Nr.62 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
, 14./15. März 1942
schöpft, daß ein jeder aus seinen Reihen bereit ist, so wie die großen Vorbilder der Toten sich selbst einzusetzen, damit nur das 'Volk leben kann? Wir haben so oft das Wort von der Unsterblichkeit der Seele gehört — hier ist es wahr geworden durch den deutschen Soldaten, der im Angesicht des Feindes sein Leben aushauchte in der beglückenden Gewißheit, daß er seine Aufgabe, die ihm im Dienste des Volkes von der Vorsehung gestellt wurde, frohen und starken Herzens getreulich erfüllt hat.
An uns Lebende aber stellt das Schicksal die große Forderung, durch unser Dasein und dadurch, wie wir dieses Dasein nützen, die Weihe, die ein Volk durch das Opfer besten Blutes erhäft, nicht zu entheiligen — daß wir vielmehr alles daransetzen, diese Größe zu wahren und zu erhalten.
Wie glücklich kann sich Deutschland schätzen, daß es solche Söhne besitzt, die in ihrem Leben nur den Zweck zur Erhaltung des Ganzen sehen, die bereit sind, das, was ihnen das Höchste bedeutet — Volk und Reich — mit diesem ihrem Leben zu schützen und zu stärken, daß sein Bestand für alle Zukunft gesichert ist.
Man kann mit Worten kaum das Heldentum des unbekannten deutschen Soldaten erfassen und ermessen, und immer werden Worte nur arm und klein bleiben, wenn sie versuchen, von solcher Größe zu sprechen. Nur die Herzen können fühlen und empfinden, welche Bedeutung der Heldentod für das Vaterland in sich birgt.' Dann aber müssen auch diese Herzen groß und stark und mutig sein, und es darf in ihnen nicht das Gefühl einer Verlassen
heit wach werden — auch dann nicht, wenn sie durch einen persönlichen schweren Verlust schmerzlich betroffen worden sind. Niemals sind uns Menschen verloren, die für unsere Zukunft ihr Leben opferten.
Wir wollen immer daran denken: wie groß und gewaltig muß ein Volk sein, aus dessen Seele eine solche Kraft auf seine Menschen überströmt, daß sie zu einem Einsatz fähig werden, dessen letzte Erfüllung das Sterben für diese Gemeinschaft ist! Dieses deutsche Volk kann niemals verloren sein, und niemals kann es auch nur einen seiner Heldensöhne verlieren. Es wird sie immer mit sich tragen und wird ihren Geist weitergeben an die Lebenden, die in Ehrfurcht zu den Idealen der deutschen Mannestugenden aufblicken.
So richten wir auch heute wieder unsere Gedanken auf unsere unsterblichen Toten, und unsere Gedanken sind zugleich ein Schwur, daß wir den Weg, den sie uns wiesen, unablässig und mit aller Einsatzfreudigkeit weitergehen werden, bis er im Siege seinen Abschluß findet und damit das Leben unserer Helden im ewigen Deutschland krönt. Immer soll vor unseren Augen das leuchtende Zeichen unserer Fahne stehen. Wir wissen, daß das Sonnenzeichen des Hakenkreuzes das Symbol unseres Sieges ist — und darum auch das Symbol des endgültigen Sieges unserer Gefallenen, die unvergessen, unsterblich in allen deutschen Herzen weiterleben. Sie haben uns ein stolzes Vermächtnis hinterlassen — wir wollen und werden es treu verwalten und wahren, daß es immer ein Hort sieghaften Bestehens sein und bleiben möge: Großdeutschland!
„Er liegt nicht irgendwo einsam..
Brief an eine junge Soldatenfrau.
Walter Enz (PK.).
Ehrsucht vor dem Spser!
Von Arndt-Günther Hchdeck.
In Ehrfurcht vor allen denen, die ihr Leben als Opfer für Deutschlands Größe und Bestand brachten, begeht das deutsche Volk den Heldengedenktag des Kriegsjahres 1942. Es neigt sich vor den toten Helden des Weltkrieges, deren Sterben nun nach der Wiedererstarkung ihres Vaterlandes endlich den erhabenen Sinn gesunden hat, es neigt sich vor den tapferen Vorkämpfern der nationalsozialistischen Bewegung, die mit der Hingabe ihres Lebens den Treuschwur besiegelten, den sie dem Führer und d,a- mit der Zukunft ihres Volkes geleistet hatten, und es neigt sich vor den gefallenen Kameraden dieses Krieges, dieses letzten Krieges, den Deutschland um seine endlich gesicherte Freiheit und sein Lebensrecht zu führen gezwungen worden ist.
Wenn wir an diesem Tage unser Sinnen auf die richten, die der Tod aus unseren Reihen gerissen hat, auf die, die voll Lebenslust und Schaffensfreude neben uns standen und mit uns voll froher Zuversicht in die Zukunft schauten und nun in fremder Erde ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, so kann unsere Erinnerung an sie nicht von stumpfer, quälender Trauer überschattet sein, weil wir wissen, daß eine solche Trauer nicht ihrem Willen entspräche. Vielmehr muß und wird unser Gedenken überstrahlt werden von dem stolzen Bewußtsein, daß sie, die im Kampfe fielen, Auserwählte waren und mit dem Tode ihre Namen unvergänglich in das Buch der Geschichte vom Werden des ewigen Deutschland eingeschrieben haben und für alle Zeiten Vorbilder heldischen Lebens für die, die nach uns kommen werden, find. '
Wohl ist das Opfer, das die Frau bringen mußte, als sie den Gatten verlor, bitter schwer, genau so wie das Opfer der Mutter, die den Sohn hergab, oder das der Kinder, die nun den Vater vermissen — aber sie alle sollen daran denken, daß ihnen die Gemeinschaft des ganzen Volkes zur Seite steht und ihre Ehre dareinsetzt, ihnen mach besten Kräften und mit allen verfügbaren Mitteln den harten Verlust ertragen zu helfen.
Das haben wir so oft erlebt: Mit stolzer Fassung haben deutsche Frauen und Mütter vom heldischen Sterben ihrer Männer und Söhne Kenntnis genommen. und wenn auch der heiße Schmerz, der sie überfiel, als sie erfahren mußten, daß sie den liebsten Menschen, den sie hatten, nicht mehr Wiedersehen sollten, ihnen tiefe Wunden schlug, so wußten sie doch dabei, daß er ihnen nicht verloren war, sondern daß er in den Herzen der Millionen seines Volkes weiterleben wird. So wie das Volk als Ganzes hart geworden ist in den Jahren des Wiederaufbaues, so wie es nur das eine Ziel hat: die Zukunft des Reiches — so ist auch der deutsche Mensch als Einzelner von diesem unbeugsamen Willen zur Einsatzbereitschaft durchdrungen und erfüllt, daß er selbst zum höchsten Opfer fähig ist, wenn er erkennt, daß damit der Sinn des großen Kampfes vertieft und vollendet wird. Wer so groß ist, freudig sterben zu können für ein hohes Ideal, für ein erhabenes Ziel, der muß auch von denen, die ihn lieben, fordern, daß sie die Würde seines Todes nicht durch hemmungslose Hingabe an kleinliches Weh verringern, sondern daß sie vielmehr sich seines letzten Einsatzes durch ihre Haltung wert erweisen.
Und wir haben allen Grund, auf das deutsche Volk unsagbar stolz zu sein. Wohl noch nie zuvor haben alle seine Glieder den Sinn des Sterbens so tief erfühlt wie in diesem Kriege. Wer heute die deutschen Frauen und Mütter sieht, die ihre liebsten Menschen für den Bestand des Volkes und Reiches gaben, der wird mit höchster Bewunderung auf diese Frauen blicken, die ihren Schmerz so würdig zu fragen wissen, weil sie den unbändigen und bedingungslosen Glauben an die deutsche Zukünft in ihren Herzen tragen. Sie verkörpern am sichtbarsten das Wort des Führers und sorgen durch ihr Beispiel mit dafür, daß es uns immer vor Augen steht: du bist nichts, dein Volk ist alles!
Nichts, was groß ist, wird vom Schicksal verschenkt — es muß in hartem Ringen erworben und erstritten werden. Nur starke und kühne Geister und begeisterte, heiße Herzen sind fähig, die Fäuste und Waffen mit dem Glauben der alles bezwingenden starken Zuversicht auf den Sieg zu beseelen. Und nur wer Opfer zu bringen vermag, wird, gestärkt durch die fast mythische Kraft dieser Opfer, durch sie den Weg zum Ziele finden.
Kann es etwas Wunderbareres geben als das Wissen, das ein Volk aus der Tiefe seiner Seele
Von Kriegsberichter
Da war eine der holprigen Straßen im weiten Osten. Jeder von den Schützen trachtete, so schnell wie möglich über den verfluchten Weg hinwegzukommen, über den die Geschosse heulten und zischten. Auch er, dessen Bild Du im Herzen trägst, junge Soldatenfrau, war unter diesen Infanteristen. Da hörte er, schon außer Atem auf einem Acker jenseits der Straße angekommen, hinter sich einen Kameraden aufschreien. Er wandte sich um, er sah den Kameraden zusammensinken,>>und ohne sich zu besinnen, sprang er zurück auf den Weg, auf dem der Tod lauerte. Er versuchte, den verwundeten, blutenden, stöhnenden Kameraden in die sichere Deckung des Straßengrabens zu ziehen. Doch über diesem Liebesdienst an seinem Kameraden traf ihn das Soldatenschicksal. Wir sahen auch ihn zusammensinken. Er fiel ...
-Am frühen Abend, als das Gefecht ein vorläufiges Ende gefunden hatte, standen wir rund um ihn, wie immer in solchen Fällen von einer inneren zornigen Ohnmacht gepackt, daß man\ nicht mehr helfen kann. Ernst und schweigend packte einer die persönlichen Habseligkeiten des Gefallenen aus dessen Uniformtaschen. Eine Uhr, seine Geldbörse, fein Zigarettenetui, einen silbergeschmiedeten Ring. Vielleicht waren Dinge darunter, die Du ihm einmal geschenkt hast, liebe junge Soldatenfrau. Die Kameraden werden sie Dir schicken.
Und in seinem Soldbuch fanden wir Dein Bild, junge Soldatenfrau. Einmal, in einer vertrauten Stunde, als warm und innig von der Heimat gesprochen wurde, hatte er uns schon Dein Bild gezeigt, etwas verschämt gleichsam und wohl mit nicht ganz reinem Gewissen, so schien es, denn es war, als gäbe er damit ein liebes Geheimnis preis. Doch unter Kameraden gibt es kein Geheimnis. Wir hörten ihm damals auch zu, als er uns verträumt und versonnen von Dir erzählte und uns damit in die innersten Angelegenheiten seines Herzens blicken ließ.
Wie gern muß er Dich gehabt haben.
Jetzt, neben dem Gefallenen, ging, während fern die Geschütze lärmten, noch einmal das Bild unter den Kameraden reihum, Keiner wird das falsch auslegen, auch Du selbst nicht. Wir drängten uns damit auch jetzt nicht in ein fremdes Geheimnis. Denn in Deinem Bild sahen wir nichts anderes als die Heimat, für die er fiel, für die wir draußen im Osten stehen. Und jeder hatte, während er Dein schönes Bildnis betrachtete und dann einen letzten Blick auf das bleiche Gesicht des Gefallenen warf, bevor sie ihn mit einer Zeltbahn zudecktem sein eigenes Denken, seine eigenen Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen, die auch das härteste Soldaten-
leben und Soldatensterben nicht auszuschalten vermögen.
Jeder war auch in Gedanken bei Dir, ohne Dich zu kennen. Glaube mir, junge Soldatenfrau, das ist auch für uns Soldaten unendlich schwer, sich vorstellen zu müssen, daß Du ihn nie Wiedersehen wirft, weil wir ihn der Erde anvertrauen müssen. Wie gern möchten wir, seine Kameraden, Dir helfen. Ach, es ist so schwer. Dir, liebe Soldatenfrau, auf dem Papier irgendwelchen Trost zusprechen zu wollen.
Doch eines sollst du erfahren und wissen:
Wir bestatteten 'ihn an jenem Wege, auf dem er fiel, als. er dem verwundeten Kameraden helfen wollte. Noch drei andere Kreuze tarnen daneben zu stehen. Die Infanteristen schmückten die Gräber mit Patronenhülsen und Granatsplittern. Ein harter soldatischer Schmuck.
Vom nächsten frühen Morgen an zogen nun auf dem eben erkämpften Weg endlose Kolonnen lang. Und jeder, ob er als Infanterist zu neuem Kampf vorbeimarschierte, ob er mit den Zügeln seiner Gäule beschäftigt war, ob er die ganze Nacht im Sattel gesessen hatte, ob er am Steuer seines Pkw. auf die Straße achten muffte.— jeder hatte doch einen ehrfürchtigen Blick für die frischen Soldatengräber am Wegrand. Ja, viele hielten an und standen eine Minute lang vor den Kreuzen, über denen die Stahlhelme hingen. Jeder las die Namen der Gefallenen und sann nach über das Soldatenschicksal, das ihn selbst ereilen kann, heute noch, morgen oder übermorgen ...
Und das sollst Du wissen, das soll Dein Trost sein, liebe junge Soldatenfrau, zu der von dem Grabhügel aus in diesen Tagen die Gedanken vieler, vieler Kameraden gehen: Er liegt nicht irgendwo einsam und verlassen im fremden Land begraben. Vielmehr kommen Tausende und aber Tausende Soldaten an seinem Grabe vorüber, und jebe% von ihnen denkt voll Liebe und Ehrfurcht auch an ihn, den unbekannten Soldaten. Und jeder der Vorüberziehenden ist sich im Innern bewußt, daß er nicht auf dieser Straße marschieren könnte, wenn nicht die Kreuze da am Wegrand stünden. Ja, so ist es, wenn Soldaten an Soldatengräbern vorüber marschieren, sie denken dann im Grunde alle das eine: Wenn die da nicht gefallen wären, tbann wären wir noch nicht hier; ihr Tod hat uns den Weg frei gemacht.
Daran mußt Du denken, junge' Soldatenfrau, wenn Du an den Gefallenen denkst, den Du über seinen Soldatentod hinaus liebst.
Er war ein prächtiger Soldat.
Du darfst stolz sein auf ihn ... '
Aus -er Stadt Gießen.
Stilles Heldentum.
Vor einigen Jahren fand in einer rheinischen Stadt eine Bilderausstellung statt. Da hing ein großes Bild, es bedeckte fast die ganze Wandfläche. Hier standen immer die meisten Besucher, stumm und andächtig ...
Von einem Berge, der im Hintergründe leuchtete, schritten — in Lebensgröße gemalt — Frauen und Mädchen und Kinder. Alle trugen schwarze Gewänder. Da sah man alte, gebückt gehende Mütterchen, die sich auf einen Stock stützten, Frauen, die ihr Gesicht verhüllten, Mütter mit zwei und mehr Kindern an der Hand, einsam schreitende Mädchen, deren Blicke zurückgingen nach dem leuchtenden Berg ... Sie kamen von der Höhe ihres Glückes und wanderten zum Tal des Leides, stumm und schmerzvoll. . t
Unter diesem Bild stand nur das eine Wort: „Krieg". Es machte in seiner erschütternden Ausführung einen unauslöschlichen Eindruck auf alle Besucher.
Viele Jahre sind vergangen, aber immer wieder muß ich an das Bild denken, wenn mir auf der Straße oder in der Bahn tief verschleierte Frauen und Mädchen begegnen, wenn ich höre, daß einer bekannten Frau der einzige Sohn gefallen ist, wenn eine junge Ehe durch den Krieg zerstört wurde, wenn ich die Todesnachricht lese, daß eine Mutter im Weltkrieg ihren Mann und nun ihren Sohn in diesem Kriege verlor.
Und in der Zeit, in der wir all derer gedenken, die ihr Blut und Leben gaben für Freiheit und Einheit des Reiches, wollen wir auch die nicht vergessen, die nun um ihr Liebstes auf der Erde,, ihre Kinder oder ihre Gatten, ihre Väter trauern. Sie brachten das größte Opfer. Sie stehen nun allein, sie müssen vom Berge des Glückes herabsteigen. Welch schmerzvolle Tage durchlebten sie! Und wie oft wird noch diese Wunde ausgerissen.
Dürfen wir uns wundern, wenn Frauen und Mütter zurückdenken an die vergangenen Zeiten? Wie lange ist es her, daß der junge Soldat vor der Mutter stand und mit leuchtenden Augen und einem frohen Lächeln im Gesicht sagte: „Aus Wiedersehn und den Kopf hoch!"? Er war voll Zuversicht und blickte mit Pertrauen in die Zukunft. Sie hielt ihre Tränen zurück, bis er gegangen war. Wie einsam hatte sie dann in der stillen Wohnung gesessen und die ersten Tage gemeint! Dann aber gedachte sie seiner Worte „Kopf hoch!" Ganz leise warey die Alltagssorgen gekommen, und sie hatte in Arbeit und emsiger Tätigkeit die ersten schweren Tage überwunden.
Es folgten seine Briefe, seine Karten. Wie schrieb er frohgemut!
Dann kam die lange Pause. Wie schaute sie nach dem Briefträger aus! Und immer ging, er vorbei und schüttelte mit dem Kopf.
Und dann jener Morgen: Der Briefträger hatte ein Schreiben gebracht: Verwundet! Mit zitternden Händen hatte sie den Brief empfangen, kein Wort war über ihre Lippen gekommen. Der alte Briefträger hatte sie trösten wollen, aber sie hatte nicht gehört, hatte an ihm vorbe<igeschaut. Da mar er traurig gegangen. Die schlaflosen Nächte und das emige Warten! — Dann zerriß das eine grausame Wort „tot" alle Hoffnungsfäden ...
Wer fühlt nicht die Sorge und Angst, die so viele Seelen erfüllt, wer gedenkt nicht der Unglücklichen, die von dem einen Wort getroffen wurden, von diesem Wort voll schneidender Dual und bebender Hoffnung: Vermißt!?
Mag auch das Wörtchen „Gefallen" manche blutende Wunde reißen, in manchen Herzen die Lebensfreude für immer tilgen: härter und drückender ist das Wort „Vermißt". Wenn wir wissen, daß
Bei Schnupfen
tritt meist eine Verstopfung im Nasenrachenraum ein. Diese lästige Erscheinung wird oft durch Klosterfrau-Schnupfpulver behoben, ebenso wie auch andere Beschwerden, die als Begleiter des Schnupfens auftreten. Klosterfrau-Schnupfpulver wird aus wirksamen Heilkräutern von der gleichen Firma herge- stellt, die den bekannt guten Klosterfrau-Melissengeist erzeugt.
Verlangen Sie Klosterfrau-Schnupfpulver m der nächsten Apotheke oder Drogerie. Originaldose zu 50 Pfg. (Inhalt ca. 5 Gramm) reicht monatelang aus, da kleinste Mengen genügen. 890V,
Oie Stimme vom peudehof.
Von Otto Rieb icke.
Der Peudehof war ein Gut auf der Insel Oesel. Es lag nicht weit von dem Dorfe Lewa!, wo sich am 15. Oktober 1917 noch einmal Teile der geschlagenen Russendivision festgesetzt hatten. Nach kurzem Feuergefecht ergaben sie sich zu Hunderten, zu Tausenden. Dem fliehenden Feinde setzte die 9. Kompanie des Infanterieregiments 138 hart nach. Dicht hinter dem Peudehof wollte eine Feindesschar noch immer nicht die Waffen strecken. Da schwang sich der deutsche Kompanieführer auf ein herrenloses Kosakenpferd, riß den Degen aus der Scheide und sprengte zu seinem vordersten Zug gegen die Feinde. Er war es gewohnt, sich immer zuerst einzusetzen; Vorleben und, wenn es sein muß, auch vorsterben ist Leutnantsdienst! Die Kugel traf ihn. Mit grimmiger Wut stürzten sich seine Männer auf die Russen; was nicht fiel, wurde gefangen.
Vierundzwanzig Stunden später hauchte der Kompanieführer im Lazarett des Gutes Peudehof fein Leben aus, dreißig Jahre alt, Kriegsfreiwilliger: Walter F l e x. Auf dem Kirchhof des Dorfes Peude wurde er eingebettet. Neun Mann feiner Kompanie standen an der Gruft, in Gedanken das ganze Regiment, das der Marschbefehl fortgerufen hatte...
Seit dem 21. September 1941 weht über Oesel die Reichskriegsflagge. In ihrem Leuchten liegt auch das stille Grab von Peude, Vermahnung, wie sie der tote Leutnant einst selbst niederschrieb: „Wir sanken hin für Deutschlands Glanz, blüh', Deutschland, uns als Totenkranz!"
<5>eine Stimme spricht zu den Soldaten, die nun als Sieger kamen und die Erfüllung brachten. Sie ist die schwingende Brücke von jenen, die begannen, zu diesen, die vollendeten. Sie ist die immerwährende Anrede jeder soldatischen Generation: „Der Mann stirbt unter den Preußen nie, er marschiert noch in jeder Kompanie!"
Der Leutnant Flex ist nicht der Leutnant nur vom Infanterieregiment 138, 9. Kompanie. 2)er Leutnant Flex ist längst darüber hinausgewachsen, er ist einer jener ewigen Kämpfer, die in allen
deutschen Zeiten Marschall oder Offizier oder Unteroffizier oder Mann sind. Er ist Geist des immerwährenden Soldatentums für Deutschland im Sinne der hohen Ethik, die er einmal zu den Worten formte: „Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört!"
Als Walter Flex 1916 aus dem Weltkrieg seinen „Wanderer zwischen beiden Welten" geschrieben hatte, griffen Hunderttausende seiner feldgrauen Kameraden zu diesem Buche. Es wurde vielen die soldatische Offenbarung und die moralische Stütze ihrer eigenen harten Zeit; so, wie er sich selbst zu dem harten Glauben durchgerungen hatte, mit dem fein letzter Brief ausklingt: „Ich habe das ruhige Gewissen, daß alles, was mir geschieht und geschehen kann, Teil einer lebendigen Entwicklung ist, über die nichts Totes mehr Macht hat."
Was Walter Flex schrieb, war Ausbruch heiligen Feuers aus der Seele eines Mannes, der sich Deutschland verschrieb. Ausgerichtet nach friderizia- nisch-preußischen Grundsätzen, sah er über sich nichts anderes als das Reich, den Glauben an fein Volk. Dies überströmte ihn als Menschen, als Soldaten, als Kämpfer bis in die Minute seines letzten Opfers. . r. .
Krieger fein war ihm höchste Verpflichtung, denn „es ist nicht damit getan, sittliche Forderungen aufzustellen, sondern man muß sie an sich vollstrecken , man muß sich immer kriegsfreiwillig fühlen aus sittlichem Fanatismus, wie am ersten Tage, und zu dem Bekenntnis stehen: „Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich bin ein Glied der heil'gen Schar, die sich dir opfert, Vaterland!" ~ ,
Und einprägsam gibt Walter Flex dann durch den Mund seines kriegsfreiwilligen Studenten Ernst Wurche die Richtung zum soldatischen Vorleben des Offiziers und Führers, für den das Vorsterben dann wohl einmal ein Teil davon sein kann. „Das Herz seiner Leute muß man haben, dann hat man ganz von selbst Disziplin", und jenes Wort vom wahren großen Heldentum, das er den Publizisten feiner Zeit vorhielt: „Wenn man doch die Phrase von dem allgemeinen Heldentum der Masse lassen roollte1 Als ob es nicht ebenso flut klänge, wenn man ehrlicher, ruhifler und wahrer von dem Bor- herrschen des Sinnes für Pflicht, Gehorsam und
Treue im Volk spräche. Helden sind Ausnahmen, sonst brauchte man nicht von ihnen zu reden!" Oder schließlich die tiefe Bitte der Gefallenen: „Gebt euren Toten Heimrecht, ihr Lebendigen, daß wir unter euch wohnen und weilen dürfen in dunklen und hellen Stunden. Weint uns nicht nach, daß jeder Freund sich scheuen muß, von uns zu reden! Macht, daß die Freunde ein Herz fassen, von uns zu plaudern und zu lachen. Gebt uns Heim- recht, wie wir es im Leben genossen haben!" — bis zu dem in jede Zukunft hinausgreifenden Appell: .
„Die Toten lassen sich nicht halten, ihr Lebendigen: Nicht Geisterbanner sollt ihr sein und Toten- be'schwörer, ihr Leidgeschlagenen. Ihr sollt Toten- erwecker werden! Habt ihr Herzenskraft und Liebeskraft genug zu solchem Werke? Leid kann tätig oder tatenmüde machen, aber sicher ist, daß das größte Leid auch die tätigsten Herzen schafft. Zwischen diesen tätigen Herzen und den rührigen Händen gieriger Glücksjäger wird der eigentliche Entscheidungskampf um Seele und Zukunft des deutschen Volkes nach dem Kriege ausgefochten werden. Die besten Kämpfer des deutschen Idealismus liegen unter der Erde. Erwartet nicht alles von den Heimkehrenden. Nur den Toten könnt ihr ganz vertrauen, die in euch leben, denn es ist kein Falsch an ihnen. Glaubt, die Besten unseres Volkes sind nicht gestorben, damit die Lebendigen, tot seien, sondern daß die Toten lebendig würden. — Nicht das Glück ist das letzte Ziel des Menschen, sondern seine Vollendung als leiblich-sittliches Wesen. Dazu helfe euch der Krieg. Die Sieger werden unter den Toten sein!"
Es ruft aus dem Grabe vom Peudehof. Zu den Soldaten. Zum Volke. Zu denen, die wieder die» Fahnen dort hintrugen und jenen, die vor einem Vierteljahrhundert im Opfer begonnen haben, was heute im Sieg vollendet wird. Es ruft aus ihm die Stimme des ewigen deutschen Soldaten zu dem Gelöbnis:
„Tiefer soll keine Glocke je tönen über uns und unsere Erben und Nachgeborenen als das Wort Volk. Wie ein Glockenton soll ihm das Wort der Hingabe, das Wort Du vorausschwingen: Du, mein Volk! Du, mein Bruder! Du mein Vaterland!
Das ewige Antlitz.
Dem Wunsche, den nicht mehr auf dieser Erde Weilenden für immer in sichtbarer Gestalt zu besitzen, dankt die Totenmaske ihre Entstehung: das über dem Antlitz des Abgeschiedenen, über seinem „letzten Gesicht" geformte plastische Abbild, des Toten „ewiges Antlitz". Ergriffen vom ersten Erlebnis mit den Totenmasken großer Menschen, beschloß ein Mann, lange bevor einige Autoren dazu schritten, Lichtbilder berühmter Totenmasken in Büchern zusammenzustellen, sie zu erwerben und fein Zimmer zu einem Tempel der abgeschiedenen Großen dieser Welt zu machen: Friedrich und Bonaparte, Scharnhorst und Moltke, Goethe, Schiller und Lessing, Hebbel, Mörike und Lilien- cron, Beethoven und Haydn, Wagner und Liszt, Brahms und Bruckner, Menzel und Nietzsche, Dev- rient und Kainz; der Mann erkannte mit tiefer Erschütterung, daß dies nicht Bilder des Todes waren, sondern Bilder des Lebens.
Die, denen diese Gesichter einst gehörten, waren gestorben, sie waren längst in ihrer äußeren Gestalt eingegangen in die mütterliche Erde, oder die Flamme hatte ihren Leib verzehrt: aber bevor sie hinübergingen, hatten sie sich selbst den Lebenden als Erbe hinterlassen, nicht, wie sie gelebt hatten, sondern wie sie gestorben waren, und nun erwies sich, daß kein Abbild 6er Lebenden so ungeheures Leben barg, wie diese Bilder der Toten, denn erst der Tod hatte ihr Wesen entsiegelt und ihren Gesichtern die höchste Form des Lebens aufgeprägt
Im ersten Jahre des zweiten Weltkrieges hat Dr. Max S i m o n e i t zu einem kleinen Bändchen mit den Bildern von Totenmasken „Unsterblicher Soldaten", zu denen er auch die großen Staatsmänner zählt, einen tief eindringlichen kleinen Essay. „93on der Ueberwindung des Todes durch den Geist" geschrieben. Was er darin von den Feldherrn und Staatsführern sagt: daß, „wenn das Sterben ein von Erfolg gesegnetes Schaffen beschließe, dann über den Zügen des Entschlafenen saft immer em erhabener Schimmer beginnender Seligkeit liege , gilt ebenso von den letzten Gesichtern aller bedeutenden, ja letztlich aller' wahrhaften Menschen üües Haupt


