Ausgabe 
13.3.1942
 
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fenen Uebereinkommens werden Vorbereitungen für einen Eisenbahnexpreßdienst zwischen der Stadt Schonan (dem ehemaligen Singapur) und Bangkok getroffen. Der Zug soll zweimal wöchent­lich verkehren. Vor dem Kriege dauerte die Fahrt 46 Stunden. Der neue Expreß wird die Strecke in einer um mehrere Stunden verkürzten Fahr­zeit zurücklegen.

Aus dem Reich.

Robert Bosch gestorben.

In Stuttgart ist nach kurzer schwerer Krankheit Dr.-Jng., Dr. med. h.c. Robert Bosch, Pionier der Arbeit, Ehrenmeister des Handwerks und Ehren­bürger der Stadt Stuttgart, im 81. Lebensjahr ge­storben. Die von Robert Bosch gegründete und ge­führte Firma hat Weltruf. Die von ihm erfundenen Zündapparate, Anlasser, Bremsvorrichtungen, Schein­werfer, Signalapparate find zwar nur Hilfsgeräte der Automobil-Industrie, aber von solch grundle­gender technischer Bedeutung, daß sie heute kaum noch an den verschiedensten Motorfahrzeugen weg­gedacht werden können. Seine Erfindungen dehnte er auch auf t)aa Flugzeug aus. Er ist immer mit der Zeit gegangen, so daß auch Elektrowerkzeuge, Rund­funk- und Filmgeräte, Kühlschränke usw. zu den Herstellungserzeugnissen der Boschwerke gehören. Robert Bosch ist immer Dheoretiker und Praktiker in harmonischer Verbindung gewesen. Deshalb konnte es nicht überraschen, daß er auch das Pro­blem der Herstellung synthetischer Werkstoffe ziel- - bewußt anpackte. Er war in Wahrheit ein Pionier der Arbeit im Interesse der deutschen Wirtschaft.

Friedrich Wilhelm Lange gestorben.

NSG. Gauamtsleiter Friedrich Wilhelm Lange ist einer kurzen, heftigen Krankheit während.seines Aufenthaltes im Feldlazarett, in dem er mit einer an der Ostfront erhaltenen Verwundung dameder- lag, erlegen. Die Gauleitung Hessen-Nassau verliert mit ihm einen ihrer ältesten hauptamtlichen Mitar­beiter. Er wurde 1905 in Bad Orb im Kreis Geln­hausen geboren. Nach dem Besuch der Schule in Bad Orb, München, Miltenberg und Würzburg wandte er sich dem kaufmännischen Berus zu. Be­reits 1929 wurde er Mitglied der NSDAP, und hauptamtlicher Mitarbeiter der Gauleitung Hessen- Nassau. 1933 wurde er als Geschäftsführer in das Stabsamt des Gauleiters berufen und 1937 mit dem Amt eines Gauinspekteurs betraut. Don 1937 bis 1939 war er Reichshauptstellenleiter im Stab der Partei-Kanzlei in München. Bis zu seiner Einberu­fung zur Wehrmacht im Jahre 1940 bekleidete er wieder den Posten eines Inspekteurs in der Gau­leitung Hessen-Nassau und führte gleichzeitig vertre­tungsweise den Kreis Hanau. Friedrich Wilhelm Lange starb als unermüdlicher und aufrechter Na­tionalsozialist.

Ein gefälschter Mölders-Brief.

Berlin, 12. März. (DNB.) Nach dem Tode des Obersten Mölders wurde in verschiedenen Teilen des Reiches ein Brief verbreitet, den der Flieger­held angeblich kurz vor seinem Tode an den katholischen Propst in Stettin gerichtet haben sollte. Der Inhalt des Briefes ließ sofort er­kennen, daß eine üble Fälschung vorlag. In­zwischen hat der Propst von Stettin als angeblicher Empfänger des Briefes eindeutig festgestellt, er habe Oberst Mölders nicht gekannt, habe auch n i e einen Brief von ihm erhalten. Der katholische F e l d b i s ch o f der Wehrmacht gab in Nr. 1 seines Verordnungsblattes vom 10.1.1942 be­kannt:Einwandfreie Feststellungen haben ergeben, daß es sich hierbei um eine grobe Fälschung handelt. Wenn daher dieser Brief irgendwie auf­taucht, ist seine Verbreitung zu unterbinden." Durch die Geheime Staatspolizen sind inzwischen einige Personen, die den sogenannten Mölders-Brief ver­breiteten, obwohl die Tatsache der Fälschung bekannt war, in ein Konzentrationslager ein­et i e f e r t worden. Die Fahndungen nach den älschern des Briefes laufen weiter. Für die Auf- ärungen, die zur Festnahme der Schuldigen führen können, wurde der Preis von 100000 RM. aus­gesetzt.

Llrlaubsdauer für Inhaber des Frontkömpfer-Ehrenkreuzes.

Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirt­schaftsgebiet H e f s e n hat in neuen Tarifordnungen bestimmt, daß Inhabern-des Frontkämpser-Ehren- kreuzes die Zeit ihres Kriegsdienstes ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt des Eintritts in den Betrieb bei der Berechnung der Urlaubsdauer als Betriebszugehörigkeit angerechnet wird. Im Interesse einer gleichmäßigen Behandlung aller Frontkämpfer des ersten Weltkrieges 1914/18 emp­fiehlt der Reichstreuhänder, diese Regelung auch in den Gewerbezweigen anzuwenden, in denen sie tariflich bisher noch nicht vorgesehen ist.

Aus der Siadt Gießen.

Oer kleine König.

Dreimal wöchentlich, kurz nach 18 Uhr, findet sich in meinem Cafe eine Skatrunde ein. Einer der Herren wird Oskar genannt. Er nimmt eine be­vorzugte Stellung ein. Häufig dröhnt der Tisch wider von Vorwürfen und Anklagen. Besonders Franz scheint nur wenig sattelfest im Spiel zu sein. Es werden erhitzte Meinungen über die Zweck­mäßigkeit des Abwerfens einer Karo-Zehn oder des Stechens mit einem Jungen gewechselt und temperamentgeladene Worte gesagt. Aber Oskar habe ich noch niemals in einen solchen Kampf der Meinungen mit hineingezogen gesehen. Die Güte seines Spieles ist anerkannt und stammtischnoto­risch. Wenn die anderen drei streiten, oleibt er mit undurchdringlicher Miene sitzen und hört den Kampf der Parteien als unfehlbarer Richter an.

Seine Partner lassen es sich nicht anmerken, daß sie sich der Müßigkeit ihrer Auseinandersetzungen bewußt sind. Der Männerstolz in ihnen bäumt sich gegen solche Herabsetzung. Aber es ist so, daß im geheimen jeder des Urteilsspruches Oskars harrt

Verdunkelungszeit:

13. März von 20.22 bis 7.10 Uhr.

und genau weiß, daß es einzig auf diesen ankommt. Gewiß ist auch Oskar nicht durchaus gefeit gegen gelegentlichen Widerspruch: Uber der nimmt dann nie die Form der krassen Ablehnung an, sondern ist immer nur schüchterner Einwand, aus dessen Ton­fall herausklingt: freilich lasse ich mich auch gern eines Besseren belehren.

Oskar ist hier ein kleiner König. Er beherrscht diese Spielnachmittage, hat den freien Blick und die weite Brust, ist der stille Lenker dieser Drei, der respektierte Chef.

Dieser Tage habe ich zufällig erfahren, daß die soziale Stellung, die die Vier im Berufsleben be­kleiden, keineswegs dem Range entspricht, den sie an diesem Tische für den unbefangenen Betrachter einnehmen. Oskar ist ein kleiner Angestellter, und der vielkritisierte Franz leitet ein Geschäft, in dem ein Dutzend Leute vom Schlage Oskars beschäftigt sind. Aber das ist eine Sache für sich, die ihre Wel­len nicht bis hierher schlägt. Das Leben da draußen ist vom Blickpunkt dieser Spielnachmittage das Nebenher, das Außenseiterische.

In allen möglichen Kreisen gibt es diese kleinen Könige, die Männer mit der Begabung im Beson­deren. Zwei oder drei Stunden am Tage oder in der Woche oder im Monat und manchmal auch nur, sofern ihre Meisterschaft auf außergewöhnlichem Gebiete liegt, einmal im Leben, wachsen sie über den Rahmen ihrer Alltagsgeltung hinaus, über­schatten den Augenblick und werfen die herkömm­liche Rangordnung über den Haufen. H. B.

Oie Heldengedenkfeier in Gießen.

Vom Standortältesten wird uns mitgeteilt: Die Feier zum Heldengeden-ktag am 15. März um 9.30 Uhr am Denkmal des I.R. 116 auf dem Landgraf- Philipp-Platz wird in etwas größerem Rahmen als in den Vorjahren stattfinden. Als Ehrenkompanie wird außer einer Land ess chützenko mp anie mit Spiel­leuten eine Kompanie der Luftwaffe mit Fahne am Denkmal Ausstellung nehmen. Ferner werden die übrigen Truppenteile des Standortes mit Abord­nungen vertreten sein. Für die Angehörigen der Gefallenen des Weltkrieges und des jetzigen Krie­ges werden bevorzugte Mätze bereitgehalten.

Oer Fettgehalt der Milch auf 2,5 v.H. festgesetzt.

Zu Beginn des Krieges wurde, um den Ausfall von Fettzufuhren aus Uebersee durch eine Steige­rung der ButtererzeuFung auszugleichen, die Milch- versorgung der Erwachsenen von Vollmilch auf ent­rahmte Frischmilch umgestellt. Diese Regelung hat sich gut bewährt. Jeder Verbraucher erhält damit ein in seiner Zusammensetzung gleichmäßiges Er­zeugnis. Anders liegen die Dinge bisher bei der Versorgung mit Vollmilch, da der.Fettgehalt der Vollmilch in den einzelnen Teilen des Reiches ver­schieden ist. Im Jahre 1932 wurde, den damaligen Verhältnissen entsprechend, der Mindestfettgehalt der Trinkmilch für den größten Teil Deutschlands auf 2,7 v. H. festgesetzt. Für gewisse Teile des Reiches gilt ein anderer Vom-Hundert-Satz, für einige fehlt es an einer ausdrücklichen Vorschrift. Es ist zweckmäßig, auch hier im Interesse einer gleich­mäßigen Versorgung zu einer einheitlichen Linie zu kommen. Eine einheitliche Regelung erleichtert auch die Ueberwachung. Anderseits ist es unbedingt not­wendig, möglichst viel Milchfett für die Herstellung von Butter verwenden zu können. Der Reichs-

SozialversicheruWpsW und Ehefrauen

er

währt werden, versicherunasfrei, und zwar auch dann, wenn ihnen eine Anwartschaft auf Hinter­bliebenenfürsorge nicht gewährleistet ist. In allen anderen Fällen sind die Ehefrauen versicherungs­pflichtig. Anträge auf Versicherungsfreiheit sind in diesen Fällen zwecklos und erschweren nur die Ver­waltung. Der Reichsarbeitsminister behält sich jedoch vor, nach Beendigung des Krieges zu prüfen, ob den Ehefrauen, die wirklich nur zu vorübergehender Aus­hilfe, wenn auch länger als drei Monate tätig ge­wesen sind, die von ihnen selbst getragene Beitrags­hälfte erstattet werden kann.

Die Versicherungsfreiheit in dem obengenannten ersten Fall, in dem die Ehefrauen wegen der schon gesicherten Versorgung ihres Ehemannes versiche­rungsfrei sind, fällt mit dem Tode des Ehemannes weg. Die Witwe kann aber, wenn sie Witwengeld erhält, auf Grund § 1237her Reichsversicherungs- ordnung ihre Befreiung von der Versicherungs- pflickt beantragen.

Ehefrauen, die versicherungsfrei sind, unterliegen

auch nicht der zusätzlichen Versicherung in Rentenversicherung der Angestellten und der Zusatz. Versorgungsanstalt des Reiches und der Länder. Für die übrigen Ehefrauen in angestelltenversiche- rungspflichtiaer Tätigkeit besteht die Möglichkeit, sich auf ihren Antrag von der Verpflichtung zur zu­sätzlichen Versicherung bei der Reichsoersicherungs- anftalt für Angestellte befreien zu lassen.

Während des Krieges haben zahlreiche Ehefrauen eine Beschäftigung übernommen. Es ist das Be­streben dieser Frauen, möglichst von der Sozial- oersicherungspflicht freigestellt zu werden, sei es, daß ihre Ehemänner sozialversichert sind und sie deshalb glauben, daß sie dadurch im Jnvaliditätsfall bzw. im Todesfälle ihrer Ernäherer sichergestellt sind, oder sei es, daß lediglich das Bestreben vorliegt, die Sozialoersicherungsbeiträge zu sparen, weil doch nur eine vorübergehende Beschäftigung vorliegt. Zahlreiche Eingaben sind deswegen an die Behör­den gemacht wovden. Am 13. September 1941 ist nun durch eine Durchführungsverordnung in dieser Frage eine eingehende Klärung erfolgt, aber trotz­dem entstehen immer wieder Zweifel und Mißver­ständnisse.

Der Reichsarbeitsminister hat deshalb in einem Runderlaß im neuesten Reichsarbeitsblatt Nr. 6, Teil II, Seite 136, nochmals zu dieser Frage Stel­lung genommen und die Fälle, in denen Versiche­rungsfreiheit der Ehefrauen besteht, aufgezählt. Es handelt sich um die im § 8 der Durchführungsver­ordnung vom 13. September 1941 erwähnten Ehe­frauen, deren Männer selbst eine Anwartschaft auf Ruhegeld haben oder solche Bezüge erhalten und denen daneben eine Anwartschaft auf Hinter­bliebenenfürsorge gewährleistet ist. Ferner sind die­jenigen Frauen, die selbst Bezieher von Ruhegehalt, Wartegeld oder ähnlichen Bezügen sind, die ihnen auf Grund eigener früherer Beamtentätigkeit ge-

minister des Innern und der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft haben daher ver­fügt, daß der Fettgehalt molkereimäßig behandelter Milch im ganzen' Reiche einheitlich 2,5 v. H. be­tragen muß.

Ostersendungen bis 25. März.

lieber die Aufgabe von Ostersendungen 1942 wird vom Reichspostministerium zur Klarstellung darauf hingewiesen, daß es unter den gegenwärtigen außergewöhnlichen Verhältnissen unerläßlich ist, sie so früh wie möglich, spätestens aber bis zum 2 5. März, einzuliefern. Der in einer früheren Notiz genannte 15. März als spätester Termin wird durch diese Klarstellung berichtigt. Ostersendungen, Pakete und Päckchen, sollen also spätestens bis zum 25. März zum Postoersand gegeben sein. Halt­bare Verpackung und genaue Aufschrift sind unbe­dingt erforderlich. Auch briefliche Ostergrüße nach entfernten Bestimmungsorten dürfen nicht erst an den letzten Tagen vor dem Fest eingeliefert werden, wenn sie rechtzeitig eintreffen sollen.

Offizier-Anwärter der Lustwaffe.

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe gibt be­kannt, daß die Einstellung der Offizier-Anwärter der Fliegertruppe und des Jngenieur-Offizier-Korps am 1. Juli und 11. November 1942, die der Flak und Luftnachrichtentruppe am 1. August 1942 er­folgt. Die Einberufung erfolgt durch die zuständigen Wehrbezirkskommandos. Bewerbungen (für alle Offizierslaufbahnen der Luftwaffe) für obige Ein­stellunastermine sind sofort, spätestens aber bis sechs Wochen vor dem betreffenden Einstellungs­termin bei der dem Wohnort des Bewerbers am nächsten liegenden Annahmestelle einzureichen. Für unsere Gegend kommt die Annahmestelle für Offi­ziersbewerber der Luftwaffe, Hannover, Escher­traße 12, in Betracht. Die Einstellungsbedingungen ind aus dem bei allen Wehrbezirkskommandos omie den Annahmestellen für Offiziersbewerber er­hältlichen MerkblattDer Offiziersnachwuchs der Luftwaffe im Kriege" Ausgabe Oktober 1941 zu ersehen.

Dürfen Läden urlaubshalber geschloffen werden?

Die Urlaubsgewährung an die Gefolgschaftsmit­glieder im Einzelhandel ist in den vielen Zehn­tausenden von Kleinbetrieben schwierig und war vielfach nur durch Schließung des Geschäftes mög­lich. Damit aber die berechtigten Anforderungen der Verbraucher nicht leiden, hat der Reichsarbeits­minister neue Richtlinien herausgegeben, die zu­sammen mit der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel und dem FachamtDer Deutsche Handel" in der Deutschen Arbeitsfront aufgestellt worden sind. In diesen Richtlinien wird bestimmt, daß Schließungen offener Verkaufsstellen für Sicherstellung des tarif­lichen Urlaubs der Gefolgschaftsmitglieder grund­sätzlich nur solchen Betrieben genehmigt werden dürfen, in denen die Vertretung des beurlaubten Personals durch andere Gefolgschaftsmitglieder nicht möglich ist. Die Schließung darf 14 Tage nicht über­schreiten. Die Anträge auf Genehmigung müssen bis zum 15. April 1942 bei der unteren Verwal­

tungsstelle eingereicht sein. Geschäftsschließungen zum Zwecke der Erholung dürfen einzeln arbeiten­den Kaufleuten nur dann genehmigt werden, wenn keine Vertretung des Inhabers vorhanden ist. Hier­bei ist ein strenger Maßstab anzulegen. Die Schlie­ßung von Lebensmittelgeschäften soll nicht geneh­migt werden. In Ausnahmefallen bedarf sie der Zu­stimmung des zuständigen Ernährungsamtes. Die Verwaltungsbehörden stellen im Einvernehmen mit der Handelskammer und den Untergliederungen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel und des Fachamtes Der Deutsche Handel" in der DAF. einen Plan auf, der allen billigen Wünschen der Betriebsführer wie der Verbraucher nach Möglichkeit entsprechen wird.

Schadenverhütung im Kriege.

NSG. Die Gaudienststelle Hessen-Nassau der Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenoerhütung teilt mit: Die Erkenntnis, daß der Kampf gegen Schä­den aller Art ein Kampf zur Erhaltung der lebens­notwendigen Güter der Nation ist, wird im Frie­den von führenden Männern der Partei und des Staates als eine Aufgabe von größter Bedeutung angesehen. Während aber im Frieden die Werter­haltung allgemein auch von den Laien als eine selbstverständliche Notwendigkeit angesehen wird, so wird doch ihre Bedeutung im Kriege oft bezweifelt.

Besonders im Kriege ist die Schadenverhütung eine wesentliche Grundlage unserer nationalen Kraft. Diese Aufgabe hat sich auch das Institut für 23er- sicherungswissenschaft zu eigen gemacht und zu die­sem Zwecke die Zusammenarbeit mit der Reichs- arbeitegemeinfdjaft Schad enverhütuna ausgenom­men. In steter Erziehungs- und Aufklärungsarbeit wollen diese beiden Institutionen dem deutschen Volke den Schadenverhütungsgedanken nahebringen.

Als erste Gemeinschaftsveranstaltung des Insti­tutes für Dersicherungswifftnscha ft an der Universi­tät Leipzig und der Reichsarbeitsgemeinschaft Scha­denverhütung findet daher gegenwärtig eine Tagung unter dem MottoSchadenverhütung" statt, in

Der feurige <dfen

Roman von Hans von Hülsen

38 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Eins a!", sagte Fips gedämpft:Es ist schon wahr, Baton: manche Vögel fingen im Käfig besser als in der Freiheit! Und so prima oista! Dazu muß man schon hochmusikalisch sein! Mir völlig schleier­haft"

Christian Fehr hörte nicht auf ihr Geplapper. Die Lider unter den weißen Brauen zusammengekniffen, lauschte er angestrengt dem Wechselgesang drüben, der sich immer mehr ins Pathetische steigerte. Alle feine Nerven waren in Aufruhr. Die süße Sinnlich­keit der Musik erregte ihn. Er fühlte, daß sie sehr stark war viel stärker, als er's Fontana zu­getraut, daß sie jeden erregen mußte, wie ein feuriger Wein.

Jeden? Und also auch die beiden da drüben?

Der Gedanke machte Fehr heiß und kalt.

Wenn jeden, bann zu allererst die beiden.

Er fühlte, wie Eifersucht, jählings ausbrechend, ihn an der Kehle würgte, er hätte schreien mögen, nach Marion rufen, damit sie bei ihm wäre, aber da war ja dieser Troll, dieser entsetzliche Homun­kulus, der ihn hinderte, der wohl nur geblieben war, um ihn zu hindern? Um den beiden das Licht zu halten?

Blitzschnell liefen seine Gedanken: der Silvester­abend, als Marion darauf bestanden hqtte, Fontana flu besuchen, ohne Rücksicht auf seine eigenen Wün­sche! Der Gesellschaftsabend, an dem sie mit ihm, für ihn, die Arie aus derDonaunixe" gesungen! Die häufigen, viel zu häufigen Besuche des Kom­ponisten im Schloß! Und wie sie ihm lebhaft zu- gerebet hatte, das Jagdhaus zu verkaufen er hörte sie deutlich sagen:Ein solcher Nachbar unschätzbar für das einsame Lappersdorf!"

Mit einem Male fiel alles Ungereimte, was er

je über das Treiben beim Theater gehört, gleich einem Rudel Wölfe über ihn her. Weit, weit hatte er es von sich gewiesen, so oft er daran dachte, daß Marion jahrelang in dieser Welt gelebt, aber nun war es wieder da und grinste" ihn mit höhnisch gebleckten Zähnen an.

Ein sekundenlanger Frostschauer lief ihm durch alle Nerven.

Er lag auf dem Diwan ausgestreckt, die heißen Augen geschlossen, und fühlte den Schauer qualvoll langsam verebben. Und er wartete, wartete, daß der Alp sich von ihm heben würde, daß der Augen­blick käme, in dem er sich schämte, die Frau, die er liebte, mit solchen Gedanken besudelt zu haben: immer war das das Ende aller Grübelei gewesen, früher, wenn ihn die Eifersucht auf Abbeg geplagt, immer hatte er sich selber ausgelacht und gescholten und sich feierlich geschworen, seinen Argwohn mit der Hundepeitsche wegzuprügeln.

Aber heute kam der Augenblick nicht, so sehr er ihn auch herbeisehnte. Heute stand am Ende nur der Entschluß, wachsam zu sein! Das späte Glück, das er sich aufgebaut, nicht von einem hergelau­fenen Musikus zerstören zu lassen!

Er kam sich vor wie ein Hund, der eine Fährte ausgenommen hat: er wollte die Nase nicht mehr von dieser Fährte heben ... sie durch dick und dünn verfolgen ... und zupacken, ehe es zu spät war ...

Drüben endete die Musik mit einem hinsterbenden Duo:Ich liebe dich Gute Nacht!"

*

Der Samstag war endlich da.

Fehr hatte ihm, je näher er kam, desto erregter entgegengefiebert, hatte noch am Freitag Dr. Wulf- lam, der seinen letzten Krankenbesuch machte, mit vorsichtigen Wendungen gefragt, ob er den Auftrag auch nicht vergessen habe. Ob Ulla auch wirklich kommen werde.

Seit der schlimmen Stunde, da Fontanas verfüh­rerisch-sinnliche Musik einen Tropfen Gift in sein ruhiges Blut geträufelt, schien ihm nichts so wichtig, als Ulla wiederzusehen und zu sprechen. Er wußte

selbst nicht, warum, er fragte sich vergeblich nach den Zusammenhängen.

Kein Wort, nicht das leiseste, gegen Marion, von allem, was ihn bewegte! Er wäre sich mehr als lächerlich vorgekommen, Hütte er sie von seinem in der purpurnen Herzenstiefe wuchernden Argwohn auch nur die kleinste Regung merken lassen. Das alles waren hauchzarte, ganz unwägbare Dinge, die im selben Augenblick, da man sie zum Wort werden ließ, schillernden Seifenblasen gleich zergingen. Und was hätte er ihr denn auch sagen sollen? Daß er sie im Verdacht habe, ihn mit Fontana zu betrügen? Aber er war ja selber weit entfernt, sie in solchem Verdacht zu haben! Es war eine Nervensache, nichts weiter, er wurde nur die nervöse Furcht nicht los, auf dem üppigen Boden dieser musikalischen Freund­schaft könnte eines Tages Giftkraut wachsen, die empfindliche Grenze zwischen Kunst und Leben möchte sich einmal verwischen ... Das war alles. Es war wenig und viel, je nachdem.

Doch zugleich sagte er sich auch immer wieder, daß sein wachsames Auge jeder Gefahr begegnen werde, daß nichts törichter wäre, als die vielleicht ganz harmlose Marion durch eine plumpe Warnung zu unrechter Zeit kopfscheu zu machen.

Er hatte ja oft und oft beobachtet, im eignen Haus und bei den Gesellschaften auf den Gütern des Kreises, wie sie sich gegen andere Männer ver­hielt und hatte sie immer untadelig gefunden. Daß ihre Art und Weise freier, ungezwungener, mensch­licher mar, als die der stocksteifen, ihr an Geist und Grazie weit unterlegenen Damen hierzulande, das war ja nur natürlich. Sie kam aus einer ganz anderen Welt und war zu alledem noch eine Rheinländerin, die einen Schuß Champagner im Blut hatte ...

Ja, war es nicht gerade dieser Schuß Cham­pagner, diese ihre innere Freiheit und Menschlich­keit, war sie es nicht gerade, um derentwillen er sie liebte und stets geliebt hatte, von allem An­beginn?

So war er denn all die Tage lang Fips'

letzte Tage gleichmäßig freundlich gegen sie ge­wesen, nicht anders als vorher, genau so, als hätte es nicht in seiner Seele einen kleinen Erdrutsch gegeben. Und er hatte auch lächelnd gute Miene gemacht, da Arnold Fontana am Freitag, unange­meldet, noch einmal erschien, um eine Variante des neuen Duetts durchzuspielen und zu proben, die Marion selber ihm neulich vorgeschlagen. Man hatte damals, nachdem der Deckel des Flügels sich wieder geschlossen, die Angelegenheit lang und breit­em Teetisch erörtert, und Fehr hatte vorurteilslos den sicheren Geschmack von Marions Einwendungen bewundert wenn auch natürlich nicht entfernt so enthusiastisch wie der Komponist! Als er nun am Freitag von seinem Lager aus dem Spiel und Ge­sang lauschte, fand er, daß sie vollkommen recht ge­habt hatte, daß es so weit besser war. Und diesmal plagten ihn auch keine Schauer von Eifersucht.

Ader der Vorsatz, wachsam zu sein, stand uner­schütterlich in ihm fest.

Am Samstagnachmittag fuhr Marion mit Fips zur Stadt, um sie in den Schnellzug zu setzen. Ihre Zeit war um, Montag mußte sie das neue Engage­ment in einem Kabarett des Berliner Westens an­treten. Es galt nur für einen Monat was dann würde, wußte sie noch nicht: aber sie machte sich allerlei Hoffnungen, in Berlin wargroßer Be­trieb", ganz anders als in München, vielleicht gelang es ihr sogar, einmal zum Film zu kommen. Der Film bot für eine Groteskkomikerin wie sie zweifellos Möglichkeiten, man mußte nur die rich­tigen Wege aufspüren. Sie hatte in ihrem Koffer ein Empfehlungsschreiben von Marion an Regisseur Greiling von der Gloria-Film ... Als Abschieds­gabe hinterließ sis in dem dicken, schweinslederge­bundenen Gästebuch von Schloß Lappersdorf einen Schüttelreim, der so kühn und ungezwungen war, daß Fehr sich mit hochgezogenen Brauen einen Augenblick fragte, was wohl die strengen Damen von den Gütern ringsum dazu sagen würden. Aber wahrscheinlich würden sie ihn gar nicht verstehen.

(Fortsetzung folgt.)