Theater der Universitätsstadt Gießen.
Franz Lehär: »Wo die Lerche singt".
sich der Tatsache, daß sie von der europäischen Kultur erst dann entdeckt wurde, als diese bereits 6000 Jahre alt war. Weil England und die Vereinigten Staaten, die Anstifter des Krieges und die Trager des Hasses, zu einer großen geistigen Entscheidung im Zusammenleben der Völker niemals einen schöpferischen Beitrag geliefert hätten, stünden sie dem Erwachen eines neuen europäischen Geistes Verständnis- und ahnungslos gegenüber, seien ihnen weder die Kräfte noch die Dynamik bekannt, die die Neuen Ideologien und großen Bewegungen Europas heroorgebracht hätten. Ihre verbrecherische demagogische Presse hat nicht nur den Frieden der Welt zertrümmert, nicht nur die Völker ins Unglück gestürzt, sie hat mit diesen auch sich gestürzt. In der Aera der liberalistischen Demokratie ist die Macht der Presse immer nur zum Schaden und zum Verhängnis der Völker mißbraucht worden. Daß sie nun und für alle Zukunft dem Wohle und dem Glücke der Völker dienen soll, darin sehen wir unsere große journalistische Mission, für die wir den Kampf mit aller Leidenschaft und Glut unserer Herzen weiterkämpfen werden.
Eine Entschließung des Kongresses.
Unter der Wucht der aus berufenem Munde vorgetragenen Argumente faßte der Kongreß auf Vorschlag des Präsidiums eine Entschließung, in der es heißt: Durch zahlreiche Dokumente ist unwiderleglich bewiesen, daß die von internationalen kapitalistischen Einflüssen abhängige Presse mitschuldig ist am Ausbruch und an der Ausweitung des gegenwärtigen Krieges. Als Werkzeug verbrecherischer Kriegstreiber hat eine verantwortungslose Presse zahlreiche Völker getäuscht und die öffentliche Meinung in diesen Ländern irregeführt. Erst nach bitteren und furchtbaren Erfahrungen haben diese Völker den wahren Charakter einer angeblich freien Presse erkannt. Auch heute noch werden in der Welt unauf- hörlicb Lügennachrichten und Pressemeldungen verbreitet, für die niemand eine Verantwortung trägt, die aber in ihrer vergiftenden Wirkung von u n - a b s e h b a r en F o l g e n für die Beziehungen der Völker sind.
Die in der Union nationaler Journalistenverbände zusammengeschlossenen-Journalisten zahlreicher Nationen erkennen und bedauern die verhängnisvolle Abhängigkeit von kapitalistischer Willkür, die dem Journalismus in vielen Ländern heute noch die Feder führt und ihn zwingt, den Interessen volksverbrecherischer Elemente zu dienen. Wir rufen die Journalisten aller Länder auf, diesen verbrecherischen Methoden einer entarteten internationalen Publizistik den Kampf anzusagen. Sie erklären, daß es die ernste Pflicht aller anständigen, ehrlichen und ihrer Verantwortung bewußten Journalisten ist, auf die furchtbaren Ge^hren hinzuweisen, die den Völkern aus dem Wirken einer verantwortungslosen Presse erwachsen. Für jedes Volk, dem seine nationale Existenz am Herzen liegt, ist es e i n A k t geistiger Selbstverteidigung, dieser Art von Journalismus sofort und für alle Zeit jedwedes Vertrauen zu entziehen. Der Journalismus ist kein Geschäft, sondern eine Mission, zu der nur diejenigen Journalisten berufen sind, die frei von allen anonymen Bindungen sich ausschließlich zur Verantwortung gegenüber dem nationalen Gewissen und dem Urteil der Geschichte bekennen.
Damit hatten die Arbeiten des Kongresses ihren Abschluß gefunden. Im Anschluß waren die Teil- nehmer Gäste der italienischen Regierung. Am Abend wohnten sie einer Festaufführung in der Oper bei, in der Richard Strauß' „Salome" und Respighis „ßucretia" geboten wurden.
Or. Goebbels
an den Zournalistenkongreß.
Berlin, 12. April. (DRB.) Reichsminister Dr. Goebbels hat un den Kongreß der Union nationaler Journalistenoerbände in Venedig folgendes Telegramm gerichtet: „In Zeiten großer weltpolitischer Entscheidungen ist die nationale Presse das ge-, treue Abbild des politischen und moralischen Wollens ihrer Völker. Während heute die mit dem Odium der Mitschuld am Kriege belastete plutokratisch-bol- schewistische Presse den unaufhaltsamen Zusammenbruch ihrer Länder und Systeme durch wahrheits- widrige Darstellungen zu verschleiern sucht, hilft die verantwortungsbewußte Presse der Staaten der Neuordnung die Voraussetzungen schaffen für eine großzügige Zusammenarbeit im Geiste der in ihren Ländern entwickelten hohen Presseethik. In diesem Sinne grüße ich die Teilnehmer am ersten Kongreß der Union nationaler Journalistenverbände und wünsche ihrer Arbeit einen vollen Erfolg. Ich nehme an dem Verlauf der Tagung lebhaftesten Anteil.
(gez.) Reichsminister Dr. Goebbels."
Aus der Stadt Gießen.
Professor Or. jur. Frölich 65 Jahre alt.
Am morgigen Dienstag, 14. April, kann der Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches Recht, Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Kirchenrecht an der Ludwigs-Universität Gießen, Professor Dr. jur. Karl Frölich, in aller Frische sein 65. Lebensjahr vollenden. Professor Dr. Frölich, der am 14. April 1877 in Oker am Harz geboren wurde, studierte zuerst Geschichte und neuere Philologie, dann Rechtswissenschaft an den Universitäten Jena und Göttingen. Im Juni 1900 bestand er die erste, im Januar 1904 die zweite juristische Prüfung in Braunschweig, im Februar 1904 erfolgte feine Ernennung zum Gerichtsassessor, am 1. März 1909 zum Regierungsassessor, am 1. Oktober 1910 zum Landrichter und am 1. März 1914 zum Landgerichtsrat. Als Hauptmann der Landwehr und Kompanieführer, später als Bataillonsführer stand er im ersten Weltkrieg im Felde. Nach seiner Verwundung war er vom 1. Oktober 1915 bis 1. August 1916 Bezirksrichter am Bezirksgericht in Warschau, später wurde er zur Militärverwaltung der Baltischen Lande kommandiert, wo er zuletzt Vertreter des Präsidenten des Obergerichts in Riga war. Nach dem Kriege wurde er im April 1920 zum Vertreter des Leiters der Zweigstelle Braunschweig des Reichsausgleichsamtes ernannt, dann war er Leiter dieser Zweigstelle selbst, gleichzeitig vom Wintersemester 1921/22 ab ao. Professor für Rechtskunde an der Technischen Hochschule in Braunschweig. Seit dem Wintersemester 1923 wirkt er als Ordinarius an der Univepsität Gießen. Hier erfreut sich der Gelehrte sowohl als Hochschullehrer wie auch als Mensch weit über den Kreis der Universität hinaus großer Wertschätzung.
Gemüse statt Blumen.
Kriegsbedingt werden in diesem Jahre die Blumen durch verstärkten Gemüsebau verdrängt. Zur Aufzucht von Gemüsepflänzchen werden dringend gewöhnliche Blumentöpfe in größerer Anzahl benötigt, die zur Zeit nicht geliefert werden können. Es werden daher die Haushalte gebeten, alle verfügbaren Tontöpfe zur Verfügung zu stellen. Diese werden in Gießen am Mittwoch, 15., und Samstag, 18. April, durch das Jungvolk in den Hauhaltungen abgeholt. Um rechtzeitige Bereitstellung der gereinigten Blumentöpfe wird gebeten.
Für unsere Verwundeten.
Das Oberkommando der Wehrmacht führte im Laufe der vergangenen Woche durch die NS.-Ge- meinschaft ,Kraft durch Freude" verschiedene Veranstaltungen für unsere Verwundeten durch. In einem Lazarett veranstaltete der Gesangverein „Germania" Watzenborn-Steinberg ein Konzert. Unter Stabführung von Ehrenchormeister Harnisch wurden Volks- und Soldatenlieder zum Vortrag gebracht. Reicher Beifall dankte den Sängern. Zu einem frohen Kaffee-Nachmittag hatte der Inhaber der Gaststätte „U. C.", Herr Vogel, eine große Zahl Verwundete aus allen Laza'retten eingeladen. Die schönen Stunden werden allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben. Der Dank der Verwundeten wurde zum Ausdruck gebracht. In einem Lazarett lief der Film „Gefährliches Abenteuer" nebst der Wochenschau. Eine von den Verwundeten gerne gesehene Unterhaltung. Im Auftrage der Kreisbilostelle zeigte Lehrer Ä p p e l m a n n in zwei Lazaretten verschiedene Filme aus „Island" und den Puppenfilm „Stadtmaus und Feldmaus". Die lehrreichen Filme erfreuten sehr. Unter dem Motto „Musik für dich" wurde in einem Lazarett ein Konzert veranstaltet. Die Sopranistin Grete Zoll sang Lieder von Schubert, Brahms und I. Strauß. Maxi I a g s ch i tz spielte auf der Violine Konzertstücke von Beethoven, Drdla und Hubay. Willy Renner hatte am Flügel die Begleitung übernommen und brachte Musikstücke von Brahms, Chopin und Liszt zu Gehör. Der Gesangverein in Ruttershausen brachte in einem Lazarett ein Konzert zum Vortrag. Es wurden Volks- und Soldatenlieder unter der Stabführung von Ehrenchormeister Nicolei gesungen und von den Verwundeten mit reichem Beifall gedankt. Von der Dorfgemeinschaft Stumpertenrod wurde eine Spende für die Verwundeten zusammengetragen und zwei hiesigen Lazaretten überbracht, wo sie dankbar entgegengenommen wurde.
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** Silb erne Hochzeit. Der Schreinermeister Arthur Iran f ner und Frau Else Lina, geb. ßüter, in Gießen, Maigasse 11, können am morgigen 14. April das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Dem Jubelpaar herzlichen Glückwunsch.
Verdunkelungszelt:
13. April von 21.16 bis 5.58 Uhr.
Die ßerche singt im klassischen Reiche der Operette, in Ungarn, erst auf dem Dorfe und dann in Budapest. Die Spannung zwischen Stadt und Land, nicht erst seit heute und gestern ein beliebtes Theatermotiv, entwickelt sich nach dem breit ausgefponne- nen Libretto von A. M. Willner und Heinz Reichert auf eine leicht vorauszusehende, erprobte Weise. Der Budapester Maler Spndor findet in dem Bauernmädel Margit nicht bloß ein brauchbares Modell, sondern auch, wie er sich und ihr Vormacht, die Frau fürs Leben: spannt sie nach einer kräftigen Rauferei ihrem bäuerlichen Bräutigam Pista aus und nimmt sie mit in die Stadt. Das geht natürlich nicht gut, denn erstens macht die elegante Budapester Sängerin Vilma ältere Rechte auf Sandors Zuneigung geltend, und außerdem merkt Margit selbst bald, daß sie nicht in die urbane Welt gehört. Sandor gewinnt zwar mit Margits Porträt einen Preis, läßt sie aber schnöde und undankbar sitzen und hält sich an die triumphierende Vilma, die besser zu ihm paßt. Ein Glück, daß Pista, der mittlerweile auch eine Stellung in der Stadt gefunden hat, die reumütig zu ihm und mit ihm ins Dorf zurückkehrende Margit wieder mit Freuden aufnimmt, sonst gäbe es ein Ende mit Tränen wie im „Land des Lächelns".
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Die Partitux zeigt, auch wenn sie nicht, wie dort, die zum Welterfolg führende Zündkraft und Erfin- dungsfülle aufweist, in allen Stücken die für Lehär charakteristische Instrumentierung, Melodieführung und rhythmische Prägnanz: unter Herrn H er gerts sauberer und präziser Leitung erfuhr die Musik eine wohlabgetönte Interpretation. Herr Payer führte angeregt Regie und verteilte die gefühlvollen wie die komischen Elemente der Hand-
Mit einer schlichten Feier beging die Marine- Kameradschaft Gießen am Samstagabend in ihrem Marine-Bootshaus an der Lahn die 50. Wiederkehr ihres Gründungstages. Dazu hatten sich neben den Angehörigen der Kameradschaft noch zahlreiche Ehrengäste eingefunden.
Kameradschaftsführer L i ch konnte mit besonderer Freude den Marine-Landesverbandsführer, Kapitän Ackermann, als Vertreter der Kreisleitung den derzeitigen Ortsgruppenleiter Gießen-Nord Hitz, die Vertreter der Marine-SA. und der Marine-HI. und aus dem Kreis der alten Soldaten im NS.- Reichskriegerbund den Kameradschaftsführer der Gießener Ärtilleristen-Kameradschaft Joh. Müller an der Spitze der Ehrengäste begrüßen. Er stellte dann den Abend unter das Losungswort „Treue und Kameradschaft", Treue dem Führer und Kameradschaft mit allen Soldaten an allen Fronten. Anschließend gab er einen Ueberdlick über die fünfzig Jahre Geschichte der Marine-Kameradschaft, über die wir am Freitag bereits berichtet haben. Dabei gedachte er auch der Toten der Kameradschaft, der Gefallenen des ersten und des jetzigen Weltkrieges sowie der Gefallenen der Bewegung. Mit besonderer Genugtuung begrüßte er die jetzt noch lebenden Gründer der Kameradschaft Bischoff, Krause, Peter Schmidt und Ritsert, die immer an dem Werden der Kameradschaft regen Anteil genommen hatten.
Hierauf wurde den Gründern für ihr Wirken im Dienste der Kameradschaft, sowie zwei weiteren Kameraden für 40- bzw. 25jährige Mitgliedschaft durch den Marine-Landesverbandsführer Kapitän Ackermann eine besondere Auszeichnung zuteil. Kameradschaftsführer L i ch verlas bann eine Reihe von Glückwünschen, an deren Spitze ein Telegramm des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral R a e d e r, und anderer führender Stellen der Partei und der Wehrmacht, lieber die Betreuungsarbeit innerhalb der Kameradschaft berichtete Kamerad Emmerich, der dabei ein sehr interessantes Bild von dem Leben und Wirken innerhalb der Marinekameradschaft entrollen und zugleich von einem erfreulichen Wachstum der Kameradschaftsstärke von 100 auf über 200 Mitglieder berichten konnte. Mustergültig ist auch die Einrichtung der Chronik der Marine-Kameradschaft Gießen zu nennen, die allenthalben berechtigte Anerkennung fand.
Der Marine-Landesverbandsführer Fulda-Werra, Kapitän Ackermann, überbrachte hierauf der Marine-Kameradschaft Gießen die herzlichen Glückwünsche des Landesverbandes, wobei er mit hoher Anerkennung das bisherige Wirken der Gießener Marine-Kameradschaft würdigte und ihr für die
hing auf eine der bewährten Tradition entsprechend- Weise. Erfreulich frisch und kräftig kamen die von Herrn Hergert einstudierten Chöre heraus. Die Tanzgruppe, von Ballettmeister D o l p e r t geführt, belebte die von Herrn Löffler sachkundig ausge- stattete Szenerie mit vielem Schwung und taktsicherer Exaktheit.
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Liesel Schröter-Beckers fang die mit zierlichen Koloraturen trillernde und zwitschernde „kleine Lerche" Margit; sie spielte, in der Erscheinung ein wenig zu zart wirkend für ein ungarisches Bauernmädel, mit der erforderlichen Naivität und entfal« tete in den soubrettenhaften Tanz- und Gesangsnummern der Partie ein bewegliches und gewandtes Spiel. Herr Hellmers -Hallwegh traf, auch musikalisch angenehm abgetönt, mit sicherem Zugriff die Figur des impulsiven und wankelmütig-reizbaren Sandor. Gabriele P o s s i n k e , in einem zartblauen Kleide reizend anzusehen, sang und spielte die Vilma als eine elegante, verführerischMerlegen-e Dame von Welt. Eine gesanglich ausgezeichnete Leistung bot Herr Druschel in der musikalisch leider nicht sehr ergiebig ausgestatteten Rolle des eifer» süchtigen, aber biederen Pista. Intendant Klein hatte die ursprünglich Herrn Kratz zugedachte Partte des Török Pal übernommen, stellte sich als versierter Operettensänger vor und machte aus dem dörflichen Großvater mit Bauernregeln, Pfeife und Schnupftüchel eine lebhaft chargierte, in jeder Bewegung ihrer Publikumswirkung sichere humoristische Figur. Aenne Elgg (Borcsa) und Herr Ludwig (Baron Arpad) taten sich in kleineren Aufgaben hervor. — Das stark besetzte Haus bereitete der Neuinszenierung eine sehr beifällige Ausnahme.
Hans Thyriot
gute Pflegestätte des Marinegedankens den besonderen Dank des Landesverbandes aussprach. Herzliche Dankesworte richtete er an den Kameradschaftsführer L i ch als derzeitigen Leiter der Marine- Kameradschaft, ebenso gedachte er der früheren Kameradschaftsführer, die allesamt ebenso wie die Gründer vorbildliche Arbeit im Dienste des Gedankens der deutschen Seegeltung leisteten. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte der Redner der Marinekameradschaft Gießen eine Ehrenurkunde des NS.-Marinebundes mit dem Wunsche, daß dis vorbildliche Arbeit und der gute Kameradschaftsgeist in der Marine-Kameradschaft Gießen, so wie allezeit bisher, auch in Zukunft lebendig bleiben möchten. Ferner sprach der Landesoerbandsführer seine besondere Befriedigung über die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Marine-Kameradschaft mit der Marine^SA. und der Marine-Hitler-Jugend aus, wobei er neben dem Kameradsckaftsführer L i ch auch dem Führer der Gießener Marine-Hitler-Jugend, R u p p e l, besondere Anerkennung zollte. Sodann stellte der Redner die gewaltigen Ereignisse unserer Zeit und die sich daraus ergebenden Folgerungen zur See für die deutsche Seegeltung und Seemacht in den Mittelpunkt der Betrachtungen auch bei dieser Feier. Er betonte dabei, gestützt auf die großartigen Waffenerfolge unserer Wehrmacht, namentlich auch unserer Kriegsmarine, den berechtigten deutschen Anspruch auf uneingeschränkte Seegeltung und Seemacht, auf völlige Freiheit der deutschen Seefahrt mit Nachdruck und konnte mit guter Begründung die Marine-Kameradschaften, die Marine- SA. und Marine-Hitler-Jugend als Träger und Propagandisten des deutschen Marinegedankens bezeichnen. Als Ziel des Einsatzes kennzeichnete er eine vollkommene Neuordnung der Welt auch zur See im Sinne einer wirklichen Freiheit der Meere, an dem mitzuarbeiten eine besondere Verpflichtung aller deutschen Menschen sei. Nach Worten des Dankes auch an Kamerad Emmerich für feine vorbildliche Betreuungsarbeit verwies Kapitän Ackermann noch einmal auf die glänzenden Waffentaten unserer Kriegsmarine und schloß dann feine Ansprache mit dem begeistert aufgenommenen Treuegelöbnis zum Führer und der kameradschaftlichen Verbundenheit mit unserer Wehrmacht.
Kamerad Bischoff dankte sodann im Namen der Gründer für die Ehrung und gab persönliche
50 3a6re Mnne-Kameradschast Gießen 1892.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Er ist kein Zigeuner", wiederholte Willis.
„Ein Halbzigeuner. — Hast du eine Zigarette für mich, Welt?" fragte dann der Kleine, und als ihm Welt sein Etui herüberreichte, nahm er sich gleich deren drei unter dem Vorwands den Großen nicht zu oft bemühen zu wollen. Es waren die drei letzten. Welt sah sich nach dem Zigarettenjungen um.
Dabei bemerkte er an einem Tisch, der unmittelbar neben der Kapelle stand, eine blonde Dame, die einen Terrier auf dem Schoße hielt, eine Zigarette rauchte und unverwandt zur Kapelle blickte. Sie hatte eine schlanke, mädchenhafte Figur, glatte, kleine weiße Hände mit dunkelrot gefärbten Nägeln. Er sah nur ihr Profil. Unter dem grünen Hütchen tarnen dichte, hellblonde Locken hervor, die jedoch den Nacken frei ließen.
„Kennst du die?" fragte Petersen, der Weits Blick nachgegangen war, vielleicht eine, die dir früher auch mal einen Korb gegeben hat?"
„Laß doch den Unsinn, Petersen", sagte Willis ärgerlich. Er wußte, daß es in dem Gemüt des starken Welt gewisse Dinge gab, an die man nicht rütteln durfte.
Welt kehrte sich wieder zum Tisch.
„Nein", sagte er ganz ruhig", ich kenne sie nicht. Eine Aehnlichkeit. Ich dachte einen Augenblick, es wäre Elisabeth."
„Aha", machte Petersen und zeigte ein Lächeln.
Willis wandte sich nach der Dame um.
„Elisabeth ist viel jünger", meinte er bann, „und hat eine feineres Profil. Außerdem ist ihr Haar länger, und ihre Nägel sind nicht dunkelrot. Sie liebte es nie, aufzufallen." Er unterdrückte einen Seufzer.
Welt nickte mit dem Kopse und blickte auf das Tischtuch.
„Elisabeth", sagte er leise, „sie war die einzige Frau, vor der ich einen großen Respekt hatte, die ich verehrte und —"
und liebte", warf Petersen ein. „Wenn ich denke, wie du immer rot wurdest wie ein Schuljunge, wenn du mit ihr sprachst, muß ich heute noch lachen. Und sie auch. Sie hat es mir oft genug gesagt."
„Es war gewiß keine Schande, sie zu lieben", wich Welt ihm aus, ,ich bin damals —", er unterbrach sich und winkte mit der Hand ab. Er hatte rechtzeitig daran gedacht, daß es nutzlos sei, sein Inneres vor Petersen zu zeigen, der doch darüber nur Witze machte. Denn Elisabeth Perling hatten beide geliebt, begeistert, sinnlos, übertrieben und ohne zu denken, was daraus werden könnte.
Damals war es auch gewesen, daß der große, starke Welt seine Unfähigkeit eine elegante Unterhaltung zu führen, bitter gefühlt hatte. Stets stach ihn de? kleine Petersen aus, und oft genug hatte er gemerkt, daß der Kleine versuchte, ihn bei Elisabeth lächerlich zu machen. Gewiß, er, Welt, konnte seine Liebe nicht so äußern wie es Petersen tat ober wie esanbere Männer konnten. Er hatte ihr Blumen geschickt und umgab sie mit feigen Ge- bauten und Wünschen. Hin und wieder ließ er em Wort fallen, stammelnd und errötend und unbeholfen, das seine Liebe anbeuten wollte. Und bann lachte gewöhnlich Petersen schallend darüber, zog es ins Lächerliche und erreichte es auch, daß Elisabeth darüber lachen mußte. Hinterher tarn sie zu Welt und bat ihn wegen ihres Lachens um Verzeihung. Und dann plauderte sie oft eine Viertelstunde lang mit ihm allein, und Welt fühlte, daß feine Befangenheit und Schüchternheit verschwunden war, er fühlte sich innerlich gehoben und ihr nahestehend. Bis bann der Kleine wiederkam und das Gespräch an sich riß, indem er jede Aeußerung des großen Welt lächerlich machte.
Nach einer solchen Unterhaltung, als sie sich m der Garderobe für ihren Auftritt umzogen und Petersen die Worte des Starken nachahmte und
feine Liebe zu ihr verhöhnte, da war es geschehen, daß Welt seinen Partner übers Knie legte und ihn verprügelte. Er wußte nicht, was er tat. Er wußte nur, daß hier ein Mensch war, der das ins Lächerliche zog, was sein größtes Erlebnis war, an dem sein Gemüt noch jahrelang zehrte. Nach dieser Prügelei war er so erregt, daß der Auftritt ins Wasser fiel und früher abgebrochen werden mußte, während gerade der kleine Petersen noch niemals so gut gewesen war. Und seitdem ließ sich Welt von dem Kleinen alles gefallen und billigte es stillschweigend, daß der Kleine seine Gutmütigkeit auf die Probe stellte und ausnutzte.
Anscheinend hatte auch Willis an diese Zeit gedacht. Er sagte leise:
„Ja, das war eine schlimme Zeit, damals. Ich habe Blut geschwitzt, denn es hätte nicht viel gefehlt, und unsere Truppe wäre auseinandergefallen — wegen einer Frau. Ist unsere Kameradschaft nicht viel mehr wert als die Liebe einer Frau?"
„Wieso?" fragte Petersen, „wenn der dicke Welt mir nicht immer in die Quere gekommen wäre, wäre ich heute der glücklichste Mensch der Welt."
„Wir wollen nicht weiter darüber reden, Peter", meinte Wett, „es führt zu nichts. Willis hat recht. Du bist manchmal recht mwernünftig und denkst nicht daran, daß es außer dir noch Männer gibt, die auch ein Herz haben."
„Ach, Mann, Wett, gib doch nicht so an. Wenn du die Wahl hast zwischen Elisabeth und einem Eisbein, so greifst du zu dem Eisbein. Du bist ein Materialist —"
„Und jetzt hältst du die Schnauze, Peter, nicht wahr?" fuhr Willis dazwischen und warf dem Kleinen einen drohenden Blick zu, der niemals feine Wirkung verfehlte.
„Warum mag sie eigentlich damals sv plötzlich verschwunden fein?" fragte Welt und warf dem Kapitän einen dankbaren Blick zu.
„Weil ich sie darum gebeten habe", sagte Willis bestimmt, „ich habe ihr gezeigt, daß sie die unschuldige Ursache für den Verfall der Truppe, für unsere
Zwietracht ist. Solange sie in unserer Nähe war, gab es keine Bindung zwischen uns mehr, ihr tarnt zu spät oder gar nicht zum Training, weil ihr immer hinter ihr her wäret, die Auftritte waren schlecht, und die Verlängerung unseres Engagements in London, die uns fest versprochen worden war, fiel ins Wasser. Elisabeth war vernünftig genug, das einzusehen und reifte ab. Ich bin für die Truppe verantwortlich, und unsere Truppe ist unsere Existenz."
Er lehnte sich in seinen Sessel zurück.
Der Teufel weiß, was mich das damals gekostet hat, damals, dachte er.
Er hatte Elisabeth Perling nicht umworben. Er hatte mit ihr oft stundenlang gesessen und sich mit ihr unterhalten. Von allem hatten sie gesprochen, von London, von Berlin, von den verschiedenen Bühnen, auf denen fie"tätig waren, von der Arbeit der Artisten, vom Leben und von den Menschen. Niemals war zwischen ihnen ein Wort gefallen, bas auf sie beide Bezug hatte. Und doch hatte bald zwischen ihnen ein tiefes Verständnis bestanden, eine seelische Annäherung, die eine Kameradschaft schien und doch nichts anderes war als eine reifende Liebe. Er merkte ihr an, daß sie sich freute, mit ihm sprechen zu können, bei ihm sich aufhatten zu können, und ihm fehlte sie, wenn er sie einen Tag lang nicht sah.
Und doch hatte er die Kraft besessen, fie zu bitten, fernzubleiben. Er hatte ihr gesagt, daß Wett und Petersen in 'fie verliebt und bereits ganz erhebliche Unstimmigkeiten zwischen ihnen eingetreten seien, die den Zusammenhalt der Truppe gefährdeten. Auch da hatte er ihr mit keinem Worte angedeutet, daß sie ihm näher stand. Er hatte gemerkt, daß sie über sein Ansinnen befremdet war, ja, fast traurig und ärgerlich. Dann hatte fie sich kühl verabschiedet, ohne ihm Hoffnung zu geben, sie jemals wiederzusehen. Damit hatte er der Truppe, seinen Partnern ein großes Opfer gebracht, ein Opfer, dessen Gröhe fie nicht kannten und auch niemals kennenlernen sollten. (Fortsetzung folgt)


