aus Das den
Als ich Bose verließ, hatte ich den Cnnbrucf, mit einem Manne gesprochen zu haben, der genau wußte, was er wollte. Er hatte nichts von einem Fanatiker an sich, sondern glich eher einem kühlen
Auge gefaßt worden.
Inzwischen sind zweieinhalb Jahre weltgeschichtlicher Umwälzungen verflossen, und das Schicksal pocht, wie zu erwarten, an die Tore Indiens, England wird alles versuchen, um durch politisches Entgegenkommen zu retten, pos es noch retten zu können glaubt. Mögen andere durch halbe Erfül- ' langen zum Einschwenken in die Front unserer Gegner gewonnen werden — Bose wird nicht zU ihnen zählen. Er ist noch jung und hoffentlich gesund genug, um den Tag der vollen Entscheidung herbeiführen zu helfen.
Die Schatten des Krieges über Indien.
auch das Mendland in Atem hielten.
Ich erzählte ihm von der Arbeit des Indischen Ausschusses, die sich pflichtgemäß von jeder Tages- polittk fernhalte, um in einem höheren, oder nicht minder bedeutsamen Sinne für eine Annäherung der Völker zu wirken. Er stellte in Aussicht, daß auch in Indien künftig Plätze für junge Deutsche zum Studium der indischen Verhältnisse und Sprachen geschaffen werden sollten. Seine Zeitung („The Liberty", später „Forward" in Kalkutta) stehe für alle solche Bestrebungen weit offen.
Lissabon, 12. März. (Europapreß.) „Bombay ist vollgepfropft mit Flüchtlingen aller Klassen und Nationen", berichtet der Londoner „Daily Telegraph". Es gebe in dieser Stadt kein freies Zimmer oder Bett mehr. Die Lebensmittelversorgung sei ein Problem, das mit jedem Tags schwieriger werde. Bombay werde bereits als Kriegsgebiet angesehen. Ueberall rüste man fieberhaft zur Verteidigung. 9000 Luftwarte seien bereitgestellt. Mit dem Bau von Luftschutzkellern und Splittersicherungen seien Tausende von Arbeitern beschäftigt. — Die Räumung der Insel Cey- l o n durch die Zivilbevölkerung hat begonnen. Auf Grund einer Verfügung des Oberbefehlshabers, Vizeadmiral Layton, müssen alle nicht ständig auf Ceylon ansässigen Zivilpersonen und alle Frauen, deren Aufenthalt auf der Insel nicht unbedingt erforderlich ist, Ceylon verlassen. — In allen Teilen Indiens machen sich nach Darstellung in Bangkok eingetroffener nationalgesinnter indischer Flüchtlinge Anzeichen einer ständig st eigen« den Gärung gegen die englische Herrschaft bemerkbar. Zahlreiche indische Patrioten seien in letzter Zeit verhaftet worden. Versuche, das indische Volk an der Verteidigung Indiens zu interessieren, haben nach Angaben der indischen Flüchtlinge bisher wenig Erfolg gehabt. Insgeheim werde von den Engländern bereits der Abtransport brittscher Frauen und Kinder vorbereitet.
Ernste Folgen des Verlustes von Südburma.
Lissabon, 12. März. (Europapreß.) Die „Times" schreibt, daß durch den Fall von Rangun der Ausgangspunkt für alle Lieferungen nach TfchunH- king-China in die Hände der Japaner gefallen ser. Auch Indien erleide durch den Ausfall der Lieferungen aus Burma große Einbußen. Vier vom Hundert der indischen Reiserzeugung — der grüß- tcn der Welt —, die zusätzlich aus Burma nach Indien eingeführt wurden, fielen nun weg, ebenso die Einfuhr von Bauholz, Oel und Petro- troleum. Dazu komme der Verlust des kriegswichtigen Tungsteines, der aus Tavoy ein« geführt wurde. Der Ausfall der Oellieferungen aus Burma könne auch nicht durch Lieferungen aus Iran wettgemacht werden, da die Verbindungen zwischen Iran und Indien weit schlechter seien, als die zwischen Indien und Burma es waren. Auch Wolfram könne man jetzt nicht mehr für die indische Industrie aus Burma beziehen.
Die Gefahr sei nunmehr, daß die Japaner nach La sh io in Nord^Burma vorstießen, wo die Burma-Straße über die chinesische Grenze führt. Dort lagerten große, für China bestimmte Kriegsmaterialmengen, die man wegen der Transportschwierigkeiten erst im Laufe von Monaten nach China bringen könne. Die in Burma noch vorhandenen britischen Truppen reichten kaum aus, die Japaner aufz uh alten. Verstärkungen aus Indien noch jetzt nach Burma zu bringen, sei infolge der Transportveryältnifse so schwierig, daß man wahrscheinlich überhaupt von Hilfsmaßnahmen absehen müsse.
Schonan-Bangkok Expreß.
Bangkok, 12. März. (Europapreß.) Auf Grund eines zwischen der japanischen Armee in Malaya und der thailändischen Regierung getrof-
Begegnung mit Subhas Ehandra Bose
Von Franz Thierfelder.
Das Ritterkreuz für General Munoz Grande.
DNB. Ausdem Führerhauptquartier, 12. März. Der Führer hat dem Kommandeur der spanischen Freiwilligen-Legion, Generalleutnant Munoz Grande, das Ritter- kreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Die spanischen Freiwilligen kämpfen an einem der Brennpunkte unserer' Ostfront Schulter an Schulter mit den deutschen Soldaten. Die Division steht ununterbrochen in vorderster Linie. Immer wieder versuchten die Bolschewisten, die Front zu durchbrechen, aber überall haben die tapferen spanischen Kämpfer ihnen schwere Verluste zugefügt.
Gedanken ganz neue Möglichkeiten. Wer Eindrücke aus den ersten Asta-Rielsen-Filmen fast gleichzeitig mit denen aus dem Faust-Film, dem früheren Fri- dericus-Film, den ersten Tonfilmen und den bis ins Letzte ausgefeilten historischen Filmen sehen kann, wie wir sie im „Bismarck" vor uns haben, dem ist nahezu die Möglichkeit gegeben, aus der Geschichte des Films jene Kräfte zu erfassen, die überhaupt im Film noch wirksam werden können.
Es kommt dabei weniger darauf an, die Elements des Spielfilms als solchen klarzumachen und zu verwerten, es ist vielmehr wichtig, sich daran zu erinnern, daß der deutsche Film durch die Entwicklung besonders der letzten 25 Jahre heute eine Macht darstellt, die nicht mehr überwunden werden kann.
Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß beim Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland noch 70 bis 80 v. H. aller Filme, die in den Kinos gezeigt werden, französischen Ursprunas waren, daß man im Jahre 1915 noch französische Wochenschauen zeigte, obwohl Oskar M e ß t e r schon 1914 dokumentarische Bildstreifen schuf, dann verstehen wir, daß das letzte Vierteljahrhundert etwas hervorgebracht, das wir schlechthin als deutschen Film bezeichnen können. Der deutsche Film hat, wie die Beispiele aus den verschiedensten Jahrzehnten zeigen, eine ungeheure Wandlungsfähigkeit bewiesen. Er hat sich von einem hoch ausgeprägten romantischen Sujet, wie es der Faust-Film darstellt, bis zum politischen Bekenntnis der jeweiligen Gegenwart, wie wir es etwa in „Pour le m£rite“ verkörpert finden, entwickelt, dabei aber eine bestimmte Linie doch nicht verlassen, wir meinen das ständige Ringen um das Problem, das nicht nur interessant, sondern lebenswichtig und lebensfördernd ist. Diese Haltung spricht aus dem Siegfried-Film des Jahres 1924 ebenso wie aus dem Film ,Hch klage an".
Wenn heute die Diskussion um den Film und den Filmstil auch gerade wieder mit einem neuen Problem, nämlich dem Farbfilm, belastet ist, so bleibt doch das Wesentliche in der Filmentwicklung nicht die technische Verbesserung und Vervollkommnung, sondern der Wille zur Gestaltung echten Lebens. Der Film ist vielleicht die einzige Kunstform, die es fertigbringt, durch Selbstdarstellung etwas, über ihre Problematik zu sagen. Daß sie es kann, ja, daß sie es mit besonders starker Wirkung vermag, hat dieser Film, den die Ufa aus den wichtigsten Ueberrefteft des filmischen Daseins geschaffen hat, bewiesen.
Hans-Hubert Genseri,
dosia zu setzen, ist es zü verdanken, daß die Stadt mit verhältnismäßig geringen Verlusten genommen werden konnte. Hauptmann Jakob wurde 1910 als Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich Jakob z u Ehringshausen, Kr. Wetzlar/Lahn, geboten. — ^-Oberscharführer K o e ch l e brach tn einem kühn durchgeführten Stoßtruppunternchmen in eine den eigenen Abschnitt durch ständiges Flankenfeuer bedrohende Feindstellung ein und vernichtete sechs Bunker und eine MG.-Stellung durch Handgranaten. — Unteroffizier Jakob hat am 18. Januar mit seinem Zuge eine stark überlegene Feindgruppe überraschend angegriffen und vernichtet. Hierdurch schuf er für fein Regiment die Mog- lichkeit des erfolgreichen Angriffs auf Die Stadt Feodofia. Bei einem Einsatz feines Regiments Ende Januar ist er in vorderster Linie gefallen.
auserlesene Inder zur Fortsetzung wissenschaftlicher und beruflicher Studien nach Deutschland gebracht hatte. Er versicherte, die Wirkung, die diese von Deutschland auf kulturpolitischem Gebiete bisher nicht gewohnte Initiative in Indien aus- geübt habe, fei weit größer, als der materielle llufwano vermuten lasse. In einer kritischen Stunde eines Volkes habe die hilfreiche Geste aus Mün-. chen ermutigend und beglückend gewirkt und werde nie vergessen werden. Ich versicherte ihm, daß wir von dem Echo der bescheidenen Stipendien, die mehr als Aufmunterung denn als wirkliche Hilfe zu bettachten seien, gerührt gewesen und nichts versäumen würden, in Zukunft noch mehr indische Studenten nach Deutschland kommen zu lassen.
Abends trafen wir uns zur verabredeten Stunde. Viele Blumen und ein einfacher Imbiß standen auf dem Tische. Subhas Chandra aß nur Gemüse. Ob aus religiösen Gründen ober mit Rücksicht auf feine angegriffene Gesundheit, weiß ich nicht mehr. Gin paar dunkelhäutige Inder (Bose wirkt wie viele Bengalen ziemlich hellfarbig), Studenten und Sti- pendiaten der Münchener Hochschulen, die Sekretärin des Indischen Ausschusses Fräulein v. D. und ich saßen um den künftigen Führer Indiens, der chon einmal Bürgermeister der bedeutendsten Stadt eines Landes gewesen war, der in Englands Hörsälen gelernt und in Englands Gefängnissen gelitten hatte, der in Eens das törichte Spiel der europäischen Mächte mit undurchdringlichem Blick aus der Nähe verfolgt und in den Hauptstädten Mitteleuropas Menschen kennengelernt und Fäden zwischen den in Europa studierenden Landsleuten geknüpft hatte.
Bose sprach sparsam und zurückhaltend. Er wollte Deutschland in seiner Umwandlung von 1933 studieren. Deutschland könne für Indien viel bedeuten, wenn es die indischen Studenten gut ausbilde und namentlich auch moralisch erziehe. Er verstehe, daß in der Politik die Wege nicht immer gleichlaufen könnten: Deutschland habe Rücksichten zu nehmen, die man in Indien begriffe, aber andererseits dürfe Indien wohl hoffen, daß man feinen Freiheits'kampf würdige und die indischen Verhältnisse gerechter als bisher beurteile. Viel fei gewonnen, wenn die Berichterstattung ernsthafter werde: hier bessere Verhältnisse in Europa zu schaffen, sei ein Hauptziel feiner Reife. Das Land der märchenhaft reichen Maharadschas, der Witwenverbrennungen unib schwülen Dschungeln müsse der Vergangenheit angehören — es fei für einen Inder schmerzlich zu sehen, welche falschen Vorstellungen noch immer über einen Teil der Welt herrschten^ in dem dieselben sozialen und nationalen Probleme brennend geworden seien, die
Rechner, der nicht eher handelt, als bis er seines Sache sicher ist. Kurz bevor er Präsident des 2Ilft • indischen Kongresses geworben mar, erhielt ich eines Tages einen Brief aus Kalkutta, ob ich bereit sei, auf ein halbes Jahr nach Indien zu kommen, um der deutschen Oefsentlichkeit ein Bild vom natio« ncllen Indien zu vermitteln. Ich sagte zu, und als Tag ber Abreise war der 1. September 1939 ins
Ein Film vom Film.
Dokumente seiner Entwicklungsgeschichte.
Seit dem halben Jahrhundert, in dem der Mensch filmen kann, hgt sich bas Phänomen von reinen Effekten unb der spielerischen Ausdruckssphäre in einem so starken Maße gelöst, daß wir in der Geschichte des Films, die Geschichte des letzten halben Jahrhunderts unmittelbar ablesen können. Dte Ufa hat versucht, durch die Wiedergabe einzelner Filmteile aus den verschiedensten Entwicklungsstadien des Films überhaupt das Werden des Films dokumentarisch festzuhalten. Durch dieses Experiment hat sie offenbar noch mehr erreicht, als sie beabsichtigte. Ein Filmwerk, bas mit einer Spieldauer von VA Stunden uns sowohl in die Erlebniswelt des Kinos, das um die Jahrhundertwende auf dem Jahrmarkt zu finden war, hineinstellt, uns über die einzelnen Entwicklungsphasen des stummen Films hinweg zu der scheinbar erlösenden Tat des Tonfilms führt unb über diese hinaus noch die Leistungen zeigt, die der deutsche Farbfilm aufzuweisen hat, reißt notwendig eine solche Fülle von Erinnerungsbildern und Erlebnisebenen in uns auf, daß wir durch eine solche Zusammenstellung etwas mitbekommen von der Dynamik unseres Zeitalters überhaupt.
Daß es heute möglich ist, die Stil- und Willensbilder der Zeiten von 1901 bis 1912, des Weltkriegs, der Nachkriegszeit und der Epoche vor der Machtübernahme zusammen mit den Ausdrucksformen des neuen Deutschland innerhalb einer kurzen Zeit prägnant unb gültig hintereinander vorzuführen, gibt den sich um die Filmdramaturgie bewegenden
solle sich anbinden, wenn er da oben schafft; denn da unter der Decke sammelt sich das Gas an einigen Stellen wie m einem Ballon. Richtige Nester sind das, und wenn da einer rein kommt ..
Nun, daran hab' ich gedacht, und so bin ich denn rauf. Und das ist alles.
Als der lange Karl wieder in feine Gondel
(Interpreß-Copyright.) <
Eines Morgens — es war im Jahre 1936 — ’ wurde mir einer meiner indischen Schutzbefohlenen , gemeldet. Er trat aufgeregt und geheimnisvoll zu- - gleich ins Zimmer.
„Er ist gestern abend von Prag gekommen , ■ lüfterte er, als wenn er befürchtete, die Wände könnten Ohren haben.
Wer?" fragte ich verwundert, — „etwa ; Gandhi ...?" , , tm„
Auch Gandhi hatten mir ernst in München er- wartet, als er zur Round Tadle Conference in London weilte, aber Gandhi hatte abgesagt. Er, ber persönliche Gefahren in heiklen Lebenslagen me scheute, war als politischer Taktiker voller Vorsicht, unb außerbem hatte er zu den Deutschen fein rechtes Verhältnis.
’ „Ach Gandhi--", sagt Dr. D. mit einer bei- .
nahe geringschätzigen Handbewegung. „— Ein mel wichtigerer Besuch: Subhas Chanbra Bose!
In ber £at, bieser Gast war vielleicht doch noch bemerkenswerter als der alte Rechtsanwalt aus Südafrika, der unendlich viel für fein Volk getan, aber nun das Alter erreicht hatte, in dem er ber nachbrängenben Generation Platz machen mußte. Und diese Generation, die Zukunft des indischen Nationalismus, verkörperte der Hindu Subhas Chandra Bose, den die Engländer „Sir" nannten, während sie ihn innerlich zum Teufel wünschten.
Er möchte Sie sprechen", stotterte Dr. D., „heute abend im Regina-Palast-Hotel. Er möchte sich aus- führlich mit Ihnen unterhalten." Ich versprach zu kommen. .
Kurz darauf machte Sir Subhas Chandra Bose seinen offiziellen Besuch. Sein Bild ist in den (efeten beiden Jahren schon oft durch die deutschen Blatter gegangen; damals aber kannte feinen Dramen außer ein paar Berufsdiplomaten kaum ein Deutscher, unb wenn ich eine etwas lebendigere Vor» fteHung von ihm hatte, so deshalb, weil die letzten acht Jahre kaum ein bedeutenderer Inder nach Europa gekommen war, der nicht ein Stündchen im ,Lndia Institute of the German Academy" ter- verplaudert hätte. U ebereinstimmend hielten ihn schon damals alle seine Landsleute für Indiens kommenden Mann.
Doch da öffnete sich die Tür und herein trat -em schlanker, etwas über mittelgroßer Mann, der auf den ersten Blick keinen überwältigenden Eindruck machte. Eleganz, Selbstbewußtsein und Würde prägten sich in seiner Haltung aus; der lange hochgeschlossene Rock unb die fezartige Kappe wirkten feierlich. Er trug eine Hornbrille mit kreisrunden Gläsern, hinter denen er nach Art Kurzsichtiger bre Augen zu einem schmalen Spalt zusammenkmff. Am auffälligsten war sein volles, rundliches Ge- sicht, das nach europäischen Begriffen ungewöhnlich jung wirkte. Man hätte den damals Neununddreißigjährigen leicht um fünfzehn und noch mehr Jahre jünger schätzen ckönnen. Wenn man freilich länger mit ihm zusammen war, verriet die Sicherheit seines Auftretens, die bestimmte Art, sich auszudrücken unb die Verknüpfung der Gedanken, die er äußerte, daß dieser Mcmn den Osten und Westen genau kannte und auch bas Geringste in Rechnung stellte, wenn es irgendwie in Zusammenhang mit seinen politischen Zielen gebracht werden konnte.
Der Inder dankte zunächst für bas Stipendien- werk, das von München ausgegangen war unb zum erstenmal — noch ehe die Humboldtstiftung in Berlin gegründet worden war — ein halbes Hundert
will er denn da? Was will er überhaupt? Der klettert ja ins Dach hinein. Nun steht er schon i oben in den Bindern. Na, wenn ihn das nicht seinen Arbeitsplatz kostet!
Und nun, was ist das denn? Was iist denn nun auf einmal los? Was ist denn mit dem kleinen Pisternik los? Ja, hält der sich denn nicht fest? Der taumelt doch! Der stürzt ja! Der fällt ja in den offenen Mischer!
Nein, er fällt nicht. Der lange Karl ist schon bei ihm und packt ihn. Nun hält er ihn fest. Ganz vorsichtig tastet er sich mit ihm am Binder entlang. Er schleppt ihn auf die Plattform seines Krans.
Nun erst haben auch die anderen begriffen. Einer ist schon die Leitern hoch, die zum Kran hinaufführen. Und dann schaffen sie Pisternik zu zweien nach unten. An die leere Pfanne, die immer noch über dem Riesenmaul des Mischers hängt, denkt zunächst niemand mehr. Aber dann ist es ber Meister, ber den langen Karl fragt: „Sagen Sie mal, Kranführer, wie kam denn die ganze Geschichte? Wie konnten Sie denn in Ihrer Gondel überhaupt wissen, baß da oben was geschehen mürbe? Als Sie hochkletterten, war der Kleine doch noch ganz munter!"
Die Arbeiter verstehen immer noch nicht.
Der lange Karl erzählt: Ich hab mal einen Vogel gesehen, der flog hier oben unter dem Dach herum. Bald saß er auf diesem Binder, bald auf jenem. Und hüpfte luftig weiter. Vielleicht sang er auch dabei. Das hört man ja nicht, wenn ber Kran rasselt, und nebenan brüllt der Hochofen. Aber fröhlich war er doch. Ja, und dann sah ich ihn in die Ecke hüpfen, eben da, wo der kleine Pisternik saß, eben noch saß; unb bann hüpfte er luftig weiter und weiter, und auf einmal, nichts mehr, fällt er um und ift im Mischer verschwunden. Nur ein Vogel war es. Ein andermal hab ich's wieder so gesehen. Und wieder an derselben Stelle. Und wieder ein Vogel. Und wie ich vorhin den Pisternik gesehen habe, wie er bei feiner Arbeit immer näher an die Stelle gerückt ift, wo damals ber Vogel faß, da hab' ich an den Vogel gedacht. Nur an drei Vögel, aber ich hab' gedacht: Wenn das, was dem Vogel ; geschehen ist ... Nun, der Pisternik hat doch i Frau und Kinder, und überhaupt, es ist doch i ein Kamerad. Und da wollt' ich rauf und wollt' . ihn runterholen. Oder vielleicht wollt' ich bas > nicht einmal, ich wollt' ihm wohl nur sagen, er
Die Vogelwarnung.
Von Erich Grisar.
Ratternd fährt der große Kran mit der Zwei- hunberttonnenpfanne, bie mit weißflüssigem Eisen bis an ben Rand gefüllt ist, in die Mischerhalle. Bis zu der Riesentrommel, die, ebenfalls mit stufst- ( gern Metall gefüllt, ihr offenes Maul langsam der Pfanne zubreht, während oben, zehn Meter Darüber, direkt unter dem Dach, ein paar Arbeiter bad ei sind, ein paar schadhafte Stellen bes Glasdachs, durch die bei Tage Regen herein und bei Nacht das Licht der Halle hAausbringen könnte, auszubessern. Wie Fliegen klettern die Männer in ber Dachkonstruktion herum, überall bie Oefsnunyen ver- ftopfenb, burch bie ausfaUenbes Licht bei Nacht dem nach lohnenden Zielen suchenden Feinde einen Fingerzeig geben könnte.
Ruhig dreht sich die gewaltige Trommel. Die Arbeiter sind unterdes an einer Stelle des Daches fertig geworden. Sie rücken ihre Bretter weiter. Der kleine Pisternik, der immer so lustige Scherze zu erzählen weiß, wenn er mittags bei ben Schmelzern sitzt unb sein Mittagessen verzehrt, hockt letzt genau über ber Mischeröffnung. Man sieht, wie die Glut ihn von unten her anstrahlt. Der Kleine kümmert sich nicht darum. Gleichmäßig tut er seine Arbeit.
Nun hält ber Kran genau über dem Mischer. Die Pfanne neigt sich. Ein bitter Strom hellflüssigen Metalls ergießt sich in bas offene Maul der Riesentrommel, in der die verschiedenen Sorten geschmolzenen Erzes zu einer einheitlichen Masse zusam- mengemischt werden, bie einen Stahl von fester gleichmäßiger Struktur ergibt.
Doch plötzlich, was ist benn nun geschehen? Hat der lange Karl ben Verstand verloren? Der setzt ja einfach seinen Kran still! Natürlich, die Pfanne ist leer, aber er muß doch fort, eine neue Pfanne holen, und bie leere Pfanne kann doch auch nicht ewig über ber Mischeröffnung hängenbleiben!
Was ist denn los da oben, schreit schon ber Meister burch den Bau und stellt sich neben die Arbeiter, die verwundert wie er nach oben blicken. Aber ben langen Karl rührt bas nicht. Unbekümmert klettert er die kleine Leiter hinauf, die von seiner Koje unter bem Kran nach oben führt. Nun läuft er schon über bie Plattform bes Krans. Gleich muß er bei den Rädern auftauchen. Was
Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als 80., 81. und 82. Soldaten der deutschen Wehrmacht an Hauptmann Ubben, Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, anläßlich seines 67. Luftsieges, an Oberleutnant 0 ft ermann in einem Jagdgeschwader anläßlich seines 62. Luftsieges und an Hauptmann Eckerle, Gruppenkommandeur In einem Jagdgeschwader, anläßlich seines 62. Luftsieges. Hauptmann Eckerle ist von einem Feindflug nicht zurückgekehrt.
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Der Führer verlieh das Ritterkreuz an: Major Simons, Führer eines Infanterie-Re P- ments;, Hauptmann Jakob, Bataillonsführer in einem Infanterie-Regiment: jf - Oberscharführer Ko echle, Zugführer in einem Jnfanterle-Regi- ment einer //-Division und Unteroffizier Jakob, Zugführer in einem Infanterie-Regiment.
Major Simons hat in zäher Abwehr und m mutigem Gegenstoß eine taktisch besonders wichtige Stellung gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind erfolgreich gehalten. — Hauptmann I a k ob hat in ber Schlacht um Feobosia Mitte Januar durch persönliche Tapferkeit und kühnes, selbständiges Handeln zum Erfolg beigetragen. Semem Entschluß, über ben Auftrag hinaus sich noch in der Dunkelheit in ben Besitz des Norbwestteils der Stabt üeo-
deutscher U-Boote in folgenden Seegebieten versenkt: Auf der Neufundland-Bank unb vor Neufundland vor Halifax (Neuschottland), dem Hauptsammelpunkt der nach England bestimmten Geleitzüge, vor Neuyork, vor der Delaware- Bai (Einfahrt nach Philadelphia), vor ber F l o - rida-Straße, im Karibischen Meer unb vor Britisch-Guayana. Auf ihren Fahrten von und zum Operationsgebiet jenseits des Ozeans fanden an- und abmarschierende U-Boote auf den Schiffahrtswegen zwischen Nordamerika und England sowie auf den Zufahrtswegen nach Nordamerika ihr Ziel auch im freien Atlantik. Heber 50 Breitengrade, vom Aequator bis in den Nordatlantik, erstreckten sich bie Jagdgrünbe unserer U-Boote bei diesen Erfolgen. Neben ber Versenkung von Handelsschiffen war wiederum der Kampf gegen Sicherungsstreitkräfte erfolgreich. Die Versendung eines Bewachers und eines U-Boot-Jägers erfolgte vor ber kanadischen Küste. Unter den versenkten Schiffen befinden sich vier Tanker. Seit dem ersten Auftreten unserer Unterseeboote an der amerikanischen Küste belaufen sich damit die dortigen Tankerverluste, die den Feind besonders empfindlich treffen, auf 50 Einheiten mit pfammen 385 000 BRT. Seit ber ersten Erfolgsmeldung vom 24. Januar 1942 sind von deutschen Unterseebooten in amerikanischen Gewässern 115 feindliche Handelsschiffe mit 772 400 BRT. versenkt worben. Hinzu kommen 50 700 als Erfolg italienischer U-Boote.
Unter dem Eindruck dieses neuen Schlages hat der USA.-Flottenbefehlshaber, Admiral K i n g, an- geordnet, daß die namentliche Veröffentlichung von Schiffsverlusten sofort eingestellt wird. In Zukunft sollen nur noch allgemein gehaltene Meldungen herausgegeben werben, wobei die Schiffsgrößen nur durch vage Zusätze — wie mittlere ober größere Schiffe — an gedeutet werben sollen. Zwei Monate U-Boots-Krieg in amerikanischen Gewässern haben also genügt, die amerikanische Schiffahrt so empfindlich zu treffen, daß die weiteren Verluste nun nach britischem Muster möglichst verheimlicht werden sollen. Der angekündigte Wechsel der amerikanischen Berichterstattung enthält eine ungewollte Anerkennung der Leistungen ber deutschen U-Boot-Waffe. Daß sie auch in anderen Seegebieten erfolgreich zur Stelle ist, bestätigt bie Torpebierung eines britischen Kreuzers vor Libyen.
Das Eichenlaub mit Schwertern an Hauptmann Philipp.
DRV. Aus dem Führerhauplquartier, 12.2Närz. Der Führer verlieh Hauptmann Philipp, Gruppenkommandeur in einem Jagdgeschwader, das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandle ihm folgendes Telegramm: Im Ansehen Ihres bewähr- len Heldentums verleihe ich Ihnen anläßlich Ihres 86.Luststeges als 8. Offizier der deutschen W e h r m a ch t das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler.-
kletterte, flog eben ein Vogel in die offene Halle. Er setzte sich auf das Brett, auf dem vor einer halben Stunde der Pisternik noch gesessen hatte. Er hüpfte hin und her auf diesem Brett.
In diesem Augenblick erwachte Pisternik seiner Betäubung unb schlug die Augen auf. erste, was er sah, war ber Vogel, ber in offenen Mischer stürzte.


