wie der Gouverneur von Rom, Fürst Borghese, be- fanden, wurde von Botschafter von Mackensen begrüßt.
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Der Reichsverweser hat im Beisein des Mmister- präsidenten und der Regierung eine Truppenübung der neu aufgestellten ungarischen Panzerverbände besichtigt. Der Hebung wohnten auch die Militärattaches Deutschlands, Italiens, Japans und Bulgariens bei.
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Die englische Luftwaffe verlor an den italienischen Kriegsschauplätzen in den letzten vier Tagen insgesamt 48 Flugzeuge, zu denen noch zahlreiche weitere, die mit Sicherheit vernichtet oder am Boden schwer beschädigt wurden, hinzukommen.
Heber drei Millionen BRT. Tankschiffraum versenkt.
Berlin, 12. Mai. (DNB.) Unter den durch die deutschen U-Boote nach den letzten Sondermeldungen des OKW. versenkten Schiffen befindet sich wiederum eine Reihe von großen Tankern. Eine Zusammenstellung über die seit dem ersten Auftreten deutscher U-Boote in nordamerikanischen Gewässern eingetretenen Tankeroerluste wurde zuletzt am 11. 4. 1942 ausgegeben. Bis zu diesem Tage waren seit Mitte Januar 1942 vor der USA.-Küste und in anderen Seegebieten des Atlantik 81 Panker mit 642 710 BRT. versenkt. Bier Wochen später hatte sich diese Zahl auf 105 Tanker mit 854100 BRT. erhöht. Diese Tankeroerluste treffen die feindliche Versorgung um so schwerer, als auch schon vor dem Eintritt der USA. in den Krieg in mehr als zweijährigem Seekrieg die feindliche Tankertonnage stark mitgenommen wurde. Die letzten Versenkungen bringen die feindlichen Tankeroerluste vom September 1939 bis zum 10. 5. 1942 auf insgesamt 3,1 Millionen BRT. Dieser Verlust nähert sich dem Gesamtbestand an Tankschiffen, den die USA. in Friedenszeiten befaßen.
Die (Schule unter der Parole .(Sieg um jeden Preis".
Der Reichswalter des RS.-Lehrerbundes, Gauleiter W a e ch t l e r, wendet sich unter dem Losungswort „Sieg um jeden Preis" in einem Aufruf an alle Erzieher. Er sagt darin: In den Volks- und höheren Schulen, wie in den Berufs- und Fachschulen muß diese Parole zu erzieherischer Bildung und Beeinflussung der persönlichen Haltung führen, -nicht nur im Deutsch-Unterricht, im Geschichts-, Erdkunde-, im Zeichen- und Sing-Unterricht sowie in der Reichskunde der Berufsschulen, sondern auch beim praktischen Kriegseinsatz der Schulen, also beim Arbeitseinsatz für die Landwirtschaft, der Altmaterial- und Heilpflanzensammlung, besonders aber bei dem neuen Schülerwettbewerb des RS.-Lehrerbundes „Der Kampf im Osten". Durch die Arbeit der Schule unter dem Leitwort „Sieg um jeden Preis" soll die deutsche Jugend zu einer festen, entschlossenen, zu jedem Einsatz und jedem Verzicht bereiten Haltung erzogen werden, die über die Schule und den Einzelschüler hinaus nachhaltig in das Elternhaus und damit ins gesamte Volk zu wirken vermag.
Dank an die Mütter.
Rach einem Bericht von Dr. Magda Monzerath von der Reichsfrauenführung wurden 1941 Höchstzahlen der Mütterschulung mit über 500 000 Teilnehmerinnen in rd. 31 000 Kursen erreicht. Insgesamt haben feit Bestehen des Mütterdienstes dreieinhalb Millionen Teilnehmerinnen hier eine Ausbildung erhalten können. Eine Million Frauen wurde in der Säuglingspflege Untermieten. Die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft sucht durch Lehrküchen und Hauswirtschaftliche Beratungsstellen den Hausfrauen und Müttern die Erfüllung ihrer häuslichen Mission zu erleichtern. Millionen von Frauen haben hier Auskünfte und Ratschläge erhalten, Hunderttausende in Kurzkursen und durch Schaukochen praktischen Anschauungsunterricht erhalten. Durch die Betreuung der Pflichtjahrhaushalte leisten 20 000 Vertrauensfrauen den kinderreichen Müttern unersetzliche Dienste. Der Nachbarschaftshilfe wurde in Millionen Einzelaktionen Hilfe. In Kinderstuben und zur Kinderbetreuung in den Haushalten werktätiger Mütter 35 000 Frauen 750 000 Stunden und in bäuerlichen Haushalten 43 000 Frauen fast eine Million Stunden ausgeholfen. In kinderreichen Familien kamen 69 000 Frauen eineinhalb Millionen Stunden zur Hilfe. In Kinderstuben und zur Kinderbeteruung waren zudem noch 10 000 Frauen 300 000 Stunden angefetzt. 1700 Frauen wurden der NSV. benannt, die bereit waren, sich als Vormund zur Verfügung zu stellen. In den luftgefährdeten Gebieten übernachteten die Helferinnen vielfach im Haushalt von kinderreichen oder werdenden Müttern, um in Notfällen bei der Hand zu fein.'
Aus der Siadi Gießen.
Falsch verbunden.
„Hast du denn dein Telephongespräch schon beendet, Inge? Das ist aber einmal fix gegangen!"
„Leider nicht — du weißt doch Lotte, ich telephoniere nicht sehr off, und da habe ich scheinbar etwas falsch gemacht, es meldete sich eben ein Dr. Möller oder so ähnlich. Da habe ich natürlich schnell wieder abgehängt!"
„So, so ... Aber meinst du wirklich, daß das so natürlich ist? Hast du gar nicht daran gedacht, daß du dich eigentlich entschuldigen könntest?"
„Wieso denn entschuldigen? Wenn ich eine falsche Nummer wähle, so ist das doch eine rein technische Angelegenheit!"
„Diese Auffassung teilst du leider mit vielen Zeitgenossen! Aber denkst du denn gar nicht daran, daß hinter jeder Nummer ein lebendiger Mensch steht? Und heute meist ein angestrengt arbeitender Mensch, der wenig Zeit hat? Dein Dr. Möller ist vielleicht ein vielbeschäftigter Arzt gewesen, der heutzutage ohne Sprechstundenhilfe auskommen muß und dem jede Minute für feine Patienten kostbar ist. Oder du erwischt eine Hausfrau, die alles stehen und liegen läßt und durch drei Zimmer zum Apparat eilt, nur um zu hören, daß drüben abgehängt wird, oder einen Techniker, den du aus schwierigen Berechnungen reißt. Weitere Möglichkeiten seien deiner Phantasie überlassen."
„Ja, allerdings, da hast du recht — aber anderseits kann ich durch eine Entschuldigung die Störung auch nicht ungeschehen machen?
„Das zwar nicht, aber denke einmal an folgendes: Als dich neulich der junge Mensch auf der Straße anrempqlte, hast du dich da nicht wütend umgedreht und gescholten: .Nicht einmal entschuldigen kann sich dieser Flegel!' Ich möchte wetten, hätte er um Verzeihung gebeten, so hättest du ihm lächelnd versichert, daß die Sache gar nicht so schlimm wäre. Und so wird es auch den versehentlich durch eine falsche Verbindung Gestörten gehen. Eine höfliche Entschuldigung wird immer versöhnend wirken, und die Betroffenen werden wenigstens nicht mehr verärgert an ihre unterbrochene Tätigkeit Hurückgehen."
„Ja wirklich, ich glaube, auch hierin hast du recht, Lotte! Wenn ich wieder einmal eine falsche Verbindung erwische — was hoffentlich nicht so bald vorkommt — will ich mich bestimmt danach richten!"
J.G.
Theater der Universitätsstadt Gießen.
Vom Dramaturgischen Büro wird mitgeteilt: Das Theater bringt in jeder Spielzeit einen eigenen Tanzabend, der von der ganzen Tanzgruppe und den Solisten ausgeführt wird. In diesem Jahre ist es ein Reigen bunter Tänze nach Musiken von Corelli, Schumann, Strauß, Sibelius, Smetana und einigen modernen Komponisten. Die Choreographie und Einstudierung der Tänze leiteten Ballettmeisterin Inge Berg und Ballettmeister Andreas D o l - pert. Musikalische Leitung: Gerhard Hergert und Carl Willy Hahn. Erstaufführung am Mittwoch, 13. Mai, 19 Uhr. — Bei dieser Gelegenheit wird nochmals darauf hingewiesen, daß alle Vorstellungen jetzt wieder um 19 Uhr beginnen. Für die Berufstätigen bedeutet dies eine Erleichterung des Theaterbesuchs, die während des Sommers von allen Besuchern begrüßt werden dürste.
Mehl auf Nährmittelkarten.
NSG. In einem Erlaß des Neichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 24. April wird darauf hingewiesen, daß zur besseren Belieferung mit Nährmittelerzeugnissen neben der Verteilung von Erzeugnissen aus Hafer, Gerste und Grieß auch ausländisches Weizenmehl zur Ausgabe gelangt. Die Kleinverteiler dürfen für die Abschnitte der Nährmittelkarte ausländisches Mehl, das ihnen auf Nährmittelbezugfcheine geliefert worden ist, abgeben. In welchem Verhältnis zu Nährmitteln dieses Mehl ausgegeben wird, kann grundsätzlich dem Kleinverteiler selbst überlassen bleiben. Er kann sich dabei nach Möglichkeit nach den Wünschen der Verbraucher richten. Weizenmehl, das auf Bezugscheine oder Großbezugscheine über Mehl geliefert worden ist, darf auf Nährmittelbezugfcheine oder auf die zum Bezüge von Nährmitteln berechtigten Abschnitte der Nährmittelkarten nicht abgegeben werden.
Gießener Dachenmarktpreise
* Gießen, 12. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 47, Spinat, V- kg 18 Rpf., Spargel 1 40 bis 1,56 RM.. Zwiebeln 17 Rpf., Lauch, das Stück 5 bis 10 Rpf.
Verdunkelungszeit:
13. Mai von 22.07 bis 4.59 Uhr.
Volksgemeinschastliches Handeln.
An Dauern, Handwerker, Kaufleute und Verbraucher.
NSG. Folgender Aufruf zu volksgemein- fchaftlichem Handeln wird von offizieller Stelle an die Erzeuger, Verteiler und Verbraucher erlassen:
„Das deutsche Volk steht vor neuen, weittragenden Entscheidungen. Das Jahr 1942 verlangt deshalb den geschlossenen Einsatz aller Kräfte und die unbedingte Disziplin jedes einzelnen Volksgenossen.
Die weitere Sicherstellung der Nahrungsmittel für unsere Soldaten sowie für die Heimat fordert als Voraussetzung das volle Verantwortungsbe- wußtfein der Erzeuger, Verteiler und Verbraucher, insbesondere die vorbehaltlose Einhaltung aller Lebensmittelvorschriften.
Es ist daher als ein Verbrechen an der gemeinsamen Kampffront des deutschen Volkes zu bezeichnen, wenn der Bauer dem Handwerker oder Kaufmann Lebensrnittel ohne Marken als Entgelt für irgendwelche Gegenleistungen gibt, wenn Hand
werker oder Kaufleute sowie deren Gefolgschaft vom Bauern in solcher Weise Lebensrnittel annehmen ober sie verlangen, oder wenn Tauschgeschäfte unter den Geschäftsleuten vorgenommen werden.
Nicht die hohen, auf solche Tauschgeschäfte gesetzten Strafen sollen alle Beteiligten zur Pflichterfüllung mahnen. Vielmehr müssen das persönliche und das Standesehrgefühl von solchen Verstößen gegen die Volksgemeinschaft abhalten.
Das Beispiel und die einzigartige Disziplin der unter schwersten Verhältnissen kämpfenden und siegenden deutschen Soldaten, das Opfer der Gefallenen ist uns in der Erfüllung aller, auch dieser Kriegsnotwendigkeiten, heiligste Verpflichtung!"
Dieser Aufruf ist unterzeichnet von K.-Landes- bauernführer W e i n tz und Landeshandwerksmeister Samer und von den Leitern der Unterabteilungen Groß- und Ausfuhrhandel, Einzelhandel, Ambulantes Gewerbe, Vermittlergewerbe und Gemeinschaftseinkauf der Wirtschaftskammer Hessen.
Mdrljahrgang iS2^ wird zum RAD. gemustert.
Berufe, die während des Krieges nicht herangezogen werden.
In diesen Tagen beginnt die Musterung des Geburtsjahrganges 1924 zum Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend. Die eigentliche Heranziehung soll in zwei Abschnitten zum Herbst 1942 und Frühjahr 1943 erfolgen. Während des Krieges werden von der Ableistung des RAD. folgende Mädel zu- rückgestellt: Vollberufstätige in der Landwirtschaft, Kinder von Bauern, Landwirten und Landarbeitern, die als mithelfende Familienangehörige in der Landwirtschaft dringend benötigt werden, ferner Vollberufstätige, die bei Arbeiten von besonderer kriegswirtschaftlicher Bedeutung eingesetzt sind oder eingesetzt werden müssen, und endlich Hausgehilsin- nen. Von der Zurückstellung solcher Jugendlicher, die ihr Pflichtjahr in der Land- oder Hauswirtschaft ableisten, wird jedoch abgesehen. Der Reichsarbeits- führer hat angeordnet, daß Zurückstellungsanträgen von Dienstpflichtigen, die als mithelfende Familienangehörige in kinderreichen Familien dringend benötigt werden, in jedem Falle stattzugeben ist. Dienst- pflichttge Schülerinnen der öffentlichen und privaten Schulen sind ohne Stellung eines Zurückstellungsan-
ttages bis zum Abschluß ihrer Schulausbildung zu« rückzustellen.
Die Arbeitsämter sind angewiesen, dafür zu sorgen, daß einerseits dem RAD. die benötigten Dienstpflichtigen nach Möglichkeit zur Verfügung gestellt werden und daß anderseits der kriegs- und lebenswichtige Arbeitseinsatz durch Abzug von RAD- Pftichtigen möglichst nicht gestört wird. Bei Festlegung des Personenkreises, der während des Krieges von der Erfüllung der RAD.^Pflicht zurückge- stellt werden soll, werden die betrieblichen und bezirklichen Verhältnisse berücksichttgt. Eine Zurückstellung von der RAD.-Pflicht erfordern alle Arbeiten, die zur Durchführung von Aufgaben der Reichsverteidigung, der lebenswichtigen Erzeugung, der lebenswichtigen Versorgung der Bevölkerung und der Ausfuhr geleistet werden müssen. So kann in Ausna-Hmefällen auch die Zurückstellung von Lebensmittelverkäuferinnen erforderlich werden. Außerdem müssen diejenigen RAD.-Pflichtigen, die sich m einer ordnungsgemäßen Berufsausbildung befinden, zurückgestellt werden. ' ,
Mitarbeit der Frauen auch in unserem Gau notwendig.
NSG. In dem Entscheiduirgskampf des deutschen Volkes will die deutsche Frau nicht abseits stehen und des deutschen Mannes, der an der Front seine Pflicht tut, würdig sein. Tausende sind so in die Reihen der Schaffenden eingerückt und haben einen Arbeitsplatz gefunden, an dem sie eine wichtige Aufgabe erfüllen. Nur wenige haben die letzten Hemmungen noch nicht überwunden, die ihrer freiwilligen Eingliederung in den Arbeitsprozeß entgegen« stehen. An sie war der Appell des Führers in der letzten Reichstagsrede gerichtet, sich durch besonderen Einsatz in den Befreiungskampf unseres Volkes einzuschalten, und ihnen galten die wiederholten Hinweise unseres Gauleiters, daß noch zahlreiche deutsche Frauen in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden können.
Die Dienststellen der Partei sind dabei bemüht, alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die bei der einzelnen Frau auf Grund ihrer Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie auf treten können. An alles ist gedacht, an die Unterbringung der Kinder, an die notwendige Freizeit für Einkäufe, die große Wäsche usw. Wo zu große sonstige Verpflichtungen im Wege stehen, können die Frauen auch in Halbtagsarbeit eingesetzt werden. Für Hemmungen ist also kein Grund vorhanden, sie müssen überwunden werden. Sollte eine Frau aber trotzdem den richtigen Weg nicht wissen, dann wende sie sich vertrauensvoll an die Orts- und Betriebsobmänner und an die Betriebsfrauenwalterinnen der Deutschen Arbeitsfront. Hier findet sie Rat und Gelegenheit, ihre Einsatzbereitschaft durch die Tat zu beweisen.
Weitere Bestimmungen zurKleiderkarte
Die Reichsstelle für Kleidung und verwandte Gebiete veröffentlicht im „Reichsanzeiger" vom 9. Mai ihre Bekanntmachung Nr. 29. Darin werden einige weitere Ergänzungs- bzw. Aenderungsbe- ftimmungen zur Kleiderkarte gegeben. So können nun Handtücher und Frottiertücher nicht mehr auf Kleiderkarte, sondern nur noch auf Bezugschein be
zogen werden. Ferner sind Männer-, Burschen- und Knabenmützen jeder Art, auch Schiffchen, von der Punktpflicht befreit worden. Bisher war nur ein bestimmter Teil dieser Mützen punktfrei. Ausdrücklich sei jedoch darauf hingewiesen, daß Mützen für Frauen und Mützen für Knaben bis zu drei Jahren weiterhin der Punktpflicht unterliegen. Nach wie vor punktfrei ist Säuglingswäsche und Säuglingskleidung aus Austauschstoffen.
Schi-Klub Gießen.
Dieser Tage hielt der Schi-Klub im „Burghof seine Jahreshauptversammlung ab. Der stellv. Ver« einsführer Ha genauer begrüßte zuerst eine Anzahl Kameraden, die von der Front oder aus dem Lazarett in Urlaub sind, darunter den Vereinsführer Fritz Dörsner. Nach dem Gedenken an die gefallenen Kameraden gab der stellv. Dereinsführer ^agenauer einen Bericht über die Ereignisse hn letz- ten Vereinssahr. In den Sommermonaten wurde eifrig Tennis, Leichtathletik usw. betrieben, ebenso die traditionellen Trockenschikurse in der Reithalle unter der bewährten Leitung von Frl. Erika Weber. Der Winter wurde dazu benutzt, schöne Fahrten in die nähere Umgegend oder den Vogelsberg zu machen. Eine Jugendschifahrt über Weihnachten ins Wal serial hatte besonderen Anklang. Durch die
Schnelle Hilfe durch die Pflasterbinde Elastocorn! Gleich nach dem Auflegen flaut der Schmerz ab, und das Hühnerauge verschwindet in wenigen Tagen.
ELASTOCORN^
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Sie müssen hier unterschreiben, Herr Willis", sagte Krähe und legte ihm das Protokoll, vor.
„So, und jetzt warten Sie bitte im Nebenzimmer", bat Wenig, „ich werde mir erst mal Herrn Hanke vornehmen."
Als Willis an Hanke vorbei ins Nebenzimmer trat, blieb Hanke stehen, sah sich nach ihm um und rief:
„Den kenn ich doch! Der war doch gestern bei mir. Ach, das ist wohl auch ein Krimineller gewesen?"
„Nein, Herr Hayke", beruhigte ihn Wenig, „der ist auch nur Zeuge. Nun nehmen Sie mal Platz und erzählen Sie uns, was Sie über die Braut von Herrn L-anos wissen."
Hanke setzte sich und langte in das Zigarettenetui des Kriminalrats.
„Danke schön", sagte er, nachdem er sich die Ziaarette angesteckt hatte, „ja, da ist nicht viel zu er- zählen. Sie kam öfters zu ihm, manchmal blieb sie auch über Nacht oben, manchmal ein paar läge, manchmal kam sie eine ganze Woche nicht. Sie kam auch manchmal, wenn er nicht da war und x hatte den Wohnungsschlüssel und den Hausschlüssel, und ich habe ihr schon oftmals gesagt, Fräulein, habe ich gesagt, das geht aber nicht. Sie wohnen hier nicht, und Hausschlüssel sind nur für die Mieter —"
„Und was hat sie daraus geantwortet?" fragte Wenig.
„Och, sie sagte so ganz fein: Ach, verzeihen Sie, mein Herr, aber wer sind Sie? Ich sage: ich bin der Portier, sage ich, und ich muß auf Ordnung im Hause sehen. Tun Sie das und belästigen Sie mich nicht weiter, hat sie dann gesagt. Und dann ist sie weggerauscht. Ich sage zu meiner Frau: ein freches Frauentzimmer. und meine Frau meint, das jft
eine Ausländerin, vielleicht eine Polin, weil sie so ein schwarzer Deibel war und so kornisch betont hat. Na, jedenfalls ich rauf zur Hauckwitz und sage ihr das. Sie sagt, wenn Herr Lanos seinen Schlüssel seiner Braut mal gibt, so kann sie nicht dafür. Sie kann nicht immer hinter ihrem Zimmerherrn her sein. Da hat sie ja recht, aber sie muß ihm das eben verbieten."
„Sehr schön, und was war nun am 28. August, also am Mordtage?" unterbrach ihn der Kriminalrat.
„Das kann ich gar nicht mehr vergessen, so oft bin ich danach gefragt worden. Da war erst so gegen 6 Uhr abends der Mann, der vor dem Hause stand. Als Herr Lanos kam, stand er gerade an der Ecke zur Budapester Straße und rannte zurück und ging hinter ihm hinein. Herr Lanos kam so gegen 8 Uhr. Halb neun kam er dann mit der Braut herunter—"
„Und wann ist die Braut denn gekommen?"
„Das weiß ich nicht, denn immer kann ich nicht in meiner Loge hocken. Vielleicht nachmittags, wie ich Kaffeetrinken war —"
„Wann trinken Sie denn Ihren Kaffee?"
„So gegen fünfe.“
„Aha. Können Sie beschwören, daß die Braut mit Lanos gegen halb neun Uhr herunterkam?"
„Wegen der Braut — ja. Aber wegen Lanos nicht. Denn der ging im Dunklen, immer hinter ihr, so daß ich fein Gesicht nicht sehen konnte. Ich habe eben angenommen, daß es Lanos ist, aber beschwören? Nee, Herr, das kann ich nicht."
Wenig warf ihm einige Postkartenansichten hin. Es waren die Bilder von Schauspielerinnen, von denen er die Namen unten abgeschnitten hatte.
„Sehen Sie mal zu, Herr Hanke, ob die Braut unter diesen Damen ist. Prüfen Sie jedes Bild genau uni) dann sagen Sie mir, welche von den Damen sie ist. Und ob sie überhaupt dabei ist."
Hanke nahm bedachtsam die Bilder in die Hand. Zugleich begann er zu lächeln.
„Das ist doch die Dings, die — na, wie heißt sie denn — die Pola Negri, nee, die war es nicht, Herr Kriminalrat, die hätte ich schon erkannt. Und hiex, das ist die Maria Andergast, die war es auch
nicht — aber hier", rief er plötzlich, indem er eine Karte hochhob, „das ist sie, und sie hatte auch immer den Hut auf und den Mantel, natürlich, das ist sie, Herr Kriminalrat —"
Wenig nahm das Bild auf, das ihm Hanke hin- aereicht hatte. Es mar jenes Bild, Has ihm Irene Norodna gegeben hatte.
Nun, dachte er, das ist ja ein Lichtblick. Die Norodna ist also die Braut von Lanos gewesen, die bei ihm oft gewohnt und ihn am Mordabend besucht hat.
„Es ist gut, Herr Hanke, Sie sind bereit, zu beschwören, daß das die Dame ist, die oft zu Lanos kam, die die Schlüssel hatte und die auch am Mordabend da mar?"
„Jamohl, das kann ich beschwören."
„Schön. Dann unterschreiben Sie jetzt das Protokoll, das Ihnen der Kriminalsekretär jetzt vorlesen wird. Dann können Sie nach Hause gehen."
Hanke erhob sich, hörte sich aufmerksam an, was Krähe ihm vorlas, unterschrieb und wollte gehen.
„Sprechen Sie aber nicht draußen mit Frau Hauckwitz, Hanke", warnte ihn Krähe, „das ist verboten."
„Nee, ich bin nicht so vergnügungssüchtig. Guten Abend."
Wenig trat ins Nebenzimmer, wo Willis noch saß.
„Sie können Fräulein Perling beruhigen, Herr Willis", sagte der Kriminalrat zu ihm, „bie Dame, die oft bei Lanos mar, mar sie bestimmt nicht —"
„Wer mar es denn?" fragte Willis schnell.
Der Kriminalrat zuckte die Achseln.
„Das — kann ich Ihnen nicht sagen. Ich brauche Sie jetzt nicht mehr. Bitte sprechen Sie nicht über das, mas Sie feststellten, und roas mir miteinander besprochen haben. Zu niemandem, Herr Willis. Ich denke, Sie merden bald weiteres von mir hören. Wann ist die Jubiläumsvorstellung? Heute""
„Nein, am Sonntag."
„Vielleicht werde ich hinkommen —"
„Darf ich Ihnen eine Karte schicken?-
„Das märe reizend. Zwei, wenn ich bitten barf, denn ich werde mit Herrn Krähe kommen."
Als Willis gegangen mar, meinte Krähe:
,Jst das nicht bißchen spät — am Sonntag? Ich meine: frische Fische, gute Fische —"
,Lch habe ihm das nur gesagt, damit unsere Überraschung nicht danebengelingt, Krähe", gab Wenig zur Antmort, „mir kommen eben unerwartet etmas früher — und das rnird recht gut sein. Ich halte Tjillis zrnar für einen anständigen Kerl, aber selbst von anständigen Menschen soll man sich nicht zu sehr in die Karten sehen lassen. Holen Sie Frau Hauckwitz herein, Krähe."
Frau Hauckwitz saß mit hochrotem Kopf auf ihrer Bank und schimpfte wütend hinter Hanke drein. Als der Portier nämlich in den Flur getreten war, mar Frau Hauckrnitz roie ein Stoßvogel auf ihn losge- fchosfen und hatte ihn mit Fragen überfallen. Sie rnollte sich gern ein bißchen informieren, um zu wissen, mas sie drinnen sagen sollte.
Aber Hanke lächelte sie frech an und sagte:
„Ich habe gar keine Zeit, Frau Hauckrnitz, ich muß den Hof sauber machen und das Flurfenster dichten, damit es nicht mehr zieht."
„Ach, Unsinn, Hanke, das habe ich doch bloß so gesagt, sagen Sie mir doch menigftens, mas die Sie drinnen gefragt haben und mas sie gesagt haben, ich muß doch —"
„Nichts meiter", lachte Hanke wieder, „der Kriminalrat hat mich nur gefragt, ob es regnet —"
„Ob es -regnet?" wiederholte Frau Hauckwitz erbost.
„Ja, und roas ich vom Wetter halte, und dann haben wir uns über die politische Lage unterhalten und so haben wir denn ein bißchen geklönt."
„Hanke", fauchte sie jetzt, „wenn Sie mich auf den Arm nehmen wollen —"
„Nee, ich habe das Reißen im Arm und da schaffe ich drei Zentner nicht mehr — na, mir sehen uns ja noch — auf Wiedersehen —"
Sie rief ihm noch einige fromme Wünsche n"ch und zog sich dann zu ihrer Bank zurück.
(Fortsetzung folgt.)


