Ausgabe 
13.5.1942
 
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Die seltene Ehrung eines kaiserlichen Handscl)reibens wurde dem Oberbefehlshaber der Armeestreitkräfte in den Südgebieten, General T e r a u ch i (links), und dem - Oberbefehlshaber der Hochseeflotte, Ad­miral Y a m a m o t o (rechts), in Würdigung ihrer großen Erfolge in Burma und im Indischen Ozean zuteil. (Schörl-Archiv-M.)

Tokio, 12. Mai. (Europapreß.) Ein abschließen­der Bericht des japanischen Hauptquartiers bestätigt noch einmal, daß in der Seeschlacht im Korallenmeer die beiden nordamerikanischen FlugzeugträgerS a- r a t o g a" undPorktow n", ein nordamerika­nisches Schlachtschiff vomCalifornia"-Typ, sowie ein Zerstörer versenkt, ein britisches Schlachtschiff vomW a r s p i t e"-Typ, der schwere KreuzerCanberra" und ein unbekannter Kreuzer beschädigt wurden. Ergänzend wird noch die Beschädigung eines feindlichen Oeltankers von 20 000 Tonnen bekanntgegeben. Die Zahl der während der Seeschlacht abgeschossenen feindlichen Flugzeuge wird mit 98 (bisher 89) angegeben. Die japanischen Verluste bestehen aus einem kleinen Hilfsflugzeugträger und 31 Flugzeugen.

Wie der japanische Marinesprecher, Kapitän Ka- mada, der Presse in Schanghai bekanntgab, hat plötz­lich auftretendes schlechtes Wetter, das die japanische Flotte zwang, die Schlacht zu beenden, die britisch-nordamerikanischen Seestreitkräfte vor der völligen Vernichtung bewahrt. Ferner erklärte Kamada zu dem britischen Dementi über den Ver-

zeugen vernichtet worden. Sie kehrten ohne e i g e n e V e r l u st e zu ihren Einsatzhäfen zuruck.

Die Zerschlagung dieses Zerstörerverbandes im Seegebiet südlich Kreta bedeutet eine weitere emp­findliche Störung der den Briten noch verbliebenen stark gefährdeten Schiffahrtswege von Port Said und Alexandria nach Malta und Gibraltar. Zugleich werden dadurch die im Mittelmeer unter besonders schwierigen Verhältnissen operierenden deutschen Un­terseeboote fühlbar entlastet. Mit diesen drei Zerstö­rern hat die britische Kriegsmarine seit Kriegsaus­bruch 72 Zerstörer eingebüßt, während der Gesarntt vertust Großbritanniens im ersten Weltkrieg sich nur auf 66 Zerstörer belief. Der Mangel an Zer­störern war in England so groß, daß es sich ge­zwungen säh, von den Amerikanern 50 Zerstörer ge­gen Abtretung wichtiger Stützpunkte im Atlantik zu kaufen. Die Zerstörer, die dieser Handel einbrachte, sind alt und zahlreiche von ihnen sind inzwischen schon gesunken. ,

Die Versenkung von drei britischen Zerstörern im Mittelmeer wurde inzwischen auch amtlich rn London bekanntgegeben. Es. handelt sich um die ZerstörerL i v e l y" ,Ia ck a V* und Kiplin g". Die beiden Zerstörer ,Hackal" und Kipling" von 1690 Tonnen wurden im Jahre 1938/39 vom Stapel gelassen und laufen 36 See­meilen. Der Zerstörer ,Zioely" wurde tm Jahre 1940 vom Stapel gelassen und hat 1920 Tonnen. Er gehört derBlitzklasse" an.

Landschaft der Krim.

Die Krim ist das Süüland des Zarenreiches ge­wesen. Man kann es den reichen Gutsbesitzern des eintönigen Landes, auch den wohlhabenden Städtern in Moskau und Leningrad nachfühlen, daß sie in der Krim eine eigeneR i v i e r a" suchten, "der die Krim hat mittelmeerisches Klima nur im süd­lichsten Teil: dort wo aus dem Schwarzen Meer fast unmittelbar die Höhen des Jaila-Gebirges aufstei- gen, an dessen unteren Hängen sich prachtvolle Wein­gärten und Obstpflanzungen Hinsehen. Dieser para­diesische Teil der Krim macht von der ganzen Halb­insel nur ein Fünftel aus. Das Jaila-Gebirge ist zugleich eine Wetterscheide. Nördlich von ihm tri­umphieren die rauhen Stürme Zentralasiens und Osteuropas über die Milde des Mittelmeerklimas. Die Halbinsel Krim ist so groß wie die Rheinpro- oinz, aber sie zählt nur ein Zehntel der Bevolke- rung der Rheinprovinz, weil die 25 310 qkm, die die Krim umfaßt, zum weitaus größten Teil Step- p e sind und darum im Jahre 1926 nur 715 000 Ein­wohner ernähren konnten. Seither haben die Bolsche­wisten die Eisenlager der Halbinsel Kertsch stärker zu erschließen begonnen, auch im Süden und in der Hauptstadt Simferopol die einheimische tatarische Bevölkerung durch russische Zuzügler zprückzudran- gen versucht.

Diele der Hafenstädte auf der Krim sind uralt. Das gilt auch von der jetzt wieder vielgenannten Hafenstadt Kertsch, die eine Gründung der klein­asiatischen Griechenstadt Milet ist. Der König Mi­thridates, ein erbitterter Feind des alten Roms, re­gierte hier und gab sich, als die römischen Heers die Ueberhand gewannen, auf dem Mithridatesberg, wie noch heute der größte Hügel von Kertsch heißt, den Tod. In der Zeit der Völkerwanderung kamen die Goten von Schweden zunächst in die Ukraine und auf die Krim und traten von hier erst ihre. Wanderungen nach Italien und Spanien an. Spä­ter überfluteten die Tataren, die zu den Türken­stämmen gehören, das Land und hielten auch mit der Sultansregierung in Konstantinopel enge Ver­bindung. Erst vor 150 Jahren unter Katharina IL ist die Krim wie die ganze Nordküste des Schwar­zen Meeres in den Besitz der russischen Zaren ge^ kommen.

Belgisch-Kongo sott die ostasiatischen Nohstoffverluste ersehen.

Genf, 13. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Gene- ralgouoerneur von Belgisch-Kongo forderte in einer Rundfunkansprache aus, mehr Palmöl, Kautschuk, Erdnüsse und vor allem Zinn zu fördern, um die Verluste der Verbündeten in Ostasien auszugleichen.

lüft des englischen SchlachtschiffesWarspite , daß nach den Aussagen der an dem Kampf beteiligten Flieger dieWarspite" von japanischen Bomben so schwer getroffen worden sei, daß sie gesunken oder zumindest für die Dauer des Krieges unbrauch­bar gemacht worden fei.

Schnette Verfolgung der Tschunking-Armeen.

Tokio, 13. Mai. (Europapreß.) Domei meldet, daß japanische Streitkräfte durch einen überraschen­den Angriff Stellungen des 5. und 6. Armeekorps der TMngkingftreitkrcifte etwa 260 Kilometer öst­lich von Mandalay bei Wankawnhawng auf dem rechten Ufer des Nanpawn, einer Abzweigung des Stromnetzes des Salween, erobert haben. Wan- kawnhawnq wurde bereits am 10. Mai erobert, wo­bei dem Feinde durch rechtzeitige Verlegung seines Rückzuges nach Kengtung, an der Grenze Pünnans, große Verluste beigebracht wurden.

Berlin, 12. Mai. (DNB.) Der Führer ver­lieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberst Leyser, Kommandeur eines Jnfanterieregl- ments; Major Pintschovius, Bataillonskom- mandeür in einem Infanterieregiment und Mr Hauptsturmführer Bochmann, Führer einer Jägerabteilung in einer ^-Division. Oberst Leyser erreichte südlich des Ilmensees, obwohl seine Kräfte in drei Gefechtsgruppen räumlich weit voneinander getrennt waren, trotz schwierigster Wege-, Wetter- und Geländeverhältnisse sein An- grisssziel. Major Pintschovius erkannte, als der Angriff seines Bataillons vorübergehend liegen blieb, eine schwache Stelle in der bolschewistischen Abwehrfront, stieß mit großem Schwung durch die feindlichen Stellungen und öffnete der Division den Vormarschweg. Ende Juni 1941 war es seinem entschlossenen Handeln zu verdanken, daß eine ver­lorengegangene Brücke über den Jrpenfluß unver­sehrt wieder genommen werden konnte. Mr Hauptsturmführer Bochmann gelang südlich des Ilmensees nach härtesten Kämpfen die Einnahme einer wichtigen Ortschaft und damit die Verbin­dung mit einer aus. anderer Richtung vorstoßen- den Kampfgruppe. Die Bolschewisten verloren im Nahkampf 13 Geschütze. *

Der Führer verlieh ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshaber der Luftwaffe das Ritterkreuz an Oberleutnant Lasse, dem als Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader der Abschuß von 39 Flug­zeugen und kühne Tiefangriffe auf der britischen Insel und im Osten, die Versenkung von zwei

Schnellbooten und die Zerstörung von 17 Flugzeugen am Boden gelang. Unbesiegt vom Feinde starb er im Osten den Fliegertod.

Oie Seeschlacht im Korallen-Meer.

3u 88 versenken drei Zerstörer

Oer deutsche Lustsieg bei Kreta.

nen Landes ausnutzend, trieb Stalin feine Horden! gegen unsere Linien vor. Mehr als einmal wurde die Frage aufgeworfen, ob unsere Truppen stand­halten und da und dort erzielte Einbrüche des ^Geg­ners wieder aufzufangen in der Lage fein würden. Sollte man nicht besser gleich auf breiter Front ausweichen und damit auch unsere Nachschublinien verkürzen? Schon wurde die Lage von 1812 be­schworen und legte sich lähmend auf Führung und Truppe. _

Da nahm der Führer die Zügel noch schärfer auf als bisher. Nie hat man ihn so entschlossen gesehen, und nie war sein Geist so rege wie jetzt. Kampf bis aufs Messer war sein Befehl, Mobilisierung aller denkbaren Hilfsmittel das Problem, mit dem er Tag und Nacht gerungen hat. Kaum hatte er einen klaren Ueberblick über die Lage an der Front, da sann er auch schon darauf, dem Willen des Geg­ners wieder mit Angriff zu begegnen. Tiefstes Mit­empfinden mit den Opfern der Truppe im Herzen, wußte er zugleich, daß er seinen Soldaten ein na­poleonisches Schicksal nur ersparen konnte, wenn sein Wille mit unerbittlicher Härte zur Geltung kam.

Der Erfolg hat dem Führer recht gegeben, als er in dem monatelangen Ringen immer wieder die Auffassung vertrat, daß es jetzt darauf ankomme, die stärkeren Nerven zu behalten. Denn sein Blick war nicht nur auf die Verhinderung eines tödlichen Rückzuges sondern zugleich auf die Fortführung der Angrifssoperationen in diesem Jahre gerichtet."

Churchill ahnungslos.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Nun warten wir während der jetzigen Ruhe­pause darauf, daß die Hölle in der Sowjet­union wieder losbricht. Wann dies sein wird, wissen wir nicht. Und es sind auch keine der üblichen Truppenkonzentrationen bemerkt worden, die dem deutschen Angriff gewöhnlich vorangehen. Vielleicht sind dieselben geschickt getarnt worden oder sie sind immerhin noch nicht gestartet. Immerhin haben wir heute schon den 10. Mai und die Zeit vergeht schnell!" So sagte Winston S. Churchill in seiner Rundfunkansprache an das englische Volk am letzten Sonntag. Man muß schon sagen: der englische Pre­mierminister war trefflich im Bilde, als er über die strategische Lage in der Sowjetunion .. .orakelte. ' Durch seine Rede klingt ein warmer Unterton von Sorge, daß die Deutschen mit ihrer Strategie in diesem Sommer zu spät kämen. Die Schlacht von Kertsch war aber schon zwei Tage im Gange. Nur Herr Churchill wußte nichts da- v on. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn die Sowjets haben schon im Vorjahr den englischen Militärattaches keinen Einblick in die tatsächlichen Operationen gewährt, auch nicht den Zugang zur Front freigegeben. So sitzt der englische Erstminister in Downing Street 10 und hat keinen Schimmer von dem, was bei seinem Verbündeten geschieht.

Das Ritterkreuz.

Wie jetzt aus Leopoldville gemeldet wird, geschah dies auf den Druck einer besonderen amerika­nischen Militärmission hin, die bei ihrem Besuch im Kongo-Gebiet dem Generalgouverneur Ryckmans im Auftrage Roosevelts ihr Mißfallen äußerte über den angeblich zu geringen Beitrag, den Belgisch-Kongo bisher zum Kriege geleistet habe. Deshalb beeilte sich Ryckman, sofort 44 Millionen belgische Franks zum Ankauf von Jagdflugzeugen zur Verfügung zu stellen. Ungeachtet der Tatsache, daß die Kolonie keine Industrie zur Herstellung von Bedarfsartikeln für die Bevölkerung besitzt, werden Menschen und Produktionsmittel unter staatliche Kontrolle gestellt, um aus dem zentralen Afrika den Plutokraten wenigstens einen Bruchteil dessen 3ut Verfügung zu stellen, was diese durch ihre Nieder­lagen in Ostasien verloren haben. Weder England noch Südafrika oder auch die USA. sind in der Lage, auch nur die elementarsten Bedürfnisse der Kolonie an Jndustrieerzeugnissen zu decken, da ihnen Material und Schiffsraum fehlen.

Kleine politische Nachrichten.

Eine Gruppe italienischer Wirtschaftsschriftteiter traf auf einer Studienfahrt durch Deutschland in Frankfurt ein. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger begrüßte die italienischen Gäste. Da­bei wies er besonders auf die Aufgaben hin, die der Presse bei der' Ausrichtung der Wirtschaften der Achsenmächte auf den Sieg zufallen.

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Der Führer hat dem Präsidenten der chinesischen Nationalregierung, W a n g t s ch i n g w e i, anläßlich seines Geburtstages ein herzliches Glückwunschtele­gramm übermittelt.

Als Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs von Köln, Kardinal Schulte, wurde der Geistliche Dr» Joseph Frings zum Erzbischof von Köln ernannt.

Victor Emanuel III. eröffnete die 10. Schau der Deutschen Akademie" in der Villa Massimo in Rom, die einen Querschnitt durch das Jahresschaffen der Studiengäste und Stipendiaten dieses Instituts gibt. Der König, in dessen Gefolge sich Außenmini­ster Graf Cianö, Unterstaatssekretär del Giudice, so.

Berlin, 12. Mai. (DNB.) Montagmittag wurde ein aus vier Zerstörern bestehender britisechr Verband im östlichen Mittelmeer von deutschen Aufklärungs­lugzeugen gemeldet. Sturzkampfflugzeuge vom Muster su 88 sichteten kurz nach 15 Uhr die briti- chen Zerstörer, die auf westlichem Kurs liefen, und egten sofort mit Sturzflügen auf den Verband an. Mit vier Bomben wurde einer der Zerstörer so chwer getroffen, daß er innerhalb weniger Minuten versank. (£ine zweite Angriffswelle stieß auf mehrere britische Zerstörerflugzeuge, die zur Sicherung der Kriegsschiffe über dem Verband kreisten.' Dabei kam es zu Luftkämpfen, in deren Verlauf ein Br istol-Zerstörerflugzeug ab geschossen wurde und brennend auf dem Wasser aufschlug. Der britische Verband hatte inzwischen seinen Kurs geändert und versuchte, vor den deutschen Luftan­griffen nach Südosten zu flüchten. Vier Ju 88 erziel­ten j e z w e i V o l l t r e f f e r mit Bomben schwerer Kaliber a u f z w e i Z e r st ö r e r n. Einer der Zer­störer wurde gegen 19 Uhr in sinkendem Zustand beobachtet, während der andere bereits zu einem großen Teil unter Wasser lag und versank. Der vierte Zerstörer versuchte mehrmals vergeblich, sich diesem sinkenden Kriegsschiff zu nähern und lief denn ab. Trotz heftiger Abwehr durch Schiffs- flakartillerie und Sicherung durch Flugzeuge waren damit drei britische Kriegsschiffe im Verlauf eines Nachmittags von deutschen Sturzkampfflug-

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Originalsendung oder Schallaufnahme?

EinBlick hinter die Kulissen des Rundfunks

Seit seinen Anfängen bedient sich der Deutsche Rundfunk für bestimmte Fälle bei der Gestaltung seines Programms der Schallaufnahme. Diese Praxis hat bei den Hörern verschiedentlich zu Er­örterungen über das Für und Wider einer Pro­grammgestaltung mit Hilfe von Schallaufnahmen geführt. Die dagegen ins Feld geführten verschie­denen Gründe träfen aber fast nie den Kern des Problems, zumal sich der Laie beim besten Willen keine rechte Vorstellung von den Erfordernissen und dem Ablauf des modernen Sendebetriebs machen kann. Die Gestaltung ganzer Abendprogramme unter Benutzung von Tonträgern bedeutet außer­dem keine Qualitätsverminderung, sondern ist neben gewissen zeitbedingten Umständen gerade die Folge des Bemühens der Sendeleitungen, dem Hörer die besten überhaupt zur Verfügung stehenden, künst­lerischen Kräfte an das Mikrophon zu bringen. Dies läßt sich aber in vielen Fällen nur auf dem Um­wege über die Schallaufnahme durchführen, da die meisten Künstler in den Abendstunden an ihren ständigen Wirkungskreis, wie Theater, Konzert usw., gebunden sind und nur in den Tagesstunden dem Rundfunk zur Verfügung stehen können. Die Sende­leitung kann aber natürlich ihre Planungen nicht von der eventuellen Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Erscheinens eines Künstlers zu einem vorge­sehenen Zeitpunkt abhängig machen, sondern muß so disponieren, daß das beabsichtigte Programm zum festgesetzten Zeitpunkt und mit der vorgesehe­nen Besetzung über den Sender gehen kann. Sie ist also in manchen Fällen einfach gezwungen, zur Schallaufnahme zu greifen. Bei einem Besuch im Hause des Rundfunks in Berlin war nun einmal die Möglichkeit gegeben, sich neben zahlreichen ande­ren Dingen auch über die enge Zusammenarbeit zwischen Künstlern und technischem Apparat zur Erzielung einer unbedingt naturgetreuen und voll­kommen der Originalsendung entsprechenden Wie­dergabe bei den notwendig werdenden Schallauf­nahmen ein Bild zu machen.

Dem Rundfunk stehen heute füp die Schallauf­

nahme drei Möglichkeiten zur Verfügung, und zwar die Aufzeichnung auf die Schallfolie, die Wachsplatte und das Hochfrequenzmagnetofon­band. Je nach der Besonderheit der Aufnahme wird die am besten geeignete Methode angewandt. Da stst zunächst die Schallfolie, eine dünne, der Industrie schallplatte ä hnliche, aus Kunstharz be­stehende, schwarze Platte, die besonders für die Auf­nahme von Reportagen für das Zeitgeschehen be­nutzt wird und zum Teil auch bei den Propaganda­kompanien der Wehrmacht Anwendung findet. Ihr sst es zu danken, daß der Rundfunkhörer heute bei allen wichtigen Tagesereignissen durch den Rund- funkberichter ein Hörbild von einer Eindringlichkeit bekommt, wie es bei einer späteren Berichterstattung nicht zu erreichen wäre. Die Schallfolie bietet den Vorteil einer mehrfachen Abspielmöglichkeit, steht aber in der Wiedergabequalität etwas hinter den beiden anderen Verfahren zurück.

Der bisher wohl am meisten benutzte Tonträger ist die sog. Wachsplatte, die diesen Namen eigentlich zu Unrecht trägt, denn es ist eine Scheibe von der Dicke von etwa 10 bis 12 normalen Schall- platten. Sie besteht aus einem Preßwachs von voll­kommen gleichmäßiger Struktur und erlaubt die Aufzeichnung der allerfeinften Schwingungen, da sie verhältnismäßig weich ist Die Beschriftung erfolgt ebenso wie bei der Schallfolie mit Hilfe eines sog. Schneidkopfes, der die im Mikrophon in elektrische Energie umgewandelten und im Verstärker ver­stärkten Schallschwingungen mit einem Saphir­stichel in spiralen Linien in die Platte eingräbt. Die Wachsplatte ermöglicht ein vollkommen störungs- und rauschfreies Abspiel, hat aber den Nachteil, daß dies ohne Qualitätseinbuße nur einmal geschehen kann, so daß bei beabsichtigtem mehrmaligen Wie­derholen jeweils beim Abspielen eine oder auch mehrere neue Platten mitgeschnitten werden müssen. Man kann allerdings von der Wachsplatte auf galvanischem Wege eine Matrize Herstellen, die dann die Herstellung einer beliebigen Anzahl nor­maler Schallplatten ermöglicht. Eine unbrauchbar gewordene Wachsplatte kann abgeschliffen und dann wieder für neue Aufnahmen verwendet werden. Ihre Verwendungsmöglichkeit ist aber sowohl durch den Umfang der Platte als auch durch die Größe und Schwere der Schneideapparatur ortsgebunden. Wenn auch die Wachsplatte eine vollkommen natur- getteue Wiedergabe von Sprache und Musik sowie

aller anderen Geräusche gestattet, so ließ doch die durch das Gewicht und die Empfindlichkeit gegen Bewegungen bedingte beschränkte Verwendungs­möglichkeit immer wieder den Ruf nach einem anderen Tonträger laut werden, der auch in be­wegten Fahrzeugen, wie Flugzeug und Schiff, verwendet werden ^ann und vor allem auch eine längere Aufnahmedauer gestattet.

All diesen Wünschen kann das 1938 im Rund­funk eingeführte sog. Magnetofon gerecht wer­den, das inzwischen zum Hochfrequenzmagnetofon entwickelt wurde und eine technische Vollkommen­heit erreicht hat, die kaum noch zu überbieten fein dürfte. Dieses Gerät hält den Ton auf einem schmalen Streifen aus einem Sicherheitsfilmstoff fest, der eine magnetisierbare Eisenschicht trägt, Die Spieldauer eines Streifens beträgt das Fünffache der Platte. Darüber hinaus kann der Filmstreifen geschnitten und geklebt werden, was gegenüber der Platte einen erheblichen Vorzug bedeutet. Die Ad- spielmöglichkeit ist nahezu unbegrenzt, ebenso die Verwendbarkeit des Materials, das nach Löschen der Aufzeichnung mit Hilfe eines Magneten immer wieder verwendet werden kann. Der größte Vorteil des Magnetofons, das im übrigen das Jdealgerät für alle Arten von Schallaufnahmen darftellt, da cs in jeder Lage einwandfrei arbeitet, ist aber, daß es die Darbietungen über das gesamte Frequenzband vollkommen naturgetreu und ohne das geringste Nebengeräusch wiedergibt, roetdje Eigenschaft sich auch durch mehrfaches Abspielen nicht ändert. Das Magnetofon gestattet also, im Zusammenwirken mit den übrigen zur Erzielung einer der Darbietung in jeder Hinsicht entsprechenden Schallkulisse eingesetz­ten technischen Hilfsmittel, Aufnahmen zu senden, die von einer Originalsendung beim besten Willen nicht zu unterscheiden sind.

Aus all dem ergibt sich, daß die Abneigung man­cher Hörer gegenAufnahmen" nicht nur unbegrün­det ist, sondern daß die Hörer vielmehr alle Ursache haben, den deutschen Ingenieuren für die auf dem Gebiet der Tonaufzeichnung geleistete Arbeit dank­bar zu sein, denn ohne die Schallaufzeichnung wäre es heute unmöglich, das Rundfunkprogramm so vielseitig und künstlerisch hochwertig zu gestalten, wie es' dank einer vorbildlichen Zusammenarbeit von Künstler und Techniker zum Vorteil des Hörers geschieht. Erich Günther.

Oer Komponist Christian Graupner.

Die Stadt Darmstadt veranstaltet dieser Tage ein Graupner-Musikfest. Damit wird zum ersten Male ein Querschnitt durch das Didfeitige Schaffen Christoph Graupners gegeben, der einer der bedeutendsten Tonmeister der Bach-Zeit ge­wesen ist. Graupner war landgräflicher Hofkapell­meister in Darmstadt. Seine Zeit stellte ihn neben Georg Philipp Telemann. 1683 geboren, lebte Graupner 1696 in Leipzig undverharrte allda", wie er in seiner selbstverfaßten Lebensbeschreibung erzählt,über neun Jahre auf der Thomasschule". Danach studierte er noch zwei Jahre auf der Leip­ziger Universität. Seit 1706 wirkte er als Cembalist und Komponist mehrerer Opern an der Hamburger Deutschen Bühne. Dort lernte ihn Ernst Ludwig, Landgraf von Hessen-Darmstadt, kennen und zog ihn nach Darmstadt.

In Darmstadt brachte Graupner, einem ineressan- ten alten Berichte zufolge,in kurzer Zeit die hie­sige Kirchen- und Theatermufik sowohl durch seine Compofitionen als auch durch Herbeyziehung meh- rerer Virtuosen in ein solches Aufnehmen, daß sie damals für eine der vorzüglichsten in Deutschland gehalten wurde". 1709 Dizekapellmeister, 1712 wirk­licher Kapellmeister, entfaltete Graupner in Darm­stadt eine erstaunliche Fruchtbarkeit. Das Darm­städter Graupner-Fest wird drei charaktervolle Kan­taten des Meisters zu Gehör bringen. Graupner betont eine edle melodische Linie, die der Natur der menschlichen Stimme entgegen kommt. Die Arie wurde deshalb eine der Hauptformen, die er pflegte. Daneben ist Graupner als Muster aus­drucksvoller Deklamation im Umkreise feiner Rezi- tattve anzusprechen. Die Sorgfalt der Deklamation übertrifft weithin den Durchschnitt, den die Zeit­genossen aufweisen. Innerhalb seiner reinen In­strumentalmusik stehen die Solokonzerte obenan. Flöte, Oboe, Fagott, Violine und Viola d'amore finden Verwendung. Als Kontrapunkttker ersten Ranges beherrscht er auch die zu feiner Zeit übliche Form der Symphonie in hohem Grade. Graupners Symphonien zeigen zum Teil eine für ihre Zeit auffallend entwickelte Faktur und rücken ihren Schöpfe» in den Kreis der Vorkämpfer für den mo­dernen deutschen Jnstrumentalstil.

Otto SchilliDS-Trygoßhontt,