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Oie Trikolore auf dem pariser Amtssitz de BrinonS.

Par-is, 12. Nov. (DNB.) Zum ersten Male seit dem Waffenstillstand wurde die französische Flagge aus dem Dienstgebäude des Generaldelegierten in den besetzten Gebieten, Botschafter de B r i n o n , gehißt. Außer Vertretern der französischen Behör­den und Vertretern der Besatzungsbehörden hatte sich eine zahlreiche Menge auf der Place Beauoeau eingefunden, um der Flaggenhissuna beizuwohnen. Der Militärbefehlshaber in Frankreich, General von Stülpnagel, hatte in einem Schreiben de Bri- non ermächtigt,in An betracht der Ent- wicklung der Lage die Trikolore auf dem Hause seiner Dienststelle zu setzen". Die gleiche Er­mächtigung gilt für das Hotel Matignon für die Zeit, in der sich der Regierungschef dort aufhält.

Oie Nahostländer unter alliiertem Druck.

Sofia, 12. Nov. (Europapreß.) Aus guter Quelle erfährt man, daß die amerikanische Diplo­matie gegenwärtig große Anstrengungen unter­nimmt, um die Regierungen der Nahostländer ein­schließlich Aegypten und Fran zu einer gemein­samen Deklaration gegen die Achsen­mächte zu bewegen und von ihnen die Entschei­dung zu fordern, auf Seiten der Alliierten aktiv in den Krieg einzutreten. Diese Be­mühungen haben bisher außer im Irak noch kein Ergebnis gezeitigt. Syrien und Libanon haben mitgeteilt, daß die militärischen Einberufungen in beiden Ländern Panik in der Bevölkerung Hervorrufen würden. Iran und Aegypten wollen ihre Armeen nur zur Ver­teidigung ihrer eigenen nationalen Interessen ein­setzen und am Kriege nicht teilnehmen, obwohl von amerikanischer Seite über das Pacht- und Leihgesetz und durch das Versprechen eines großen wirtschaftlichen und politischen Aufschwungs nach dem Kriege ein Druck auf diese Länder ausgeübt wird.

Muselmanische Muftis verweigern proenglische Erklärung.

Sofia, 12. Nov. (Europapreß.) Die muselmani­schen Muftis in Syrien und Libanon waren von Den englischen und gaullistischen Behörden aufge­fordert worden, eine Erklärung abzugeben, in der sie den demokratischen Mächten ihre Sympathie aussprechen sollten. Alle Muftis haben diese Er­klärung aber mit dem Hinweis auf ihre rein reli­giöse Tätigkeit a b g e l e h n t und gleichzeitig allen englandfreundlichen Agenten, die in den Moscheen laute Gebete für den Sieg Englands verrichten wollen, den weiteren Zutritt zu den Moscheen u n - t erjagt. Die Kirchen seien Gotteshäuser und keine englischen Propagandabüros. In der Omar- Moschee zu Beirut ist es zu einem Zwischenfall gekommen, als zwei Gläubige unter allgemeiner

Mit Luftwaffe und Ü-Vooten gegen die feindlichen Kriegsschiffe und Transporte vor Aordasrika.

hing, daß über eine große Generaldisposition hin­aus eine ins einzelne gehende Angleichung der offiziellen Zuteilung herbeigeführt wird. Während im Reich der Umfang des illegalen Handels mit Sperrgütern praktisch kaum ins Gewicht fällt, ist es ein öffentliches Geheimnis, daß in zahlreichen an­deren europäischen Ländern der Schwarze Markt fast einen größeren Umfang besitzt als der legale.

Man würde der Sonderzuteilung nicht gerecht, wenn man nicht auch einige Umstände nichtma­terieller Art berücksichtigen würde. In der Aktion feiert eine Arbeit, die von allen vorurteilslosen Menschen als mustergültig anerkannt wird, Me Triumphe. Im Laufe der bald 3/4 Jahre, die seit Inkraftsetzung der Bewirtschaftung knapper ßebens« mittel und anderer Verbrauchsgüter in Deutschland vergangen sind, konnten Erfahrungen gesammelt werden, die es gestatteten, auf eine Erleichterung in der Versorgungslage durch prompte Mehrzutei­lungen zu reagieren. Es kann gar nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, daß im Lebensmittel­sektor auch bei ausgesprochenen Zuschußländern, wie Deutschland und Italien es sind und aller Voraus­sicht nach auch längere Zeit hindurch weiterhin blei­ben «erden, die Versorgung aus eige­ner Erzeugung weitaus den ersten Platz ein- nimmt, und daß es die Leistung der inländischen Produzenten, Verfrachter, Händler und Behörden ist, wenn es gelingt, über das Normalmaß hinaus Son- deruiweisungen vorzunehmen.

Ein weiterer bedeutsamer Umstand ist der, daß für alle Beteiligten sinnfällig der Wandel, der sich in der europäischen Versorgung durchzusetzen be­ginnt, offenbar geworden ist. Der europäische Be° freiunas- und Einigungskrieg, der gegen den angel­sächsischen Kapitalismus und gegen den bolschewisti­schen Umsturz zum siegreichen Ende geführt werden muß, bezweckt auf wirtschaftlichem Gebiet eine reichlichere Bedarfsdeckung durch eine bessere Produktions- und Verteilungs-Ord­nung. Bis in den Herbst hinein hatte es den Anschein, als könne im eigentlichen Kriege ein Aus­gleich zwischen Erzeugung und Verbrauch nur nach unten gesucht und gefunden werden. Nachdem jetzt einer Erhöhung der regulären Zuteilung im Herbst eine namhafte Sonderzuteilung zum Weihnachts- sest gefolgt ist, steht fest, baß Teile des gesteckten wirtschaftlichen Kriegszieles noch vor Beendigung des Wastenaanges verwirklicht werden können.

Die Vorsicht, mit der die amtlichen deutschen Stellen hierbei zu Werke Gegangen sind, bietet Ge­währ dafür, daß der Ausstieg zu besserer Lebens­haltung in ganz Eurova stetig sein wird und Dauer verspricht. Feststellungen dieser Art sind ge­eignet, die hohe Befriedigung, welche die Sonder­zuteilung im deutschen Volke auslösen wird, noch zu steigern.

Neichsmmister Dr. Goebbels empfing die Rschew-Kämpfer.

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels empfing in feinem Ministerium die aus 60 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaf­ten bestehende Abordnung von Frontsol­dat e n , b e sich bei den schweren Abwehrkämpfen von Rschew durch besondere Tapferkeit ausgezeich­net haben. Er dankte ihnen für ihren tapferen Ein­satz und sagte, so wie die Heimat von der Front wünsche, daß sie auch in kritischen Situationen aus­harre und immer wieder das große Ziel vor Augen behalte, genau so könne die Front von der Heimat fordern, daß sie alles tue, was überhaupt nur mög­lich fei, um der Front in der Durchführung des Krieges zu helfen. Jedermann wisse heute, daß wir diesen Krieg gewinnen wer de n und gewinnen müssen. Sonst würden wir aus der Liste der freien Völker ausgelöscht werden. Infolge­dessen gäbe es weder für derr Soldaten an der Front noch für den Volksgenossen in der Heimat eine Möglichkeit, sich den Erfordernissen des Krieges zu entziehen. Reichsminister Dr. Goebbels begrüßte anschließend jeden durch Handschlag und wünschte ihm Freude und Entspannung. Die Abordnung legte am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz nie­der. Eine Werkbesichtigung, eine Stadtrundfahrt mif Führung durch das Reichssportfeld und der Besuch des Wintergartens vervollständigten das Berliner Programm.

Oer Adlerschild für Hermattn Röchling

Der Führer hat dem Hüttenwerksbesitzer Kom­merzienrat Dr. rer. pol. h. c. Dr.-Ina. e. h. Her­mann Röchling in Völklingen (Saar) aus Anlaß der Vollendung feines 70. Lebensjahres den Adler- schild des Deutschen Reiches mit der Widmung

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Die Hauptkräfte der deutsch-talienischen Luftwaffe waren ebenso wie unsere U-Boote auch am 11. November zur Fort­führung des Angriffs auf die britisch-amerikanische Landungsflotte vor Algier angesetzt.

Die Hauptaktionen fanden an zwei weit aus- einanderliegenden Stellen vor der algerischen Küste statt. Die Luftwaffe erzielte ihre Erfolge haupt­sächlich im Golf von Bougie, etwa 180Kilo­meter ostwärts der Stadt Algier, während die U- Boote die feindlichen Marineeinheiten auf der Höhe von Dran, also etwa 300 Kilometer west­lich von Algier, wirksam bekämpften. Der Hafen von Algier und der mit feindlichen Flugzeugen stark belegte Flugplatz Maison-Blanche füh­l'ch der Bucht von Algier waren Ziele weiterer Luftangriffe.

Eine glockenartige Flaksperre lag besonders im Gebiet der Hafenmole von Bougie, wo ein Handelsschiff von etwa 20 000 BRT. gerade anlegen wollte. Aus verschiedenen Richtungen stürzten sich die Kampfflugzeuge auf die Schiffe herab und war­fen ihre Bomben trotz der außerordentlich starken Abwehr aus geringen Höhen. Ein Handelsschiff von etwa 10 000 BRT. wurde von drei Bomben ge­

troffen. Aus der Art der Explosion und der Schnel­ligkeit, mit der das Schiff sank, ist zu schließen, daß es sich um einen Munitionsdampfer gehandelt hat. Die Volltreffer erzielte Major Helbig, Träger des Eichenlaubs mit Schwertern. Zu gleicher Zeit wurde ein Handelsschiff von etwa 6000 BRT. ge­troffen. Zwei öOOkg-Öomben schlugen in das Vor­schiff, es dauerte nur Sekunden, bis auch dieses Schiff versunken war. Ein Flugzeugträger erlitt durch einen Bombentreffer auf das Achterdeck schwere Beschädigungen. Zwei Zerstörer, d e mit hoher Fahrt zwischen den Handels- und Trans­portschiffen Sicherung fuhren, blieben kampfun- fähig liegen. Ein Schwerer Kreuzer erhielt einen Bombentreffer mittschiffs. In der Bucht wurden ferner mehrere weitere Handelsschiffe getroffen und blieben brennend liegen. Dunkle Wolken heftiger Explosionen hüllten die schwer beschädigten Schiffe ein. Aust einem großen Ueberfeebampfer von etwa 25 000 BRT. stieg wenige Sekunden nach einem Volltreffer eine 100 Meter hohe schwarze Wolke aus. Ein Fahrgastschiff von 20 000 BRT. und zwei Handelsdampfer von zusammen 23 000 BRT. wur­den schwer beschädigt.

Dem Pionier des Eisenhüttenwesens, dem Vor­kämpfer der Saar" verliehen. Auf einer Feier der Reichsvereinigung Eisen, der Wirtschaftsgruppe eisenschaffende Industrie und an der Eisenhütte Süd­west des Vereins deutscher Eisenhüttenleute im NSBdT. sprach Reichswirtschaftsminister Funk. Hermann Röchling wurde die Ehrenplakette des Heereswaffenamtes überre cht; ferner übergab ihm der Rektor der Universität Heidelberg eine Ur­kunde, nach der ihm neben feiner Würde eines Ehrendoktors auch noch die eines Ehrensenators der UniDerfität verliehen wurde.

40,76 v H. mehr als im Vorjahr.

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Die am 24. und 25. Oktober von Angehörigen der DAF. durchge- führte 2. Reichs st rahensammlung des Kriegswinterhilfswerkes 1942/43 hatte ein vorläu­figes Ergebnis von 42 377 614,40 RIN. Bei der gleichen Sammlung des Vorjahres wurden 30 106 325,13 RIN. aufgebracht. Die Steigerung be­trägt also 12 271 289,27 RIN das find 40,76 v. h. Auch dieses glanzende Ergebnis ist. wie Reichs­minister Dr. Goebbels in feinem Rechenschaftsbericht anläßlich der Eröffnung des Kriegs-Wiuterhilfs- werkes 1942/43 im Berliner Sportpalast ausführte, ein einzigartiges soziales Abstimmungsergebnis unseres Volkes, das darin feinen festen willen zur Gemeinschaft zum Ausdruck brachte".

Befehle Oarlans gefälscht.

Berlin, 12. Nov. (DNB.) Ein neuer infamer Bubenstreich der Amerikaner und Engländer zeigt, wie wenig sie trotz der bombastischen agitatori­schen Ausschlachtung des UeberfaUs auf Französisch- .Nordafrika ihrem eigenen Können zutrauen. Ad­miral Dar!an ist in Nordafrika in ihre Hand ge­fallen. Nun geben englische und amerikanische Stel­len in Sarians Namen Erklärungen und Befehle aus, die der französische Admiral niemals gesehen und noch viel weniger gebilligt hat. Der Zweck dieser Machenschaften ist allzu durchsichtig. Sie wollen den Widerstand der französischen Truppen, der trotz mehrfacher lieber- macht der Invasoren an wichtigsten Punkten noch nicht zum Erliegen gekommen ist, lähmen und in die Bevölkerung Französisch-Nordafrikas Verwirrung und Unsicherheit tragen. Offenbar haben sie solche Mittel, die ganz der hinterhältigen Kampfesweise unserer Feinde entsprechen, dringend nötig.

Marschall PStain hat im Anschluß an eine Sitzung des französischen Ministerrats in Vichy am Mittwoch der Haltung der französischen Truppen in Afrika Anerkennung gezollt und erklärt, daß der Marschall und die Regierung darauf rechnen, daß die französischen Truppen bis zur Grenze ihrer Kraft im Interesse Frankreichs und des Imperiums ihren Kampf fort fetzen.

Ruhe und mit erhobener Stimme GottesSegen auf Rommel herabflehten. Beide Araber mür­ben nach dem Verlassen der Moschee verhaftet.

Attentatsversuch gegen den britischen Befehlshaber in Iran.

Sofia, 12.Nov. (Europapreß.) In Teheran ist auf General Wilson, den Befehlshaber der 10. britischen Armee, ein Anschlag versucht worden. In dem Panzerauto des Generals wurde, während es am Garteneingang des britischen Hauptquartiers in Teheran stand, eine Höllenmaschine untergebracht, die aber in einem Augenblick explodierte, als sich General Wilson nicht im Wagen befand. Die beiden Mechaniker, die das Auto überholt hatten, wurden verhaftet. Es sind z w e i I n d e r, die dem Personal des Generals vor einem Monat zugeteilt wurden. Sie werden beschuldigt, Mitwisser des Attentats zu fein. Die Rädelsführer werden unter den indischen Soldaten der 10. Armee gesucht.

Schwierige LelsorgungSlage der Türkei.

Ankara, 12. Nov. (Europapreß.) Der türkischen Nationalversammlung berichtete Ministerpräs^ent Saracoglu über die Versorgungs- und Wirt­schaftslage der Türkei. Er betonte, daß die Kriegs­auswirkungen immer stärker geworden feien. Die Vorräte habe man aufgebraucht, und das Land müsse angesichts sinkender Einfuhren und steigender Preise im wesentlichen aus der eigenen Er­zeugung leben. Die bisherigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise und Sicherung der Versorgung hätten sich als unwirksam erwiesen. Als besonders schwierig bezeichnete Saracoglu die Getreidelage, ferner herrsche vor allem Man­gel an Olivenöl. Der Ministerpräsident kün­digte zur Bekämpfung der Inflation neue Steuern an und appellierte an die Nationalversammlung, die Maßnahmen der Regierung zu unterstützen.

Tlelson und Knox

fordern Arbeitssteigerung.

Lissabon, 13. Nov. (Europapreß.) Der ame­rikanische Rüstunasdittator Donald Nelson for­derte in Neuyork die amerikanische Arbeiterschaft zur Intensivierung ihrer Arbeit auf. Nelson erklärte, jeder USA.-Arbeiter müsse angesichts der deutschen Zähigkeit in der Arbeit sein Aeußerstes hergeben Auch Marineminister Knox verlangte von den amerikanischen Arbeitern eine Leistungssteigerung von wenigstens 20 v. H. Es müsse eine bessere Arbeitsplanung eingeführt und gegen jede Nachlässigkeit scharf trorgegangen wer­den. Der Senatsausschuß, der das Kriegsprogramm für die Arbeitsgesetzgebung prüft, sprach sich gegen einen gesetzlichen Zwang für die Arbeitskräfte aus.

Kleine politische Nachrichten.

Die im Juni 1942 aus Paris ins unbesetzte Frankreichausgewichenen" Pariser Tageszeitungen Paris Soir" undJournal" haben ihr (Er- scheinen eingestellt. Man erwartet, daß das Erscheinen auch aller übrigen damals ins un­besetzte Gebiet verlegten Pariser Blätter aufhoren wird.

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Der dänische Reichstag hat dem Kabinett Scave» nius die Ermächtigung zum unmittelbaren Erlaß von Bestimmungen zur Aufrechterhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit in Dänemark erteilt. Im Folketing erfolgte die Annahme einstimmig mit 104 Stimmen bei einigen wenigen Enthaltungen, im Landsting einsttmmig mit 54 Stimmen.

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Als ,-Sühnemaßnahme" für die angeblicheEr­mordung" von vier britischen Beamten, die bei den Unruhen in Chimur im Distrikt Chanda im August dieses Jahres zu Tode kamen, verurteilten die bri­tischen Behörden in Nagpur 20 Inder zum Tode und 26 zu lebenslänglicher Deportation.

Kunst und Wissenschaft.

Zum Tag der deutschen Hausmusik.

Dem Tag der deutschen Hausmusik am 14. Novem­ber hat der Präsident der Reichsmusikkammer, Prof. Dr. Peter Raabe das folgende Geleitwort gewidmet: Im Kampf gegen den Bolschewismus erleben unsere Soldaten, zu welchem entsetzlichen Ende eine Politik führt, die die ursprünglichen Ge­gebenheiten des menschlichen Gemeinschaftslebens verleugnet. Eine planmäßige Ausrottung der Fa­milie muh notwendigerweise zum Verlust des völki­schen Eigenlebens und weiter zu allgemeinem tul-

Zehn LahreTag der deutschen Hausmusik".

Von Professor Hermann Abendroth.

Im November 1942 sind zehn Jahre vergangen, seit der Tag der deutschen Hausmusik erstmalig gefeiert wurde. Es wird schwer, sich bei einem Rückblick in die Gedankenwelt der Jahre vor 1933 zurückzufinden. Man sprach damals von den Einflüssen der Wirtschaftskrise auf die Musik- pflege" und suchte z. B. den Grund zumUeberdruß an der Musik" in der einseitigen Bevorzugung des Sportes, in dem Umsichgreifen der mechanischen Musik und in vielerlei anderem. Die eigentliche Ursache, die politische und völkische Zerrissenheit, sahen nur wenige. Der ersteTag der deutschen Hausmusik", am Vorabend der großen deutschen Revolution, fiel zwar in Not- und Kampfzeit, uns aber wirkt er heute wie ein Signal für die kultu­relle Erhebung, die dann mit dem 30. Januar 1933 ihren Anfang nahm. Die Verbundenheit der Haus­musikidee mit dem kulturellen Aurbauplan des Drit­ten Reiches geht aus der Tatsache hervor, daß Reichsminister Dr. Goebbels in einem Erlaß zum 21. November 1933 zur Pflege der Hausmusik auf­rief und damit Veranlassung für weitere Erlasse der einzelnen Landesministerien gab. Der neue Staat setzte die Familiengemeinschaft wieder an den An­fang des völkischen Sehens; auch die Musik mußte von hier ihren Ausgang nehmen. Sollte für die großen Konzerte, die der repräsentative Ausdruck des künsllerischen Hochstandes unseres Volkes sind, auch eine verständnisvolle Zuhörerschaft gewonnen werden, ließ sich dies nur über den Weg einer musikalischen Laienerziehung, wie sie die Haus­musikpflege bringt, erreichen. Durch die nachdrück­liche Beteiligung der Schulen kann man den Haus­musiktag 1933 alsMarkstein in der Entwicklung zwischen Schule und Prrvatmusiklehrerschaft" an- sprechen.

Beinahe für jeden Hausmusiktag ließe sich ein neues Ergebnis anführen, das dem folgenden Haus­musikjahr die Richtung weist. Die Feierform im Bach-Händel-Schütz-Iahr 1935 bekundete den Anteil

des Volkes und feiner Führung an der Sache der deutschen Hausmusik auf das Eindrucksvollste. Reichsminister laden am Hausmusiktag zu Musik­abenden in ihr Heim ein, der Führer selbst wohnt im Hause des Reichsinnenministers dem Abend bei. In Amtsgebäuden und Diensträumen wird musiziert, denn staatliche und städtische Stellen haben Eltern und Kinder wie zu fröhlichen Familienfeiern zusammen­geführt. Die Wochenschau im Filmtheater zeigt Bilder häuslichen Musizierens, der Rundfunk bringt Hörberichte, auf der Straße an den Anschlagsäulen wirbt das große Plakat mit dem Bachkopf. Die Pflegestätten der Musik gehen beispielhaft voran:. Hochschulen, Konservatorien, Musikschulen stellen ihre Kräfte in den Dienst der Sache. Musikverlag und Musikalienhandlung, Musikgewerbe und Jn- dustrie greifen die Idee der Hausmusik auf und helfen tätig an ihrer 'weiteren Verbreitung mit. War 1936 der Anschluß an die sportbegeisterte Ju­gend gefunden, so brachte das Jahr 1937 eine große und erfolgreiche Werbemahnahme der Hitler-Jugend für den Jnstrumentalunterricht. Eine Entwicklung kam zum Abschluß, die den Hausmusikgedanken über den Berufsstand des Musikerziehers hinaus eingepflanzt hatte in unsere großen Dolksorgani- sationen; .die Verbindung mit der Partei, der Hit- ler-Iugend, der Frauenscyast^ mit der Deutschen Ar­beitsfront und ihren Gemeinschaftswerken war be­festigt. Und so ist 1938 Wirklichkeit geworden, daß alle musikfreudigen Deutschen sich vereinigen, um aus dem Hausmusiktag ein Volksfest deut­scher Musikpflege zu gestalten, seit der Heim­kehr alter reichsdeutscher Länder wieder eine ge­samtdeutsche Feier.

Der Hausmusiktag 1940 hat erstmalig als leitende Idee für die Programmgestaltung des Hausmusik- schaftens eines großen deutschen Meisters voran- gestellt: Franz Schubert. Dem entsprach es, daß die Schubertstadt Wien sich die Ausgestaltung des Hausmusiktages in besonderem Maße angelegen sein ließ. An das reiche hausmusikalische Vermächt­nis Mozarts mahnte uns sein 150. Todestag; Salz- bürg, die Geburtsstadt, stand im Mittelpunkt der Hausmusikfeiern 1941 und verband auf das glück­lichste die Leistungen einer traditionsbewußten Gegenwart mit der Vergangenheit, die aus falt jedem Bauwerk der Mozart-Stadt den Besucher mit

lebendiger Erinnerung anspricht. Das Leben und Werk Joh. Seb. Bachs erscheint uns als reinste Verkörperung deutscher Hausmusikgesinnung, in seinem Zeichen steht die 10. Wiederkehr des Tages der deutschen Hausmusik. Die Kunstvflege gehört so notwendig zu unserem nationalen Leben wie Poli­tik und Wirtschaft! Diese Erkenntnis, von d-en füh­renden Männern des Reiches immer wieder ausge­sprochen, ist zum allgemeinen Besitz des Volkes ge­worden.

Ein wohl formiertes Familienkonzert."

Von Professor Dr. Hans Joachim Moser.

Insgesamt aber fin (meine Kinder) geborene Musici und kann versichern, daß schon ein Konzert oocaliter und instrurnentaliter mit meiner Familie formieren kann, zumal da meine itzige Frau einen sauberen Soprano finget, auch meine älteste Toch­ter nicht schlimm einschläget." So schrieb der Leip- zvger Thomaskantor Johann Sebastian Bach Anno 1730 dem Jugendfreund Erdmann nach Dan­zig. Ist es nicht sinnvoll, daß gerade dieser Meister des ^amillenkonzerts, dessen kleine Söhne damals zehn und sechs Jahre Zählten, aber auch schon wacker ihren Mann im Kreis der häuslichen Musi­kanten rings ums Cembalo stellten, Heuer zum Schutzpatton des Tages der deutschen Hausmusik bestimmt worden ist? Wieviele köstliche Werke von unvergänglicher Geltungskraft hat er dem intimen Muftkmachen feiner Nachfahren beschert: die In- ventionen und Klaoierfuiten, Flöten-, Violin-, Cello- und Oambenfonaten, Lieder, die Cembalotokkaten und das wohltemperierte Klavier, die Lautenwerke, ja sogar die Violin- und die Cembalokonzerte hat er noch für den Kimmergebrauch bestimmt, die Brandenburgischen Konzerte und die herrlichen Or- chesterouvertüren sowie manche Solokantate.

Und wenn man heute in den Nachbildungen seines Notenbüchleins für die junge Gattin Anna Magda­lena Bach blättert, so sieht man im Geist den ge­waltigen Meister in traulicher Zweisamkeit mit feiner Eheliebsten freudig und behutsam lauschen, wenn sie chm winzige Märsche, Menuette und

Arien, die er nur für sie zunächst beftimmt hat, am winzigen Clavichördchen vorspielt. Das ist idealste Hausmusik gewesen kein kühnes, fachliches sich Produzieren in der krittschen Oeffentlicykeit, sondern ein sich Aussprechen von Herz zu Herz in bescheide­nen Grenzen und doch mit hoher Leistungsqualität, ein nach innen Lauschen auf den Geist der deutschen Musik, der auch in wenigen bescheidenen Noten­linien Hochbedeutsames zu sagen weiß!

Das war ein Vorbild für alle späteren Zeiten, von solcher ftillen Hebung, ob sie von den Eltern oder Kindern, ob sie als kleiner Singtreis oder als KammermusikkränzleiN- zwischen dem Prioatmusik- lehrer und seinen Schülern oder zwischen Freunden und Kollegen aus Laienkreisen sich vollzieht, kann unendliche Beseelung und Beglückung für jebes Haus ausgehen. Nicht zuletzt in den Schulen und Heimen der Jugendbünde, überall, wo Menschen unseres Volkes beisammen sind, die noch nicht Den Sinn für das verloren haben, roojür man etgent- üch auf der Welt ist, vermag em gemeinsames Lied, ein Zuhören bei wertvollem Instrumenten- spiel Feiertägliches an Stimmung zu schaffen- Labet ist es besonders wichtig, einmal nicht nur zuzuhören, was fertig und virtuos von Radio und Schallplatte geliefert wird, sondern mit wackerem Bemühen selbst zusammertzubringen, westen man fähig ist das schärft zugleich das Ohr für die hohen Genüsse der Kunstmusik, wie sie Oper und Konzert, Rund- funk und Grammophon uns darzubieten vermögen. Kein zwettes Musikoolk der Welt hat sich so wie das deutsche die Fähigkeit bis heute erhalten, die Gemütswerte der Hausmusik zum Singen unb Klingen zu bringen der alljährliche Cäcilientag bietet erwünschten Anlaß, dies unser Können wie­der einmal unter Beweis zu stellen und versteht in uns die Lust wachzuerhalten, die noch im be­scheidensten Selbstmusizieren steckt. Ob Luther oder Goethe, Bismarck oder Mvltke, sie alle haben die Werte eines kleinen Hauskonzerts hochgeschätzt, und wir alle wollen dazu helfen, daß in unseren Enkeln und Urenkeln noch diese Fähigkeit weiterlebe. Wie es im siebzehnten Jahrhundert ein deutscher Spiel» mann, der Lübecker Ratstrompeter Gabriel Voigt« länder, vor dem Dänenkönig gesungen hat:

O Musica, du edle Kunst bist würdig aller Ehr und Gunst!"

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