Mexiko den Frieden, der Mexiko Texas und seine ganzen nördlichen Provinzen an der pazifischen Küste, darunter das von der Natur besonders reich gesegnete Kalifornien kostete gegen eine jämmerliche Entschädigung von 15 Millionen Dollar. Moch heute erinnern Städtenamen wie San Franzisko, Los Angeles, Santa Fe, San Diego, Sacramento, San Antonio, San Josö daran, daß nicht der Rio Grande die historische Grenze zwischen anglo- und ibero-amerikanischer Welt ist.
Wir sind auf diesen Krieg, der am Anfang der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko steht, näher eingegangen, weil er eine in vielen Jahrzehnten durch vielerlei Zwischenfälle immer wieder genährte, tief wurzelnde Feindschaft zwischen beiden begründet hat und weil er zeigt, daß den Nordamerikanern, die sich in der überheblichen Pose des selbstgerechten Puritaners gefallen, dem die Kriege der europäischen Mächte ein moralischer Greuel sind, schon vor hundert Jahren kraß imperialistische Eroberungen größten Stils keineswegs fremd waren. Der verlorene Krieg machte dem Versuch des kraftvollen Santa Anna, das Land durch die Schaffung einer starken Zentralgewalt zu konsolidieren, endgültig ein Ende. Mexiko verfiel in der Folge revolutionären Zuständen, die es in Gesetzlosigkeit und Bankrott stürzten und damit nun auch andere Mächte auf forderten, sich durch eine Einmischung in die mexikanischen Wirren politische und wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Die bekannteste dieser blutigen Interventionen ist die Napoleons III., der, um den illegalen Ursprung seiner Herrschaft durch den Ruhm außenpolitischer Erfolge vergessen ,zu machen, Mexiko mit Waffengewalt unter französisches Protektorat zu bringen suchte. Wie als sein Geschöpf Maximilian von Oesterreich als Kaiser von Mexiko sich gegen Jua- rez, den Präsidenten indianischen Bluts, nicht zu behaupten vermochte, wie seine Herrschaft, von den Franzosen schmählich im Stich gelaßen, schnell zu- fammenbrach und der Kaiser mit seinen letzten Getreuen in Queretaro gefangen genommen und füsiliert wurde, ist bis heute Gegenstand zahlreicher Abhandlungen, Romane und Dramen geworden.
Juarez (1867—72) und vor allem sein Nachfolger Porfirio Diaz (1877—1911) haben dann in der langen Aera eines aufgeklärten Despotismus, der später einem zwar immer noch straffen, aber gesetzmäßigen Regiment Platz machte, dem Lande eine lange Epoche der Ruhe und des Aufstiegs zu sichern gewußt und vieles nachgeholt, was in der Zeit ständiger Revolutionen und Pronunziamientos versäumt worden war. Diaz ermunterte damit auch fremdes Kapital, sich an der Erschließung der großen wirtschaftlichen Reichtümer des Landes zu beteiligen, gab aber damit Anlaß zu neuen Verwicklungen, als er es wagte, neuentdeckte Oellager an die englische Pearson-Kompanie statt an den nordamerikanischen Standard Oil Trust zu vergeben und der aleichen Gesellschaft eine Bahnkonzession durch die Landenge von Tehuantepec einzuräumen. Das verzieh man dem Diktator in Washington und Wall- stveet nicht. Die Pankees finanzierten den Aufstand des Generals Madero, dem es nun zwar 1911 gelang, Diaz zur Abdankung zu zwingen, der sich selbst aber nicht durchzusetzen vermochte und 1913 erschossen wurde. Sein Gegner Huerta trat als Präsident an die Spitze des Staates, fand aber keine Gnade in Washington. Wilson, damals Präsident, der Vereinigten Staaten, begünstiate Earranza und ließ nach einem bedeutungslosen Zwischenfall Verakruz durch nordamerikanische Marinesoldaten besetzen. Erst nach der Abdankung Huertas kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Verakruz wieder geräumt. Aber Earranza wollte keineswegs nun Präsident von der Gnade Washingtons sein. Er beschritt im Weltkrieg durchaus eigene Wege und verstand es trotz allen Druckes, der von den USA. und England auf ihn ausgeübt wurde, Mexiko aus dem Weltkrieg herauszuhalten und feiner Politik eine betont deutschfreundliche Note zu geben, was 1917 sogar zum Abbruch der Beziehungen zu England führte, die erst 1925 wieder ausgenommen wurden. Inzwischen war Earranza durch eine Revolution gestürzt worden. Aber auch die folgenden Präsidenten Obre» gon, Calles und Cardenas blieben der außenpolitischen Linie Carranzas treu.
Carranzo hatte im Jahre 1917 dem Lande eine neue Verfassung gegeben, die in ihrem Artikel 27 nur Mexikanern von Geburt oder durch Naturalisierung das Recht auf Landerwerb einräumte. Carranza selbst hatte noch durch die Enteignung des ländlichen Großgrundbesitzes und die Schaffung bäuerlicher Erbhöfe, Calles durch die Enteignung des Kirchengutes die Bodenreform in Mexiko vorangetrieben, Cardenas blieb die schwierige Aufgabe, das fremde Finanzkapital aus der Industrie auszuscbalten. Unter der Losung „Mexiko den Mexikanern erklärte Cardenas im März 1938 das gesamte Erdölvorkommen des Landes und seine Ausbeute wie alle übrigen Bodenschätze zum National-
Wandlungen der (Seestrategie.
Tokio, 13. Juni. (Europapreß.) Auf die Wandlungen, die die Seekriegfübrung im jetzigen Kriege gegenüber früheren Auffassungen durchgemacht hat, verweist Konteradmiral Nakajima in der Zeitung „Asahi Shimbun". Nach bisheriger Auffassung sei Sieg oder Niederlage im Seekrieg von dem Einsatz des Flottengros abhängig gewesen. Dieser Gesichtspunkt sei z. B. im russisch-japanischen Krieg maßgebend gewesen für den Entschluß des japanischen Flottenchefs, Admiral Togo, den ersten Angriff gegen die russischen Flotte m i t einem Linienschiffsgeschwader durchzuführen und nicht mit Panzerkreuzern, um die Hauptmacht des Feindes selbst auf die Gefahr eigener Verluste hin zu vernichten. Im gegenwärtigen Kriege habe es praktisch keine entscheidende Schlacht nach alten Begriffen zwischen den Hauptkräften der gegnerischen Flotten gegeben. Dennoch habe Japan die Seeherrschaft im Pazifik erobert. Die japanische Marine habe die feindlichen Großkampfschiffe nacheinander einzeln zerstört, ohne hierbei ihre eigenen. Schlachtschiffe und Schlacht
kreuzer einzusetzen. Dieser Erfolg sei nicht nur der überragenden Strategie zu verdanken, sondern auch der Ueberlegenheit der kleineren Fahrzeuge und der Kampfkraft der japanischen Marineluftwaffe, die den Gegner in Einzelangriffen schwächten ohne ihm Gelegenheit zu geben, feine volle Stärke zu konzentrieren. In der Seeschlacht bei Midway verfolgte die japanische Flotte eine überaus kühne Strategie im Gegensatz zur landläufigen strategischen Auffassung, die vor Versuchen warnt, eine feindliche Flotte anzugreifen, die von einer Luftflotte mit Stützpunkten auf Land gedeckt wird. Gestützt auf die bisherigen Erfahrungen wurde der Angriff dennoch unternommen, weil sich hier eine glänzende Gelegenheit bot, dem Gegner empfindliche Schäden zuzufügen. Dieser kühne Handstreich wurde mit der Versenkung zweier feindlicher Flugzeugträger bezahlt. Die Tatsache, daß die japanische Flotte im bisherigen Kriegsverlauf zahlreiche Jnsel- stützpunkte des Gegners nacheinander einnehmen konnte, sei eine Folge der Vernichtung eines großen Teiles der nordameriikanifchen Flotte.
Das Aleuten-Llniemehmen.
Von unserem Dr. Abs.-Korrespondenten.
T o k i o, im Juni 1942.
Weshalb sich die japanische Besetzung von Inseln der Aleutengruppe vorläufig auf deren wesüichen Teil beschränkt, während die Japaner sich in Dutch Harbour mit Zerstörungen der dortigen militärischen Anlagen begnügten, ist unschwer aus der militärgeographischen Lage sowie aus der strategischen Absicht des Unternehmens zu erklären. Es handelt sich in erster Linie darum, die Benutzung der Aleuten durch die nordamerikanische Marine und Luftwaffe alsAngrifssbasis gegen das nördliche Japan zu verhindern und Äeichzeitig das amerikanische Bestreben, auf der Westseite des Bering-Meeres auf sowjetrussischem Boden Fuß zu fassen, zu durchkreuzen. Diese strategische Zielsetzung war in dem Augenblick erreicht, da Japan festen Fuß auf einem Teil der Inselkette gefaßt hat. Die Verwendung des Stützpunktes Dutch Harbour zu offensiven Unternehmungen gegen Japan ist damit ebenso ausgeschlossen wie die Verbindung nach Kamtschatka und Sibirien, da dann auch die wegen ihrer polaren Lage praktisch geringwertige Route von Nome über Anadry durchschnitten ist.
Auf der anderen Seit ist es klar, daß die Besetzung von Dutch Harbour die japanische Wehrmacht im gegenwärtigen Stadium vor schwierige Probleme stellen würde. Es ist schwer festzustellen, wie stark die Befestigungen Dutch Harbours im Augenblick sind, da nicht zu übersehen ist, w'e weit das im Sommer 1941 beschlossene Programm zur Verstärkung dieses Kriegshafens, der sich speziell auf die Verbesserung der Dockanlagen für Unterseeboote erstreckte und auf 13 Millionen Dollar bemessen war, bereits vorgeschritten ist. Ebenso ift nicht bekannt, welche weiteren Maßnahmen die nordamerikanische Kriegsleitung bei Ausbruch des
Ostasienkrieges dort ergriffen hat. Wichttger aber ist, wie weit der Ausbau der Luftstützpunkte gediehen ist, die von amerikanischer Seite auf dem Festland von Alaska in den letzten Jahren errichtet worden sind und die durch eine zusammenhängende Kette von Stützpunkten über Sitka und kanadisches Gebiet bis Seattle verbunden sind. Es ist kaum zu bezweifeln, daß von amerikanischer und kanadischer Seite gerade unter dem Eindruck der schweren Niederlage bei Pearl Harbour zu Kriegsbeginn alle An, strengungen gemacht worden sind, um dieses Stützpunktsystem zu verstärken und mit starken Einheiten der Luftwaffe auszurüsten. Alle Seekämpfe seit Beginn des Ostafienkrieges haben aber gezeigt, daß das Eingreifen von auf Landbasen gestützten Flugzeugen in Kämpfe zwischen Schiffen oder zwischen Schiffen und Landbefestigungen die Gegenseite in eine unvorteilhafte Lage bringt. Der Sprecher der japanischen Marine, Kapitän Hiraide, hat bei seiner Erläuterung der Seekämpfe bei den Mid- ways darauf hingewiesen, daß der japanische Oberkommandierende, Wmiral V a m a m o t o , weil in diesen Kämpfen das strategische Ziel der Ablenkung der feindlichen Flotte von den Aleuten und der Zerschlagung des feindlichen Flugzeugträgeroerbandes es erforderte, diesen Nachteil in Kauf nahm. Auf den Aleuten aber lag eine solche strategische Notwendigkeit, wie bereits erläutert, nicht vor. Die Japaner können es der Zukunft überlassen, ob ein Vordringen gegen Dutch Harbour zur noch akttveren Bedrohung der nordamerikanischen Westküste wünschenswert erscheint. Sie werden dann aber, wenn sie auf den westlichen Aleuten festen Fuß gefaßt und ihre eigene Bodenorganisatton dort ausgebaut haben, den feindlichen Luftstreitkräften mit gleichen Waffen entgegentreten können.
und die zahlreichen Emigranten, die in Mexiko bereitwillig Unterschlupf gefunden haben. Mexiko stand ja schon während des spanischen Bürgerkrieges unter dem Einfluß marxistisch-kommunistischer Ideen aanz im Lager des Bolschewismus und der mit rhm verbündeten Demokratien. Allein 30 000 Rotspanier sind nach Mexiko geflüchtet und haben hier ihren Einfluß als Parteigänger der Vereinigten Staaten und Englands in die Waagschale geworfen. Noch heute hat Mexiko die Regierung Franco nicht anerkannt. Wenn trotzdem die Beziehungen zu Deutschland lange Zeit korrekt blieben, so wurde das an- ders, als mit dem Präsidenten Camacho der neue Außenminister Padilla sein Amt antrat und die Außenpolitik Mexikos ganz in das Fahrwasser Washingtons steuerte, mag dies auch der großen Masse des mexikanischen Volkes von ganzem Herzen zuwider sein. So wird berichtet, daß die Mexikaner die Nachrichten von der Katastrophe des nord- amerikanischen Geschwaders in Pearl Harbour ZU Beginn des pazifischen Krieges mit unverhohlener Genugtuung aufgenommen hätten. Aber auf die Volksstimmung braucht der herrschende Klüngel in einer Demokratie keine Rücksicht zu nehmen. So wurde Mexiko von ein paar ehrgeizigen Politikern den Vereinigten Staaten ausgeliefert. Der Dollarimperialismus in der biederen Maske des „guten Nachbarn" triumphiert, und das mexikanische Volk wird einmal die Rechnung für eine Politik bezahlen müssen, die sowohl feiner geschichtlichen Tradition wie seinen wohlverstandenen Interessen Hohn spricht.
Dr. Fr. W. Lange.
päischen Märkte ging der mexikanische Oelexport auf ein Siebentel seines Wertes von 1937 zurück. So ließ sich Präsident Cardenas zu Sonderabmachuugen mit einzelnen Erdölgesellfchaften herbei und ließ auch einen Schiedsspruch des Obersten Gerichtes zu, der erhebliche Entschädigungen für enteignete Jn- dustriewerke und ßäniiereien vdrsah. Das Geld zur Bezahlung dieser Entschädigungen hatte Mexiko freilich nicht. Da sprang Roosevelt als „guter Nachbar" ein, griff tief in die Tasche und gewährte Mexiko eine Anleihe von 30 Millionen Dollar, die dazu helfen sollten, die Entschädigung an die Oel- gesellschaften zu zahlen. Weitere 30 Millionen Dollar sollen für eine Reform des mexikanischen Heeres verwandt werden, und -in einem Handelsvertrag versprach Mexiko, seine Ausfuhr nur noch nach amerikanischen Ländern zu richten, womit Japan von dem mexikanischen Oelmarkt ausgeschlossen wurde. Mit diesen Abmachungen vom 19. Dezember 1941 war nicht nur der Oelkonslikt beigelegt, Mexiko war auch in die Aggressionspolitik Roosevetts eingespannt. Es war das Werk des neuen mexikanischen Präsidenten Camacho, der im November 1940 aus Cardenas gefolgt war und mit diesem Abkommen Mexiko in den Krieg hineingesteuert hat.
Die soeben auf dem Umweg über nordamerika- nische Konzentrationslager aus Dtexiko zurückgekehrten deutschen Journalisten berichten freilich, daß schon unter Cardenas eine systematische Hetze gegen die autoritären Mächte eingesetzt hatte, genährt vor allem durch die nordamerikanisch-britische Agitation
Die Daiumsgrenze.
Die Japaner verweisen darauf, daß die großen See- und Luftkämpfe, die sie im Juni ausgefochten haben, schon jenseits der „Datums- grenze" liegen und daß sich die Tätigkeit ihrer Kriegsflotte künfttg noch mehr auf den östlichen Teil des Stillen Ozeans erstrecken wird. Was versteht man nun unter der Datumsgrenze? Die Erde dreht sich im Laufe des Tages einmal um sich selbst. Wer einmal um die Erde herumfährt, gewinnt oder verliert darum einen Tag, je nachdem er nach Osten oder nach Westen seine Reise um den Planeten ausführt. Aus der geschichtlichen Entwicklung der Seeschiffahrt ergab sich die historische Datumsgrenze dort, wo die Spanier vom Osten und die Holländer vom Westen im Sttllen Ozean zusammentrafen. Diese historische Datumsgrenze schloß auch noch die Philippinen ein. Aus praktischen Gründen wurde — besonders da auch das spanische und zum Teil das holländische Kolonialreich zerfielen — die nautische Datumsgrenze im allgemeinen auf den 180. Längengrad (östlich und westlich von Greenwich gerechnet) verlegt. Nur die West-Aleuten, auf denen die Japaner jetzt Landungsoperationen ausgeführt haben, gelten als jenseits der Datums» grenze liegend, obwohl sie teilweise diesseits des 180. Längengrades liegen.
Bündnisvertrag zwischen Großbritannien und der Sowjetunion.
Berlin, 12. Juni. (DNB.) Gelegentlich eines Besuches Molotows in London ist zwi- schen der Sowjetregierung und der englischen Regierung ein Vertrag abgeschlossen worden, der die oekannten Bündnisverpflichtungen erneut unterstreichen soll. Im einzelnen ist, wie verlautet, zwischen den beiden Regierungen beschlossen worden, sich gegenseitig zu unterstützen, keinen Sonderfrieden ohne gegenseitige Befragung abzuschließen und für einen Zeitraum von 20 Jahren gegen die Achsenmächte und ihre Verbündeten zusammenzuarbeiten. Ferner ist zur Täuschung der Weltöffentlichkeit die in solchen Fällen bei den Sowjets übliche Versicherung aufgenommen worden, daß die beiden Staaten keine territorialen Vergrößerungen anftreben und sich nicht in die inneren Verhältnisse anderer Staaten ein mischen wollen.
Vier USA.-Flugzeuge in der Türkei notgelandet.
Istanbul, 13. Juni. (DNB. Funksprucb.) Am Freitagmittag sind drei große viermotorige U S A. - Militärflugzeuge- die chinesische Ho« deitszeichen trugen, auf dem Flugplatz von Ankara und eines in Arisiye bei Abapazar notgelandet. Die Besatzungen wurden interniert. Es soll sich um Flugzeuge handeln, die aus Sewastopol geflüchtet sind. Beim Ueberfliegen des türkischen Kriegshafengebietes und der LuftsperrzonS von Jzmit wurden die Flugzeuge von der türkischen Flak beschossen.
Weitere Fortschritte der Japaner in der Provinz Kiangsi.
Tokio, 12. Juni. (Europapreß.) Die japanische Angriffsbewegung in der Provinz Kiangsi hat wei-
eigentum. Das bedeutete die entschädigungslose Enteignung der im ausländischen Besitz befindlichen Oelquellen und Jndustriewerke. England reagierte darauf sofort mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Aber die Vereinigten Staaten, deren Verhältnis zu Jberoamerika seit der Panamerikanischen Konferenz von Buenos Aires im Dezember 1936 von Roosevelt auf die Politik des „guten Nachbarn" abgestellt worden war, schlossen sich dem britischen Vorgehen nicht an, boten vielmehr nach einigen scharfen, aber wirkungslosen Protesten gegen das mexikanische Enteignungsgesetz ihre Hilfe an, als Mexiko durch den als Druckmittel über die Erdölausfuhr des Landes verhängten Boykott der großen Oelgesellfchaften in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Erdöl spielt neben Silber die größte Rolle im Außenhandel des Landes. Die Erdölpro- buftion ging gewaltig zurück, aber Washington verachtete auf das naheliegende Druckmittel einer Einstellung feiner Silberankäufe, die es im übrigen auch für die Unterstützung Dschiangkaischeks brauchte, denn Chinas Währung beruht auf Silber, und die Stützung des Tschungking-Dollars konnte nur durch die Silberankäufe in Mexiko geschehen.
Wenn deshalb Mexiko auch vor den schlimmsten Folgen seiner Nationalisierungspolitik für den Außenhandel bewahrt blieb, so blieb doch die Sorge um den Abtransport des Erdöls, für den den Mexikanern die eigenen Tanker fehlten. Die Hoffnung, daß die europäischen Großmächte ihren Oel- bedarf durch eigene Tanker deckten, zerschlug der Ausbruch des Krieges. Durch den Verlust der euro-
Briefe in Barelros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Es ist dieser blödsinnigen Kette wegen, nicht wahr?" fragt er vorsichtig. „Es war zu dumm von mir, daß ich überhaupt davon angefangen habe."
„Es ist albern von mir", sagt Katta nach ein paar Sekunden Stille. „Sie dürfen mich nicht mißverstehen. Wenn ich es einem Menschen gönne, einen Schmuck von Detlev Nehl zu tragen, bann ist es Ihre Schwester. Man kam; von einem Künstler nicht verlangen, daß er Geschäftsmann ist. Aber wie soll Detlev es je zu etwas bringen, wenn er die Hälfte feiner Arbeiten verschenkt? Er spricht immer von einer gemeinsamen Zukunft, aber er tut nichts, um eine Grundlage dafür zu schaffen."
Die Dunkelheit macht sie offenherzig. In diesem Augenblick empfindet sie Gerd mehr als Detlevs Freund, als daß sie den eigenen getreuen Anbeter in ihm sieht, und ihr Gefühl hat recht. Gerd fühlt sich geehrt durch ihre Aufrichtigkeit und zugleich berufen, den Abwesenden zu verteidigen.
„Sie sollten ihn heiraten. Wenn Sie nämlich seine Frau wären, dann würden Sie viel eher die innerliche Berechtigung fühlen, ihre Wünsche zu äußern. Und Detlev würde sie erfüllen — ganz zweifellos. Sie würden nicht mehr von ihm verlangen, daß er alles errät. Er ist eben nicht der Mann danach. Und Sie sind nicht die Frau für... für eine solche Lage."
„Sie sind doch eigentlich ein goldiger kleiner Kerl, Gerd!" Einen Augenblick spürt er den festen Druck der schmalen Hand, und hört das leise Lachen in ihrer Stimme. ,Aber Sie dürfen nicht leichtsinnig spielen."
, „Genau wie Irmela!" lacht Gerd. „Wirklich, ich bin gar nicht so leichtsinnig. Wir spielen immer in
demselben kleinen Kreis. Und dasselbe Geld geht hin und her. Ich kann es schließlich nicht in der Tasche behalten, wenn ich es den andern abgenommen habe. Das ist mir peinlich."
„Aber keinem der andern würde es peinlich fein, das Geld zu behallen, das er Ihnen ab genommen hat. Sie sind viel zu sauber für die ganze Gesellschaft. Glauben Sie, daß sich Borckmann ein Gewissen daraus machen würde? Und er ist vielleicht noch der Beste. Sie sagen: immer derselbe kleine Kreis. Aber was ist das für ein fremder Mann, der heute bei euch am Tisch saß?"
Sie fragt es sehr leichthin, und mit einer Anteilnahme, die nur nach Mißtrauen klingt, aber sie fühlt, daß ihr Herzschlag etwas schneller geht.
„Ja, das ..." Gerd schiebt mit einer übertrieben wichtigen Miene die Unterlippe vor. „Der.ist allerdings gefährlich! Das meinen Sie doch, nicht wahr? Ich kenne ihn auch weiter nicht, er behauptet, meine Schwester zu kennen. Ich kann sie ja mal nach ihm fragen, vielleicht kennt sie ihn genauer. 23orchnann weiß auch nichts. Ich habe ihn nämlich gefragt. Aber Borckmann hat nur die Achseln gezuckt. Eine funkle Existenz" sagte er. Ich weiß nicht, ob das ein Witz fein soll."
8.
„Gute Nacht und vielen Dank."
Detlev beugt sich nicht zum Handkuß über die kalten schlanken Finger in den feinen. Sein Blick geht an der Hauswand hoch. „Hier also wohnen Sie? Hotel Baltic ... sind Sie nur auf der Durchreise hier?"
,Zch weiß nicht." Ein Achselzucken. „Ich habe nicht über mich zu bestimmen."
„So? Das ist schlimm. Wer wenn Sie länger hierbleiben, wollen wir uns dann nicht einmal wiedersehen?"
„Es wäre sehr nett." Es ist etwas Müdes und Hoffnungsloses in dem Lächeln, etwas, das einem ins Herz schneiden kann.
„Ich will Sie nicht drängen", sagt Dellev gut- mütig. „Aber wenn Sie Lust haben, diesen Abend zu wiederholen, wir haben uns recht gut miteinander unterhalten, nicht wahr? Dann rufen Sie mich einfach an, hier haben Sie meine Telephonnummer, wollen Sie das tun?"
„Ja, gern." Sie dreht die Karte zwischen den Fingern und bemüht sich im Laternenschein, sie zu entziffern: „Detlev heißen Sie, was für ein sonderbarer Name."
„Ja, Detlev, wollen Sie mir nun auch nicht Ihren Namen sagen? Oder irgendeinen Namen meinet- wegen, wenn ich den richtigen nicht wisien soll? Ich muß doch unter irgendeinem Namen an Sie denken."
„Werden Sie manchmal an mich denken? Ah ja, tun Sie das, denken Sie freundlich an mich, vielleicht hilft mir das. Concha heiße ich — so heiße ich wirklich."
„Ich werde sehr viel an Concha denken und sehr freundlich." Detlev umschließt mit festem Druck die kleine kalte Hand. ,,3d) werde immer wünschen, daß es Concha gut geht, und ich wünsche, sie baß> wiederzusehen."
9.
Irmela hat Besuch, soweit man Susi Reinbeck als Besuch rechnen kann. Susi kommt mindestens einmal täglich „auf einen Sprung".
„Onkel Albrecht ist wohl nicht da?" fragt Susi, und ihr Blick geht so suchend umher, als vermute sie ihn hinter einem Vorhang versteckt.
.Leider nicht!" lächett Irmela. „Mußtest du ihn dringend sprechen? Um diese Zeit ist er ja selten da, ebensowenig wie Gerd."
„3a natürlich, es ist eine dumme Frage, als ob die Männer so wenig zu tun hätten wie wir."
„Hast du so wenig zu tun, Babchen?" fragt Irmela mit freundlichem Spott. „Ich kann mich eigentlich nicht beklagen."
„Du hast auch Mann, Haus und Kinder, aber ich habe momentan wirklich zu wenig zu tun." Das blühend- sechzehnjährige Gesicht wird unvermittelt
ernst und fast streng. „Natürlich langweile ich mich nicht, Beschäftigung ist immer da, du weißt ja, das versteht Mutting, und wenn sie einem einen Staublappen in die Hand drückt, ober da verschwinde ich meistens, eh es so weit kommt. Ich möchte einen Beruf haben oder mich wenigstens ernsthaft darauf vorbereiten. Aber Mutting ist so entsetzlich alt- modisch. Kannst du nicht mal mit Onkel Albrecht sprechen, daß er seiner Frau Schwester ins Gewissen redet? Auf ihn hört sie noch am meisten."
„Ja, das kann ich gern tun. Weißt du denn schon, was du möchtest?"
„Tja, allerhand."
„Das ist immer schwierig."
„Sagt Dattng auch. Er behauptet, wenn er mir immer nachgäbe, dann hätte ich schon dreimal den Beruf gewechselt oder wenigstens das Studium. Aber es ist so schwierig mit meinen alten Herrschaften." Die blonden Brauen auf der runden Kin- dersttrn ziehen sich sorgenvoll zusammen.
„Alte Herrschaften." Irmela gräbt lachend die Zähne in die Lippe, es ist die Generation, der sie selber angehört, auch wenn sie zehn Jahre jünger ift
„Was ich früher gern wollte, Theater oder Film oder Tanz, na, das kommt selbstredend gar nicht in Frage. Also den Jugendtraum habe ich schon begraben! Dann wollte ich gern Medizin studieren, aber das findet Mutting einfach gräßlich. Da kann sie einem solche Schauergeschichten erzählen, datz einem ganz schlecht wird. Also wenn es überhaupt was wird, wird es wohl elyer irgend etwas Kaufmännisches werden. Vielleicht kann Onkel Albrecht mich anstellen."
„Das wäre eine Idee!" nickt Irmela. „Vielleicht steckt er dich mit Gerd in dasselbe Kontor! Wenn ihr dann mir nicht mit den Tintenfässern Fangball spielt."
„Gibt es da noch Tintenfässer? Wie vorhistorischk Aber solche Kinder sind wir doch nicht mehr!"
„Nein? Ich wollte dich nicht beleidigen/
(Fortsetzung folgt)


