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Tschiangkaischeks Fehlspekulationen.
Von unserem B.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Bangko k, im Mai 1942.
Es bedurfte gar nicht der katastrophalen militärischen Niederlagen der so „uneigennützigen Freunde" des Tschungking-Regirnes (Niederlagen, die durch die Etappen Hongkong, Singapur, Nieder- ländisch-Jndien und jetzt schließlich Burma gekennzeichnet wurden), um schon vor Wochen und Monaten zu erkennen, daß sich das Verhältnis zwischen Tschungking und den Alliierten grundlegend gewandelt hat. Die verschiedenen energischen Vorstellungen Tschiangkaischeks in Washington, die Reisen, die der Marschall teils allein, teils mit seiner politisch außerordentlich klugen und interessierten Gattin während der Cripps-Mission nach Indien und Burma unternahm, stellen im Licht der Katastrophen von Lashio und Mandalay gesehen, nur weitere Stufen auf dieser Leiter dar, auf der die Tschungking-Regierung von ihren Hochgespann, ten Erwartungen allmählich aber sicher auf die Ebene eines sehr kühlen und sehr — begründeten Mißtrauens herabstieg.
Der Brief, den Frau Tschiangkaischek in dem „New Bc>rk Times Magazine" veröffentlichte und eine geharnischte Abrechnung mit der historisch einmaligen imperialistischen Politik der großen Raubstaaten gegenüber China darstelkte, war noch vor dem jetzt eingetretenen endgültigen Zusammenbruch der britischen Burmafront geschrieben. Er war auch ohne die inzwischen eingetretene Tatsache, daß japanische Truppen von Burma aus auf chinesisches Gebiet vorgedrungen sind und an der Grenze Indiens stehen, für die Demokratien bitter genug und ist daher auch in London sorgfältig verschwiegen worden. Was Frau Tschiangkaischek der anglo-amerikanischen Raubgier und Ueberheblichkeit ins Stammbuch schrieb, stellt eine einzige Ohrfeige für die unver- yüllten Kolonisierungsbestrebungen sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart dar und darf als zuverlässiger Gradmesser für die augenblicklich in Tschungking herrschende Stimmung aufgefaßt werden, und zwar für die Stimmung Tschiangkai- scheks selbst.
So aufschlußreich dieser Brief auch ist, so wäre es doch falsch, daraus zu folgern, daß Tschiangkaischek die Summe aus den Erfahrungen mit den Demokratien zieht und zu Einsichten kommt, von denen er sich seit den Schüssen aus der Marco-Polo- Brücke im Jahre 1937 so weit entfernt hat, daß eine Umkehr zwar möglich -ist, aber aus dem ganzen bisherigen Verhalten Dschiangkaischeks nicht ohne weiteres geschlossen werden darf. Es ist das historische Versagen dieses zweifellos bedeutenden Militärs und feine Tragödie, daß er sich von dem entscheidenden Satz des großen chinesischen Revolutionärs und Erneuerers Sun Pat Sen in verhängnisvoller Weise entfernte. Dieser Satz lautete: „Es gibt ohneJapan kein China, und es kann auf die Dauer ohne China kein Japan geben." Sun $at Sen hat zweifellos sowohl beim westlichen Denken Anleihen gemacht, als er auch versuchte, mit der bolschewistischen Doktrin Fühlung zu bekommen. Aber es steht auch ohne Zweifel fest, daß der Gründer der Kuomintang kurz vor feinem Tode ahnte, daß er mit diesen beiden Experimenten einen für China verhängn^oollen Weg beschritten und einer groben TäusciMng anheim gefallen war, denn die Grundlage des staatsmännischen Denkens Sun Dat Sens war die Erkenntnis, daß sowohl der Bolschewismis als der westliche Kapitalismus einer eigenständigen chinesischen Entwicklung äußerst schädlich sein müsse.
Hier muß ein Ereignis in das Gedächtnis zurückgerufen werden, das künftigen Geschichtsschreibern der jetzigen Epoche des uralten chinesischen Reiches vielleicht einmal als Schlüssel der Gesamtentwicklung dienen dürfte. Das ist bie Trennung Tschiangkai- scheks von einem anderen bedeutsamen Schüler Sun Vat Sens, dem heutigen Präsidenten Nationalchinas, Wangtschingwei. Dieser „zweite Mann" Chinas war es, der 1932 eine entscheidende politische Wandlung durchmachte, die vielleicht Sun Pat Sen ihm noch beispielhaft vorgelebt hätte, wenn er nicht allzu früh verstorben wäre, so früh, daß er die staatsmännischen Konsequenzen aus der Einsicht, groben Täuschungen erlegen zu sein, nicht mehr ziehen konnte. Wangtschingwei jedenfalls wurde 1932 aus einem finksradikalen und japan- feindlichen Politiker ein Mann, der mit großem persönlichen Mut und als der beste Redner unter 400 Millionen Chinesen die Auffassung vertrat, daß China nur durch eine enge politische Zusammenarbeit mit Japan in einen neuen Abschnitt seiner alten Geschichte geleitet werden könnte. Als Tschiangkaischek im Januar 1936 den Haftbefehl gegen Wangtschingwei ausstellte, also gegen einen Politiker, der bereits unter Sun 5)at Sen sowohl wie unter Tschiangkaischek zweimal an maßgebender Stelle der chinesischen Politik gestanden hatte, entschied er sich innerlich nicht für den politischen Vealismus Wangtschingweis, der zweifellos weniger Soldat als Intellektueller ist, sondern handelte als Feldherr und Marschall, mit einem Wort: a l s Militär! Es muß noch einmal seine persönliche Tragik genannt werden, daß er als solcher auf einen Pfad geriet, der ihn bald in eine ausweglose Situation verstrickte.
Tschiangkaischek vertraute zu sehr den nordamerikanischen Versprechungen, nahm die von den USA- Militärberatern vorgelegten Rüstungsstatistiken als bare Münze an und mußte zusehen, daß die wehr- geographischen Tatsachen, unter deren Voraussetzung er den Krieg mit Japan begann, durch die meisterhafte japanische Strategie ad absurdum geführt wurden. Solange die Burmastraße einen ernst- zunehmenden Faktor in den militärischen Berechnungen des Marschalls bildete, konnte er sich der Illusion hingeben, daß seine Strategie doch einmal noch zum Erfolg führen müßte. Es war aber trotz allem eine Illusion, da es immer offensichtlicher wurde, daß Tschiangkaischek völlig in den Händen der Politiker des Weißen Hauses in Washington
mar, deren Kurzsichtigkeit in bezug auf das japanische Potential in diesen wenigen Monaten geradezu sprichtwörtlich geworden ist und als solche auch in bie Geschichte eingehen wird. Tschiangkaischek hatte sich in die Hände derer begeben, von denen seine Frau in ihrem anklagenden Brief jetzt offen aus- sprach, daß sie niemals bie Freunbe, fonbern immer Die Feinde und Ausbeuter Chinas gewesen sind.
Zudem haben die Japaner es in wahrhaft grandioser Weise verstanden, die ein gestandenen oder un- eingeftanbenen Spekulationen Tschiangkaischeks auf bie Zeit und den grenzenlosen Raum Chinos durch ihre überlegene strategische Planung und durch die schonungslose Enthüllung des nordamerikanischen und englischen Bluffs im Raum des Pazifischen und Indischen Ozeans zuschanden werden zu lassen. Was, Tschiangkaischek vielleicht noch vor fünf Monaten als eine scheinbar unbegrenzte Frist zur Erreichung des Sieges erschien, nämlich die Spekulation, daß selbst bie geballte militärische Kraft Japans einmal
Oer Wehrmachtbericht.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 12.2Hai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der Halbinsel Kertsch sind deutsche und rumänische Truppen, von starken Kräften der Lust- mässe unterstützt, am 8. Mai zum Angriff ange- treken. Die Schlacht ist seitdem in vollem Gange.
Bei der Bekämpfung von Schiffszielen in den Gewässern der Halbinsel Kertsch und vor der Südostküste des Asowschen Meeres versenkte die Luftwaffe zwei Transportschiffe mit zusammen 5000 BRT. sowie mehrere kleine Fahrzeuge. Lin weiteres Handelsschiff wurde beschädigt.
An der übrigen O st f r o n t scheiterten vereinzelte Vorstöße des Feindes. Angriffs- und Stoßtrupp- unternehmen deutscher, kroatischer und rumänischer Truppen waren erfolgreich.
In Lappland und an der Murmanfront wurden vereinzelte Angriffe schwächerer feindlicher Kräfte abgewiesen.
DRV....., 12. Mai. (PK.) Die deutsche Luft
waffe holt aus zum ersten starken Schlag in diesem Frühjahr. Seit der ersten Stunde des Angriffs haben unsere hier auf engstem Raum zusammengezogenen Luftwaffenkräfte die unbeschränkte Luftherrschaft, auch kilometerweit hinter den Linien. Bombentrichter reiht sich an Bombentrichter. Der Flieger Habben Eindruck, als steche er in einem Ameisenhaufen, so dicht liegen die jowjetischen Feldstellungen: Loch an Loch, Graben an Graben. Auf Straßenkreuzungen hinter der Front flauen sich die Lastkraftwagen, die von den Fahrern panikartig verlassen worden find. Andere Kameraden melden durch die Bordoerständigung, daß sie vereinzelte Ueberläufer gesehen haben, andere beobachten bie eigene Infanterie in zügigem Vorgehen. Verlassene oorbere Sowjetstellungen zeigen besonbers beutlich bie Wirkung der rollenben Angriffe. Geschützrohre, bie kein Mann mehr bebient, starren gen Himmel.
Aber bie Bolschewisten wehren sich verzweielt ihrer Haut. Zwar läßt bas Feuer ber schweren Flak an einigen Stellen etwas nach, boch aus allen Erblöchern flitzen bie Maschinengewehrgarben unb Gewehrgeschosfe herauf. Es gibt Treffer in bie beutschen Maschinen. Zwei Kameraben blieben heute weg. Die feinbliche Flak traf sie kurz vor bem Sturz. Aber weit mehr als 2000 Stukabomben zersprengten bie ersten sowjetischen Linien, brachen ber Infanterie bie Bahn. Der Riegel von Kertsch sollte uneinnehmbar sein, boch bröckelt er schon bedenklich am ersten Tage des deutschen Angriffs.
Kein Sowjetflugzeug darf die deutschen Linien erreichen, lautete die Parole. Hier zeigte es sich, welche Kräfte in den deutschen Einheiten stecken, die den Gegner in Stunden vollkommen ausschalteten:
Die Halbinsel Krim, die selbst nur durch bie schmale Landenge von Perekop mit dem südukrainischen Festland zusammenhängt, hat nach Osten hin eine Fortsetzung: das ist die Landzunge von Kertsch. Hier tobt seit dem 8. Mai die Schlacht. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, daß es eine örtlich begrenzte Schlacht ist. Die Bolschewisten haben sich nordöstlich von Feodosia etwa dort festgesetzt, wo die Halbinsel insel Kertsch an die Krim anschließt. Die Entfernung nach ber Doppelstabt Kertsch-Jenikale beträgt rund 80 Kilometer. Das Gelände ist zunächst step- pig, wird allmählich von Hügeln, Salzseen, auch Schlammvulkanen belebt unb geht unmittelbar vor der Ostküste, wo die 40 Kilometer lange unb 4 bis 7 Kilometer breite Seestraße von Kertsch bas Asow- sche mit dem Schwarzen Meer nerbinbet, in ein Hügelland über. Kertsch und bas 11 Kilometer entfernte Jenikale sind alte Seefestungen, die bie Bolschewisten seit Jahren auch gegen bie Londseite — über bie zur Zarenzeit schon vorhandenen starken Erbwälle hinaus — intensiv ausgebaut haben.
Die Bolschewisten hatten im Lause des Winters Zeit und Gelegenheit, die nur etwa 20 Kilometer breite Landenge, bie bei Parpätsch
im chinesischen Raum versickern uyb an dem chinesischen Zeitmaß zerschellen würde, ist heute bestenfalls eine Gnadenfrist geworben, die kaum ausreichen dürfte, daß der Marschall fick) auf die wahren Erkenntnisse Sun 5)at Sens besinnt und daraus politische Konsequenzen zieht, die sein einstiger Mitarbeiter unb heutiger Gegner Wangtschingwei bereits vor sieben Jahren zog.
Tschungking steht jedenfalls heute vor der Tatsache, von allen Zufuhren abgeschnitten zu fein, keine nennenswerten Reserven mehr zu haben, wertvollstes Kriegsgerät den Japanern überlassen zu müssen und „Freunde" zu besitzen, die sich bisher als krasse Egoisten und durch die Ereignisse der letzten Tage als außerordentlich bedrängte Rückzügler erwiesen haben, die froh sind, wenn sie ihre eigene Haut retten können. Wer weiß, was die Engländer und Nordamerikaner Tschiangkaischek angesichts dieser Lage noch politisch unb militärisch zu muten. Die harte Wirklichkeit, die auf die abgeschnittenen riesigen Nachschublager im besiegten Burma unb auf die militärische Unfähigkeit der „Freunde" hinweist, dürfte vielleicht jetzt, wo es fast zu spät ist, doch
I eine härtere und machtvollere Sprache sprechen. Aber nod) ist die Frage berechtigt: „Was wird aus
I Tschiangkaischek?"
Auf Malta bombardierten deutsche kampfflie- gerkräfte trotz schlechter Wetterlage weiterhin mit guter Wirkung die Flugplahanlagen der Insel.
3m Seegebiet südlich Kreta griffen Kampfflugzeuge in mehreren Wellen einen von Aufklärungsflugzeugen festgeftellten Verband von vier britischen Zerstörern an. Sie versenkten durch Vom- benvolltrefser drei der feindlichen Kriegsschiffe, während in Luftkämpfen zwei britische Flugzeuge, die den Flotlenverband sichern sollten, abgeschossen mürben. Eigene Flugzeuge gingen bei diesem Angrif nicht verloren.
Vor der niederländischen Küste griffen drei britische Bomber vom Muster Hudson ein deutsches Geleit an. Alle drei feindlichen Flugzeuge wurden, ohne Bombentreffer erzielt zu haben, von den Geleitfahrzeugen der Kriegsmarine abge- schossen.
3n der Zeit vom 1. bis 10. Mai verlor die britische Luftwaffe 161 Flugzeuge, davon 32 über dem Millelmeer und in Nordafrika. Während der gleichen Zeit gingen im Kampf gegen Großbritannien 42 eigene Flugzeuge verloren.
„Wir haben sie zerstampft", meldet ein Oberleutnant bem Kommodore, als er von einem Einsatz zurückkehrte. 25 Me waren auf ungefähr die gleiche Anzahl sowjetischer Maschinen gestoßen. Ein Gegner nach bem anderen purzelte vom Himmel. Zwei Ra- tas versuchten, als bie Sache für sie aussichtslos mürbe, ihr Heil in ber Flucht. Aber ehe sie ent« wetzen konnten, war bie Meute der Me’s hinter ihnen her, bis auch sie brennenb zu Boben gingen. Kein Sowjetflieger erreichte feinen Heimathafen roieber.
36 Maschinen würben abgeschossen ohne eigene Verluste. Kann es ein besseres Zeugnis für die beutsche Luftwaffe geben, wenn einmal acht Deutsche gegen 20 Sowjets, bann 16 gegen 25 unb schließlich sogar 16 gegen 70 so erfolgreich sind? 75 Abschüsse am Tag bei einem eigenen Verlust im Luftkampf. Schützenkönig würbe ber Leutnant D., der elf Gegner an einem Tage ab schoß unb damit feinen 63. bis 73. Abschuß erzielte. Leutnant G. war achtmal erfolgreich (79. bis 86. Abschuß), Feldwebel St. holte sieben Gegner herunter (52. bis 58. Abschuß), Oberleutnant F. wurde nach seinem Erfolg abgeschossen, erreichte aber wohlbehalten feine Einheit unb war bereits wenige Stunden später Sieger in vier neuen Lustkämpfen. Auch jüngere Jagdflieger standen ihren erfahreneren Kameraden wenig nach. Der zweite Tag brachte nicht weniger erfreuliche Ergebnisse. Bei geringsten eigenen Verlusten wurden bis in bie frühen Nachmittagsstunben 36 Sowjets abgeschossen, unb noch immer kehren wackelnb unsere Me zurück. Wo deutsche Jäger in starker Zahl zum Angriff ansetzen, ist kein Kraut zur erfolgreichen Gegenwehr gewachsen.
bie Halbinsel Kertsch mit der Krim verbindet, auf bas Schwerste z u befestigen. Die Haupt- unb Hafenstabt ber Halbinsel, bie über 100 000 Einwohner zählenbe Stabt Kertsch mit ihren Stahlwerken, Waffenfabriken unb Flugzeugwerken war bas Arsenal für bie Ausrüstung ber bolschewistischen Truppen und Kampst'tellungen. Die Bolschewisten haben in den letzten Monaten zahlreiche, wenn auch völlig vergebliche Angriffe unternommen, um die Krim zurückzuerobern. Nachdem am 18.1. Feo- bofia in kühnem Zugrist dem Feinb entrissen worben war, traten die Bolschewisten am 26. 2. hier unb vor Sewastopol zum Angriff an. Schon nach wenigen Tagen erlahmte infolge ber ungewöhnlich hohen Verluste an Menschen und Material die Kraft des Feindes. Nach Beendigung ber Schneeschmelze und Abtrocknung des Geländes hatten bie Bolschewisten bie Parpatsch-Stellungen auf bas stärkste ausgebaut, damit diese sowohl als Basis für ihre Angriffe bienen könnten, als auch bei einem etwaigen beutschen lieber- raschungsangrist den Wiberstand ber feindlichen Truppen erleichtern sollten. Hinter einem breiten Panzerabwehrgraben war ein ,ftarte5z tief geglieder-
Oer Führer als Feldherr.
3m „Völkischen Veobach ter“ schreibt der Oberst des Generalstabes, Walter S ch e r f f, Chef der kriegsgefchichtlichen Abteilung des Oberkommandos der Wehrmacht, einen Aufsatz „Die große Bewährung“, dem wir folgende Stellen entnehmen:
„Weite Kreise des deutschen Volkes zeigten sich aufgeschlossen, als Reichsmarschall Hermann Göring am 20. Mai 1940 die geniale Feldherrnkunst des Führers in den Mittelpunkt seiner bekannten Betrachtungen über die Kriegslage stellte. Unb doch gab es Zweifler, bie selbst bann noch von Byzantinismus sprachen, als — mitten im siegreichen Verlauf des Balkanfelbzuges — bie deutsche Presse am 20. April 1941 bas Felbherrntum des Führers gebührend zu würdigen sich bemühte. Ja, sogar die gewaltigen Erfolge des Ostfeldzuges 1941 reichten noch nicht aus, um hierin letzten Wandel zu schaffen. Gerade solche Menschen, die sich vermöge ihrer Bildung feste Vorstellungen über Felbherrntum unb Kriegführung geschaffen hatten, fiel es zum Teil schwer, an bas Phänomen zu glauben, bas sich in ber Felbherrngestalt Adolf Hitlers verkörpert. Sie waren bereit, im Führer die ideale Zusammenfassung aller Kräfte der Kriegführung anzuerkennen. Felbherrntum war für sie aber doch etwas anderes. Ihr ressortmäßiges Denken wurde davon beeinflußt, daß die großen Schlachtpläne ber neueren Zeit nicht vom Obersten Kriegsherrn, sondern von Männern wie Moltke, Schlieffen, Hindenburg und Ludendorff entworfen wurden. Man wußte, baß diese als Feldherren in die Geschichte eingegangen sind, obwohl sie nur Generalstabschefs waren. Der Begriff ber Feldherrnleistung war mit der geheimnisvollen Vorstellung technischer Meisterschaft verwoben, wie sie nur in jahrzehntelanger, arbeitsreicher Laufbahn im Generalstab erworben werben kann. Daher glaubte man auch leichter an Hintermänner" ober anonyme Institutionen als an bas Ungewöhnliche, unfaßbar Große, an bas Schöpferische, das immer einmalig unb neu ist.
Nun weiß jeder, ber bas Glück hatte, den Führer im Rahmen feiner militärischen Arbeit zu erleben, baß sein Wissen unb Können auf diesem Gebiet über jeden Zweifel erhaben sind. Sein Genius ist es, der sowohl organisatorisch wie taktisch und operativ alle Feldzugpläne von Grund auf beeinflußt und ihre Durchführung beherrscht. Immerhin konnte man — und nicht mit Unrecht — einwenben, daß ihm ein Führungsapparat zur Verfügung steht, wie er bei unseren Feinden nirgends auch nur in ähnlicher Hochwertigkeit zu finden ist. Der Führer selbst hat ihm oft genug öffentliches Lob gezollt. Und doch gibt es in jedem großen Kriegsgeschehen Entschlüsse, die weder rein technisch bewältigt noch mit anderen geteilt werden können. Es sind die großen Augenblicke echter Felbherrnbewährung, m denen höhere Eingebung, bas Vertrauen auf bas eigene Können, unb bie Macht der Persönlichkeit allein in der Lage sind, bas Schicksal zu meistern.
Ein solcher Augenblick war gekommen, als Anfang Dezember 1941 ber außergewöhnlich frühe Kälteeinbruch unsere Truppen knapp vor Moskau überraschte und in eine äußerst kritische Lage brachte. Unter einem für europäische Begriffe unvorstellbaren Bluteinsatz unb alle Vorteile des eige-
tes Stellungsfystem angelegt. Die Kampfstellungen, Unterkünfte unb Bereitstellungsräume waren mit frischen Divisionen aufgefüllt. Große Mengen von Munition, Artillerie unb Panzern standen bereit. Alles ist auf hinhaltenben Wider- ftanb eingerichtet, wobei die bolschewistische Führung ihre Hoffnung daraus setzte, aus bem Gebiet jenseits ber Straße von Kertsch starke Luftstreitkräfte von Flugplätzen heranzuholen, bie durch ihre natürliche Lage gut getarnt sind. Auch die vielen ausgezeichneten Häfen an ber Ostküste bes Schwarzen Meeres geben der sowjetischen Schwarzen-Meer-Flotte wertvolle Stützpunkte.
Deutsche und rumänische Truppen haben nun am 8. Mai diese tiefgestaffelten feindlichen Stellungen angegriffen, bie Schlacht ist feitbem in
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vollem Gange. Die deutsche Luftwaffe belegte zur Vorbereitung unb Unterstützung bes deutschen Angriffs bie Bunkerlinien bes Feinbes in rollenben Einsätzen mit Bomben. Zahlreiche feinbliche Batterien unb einzelne feuernde Geschütze des Feindes wurden außer Gefecht gesetzt. Sturzkampf- lugzeuge bekämpften zur Verteidigung ausgebaute Ortschaften, zertrümmerten an den Schwerpunkten des deutschen Angriffs den feindlichen Widerstand unb vernichteten zahlreiche Panzer. Schlachtgeschwaber griffen feinbliche Bereit- teüungen mit vernichtenber Wirkung an unb ver- hinberten bie Entfaltung feinblicher Gegenstöße. Während Kampfflugzeuge die bolschewistische Artillerie nieberhielten, unb baburch bas Vorgehen der beutschen Heeresverbänbe erleichterten, überwachten Jäger den gesamten Luftraum der Halbinsel unb stellten bie feinbliche Luftwaffe immer wieder zu erbitterten, für bie beutschen Jäger erfolgreichen Luftkämpfen. Durch die pausenlosen Angriffe ber beutschen Luftwaffe, bie sich auch auf bie feinb- heben Nachschubstraßen, ben Schiffsverkehr in ber Straße von Kertsch unb bas Seeqebiet rings um bie Halbinsel Kertsch erstreckten, erlitten bie Bolschewisten hohe Verluste an Menschen unb Material.
Aus der Halbinsel Kerlsch zum Angriff angelreten.
3m Bombenhagel unserer Slurzkampsslieger.
Von Kriegsberichter Rudolf Bruening.
OieSchlacht auf -erLandenge vonKertsch


