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Kultur- und Wirtschaffsfragen vor der presse.
NSG. Auf einer Gaupressekonferenz, auf der die Hauvtschnstleiter sowie die Kultur- und Wirtschafts, schristleiter und die Hauptschriftleiter der Zeitschriften des Gaues Hessen-Nassau versammelt waren, wurden Kultur- und wirtschaftspolitische Fragen behandelt. Der Leiter der Abteilung Zeitschriften/ Kulturpresse im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Ministerialrat Bade, nahm die am gleichen Tage stattfindende Uraufführung von Werner Egk, „Columbus" in Frankfurt zum Ausgangspunkt eines in kulturpolitischer Hin- sicht lebendigen und aufschlußreichen Referates. Anschließend beleuchtete er aktuelle politische Tagesfragen im Ablauf des Kriegsgeschehens und kennzeichnete die Haltung der Presse, die ihr in der Begegnung mit der englischen Vorstellung vom Ausgang dieses Krieges Aufgabe sein muß. Mini- sterialrat Bade umriß des weiteren die Aufgaben der Kultur während des Krieges. Nachdem auf allen Gebieten des Kulturschaffens in Deutschland während der waffenmäßigen Auseinandersetzung nirgends ein Stillstand, sondern überall ein Aufschwung zu verzeichnen ist, läßt die Zukunst bereits Schlüsse auf ein noch stärker intensiviertes Kunstschaffen zu, zumal der Führer nach wie vor dem geistig-schöpferischen Leben der Nation sein besonderes Augenmerk widmet. Selbst langjähriger Journalist und Schriftsteller, umriß Ministerialrat Bade abschließend die Aufgaben der deutschen Presse nach dem Kriege, wo sie als kulturelles und politisches Führungsinstrument ein maßgebender Faktor im gesamteuropäischen Raum sein wird.
Dann sprach der Sonderbeauftragte des Gauleiters für Wirtschaftsführung und Wirtschaftseinsatz, Gauamtsleiter A o i e n y, über „Wirtschaft und Presse". Nach einer eingehenden Darlegung der Ausgaben der Wirtschaft im nationalsozialistischen Reich, in welcher er diese als Mittel der Politik, ausgerichtet auf die Erhaltung und Sicherung des Lebens und damit der Wehrkraft unseres Volkes kennzeichnete, gab er der Presse Hinweise, deren Befolgung eine wirksame Unterstützung der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung sein können. Eingehend behandelte Gauamtsleiter Avieny dann die Frage der Privatinitiative in der Wirtschaft. Nach einer Abgrenzung von Führung und Steuerung der Wirtschaft durch den Sta'at und die Nutzbarmachung der damit geschaffenen Voraussetzungen durch die Initiative der Selbststeuerungskrätte zog er den Schluß, daß die Entfaltung der Privat- initiative um so erfolgreicher sein werde, je stärker sich die geistige Umstellung des Unternehmertums zum Nationalsozialismus vollziehe.
Danach sprach Hauptmann Bardenhewer vom Stellvertretenden Generalkommando XII. A. K. über die Fragen der Zusammenarbeit der Presse mit der Wehrmacht. Der Leiter des Gaupresfeamtes, Gauamtsleiter Uckermann, dankte im Austrage des Gauleiters der Presse für ihre geleistete Arbeit im vergangenen Jahre und wies darauf hin, daß sie aüch mit ihrem zukünftigen Einsatz in der Unterstützung des Kampfgeistes des deutschen Volkes eine Dolksführungsaufgabe von entscheidender Bedeutung zu vollbringen habe.
An die bildenden Künstler Großdeutschlands.
Das Haus der Deutschen Kunst erläßt einen Aufruf an die bildenden Künstler Großdeutschlands, in dem es heißt: Das Wort von den Musen, die im Waffenlärm schweigen, hat im neuen Deutschland längst keine Geltung mehr. So wendeten sich auch der Großen Deutschen Kunstausstellung in diesem Jahre wieder weiteste Volkskreise mit größtem Interesse zu. In bisher fünfmonatiger Dauer hat die Schau 600 000 Volksgenossen, Männer und Frauen der Heimat und Urlauber aller Fronten, nach München gezogen. Die Leistungen der aus- stellenden Künstler aber wurden belohnt durch einen Verkaufserfolg, aus dem der beteiligten Künstlerschaft bisher schon weit über zwei Millionen RM. zugestossen sind. Für die nächste Große Deutsche Kunstausstellung fordern wir die Berufeneu unter Großdeutschlands Künstlern im Namen des Führers auf, ihr Können und ihre schöpferische Kraft einzusetzen. Die Ausstellung, deren Eröffnung vor- aussichtlich Anfang Juli 1942 stattfindet, soll in dieser ernsten Zeit eine stolze Manifestation deutscher Kultur und ein glänzendes Zeugnis deutscher Kraft werden! Sie wird die Verpflichtung haben, unzählige deutsche Menschen der Heimat und der Front zu erfreuen, sie zu beglücken und ihre Entschlossenheit vermehren, die heutige schwere Zeit mutig und siegesbewußt zu überwinden, in die uns das Schicksal gezwungen hat.
Aus -er Stadt Gießen.
»Nach Ihnen!"
Ich hatte es eilig. Wenn ich meine Straßenbahn noch erreichen wollte, mußte ich mich darüber hinwegsetzen, daß lange Hosenbeine und ein Stehkragen von einem Manne verlangen, sich mit einer gewissen Würde auf der Straße zu bewegen. Ich lief. Und ich war im besten Lauf, da kam mir an einer Ecke aus einer Nebenstraße überraschend ein Kraftwagen in die Quere gefahren.
Welch ein Wagen! Blau, grau abgesetzt, funkelnd und blitzend. Immerhin — mochte er so vornehm aussehen, wie er wollte — ich hatte nicht die geringste Lust, es mit ihm anzulegen und mit ihm zusammenzustoßen. Er war nicht nur vornehmer, sondern sicher auch stärker als ich. Ich bremste. Aber er bremste auch.
Sicherlich sah es nicht im mindesten elegant aus, wie ich, noch im Schwung des Vorwärtsftürmens, auf dem linken Fuß hüpfte und mit dem Oberkörper hinterherkam. Ich habe sogar den Verdacht, daß es ausgesprochen komisch und albern anzusehen war. Der Wagen machte es viel anmutiger — ein sanfter Ruck, er hielt.
So standen wir uns gegenüber, Auge in Auge, wenn ich so sagen darf. Der Mann im Wagen wartete. Es wäre sein gutes Recht gewesen, rauschend an mir vorbeizufahren und womöglich ironisch zu lächeln über meine allen anatomischen Gesetzen Hohn sprechende Körperhaltung. Er tat nichts dergleichen. Er machte eine verbindlich einladende Handbewegung: „Nach Ihnen!"
Ich ließ mich nicht lumpen. Ich lächelte gewin- nend und tat meinerseits so: „Nach Ihnen!" Aber jener ließ von seiner Liebenswürdigkeit nicht einen Deut ab, auch er lächelte hinter den Scheiben seines Wagens und winkte mir nochmals: „Nach Ihnen?"
Nun — ich ging dann grüßend vorbei, schließlich konnten wir uns in der Höflichkeit, einander den Vortritt zu lassen, nicht bis zum nächsten Morgen überbieten. Wir schieden in gegenseitiger Hoch- achtung und als beste Freunde.
Daß ich meine Straßenbahn doch versäumte, tut nichts zur Sache. Und wenn der Mann in dem blau- grauen, blitzenden Wagen dies liest, so gelte ihm mein Gruß. n. T.
Achtung Zentralheizungsbesitzer!
1. Bei eintretendem Frost muß die Warmwaffer. Zentralheizung wegen der Gefahr des Einfrierens der Heizkörper und -leitungen in Betrieb genommen oder das Wasser muß aus der Anlage entfernt werden.
.2. Bei in Betrieb genommenen Anlagen muß während der Frostperiode so gefeuert werden, daß die Warmwassertemperatur während der Nacht nicht unter 40 Grad Celsius sinkt. Bei besonders kalter Witterung muß notfalls Brennstoff für den Nachtbrand nachgeschüttet werden.
3. Heizkörper sind bei Frost höchstens so weit ab.zusperren, daß die Raumtemperatur nicht unter drei Grad Celsius sinkt. Das gilt insbesondere auch für unbenutzte Räume. Um bte unausgenutzte Wär. meabgabe der Heizkörper in diesen Räumen einzu- schränken, sind die Heizkörper allseits mit Papier einzuhüllen.
4. Wenn das Ausdehnungsgefäß und seine An- schlußleitungen auf dem Dachboden oder in einem unbenutzten Raum untergebracht sind, müssen sie durch Holzummantelung, die mit Jsoliermaterial ausgefüllt ist, gegen (Einfrieren geschützt werden. Beschädigter Frostschutz ist sofort auszubesiern. Das Ausdehnungsgefäß muß stets mit Wasser voll gefüllt sein. Das ist der Fall, wenn der Zeiger des Wasserhöhenmessers am Kessel über der roten Marke steht.
5. Fenster, Türen und Luftlöcher In Kellern, Durchfahrten, Dach- und Nebenräumen sind im Winter gut verschlossen zu halten. Die Lüftung der Räume durch Oeffnen der Fenster ist auf wenige Minuten zu beschränken.
6. Soweit die Mieter für die Ausführung der vorstehenden Vorschriften in Frage kommen, sind sie dazu anzuhalten. Der Heizwart muß sich öfters von her Durchführung der notwendigen Maßnahmen überzeugen.
7. Sollen aus Gründen der Brennstoffersparnis Teile der Heizungsanlage stillgelegt werden, so ist wegen geeigneter "Maßnahmen zum Frostfchutz der Anlage eine Fachfirma zu Rate zu ziehen.
8. Wird die gesamte Heizanlage aus irgendeinem Grunde, z. B. Reise, für längere Zeit ganz sttllge- legt, so sind bei der Entfernung des Wassers aus der Anlage die Ventils der Heizkörper zu öffnen. Während der Zeit der Stillegung darf der Ent- leerungshahn nicht geschlossen werden.
Vom „Tag der demschen Briefmarke" in Gießen
Das interessiert die Hausfrau.
Der Kleineinkauf von Speisekarloffeln.
NSG. Bekanntlich können Speisekartoffeln im Kleineinkauf beim Einzelhändler nur auf den roten Eintaufsausweis bezogen werden, falls dieser mit dem Stempel „gültig ab 12.1.1942" versehen ist. Einkaufsausweise, die diesen Stempel nicht tragen, werden nicht beliefert.
Verbraucher und Einzelhändler werden darauf aufmerksam gemacht, daß nach wie vor die Kartoffeln im Kleineinkauf nur bei dem Einzelhändler bezogen werden können, in dessen Kundenliste der Verbraucher eingetragen ist. Verbraucher, die nicht im Besitze eines mit dem Stempel „gültig ab 12. 1. 1942" versehenen roten Einkaufsausweises sind, sind in der Kundenliste zu streichen.
Gießener Vochenmarkkpreise.
* Gießen, 14. Jan. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, % kg 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 10, Unter- kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 6 bis 10, Lauch 17, Sellerie 15, Rettich, das Stück 10 his 15 Rpf.
glatte
beim "lOintetspoit
Sprödes Gesicht und aufgesprungene Hände verhütet man mit NIVEA-CREME. Nivea ist knapp; was es gibt, soll vielen zugute kommen. Sei sparsam damit!
Bürgen lind Vandenkmäler unseres Ganes.
Wahrzeichen unseresGaues als WHW.-Abzeichen für die Gaustraßensammlung
ganzen Serien gekauft. Es ist auch in diesem Jahre dafür Sorge getragen, daß genügend Abzeichen für alle Sammler zur Verfügung stehen. Liebhaber werden sich deshalb die Gelegenheit nicht entgehen lassen und sich um die Erlangung ganzer Serien bemühen. Freude bereiten die schmucken Abzeichen aber auch jedem Volksgenossen, der sie am 1 7. u n b 18. Januar auf der Straße angeboten bekommt.
Zugreifen und s o geben, daß es als ein Opfer für das Kriegswinterhilfswerk angesprochen werden kann, sei der leitende Gedanke, der uns am kommenden Wochenende beseelen mag, denn niemals kann die Heimat ihren Söhnen vergelten, was diese als tapfere Soldaten im Kampf gegen unsere Feinde geleistet haben und noch leisten müssen.
130000 Stück für denKreiSWetterau.
Für den Kreis Wetterau stehen 130 000 Abzeichen zum Verkauf zur Verfügung. Davon entfallen auf die Stadt Gießen 46 000 Stück. Die Sammlung wird von den Politischen Leitern, den NSV.- und WHW.- Waltern und -Helferm der Hitler-Jugend und dem BDM. durchgeführt.
Nach dem Vortrag setzte ein lebhafter Verkauf der Sondermarken zum Tag der deutschen Briefmarke ein, von denen 600 Stück abgesetzt wurden. Wer einen Sonderstempel zu erwerben wünschte, erhielt diesen durch die Sammlergrupve am Sonntag vermittelt bei einem der fünf Sonderpost- ämter des Gaues Hessen-Nassau. Sehr viel Gebrauch gemacht wurde von dem Erwerb des Sonderstempels .Kampf dem Kommunismus", der anläßlich einer gleichzeitig laufenden Hamburger Ausstellung ,Kampf dem Kommunismus" durch ein Hamburger Sonderpostamt bezogen werden konnte. Auch die Gedenkkarte aus der Liebigstadt Gießen, die eigens zum Tag der Briefmarke gedruckt wurde, fand großen Absatz. Anschließend setzte ein sehr lebhafter Großtauschverkehr ein.
Die Gießener Sammlergruppe hat sich mit ihrer Veranstaltung, auf deren Verlauf sie in jeder Beziehung stolz fein kann, um die Briesmarkensamm. ler von Gießen und Umgebung ein Verdienst erworben.
Die Veranstaltung, die die Sammlergruppe der NSG. „Kraft durch Freude" am vergangenen Sonntag flum ,Zag der deutschen Briefmarke" im Hotel Schutz durchfuhrte, erwies sich für die Gießener Sammler als besonders anregend und erlebnisreich. Sie wurde von dem Kreisreferenten für das Sammlerwesen, Gerlach, eröffnet. Er schilderte die Verdienste des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan um das deutsche Postwesen und die Gründung des Weltpostvereins (9. Oktober 1874). Zum Gedenken an Heinrich von Stephan finden alljährlich an dem Sonntag, der auf die Wiederkehr seines Geburtstags (7.1.1831) folgt, durch die KdF.-Sammlergruppen und durch die Sammlervereine des Philatelistenbundes Gedenkfeiern, Veranstaltungen mit Ausstellungen und Sonderpoftämtern für den Verkauf von Sonder-Briefmarken zum „Tag der Briefmarke" statt. Briefmarken sind feit dem Zeitpunkt ihres ersten Auftretens beliebte Sammeloojekte geworden, die belehrend wirken über die Kultur, Sitten und Bräuche der Völker. Darüber hinaus bieten sie dem Sammler an feinem Feierabend eine Erholung, die sein Wissen über weltweite Völker erweitert. Das Aufstreben der Kultur der jungen Völker finden wir besonders ausgeprägt auf den lebhaften, frischen Darstellungen der Marken Deutschlands, Italiens und Spaniens, während Erschütterungen im Staatsleben auch auf den Briefmarken einen Niederschlag finden, wie dies deutlich bei den Sowjetmarken hervortritt. Die Gestalten, die Kopfzeichnungen auf diesen Marken sind stur, stumpf, roh, terroristisch und grausam, so wie wir dieses Volk in Wirklichkeit kennengelernt haben. Der Redner schilderte dann die Entstehung der ersten ,Kraft-durch-Freude"-Sammleraruppen vor sechs Jahren und das Entstehen der Gießener Sammlergruppe im vorigen Jahre. Die Gießener Sammlergruppe trat dieses Jahr erstmalig mit einer Werbeveranstaltung vor die Oeffentlichkett.
Das Mitglied der Gießener Sammlergruppe G l o- gow hielt anschließend einen besonders für die jüngeren Sammler lehrreichen Vortrag über Neudrucke und Fälschungen. Ein Neudruck ist eine Marke, die nach Außerkurssetzung einer Serie neu gedruckt worden ist. Es gibt amtliche Neudrucke, die im Auf. trag der betreffenden Posthoheit gedruckt worden find, und private Neudrucke, die ebenfalls amtlich veranlaßt sein können, ^oder aber widerrechtliche Drucke sind, mit denen sich der Drucker Geld verschaffen wollte, wobei er den Markensammlern ziemlich Kopfschmerzen bereitete, zumal, wenn er versuchte, diese Marken zu stempeln und als Original- marken an den Mann zu bringen. Solche widerrechtlichen Neudrucke gibt es besonders von Helgoland, Bergedorf, dem Kirchenstaat und Sardinien. Heute sind die Briefmarken der großen Kultur- ftaaten durch Wasserzeichen einigermaßen gegen Fälschungen gesichert. Von deutschen Marken gab es die ersten Fälschungen zum Schaden der Post von Preußen und Hannover. Drei Fälschungen von Preußenmarken waren im Schaufenster der „Kraft durch Freude"-Gefchäftsstelle ausgestellt. Don der Adlerausgabe der deutschen Briefmarken des Jahres 1889 wurde ^besonders die Zehnpfennigmarke an verschiedenen Orten des Reiches gefälscht, doch wurden die Täter sehr bald ermittelt und entsprechend bestraft.
NSG. Unser Gau Hessen-Nassau ist reich an geschichtlichen Baudenkmälern: Die Gauhauptstadt mit ihrem Römer und zahlreichen anderen Bauten, der Rhein mit seiner Pfalz, seinem Mäuseturm und den vielen stolzen Burgen auf den Uferhöhen. Der Odenwald mit seinen Ruinen an der Bergstraße und sei- nen. altertümlichen Städtchen. Worms, Mainz, Darmstadt und Gießen mit ihrer reichen Geschichte, die bis in die Nibelungenzeit zurückreicht, bieten vielerlei Stoff für die Gestaltung der Kunstharzabzeichen „Burgen und Baudenkmäler des Gaues Hessen-Nassau", die der Gaubeauftragte für das Winterhilfswerk in diesem Jahre bei der Odenwäl? ber Elfenbeimndustrie hat Herstellen lassen. Der größte Teil dieser ansprechenden und schönen Abzeichen wurde in Heimarbeit angefertigt und legt von dem hohen handwerklichen Können unserer heimischen Elfenbeinindustrie im Odenwald beredtes Zeugnis ab.
Es hat sich vielfach eingebürgert, daß die Kunstharzabzeichen des Winterhilfswerkes als beliebte Broschen und Anstecknadeln getragen werden, auch werden besonders ansprechende Abzeichen gerne in
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Explosion in Raum5
Roman von H.G. Hansen
Copyright by Prometheus-Varlag Dr.Eldiadcer, Crfibenxell b.MBndbra
36. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Sehr gern", erklärte Aenne Barkow ruhig. „Ich habe nur noch diesen Brief für Herrn Kobelt zu schreiben und stehe dann zur Verfügung." Sie ließ sich zwanglos an ihrer Schreibmaschine nieder und arbeitete ohne Hast weiter. Nach fünf Minuten war sie fertig, legte den Brief in eine Mappe und fragte Michel, womit er beginnen wolle. Er nannte aufs Geratewohl die Personalkartothek und hörte sich aufmerksam die Erläuterungen an, die ihm gegeben wurden.
Er konnte nicht umhin, auch seinerseits ab und ZU eine Belyerkung zu machen, und geriet mit ihr allmählich in ein Gespräch, dem er nicht gewachsen war. Sie fragte danach, wie es in der Fabrik seines Vaters gehandhabt würde, und brachte ihn damit in eine Verlegenheit, die er zwar gewandt meisterte, ohne aber zu wissen, ob sie gemerkt hatte, wie ahnungslos er war. Die Personalakten überblickte er nur flüchtig, ließ sich erläutern, nach welchen Gesichtspunkten sie geführt würden, und verabschiedete sich nach kurzen Dankesworten.
Draußen auf dem Korridor atmete er erleichtert auf. Es war eine verteufelt schwierige Angelegenheit, ohne wirkliche Kenntnisse mit gut unterrich- »teten Gefolgschaftsmitgliedern Gespräche zu füh- ren. Man mußte den Schweigsamen spielen und sich aufs Zuhören beschränken.
? Bärbel konnte ihrem Verlobten abends bei der »Besprechung der Lage nur versichern, daß mehr als Vorsicht am Platze sei. Der neue Volontär bilde por allem bei den weiblichen Angestellten Gegenstand lebhaften Interesses. Es war nicht alltäglich, den künftigen Inhaber einer Fabrik um sich zu haben, einen jungen Mann, der sicher reich war, ympathifch wirkte und beinahe sogar hübsch aus- 'ah. Bärbel schwankte zwischen Necken und einem
kleinen Anflug von Eifersucht, obwohl sie sich nicht wenig geschmeichelt fühlte, weil ihr Auserkorener ungeteiltes Lob bei allen Kameradinnen buchen konnte.
Kurt war diesmal genau der gleichen Meinung wie seine Schwester und bot sich an, Michel in den freien Stunden allerlei juristische Kenntnisse beizubringen, die für einen hroßen Betrieb vonnöten waren. Aber ein solches Verfahren schien zu umständlich. Es konnte doch nicht ewig dauern, bis sich eine Spur fand, zumal man schon überzeugt war, der Anfang dieser Fährte liege bei Aenne Barkow.
Kurz nach neun Uhr fand sich Michel wieder im Werk ein. Die Anmeldung war erledigt. Ein Zimmer würde er heute Mittag finden. Seine Wirtin sollte zur Erklärung hören, daß ihr Mieter für einige Wochen verreise, so daß er nach jeder Seite gedeckt war. Nur mußte man jetzt auch beim Aus- gehen mit Bärbel vorsichtig sein. Ein Dummer Zufall konnte sie mit der Barkow zusammenführen, die 'sicher sehr verwundert sein würde, ein verlobtes Mädchen mit dem neuen Volontär zu sehen.
*
Nachdem fast alle Beteiligten seit dem Tage der Verhandlung gegen den Werkmeister Möller ständig in Atem gehalten worden waren, trat nun eine Pause in der Flut der Ereignisse und Ueberraschun- gen ein, die aber keineswegs wohltuend wirkte, sondern die Spannung bis zur Nervosität ansteigen ließ.
Michel wirkte von früh bis abends in der Kaf- parfchen Fabrik, steckte die Nase in jeden Winkel, beobachtete alle Menschen, die überhaupt verdächtig werden konnten, und fiel nach und nach allen zur Last, die an der ersten Besprechung teilgenom- men hatten. Obwohl Kammin befohlen hatte, Bericht nur nach der Ermittlung wirklich neuer Dinge zu erstatten, bildete sich der Brauch heraus, daß Michel jeden zweiten Tag früh zu ^Beginn de« Dunstes im Präsidium erschien und seine Eindrücke schilderte. Er wurde immer aufmerksam angehört, mit dem oder jenem Ratschlag versehen und zum Schluß freundlich entlasten. Der Kommissar drängte nicht
und war auch keineswegs ungeduldig, weil keine Ergebnisse Vorlagen. Im Gegenteil ermahnte er seinen jungen Mitarbeiter zur Geduld und Zähigkeit.
Kurt Eberhard traf sich sehr oft mit Aenne Barkow. Ohne daß er sich der Tatsache voll bewußt war, unterlag er allmählich einem gewissen Zauber des Mädchens, das stets gleichbleibend freundlich, jeder lauten Fröhlichkeit ober Mißmutsäußerung abhold, gerade wegen seiner abgeklärt wirkenden Ruhe auf den jungen Mann wirkte. Sie konnte gewandt auf jedes angeschnittene Thema eingehen, lächelte gern und oft in der Art gereifter Frauen, die überstandenes Leid mit Abgeklärtheit zu überblicken wissen, und war dabei alles andere als etwa welt- weise. lieber seine jungenhaften Scherze lachte sie verhalten und melodisch.
Manchmal war sie verschlossen und zurückhaltend. Die Liebe mit all ihren tausend Zugehörigkeiten schien kein Gesprächsstoff zu fein, so daß sie sich nur aufs Zuhören beschränkte. Männer im Alter Kurts sind selten in der glücklichen Lage, ohne Widerspruch ihre Ideen entwickeln zu können. Wenn sie dann einen Menschen finden, der die Kunst des Zuhörens versteht, sind sie glücklich und verschwenden sich förmlich. Den reizvollsten Gegensatz zu solchen Stunden bildeten Unterhaltungen, in denen Aenne das Hauptwort führte. Stets handelte es sich aber dabei um Fragen, die ebenso gut von einem Manne hätten behandelt werden können, vielleicht eher zu einem solchen als zu einer Frau paßten. Er hörte bann nicht ohne Erstaunen, wie belesen sie war und wie treffend ihre Urteile bisher nie entdeckte Seiten an scheinbar altvertrauten Dingen aufzeigten.
Darüber vergaß er mehr und mehr, welche Aufgabe ihn eigentlich zu diesem Mädchen geführt Hatto. Er suchte sie um ihrer selbst willen auf, sprach nicht in der Absicht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern gab sich dem Genüsse des Beisammenseins hin. Erst die Berichte, die er Bärbel und Michel erstatten mußte, führten ihn zum Ausgangspunkt zurück, wobei er sich jedesmal Mühe gab, die beiden anderen nicht merken zu lasten,
daß die Entwicklung andere Bahnen einfchlug, als diese wünschten.
Nachdem die Bekanntschaft eine Woche gewährt hatte, drängte Kurt halb unbewußt, halb wollend zu einer Erwiderung seiner Gefühle, und wenn sie nur eine vorläufige bedeuten würde. Wäre er Dabei mit kühler Ueberlegung vorgegangen, so hatte ihm der Verdacht kommen müssen, Aenne Barkow treibe seine Sehnsucht an, indem sie ihm ihre Zuneigung halb verweigerte und halb nachgab. Aber er war fern aller solcher Betrachtungen, sah nur noch das Mädchen neben sich, verlor sich im Banne keimender Hoffnungen und hatte schlaflose Nächte voll quälender Sehnsucht. Daß sie einige Jahre älter war als er, entschwand völlig feinem Bewußtsein. Sie war nur noch eine Frau, vielleicht die Frau für ihn schlechthin.
Sie verlor die Härte um Mund und Kinn, wenn er Zärtlichkeiten ahnen ließ. Ihr Blick wurde dunkel und verschleiert. Manchmal zuckten ihre Finger und ballten sich zusammen. Die Stimme war tief und schwang wie ein Cello. Kühn gemacht, beugte er sich dann vor, nahm ihre Hand, streichelte über den auf dem Tisch liegenden Arm und wollte entscheidende Worte sprechen. Sobald es soweit war, zuckte sie zurück. Ihr Gesichtsausdruck wurde wieder kühl und herb. Sie wechselte unvermittelt das Thema, lehnte sich fest auf den Stuhl zurück und sah über Kurt hinweg, als sei er nicht vorhanden.
Das machte ihn immer sofort nüchtern. Er nannte sich einen dummen Tolpatsch, der es nid)t verstehe, mit einer Frau umzugehen, und Minuten darauf schlug sein Herz heftig, weil die Verweigerung auch der kleinsten Annäherung seine Hoffnungen erst recht aufzustacheln vermochte. Nicht anders verhielt es sich mit den kurzen Spaziergängen, die sie unternahmen, bevor sie irgendwo einkehrjen, oder mit den Heimwegen im Dunkel der Somm-wabende. Sie schritt"», n"h-neinnnder durch Duft. Süße und warme Weichheit. Dann verlor sich der Abstand zwischen ihnen. Ihre Hände suchten sich, aber das Mädchen strebte in dem Augenblick von ihm fort, wo er im Begriffe war, seinen Arm um sie zu schlingen. (Fortsetzung folgt.)


