unser Liebstes sein Herzblut geopfert hat für Führer und Vaterland, wenn wir meinen, den Schmerz nicht überwinden zu können, so kommt doch die tröstende und heilende Zeit. Unendlich schwer ist aber das Schicksal derer, die täglich hoffend und bangend fragen: „Wo ist er? Lebt er noch?" Wie ein giftiger Pfeil reißt Das harte Wort „Vermißt" in jeder Stunde, an jedem Tag die Wunde auf.
Mutterschicksal ist Mutterleid. Die Männer sind härter und stehen im Lebenskampf. Sie leben in ihrer Arbeit, in ihrem Pflichtgefühl. Die Mütter leben m ihren Kindern. Auch im Frieden müssen sie sich damit abfinden, daß sie ihre Kinder verlieren. Der Sohn führt die Braut heim, die Tochter gründet einen eigenen Hausstand oder wählt einen Beruf. Die Mutter gibt weg, immer aufs neue, aber nur um doppelt und dreifach zu gewinnen. So ist's in Friedenszeiten. Aber nun verliert sie ihren Sohn für immer. Nichts bleibt zurück als die Erinnerung. Und ebenso schmerzlich ist der Verlust für die Gattin und die kleinen Kinder, denen der Gatte, der Vater entrissen wird.
Noch ist der Kampf nicht zu Ende. Wir stehen noch mitten drin in diesem heißen Ringen. Millionen von Frauen und Mädchen wissen aber, daß Kampf und Opfer das Gesetz des Lebens b-eftim» men. Wie das Samenkorn zerfallen muß, um neues Leben zu gebären, so kann auch im Menschenleben eine Generation nur leben und bestehen durch Kampf und Opfer.
Das wissen wir alle in der deutschen Volks- und Schicksalsgemeinschaft, und so schwer auch der Verlust eines lieben tapferen Menschen die Angehörigen treffen mag, so wird dieses Opfer doch nicht vergebens fein. Angesichts der gewaltigen Erfolge unseres siegreichen Heeres tragen auch unsere Frauen und Mädchen ihr Schicksal mit Stolz und Würde. Davon zeugen die Feldpostbriefe, die unsere Soldaten draußen an der Front erhalten, und die von Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und unbeugsamem Siegeswillen der Volksgemeinschaft in der Heimat berichten. h.
Wilhelm Loeber 70 Jahre alt.
Am morgigen Sonntag, 15. März, kann der Bäckermeister Wilhelm Loeber in Gießen, Wall- torstraße 20, in guter Gesundheit und bester geistiger Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar entstammt einer alteingesessenen Gießener Bäckerfamilie, in der seit 1745 das Bäckerhandwerk Tradition ist. So erlernte auch Wilhelm Loeber nach dem Besuch des hiesigen Gymnasiums, das er mit der Einjährigen-Reife verließ, bei seinem Vater das Bäckerhandwerk, um später, im Jahre 1901, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Seitdem steht er an der Spitze dieses alten Gießener Hand- wcrkshauses.
Den ersten Weltkrieg machte Wilhelm Loeber zwei Jahre lang als Artillerist auf dem westlichen Kriegsschauplatz mit. Durch das Vertrauen seiner Berufskameraden wurde er im Jahre 1915 als Obermeister an die Spike der Gießener Bäcker- innung berufen, die er vis zum Jahre 1935 mit Umsicht und Tatkraft geleitet hat. Lange Jahre wirkte er auch im Vorstand des Gießener Ortsgewerbevereins mit, zuletzt stand er etwa fünf Jahre lang als Vorsitzender an der Spitze des Vereins, bis diele Handwerkerorganisation in die Kreishand- werkerfchast übergeführt wurde. Seit 1920 gehört der Jubilar dem Aufsichtsrat der Handels- und Gewerbebank in Gießen an, in dem er gegenwärtig noch eifrig mitarbeitet. Dom 1. Januar 1923 bis gum Frühjahr 1933 war er Mitglied der früheren Stadtverordneten-Verfammlung, später Stadtrat genannt, dessen Aufgaben seine rege Mitarbeit fanden. Ferner wirkte er im Vorstand des Bezirksvereins Nordost mit, der sich die Vertretung der Angelegenheiten des Nordostviertels zum Ziele gesetzt hatte. Als großer Pferdefreund und passionierter Reiter war er früher im Reiterverein Gießen ein eifriger Turnierreiter, der bei zahlreichen Reitturnieren mit seinem Pferd erste Preise und mancherlei Auszeichnungen erringen konnte. Sein stärkstes Interesse widmete er allzeit der Förderung seiner Vaterstadt Gießen, für die er fick auf zahlreichen Gebieten stets mit Hingabe emsetzte.
Die schätzenswerten menschlichen Eigenschaften des Jubilars und feine unermüdliche Bereitschaft zum Wirken im Dienste des Gemeinschaftsgedankens ließen Wilhelm Loeber in unserer Stadt und darüber hinaus einen großen Freundes- und Bekanntenkreis erwerben, der ihm hohe Wertschätzung entgegenbringt. Dem Jubilar gelten zu seinem morgigen 70. Geburtstag auch unsere herzlichen Glückwünsche.
Erfolgreiche Tierzucht in Oberheffen.
Gute Steigerung der Qualität durch großzügige Zuchtleistung.
Die große Zuchtvieh-Absatzveranstaltung am gestrigen Freitag in Gießen, bei der über 200 Zuchttiere aus Dem oberhessischen Zuchtgebiet zum Verkauf kamen, hat die Tierzucht in Oberhessen wieder einmal in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt. Wir haben uns mit dem Leiter des Tierzuchtamtes Gießen, Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, der an der Spitze der oberhessischen Tier- zuchtleitung wirkt, über dieses Arbeitsgebiet unserer oberhessischen Bauern und Landwirte unterhalten.
Die Aufgabe des Tierzuchtamtes Ließen — dessen Arbeitsgebiet sämtliche Kreise der früheren Provinz Oberhessen umfaßt — ist es, alle mit der Erzeugung auf dem Sektor Tierzucht zusammenhängenden Fragen zu bearbeiten. Dazu gehören, in großen Umrissen dargestellt, die durch das Reichstierzuchtgesetz vorgeschriebenen öffentlichen Körmaßnahmen, d. h. die Durchführung der alljährlich einmal stattfindenden staatlichen Hauptkörungen und der jeweils mit den Absatzveranstaltungen durchzuführenden Sonderkörungen sowie die gelegentlich stattfindenden Nachkörungen. Durch diese staatlichen Körungen hat das Tierzuchtamt als Zuchtleitung die Möglichkeit, die Tierzucht von der Seite der Vatertiere her zu steuern. Für sämtliche zur Zucht Verwendung findenden Vatertiere, wie Bullen, Eber, Ziegenböcke, müssen, damit sie gekört werden können, bestimmte Mindestleistungen ihrer weiblichen Ahnen nachgewiesen werden. Dadurch wird es ermöglicht, daß auch rein leistungsmäßig gesehen eine sichere Vererbung auf die weibliche Nachzucht erzielt wird.
Daneben ist als eine der Hauptaufgaben des Tierzuchtamtes die allgemeine Förderung der Landestierzucht zu betrachten. Diese Arbeit erstreckt sich auf die besondere Betreuung der organisierten Herdbuchzuchten, ferner tfuf die allgemeine Ausrichtung der Landeszucht. Die organisierten Herdbuchzüchter im Bezirk der Tierzuchtamtes Gießen sind in Züchtervereinen zusammengeschlossen, die dem Reichsnährstand angegliedert sind. Durch Personalunion in der Stellung des Leiters des Tierzuchtamtes Gießen und des Geschäftsführers der einzelnen Züchtervereinigungen ist nach jeder Richtung him Gewähr geboten für die enge Zusammenarbeit zwischen organisierter Zucht und Tierzuchtamt.
Sämtliche organisierten Rindvieh- und Ziegenzüchter, die allein das Recht haben, ihre Vatertiere auf Absatzveranstaltungen zu bringen, sind mit ihrem ganzen Milchoiehbestand 'pflichtmäßig den Milchleistungsprüfungen unterstellt. Neben der fortlaufenden Kontrolle der Milchleistungen in diesen Tierbeständen hat die beim Tierzuchtamt Gießen befindliche Kontrollstelle für Milchleistungsprüfungen noch die Aufgabe, auch die allgemeinen Milchleistungsprüfungen in sämtlichen Kuhbeständen durchzuführen. Wenn auch zur Zeit infolge der durch den Krieg bedingten Verhältnisse hier gewisse Einschränkungen nicht zu umgehen sind, so ist es doch gerade jetzt im Kriege eine vordringliche Aufgabe dieser Kontrollstelle, dafür zu sorgen, daß bei den im Dienstbezirk des Tierzuchtamts Gießen vorhandenen 34 Molkereien stets eine saubere und gehaltreiche Qualitätsmilch angeliefert wird. Dies wird erreicht durch Stallkontrollen bei den Vie h haltern und durch die Anlieferungskontrollen bei den Molkereien, die sich auf die Feststellung der Milchmenge, des Fettgehalts und das Vorhandenseins von schmutz in der Milch beziehen. Außerdem ist beim Tierzuchtamt Gießen ein Melklehrer beschäftigt, der vor allem während der Wintermonate durch die Deranstaltung von zehntägigen Wander-Melklehrgängen dafür wirkt, daß durch die Anwendung neuzeitlicher Methoden beim Melken eine saubere und einwandfreie Milch gewonnen wird.
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Der Tierzuchtamtsbezirk Gießen ist von allen Dier- zuchtamtsbezirken der Landesbauernschaft Hessen- Nassau der viehstärkste. Hier ist die organisierte Tierzucht — mit Ausnahme der Ziegenzucht, die in Starkenburg eine noch größere Verbreitung hat — sehr weit ausgedehnt.
Auf dem Gebiete der Pferdezucht wird in Oberhessen zu drei Fünftel ein mittelschweres gängiges Kaltblutpferd gezüchtet, zu zwei Fünftel erfolgt die Zucht eines schweren Warmblutpferdes auf Oldenburger Grundlage. Bei der am 1. und 2. November 1941 in Gießen durchgeführten Landes-
pferdefchau konnte Oberheffen sein hervorragendes Pferdematerial mit bestem Erfolg der Öffentlichkeit zeigen. 24 Hengststationen, die über das gesamte Ar- beitsgebiet des Tierzuchtamtes Gießen verteilt sind, geben Gewähr dafür, daß die vom Hessischen Landesgestüt angetauften wertvollen Kalt- und Warmblut-Zuchthengste züchterisch in bester Weise ausge- nützt werden.
Bei der R i n d v i e h z u ch t in Oberhessen sind die Verhältnisse dadurch schwieriger, daß wir es hier mit drei anerkannten Nutzrassen zu tun haben. Mit 75 v. H. überwiegt die Höhenfleckoiehrasse, die ihre weiteste Verbreitung in den viehreichen Kreisen Alsfeld und Lauterbach hat. Zu etwa 15 v. H. wird das schwarzbunte Niederungsoieh, vorwiegend in der Wetterau, gehalten, etwa 10 v. H. des gesamten Viehbestandes stellt bas rote Höhenvieh, das in der Hauptsache im hohen Vogelsberg seinen Standort hat. Für jede dieser drei Rassen ist ein besonderer Zückterverein zur herdbuchmäßigen Förderung vorhanden. Die Absatzveranstaltungen dieser drei Zucht- oereine finden laufend in der Viehversteigerungs- halle Rhein-Main zu Gießen zentral statt. Von hier aus wurden für die wieder zu besiedelnden Gebiete des Westens und für die Aufbaugebiete im Osten durch die Züchtervereine für Fleckvieh und Rotvieh in den letzten Jahren laufend größere Transporte von Zuchttieren bereitgestellt.
In der Schweinezucht haben wir es in Oberheffen nur mit dem Deutschen veredelten Land- schwein zu tun. Neben dessen Hauptzuchtort Lang- Göns sind die Schweinezuchten über den gesamten Tierzuchtamtsbezirk verstreut, lieber 100 Herdbuchzüchter sind hier vorhanden, die in den letzten Jahren, namentlich aber in jüngster Zeit, allmonatlich größere Transporte von Zuchtsauen für die Aufbaugebiete im Westen und im Osten von Gießen
aus zur Verfügung gestellt haben. In der letzten Zeit sind diese Transporte meist nach dem Osten 9 ^)ie9Schafzücht, die früher für ganz Hessen- Nassau vom Tierzuchtamt Gießen als Sitz des Landesverbandes der Schafzüchter Hessen-Nassaus betreut wurde, hat gerade im Rahmen der Erzen« aungsschlacht während des Krieges eine gewaltige Ausdehnung erfahren. Dadurch ist es vor einigen Jahren notwendig geworden, den Sitz des Landes« verbandes nach Frankfurt a. M. zu verlegen und dort bei der Zentralstelle der Landesbauernschaft ein besonderes Referat für Schafzucht zu schaffen. Im Dienstbezirk Oberhessen wird vorwiegend das Deutsche schwarzköpfige Fleischschaf gehalten, wäh« rend im südlichen Teil der Landesbauernschaft das Deutsche veredelte Landschaft (Württemberger) vor«? herrscht.
Aus dem Gebiete der Ziegenzucht ist Ober« Hessen eines der ältesten Zuchtgebiete Deutschlands« Hier wird die Deutsche weiße Edelziege gezüchtete Die Absatzveranstaltungen in Gießen auf Dem Gebiete der Ziegenzucht erfreuen sich im ganzen Reiche größter Beliebtheit; z. B. sind in den letzten Jahren größere Lieferungen von Zuchttieren von hier aus nach Mecklenburg, dem Warcheland, dem Generalgouvernement, dem Sudetenland, dem Donauland^ nach Schlesien, Thüringen und dem Saargebiet ab* geschickt worden.
Die Geflügelzucht wird unter starker Förderung der anerkannten Wirtschaftsrassen (Weiße amerikanische Leghorn, Rebhuhnfarbige Leistungs- Italiener, Rote Rhodeländer und Weiße Wyandot- tes) aufwärtsgeführt. Die Geflügelzucht-Beraterin des Tierzuchtamtes hat auf ihrem Gebiete ein weites Arbeitsfeld. Neben der Förderung der Zucht ift es noch ihre besondere Aufgabe, für eine ordnungs
Man verlange
Puddingpulver
Peese-Gesellsdiaft,Hameln
zuheben, mit denen die Burschen nach altem Brauch als Hochzeitsbitter durchs Dorf ziehen und die Gäste einladen, ferner die holzgeschnitzten Löffel und Trinkgefäße der rumänischen Hirten.
Die äußerst farbenfrohen Trachtenftücke gewähr ren einen kunsthandwerklich wie allgemein solklori- stisch interessanten Einblick in die Männer- und Frauentracht des rumänischen Bauernvolkes; hier sind vorzüglich die charakteristisch langen Frauenhemden und Schürzen und, als ein besonders originelles und praktisches Kleidungsstück, ein beiderseitig zu tragender Pelzmantel für gutes und schlechtes Wetter bemerkenswert.
Die bäuerliche Keramik verschiedener Landschaften ist mit vielen, an Ornamenten und Formen reichen Beispielen von Krügen, Schalen, Tellern, Be- cyern u. dgl. vertreten. Typische Erzeugnisse der tu« männischen Volkskunst sind ferner die im Original auf gestellten, hölzernen, geschnitzten und überdachten Wegkreuze. Auch ein kunstvoll ausgearbeitetes doppeltüriges Hoftor verdient Beachtung, dessen zweiteilige Gliederung etwa der bei uns im Hüttenberg bekannten Form entspricht. — Als Proben religiöser Volkskunst findet man endlich eine Rühe von auf Glas gemalten Heiligenbildern, die verschiedene Stufen der volkskünstlerischen Formgebung und typische, vielfach auch von fremden Kulturkreisen her beeinflußte Motive aufweisen.
Ein Rundgang durch die mit zahlreichen großformatigen Lichtbildern aus dem rumänischen Volksleben bereicherte Ausstellung bietet dem deutschen Besucher ein vielfältig reizvolles, zu mancherlei Be. trachtungen und Vergleichen anregendes Bild der bäuerlich-bodenständigen, alten Kultur einer befreundeten Nation. Hans Thyriot.
Rumänische Volkskunst
Gitte Ausstellung im Frankfurter Stadel.
Das rumänische Propaganda-Ministerium veranstaltet g-cmeinsam mit dem Auswärtigen Amt und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda vom 14. März bis 14. April eine Ausstellung r u ma nifcher Volkskunst im Frankfurter Stadel. Die Ausstellung will in Deutschland Verständnis und Interesse für den bodenständigen Kulturwillen' des rumänischen Bauerntums wecken und überhaupt — als Wanderschau in einer Reihe deutscher Großstädte — die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und dem waffenbrüderlich befreundeten Rumänien vertiefen. Die hier gezeigten Gegenstände find großenteils älter als die rumänische Sprache, in einzelnen Motiven jahr- tausendalt; sie sind auch nicht Museumsstücke im üblichen Sinne, sondern lebendiges, volkstümliches Ge- braucksgut, wie man es noch heute in vielen rumänischen Dörfern finden kann.
Im einzelnen zeigt die Ausstellung etwa die charakteristischen Formen des rumänischen Dauern- K: völlig naturgetreue Modelle, z. B. aufklavp-
,) daß der Blick in die wie große Puppenstuben mit Hausrat vollständig aus gestatteten Jnnen- räume fällt, veranschaulichen die typische Holzbau- weise mit sog. Vorlauben und unter Verwendung von Strohdach und Schindeln.
Auf hvher Stufe steht die bäuerliche Textilkunst Rumäniens, wie zahlreiche männliche und weibliche Trachtenftücke, sehr schöne Teppiche, Stickereien und Webarbeiten bezeugen. Sorgfältig abgestimmte Far- benzufammenftellungen und eine reich ausgeprägte, vielfach geometrisch bestimmte Ornamentik zeichnen diese Stücke aus. Allgemein ist die rumänische Volkskunstübung nicht auf Naturnachahmung, sondern auf strenge Stilisierung ihrer Motive bedacht. Siebenbürgen und das Banat sind hier wie auf fast allen übrigen Gebieten eindrucksvoll vertreten.
Etwas Reizendes find die buntbemalten Ostereier der rumänischen Bäuerinnen. Diese Eier weisen außerordentlich fein und vielfigurig ausgeführte, wiederum streng stilisierte Ornamente auf und gewähren ein ungemein heiteres, frühlingsmähig farbiges und einladendes Bild.
Unter den mancherlei Schnitzereien sind die ziemlich voluminösen hölzernen Schnapsflaschen heröor-
Der feurige <dfeu
Roman von Hans von hülfen
89 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Um die vierte Nachmittagsstunde sollte Ulla kommen, so war es auf dem Wege über Wulflam verabredet worden.
Christian Fehr lag im Herrenzimmer auf dem Diwan, wie all diese Tage lang, die buntgestreifte seidene Decke über den Knien, unter Annettens großem Porträt; Fabian hatte, bevor er wegfuhr, auf dem Tischchen eine Dose mit Keks und die kleine elektrisch geheizte Kaffeemaschine bereitgestellt.
Er malte fick aus, wie alles verlaufen würde bei diesem sonderoaren Wiedersehen. Eine leise Befangenheit war natürlich zu Überwinden, auf beiden Seiten, das war ja selbstverständlich, nachdem man sich länger als ein Vierteljahr nicht gesprochen — und doch am gleichen Ort gelebt hatte.
Da läutete das Telephon.
Er nahm den Hörer ab und erkannte Ullas Stimme:
„Papa?"
„Ja, Kind", sagte er klopfenden Herzens.
„Sehr schade, Papa. Ich mutz leider in letzter Minute absagen ..."
„Nanu? ... Das ift aber wirklich sehr schade. Warum denn?"
„Weil ich heute ganz unabkömmlich bin. Es ift eine gräßliche Sache passiert. Denk dir, der alte Glumm-Thco ..."
„... Glumm!", dachte Fehr erschrocken: „Was werd' ich hören müssen?"
„Der alte Glumm-Theo ist ins Wasser gegangen. Ja ... in einem Anfall geistiger Umnachtung offenbar. In den Dorfteich, ©ie haben ihn gottlob herausgefischt ... aber nun müssen Wulflam und ich ihn natürlich ins Krankenhaus schaffen. Das Sanitätsauto kommt jeden Moment. Entschuldige also, es ist ja höhere Gewalt. Und wenn du wieder laufen kannst ... ich bin ja so froh, daß alles einigermaßen glattgegangen ist, Papa ... bann machen wir einen kleinen Spaziergang zusammen, ja? Ruf mich dann nur an ... Da tutet bas Auto. Xjüsl" Und fort war die Stimme.
Fehr hielt noch sekundenlang den Hörerin der Hand. Zuerst mar er ärgerlich, daß dieser alte Halbverrückte ihm die große Freude zerschlagen hatte. Aber sogleich regte sich wieder sein Gewissen, das in diesen" Tagen hochempfindlich war und immer auf der Lauer lag. War nicht er ... er selber auch schuld daran? Wer hatte denn, wenn nicht er, den armen Schwachsinnigen ins Elend getrieben, das ihn nun immer weiter stieß, bis in den Dorfteich? ... Glumm-Theo, der grauhaarige Meister mit den unglaublich geschickten Händen, und sein altes Weib lagen arbeitslos auf der Straße ... der Aelteste saß wegen Wilddieberei im Untersuchungsgefängnis! Und an alledem traf ein gut Stück Verantwortung ihn, Christian Fehr. Man mochte sagen, was man wollte. Das liefe sich nicht roegotspuheren ...
Auch Marion konnte es nicht wegdisputieren, als er's ihr bei ihrer Heimkehr, kurz vor dem Abendbrot, erzählte. Sie saß neben dem Diwan und goß ihm Bier ein. Er berichtete, daß Ulla ihn angerufen habe. Erstaunt hob Marion die Augenbrauen. Ja, das habe Ulla getan, um ihm ein Ereignis mitzuteilen, von dem sie wohl wußte, wie nahe es ihn anging. (Von ihrer Verabredung für den Nachmittag erwähnte er ebensowenig wie von dem gemeinsamen Spaziergang, den sie vorhatten.) Marion schüttelte heftig den Kopf; sie war außer sich, daß er sich mit solchen dummen Dingen plagte, den Selbstmordversuch Des alten Mannes so tragisch nahm und sich deswegen Gewissensbisse machte; sie schalt ihn allzu „sensibel", geradezu „hypochondrisch". Aber es nützte nichts, das Schuldgefühl wurde dadurch nicht leichter. Er spürte nur, daß sie ihn nicht verstand.
Und sein auf einmal aufgescheuchtes Gewissen blieb auch, all die Tage lang, bis es so weit war, daß Wulflam ihm einen Spaziergang erlaubte ... vorsichtig, am Stock natürlich! Er bat den Schwiegersohn, den er bei feinen Besuchen von neuem schätzen gelernt, Ulla an ihren Vorschlag zu erinnern.
Sie habe schon selber davon gesprochen, erwiderte Wulflam.
Da, wo von der Kreisstraße rechter Hand der Weg in den Wald abbiegt, trafen sie sich. Marion, der er in letzter Minute gesagt, daß er eine Verabredung mit feiner Tochter habe, hatte sogleich
ihren Vorsatz aufgegeben, ihn zu begleiten, und war verstimmt, unruhig und argwöhnisch zu Hause geblieben.
Aus den Stock gestützt, sah Christian Fehr Ulla unterm tiefhängenden Gewölk die Chaussee hinabkommen.
Er nahm ihren Arm, umfaßte mit einem Blick ihre ganze Erscheinung.
„Tag, Kindel. Laß dich anschauen. Prächtig schaust du aus. Die Ehe bekommt dir?"
„Ich denke doch, Papa. Man ist immer im Trab, das tut gut. Und du?" Sie fand bei sich, er sähe ein wenig sckmaler aus als früher, und feine Augen lägen tiefer; aber sie sagte nichts davon.
„Na, nun ift/ja alles überstanden!", lachte er, statt einer Antwort: „Dein Mann hat mich wunderbar zurechtgeflickt. Komm, gib mir deinen Arm. Bin noch ein bißchen unsicher auf den Gebrüder Beeneken. Gehn wir durch den Wald?"
Ulla zauderte eine Sekunde.
„Wollen wir nicht lieber auf der Chaussee bleiben? Ich bin ängstlich geworden seit diesem Unglück. Vielleicht schießt im Walde wieder jemand auf dich", sagte sie mit einem Versuch zu lachen.
„Keine Sorge, Ullakind!" Jetzt lachte der Vater. „Der auf mich geschossen hat, liegt im Krankenhaus. Hast ihn ja selber hingeschafft —"
„©lumm?!" rief Ulla, plötzlich stehenbleibend, und da er mit einem verschleierten Lächeln nickt: „Das weißt du also? Und hast ihn nicht ange- zeigt?"
„Nein." Er schüttelte den Kopf. „Dazu war ich von vornherein entschlossen. Weißt du, ich nehme es als Sühne. Hab ja viel Unglück über ihn gebracht —"
„Fabelhaft anständig von dir, Papa? Aber verdient hat er's nicht, der Lump — auf meinen Papa zu schießen! Wenn er wieder gesund ist, werd' ich ihm mal die Leviten lesen, daß ihm Hören und Sehen vergehen soll. Aber in seinem Kopf sieht's ja aus wie Kraut und Rüben. Immer kommt er mit dem Jüngsten Tag und bedenkt gar nicht, daß am Jüngsten Tag auch von ihm Rechenschaft gefordert werden wird! — Der Emanuel sitzt, wie?"
„Ja, der sitzt. Und das war ja wohl die Ursache. Ich hab's nicht hindern können, leider. Ueber die Wilderei — da Hütt' ich natürlich ein Auge zuge
drückt. Aber da er so blöd war, auf den Jäger 31X schießen —"
„Gott, Papa!" rief Ulla, „was sind das für schreckliche Dinge! So etwas hat's doch früher nicht in Lappersdorf gegeben! Solange ich denken kann nicht. Das kommt alles von der unglücklichen Geschichte mit der Hütte. Die hat die Leute ganz rebellisch gemacht. Aber, ich habe es tausendmal bereut, daß ich damals so stur auf meinem Erbe bestand. Sonst wäre alles anders gekommen —"
Die Klage in ihrer Stimme rührte Fehr.
„Glaub' das nicht, Kind. Ich hab' mir schon gedacht — ich hatte ja viel Zeit, darüber zu grübeln —, daß du dir deshalb im stillen Vorwürfe machst. Aber das hast du nicht nötig, glaube mir. Ich hätte die Sophienau wohl auch ohne das verkauft. Der Umbau hat viel Geld verschlungen. Und das Leben im Schloß ist jetzt auch nicht mehr fo billig, wie zu deiner Zeit —"
Ulla hob die Brauen — schwang da nicht eilt Ton des Bedauerns mit? Sie sagte:
„Sehr lieb, Papa, daß du mich beruhigen möchtest. Ich habe mir in der Tat oft Vorwürfe gemacht, wenn ich das viele Elend im Dorf sah. Obgleich Wulflam mir's immer ausreden will. Dieser Abbeg hat sich wirklich brutal benommen! Ich meine, er hätte auch für die alten Meister schon noch eine Arbeit finden können, wenn er nur gewollt hätte; sein fetter Konzern wäre davon nicht schwindsüchtig geworden! Aber das ist ihm ganz gleichgültig! Er hat kein Herz! Ich sagte dir ja von Anfang an: ein Raubfisch!"
„Ach, Ulla. Das geht mir alles so durch den Kopf. Ich denke eigentlich gar nichts anderes mehr, feit ich die Wirkung des Unglücks am eigenen Leibe erfahren t)abe. So etwas muß passieren, damit, der Mensch aus seinem schläfrigen Egoismus aufgerüttelt wird! — Ich hab mir vorgenommen, einmal mit Landrat Ollendahl gründlich über die Sache zu sprechen, vielleicht kann der eingreifen. Ich werde ihn in nächster Zeit öfters sehen, er hat mich da in eine Kommission ernannt, die irgendwie mit den Gutsbezirken zu tun hat. Er sagte es mir neulich, als er mich besuchte. Denn er hatte von meinem Malheur gehört. Ich hab' ihm übrigens deinen lieben Mann nach Strich und Faden gerühmt —N
(Fortsetzung folgt.)


