492. Jahrgang Nr. 88
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Voll unserem nn
z (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stockh olm, Mitte April 1942.
Es ist zweifellos etwas stiller geworden um Alaska. Die USA.-Presse veröffentlicht nicht mehr spaltenlange Aufsätze über die strategischen Möglichkeiten dieses „Bollwerks", von dem noch im Oktober 1941, also wenige Monate vor Ausbruch des Strieges im Pazifik, ein amerikanischer Journalist, der eine große Rundreise durch Alaska gemacht hatte, sagte, daß es vier Faktoren seien, die Alaska strategisch so wertvoll machten: 1. seien es nur 710 Meilen von der zu Alaska gehörenden Insel Attu bis zur nördlichsten Spitze des japanischen Territoriums; 2. seien es nur 500 Meilen von der Insel Attu nach Kamtschatka; 3. sei die Entfernung von Neuyork nach Tokio über Alaska um 4000 Meilen geringer als über San Franzisko und Hawai, und 4. böte Alaska für die Vereinigten Staaten, die sich verpflichtet hätten, der Sowjetunion Kriegsmaterial zu liefern, die kürzeste und sicherste Luft Verbindung mit der Sowjetunion. Vom strategischen Standpunkt aus springe in allererster Linie die Tatsache in die Augen, daß Alaska eine ganz hervorragende Position innehabe, von der aus Luft- und Seestreitkräfte „vorteilhaft" gegen das asiatische Festland operieren könnten.
Alle diese Erwägungen waren allerdings mit dem Blick auf den anderen und längeren Arm der „transpazifischen Zange" gegen Japan gemacht, -nämlich den, der Über Hawai, die Wake- und Guam-Infeln nach den Philippinen führte und :m ersten Ansturm der Japaner gegen den Erdrosse- lungsoersuch der USA. zerschmettert wurde! Welche Folgen das in strategischer Hinsicht für die USA. hatte, haben wir an dem Siegeszug der Japaner beobachten können. Selbstverständlich ist Alaska durch diese Tatsachen nicht völlig entwertet worden, und hin und wieder kann man auch heute noch japanische Presseäußerungen lesen, aus denen hervorgeht, daß die verantwortlichen japanischen Militärs ein sehr aufmerksames Auge auf diesen Hebel haben, der mit Hilfe der Inselkette der Aläuten in sehr bedrohliche Nähe des japanischen Insel- reiches kommt.
Zweifellos war es ein glänzendes Geschäft, als der USA.-Staatsfekretär Seward 1867 Alaska für 7,2 Millionen Dollar von Rußland kaufte, denn feit dieser Zeit haben die USA. aus dem Lande allein an Rohstoffen, Fischen und anderen Produkten für über 2 Milliarden Dollar geholt. Der rein wirtschaftliche Wext Alaskas ist gar nicht hoch genug zu veranschlagen. Das einzige wesentliche Zinn- Vorkommen auf nordamerikanischem Gebiet liegt an der Küste der Beringsee, dort wo sich Alaska und Sibirien am nächsten kommen. Außer Zinn kommen noch Kupfer, An'timon, Platin und viele andere Metalle auf Alaska vor, deren Ergiebigkeit zum Teil erst oberflächlich wissenschafttich erforscht wurde. Ebenso wichtig dürste aber das Oelfeld von Point Barrow sein, über dessen Reichhaltigkeit man auch nur Vermutungen anstellen kann, das aber immerhin eine so lohnende Ausbeute versprechen dürste, daß es vor Jahren schon von der Regierung als „Flottenreserve" erklärt wurde. Da die USA. von den Rohstoffoorkommen im pazifischen Raum, vor allem von denjenigen Niederländisch- Jndiens und der Malaien-Halbinsel durch den Siegeszug der Japaner abgeschnitten find, steigt der Wert dieses mit Schätzen aller Art gesegneten Landes von Jahr zu Jahr.
Außerdem find die Klimaverhältnisse in Alaska durchaus andere, als selbst von den meisten Amerikanern angenommen wird. Der kurze, aber sehr heiße Sommer erlaubt einen ergiebigen A ck e r b a u. Es können Roggen, Weizen, Hafer und Gerste angebaut werden, ferner Früchte und Gemüse aller Art, so daß nach zuverlässigen Schätzungen dieses Gebiet, das mit feinen 1,5 Millionen qkm genau den doppelten Raum wie Skandinavien einnimmt, rund 15 bis 18 Millionen ernähren kann, während die Bevölkerung Alaskas heute sage und schreibe — rund 73 000 Menschen beträgt, während Skandinavien immerhin etwa 9 Millionen Menschen beherbergt. Alaska ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Zukunftsland mit Möglichkeiten, die erst heute teilweise bekannt find, was vor allem in bezug auf die Reichhaltigkeit der verschiedenen Rohstoffe zutrifft.
Seine strategische Lage wird auch weiterhin von den Japanern Aufmerksamkeit erfordern, wenn auch die bombastischen Zukunftsräume vor Ausbruch des Krieges im Pazifik, in denen vor allem die nordamerikanische Presse schwelgte, zum großen Teil auf Voraussetzungen aufgebaut waren, die heute nicht mehr zutreffen. Die nordamerika- nische Kriegsflotte ist durch die Katastrophe im Perlenhafen von Hawai für lange Zeit hinaus zu Offensivhandlungen unfähig geworden. Die Lage Alaskas fordert nun allerdings geradezu heraus, das Land als riesigen Flug st ützp unkt auszubauen. Zweifellos haben die Pankees in dieser Beziehung sehr viel Arbeit geleistet. In den Jahren von 1939 bis 1941 sind rund 133 Millionen Dollar für die Verteidigung Alaskas und den Ausbau der Stützpunkte bereitgestellt worden, inzwischen dürften Investitionen für einige weitere hundert Millionen Dollar gefolgt fein — gewiß keine große Beträge im Rahmen des Milliardenrausches der nordamerikanifchen Aufrüstung. Aber in Sitka, Fairbanks, Kodiak und besonders in Dutch Harbour wird seit Jahren mit großen Änstrengungen gerüstet, werden vor allem die Flugbasen und Marinestützpunkte immer weiter ausgebaut.
Gerade den Flugstützpunkten auf Alaska schenkt man in Washington größte Aufmerksamkeit, da dieses Zukunftsland durchaus nicht fo am Ende der Welt liegt, wie es auf manchen Atlanten und Globeiz erscheint. Von Fairbanks nach Neuyork find es beispielsweise 5216 km, vom gleichen Punkt
.-Berichterstatter.
' nach London nur 6752 km und nach Tokio 5610 km, während die Entfernung nach Los Angelos 3936 km und nach Manila 8560 km beträgt. Schon aus diesen wenigen Zahlenangaben geht die „zentrale" Lage Alaskas hervor, wenn man Begriffe des zukünftigen Weltluftverkehrs in Betracht zieht. Diese Lage hat selbstverständlich auch ihre hohe strategische Bedeutung, zumal der seit langem gehegte Plan, von Seattle in den USA. an der kanadischen Küste entlang die sogenannte 3600 km lange Alaska-Straße nach Fairbanks zu bauen, heute in den USA. aus dem Stadium der Berechnungen heraus fein dürfte.
Man darf allerdings nie vergessen, daß alle diese Pläne, Träume und zum Teil bereits verwirklichten Projekte von einer weltpolitischen Konstellation ausgingen, die heute eben durch die militärischen Erfolge Japans ein gänzlich anderes Aussehen erhalten haben. Die transpazifische Zange der USA. hatte vor allem das Funktionieren des zweiten Armes, der über Hawai bis zu den Philippinen führte, als selbstverständliche Voraussetzung und alle Berechnungen gingen von der ebenso selbstverständlichen Annahme aus, daß nicht die Mächte des Dreierpaktes bei einer künftigen weltweiten Aus-
Oie Ursachen der fri in Os
Lissabon, 15. April. (Europapreß.) Nicht zahlenmäßig überlegene Menschenmassen, auch nicht der Mangel an Waffen bei den Alliierten haben zu der katastrophalen Niederlage der Alliierten in Ma- laya und Java und in ganz Ostasien geführt, stellt Sir Keith Murdoch, der bekannte australische Zeitungsbesitzer, in der „Daily Mail" fest. An der Alliiertenniederlage war ausschließlich die japanische Luftüberlegenheit und die bessere Vorbildung der Japaner für den Dschungelkrieg schuld.
„Die Alliierten machten verzweifelte Versuche und setzten Elitetruppen ein", so schreibt Murdoch, „aber das war alles vergeblich. Die japanischen Verluste waren leicht, die der Alliierten bisweilen erschütternd. General Vernon, sagte, daß die Japaner zur Eroberung von Malaya und Singapur nicht, mehr als drei Diviflonen einsetzten, während britische Beobachter von vier Divisionen sprechen und von einer fünften der kaiserlichen Garde, die zum Sturm auf Singapur angesetzt wurde. Wie immer es gewesen fein möge, eine zahlenmäßige lieber» legenheit der Japaner bestand zu Beginn des Kampfes nicht, ebenso wenig wie die Japaner besser ausgerüstet waren. Im Gegenteil, die alliierten Truppen verfügten über hervorragende Waffen mit Ausnahme von Tankabwehraeschützen, während die Japaner mehr leichte Maschinengewehre und Flammenwerfer besaßen und sich mit dem Material, das sie von den britischen Truppen eroberten, den Vormarsch bahnten. Die britische Niederlage ist einzig und allein auf.die fehlende Kenntnis der englischen Militärs im Dschungelkrieg sowie die fehlende Luftwaffe zurückzuführen. Anfangs hatten die Alliierten nur veraltete Flugzeuge gegen die 500 bis 600 Maschinen, die die japanische Luftwaffe einsetzte. Als die Hurricanes kamen, fehlte es an Piloten, und die Verluste waren ungeheuer. Nachdem die Piloten später hinzukamen, war es bereits zu spät. „Wenn Australien gerettet werden soll", so stellt der Artikel fest, „bann muß es genügend Flugzeuge erhalten, denn ein Kampf ohne entsprechende Luftverteidigung ist reiner Selbstmord."
„Jetzt, und nicht
Oie Dringlichkeit de
Barcelona, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Der Neuyorker Korrespondent des Blattes „Dan- guardia" hebt hervor, daß man in den USA. nicht mehr wie noch vor wenigen Monaten davon spreche, man könne ruhig „ein paar Jahre warte n". Man habe erkannt, daß die Entscheidung in diesem Jahre fallen müsse. Das sei auch der Grund, warum General Marsh al, der amerikanische Generalstabschef, nach London entsandt worden fei. Auf der gleichen Ebene liege die Erklärung des Leiters der nordamerikanischen Rüstungsproduktion, Donald Nelson, der dieser Tage darauf verwies, man brauche jetzt und nicht in einem Jahre Schiffe. Ein Schiff, das jetzt vom Stapel laufe, fei mehr wert als zehn Schiffe im nächsten Jahre. Der Mangel an Schiffsraum fei die entscheidende Frage. Die Verbündeten hätten ihre Schlachten vor allem wegen des Mangels an TransportmSglich- keiten verloren, die militärische Zukunft der demokratischen Mächte hänge von den Neubauten der Werften ab und von besseren Abwehrmaßregeln gegen die immer mehr zunehmende U-Boots-Gesahr.
Die Nachschubkrisis.
Mailand, 15. April. Zu den Erfolgen der deutschen und der italienischen U-Bootwafse schreibt „Popolo d'Jtalia", die beiden vom Meer umgebenen angelsächsischen Staaten seien in passiver Hinsicht in einer idealen Lage, in offensiver und aktiv- defensiver Hinsicht jedoch stark im Nachteil, denn nach den Verlusten ihrer kontinentalen Verbündeten hätten sich d i e Seewege zur Aufrechterhaltung ihrer strategischen Verbindungen mit ihren Bundesgenossen, der Sowjetunion und Tschung- king-Chma, immer mehr verlängert. So betrage der Weg von Neuyork nach Archangelsk
einandersetzung mit den Demokratien die Initiative in der Hand halten würden, sondern Englands Blockadekrieg und Nordamerikas Eingreifen sowohl Deutschland und Italien erdrosseln, wie Japan zur Kapitulation zwingen würden. Das ist wesentlich anders gekommen, und damit hängt alles, was im Zusammenhang mit Alaska geplant wurde, heute für die USA. als weit vorgeschobener Außenposten sehr gefährlich in der Schwebe. Denn die lieber» legenheit sowohl auf dem Wasser wie in der Lust ist heute ganz zweifellos bei Japan. Das haben die USA.-Militärs bereits mehrfach zugegeben, und damit hat auch Alaska strategisch nicht mehr den Wert, den es in der ursprünglichen Konzeption haben sollte. Das hindert selbstverständlich die Amerikaner nicht, Alaska weiter als Machtfaktor ersten Ranges auszufpielen, wie es auf der anderen Seite Japan zwingt, diesem nördlichen Pfeil der USA., der direkt auf das Jnfelreich zielt, erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken und sich der Nähe Dutch Harbours bewußt zu bleiben.
Das strategische Schwergewicht ruht — vorläufig wenigstens — aber im Indischen Ozean und um Australien, ohne daß die UWl. bislang in der Lage gewesen wären, so wie sie es vor dem Kriege immer wieder in langen Erörterungen der Presse betonten, mit Hilfe Alaskas den Pazifik bis zum Panamakanal zu beherrschen. Es fehlen die Philippinen und es fehlen vor allem die Flotteneinheiten, die heute zertrümmert auf dem Meeresgrund liegen...
Das Geheimnis der japanischen Erfolge.
Tokio, 15. April. (Europapreß.) Japans große und rasche Erfolge auf allen Kriegsschauplätzen sind zum großen Teil der Verwendung motorisierter Truppen un£> moderner Was- fen zuzuschreiben, erklärte Major Mu.rai vom kaiserlichen Hauptquartier in einer RundfunkaUrsprache. Er unterstrich besonders die durch die Panzer und Luftwaffe ermöglichte Konzentrierung großer Stampftraft in den Händen verhältnismäßig kleiner Zahlen von Soldaten. Dies sei auch besonders wichtig angesichts der hohen Beanspruchung von .Arbeitskräften an der Kriegsindusttie. Murai vertrat den Standpunkt, daß schon heute Maschinen die Rolle des Pferdes in den Armeen zum größten Teil übernommen haben und in Zukunft den Kern der Kampfkraft bilden wurden. Deshalb fei eine weitgehende vormilitärische technische Aus- bÜbung wünschenswert. Beispielsweise sei Voraussetzung, daß alle Rekruten, welche für motorisierte Formationen oder für die Panzerwaffe bestimmt seien, beim Eintritt in das Heer in der Lage sein müßten, Kraftwagen zu steuern und zu reparieren. Bereits im Vorjahr habe das Unterrichtsministerium praktische technische Kurse eingerichtet.
Britische Unterlegenheit auch in Burma
Stockholm, 16.April. (DNB. Funkspruch.) In einer Reutermeldung heißt es: „Die Lage in Burma mit unverdientem Optimismus zu betrachten, käme einer Flucht vor der Wirklichkeit gleich. Wieder einmal ist es die alte Geschichte: Nicht genug Flugzeuge, Geschütze und Panzer. Man kann von den Truppen nicht erwarten, daß sie Wunder verrichten, wenn sie zahlenmäßig unterlegen sind und wenig Unterstützung aus der Lust und durch Artillerie erhalten."
in einem Zahr!"
r Schiffsraumfrage.
oder nach Suez 9700 Kilometer, nach dem Persischen Golf 20 000 Kilometer Schiffahrtsstraßen, die heute von den See- und Luftstreitkräften der Achse und Japans in steigendem Maße bedroht würden. Da die Kampfkraft der angelsächsischen Landstreitkräfte von der Regelmäßigkeit der Seeoerbindungen abhänge, befänden sich die Vereinigten Staaten und England durch den Verlust von bereits 19 Millionen Tonnen in einer Nachschubkrise, was die Staaten des Dreimächtepaktes nicht zu befürchten hätten. Auf die Dauer würden die Angelsachsen daher den Krieg verlieren, bei dem sie ihre Hoffnungen gerade auf ihre Stärke zur See gesetzt hätten.
Oie Kehler der britischen Kolonialpolitik
Genf, 16. April. (DNB. Funkspruch.) Der „Manchester Guardian" beschäftigt sich mit der Frage, warum die malayische Bevölkerung beim Zusammenbruch der britischen Verteidigung teilnahmslos zugesehen habe, und warum die Bewohner von Burma die Japaner bei ihrem Einmarsch freudig begrüßten. Die Folgerungen, die England aus diesem raschen Abfall der Eingeborenenbevvlke- rung ziehen müsse, sind nach Ansicht des „Manchester Guardian" um so schwerwiegender, als sie nicht nur Indien, sondern den gesamten britischen Kolonialbesitz berühren. Das Blatt wendet sich daher scharf gegen die kolonialpolitifchen Methoden in Kenya (Ostafrika), wo man ausgerechnet in diesem Augenblick die Zwangsarbeit Der Eingeborenen für private Farmer eingeführt habe. Das Blatt schreibt: „Die Wahrheit ist, daß die wehrlosen Eingeborenen des britischen Empire moralisch den gleichen Anspruch auf Schutz haben wie der britische Bürger zu Hause. Aber das bri- ttjche Volk hat dies nicht einiebeu wol°
Zehn Jahre NSV.
Politische Kämpfe bis zum Brudermord, bitteres Elend von nahezu fieben Millionen Arbeitslosen und ihren Familien, Verwahrlosung einer Jugend, die nicht den Segen straffer, geordneter Arbeit kennen lernen durfte — das war das Gesicht des Deut, scheu Reiches in jenen lagen, als die ersten Aeuße- rungen nationalsozialistischer Volkswohlfahrtspslege (damals noch beschränkt auf Unterstützung der kämpfenden Bewegung) sich durchzusetzen begann. Sie erforderte Mut und Einsatzbereitschaft in einer Zeit, in der jedes Bekenntnis zum Nationalsozialismus eine Welle von Hohn und Verachtung heroor- rief, ja auch den Verlust von Arbeit und Brot oft genug brachte.
Eine Hauptaufgabe in diesen von schwersten politischen Kämpfen erschütterten Jahren war die Auf« rechterhaltung der Verpflegungs- und llnterfunfts« Möglichkeiten für die SA. Diese S A. - K ü ch e n und SA.-Heime, meist mit bescheidensten Mitteln errichtet und unter großen Opfern der Parteigenossenschaft und der NS.-Frauenschaft unterhalten, waren oft der einzige wirtschaftliche Rückhalt der erwebslosen SA.-Männer, die um üjrer Treue zum Führer willen, nicht nur brotlos geworden mären, sondern häufig auch von den eigenen Familien verstoßen wurden. Ihnen Heim und Küchen ihres SA.-Sturmes zu erhalten, war eine Ehrenpflicht.
3n den Notwintern vor der Machtergreifung wurde auch die erste N S. - W i n t e r h i l f e durchgeführt, die vor allem in Speisungen und Unterstützungen der notleidenden Anhänger der Bewegung bestand. Mittagstische und Unterkünfte wurden eingerichtet, Nähstuben und Kleiderkammern errichtet. Im übrigen sind fast alle Arbeitsgebiete, die heute das Wesen der NS.-Volkswohlfahrt ausmachen, in ihrer Entwicklung bis in jene Zeit zurückzuverfolgen, als noch, ohne den Namen einer „NS.- Volkswohlfahrt", doch schon in ihrem Geiste Selbsthilfe in allen Formen wohlfahrtspflegerischen Wirkens geleistet wurde. Familien standen sich gegenseitig bei; Frauen halfen einander; wirtschaftlich Bessergestellte übernahmen Patenschaften bei Kin^ bern hilfsbedürftiger Kameraden; Kinderspeifungen wurden durchgeführt: manche Ortsgruppen mit viel erwerbstätigen Müttern schufen sich einen eigenen Kindergarten; für gesundheitlich verelendete Kinder wurden bei gleichgesinnten Familien auf dem Lande Gaststellen geworben ...
In der Erkenntnis der Notwendigkeit einer stärkeren Einschaltung von Nationalsozialisten in die öffentliche Wohlfahrtspflege erfolgte dann der nächste Schritt. Er wurde von geschichtlicher Bedeutung durch Aufnahme der jungen Organisation in die freie Wohlfahrtspflege. Die Arbeitsgemeinschaft der NS.-Volkswohlfahrt wurde in das Vereinsregister eingetragen. Ein formaler aber wichtiger Akt. Damit war der 18. April 1932 in der Reichshauptstadt, zugleich für das Reichsgebiet, wo überall schon tatkräftig gearbeitet worden war, Zum Geburtstag der größten Wohlfahrtsorgani- fation der Welt geworden.
Allerdings waren die Aussichten für den jungen Verein zunächst keineswegs rosig. Zwar wurde bereits mit der Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter für die öffentliche Wohlfahrtspflege begonnen und überall fing die Organisation an, in den Ortsgruppen festen Fuß zu fassen, aber trotz der persönlichen großen Opfer der zumeist brotlos gewordenen Mitarbeiter gab es immer wieder Rückschläge. Dazu kamen die rein technischen Schwierigkeiten der äußeren Arbeitsbedingungen.
Doch was kümmerte die ersten Mitarbeiter ein
l e n.N Es fei kaum jemals der Versuch unternommen worden, den tiefen Lebensstandard des Eingeborenen auch nur im geringsten zu heben.
Britische Piraterie.
M a d r i d, 15. April. (DNB.) Die spanische Presse berichtet über die unerhörte Behandlung, die der deutsche Botschafter Freiherr von Thermo n n auf der Uebersahrt von Argentinien nach Portugal durch die Engländer erfuhr. Das spanische Schiff, mit dem der Botschafter reifte, wurde von englischen Hilfskreuzern angehalten und gezwungen, den westafrikanischen Hafen Bathurst anzulaufen. Dort wurden der deutsche Bot-, schafter und feine Frau von den Engländern untersucht und beraubt, obwohl er mündlich und schriftlich Dagegen protestierte und auf die völkerrechtlich gültigen Abmachungen zwischen Deutschland und England verwies. Im Verlaufe dieser Untersuchung wurden dem deutschen Botschafter 2 0 0 0 0 Dollar entwendet. Es wurde ihm nicht gestattet, bei der Durchsuchung seines Gepäcks anwesend zu sein, aus dem ihm gleichfalls von den Engländern zahlreiche Gegenstände, besonders Wäsche, Kleidung, Schuhe und Wertsachen in einem Gesamtwert von etwa 10 000 RM. gestohlen wurden.
Regierungsumbildung in Frankreich.
Berlin, 15. April. (DNB.) Meldungen aus Vichy besagen, daß Marschall P e t a i n und Pierre Laval eine Regierungsneubildung beschlossen haben. Die neue französische Regierung, die voraussichtlich Pierre Laval als Regierungschef und Admiral Darlan als Oberbefehlshaber- der Wehrmacht haben wird, soll in Kürze vor die Oeffentlichkeit treten.
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Durch ein von dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Admiral Darlan und dem Justiz.minister Barthelemy unterzeichnetes Gesetz wird der Prozeß von Riom gegen die Verantwortlichen der Niederlage — wie schon kurz gemeldet — bis auf weiteres eingestellt. Der Oberste Gerichtshof wird feine Untersuchung ergänzen, um alle Verantwortlichkeiten, die vom Friedens- zum Kriegszustand geführt haben, nachzuforschen und zu beurteilen. Damit ist gleichzeitig die Frage nach der Verantwortung am Kriege gestellt.


