, um zum Flugzeugträger um gebaut zu werden. Sie hat eine Größe von 14 450 Tonnen und läuft 20 Knoten und hatte 14 Flugzeuge an Bord.

Oer italienische Erfolg.

Der englische Geleitzug kam vom Atlantik. Er machte den Versuch, die 'Sperren zu durchbrechen, die deutsche und italienische Flugzeuge und U-Boote zwischen Sardinien und Kreta errichtet haben. Die Engländer wußten, daß der Durchdruchsversuch die­ses Geleitzuges ein gewagtes Unternehmen war. Si-e haben ihm deshalb auch ein großes Geleit von schweren, mittleren und kleineren Kriegsschiffen mit. gegeben. Sie wollten den Geleitzug unbedingt er­folgreich durchbringen. Das läßt den Rückschluß zu, daß die Dringlichkeit dieses Geleitzuges sehr groß gewesen sein muß.

Die italienische Luftwaffe hatte einen guten Sonntag. Sie ist ausgezeichnet zu Schuß gekom­men. Die Kämpfe fanden im Seegebiet zwischen Sardinien und Tunis statt. Starke italienische Ver­bände von Torpedoflugzeugen, Dombern und Sturz- kampfflugzeugen waren rechtzeitig in den am gün­stigsten gelegenen Stützpunkten zusammengezogen

und griffen vom Morgengrauen bis Sonnenunter­gang in ununterbrochenen Wellen an. Der volle Erfolg des Sonntags kommt auf das Konto der Italiener. 20 ihrer Flugzeuge sind nicht zum Stütz­punkt zurückgekehrt. Das ist ein schmerzlicher Ver­lust. Aber der Einsatz hat sich gelohnt. Die Englän­der verloren zwei Kreuzer, einen Zerstörer und vier Dampfer durch Versenkungen sowie 15 Flugzeuge durch Abschuß. Ein Schlachtschiff, ein Flugzeug­träger, zwei Kreuzer, ein Zerstörer und vier Damp­fer sind schwer beschädigt.

Flugzeugträger sind für die Engländer besonders kostbar. Sfe haben im bisherigen Kriegsoerlauf schon vier von diesen lebenswichtigen Schiffen ver­loren. Auch das angeschlage Schlachtschiff ist viel­leicht etwas weniger wertvoll. Aber die britische Mittelmeerflotte war zeitweise überhaupt ohne Großkampfschiff. Dazu kommen die Verluste an den mittleren und kleineren Einheiten, die in den Ge­wässern des Mittelmeers, wo die britische Flotten­führung wegen der verhältnismäßigen Enge des Kampfplatzes Angriffe von U-Booten und Flug­zeugen besonders fürchten muß, gern eingesetzt werden, um Großkampfschiffe für letzte Möglichkeiten aufzuheben.

Durch Italien wird eine Woge des Enthusiasmus gehen. Mit vollem Recht. Die italienische Luftwaffe hat sich seit vielen Jahren auf entscheidende Kämpfe vorbereitet. Sie hat in Theorie und Praxis so man­chen bemerkenswerten, Pionierhaften Beitrag zur Entwicklung derazurenen" Waffe geleistet. Nun hat sie einen großen Erfolg erzielt, der ihr im Herzen ihrer Landsleute und in der geschichtlichen Erinnerung einen guten Platz sichert.

Oie Operationen in China.

Nanking, 16. Juni. (Europapreß.) Die Ziele der am 15. Mai begonnenen japanischen Offensive an der Ostfront in China sind nach einer Erklärung des Sprechers des japanischen Hauptquartters in Nanking durch die Einnahme von K w a n g f i im wesentlichen.erreicht worden. Zweck der japanischen Operationen sei gewesen: den Kleinkrieg von Tschungking-Streitkräften in der dritten Tschung- king-Kriegszone zu unterbinden: den chinesischen Nachschub von Hangts.chau nach Tschungking abzu­schneiden und die mit nordamerikanischer Unter- tützung in Tschekiang gebauten Flugzeugstütz- punkte zu erobern, von denen Angriffe auf Ja­pan unternommen werden sollten. Trotz größter Geländeschwierigkeiten infolge der Regenperiode sei der japanische Vormarsch so schnell durchgeführt worden, daß die Tschunkingtruppen überhaupt nicht zu Gegenaktionen gekommen seien. Der Versuch Marschall Tschiangkaischeks, die Lage östlich des Pyang-Sees durch einen Flankenangriff seiner 73. Armee wiederherzustellen, sei durch die ihm von japanischen Streitkräften südlich von Fu- tschau bereitete vernichtende Niederlage voli­st ä n d i g gescheitert. Die Kampfmoral der Tschungkingtruppen sei durch die in Tschekiang und Kiangsi erlittenen fortgesetzten Niederlagen sehr ge­sunken.

Juni 1942.

Dr. Josef Hunck, der kürzlich mit dem ersten Transport deutscher Diplomaten und Journalisten auf derDrottningholm" von seinem bisherigen Arbeitsplatz in Neuyork nach Deutschland zurückgekehrt ist, berichtet , auf Grund seiner Erfahrungen und Beob­achtungen in den USA über das Verhältnis Roosevelts zu Moskau.

Der Entschluß Roosevelts, die Sowjets in der Leih- und Pacht!) ilfe auf eine Stufe mit England zu stellen, kann nur. deklamatorischen Cha­rakter haben. Roosevelt weiß, daß die Sowjets gegenwärtig nach Meinung sämtlicher Amerikaner die Waage des Kriegsglückes in der Hand halten. Wiederholt schon hat Roosevelt in den letzten Mo­naten verfügt, daß Lieferungen nach Moskau an erster Stelle vor englischen Lieferungen und selbst vor der eigenen Ausrüstung stünden. Allerdings zögerte Roosevelt, in solchen Dingen vor die Oeffentlichkeit zu treten, weil er weiß, daß die Mehrheit des Volkes die Sowjethilfe mit gemischten Gefühlen betrachtet. Dor einem engerem Forum deutete Roosevelt schon Ende Fe­bruar an, daß er, nachdem er im November 1941 bereits eine Milliarde geliehen hatte, eine weitere Rußland-Anleihe plane. Die Anleihe wurde damals lediglich vorgeschlagen, um weitergehenden Forderungen der Sowjets an dieAlliierten" zuvor­zukommen, wie es in Washington hieß. Amerika hat von jeher versucht, durch diese Art von Hilfe seine Beteiligung am Kriegsgeschehen zu bekunden, was allerdings, solange der Schiffsraum immer knapper statt reichlicher wird, nur theoretische Be­deutung hat.

Die Sowjets haben, wie man in Amerika schmerz­lich bemerkt, viel mehr Interesse an den europäischen Nachkriegsgrenzen" gezeigt, als den Demokratien willkommen ist. Das Gerücht hat -sich bis heute hartnäckig erhalten, daß Eden bei seinem letzten Besuch in Moskau einen Vorschlag entgegengenom­men hake, der den Sowjets nach einem Siege freie Hand mindestens in den Baltischen Staaten, Bessarabien und Osteuropa lassen soll. Cripps hat solche Pläne seit seiner Rückkehr aus Moskau wie- derhott vertreten. Die Sowjets haben sich in keiner­lei Nachkriegs-Dersprechen mit London oder Wa­shington eingelassen, an der Atlantik-Erklärung sind sie nicht beteiligt. Wenn Roosevelt daher einen Entschluß wie den eingangs erwähnten faßt, so schafft er damit faktisch keinen neuen Zu- stand mit Moskau. Er will lediglich gegen die anti­sowjetischen Strömungen in USA. ankämpsen. Daß er dies tut, beweist daß er sich mehr denn je von den Kriegsentscheidungen an der Ostfront abhängig fühlt.

Oie Schlacht in Libyen.

Die Engländer haben ihre libysche Offensive am 18. November 1941 sie ging schlecht aus als Schaffung der berühmtenZweiten Front" erklärt. Sie hatten jetzt wieder die Absicht, in ähnlicher Weise Stalin gegenüber sich auszuweisen. Im Nil­delta wurden erhebliche Panzerstreitkräfte zusam­mengezogen. Generaloberst Rommel kam diesen Plänen, die zum mindesten Unsicherheit erzeugen sollten, zuvor. Am 26. Mai gingen deutsche und italienische Truppen zum Angriff auf die feindlichen Stellungen über, und seither ist eine erbitterte Schlacht im Gange, die am 11. Juni zur Einnahme des starken Forts Bir Hacheim, des südlichen Flankenpfeilers der britischen Stellung führte, nach­dem schon vorher für afrikanische Verhältnisse sehr erhebliche Erfolgszahlen verbucht werden konnten: über 10 000 Gefangene, 550 Panzerkampfwagen, 200 Geschütze und einige Kraftfckhrzeuge.

Nach dem Fall von Bir Hacheim trat die Pan­zerarmee nach Norden an. Die Kämpfe der letzten Tage fanden wesllich El Adem statt, das 40 km von Bir Hacheim entfernt ist. Der Wehrmacht­bericht vom 14. Juni konnte daher mit Fug und Recht von einemVorstoß in die tiefe Flanke des Feindes" sprechen: Fast die Hälfte des Weges zur Küste war damit zurückgelegt. Der Durchstoß zur Küste, ist an den beiden folgenden Tagen vollendet worden. Ueber Acroma und die Via Balbia hinaus wurde die Küste erreicht. Damit sind die feindlichen Streitkräfte zerspalten, und alle westlich des in sie hineingetriebenen Keils der Achsen-Truppen stehen­den feindlichen Verbände sehen sich eingekesselt und gehen der Vernichtung entgegen.

Soweit das Bild der Schlacht. Was hat nun die Engländer bewogen, schon sechsmal den Kamps um Libyen anzutreten? Einen Grund kennen wir. Sie wollten die Errichtung der Zweiten Front an einem Punkt vortäuschen, der für sie nicht allzu aesährlich ist. Allein sie haben auch noch andere Gründe, von denen sie weniger sprechen, die aber sehr maßgeblich sind. Im November dachten sie auch daran, bis nach Französisch-Nordafrika vorzustohen, diese Gebiete auf ihre Seite zu ziehen und die nordafrikanische Küste in einem möglichst weiten Umfang als Sprungbrett für offensive An­griffe auf Südeuropi zu benutzen. Alle diese Pläne sind durch den glorreichen Abwehrkampf der Achsen­truppen gescheitert, die mit ihrem damaligen Vorstoß bis zur Linie El GazalaMr Hacheim diese Fata Morgana zerrinnen ließen.

Mer inzwischen haben sich die Dinge im Mittel - mehr gewandelt. Matta hat seine Bedeutung als Ausfallbastion verloren und kann nur noch als See-Igel angefprochsn werden. Die englische Mittel- meerflotte hat schwerste Verluste erlitten, sie ver­fügte zeitweise über fein einsatzfähiges Großkamps- schiff und ist in den äußersten östlichen Winkel des Mittelmeers, in den seestrategischen Raum Haifa CypernAlexandrien eingepreßt. Ein Vorstoß von Zerstörern gegen Kreta hat mit katastrophalen Ver­lusten geendet. Die Ausschaltung von Malta und die Verbannung der englischen Mittelmeerflotte in

Roosevelt war es, der die Sowjetunion ofsiziell anerkannte, seine Vorgänger haben dies niemals getan. Roosevelt war es auch, der sich immer wieder gegen jene einflußreichen Gruppen wandte, die von einer Hilfe für die Sowjets nichts wissen wollen, weil sie behaupten, weitere Materiallieferungen würden Moskau nach dem Kriege zu stark machen. Auf einer Pressekonferenz Ende Februar sagte Roosevelt, ein solches Geschwätz käme vom Washing­tonerCliveden Set". (Cliveden ist der Landsitz von Lady Astor, des ersten weiblichen englischen Parlamentsmitgliedes.) Roosevelt sagte damals, die amerikanische Clioeden-Kligue behaupte sticht nur, man solle die Sowjets nicht zu stark machen, weil sie sich dann später gegen die USA. wenden wür­den: sie fordere sogar Amerikas Zurückziehung aus dem westlichen Pazifik, wo Amerika doch niemals einen Sieg erringen könne.

Ein anderes Stimmungsbild bot ein bekannter Politiker auf einer Tagung der Methodisten-Föde- ration in Neuyork Ende April. Er sagte, es habe sich in USA. und Kanada eine Antisowjet-Front ge­bildet. Die Gruppe der ihr angehörenden Schrift­steller gehe von Baltin (dem früheren Hamburger Kommunisten Krebs) bis zur Hearst-Presse und zur New Port Times", die augenblicklich nur Lippen­dienste für die Sowjetarmee zolle, doch die Mos­kauer Regierung mit Mißtrauen verfolge. Diese Antisowjet-Front wolle Lieferungen nach Rußland verhindern und den Kampf in erster Linie gegen Japan geführt wissen.

Die amtliche amerikanische Agitation für die Sowjets erregt bei der Mehrheit des Volkes Kopf­schütteln. Nachdem die Bolschewisten jahrelana als die größten Massenmörder und Bluthunde der 'Wett- geschichte hingestellt worden waren, heißt es nun auf einmal, es gäbe in Sowjetrußland kaum noch antireligiöse Literatur. Religiöser Ausdruck, der nicht notwendig mit starkem kirchlichem Einfluß verbun­den zu sein brauche, gehöre einfach, wie Moskau längst eingesehen habe, zur nationalen Eigenart der Russen. Ebenso werde das Individuum viel mehr als früher glorifiziert. DieNew Port Times" sagte zu solcher Agitation:Ein Leser hat angefragt, wann Roosevelt endlich das stärkste Hindernis der Sowjechilfe beseitigen werde; dieses Hindernis feien die Leute, welche uns glauben machen wollen, Sowjetrußland fei ein Land politischer Toleranz und religiöser Freiheit. Der Anfragende sei immer wieder bereit, Roosevelt zu schreiben, jedes nur greifbare Rüstgut nach Moskau auf den Weg zu bringen: bann auf einmal höre er, die Sowjetunion sei das Ursprungsland von Rooseveltsvier Frei­heiten" und so zaudere er wieder, sich für die Moskauhilse einzusetzen."

2 Kreuzer, 1 Zerstörer und 4 Transporter im Mittelmeer versenkt.

DerSiegdrritaliemschenLufiivaffeimMittelmeer

Roosevelt und Moskau.

Von unserem Dr. I. H.-Korrespondenten.