Deutsche Erfolge trotz schlechter Wetterlage.
Berlin, 15. April. (DNB.) Wie das Oberkommando der Wehrmacht mitteilt, fanden auf der Krim und im gesamten Süd ab schnitt der Ostfront am 14.4. bei strichweise anhaltenden Regenfällen keine nennenswerten Kampfhandlungen statt. Auch im mittleren Frontabschnitt ließ die Kampftätigkeit nach. Nur vereinzelt führten die Bolschewisten vergebliche Angriffe durch. So griff der Feind in dem Gefechtsstreifen einer deutschen Infanteriedivision sechsmal hintereinander an. Doch alle Vorstöße wurden unter hohen blutigen Verlusten für den Feind abgewiesen, wobei es zu erbitterten Nahkämpfen kam. Erneute Bereitstellungen des Gegners zum Angriff wurden durch Artillerie zerschlagen und mehrere feindliche Panzer abgeschossen. Bei einem weiteren Angriff versuchten sich die Bolschewisten unter dem Schutz starken MG.-Feuers durch das völlig aufgeweichte morastige Gelände vorzuarbeiten. Auch diese Vorstöße blieben im Abwehrfeuer und im Schlamm stecken. Trotz ungünstiger Witterungs- und Geländeverhältnisse konnten die deutschen Truppen den Feind zurückwerfen. Verzweifelte Versuche, das deutsche Vordringen aufzuhalten, brachen zusammen. Eine Infanteriedivision aus den Donaugauen und eine sächsisch-sudetendeutsche Panzerdivision habe die Bolschewisten im Laufe der letzten Wochen um mehr als 40 km zurückgeworfen. Durch meterhohe Schneeverwehungen, gegen schneidenden Wind, in eisiiger Kälte arbeiteten sich Infanterie, Panzer und Artillerie immer wieder vorwärts und stürmten eineK feindliche Stellung nach der anderen. Bereitstellungen bolschewistischer Divisionen wurden in erbitterten, oft tagelang hin- und herwogenden Kämpfen zerschlagen. Die gewonnenen Stellungen wurden gegen zahlreiche Angriffe des Gegners gehalten.
Der Wehrmachibericht.
DNB. Aus dem Führerhaupkquartier, 15. April. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Off en ließ die Angriffstätigkeit des Feindes weiterhin nach. Nur an einzelnen Stellen griff der Gegner mit stärkeren Kräften an und wurde abge- wiefen. Eigene Angriffsunternehmungen brachten örtliche Erfolge.
Schwere Artillerie des Heeres bekämpfte kriegswichtige Antagen in Leningrad, darunter eine Munitionsfabrik. Anhaltende Brände und Explosionen wurden beobachtet.
Erfolgreiche Angriffe deutscher Kampfflieger richte
ten sich gegen Hafenanlagen und einen Flugplatz in Sewastopol.
3n Nordafrika lebhafte beiderseitige Aufktä- rungstütigkeit. Kraftfahr,eugansammlungen und Flugplätze der Briten wurden mit guter Wirkung bombardiert.
Die Angriffe auf mjlitärische Anlagen und Flugplätze der 3nsel Malta wurden bei Tag und Nacht fortgesetzt. Dabei wurde ein Funkturm der Sendeanlage Rinella durch Bombenvolltreffer zum Einsturz gebracht. Deutsche 3äger schossen über Matta und vor der nordafrikaniichen Küste neun britische Flugzeuge ab.
3n Luftkämpfen über dem Kanal und an der norwegischen Küste wurden am gestrigen Tage neun britische Flugzeuge zum Absturz gebracht.
Britische Bomber griffen in der vergangenen Nacht Westdeutschland an. Die Zivilbevölkerung hatte einige Verluste an Token und Verletzten. Flakartillerie und Nachtjäger schossen zehn der angreifenden Bomber ab.
Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Berlin, 15.April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberst i. Genst. Koller, der sich als Chef des Generalstabes einer Luftflotte hervorragende Verdienste in der Truppenführung erworben hat. Er stammt aus dem Mannschaftsstande und hat sich durch eigene Kraft hinaufgearbeitet. Als Führungsgehilfe des Befehlshabers trug er zum Durchbruch unserer Schlachtschiffe durch den Kanal, durch voraus- schauende Maßnahmen und planmäßigen Einsatz i),ßr Luftwaffenverbände bei.
Ferner verlieh der Führer das Ritterkreuz an Oberst Sinzinger, Kommandeur eines Infanterie-Regiments, und ^-Obersturmbannführer S ch u l d t, Führer eines Infanterie-Regiments der Waffen-^. Oberst Sinzinger gelang es, im mittleren Abschnitt der Ostfront bei der Abwehr starker Feindkräfte einer bolschewistischen Stoßarmee in zweitägigem erbitterten Ringen, völlig auf sich allein angewiesen, alle Angriffe zu zerschlagen. ^-Obersturmbannführer Schuldt nahm mit den ersten Teilen seines im Anmarsch befindlichen ^-Infanterie-Regiments eiüe beherrschende Höhe nach hartem Kampf, griff dann eine vom Feind ausgebaute Ortschaft an und überraschte in schneidigem Zupacken die Bolschewisten, so daß sie eingekesselt werden konnten.
„Oie fliegende Artillerie Dietls."
Von Kriegsberichter Peter Bohlscheid.
DNB.....,14. April. (PK.) Wir erinnern uns
heute des so erfolgreichen Tages unserer Horizontal- und Sturzkampfgruppe, als vor der Kolabucht am Nördlichen Eismeer der amerikanisch - englisch - sowjetische Geleitzug zersprengt wurde. Ein sowjetischer Zerstörer ging in Flammen gehüllt unter, ein anderer erhielt Volltreffer, und vor unseren Augen sank der durch deutsche U-Boote lahmgeschossene amerikanische 6000-BRT.- Transporter mit dem Heck in die Tiefe. England prägt nun, nachdem die lange Nacht nördlich des Polarkreises mehr und mehr dahinschwindet und die Erfolgschancen sich immer deutlicher auf die deutsche Seite verlagern, neue geflügelte Worte: „Schlacht um die Mitternachtssonne." Aber die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Tag und Nacht währenden Strahlen der Sonne mit ihrem Höchststand um Mitternacht auch den Transport im Dunkeln zur Unmöglichkeit machen. Die letzten deutschen Erfolge vor Murmansk, dem einzigen zum Atlantik gerichteten eisfreien Hafen der Sowjets, zeigen bereits an, daß die zugkräftigere deutsche Formulierung heißen wird: „Sieg der Mitternachtssonne". Den Augen unserer Fernaufklärer, die wir oft auf ihren entsagungsvollen Flügen begleiten durften, entgeht keine Tonne, die sich ihren Weg zur Murmanküste sucht, von Island her, über Grönland, Jan Mayen, Spitzbergen, Bäreninsel, bis an die Gestade der Tundra Nordnorwegens, Finnlands und der Kola- Halbinsel. Beweis dafür waren die blutigen Verluste, die sich der britische „Polarspuk", ein Flugzeugträger, vor Kirkenes und Petsamo im vergangenen Jahre holle.
In der Tundra, auf den nördlichsten Fliegerhorsten der Welt, halten wir Wacht, über Renn- tiermoos starten unsere Stukas, hinterlassen Spu
ren im Schnee, den der Saft aus dem Vorjahre stehen gebliebener Multebeereu (ähnlich unseren deutschen Blaubeeren) mit roten Streifen durch- zieht. Unsere Bereitschaftsbaracken säumen zwergenhafte Krüppelbirken, die den Besatzungen gerade bis an die Schultern reichen. Sonst nichts als die Welle des Landes, Tausende von Seen, Millionen von Felsen, die Gott in so überreichem Maße säte.
Wir sind hier oben Jb i e fliegende Artillerie Dietls", greifen die sowjetischen Schifffahrtswege an, stürzen auf die Hafenanlagen von Murmansk, unterbrechen die Murmanbahn von Tag 5u Tag erneut und werfen Tod und Verderben auf die Eismeerfront. Spezialisten lauern amerikanischen und englischen Schiffen aus, alte Scapa-Flow- Flieger; die alten tragen den Regenschirm im Sturz- visier als Symbol auf ihren Flugzeugrümpfen, andere wieder den stürzenden Adler: alle gemeinsam aber beseelt der Hunger nach Tonnage.
Stolz denken wir an Murmansk, wenn die Handels- und - Kriegsschiffe im Hafen Zickzack fahren, wenn die Batterien Feuer speien, Hafenanlagen auseinanderbrechen, Schwärme bolschewistischer Jäger im eigenen Flakfeuer zum Angriff ansetzen ... an jenen imposanten Anblick, als unter unserer „Ju 88" ein Munitionslager auf dem Flugplatz Warlamow, dicht bei Murmansk, in die Lust flog.
Unvergessen aber bleiben die spannenden Minu- ten weit draußen überm Eismeer. Wir hatten im Sturz ein mittleres Handelsschiff versenkt ... da ttaf das feindliche Flatgeschoß. Pulverrauch füllte die Kanzel, wir trudelten nach unten, die sowjetischen Zerstörer verdoppelten ihr Feuer. Leutnant O. aber fing unsere weidwundgeschossene Maschine ab, brachte sie in eine normale Fluglage ... und beim Abflug beobachteten wir das rasch sinkende Schiff
„Geschäftszimmer", in dem es am Nötigsten fehlte, für das es in den eisig kalten Wintermonaten nicht einmal Kohlen gab? Was schadete es, wenn immer wieder neugeworbene Mitarbeiter und Förderer nach kurzer Zeit sich zurückzogen, weil ihnen die Arbeit dieses unbekannten kleinen Vereins aussichtslos erschien? Der Kreis verständnisvoller Mitarbeiter vergrößerte sich allmählich doch. Bald traten die Leistungen der NSV. auch außerhalb der Bewegung in Erscheinung. NSD.-Küchen wurden geschaffen, in denen erstmalig im Zeichen der Hakenkreuzfahne nicht nur Parteigenossen, sondern Volksgenossen aller politischer Färbungen gespeist wurden. Dies verdient insofern besonders betont zu werden, als damit noch vor der Machtergreifung mitten im erbitterten politischen Kampfe die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege ihren neuen befreienden, auf die Gemeinschaft des Volkes gerichteten Geist zu bekunden vermochte. Als wenige Tage vor der Machtübernahme ein besonders rühriger Mitarbeiter die Erlaubnis für eine Büchsensammlung beim Reit- und Fahrturnier von dem jüdifchen Berliner Polizeipräsidenten und seinem gleichgesinnten Dezernenten auf Grund eines Leistungsberichtes über die NS.-Winterhilfe erwirkte, bewies diese nur mit Widerwillen gegebene Entscheidung besser als viele Worte, daß bereits wer- oolle praktische Wohlfahrtsarbeit geleistet worden war.
Diese Auffassung durfte die NS.-Volkswohlfahrt in einem Schreiben des Berliner Gauleiters Dr. Goebbels beftättgt finden, in dem es u. a. heißt: „Die NS.-Volkswohlfahrt hat im Laufe dieses Winters hier in Berlin wertvöllste Arbeit geleistet, sowohl auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege wie auch bei der Ausbildung ehrenamtlicher Wohlfahrtspfleger ..." Wenige Monate später, im Mai 1933 wurde der NSV. im Vertrauen auf die bisherige Leistung und die ihr innewohnenden lebendigen Kräfte die offizielle Anerkennung durch den Führer zuteil. In welchem Umfange das Werk in den nun folgenden Jahren zur Sache des ganzen Volkes geworden ist, beweist feine heutige Mitgliederzahl von über 15 Millionen und die Zahl ihrer ehrenamtliches Mitarbeiter von über einer Million.
Der Krieg unterbrach die machtvoll voranfchrei- tende Entwicklung, lange bevor die hoch und weit gesteckten Ziele erreicht fein konnten. Zum Stillstand zu dringen aber vermochte er sie nicht. War die NS.- Volkswohlfahrt dem deutschen Volke bisher ein Werkzeug des Aufbaues im Frieden, so wurde sie ihm nun eine der wirksamsten Waffen im Daseinskampf. Mehr denn je ist unser großes deutsches Sozialwerk heute Hüterin der Volksgesundheit und Beschützerin der Mütter und Kinder, das mitten im Vernichtungssturm des Krieges dem Leben und einer glücklicheren Zukunft dient. L. A.
Kleine politische Nachrichten.
NSG. Die Gauleiter sind als Beauftragte für den Arbeitseinsatz in den Gauen eingesetzt worden. Hierdurch wird in einschneidender Form die Zusammenarbeit aller Kräfte von Partei, Staat und Wehrmacht gesichert. Unter Führung der Partei soll bei voller Würdigung der Zuständigkeiten aller beteiligten Stellen ein höch - ft e r Nutzeffekt auf dem Gebiete des Arbeitseinsatzes gewährleistet werden.
Der Führer hat König Boris von Bulgarien das Goldene Großkreuz des Deutschen Adlerordens verliehen.
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Im Auftrage des Feldmarschalls Mannerheim überreichte Generalleutnant Talveda dem Reichsmarschall Göring das Großkreuz des Freiheitskreuzes mit einem Handschreiben des Oberbefehlshabers der finnischen Wehrmacht. Auch dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Großadmiral Raeder wurde das Großkreuz des Freiheitskreuzes verliehen.
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Der Führer hat dem Präsidenten der Republik Porttrgal General de Fragoso Carmona zum Antritt seiner neuen Amtsperiode mit einem in herzlichen Worten gehaltenen Telegramm seine Glückwünsche übermittelt.
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Der italienische Kronprinz Umberto übernahm das Oberkommando der Armeegruppe in Mittel- und Süditalien und auf den Inseln unter Beibehaltung des Oberkommandos der Infanteriewaffe und der übrigen Aufgaben auf dem Gebiet des Jnfpektions- wefens.
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Die iranische Regierung hat auf britischen Druck hin die Beziehungen mit Japan abgebrochen. Die japanische Gesandtschaft wurde au&gemiefen. Die Moskauer „TASS."-Agentur bestätigt, daß eine Weigerung der Regierung, die Japaner auszu- weisen, einen ernsten Konflikt mit England zur Folge gehabt hätte.
Warnung aus Stendal
Roman von A.Lothar Philipp
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Welches ist denn hier das zuständige Polizeirevier?" fragte jetzt Wenig.
„In der Ioachimstalerstraße —"
„Sehen Sie mal nach, Krähe, welches Revier das ist."
„Sagen Sie, Frau Hauckwitz", begann der Krimi- nalrat wieder, „hatte denn Herr Lanos gar keine Sachen? Die Schränke sind alle leer, keine Anzüge, keine Wäsche, keine Koffer, nichts, das ist doch auffällig —"
Frau Hauckwitz. hatte bisher durchaus ihre Ruhe behalten. Schließlich hatte ihr Mieter ihr bereits den September bezahlt, sie hatte also durch seinen Tod keinerlei Verluste. Jetzt aber sprang sie auf und wollte das Zimmer verlassen.
„Wo wollen Sie denn hin?" fragte der Kriminalrat.
„Ich will mal nachsehen, wo die Anzüge geblieben sind, womöglich sind meine Kleiderbügel auch weg —"
„Sie können jetzt nicht in das Zimmer. Ihre Bügel hängen übrigens noch da, wenn öie das beruhigen kann."
Sie ging langsam wieder auf ihren Platz.
Inzwischen hatte Krähe eine Verbindung zum Polizeirevier hergestellt und gab Wenig den Hörer.
„Ja, hier Kriminalrat Wenig. Haben Sie die Hauskarte? Lesen Sie mal vor. Wie? Ist nicht gemeldet? Danke schön." Er legte den Hörer auf.
„Wie kommt es, Frau Hauckwitz, daß Ihr Mieter nicht gemeldet ist? Sie wissen doch, daß das strafbar ist, nicht wahr?" „
Frau Hauckwitz machte ängstliche Augen.
„Aber, Herr Kriminalrat", sagte sie mit zaghafter Stimme, „er ist doch gemeldet. Er hat das Formu
lar ausgefüllt und ich habe es unterschrieben, auch der Verwalter hat es unterschrieben, und dann ist er damit zum R.evier gegangen."
„fiat er Ihnen das gesagt?"
,Ja, ich habe ihn noch besonders danach gefragt ... Hat es nicht eben geklingelt?"
„Gehen Sie mal hinaus, Krähe. Das wird die Mordkommission sein."
Nachdem die photographischen Aufnahmen gemacht worden waren, untersuchte der Gerichtsarzt Dr. Bennecke den Toten und stellte fest, daß er einen Schuß ins Herz erhalten hatte, der den sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Der Tod mochte etwa vor einer Stunde eingetreten sein, jedoch erlaubte die kurze Zeit, die seit dem Tode verstrichen war, eine genaue Feststellung nicht, so daß es möglich war, daß die Tat auch schon eine halbe Stunde früher geschehen war. Der Kriminalkommissar machte dabei auf die große Schreibtischuhr aufmerksam, die ein Schußloch aufwies und auf 20.50 Uhr stehen geblieben war.
„Zweifellos ist der Schuß in der Uhr eine günstige Gelegenheit, die Zeit der Tat festzuftellen", jagte Kriminalrat Wenig, „also zehn Minuten vor neun Uhr. Hm. Demnach ist zweimal geschossen worden, die erste Kugel brachte die Uhr zum Stillstand, die andere tötete djesen Lanos. Finden Sie irgendwelche Papiere bei ihm?"
Krähe hatte die Sachen, die bei dem Toten gefunden worden waren, auf dem Tisch ausgebreitet. Es waren: eine Schachtel Zigaretten, aus der zwei Stück fehlten, eine halb aufgebrauchte Schachtel Streichhölzer, eine Abendzeitung vom heutigen Tage, ein Kamm, ein Schlüsselbund, ein altes Taschenmesser, eine Geldtasche mit drei Mark siebenund- fechzig Pfennig Inhalt, eine Mundharmonika und zwei schmutzige Taschentücher. Sonst keinerlei Papiere oder andere Anhaltspunkte, die auf die Persönlichkeit dieses Mannes Hinweisen könnten.
„Nehmen Sie die Fingerabdrücke des Toten", befahl der Kommissar dem Fingerabdruckbeamten, „damit wir sehen^ ob wir seine Identität an den
Registern feststellen können. Denn", wandte er sich an Wenig, „wenn er nicht gemeldet war und sich auch sonst nichts ergeben hat, was auf seine Identität Hinweisen könnte, ist es möglich, daß der Mann einen falschen Namen führte oder sogar gesucht wird."
„Ja", meinte der Kriminalrat, „bas glaube ich auch." Und dann erzählte er dem Kommissar von der geheimnisvollen Warnung, die er am Vormittag erhalten hatte.
„Das .ist ja sehr interessant, Herr Kriminalrat", sagte der Kommissar erstaunt, „und ich glaube, es wird gut sein, wenn ich dem Kriminaldirektor vorschlage, daß Sie mit dem Fall betraut werden. Wenn jemand ein Interesse daran hatte, gerade Sie zu warnen, so müssen hierbei Leute beteiligt sein, die Sie kennen."
Der Kriminalrat lachte.
„Nun, ich habe gerade nicht über Mangel an Arbeit zu klagen, aber wenn Sie meinen? Vielleicht haben Sie recht. — Ist die Patronenhülse gefunden worden?"
Krähe brachte sie. Krähe war dafür bekannt, daß er alles fand. Sie lag am Fenster und war unter den schweren Fenstervorhang gerollt.
„Gut, wir wollen sehen, daß wir das System der Waffe jeftfteUen können. Ist der Bericht fertig?"
Der Protokollführer brachte dem Kriminalrat den auf der Maschine geschiebenen Bericht, den er unterzeichnete und ihn dann dem Kommissar weiterreichte.
„Die Leiche kann abtransportiert werden", sagte dann der Kommissar.'
„Halt", warf der Kriminalrat ein, „wir wollen Frau Hauckwitz holen, damit sie die Leiche als die ihres Mieters, der unter dem Namen Lanos bei ihr wohnte, identifiziert. Sie kann bann ihre Aussage gleich noch zu Protokoll geben."
Frau Hauckwitz wurde hereingerufen.
Als sie einen furchtsamen Blick auf den Toten geworfen hatte, fuhr sis plötzlich aut schüttelte den Kopf und sagtet
5 Jahre NG.-Fliegerkorps.
Am 17. April 1937, also vor fünf Jahren, befahl der Führer die Aufstellung des Nationalsozialistischen Fliegerkorps und übertrug ihm als wesentlichste Aufgaben die Wachhaltung und Vertiefung des fliegerischen Gedankens im deutschen Volke sowie die vormilitärisch-fliegerische Ausbildung des Nachwuchses für die Luftwaffe. In enger Anlehnung an die Partei wurde der organisatorische Aufbau des NSFK. in kürzester Frist durchgeführt. Ueberall im Großdeutschen Reiche wurden Reichssegelflugschulen, Reichsmodellflugschulen und Reichsschulen für fliegertechnische Ausbildung -errichtet und ausgebaut. Ein großes Heer von ehrenamtlichen Segelflugaus» bildern, Flugmodellbaulehrern, Werkstattleitern, Funklehrern und Theorielehrern sicherten der Luftwaffe einen zahlenmäßig starken, gut vorgebildeten und im Fliegergeist erzogenen Nachwuchs. Dor dem Kriege legte dieser Nachwuchs alljährlich Zeugnis oon, dem hohen Ausbildungsstand ab durch die Rhönsegelflugwettbewerbe, die Reichswettbewerbe der Modellflieger für Motor-, Segel- und Saalflugmodelle und die Segelflug-Zielstrecken-Wettbewerbe von Schlesien bis zur Ostsee. Mit dem Deutschlandflug 1938 veranstaltete das NSFK. den größten motorflugsportlichen Wettbewerb der Welt. Für den Krieg wurde dem NSFK. die Aufgabe gestellt, „den Nachwuchs der Luftwaffe fliegerisch und technisch weitgehend zu fördern und die Teile der Jugend zu binden und sicherzustellen, die besonders im Kriegsfälle, angespornt durch den erfolgreichen Einsatz der Luftwaffe, zur Fliegerei drängen". Die Erkenntnis von der politischen und militärischen Notwendigkeit unserer bleibenden Ueberlegenheit im Luftraum wird dafür sorgen, daß auch in Zukunft bas NSFK. seine Mission erfüllen kann, bamit bas beutsche Volk nach einem Worte Hermann Görings ein Volk der Flieger werde.
mit Nachschub für die Sowjets. Mehr und mehr verblaßt um diese Jahreszeit das Nordlicht: die Sonne nähert sich ihrem mitternächtlichen Höhepunkt; sie wird zum Freund beutegieriger Kampfund Sturzkampfflugzeuge. Vor dem Feind wächst drohend unser geflügeltes Wort empor: „Sieg der Mitternachtssonne!"
Kunst und Wissenschaft.
Eine Grimm-Gesellschaft in Kassel.
Im Anschluß an einen Märchenabend, den die Heinrich-Schütz-Gesellschaft Kassel mit Vorträgen von lothringischen - Märchen und Volksliedern, die von den Geschwistern Pinck gesammelt worden sind, veranstaltete, verkündete Gauleiter Weinrich die Gründung einer Grimm-Gesellschaft. Ihre Aufgaben sind Förderung aller Bolkstumsfragen und der Wissenschaftler und Schriftsteller des Gaues Kurhessen, Zusammenschluß aller literarisch interessierten Volksgenossen, Herausgabe eines Buches über Kassel und Wilhelmshöhe, eine neue Grimm- Ausgabe, vielleicht auch eine Biographie der Brüder Grimm. Der von der Universität Marburg alljährlich zu vergebende Grimm-Preis soll im Rahmen der Grimm-Gesellschaft verliehen werden. Ihre besondere Aufgabe sieht die Grimm-Gesellschaft in der tatkräftigen Unterstützung der hessischen Geschichtsforschung und in der Förderung des miffen- schaftlichen Nachwuchses auf diesem Gebiet. Ferner plant die Gesellschaft durch Vermittlung einer besonderen Bühne die Märchen durch Märchenspiele und durch Wiederbelebung und Förderung der Erzählkunst das alte Märchengut der Allgemeinheit wieder nahezubringen. Die Zeitschrift ,Hessenlanb" wird Organ der Grimm-Gesellschaft.
Björn Björnfon gestorben.
Björn Björnfon, der älteste Sohn des norwegischen Dichters Björnstjerne Björnfon, ist in Oslo im Alter von 82 Jahren gestorben. Er hat eigentlich Musik studieren wollen, dann wurde aber seine Leidenschaft für das Theater immer stärker, 1880 trat er zum erstenmal bei den Meiningern auf. 1885 ging er an das Schauspielhaus in Oslo. 1899 wurde ihm die Leitung des Nationaltheaters übertragen, dessen Errichtung auf seines Vaters Initiative zurückgeht. Was der alte Björnson für die norwegische Literatur war, das war der junge für das norwegische Theater. Es ist eigentlich erst durch ihn geschaffen worden, dort erlebten Jbfen und Björnfon ihre großen Aufführungen. Auch der, junge Björnfon hat einige Dramen geschrieben. Deutschland, feiner Wahlheimat, war er immer in Verehrung zugetan. Während des ersten Weltkrieges lebte er in Berlin und stritt als Journalist mit scharfer Feder für die deutsche Sache. Später wohnte er lange in München, eine Frucht seines Aufenthaltes in Deutschland ist feine Betrachtung „Von deutschem Wesen".
„Wer ist denn das? Das ist doch nicht Herr Lanos!"
„Was?" rief der Kriminalrat, „wollen Sie behaupten, daß das nicht der Herr ist, der bei Ihnen unter dem Namen Lanos gewohnt hat?"
„Ach, kein Gedanke. Das ist nicht Herr Lanos. Na, hören Sie, ich werde doch wohl Herrn Lanos kennen! Herr Lanos ist viel dicker und älter, außerdem hat er dunkleres Haar, war stets gut rasiert und ging elegant angezogen. Den Mann habe ich nie gesehen und kenne ihn auch nicht."
Der Kommissar sah verwundert zu dem Kriminal- rat. Der zuckte die Achseln und sagte:
„Nun, dann geben Sie das zu Protokoll. Das ist ja eine sonderbare Geschichte, Teufel, ja."
„Das ist doch ganz einfach", meinte Herr Krähe, „das ist dann eben der Mann, der den Lanos ermorden wollte. Lanos hat schneller geschossen und ist bann getürmt."
„Ach, Krähe, wenn sich alles so leicht erklären ließe", seufzte ber Kriminalrat.
„Wir sinb jetzt hier fertig, Herr Kriminalrat", sagte jetzt der Kommissar. Dann wandte er sich zu Frau Hauckwitz, die gerade das Protokoll unterschrieb, und sagte:
„Das Zimmer hier bleibt noch versiegelt, Frau Hauckwitz. Sie können noch nicht darüber verfügen."
„Wann werde ich es denn wieder vermieten können", fragte sie, „in ein paar Tagen ist ber Erste, ich bin doch darauf angewiesen —"
Der Kommissar zuckte nur die Achseln.
Wenige Minuten später war das Zimmer geräumt. Der Tote wurde zum Leichenschauhause gebracht, die Mordkommission fuhr zurÄck, und Kriminalrat Wenig fuhr mit Krähe zum Polizeipräsidium, um festzustellen, wer ber Tote war.
Währenb Krähe beim Dauerbienft in ber Finger- abbruckzentrale war, sah sich Kriminalrat Wenig mit dem Kommissar die Protokolle burch.
(Fortsetzung folgt)


