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marschall Milch, dem Reichsführer ff, dem Reichs­kriegerführer, dem Reichskriegsopferführer, dem Stadtkommandanten von Berlin Generalleutnant von Hase und dem Chefahjutanten der Wehrmacht beim Führer Generalmajor Schmundt die Front ab. Während sich die Fahnen senken und das Lied vom guten Kameraden ertönt, begibt sich der Führer mit seiner Begleitung voran der von Ritter­kreuzträgern getragenen Kranz des Führers aus

Lorbeer und weißen Lilien in den Weiheraum des Ehrenmals. Im stillen Gedenken verweilt der Führer einige Augenblicke im Ehrenmal. Rach Ver­lassen des Ehrenmals gilt der erste Gruß des Füh­rers den verwundeten Kameraden beider Kriege, mit denen er sich, von Mann zu Mann schreitend, lange Zeit unterhält. Der Vorbei­marsch des Fahnenblocks und des Ehrenbataillons mit klingendem Spiel beendet die Feier.

Im Verlauf weiterer Kämpfe wurden noch neun Panzer vernichtet. Rach erfolgreicher Abwehr war die Hauptkampflinie am Samstag fest in deutscher Hand. Mit deutschen Truppen beteiligten sich auch slowakische Verbände an den Kämpfen. Die Bol­schewisten wiederholten am 14. März an der gan­zen Front auf der Halbinsel Kertsch ihre Angriffe mit starken Kräften. In einem einzigen Korpsabschnitt setzte der Feind allein sechs Angrisfs- divisionen mit etwa 80 Panzerkampfwagen an. Im deutschen Abwehrfeuer blieben hier 42 Sowjet­panzer vernichtet liegen, die Zahl der am 13. und 14 März vernichteten feindlichen Panzer hat sich damit auf 88 erhöht. Ein Zug einer deutschen Sturmgeschütz-Abteilung vernichtete allein 14 Pan­zer. An einzelnen Stellen sind die Kämpfe noch im

Gange. Die Luftwaffe unterstützte den Abwehr­kamps der Erdtruppen durch unermüdliche Angriffe auf Panzeransammlungen und Angriffsspitzen der Bolschewisten.

Im mittleren Frontabschnitt greift der Feind süd­ostwärts von Wjasma und nordostwärts Gshatsk unter Ausnutzung eines Schneesturms von unge- wöhnlicher Stärke, unterstützt von zahlreichen Pan­zern, die deutschen Stellungen mit starken Kräften und in dicht aufgeschlossenen Kolonnen an. An bei­den Frontstellungen brachen die Angriffe in nächster Entfernung vor Den deutschen Linien im zusammen- gesaßten Feuer der Infanterie, Artillerie und Pan­zerabwehrwaffen zusammen. Die folgenden Ko­lonnen und Trosse wurden ebenfalls vom Artillerie­feuer zersprengt. Zwölf Panzer wurden abgeschossen.

Die deutsche Ll-Boot-Waffe in den nordamerikanischen Gewässern.

Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.

DNV. AusdemFührerhauplquartier, 15. März. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Halbinsel Kertsch setzte der Feind mit starken Kräften und zahlreichen Panzern seine Angriffe fort. Sie wurden unter hohen Verlusten für den Gegner abgewiesen. Weitere 42 Panzer wurden vernichtet. Nordöstlich Taganrog und im D o n e z g e b i e t wehrten deutsche, slowa­kische und kroatische Verbände stärkere feindliche Angriffe ab. 3m mittleren Frontabschnitt wurde eine seit Tagen elngeschlossene Kräftegruppe des Feindes vernichtet. An der Linschlietzungsfront von Leningrad bekämpfte schwere Artillerie mit guter Wirkung feindlichen Vachschubverkehr und militärische Anlagen in der Stadt. Am 13. und 14. März verloren die Sowjets 138 Panzer.

3n Nordafrika wurde bei Luftangriffen auf Tobruk ein feindliches Handelsschiff schwer getrof­fen. Italienische 3äger schossen ohne eigene Ver­luste in Luftkämpfen acht britische Lurtth ab. 3m Ostteil der Lyrenalka wurden Panzeransammlungen und Zeltlager der Vriten bombardiert. Nördlich Sollum torpedierte ein deutsches Unterseeboot einen feindlichen Dampfer. Der Untergang des Schiffes konnte wegen einsehender Abwehr nicht beobachtet werden. Die Luftangriffe ans britische Flugplätze der 3nsel Malta wurden fortgesetzt. Durch Bom­bentreffer entstanden Brände in hallen und Unter­künften.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, ver­senkten deutsche Unterseeboote in west­indischen Gewässern zwölf Handelsschiffe mit zusammen 70 000 BRT., darunter drei Tanker. Ein weiteres Schiff wurde durch Torpedotreffer be­schädigt. Damit haben die deutschen Unterseeboote seit ihrem ersten Auftreten an der Ostküste des amerikanischen Kontinents im Atlantischen Ozean insgesamt 151 feindliche Handelsschiffe mit zusam­men 1 029 000 BRT. vernichtet, darunter 58 Tanker mit 442 000 BRT.

3m Kanal trafen deutsche Torpedo-, Minensuch- und Schnellboote auf überlegene britische Streit­kräfte. 3n erfolgreicher Zusammenarbeit griffen sie den aus Zerstörern und Schnellbooten bestehen­den feindlichen Verband an und beschädigten einen britischen Zerstörer so schwer, dah mit seinem Verlust zu rechnen ist: ferner wurden ein britisches Schnellboot wahrscheinlich ver­nichtet, drei weitere in Brand geschoben oder beschädigt. Der Feind brach darauf das Gefecht ab.

Unsere leichten Seestreitkräfte führten ihre Aufgabe planmäßig und ohne Verluste und Beschädigungen durch.

Bei den Kämpfen auf der Halbinsel Kertsch hat ein Zug einer Sturmgeschühabteilung unter Füh­rung von Leutnant S p i e l m a n n am 13. und 14. März 14 feindliche Panzer abgeschossen. Bei den Operationen deutscher Unterseeboote in westindi­schen Gewässern hat sich das Unterseeboot unter Führung von Kapitänleutnant Bauer besonders ausgezeichnet.

Oer Befehlshaber der Ll-Boot-Waffe zum Admiral befördert.

Berlin, 14. März. (DNB.) Der Führer hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine den Befehlshaber der Unterseeboote, Vizeadmiral D o e n i tz, in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Führung und den Einsatz der Untersee­bootwaffe zum Admiral befördert.

Das Ritterkreuz für erfolgreichen Llnterseeboots-Kommandont-n.

Berlin, 14. März. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegs­marine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Kapitänleutnant Niko Clausen. Er hat als Unterseebootskommandant bisher 20 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit zusammen 84 000 BRT., davon sieben Schiffe mit 39 000 BRT., vor der amerikanischen Küste versenkt. Auch nahm er die Besatzung eines deutschen Schiffes, das durch einen englischen Kreuzer versenkt wurde, an Bord und brachte sie sicher an Land.

Schwere Panzerverluste der Sowjets in erbitterten Abwehrkämpfen.

Berlin, 15. März. (DNB.) Wie das OKW. mitteilt, stießen am 14. 3. deutsche Truppen an einem Frontabschnitt des Donezgebietes in 'rindliche Bereitstellungen hinein, die sie trotz zähen Widerstandes und Schneesturmes zerschlugen. Eine große Anzahl von Gefangenen wurde eingebracht. An Beute konnten zahlreiche Geschütze und leichte und schwere Infanteriewaffen sichergestellt werden. Die blutigen Verluste der Bolschewisten waren wie- derum sehr hoch. Nordostwärts Taganrog

griff der Feind nach mehrtägiger Pause am Sams­tag erneut an. Die bolschewistischen Angriffe wur­den in eisigem Nordweststurm und starkem Schnee­treiben zum Teil in Gegenstößen abgeschlagen, wo­bei es zu harten Nahkämpfen kam. Der Gegner versuchte, seine Angriffe diesmal mit zahlreichen Panzerkampfwagen zu unterstützen. Heftiges Ar­tilleriefeuer leitete die Vorstöße gegen die deutschen Stellungen ein. Von 15 mit aufgesessener Infanterie heranrollenden Panzern wurden zehn abgeschossen.

Die Schlacht in der Java-See.

($in Bericht des alliierten Oberkommandos muß die schwere Niederlage zugeben.

Buenos Aires, 15. März. (Europapreß.) Die Verluste der alliierten Marinestreitkräfte in der Seeschlacht bei Surabaya sind so groß gewesen, daß selbst das alliierte Oberkommando sie nicht länger verheimlichen kann. Es gab deshalb ein Kommuni­que heraus, danach wurde dieses bisher größtes Seetreffen des Krieges in Ostasien hinter Rauchwänden ausgefochten, die von den japa­nischen Kriegsschiffen und denen der Verbündeten gelegt murbeh. Die japanischen Streitkräfte be­standen aus mindestens neun Kreuzern, von denen zwei 10 000 Tonnen groß und mit achtzölligen Ge­schützen bestückt waren. Die japanischen Kreuzer waren von zwei Zerstörerflottillen begleitet. Der Kampf begann auf außerordentlicher Entfernung. Fast sofort ginn eine der japa­nischen Zerstörerflottillen zum Angriff über, bald darauf setzte die zweite japanische Zerstörer­flottille zu einem Torpedoangriff an. Um diesen Torpedos zu entgehen, manövrierte der britische KreuzerExeter". Er wurde dabei von einer 8-Zoll-Granate getroffen, die in den Kesselraum einschlug. Dadurch wurde er gezwungen, aus der Gefechtslinie zu scheeren. Ein Torpedo versenkte den niederländischen ZerstörerK o r t e n a e r".

Der niederländische Kommandant dieser Seestreit- kräfte, Konteradmiral D e o r m a n, dirigierte seine Streitkräfte dann südwärts in größere Nähe der Küste von Java mit der Absicht, in westlicher Rich­tung die Küste entlang zu fahren. Eine halbe Stunde später wurde der Zerstörer Jupiter" durch eine Unterwasserexplosion außer Gefecht ge­setzt und sank vier Stunden später. Um 22.30 Uhr befanden sich die Kreuzer der Verbündeten unge­fähr 12 Meilen nördlich von Rembang, als zwei japanische Kreuzer zwischen ihnen und der Küste auftauchten. Sie wurden sofort angegriffen. Im Gefecht erhielt der holländische KreuzerDe

Ruyter" einen Granattreffer. Unmittelbar dar­auf änderte er seinen Kurs, vermutlich, um Tor­pedos auszuweichen. Die anderen Kreuzer der Ver­bündeten schlossen sich dieser Bewegung an, dann wurden gleichzeitig auf demDe Ruyter" und dem niederländischen KreuzerI a v a" Unterwasser­explosionen beobachtet. Beide sanken sofort.

Angesichts der japanischen See- und Luftüberlegen­heit stand das Kommando der Alliierten vor dem Problem, die verbliebenen Schiffe aus der gefähr­lichen Lage herauszuziehen. Der Weg nach Austra­lien war durch die 600 Mellen lange Java-Insel mit ihren an beiden Enden unter Kontrolle des Feindes stehenden Durchfahxtsstraßen versperrt. Nach Einbruch der Dunkelheit verließ der austra­lische KreuzerPerth" Tanjong Priok mit der Absicht, während der Dunkelheit die Sunda-Straße zu passieren. Während der Nacht kam er bei St. Ni­kolas mit japanischen Seestreitkräften in Gefechts­berührung. Seitdem ist von ihm und dem amerika­nischen KreuzerH o u st o n" keine Nachricht einge­troffen.

In der gleichen Nacht verließ der britische Kreuzer E x e t e r", der nur noch mit halber Geschwindig­keit lief, in Begleitung des ZerstörersEncoun­ter" und des nordamerikanischen Zerstörers P o p e" Surabaya. Am 1. März vormittags signa­lisierte derExeter", daß er drei feindliche Kreuzer gesichtet habe, die auf ihn zusteuerten. Weder von .Exeter" noch vonEncounter" oder vonPope" sind seitdem weitere Nachrichten eingetroffen. Der ZerstörerE v e r t s e n" wurde in der Sunda- Straße von zwei japanischen Kreuzern angegriffen, beschädigt und auf Strand gesetzt. Der Zer­störerS t r o n g h o l d" und die australische Scha­luppeDarr a" werden gleichfalls vermißt, ebeckso einige kleine Motor- und Hilfsschiffe.

Das Schauspiel von Mom.

B e r l i n , 15. März. (DNB.) Frankreich bietet der Welt mit dem Prozeß von Riom ein selt­sames» Schauspiel. Schon der bisherige Verlauf des Prozesses ließ klar erkennen, daß die Regierung in Vichy den Angeklagten nicht etwa, wie man hätte erwarten können, deshalb den Prozeß macht, weil sie Deutschland den Krieg erklärten und da­mit das französische Volk in geradezu verbreche­rischer Weise in diesen Krieg hineinstürzten, sondern deshalb, weil Daladier und Genossen den Krieg gegen Deutschland nicht mit der genügenden Um­sicht und Energie vorbereitet und geführt haben sollen.

Wie weit es nun mit dieser Prozeßkomödie be­reits gekommen ist, zeigte sich im letzten Verhand­lungstermin. Am Schluß der Sitzung konnte es sich der Kriegsbrandstifter Daladier erlauben, von der Anklagebank aus in unverschämten Ausfällen die deutsche Wehrmacht herabzusetzen. Auch b e i der Aufrüstung in Deutschland, so er­dreistete sich nämlich dieser entlarvte Katastrophen- volitiker, seien schwere Fehler gemacht wor­den. In diesem Zusammenhang sprach er von den deutschen Panzern 1 und 2, die im polnischen Feldzug von Gewehrkugeln geradezu durchlöchert worden seien. Wenn er so führte Daladier aus derartige Panzer den Franzosen präsentiert hätte, dann könne man heute mit Recht unerbittliche An­klage gegen ihn erheben.

Man glaubt sich in ein Narrenhaus versetzt, wenn

man aus dem Gerichtssaal derartige Töne heute von dem Angeklagten vernimmt. Daladier ließ schon vor Kriegsausbruch systematisch durch die jüdische Publizistik jenes Märchen verbreiten, daß man die deutschen Panzer sogar mit Lanzen durchstechen könne. Das Wissen darum, daß die deutsche Wehr­macht mit diesen ihren Panzern die polnischen Armeen blitzartig zusammenschlug und mit Polen in weniger als drei Wochen aufräumte, sowie die jedem Franzosen nur allzu bekannte harte Tatsache, daß die gleichen deutschen Pan­zerarmeen ein halbes Jahr später Frankreich innerhalb sechs Wochen überrannten und zu Boden warfen, paßt allerdings schlecht zu der dummdreisten Verteidigungslogik dieses Bankrot­teurs, der glaubt, die siegreiche deutsche Wehrmacht verhöhnen und die Welt mit frechen Mätzchen auch heute noch, irreführen zu können. Das eine jeden­falls sollte Herr Daladier aus dem bisherigen Kriegsverlauf gesehen haben, daß wir jeweils g e r ab e bie Tanks besaßen, b i e mir brauchten, um unsere Gegner zu erledigen. Und das wird auch in der Zukunft nicht anders fein

Auf die erneute Frage, ob Frankreich am 3. Sep­tember 1939 in den Krieg eintreten und am 10. Mai 1940 der Offensive standhalten konnte, rief Dala­dier mit vor Erregung rotem Kopf in den Gerichts­saal:Ich sage: Ja, ja, ja! Frankreich durfte nicht besiegt werden!"

Hat sich jemals ein Schuldiger am Zusammen»

Rotraut, ein Mädchenbildnie.'

Von Anton Schnack.

Wie schlank und fremdartig, sonnengebräunt und geschmeidig war er, der reiche Pflanzer aus Süd­amerika, als er während eines Besuches in Deutsch­land, zur Jagd in den Odenwald eingeladen, ein junges Mädchen sah, das im Forsthausgarten mit einer zahmen Elster spielte Rotraut.

Das Mädchen war zwischen siebzehn und achtzehn Jahren, im Haar einen goldenen Feuerglanz, die Augen von einer hellen Blaue gefüllt, auf der Haut einen zarten Farbenduft wie ihn die Heckenrose am frischen Iunimorgen trägt. Alle durch Lieblichkeit und Schönheit verzaubernd: Rotraut, bie Zauberin, verschollener unb seltener Name, ber aus bem alt» hochbeutschenHruob" (Ruhm) unbThrubr" (Zau­berin) sich geformt hatte.

*

Der über das Meer gereifte Mann glaubte ein schöneres Mädchen nie gesehen zu haben. Es war dem aus Mittsommernachtsschlaf erwachenden Walde ähnlich, den der Tau voll Reinheit und Glanz geschüttet hat. Der Mann aus den Tropen sah die Perlen des Taus in den Mädchenaugen glitzern. Er roch den Duft der prangenden Arnika- blüten aus dem reichgelockten Haar unb er sah bie Anmut bes Rehs in Gang unb Gestalt vom ersten Augenblick an üebf^ er Rotraut.

Ein von der Gnade ber Länblichkeit gesegnetes Haus war bie Heimat bes Mäbchens. Das Rauschen bes Walbes brartg Tag unb Nacht burchs Fenster, ber Munb des laufenden Brunnens sprach in jede Kammer hinein, das Getrippel und Gezwitscher der Vögel hallte vom Gebälk wider, ein Fliedergehölz am Zaun umhüllte das Dach mit einem Duftschleier, die auf bem Herb kochenben Früchte unb Walbdeeren wehten burch bie Gänge Honig unb Süßigkeit, Weinlaub unb Clematis malten bas Gartentor grün ober herbstgelb aber bas Schönste war Rotraut.

Der Frühling breitete Teppiche aus Himmels- schlüsfeln und üppigen Butterblumen auf die Wiesen ringsum. Und mitten in der Blumenpracht, einen Strauß in ber Hanb, näherte sich bem Hirten unb feiner Schafherde bas Mädchen Rotraut.

Im Sommer färbte sich der liebliche Mund noch röter von bem Fleischsaft ber schwarzen Wilbkirschen unb den bluttropfenartigen Erbbeeren. Kein Mann hatte bisher biefe warmen Lippen geküßt, nur bie Kugeln ber saftigM Trauben vom Spalier, ber sonnenwarme Pfirsich, das Fleisch des weichgereif­ten Apfels, der ölige Kern ber Nüsse vom Hügel, nur Früchte, klares Ouellwasser, Milch, Honig und Blumen hatten berührt den Mund von Rotraut.

Im Winter liefen die Spuren ber futtersuchenben Tiere auf das Haus zu, und die Krallenschrift ber Vögel war in ben Schnee ber Fenstersimse geschrie­ben. In ben mächtigen Kachelöfen trachte bas har­zige Holz ber Wurzelstöcke, bas Türlein ber Kuckucks­uhr sprang zu jeber Stunbe auf, bie Aepfel hüpften schmorenb auf ben Ofenplatten. O Haus voll Köst­lichkeiten, aber bas Köstlichste von allem: Rotraut.

*

Bei einem Gang durch bie gründurchschimmerte Abenbbämmerung bes Juli, gewürzt von ben sich öffnenben Blüten ber balsamischen Nachtkerze, sprach ber weitgereiste unb vieler Sprachen mächtige Mann:Ich liebe bich!"

Ich liebe bich!" antwortete, bas Auge voll Innig­keit, Rotraut.

*

Weit unb wochenlang führte bie Hochzeitsreise bas Mäbchen aus ben Wäldern über bas Meer fort. Eine Reise, vorbei an fremben Küsten unb Hafen- ftäbten, vorbei an mertroürbigen unb bunten Län- bern, anbere Menschen, anbere Pflanzen, andere Tiere, andere Speisen und Getränke, andere Spra­chen unb andere Sterne am Himmel hundert ver­wirrende Eindrücke erregten Augen und Ohr. Aber manchmal sehnte sich nach dem heimatlichen Haus, von Clematis und Efeu umsponnen Rotraut.

»

Es war eine lärmerfüllte und sonnenheiße Stadt in Südamerika, wo das Schiff vor Anker ging. Der Mann, der reiche Pflanzer und Kaufmann, fuhr zu einem säulenverzierten und balkongeschmückten Haus. Er sagte:Das ist nun dein Haus, Rotraut."

*

Dort gab es keinen Schnee. Um den Schnee trauerte manchmal Rotraut.

Dort gab es nicht den schattenkühlen und von Harzbitterkeit durchwehten Märchenwald. Um ben Wald trauerte manchmal Rotraut.

Dort gab es nicht bie grünberocften Jäger, beten Schüsse so bumpf burch ben schwebenben Oktober­nebel im Obenwalb hallten. Um bie Jäger unb um ben weithin rollenden Klang ber Schüsse trauerte manchmal Rotraut.

Dort gab es nicht zur Heuzeit Sensenklirren auf ber Wiese unb bas einluUenbe Geschwirr ber Heu­schrecken unb Grillen vor einem Oeroitterabenb. Um ben Heubuft unb um ben Grillengesang trauerte manchmal Rotraut.

Dort gab es nicht ben Zwiegesang bes Brunnens unb ber Baumwipfel in ber Nacht. Um diesen holden Zwiegesang trauerte manchmal Rotraut.

Polarbären.

Ein Iagderlebnis von Ludwig Busch.

Mr zitterten am ganzen Leibe nach dem Bliz­zard, der die Knochen bis ins Mark getroffen hatte. Trotz unserer Vermummung froren wir. Wie mit feinsten Kanülen stach ber Eiswinb in bie freien Poren um Augen unb Munb. Zusehends gerann bas Wasser zu einer immer bitteren Spiegelglasschicht ringsum, unter bem Ruber knirschte es heftiger, kaum, baß wir noch vorwärts stießen. Dann wollte trotz ber harten Anläufe auch bie schmale Fahrt­rinne nicht mehr aufbrechen, wir saßen fest. Ge­spenstisch fingerte bas Norblicht, es hob uns in ben Raum, wie Vaganten bes Weltalls kamen wir uns vor. Hier oben in ber Einsamkeit ber Kingsbai, unwirklich getragen von ber Farbenpracht am Hori­zont, schienen wir kaum noch lebenbe Wesen, son- bcrn fnifternbe Phosphorstäubchen über bem bald nahen, bald' fernen Knirschen ewig sich stoßender unb roanbernber Eisblöcke zu sein ...

Alles Gerät warfen wir auf bie nächste große Scholle. Eine Elfenbeinmöwe plärrte, Lummen strichen. Dicht hin über unsere Köpfe taumelte lang­sam ein Schwarm neugieriger Torbalken. Da sahen wir norbroärts ein paar Pünktchen, graugelb zwi­schen Blockzacken auf weißem Glitzerschnee. In den Gläsern wuchs ihr Umfang ... Polarbären!

Sie haben ein kurzes Gesicht. An diesem Vor­mittag stand ihre Witterung nicht zu uns. Der scharfe Geruch fetter, glitschiger Robbenspeise allein kitzelte die schwarzen Nasen. Deutlich beobachteten wir hinter eilig aufgefpannten weißen Tüchern den

Strich zu ben Schlupflöchern ber Seehunde. Fünf­zehnhundert Meter schätzten mir die Entfernung bis zu den lauernden Riesen. Auf einmal schienen ihre Felle wie in Rosa getaucht. So tief dämmerte das unaufhörlich wechselnde Farbspiel bes Norb- lichtes, baß auch wir, platt auf ben Boben gedrückt, bläulich ober violett aufflammten. Lautlos bewegte sich ber Schimmer aus bem Unendlichen mit uns vorwärts.

Tausend Meter von den Tieren entfernt, hinter dem leise flatternden Segeltuch verborgen, wurden mir Zeugen eines einzigartigen Schauspiels. Ein paar Robben, in ihrem natürlichen Drang nach Sauerstoff, hoben munter die bärtigen Schnauzen aus dem frischen Bruch im Eis ... Für Sekunden nur, da traf sie ber tückische Prankenschlag!

Wenn ber Polarkönig seinen Wanst füllt, macht er bas nicht anbers als Der Löwe ober Tiger in ben heißen Zonen. Tief taucht er bie Schnauze in bas Blut bes Opfers, mißtrauisch blinzeln babei bie un­ruhigen Augen nach bem roeniger erfolgreichen Jagdgenossen. Der nähert sich rasch, geduckt fast. Jedoch bevor der Gierige eine Flosse zu fassen ver­mag, versetzen ihn zwei, drei Prankenhiebe, quer über die Lichter, jn sinnlose Wut.

Bis auf dreihundert Meter hatten mir uns heran­gearbeitet, als sich zwei Bären wie Ringkämpfer gegenüberftanben. Aufgerichtet, wie Männer in ben Seilen gingen sie aufeinanber los, mit Bissen und Hieben, Umarmungen unb schrecklichem Gebrumm. Ein unheimlicher Tanzplatz nahe bem 80. Grad nördlicher Breite! In Flocken riß der Herausgefor- derte dem Angreifer das Fell vom Leibe. Dann wälzten sich die Kämpfer eine Zeitlang, wüst in­einander gsknäult, endlich erinnerten sich'beide des verlassenen Brockens, machten sich, als sei nichts zwischen ihnen vorgefallen, über das inzwischen schon hartgefrorene Fleisch her. In diesem Augen­blick verließ die Ladung den Lauf unserer Dril­linge ...

Maßlos erstaunt die Polarkönige ... Der dritte bei seinem Fraß an dem entferntesten Schlupfloch kam schwer getroffen hoch. Wir sahen, wie uns der Sterbende schmerzlich zublinzelte. Die beiden an­deren richteten sich langsam wie Hunde noch einmal auf ben Keulen doch, fauchten böse über bie blutige Störung beim Mabl. Traurig fielen ihre Köpfe nach ben Fangschüssen wie zum Schlaf auf biq Pranken we