-ruch eines ganzen Volkes mit frecherem Zynismus verteidigt als dieser es gegenüber dem französischen Volke tut! Nicht also er, der Hetzer und Kriegsbrandstifter Daladier ist schuldig, sondern das französische Volk! Er, der Polen zur Unnachgiebigkeit aufstachelte, er, der alle Möglichkeiten zur Erhaltung des Friedens sabotierte, dieser Mensch, der nach dem Zusammenbruch Polens die Hand des Führers, die sich Frankreich entgegenstreckte, brüst zurückwies und durch feine jüdische Presse unaufhörlich den französischen Gehirnen die Lüge einham- mern ließ daß Frankreich angegriffen werde und der Krieg mit Deutschland unvermeidlich sei — dieser Verbrecher erfrecht sich heute, dem von ihm betrogenen französischen Volk höhnisch zuzurufen: „Frankreich durfte nicht besiegt werden." Nicht Daladier, der verbrecherisch Frankreich in den Krieg stürzte, sondern das betrogene französische Volk Hal sein Unglück selbst verschuldet! — Darin liegt der Sinn dieser Verteidigungsrede. So also wird in Riom ein Prozeß geführt, von dem die Welt erwartete, dcrß endlich einmal die wahren Kriegsverbrecher und -anstifter von einem betrogenen Volk zur Verantwortung gezogen werden wütden! Welche Schlußfolgerung muß man daraus ziehen, wenn eine Regrerung eine solche Prozeßführung will und damit die Abwälzung der Schuld auf das französische Volk duldet? Gibt sie damit nicht zu erkennen, daß sie selbst mitschuldig ist an dem, was sie von den Kriegsverbrechern Daladier und Genossen, so peinlich fernzuhalten sich bestrebt? Die Antwort überlassen wir dem französischen Volk!
Oer dritte Jahrestag
-es Protektorats.
Prag, 15. März. (DNB.) Anläßlich des dritten Jahrestages der Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren fand im Prager Deutschen Opernhaus eine Gedenkstunde statt. Der stellvertretende Reichsprotektor ---Obergruppenführer Heydrich, wies in einer Ansprache darauf hin, daß der 15. März 1939 geschichtlich gesehen nicht nur die Erfüllung der Wünsche des deutschen Herzens, sondern die reale Vollendung einer politischen Notwendigkeit darstellt. „Der große Krieg, den wir jetzt erleben", so sagte er, „ist der lebensentscheidende Kampf um den Bestand Großdeutschlands und Europas. Damit wird er politisch, wirtschaftlich und menschlich gerade wegen seiner notwendigen Opfer und Lasten als Schmelztiegel dazu beitragen, das endgültige Hineinwachsen dieses Raumes ins Reich zu vertiefen und zu vollenden. So ist der heutige Tag, politisch gesehen, ein Tag des dankbaren und achtungsvollen Erinnerns an jenen 15. März 1939, der staatspolitisch und rechtlich das Fundament und den Anfang schuf für jene Entwicklung und jene Aufgaben, die wir gemeinsam mit den Bewohnern Böhmens und Mährens gewillt find, im Sinne des Reiches voranzutreiben und nach den Weisungen des Führers zu vollenden."
Staatspräsident Dr. H a ch a hielt eine Rundfunkansprache, in der er sagte: „Der 15. März wächst zu dem Symbol unserer eigenen Gedankenrevolution, zu dem Symbol unserer Einreihung in das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Reiches heran. Aus innerer Ueberzeugung verschmelzen wir auf allen Gebieten unsere Tätigkeit immer mehr mit dem Reich. Wir können nie mehr zu den politischen Anschauungen der alten Demokratie zurückkehren, die auch die mächtigen Völker des Westens an den Rand des Verderbens geführt hat, so daß sie heute das einzige Heil im Bolschewismus sehen. Wir wollen darum aus der nationalsozialistischen Weltanschauung schöpfen, die aus dem deutschen Volk den mächtigsten Faktor der Welt gemacht hat und seine Truppen zu immer neuen Erfolgen führt. Untätiges Zuwarten käme dem Verderben gleich."
Oie wirtschaftliche Zusammenarbeit -er Achse. Rom, 14. März. (DNB.) Außenminister Graf C i a n o und Botschafter Giannini sowie Botschafter von Mackensen und Gesandter C l o - d i u s haben Vereinbarungen unterzeichnet, in denen die wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien bis zum Ende des Jahres 1942 geregelt wird. Der Rohstoffaustausch wird einen noch größeren Umfang haben und dazu beitragen, eine erhöhte Leistung der Rüstungsindustrien der beiden Länder sicherzustellen. Während die italienische Ausfuhr nach Deutschland im wesentlichen Südfrüchte, Hanf, Roh- und Kunstseide, Zink, Quecksilber und Nahrungsmittel umfaßt, führt Deutschland nach Italien Kohle, Eisen, eisenverarbeitete Industrieartikel, Maschinen, Kriegsmaterial, Chemikalien, chemische Rohstoffe, Farben und pharmazeutische Artikel aus. Die deutschen Kohlenlieferungen konnten in dem vereinbarten Aus-
maß von einer Million Tonnen monatlich voll er- uut werden. Trotz aller Schwierigkeiten auch klima- tischer Natur hat sich die im feindlichen Ausland wiederholt geäußerte Skepsis hinsichtlich der Durchführung des Kohlenabkommens als völlig unbegrün- oet erwiesen. Es besteht sogar die Hoffnung, daß Me Lieferungen des Jahres 1942 in begrenztem roerbe U^Cr bisherigen Lieferungen hinausgehen
Eine besondere Rolle spielt auf dem Gebiet der Rohstoffversorgung der Einsatz der Arbeitskräfte. Von italienischer Seite sind im Jahre 1941 200000 italienische Arbeitskräfte der deutschen Wirtschaft zur Verfügung gestellt worden. Diese Zahl wird im Jahre 1942 nicht unwesentlich erhöht werden.
Von besonderer Bedeutung ist ferner die Frage der Stabilisierung der Preise im gegenseitigen Warenaustausch. Auf diesem Gebiet konnte das bisher vertraglich festgelegte Preisniveau gehalten werden. Es ist jetzt von neuem eine Bindung der Preise der deutschen Ausfuhr nach Italien erfolgt, woraus sich günstige Rückwirkungen auch auf die inneritalienische Preisbildung ergeben. Besonders gilt dies für die deutschen Kohlenlieferungen. Der Zahlungsverkehr erfolgt auch weiterhin nach dem Grundsatz, daß keine kriegswichtige Leistung unterbleiben darf, weil noch nicht die fianzielle Gegenleistung erfolgt ist. Es wurden auch Maßnahmen vorgesehen, um die Versorgung Griechenlands sicherzustellen. Die für Griechenland aus der Besetzung sich ergebenden finanziellen Lasten sollen nach Möglichkeit erleichtert werden.
Oer Webrmachtbericht vom Samstag.
DNB. AusdemFührerhaupkquartier, 14. TNärz. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der Krim griff der Feind nach längerer Kampfpause wieder mit starken, von Panzern uR Fliegern unterstützten Kräften die deutsch-rumänischen Stellungen auf der Halbinsel Kertsch an. 3n harten Kämpfen wurden die Angriffe unter hohen Verlusten für den Gegner abgewehrt. Dabei wurden 46 feindliche Panzer abgeschossen. Auch an den übrigen Abschnitten der Ostfront setzte der Feind feine Angriffe erfolglos fort. 3n Ouftkampfen wurden gestern ohne eigene Verluste 17 sowjetische Flugzeuge abgeschoffen. Die sowjetische Luftwaffe verlor in der Zeit vom 6. bis 12. März 209 Flugzeuge, davon wurden 130 in Luftkämpfen, 26 durch Flakartillerie und sieben durch Infanterie abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront neun eigene Flugzeuge verloren.
3n Nordafrika wurden Material- und Truppenlaaer der Briten im Raum von Tobruk bombardiert. Die Luftangriffe auf britische Flng- stötzpunkte der Insel Malta wurden bei Tag und Nacht mit guter Wirkung fortgesetzt.
Reber dem Kanal und den besetzten Westaebieten schosst« deutsche Jäger ohne eigene Verluste acht britische Fluazeuae ab. Der Feind warf in der letzten Nacht Bomben auf verschiedene Orte in Westdeutschland, vor allem auf, Wohnviertel in Köln. Die Zivilbevölkerung hatte geringe Verluste. Ein britischer Bomber wurde abgeschossen.
Meine volitifche Nachrichten.
Um den wachsenden Erfordernissen der Rüstung im Rahmen des Vierjahresplanes die notwendige Geltung zu verschaffen, hat Reichsmarschall Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan den Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Speer, zum Bevollmächtigten für die Rüstungsaufgaben im Vierjahresplan ernannt.
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Der Führer hat für den verstorbenen Pionier der Arbeit Dr.-Ing., Dr. med. e. h. Robert Bosch, den Gründer der Robert-Bosch-'G.m.b.H., ein Staatsbegräbnis angeordnet.
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In Gibraltar wurden von einem britischen Kriegsschiff, das aus dem Mittelmeer einlief, nachdem es mit feindlichen Streitkräften in Gefechtsberührung gekommen war, mehrere Tote und Verwundete an Land gebracht.
In Washington wurde ein dreigliedriges Oberkommando der Land-, See- und Luftstreitkräfte der USA. gebildet, das Roosevelt unmittelbar untersteht. Es besteht aus General Marshall, Admiral King und dem Chef der Luftflotte, General Arnold.
Aus der Stadt Gießen.
Freiwillige für die Waffen-^.
Von der Erg.-Stelle Fulda-Werra (IX) erhalten wir die Mitteilung, daß wiederum Freiwilligen die Möglichkeit gegeben ist, in die Waffen--- einzutreten. e
Die Divisionen der Waffen--- kämpften auf allen Kriegsschauplätzen und stehen jetzt in vorderster Front im Kampf gegen den Bolschewismus. Ihre stolzen Taten sind ein Ruf an die deutsche Jugend und an die wehrhaften Männer. Vollmotorisiert umfassen die Divisionen alle Truppen, wie Jnsan-- terie, Artillerie, Pioniere, Panzer, Nachrichtentruppen, Kavallerie, Panzerjäger, Flak, Kradschützen und Sanitätstruppen.
Die Waffen--- stellt ein: a) K r ie g s sre i w i l - lige (Arbeitsdienstpflichtige nach'Ableistung der verkürzten Arbeitsdienstpflicht), b) Freiwillige mit Dienstzeitverpflichtung vorn vollendeten 17. bis zum 45. Lebensjahr.
Der Dienst in der Waffen--- ist Wehrdienst. Bei Eignung stehen den Freiwilligen die Unterführerund Führerlaufbahn, sowie Sonderlaufbahnen offen. Einberufung zur Truppe erfolgt beschleunigt!
Ferner werden eingestellt: Freiwillige für die ---Polizei-Division und Anwärter für den Dienst in der D e u t s ch e n Polizei.
Annahmeuntersuchungen finden am 20. März vormittags in Gießen im „Burghof" statt. Meldungen von Freiwilligen werden dort angenommen. Arbeitsbuch und Wehrpaß lind mitzubringen.
Außerdem nimmt die ---Erg.-«Stelle Fulda-Werra (IX), Kaffel-Wilh., Löwenburgstr. 10, Tel. 36683 und 34441 ständig schriftliche Meldungen an und übersendet auf Anforderung das ausführliche Merkblatt.
Reifeprüfungen.
In den höheren Schulen unserer Stadt wurden in den letzten Tagen die Reifeprüfungen durchgeführt. Im Gymnasium, wo die Prüfung unter dem Vorsitz des Oberstudiendirektors Dr. W o l k e w i tz stattfand, bestanden sämtliche 18 Prüflinge; acht von ihnen, die bereits in der Wehrmacht dienen, erhielten die Reise ohne Prüfung zugesprochen. — Die Prüfung inderLangemarck-Schule fand unter Vorsitz von Oberstudiendirektor A n gelbe r g e r statt. Sämtliche 24 Schüler bestanden jetzt die Prüfung, nachdem schon im Winterhalbjahr acht Schüler als Offiziersanwärter und 21 als Kriegsfreiwillige nach bestandener Prüfung aus der Schule ausgefchieden waren. Insgesamt sind also von dieser Schule 53 junge Männer mit der Reifeprüfung abgegangen und sämtlich zur Wehrmacht eingerückt. — Aus der Iustus-von-Liebig-Schule, wo die Prüfung unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Dr. M a l z a n von der Landesregierung und Oberstudiendirektor Dr. Kiefer als Vertreters des in der Wehrmacht dienenden Schulleiters stattfand, schieden insgesamt 45 Schüler mit der Reifeprüfung aus. Davon wurden im Laufe der letzten Monate bereits 19 zur Wehrmacht einberufen, unter ihnen acht als Offiziersanwärter, so daß jetzt noch 26 Schüler zu prüfen waren, die sämtlich bestanden. — In der Oberschule für Mädchen, wo die Prüfung unter Vorsitz von Oberstudiendirektor S ch e l h o r n vorgenommen wurde, bestanden sämtliche 63 Schülerinnen. Davon erhielten 11 Schülerinnen, die sich seit Januar im Osteinsatz befinden, die Reife ohne Prüfung.
Verdunkelungszeit:
16. März von 20.27 bis 7.03 Uhr.
Gießen dankt unseren Gefallenen.
Oie Gedenkfeier vor denrGefallenendenkmal auf dem Landgraf-Philipp-Plah.
Unsere Stadt dankte am gestrigen Heldengedenktag mit reichem Flaggenschmuck unseren Gefallenen des ersten Weltkrieges und des gegenwärtigen schweren Rmgens um Deutschlands Freiheit und Zukunft, sowie den Toten der Bewegung, die als Gefolgsmänner des Führers in der politischen Kampfzeit ihr Leben für Deutschland gaben.
In einer Gemeinschaftsfeier am gestrigen Sonntagvormittag vor dem Ehrenmal der alten 116er auf dem Landgraf-Philipp-Platz gab unsere Bevölkerung zusammen mit der Wehrmacht dem tiefen, ehrfurchtsvollen Dank an die Gefallenen mit herzlichen Worten Ausdruck. Bei dieser Feier waren neben einer Ehrenkompanie der Landesschützen und einer Ehrenkompanie der Luftwaffe mit Fahne sowie zahlreichen weiteren Angehörigen der Wehrmacht die Vertretung der Partei und ihrer Gliederungen, die in der NS.-Kriegsopferoersorgung und im NS.-Reichskriegerbund vereinigten alten Soldaten des ersten Weltkrieges, Abordnungen der Behörden, des Deutschen Roten Kreuzes, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Polizei, der Technischen Nothilfe usw., eine Abteilung der Nachrichtenhelferinnen und zahlreiche Familienangehörige von Gefallenen in dem gemeinsamen Gedenken an die teuren Toten vereinigt. Dor dem Denkmal stand qls Ehrenwache ein Doppelposten der Landesschützen.
Nach der Meldung der Ehrenkompanien an den dienstältesten Offizier des Standorts schritt dieser die Front der Truppen und der aufmarschierten Formationen und Kameradschaftsvereinigungen ab, ferner begrüßte er die Hinterbliebenen der Gefallenen. Dann hielt er eine Ansprache, in der er mit eindrucksvollen Worten das große Opfer der gefallenen Kameraden würdigte und den Sinn dieses Opfers deutete. Er führte dabei die Gedanken der Hörer zurück zu den Jahren des ersten Weltkrieges und stellte jene Zeit in Parallele zu dem schweren Ringen unserer Gegenwart, in dem wiederum wie einst Deutschlands Söhne um den Bestand, die Freiheit und die Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes gegen einen haßerfüllten Feind kämpfen müssen. Er ermahnte, immer unserer gefallenen Helden in Dankbarkeit und Liebe zu gedenken, da sie die höchste Tugend des Soldaten bekundet haben, nämlich in Treue, Tapferkeit und Gehorsam mit dem Willen zum Sieg und der Bereitschaft zum Opfer bis zum Letzten für Volk und Vaterland einzutteten. Bei diesem Gedenken dürfe es aber nicht mit Worten fein Bewenden haben, sondern jeder müsse sich dieses großen Opfers durch feine Taten würdig erweisen und zu jeder Stunde bereit sein, auch seinerseits das größte Opfer für 1 Deutschland und seinen Bestand zu bringen. Das
Erbe der Gefallenen müsse von uns treu bewahrt und in ihrem Sinne und Geiste gut verwaltet werden, damit wir als Dolksganzes vor der Geschichte allezeit bestehen können. Dieses Erbe müsse rein an unsere Nachfahren überliefert werden, dann werde das deutsche Volk immer stark und groß und unüberwindlich sein. Mit einem Mahnwort, bas im ersten Weltkriege über einem Unterstand in den Argonnen geschrieben stand und das den Geist des deutschen Soldatentums treffend zum Ausdruck bringt, schloß der Offizier seine Ansprache, nämlich mit dem Wort: „Treu leben, Tod trotzend kämpfen, lächelnd sterben." Dazu möge dem deutschen Volke allezeit die Kraft gegeben sein.
Anschließend folgten, während die Truppe unter präsentiertem Gewehr stand, die Kranzniederlegungen. Der dienstälteste Offizier legte den Kranz der Wehrmacht am Denkmal nieder. Im Auftrage des Hoheitsträgers der Partei ehrte der Kreis- obmann der DAF. Katzenmeier die Gefallenen und die Toten der Bewegung durch die Niederlegung eines Kranzes der Partei, der stellv. Polizeidirektor Major der Schutzpolizei H e l l w e g e Emden legte einen Kranz im Namen des Offizierskorps der Schutzpolizei Gießen nieder, Leutnant der Schutzpolizei Zimmer brachte den Kranz des Kameradschaftsbundes deutscher Polizeibeamten, Ortsgruppe Gießen, zum Denkmal, Landgerichtsrat Trümpert überbrachte den Kranz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Major Wolf als Leiter des Traditionsverbandes der alten 116er ehrte mit dessen Kranz das Opfer und das Andenken der gefallenen Kameraden
Im Anschluß an diese Gemeinschaftsfeier marschierte eine Ehrenabteilung der NS.-Kriegsopfer- versorgung (NSKOD.) zum Heldenmal auf dem Neuen Friedhof, wo der komm. Kameradschaftsführer der NSKOV. G r a v e l i u s einen Kranz als Zeichen des Dankes und der treuen Erinnerung an die Kameraden niederlegte. Die Kameradschaften des NS.-Reichskriegerbundes marschierten zum Kriegerdenkmal von 1870/71 auf dem Marktplatz, wo der stellv. Kameradschaftssüyrer der Krieger- kameradschaft 1874 Wagner im Auftrage des Kreiskriegerführers den Kranz der alten Weltkriegssoldaten zu Ehren der Kämpfer von 1870/71 niederlegte.
MIHSW
Der feurige Gfeu
Roman von Hany von Hülfen
40 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wulflam? Und warum?"
„Warum? Weil ich finde, daß — wenn mal am Kreiskrankenhaus der Chefposten vakant wird, ist Wulflam doch der nächste dortau! Er kann unmöglich hier auf dem Dorf versauern —
Ulla legte ihm, beinahe ängstlich, die Hand auf den Arm. ..,. ..
„Sehr nett von dir, Papa. Aber ich mochte dich gleich bitten: gib das auf! Wir beide wollen namltd) gar nicht weg von Lappersdorf, darin sind wir uns völlig einig. Wenigstens noch lange, lange nicht! Auch auf dem platten Lande sind tüchtige Aerzte notwendig — ich meine solche, die sich wirklich in ihre Praxis hineinknien, wie Wulflam ... Oder willst du uns weghaben?" fragte sie plötzlich mit einem Scherz, indem sie die Augen rasch in bie Winkel gleiten ließ.
„Ullakind — was sagst du da?!" Fehr war wirklich erschrocken. „Euch weghaben? Aber ganz im Gegenteil! Ich hoffe vielmehr — ja, es war ja eine ziemlich dumme Situation, die Wochen lang, das gebe ich zu, und das hast du auch selbst gesuhlt, wie? Aber ich hoffe wirklich, mit dem heutigen Tage endet sie. Schau, es ist doch im Grunde nichts, gar nichts zwischen uns. Wir reden doch mrteinanber ganz wie früher! Na ja, wir haben beide dicke Köpfe von der Natur mitbekommen. Aber wenn du mir innerlich vielleicht noch immer ein bißchen grollst wegen meiner Heirat — diese Heirat hat doch zugleich dein Glück gemacht! Du mußt es nur einmal so betrachten." . ..
Ulla antwortete nichts. Den Kopf gesenkt, ging sie neben dem Vater her, seinen Arm haltend, vorsichtig den Wasserlachen auf dem schlechten Wege
ausweichend. Wolkenfetzen zogen niedrig über die
Wipfel.
„Weißt du übrigens", sagte sie nach einer Weile, „daß ich aus Loscywitz gar keine guten Nachrichten habe? Vielleicht hat Wulflam dir davon erzählt?"
„Keine Silbe! Der Schwager?"
„Tante Hermine. Sie ist nun vollständig bettlägerig, wie Onkel Ernst schreibt. Er glaubt nicht, daß es noch einmal wird."
„Also diesmal dock keine eingebildete Krankheit? Hat sich der große Arzt vielleicht früher schon mit seiner Diagnose geirrt?" Fehr spottete ganz offen. Er hatte Strakonitz nie geliebt und trug ihm insbesondere noch immer nach, daß er damals, bei der Dresdner Unterhaltuna" über Ullas Heiratsplan, so unsanft mit ihm umgesprungen war —
Ulla überhörte seinen Spott — sie wollte es.
Ich werde am Sonntag nach Dresden fahren, denke ich. Mal nach ihr sehen. Weißt du, ich habe Tante Hermine früher nicht so gekannt — als Mama noch lebte, war ich ein Kind, und die Tante war ja mehr als zwanzig Jahre älter als Mam^ Ader in meiner Dresdner Zeit hab' ich sie wirklich llebgewonneUu bran, Ma. Deine Mama hielt zeitlebens große Stücke auf sie und hat es uns immer gewissermaßen übelgenommen, wenn wir uns über die Gute mit ihren ewig neuen Leiden harmlos lustig machten. Ader daran war keiner schuld als der Schwager Strakonitz.
Sie stapften zwischen den regenglitzernden Baumen hin und plauderten noch ein wenig über die Dresdner Verwandten. Fehr, dessen Spott nicht so Acht versiegte, wenn er auf Strakonitz zu sprechen Pnm meinte der Herr Professor werde wohl noch übTr'müiiaermerhen, wenn ihm d°s nicht unbetracht- [idie Vermögen der Schwester in den Schoß falle. mnhriAeinli» höbe er sie überhaupt wegen dieser Aussicht so °ng° im İuse gehabt - zwanzig Jahre
X (sLvJr a und ihre ewigen Klagen ertragen ... Ulla -e? ei ich- den Onkel mit Wörme: sie kenne leinen ^Menschen, der für fich persönlich °°n den
sogenannten irdischen Gütern so wenig habe wie er — was könne Geld auch einem Manne bedeuten, der vierzehn Stunden am Tag arbeite und sich als einziges Vergnügen starke, teure Zigarren gönne?! „Na, na, na!" machte Fehr skeptisch — und dann war es Zeit, an Umkehr zu denken, wollte man sich nicht von der Dunkelheit überraschen lassen.
Als sie sich auf der Kreisstraße verabschiedeten, hielt Ulla die Hand des Vaters lange in der ihren:
„Du hast vorhin von meinem Glück gesprochen, Papa, und hast recht damit gehabt. Ich bin von Herzen glücklich. Aber sage mir — beruhige mich: bist du's auch? So glücklich, wie du gehofft hast?"
Fehr verwirrte sich ein wenig unter dieser unmittelbaren Frage und unter dem zu ernst forschenden Blick aus den grauen Augen der Tochter.
„Glücklich? — Ich denke doch, Kindel", sagte er. „Natürlich bin ich glücklich, das kann ja gar nicht anders sein. Marion ist eine wirklich reizende Frau — ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, daß du das eines Tages auch finden wirst. Und dann — wir haben's jetzt sehr nett im Schloß, ganz anders als vorher, es wird viel Musik gemacht —" Er brach ab und kniff die Lippen zusammen, er fühlte, wie der Tropfen Gift in feinem Blut sich regte.
„Mit Herrn Fontana, wie?" Ulla sah grüblerischen Blickes an ihm vorbei. „Ich kann mir's denken. Er fährt ja oft in feinem Sportkabriolett an meinen Fenstern vorbei — zu euch."
Plötzlich hatte Christian Febr eine tiefe Falte über der Nasenwurzel. Gut, daß Ulla es in der halben Dämmerung nicht sah.
„Bist du am nächsten Samstag wieder allein?" fuhr sie fort, und da er wie abwesend nickte, „dann komme ich gern einmal, um Mamas Grab zu besuchen. Mick verlangt sehr danach."
„Und den Papa?" fragte er mit einem kleinen, resignierten Lächeln.
Sie lächelte auch. Sie schüttelte ihm kameradschaftlich die Hand und ging.
Er sah ihr noch ein paar Sekunden nach, bis die Dämmerung sie aufnahm und entrückte.
Hatte diese Begegnung gehalten, was er sich von ihr versprach? Er wußte es nicht.
Auf seinen Stock gestützt, ein wenig müde vom Weg, wanderte er zum Schloß zurück, in dem schon die Lichter brannten. Marion würde verwundert sein über sein langes Ausbleiben. Sie hatte ohnehin jo sonderbare Augen gemacht, als er ihr das mit Ulla gesagt.
5. Kapitel.
Zwei Tage lang rumorte dies Gespräch in Christian Fehr; am dritten erfolgte der Durchbruch.
Schlaflos hatte er nach Tisch eine Stunde auf seinem Diwan gelegen, alles zum tausendsten Male bedenkend. Nun ging er durch den Wintergarten, wo Fabian gerade den Teetisch richtete, ins Musikzimmer hinüber. Dort wußte er Marion mit dem Ordnen von Noten beschäftigt, die sie beim Buchhändler in der Kreisstadt bestellt hatte, und die heute mit der Post geliefert worden waren.
„Liebling", sagte er, „möchtest du mich begleiten?" „Wohin?"
„Nach der Sophienau. Ich will mit Abbeg sprechen."
Marion hob den Kopf nicht, damit er nicht sähe, welche Verwirrung plötzlich in ihrem Gesicht war. Abbeg — was hatte er mit Abbeg zu sprechen?"
„Du vergißt, Jan, daß heute Freitag ist. Und daß also Fontana zum Musizieren kommt."
„So sag ihm ab!" — Fehr konnte nicht hindern, daß es ein wenig ungeduldig klang. — Fontana! — Er fand, daß er diesen Namen viel, viel zu oft hören mußte —
Marion witterte sofort seine Stimmung.
„Gern", sagte sie und räumte die Noten zusammen, „obwohl ich es eigentlich ein bißchen ungezogen finde jo in letzter Minute. Er hat sich sicher darauf vorbereitet. Aber die Wünsche meines Herrn und Gebieters sind mir natürlich Befehl.. — Warum möchtest du übrigens, daß ich dabei bin, wenn du mit Abbeg sprichst? Ihr könnt doch nur Ge chaft- liches zu sprechen haben!" (Fortsetzung folgt.)


