(92. Jahrgang Nr. ((( Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags
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vrühlsche UniverfttStrdnläerel S. Limge General-Anzeiger für Oberhessen S*
Die siegreiche Durchbruchsschlacht von Kertsch.
Der Wehrmachtbericht.
DRB. Aus dem Führerhauptquarkier, 13. 7Nai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Durchbruchsschlacht auf der Land, enge von Kertsch ist entschieden. Sie endete mit der Vernichtung der dort überrannten und eingeschlossenen Kräfte des Gegners. Bisher hat der Feind über
40000 Gefangene,
197 Panzerkampfwagen,
598 Gefchühe und
260 Flugzeuge verloren.
Zahlloses anderes Kriegsmaterial wurde erbeutet oder vernichtet.
Die Verfolgung der geschlagenen Reste des Gegners in Richtung Kertsch wird rastlos fortgesetzt.
3m Seegebiet der Halbinsel versenkten gestern Kampffliegerkräfle vier kleine Transportschiffe und beschädigten eine größere Zahl weiterer Küstenfahrzeuge.
3n Lappland verlor der Gegner bei den erfolgreichen Abwehrkämpfen der d e u t s ch - f i n - nifchen Truppen im Abschnitt von Louhi vom 24. April bis 10. INai über 11 000 Tote.
An der L i s m e e r k ü st e und im Hasen von Murmansk waren Kampf- und Sturzkampfflugzeuge bei der Bekämpfung von Schiffszielen besonders erfolgreich. Sie v e r n i ch t e t e n ein Fracht
schiff von 8000 BRT. sowie ein kleines Küstenschiff und beschädigten vier große Transporter und Verbindungsfahrzeuge zum Teil so schwer, daß mit der Vernichtung weiteren Schiffsraumes gerechnet werden kann. 3m Zusammenwirken mit der Kriegsmarine versenkten Kampfflugzeuge außerdem vor dem Rordkap ein feindliches Unterseeboot.
3n Luftkämpfen über Malta schossen deutsche und italienische 3äger, die zum Schuh eigener Kampfflugzeuge eingesetzt waren, 11 britische 3 ä g e r vom Muster Spitfire ab. Drei weitere feindliche Flugzeuge wurden an der n o r d a f r i - konischen Küste zum Absturz gebracht.
Bei Tagesangriffen der Luftwaffe gegen militärische Ziele an der Südküste Englands verursachten Bombenvolltreffer in hafengebielen und Fabrikanlagen erhebliche Schäden.
Vor der niederländischen Küste und am Eingang des Kanals fanden am gestrigen Tage und in der Rächt verschiedene Gefechte zwischen deutschen Vorpostenstreitkräften und leichten britischen Seestreitkräften statt. Zwei feindliche Schnellboote wurden durch Volltreffer beschädigt. Eines unserer Boote ist gesunken.
Den im gestrigen Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht gemeldeten erfolgreichen Angriff auf britische Zerstörer im Seegebiet südlich Kreta unternahm ein von Eichenlaublräger Hauptmann h e l b i g g eführter Kampffliegerverband. Hauptmann helbig versenkte selbst einen der feind- lichen Zerstörer durch.Bombenwurf.
Eingeschlossen und vernichtet.
Berlin, 13. Mai. (DNB.) Wie das OKW. ergänzend mitteilt, begann der Angriff auf der Halbinsel Kertsch in der Frühe des 8. Mai nach planmäßiger Vorbereitung durch Artilleriefeuer und durch Fliegerangriffe. Nach einem letzten starken Feuerschlag traten die für den ersten Angriff bestimmten deutschen Kräfte gegen die stark ausgebauten, mit Tausenden von Minen gesicherten und durch einen breiten Panzergraben geschützten feindlichen Stellungen an. Es gelang den deutschen Truppen, den völlig überraschten Gegner oft schon beim ersten Anlauf zu werfen, seine Stellungen zu durchbrechen und tief in das feindliche Hinterland vorzustoßen.
Schnelle deutsche und rumänische Truppen drangen an den nächsten Tagen weiter nach Osten und Norden vor und verhinderten so den Rückzug stärkerer Kampfverbände des Gegners. Am 11.5. gelang es den nach Norden vorstoßenden deutschen Kräften, die Küste des Asows chen Meeres zu erreichen und die sich im Raum um Ak Mo - n a j noch verteidigenden feindlichen Kräfte von ihren rückwärtigen Verbindungen abzuschneiden, während gleichzeitig deutsche und rumänische Truppen von Westen her die eingeschlossenen feindlichen Divisionen auf engstem Raum zu- sammenpreßten. Die Masse der auf zwei Seiten von den deutsch-rumänischen Kräften und auf der dritten Seite vom Asowschen Meer eingeschlossenen feindlichen Truppen bot ein lohnendes Ziel für die deutsche Luftwaffe, die in rollenden Einsätzen unbeschreibliche Vernichtung in die bolschewistischen Truppenmassen trug. Nach Abweisung verzweifelter Ausbruchsversuche und nach Brechung des letzten feindlichen Widerstandes, der besonders immer wieder bei Ak Monaj aufflackerte, wurden die eingc- kesselten feindlichen Kampfoerbände vernichtet oder gefangengenommen. Die gemeldeten Gefangenen- und Beutezahlen sind ständig im Wachsen. . - rr
Während sich so das Schicksal der eingeschlossenen feindlichen Divisionen vollendete, fetzten andere deutsche und rumänische Verbände die rastlose Verfolgung der geschlagenen Reste des Gegners in Richtung auf Kertsch fort. Obwohl das Wetter ungünstiger wurde, waren Kampfflugzeugverbände und Schlachtflieger nicht daran gehindert, dem zurück
flutenden Feind schwerste Verluste zuzufügen. Flakartillerie und Sturzkampfflugzeuge vernichteten zahlreiche Panzer und Batterien. Schiffsziele des Gegners im Seegebiet von Kertsch sowie die Bereitstellung einer Rückzugsflotte in einem Hafen des Asowschen Meeres wurden vernichtet oder zersprengt. Jäger schossen allein in erbitterten Luft- kämpsen 183 feindliche Flugzeuge ab.
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Unser Bild von der Durchbruchsschlacht zeigt Sturmgeschütze, die 3urf Unterstützung der Infanterie vorgehen. Unter schwarzen Explosionswolken, die das rasende Arülleriefeuer am blauen Frühjahrshimmel zeichnet, rollen sie dem Feind entgegen. (PK.-Kriegsberichter Kirsche. sSch.j)
M der Znsaniene über den großen Panzergraben
Von Kriegsberichter Gerhard Emskötter.
Auf der Krim, 13. Mai. (PK.) Dem Feind mußte diese Mainacht wie schon einige vorher erscheinen. Auf der deutschen Seite regte sich nichts, Wir im Bunker 100 Meter vor dem bolschewistischen Vorposten-Stützpunkt wußten um die Bedeutung dieser Nacht. In uns war unbändige Freude darüber daß es nun endlich wieder vorwärtsgehen durfte Und dann, als die Morgendämmerung heraufstieg, erzitterte unser Bunker, rieselten die oanb= brocken zwischen den Holzschwellen zu Boden. Die Durchbruchsschlacht auf der Halbinsel Kertsch begann. Vorbei an einem unbedeutenden verlandeten öee innerhalb der feindlichen Zone führt vom^ Asowschen Meer im Norden bis hinunter zum Schwarzen Meer im Süden ein starkes Befestigungssystem. Zahllose Feldstellungen, Drahtverhaue und Minenfelder zu denen nach dem Scheitern der Winter- ö-ffensive Timoschenkos noch eine Reihe von Bunkern aus Beton und Stahl hinzukamen, bilden die schwer einnehmbare Verteidigungslinie des Gegners. Aber der gewaltige Feuerschlag der deutschen Artillerie erschüttert die Besatzungen hinter den MG.s und Bunkerkanonen bereits so sehr, daß die Feldgrauen wertvolle Minuten gewinnen. Im Schutze dick- schwadiqen Nebels räumen Sturmpiomere Gassen durch die sowjetischen Minenfelder und durchschnei- den das Gewirr der Stacheldrahtverhaue. Im harten
Nahkamps nimmt unser Bataillon einen sowjetischen Graben nach dem anderen und arbeitet sich immer näher an das Haupthindernis, den Panzergraben, heran. , .
Nach der ersten Überraschung hat sich biejeinb= liche Artillerie wiedergefunden. Durch wildes Sperrfeuer versuchen Dutzende von Batterien aller Kaliber Verwirrung in den deutschen Angriff zu tragen. Obgleich die feindlichen Beobachter nur wenige Stellen hes deckungsarmen Geländes cinsehen können, müssen wir doch mehrfach Schutz in ollen Granattrichtern suchen. Aber da brummen auch schon unsere Stukas über die Linie. Ungeachtet heftiger Flakabwehr stoßt die „Artillerie der Luft" herab und bringt manche Batterie zum Schweigen.
Drei Stunden vergehen, bis die Jnsanterie-Kom- panien das gesamte Vorgelände gesäubert haben. Jetzt bricht mit dem Sturm auf den Panzergraben und die dahinter gestaftelten Bunker der Höhepunkt der Schlacht an. Erbittert flammt der Widerstand der Bolschewisten aus. Granatwerfer, MG.s, -Pak und Panzer bringen uns in eine zweifellos ernste Lage. Besonders zwei der größten Betonbunker schicken unserer Infanterie wütende Feuergarben entgegen. Sturmgeschütze und schwere Flak müssen auifahren In direktem Beschuß werden die Scharten der Bunker bepflastert. Währenddessen über
queren Sturmpioniere und Infanterie an zwei Stellen den Panzergraben, dringen mit Stoßtrupps nahe an die Bunker heran und vollenden mit MG.s und Handgranaten das Vernichtungswerk der schweren Waffen.
Kurz darauf ist der gesamte Panzergraben in deutscher Hand. Die bolschewistischen Verteidiger werden von den zwei Einbruchstellen aus im Nahkampf überwältigt. Ein Stoßtrupp in Sturmbooten landet, von See her kommend, an der Südküste in der.Flanke des Feindes und rollt den Ausläufer des Panzergrabens ins Schwarze Meer auf.
Planmäßig vollzieht sich die Eroberung der feindlichen Linie. Kleine Schützennester werden Schritt um Schritt ausgeschaltet, weitere Minensperren beseitigt. Die leichten Geschütze des Feindes, die noch zu einem Stellungswechsel nach hinten kamen, sind das Ziel des zusammengefaßten Feuers der deutschen Artillerie In ständigem Granathagel und vor dem unablässigen Vordringen unserer Infanterie weichen die Bolschewisten immer mehr zurück. Hart und verbissen ist der Widerstand des Gegners, jedoch schon am ersten Angriffstag hat der deutsche Soldat der Krim-Armee den Durchbruch durch die feindliche Stellung, die Voraussetzung zum Vormarsch auf der Halbinsel Kertsch, erzwungen.
Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Berlin, 13. Mai. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an Leutnant Huebner, der als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader 47 Feindflugzeuge ab geschossen hat, was um so höher zu bewerten ist, als er vielfach als Deckungsflieger seines Geschivaderkommodore eingesetzt war. Mehrfache Notlandungen mit stark zusammengeschossenem Flugzeug haben seine Einsatzfreudigkeit nicht beeinträchtigt. Leutnant Huebner ist vom Feindftug nicht z'u r ü ck g e k e h r t.
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Der Führer verlieh ferner das Ritterkreuz an Major der Schutzpolizeit Griese, Kommandeur eines Polizeibataillons, und Oberleutnant Thoma, Batteriechef in einem Artillerieregiment.
Major Griese drang mit einer Stoßgruppe in erbitterten Kämpfen bis zu einer größeren Ortschaft im mittleren Abschnitt der Ostfront vor und erreichte nach schweren nächtlichen Häuserkämpfen vorübergehend eingeschlossene deutsche Kräfte, baute seine Soldaten in den Verteidigungsring ein und erzwang am nächsten Tage in einem schneidig geführten Vorstoß die Oeffnung des Zufahrtsweges. — Oberleutnant Thoma verteidigte mit einer kleinen Kampfgruppe Artilleristen eirie Eisenbahnlinie und eine wichtige Nachschub- und Versorgungsstraße im mittleren Abschnitt der Ostfront gegen alle Massenangriffe der Bolschewisten.
Oer Sieg von Kertsch.
Im Süden der gewaltig gespannten Ostfront, auf der Halbinsel Kertsch, hat ein Stoß der deutschen und rumänischen Armeen den Bolschewismus vernichtend getroffen. Den deutschen und rumänischen Truppen, die am Morgen des achten Mai zum Kampf antraten, standen die Bolschewisten in einer absoluten Ueberzahl gegenüber, auch die bolschewistische Luftwaffe war dort stärker massiert und die Halbinsel selbst durch ein System von Gräben, Befestigungen und Sperren fast unangreifbar geworden. Die Bolschewisten hatten diese Befestigungen während des Winters weiter ausgebaut, zumal sie einen Rückhalt in der Schwarz-Meer-Flotte hatten, die ungehindert Verstärkungen, Material und Munition heranbringen konnte, während wir dort unten keine entsprechenden Seestreitkräfte besitzen. Seit Eintritt der Schneeschmelze wurden die bolschewistischen Stellungen auf der Halbinsel als Ausgangspunkt erbitterter Kämpfe benutzt, die Stalin ansetzte, um die Halbinsel Krim wiederzuerobern. Zu diesem Zwecke waren nicht nur die Stellungen erneut weiter ausgebaut worden, sondern auch die Luftwaffe hatte erhebliche Verstärkungen erfahren und war durch Schaffung neuer Bodenorganisationen gekräftigt worden. Kertsch sollte, das wurde immer klarer, Sprungbrett für neue bolschewistische Operationen werden.
Da erfolgte der deutsche Stoß und er hatte Erfolge, die alle Erwartungen übertrafen. Unsere Stukas zerhämmerten die' feindlichen Befestigungen und nahmen die Ergänzungstransporte und Bereitschaftsstellungen unter ihren vernichtenden Bombenhagel. Zur See wurden Truppentransporter versenkt und unsere Jäger haben in den Lüften die bolschewistische Luftwaffe niedergerungen. Wie eins gewaltige, einheitlich gelenkte Maschine setzte das deutsche Vernichtungswerk, an. Das Zusammenspiel aller Waffen hat so exakt funktioniert, daß nach fünftägigem Kampf das Ziel erreicht worden ift Wenn allein 40 000 Bolschewisten gefangen genommen wurden, dann kann man sich vorstellen, mit welchem Elan die deutsche Infanterie gegen die schwer befestigten Stellungen anstürmte. Der Verlust. von nicht weniger als 197 Panzerwagen, die Erbeutung von 598 Geschützen, die Bezwingung von 260 bolschewistischen Flugzeugen zeigt das ganze Ausmaß des Erfolgs.
Das britische Nachrichtenbüro Exchange Telegraph, das den ganzen Winter über täglich „Siegesmeldungen" der Sowjets fabrizierte, sieht sich gevade jetzt gezwungen, zuzugeben, daß „die sogenannte deutsche Winterlinie in deutscher Hand geblieben ist und das Operationsziel der Aufrollung dieser Linie nicht erreicht werden konnte". Der deutsche Widerstand, so erklärten die Oberkommandos der sowje-
Argentiniens Weg von Jrrigoyen bis Castillo.
Von unserem Us.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) L i s s a b o n, Mai 1942.
Immer deutlicher zeichnen sich die Richtlinien der argentinischen Außenpolitik ab, es sind die einer unbedingten Neutralität im gegenwärtigen Weltkonflikt. Buenos Aires hat sich weder durch Lockungen, noch durch Drohungen aus Washington in dieser Haltung beeinflussen lassen und ist damit einer alten Tradition der Easa rosada, d. h. des Regierungspalastes in der Hauptstadt am La Platastrom, treu geblieben. Wenn Argentinien auch nicht ausdrücklich das von Roosevelt aufgestellte Programm einer kontinental-amerikanischen Solidarität verwirft, so will es doch Herr über fein Schicksal bleiben. Argentinien weigert sich, dem Wunsche des nordamerikanischen Präsidenten zu gehorchen, und die diplomatischen Beziehungen mit den Achsenmächten abzubrechen, mit denen es stets in reibungslos-freundschaftlichen Beziehungen gelebt hat. Diese würdige und wohlbegründete Haltung wird in Washington als ein Affront empfunden; denn im Weißen Hause interpretiert man den Begriff einer kontinental-amerikanischen Solidarität im Sinne einer geschlossenen Front gegen Deutschland, Italien und Japan.
Immer wieder hat Roosevelt versucht, sich Argentinien gefügig zu machen, weil ohne die Gefolgschaft Argentiniens, als eines der größten und fortgeschrittensten Staaten Südamerikas, Washington nicht auf eine einheitliche Kommandogewalt über die iberoamerikanischen Länder rechnen konnte. Um sein Ziel zu erreichen, schiffte sich Roosevelt wählend seiner früheren Amtsperiode auf einem USA.- Kriegsschiff ein, um persönlich an der Eröffnung eines Panamerikanischen Kongresses in Buenos Aires teilzunehmen. An der Spitze einer zahlreichen Delegation begleitete ihn seinerzeit der willfährige Staatssekretär Eordell Hüll. Roosevelt verhandelte mit dem damaligen Staatspräsidenten General Justo und mit dem Außenminister Saavedra- Lamas, aber eine Einigung kam nur unter der Voraussetzung zustande, daß die USA. ausdrücklich auf die Politik des „Big Stick" den Iberoamerikanern gegenüber verzichtete und ihre volle Unabhängigkeit anerkannte. In der Eröffnungsrede des Kongresses wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, die 240 Millionen Bewohner des amerikanischen Kontinents möchten den 540 Millionen des zerrissenen und uneinigen Europa ein Beispiel der Friedfertigkeit und Einigkeit geben.
Da ine wirtschaftlichen und kulturellen Interessen Jberoamerikas und der Vereinigten Staaten sich nicht in allen Dingen ergänzen, im Gegenteil oft arg auseinanderklaffen, so ift es um diese Einigkeit nie -sehr weit hergewesen. Aber während mehrere iberoamerikanische Staaten nach Ausbruch des jetzigen Krieges unter dem Druck der Verhältnisse Washington den Kommandostab überließen, hat Argentinien, ebenso wie 1914 unter feinem Präsidenten Jrrigoyen, jedem Druck Roosevelts widerstanden und seine souveräne Entscheidung zu wahren
gewußt. Im ersten Weltkriege ließen es die Entente und Nordamerika gewiß nicht an Druckmitteln und Drohungen fehlen, um auch Argentinien zü einer Kriegserklärung an das Deutsche Reich zu bewegen. Präsident Jrrigoyen wies alle Argumente der Entente und ihrer Freunde in Argentinien, der sog. „Antipersonalistas" unter Dr. d e A l v e a r, zurück, und die Deutschen konnten während der gangen Dauer des Weltkrieges in Frieden ihren Beschäftigungen in Argentinien nachgehen.
Die radikale Partei des Dr. de Alvear ist es auch jetzt wieder, die Argentinien, um Washington gefällig zu fein, in einen Konflikt mit Deutschland, Italien und Japan treiben mW^e irnb die zum mindesten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit diesen Ländern fordert. Zu den Radikalen gehört auch der berüchtigte T a b o r d a-Ausschuß des Parlaments in Buenos Aires, der mit den Rockefeller-Agenten zusammenarbeitet, die schwarzen Listen aufstellt und unaufhörlich in der Presse und in Versammlungen mit widerlichen Lügen und Greuelmärchen gegen die Dreierpaktmächte hetzt.
Die jüngsten Parlamentswahlen haben aber der „Eoncordanoia", d. h. den Regierungsparteien, einen überwältigenden Sieg gebracht. Alle Intrigen, Bestechungsmanöver und offenen Drohungen des Taborda-Ausfchusfes sind damit zunichte gemacht, denn die „Eoncordancia" stützt die Neutralitätspolitik des Vizepräsidenten Castillo und des Außenministers G u i n a z u, denen es bisher gelungen ist, allen Künsten Washingtons zu widerstehen. Riesige Menschenmassen sind anläßlich der diesjährigen Maifeier vor das Außenministerium gezogen, haben dem Minister Ovationen dargebracht und das Gelübde abgelegt, nur zur Verteidigung des eigenen Vaterlandes, sollte der Fall überhaupt eintreten, niemals aber für die Interessen der $an- kees in das Feld zu ziehen.
Nordamerika läßt es an dauernden Nadelstichen nicht fehlen, um Argentinien für seine „rebellische Haltung" zu strafen, zumal da Buenos Aires sich aeroeigert hat, sich dem gefährlichen Geleitschutz- system anzuschließen, das ja bereits dem Nachbarstaat Brasilien eine empfindliche Einbuße an Schiffsraum gekostet hat. Nach Argentinien bestimmte Waren aus den Vereinigten Staaten werden deshalb nur bis Rio de Janeiro befördert. Die an sich schon schwierige Wirtschaftslage wird durch diese nordamerikanischen Maßnahmen noch mehr gedrückt« Aber das Prestige der Vereinigten Staaten ist infolge der katastrophalen Niederlagen, der Schiffsversenkungen an den eigenen Küsten und infolge der in Washington herrschenden Mißwirtschaft bereits so tief gesunken, daß weder Versprechungen noch Dro- Hungen des Weißen Hauses einen nachhaltigen Eindruck in Buenos Aires machen. Man mutz sich in Washington mit der Tatsache abfinden, daß der Vizepräsident Castillo erfolgreich die Politik seines vorbildlichen Vorgängers im ersten Weltkrieg in diesem zweiten Weltbrand fortsetzt: die Neutralität seines Landes und damit die Würde und die Souveränität Argentiniens wahrt.


