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Bedrohung durch Luftwaffe und U-Boote der Achsenmächte befahrbar ist, eine der Lebenslimen des Empire und wichtigster Zufahrtsweg für den Nachschub der in Aegypten kämpfenden Empire- Truppen wie der britischen Nah-Ost-Arrnee. Dazu kommt die Bedeutung der Landbrücke für den Luftverkehr nach Indien, für den vor allem im Irak eine Reihe militärischer Stützpunkte und moderner Flughäfen angelegt wurde. Der große Flugplatz Habbaniyah ist in der Zeit der natio­nalen Erhebung des Irak gegen die britische Ver­gewaltigung im Frühjahr 1941 allgemein bekannt geworden. Aber auch die Hauptstadt Bagdad besitzt einen bedeutenden Land- und Wasserflugplatz, der vor dem Kriege einer der meist angeflogenen Plätze der Erde war. Es liegt in der Natur der Orient» länder, daß Eisenbahnen rar find. Die Bagdad- Bahn, die vor dem ersten Weltkrieg deutscher Anregung, deutschem Kapital und deutschen Inge­nieuren ihre Entstehung verdankte, ist auch heute noch der wichtigste Schienenstrang. Sie ist im Som­mer 1940 auch in ihrem letzten Abschnitt westlich von Mossul fertiggestellt worden und dient, soweit nicht ihr nördlicher Teil durch das Gebiet der neu­tralen Türkei führt, ausschließlich den strategischen Bedürfnissen Englands, denn als die Regierung des Irak sie von den Engländern für einen Spottpreis er­warb, mußte sie sich verpflichten, alle leitenden ©tei­len mit Engländern zu besetzen und sie im Kriegsfall dem britischen Oberkommando zur Verfügung zu stellen. Die Bahn, die von Basra, dem irakischen Hafen am Persischen Golf, ausgeht, führt über eine Entfernung von etwa 1200 km an die syrisch- türkische Grenze und an ihr entlang nach Aleppo, wo sie Anschluß an die Strecke nach Damaskus hat. Eine andere wichtige Linie ist die Hed - s ch a s - B a h n , deren arabischer Teil jedoch seit dem ersten Weltkrieg zerstört ist. In Transjor- danien führt sie von der Hauptstadt Amman, mit einer Querverbindung zu benr palästinensischen Oel- hasen Haifa und Anschluß an die Strecke nach Port Said, nach Maan, von wo eine moderne Auto­bahn nach dem Hafen Akaba am Roten Meer führt, als Ausweichhafen für Suez heute für die britische Kriegführung von besonderer Bedeutung und deshalb auch seinerzeit nicht dem Wahabiten- körng Ibn Saud überlassen, sondern dem von Eng­land beherrschten Transjordanien zugesprochen. Andere wichtige Autostraßen, die ja in den letzten Jahrzehnten in den meisten Wüstenländern der bil­ligeren und schnelleren Anlage wegen an Stelle von Schienensträngen angelegt worden sind, ver­binden über eine Entfernung von 800 km hinweg Bagdad mit Damaskus und Diefts mit Mossul und Haifa. Eine andere Strecke, die zum Teil der be­rühmten Oelleitung parallel läuft, führt von Jaffa 'über die ttansjordanische Hauptstadt Amman und Rutba nach Bagdad.

Wirffchaftlich bestimmen die reichen Oelvorkom- men Englands Intepesse an den Ländern des Vor­deren Orients. Neben den Oelquellen Irans und der Bahrein-Inseln im Persischen Golf ist es vor allem das Mossul-Oel des Irak, das den Treibstoff für die britische Kriegs- und Handelsflotte wie für die Panzertruppen der in Aegypten und im Nahen Osten stehenden britischen Armeen liefert. Diese drei Hauptölgebiete des Vorderen Orients zusam­men erzeugten vor dem Kriege etwa 6,5 v. H. der Meltölproduktion. Daneben spielt in all diesen Ländern auch Baumwolle eine hervorragende Rolle. Zusammen mit Aegypten und dem Sudan lieferte der arabische Raum etwa 8 v. H. der Welternte an Baumwolle, das wichtigste Rohprodukt der eng­lischen Textilindustrie. Aber nicht minder ausschlag­gebend für den Entschluß Englands, die Hand auf diese reichen Rohstoffländer zu legen, war die Sorge, der europäische Kontinent könne sich durch enge Verkehrs- und wirtschaftspolitische Verbindung und Zusammenarbeit auf so wichtigen Versorgungs- gebieten wie Oel und Baumwolle unabhängig machen. Neben Baumwolle sind noch andere land­wirtschaftliche Produkte von Bedeutung, so Mais, Gerste, Weizen und vor allem die Dattelpalme, der Irak allein erzeugte nahezu drei Viertel der Welt­dattelernte. Wenn trotzdem heute in all diesen Ländern drückende Rahrungsmittelnot, ja teilweise Hungersnot herrscht, so ist daran allein England schuld, das nach dem Grundsatz, daß der Rrieg sich selbst ernähren muß, die Lebensmittelvorräte der von ihm beherrschten Länder mit größter Rücksichts­losigkeit für seine Besatzungstruppen beschlagnahmt.

Der an Umfang weitaus größte Staat der Land­brücke des Vorderen Orients ist der Irak, das alte Mesopotamien an Euphrat und Tigris mit der Hauptstadt Bagdad. Aber nur etwa 3,5 Millionen Menschen, zu 80 v. H. Araber, daneben auch Kur­den, Türken und Juden, bewohnen einen Raum, der fast so groß ist wie Preußen mit seinen

mehr als '46 Millionen Einwohnern. Als im Jahres 1919 die Friedensmacher in Paris die Beute unter | ich verteilten, geriet man über den Nahen Osten ich sehr bald in die Haare, denn jeder, sowohl Eng­land, wie Frankreich und die Vereinigten Staaten, wollte seinen Anteil am Mossulöl. Als erste wurden die Amerikaner aus dem Geschäft hinausgedrängt. Engländer und Franzosen einigten sich dann 1924 in San Remo, denn in dem schon genannten Sykes- Picot-Abkommen vom Jahre 1916 hatte England dem französischen Verbündeten einen Teil des Mossulöls versprochen und wurde nun gemahnt, ein Versprechen einzulösen. Es bekam Syrien als Dölkerbundsmandat und eine eigene Oelleitung aus dem Mossulgebiet nach dem Mittelmeerhafen Tripolis, während die britische Oelleitung nach dem palästinensischen Haifa führt. Mtt dem Einzug der Franzosen in Damaskus im Sommer 1920 zwanzig Jahre später muhten sie vor der britlsch- gaullistischen Uebermacht das Land wieder räumen, war es mit der Herrlichkett F a i s a l s als König von Syrien zu Ende. Sein Vater Hussein war als Verbündeter Englands nach dem Weltkrieg König von Hedschas in Mekka geworden. Ibn Saud machte wenige Jahre später seiner Herrschaft em Ende. Der Sohn floh nach England und feine Freunde im Colonial office schufen nun in Bag­dad einen neuen Thron für ihn. Im August 1921 wurde er König des Irak unter britischer Vormund­schaft, die er auch nicht los wurde, nachdem der Dölkerbundsrat den Irak im Jahre 1925 zu einem nationalen unabhängigen Staat" erklärt und nach Aufhebung des britischen Mandats den Irak im Jahre 1932 in die Genfer Liga aufgenommen hatte.

Englands Agenten sorgten dafür, daß Faisal der inneren Zwistigkeiten nicht Herr wurde. Nach­dem das Land auf britischen Rat partamentanfrert worden war, folgte eine Regierungskrisis der an» deren. 1933 starb Faisal unter Vergiftungserschei­nungen in der Schweiz. Unter seinem Sohn Ghazi I. unternahm General Bekr Sidky 1936 einen Militärputsch und führte ein autoritäres Re­gime ein, aber ein Jahr später fiel er einem Attentat zum Opfer und 1939 verunglückte auch der junge König auf einer Autofahrt unter sehr merkwürdigen Umständen. Nun endlich gelang es England, in die Regentschaft für den sechsjähri­gen Thronerben Faisal II. mit dem Emir Abdul Jllah einen ihm gefügigen Mann zu bringen, der auch eine den Engländern' genehme Regie­rung mit Nuri Said als Außenminister berief. Aber diese Regierung konnte sich gegen die Volks» ftimmung nicht hallen, denn man hatte im ira­kischen Volk die Hand des britischen Secret fermce erkannt und verabscheute die englandhörigen Mi­nister. Als nun im Frühjahr 1941 England auf Erweiterung des Bündnisvertrages von 1930 drang, um das unsicher gewordene Land militärisch be­setzen zu können und der Regent Abdul Jllah einen Staatsstreich plante, um die ihm unbequeme Re­gierung Taha Haschimi Paschas zu beseitigen, kam ihm der Geberalstabschef Amin Zakiheit zuvor. Er ergriff die Macht, der Regent mußte nach Trans­jordanien fliehen, und Raschid el Kailani, der kurze Zeit vorher auf britischen Druck hin zum Rücktritt gezwungen worden war, bildete eine Re­gierung der nationalen Konzentration, die den Kampf mit England aufnahm, als dieses unter Be­rufung auf den Bündnisvertrag indische Truppen in Basra landete, angeblich nur zum Durchmarsch nach Palästina, in Wahrheit um den Irak mit starken militärischen Kräften zu besetzen, und die irakische Armee zu entwaffnen. Der Kampf der irakischen Unabhänaigkeitsbewegung gegen die ge­waltige britische Uebermacht endete nach ver­heißungsvollen Anfängen mit dem Zusammenbruch des nationalen Widerstandes. Raschid el Kailani mußte fliehen, sein Gegenspieler Nuri Said er­richtete auf den Spitzen britischer Bajonette eine blutige Schreckensherrschaft.

Aber die drakonischen Urteile gegen die engsten Mitarbeiter Raschid el Kailanis haben den Geist des nationalen Widerstandes erneut entfacht. Sabo­tageakte an militärischen Einrichtungen der bri­tischen Besatzungstruppen, passiver Widerstand gegen die Verwaltung des englandhörigen Kabi­netts Nuri Said, Demonstrationen nationalbewuß- ter Araber find immer wieder Beweise für die un­geheuer erregte Stimmung bes' irakischen Volkes. Nuri Said wußte sich gegen diese antibritische Opposition nicht^anders zu helfen als durch Auf­lösung aller Vereine, in der er die Herde der natio­nalen Bewegung sah. Aber weder diese Maßnahme noch die Verhaftung und Verbannung unsicherer politischer Elemente kann den englandhörigen Re­genten und seine Minister von der Angst befreien, daß die Araber des Irak einst Rechenschaft von

Oie peitsche für die Inder.

Don unserer Berliner Schriftleitung.

und konfessionelle Zusammensetzung dieses Landes, wie sie sich in britischen Köpfen malt. So behauptete er, die Kongreßpartei fei in Wirklichkeit ein Nichts, sie werde von der überwiegenden Mehrheit der Inder abgelehnt oder sogar bekämpft. Aber selbst Reuter meldet immer erneute Protestaktionen der Inder aus allen Teilen des Landes, die englische Presse weiß zu berichten, daß immer wieder Streiks ausbrechen, die indischen Massen sich versammeln, um ohne Waffen friedlich gegen die schändliche Un­terdrückungspolitik der Briten zu demonstrieren, sie weiß von Hinrichtungen, kurzum, sie gibt das Bild eines Landes, das in dön Vorgluten der Revolutton steht. Und das alles nennt Churchillbefriedigend , man dürfe über Indiennicht ungebührlich ver­fahren". Es war eine echte Churchillrede. Churchill weiß, daß heute 390 Millionen Inder trotz rassischer und religiöser Gegensätze sich im Kampf um In­diens Freiheit völlig einig sind. Als' einzige Zu­sicherung zur Klärung der Verhältnisse in Indien gab er bekannt, daß umfangreiche Truppenverstär­kungen nach Indien unterwegs seien und daß auch die USA. weitere Truppenkontingente dahin ver­legen würden. Und das sind die Männer, die er­klären, sie kämpften für die Freiheit und die natto- nale Selbständigkeit der Völker? Im ganzen eng­lischen Unterhaus fand sich nur der Abgeordnete Shinwel, der entsetzt feststellte, die Erklärungen Chur­chills würden Millionen Menschen zutiefst ent­täuschen. DerDaily Telegraph" antwortet ihm aber, diese Millionen ständen außerhalb Englands, und das ist für die sittliche Auffassung des Heu- tigen Britanniens so bezeichnend, wie Churchill selbst.

(fine Deutsch-Indische Gesellschaft.

Im Hamburger Rathaus wurde in Anwesenheit des indischen Freiheitsführers Subhus Chan­dra Bose dieDeutsch-Indische Gesellschaft in Hamburg" gegründet. Der Präsident der Vereini­gung zwischenstaatlicher Verbände und Einrichtun­gen, ^-Obergruppenführer und General der Poli­zei, Lorenz, betonte, daß Deutschland dem in­dischen Freiheitskampf besonderes Verständnis und wärmste Sympathien entgegenbringe. Subhas Chandra Bose führte aus, die Briten hätten, als es ihnen gelungen war, ihre Herrschaft über Indien zu errichten, ihr bestes getan, um alles indische als möglichst minderwertig hinzustellen. Als Indien moralische Hilfe brauchte, hätten deu t s ch e DenkerundGelehrte Indien und seine Kultur entdeckt. Dies werde das indische Volk nie vergessen, und dieses kulturelle Band, frei von allen selbstsüchtigen Interessen, habe bis heute die Grundlage aller deutsch-indischen Interessen ab­gegeben. Seit 1938 habe er unentwegt die Idee verfochten, daß Indien sich mit den Feinden des britischen Imperialismus zusammenschließen müsse. Das indische Volk sei überzeugt, daß Großbritan­nien in diesem Kriege besiegt werde, und daß sein Weltreich der Auflösung entgegengehe.

Der britische Jndienminister Amery hatte am 8 August 1940 die Jndienpolttik Großbritanniens dahin charakterisiert, daßSeiner Majestät Regle- rung aufs tiefste über die Gemeinschaft der natio­nalen Bestrebungen in Indien berührt ei und fühle, daß eine ausführlichere Bekannt­machung ihrer Absichten dazu beitragen werde, diese Gemeinschaft noch zu fördern." Mas darunter zu verstehen war, wurde in dem Augenblick klar, als die Japaner nach ihrem Sieg in Burma bis zur indischen Grenze vorrückten und England hoffte, aus Indien Kanonenfutter in ausreichendem Maße herausziehen zu können. Indien verlangte seine schon während des Weltkrieges versprochene, aber von London nicht eingelöste nationale Freiheit und Unabhängigkeit. Cripps hatte sich dann im Früh­jahr dieses Jahres von Churchill beauftragen lassen, die Sache mit Indien ins reine zu bringen. Er ver­sprach den Indern die nationale Selbstverwaltung nach dem Kriege. Es kam zum Abbruch der BerhanÜlungen und zur klaren Formulierung der Forderungen der indischen Kongreßpartei an die englische Regierung: England hat Indien zu ver­lassen und damit einen Beweis für die Aufrich­tigkeit seiner Erklärung über die künftige Freiheit Indiens zu erbringen. London hat diese Entschlie­ßung der Kongreßpartei, die im Namen des ge­samten indischen Volkes diese Freiheitsforderung erhob, mit der Verhaftung der nationalen Führer der indischen Freiheitsbewegung und mit den brutalsten Unterdrückungsmaßnahmen gegen frie indische Bevölkerung beantwortet. Tausende von indischen Freiheitskämpfern sckmachten in den be­rüchtigten britischen Gefängnissen, Hunderte haben ihr Eintreten für das natürlichste Menschenrecht eines Volkes mit dem Märtyrertod bezahlt.

Am Donnerstag gab ChurchiN dem Unterhaus Erklärungen zur Lage in Indien. Er tat es in seiner bekannten zynischen Art etwa, in der Form, wie er in seinem Buch über den Burenkriea die Nieder- fnallung burischer Freiheitskämpfer schildert. Bis­her feien weniger als 500 Personen getötet worden. Gegen die Auspeiffchung mit den tödlich wirkenden bleigefüllten Bambusstöcken hatte er nichts einzu­wenden. Sein Indienminister Amery, vom gleichen Scklage wie Churchill, hatte vorher eine Anfrage dayin beantwortet, die öffentlichen Auspeit­schungen von Indern, immerhin Angehörigen einer Nation, die schon Philosophie trieb, Mathe? matik hatte und bewunderungswürdige Kunstwerke schuf, als die Bewohner der brjttschen Insel noch auf primitiver Kulturstufe standen, geschehe ja nicht mit der berüchtigten siebenschwänzigen Katze, son­dern mit einem weniger fühlbaren Folterinstrunleitt, und im übrigen fei es den lokalen Behörden In­diens überlassen, diese Strafe zu verhängen. Die englische Regierung selbst habe gar nichts damit zu tun.

Churchill hatte sich seine Mede sehr leicht gemacht. Er behauptete, die Lage in Indien habe sich ge­bessert und hielt dann eine Art Vorlesung aus der Enzyklopädie Britannica über die ethnographische

denen fordern werden, die ihr Land Den Briten aus- geliefert haben. Raschid el Kailani hat vor kurzem Berlin und Rom besucht und hier wie dort die Zu­sicherung erhalten, daß die Achsenmächte die natio­nalen Unabhängigkeitsbestrebungen der Araber mit größtem Interesse verfolgen, wie ja auch schon die Erklärung der Achsenmächte vom Dezember 1940 die arabischen Völker der vollen Sympathie Deuffch- lands und Italiens für ihren Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit versichert hatte. Diese Haltung steht in schärfstem Gegensatz zu dem Bestreben Edens zur Gründung einerPanarabischen Union" unter britischer Vormundschaft, wobei der berüch­tigte Parteigänger Englands, der Emir Abdullah von Transjordanien als Schattenkönig von Eng­lands Gnaden das Aushängeschild abgeben soll. Es wäre nichts anderes als die Erneuerung des alten Churchill-Planes aus dem Jahre 1922, ein Middel Castern Empire" zustande zu bringen, ein mittelöstliches britisches Reich, das den Kern des Empire, die Landbrücke zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean, zum letzten und festesten Bollwerk britischer Macht gegen die vom überall her l)eran- spülenden Fluten der Zerstörung machen soll. Die letzten Reorganisationen im britischen Oberbefehl beleuchten, mit welchem Ernst man in London die Lage im Mittleren Osten betrachtet.

Dr. Fr. W. Lange.

Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Berlin, 11. Sept (DRV.) Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreu­zes an Hauptmann Dilcke, Kommodore eines Jagdgeschwaders, und übermittelte ihm folgendes Schreiben:In dankbarer Würdigung Ihres hel­denhaften Einsatzes im Kampf um die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 122. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Das Eichenlaub mit Schwertern für Hauptmann Müncheberg.

DRV. Aus dem Führerhairptquartleh 1L Sept. Der Führer verlieh das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Hauptmann Müncheberg, stellvertretenden Kommodore eines Jagdgeschwaders, und übermit­telte ihm folgendes Schreiben:Im Ansehen Ihres immer bewährten Heldentums verleihe ich Ihnen als 19. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Hauptmann Müncheberg trat 1936 als Fah­nenjunker bei der Luftkriegsfchule Dresden ein. Nach

Dr. Brüggers Patientin

Roman von Walter Klöpffer

40. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nein, nein, Anna ist vollkommen schuldlos", sagte Fender lebhaft.

Aber ihr Vetter hat das Geld doch abgehoben?" Weil ich ihn darum bat. Wir trafen uns zufällig, und ich schickte ihn an den Schalter. Er hatte keine Ahnung."

Dann habe ich den beiden ja entsetzlich Unrecht getan, dachte Brügger und ließ den Kopf finken.

Kannst du mir verzeihen, Paps? Ich will es nicht beschönigen, aber ich war Damals im Druck. Du hast mir Das Geld für Die Reise verweigert, und ich wollte doch fort. Darum bin ich nachts durch Das offene Fenster in dein Sprechzimmer gestiegen."

Anna war in jener Nacht ebenfalls in meinem Sprechzimmer. Die Purgstaller sagte es wenigstens. Sie will auch gesehen haben, wie Anna das Scheck­buch m Den Schreibtisch räumte."

Möglich. Aber mit Dem GelDe hat Anna nichts zu tun. Vielleicht ist sie von einem Geräusch er­wacht und hat nachsehen wollen. Oder sie hat Kops­wehtabletten gesucht. Wenn ich mich recht entfinne, klagte sie Damals über Kopfschmerzen. Es gibt noch andere Möglichkeiten. Das Scheckbuch habe ich un­vorsichtigerweise liegen lassen. Wahrscheinlich hat Anna es aus Ordnungsliebe weggeräumt. Nein, du mußt nichts Schlimmes von deiner Frau denken. Ich wollte, es wären alle wie sie. Da habe ich ja etwas Schönes angerichtet!" seufzte der junge Mensch, den die Krankheit seltsam verwandelt hatte. Dann schwieg er erschöpft und schloß die Augen.

Diese Rede, ein Gespinst von Wahrheit, Zerknir­schung und Verschleierung alles dessen, was zu neuer Wirrnis führen konnte, ging wie ein warmer Regen auf Brüggers ausgedörrtes Herz nieder. Gleich­zeitig empfand er S^rnn über feinen falschen und lieblosen Verdacht. Impulsiv und voller Dankbarkeit streichelte er Des Stiefsohns Finger.

Es ist in Ordnung, Boy. Wir wollen nicht mehr davon sprechen. Ich Helse dir, gesund zu werden, und

nachher helfe ich Dir erst recht. Es ist nie zu spät."

Du bist so gut, Paps. Das Geld steckt in meiner Brieftasche. Wenn ich Durchkomme, werde ich ar­beiten ober Dir nie mehr unter die Augen treten. Ich war ja so töricht. Aber nun bin ich schrecklich müde, auch Das Fieber meldet sich wieder, gleich schlafe ich ein ..."

,La^-jchlafe nur. Ich gehe inzwischen ein bißchen ins Freie. Ich bleibe in der Nahe, für Den Fall, daß Du mich brauchst." Brügger erhob sich und ver­ließ Das Zimmer. Es hatte Regen gegeben in Der Nacht, und Das Gras funkelte von blitzenden Tropfen. Der Berg drüben. Den Brügger nicht kannte, löste Das Haupt aus brauenDen Nebeln. Der weiße Spitz äugte argwöhnisch aus seiner Hütte, Den Zottelkopf zwischen Den Pfoten. Brügger schlenderte ums Haus. Flockenblumen blühten, Liebstöckel und Arnika. Eine Beradohle krächzte und flog mit schwe­ren Flügeln zu Tal. In den Ställen läuteten Die Rinder. Dor Martin Brüggers innerem Blick er­schien Annas Gestalt, wie er sie zuletzt gesehen hatte. Es war Das Bild einer anmutigen jungen Frau, Der Unrecht geschehen ist, und Die sich nun abweisend und herb verkapselt. Würde sie ihm verzeihen? Jndizey! Welcher Unsinn! Da sah man wieder einmal, was Schuldbeweise wert waren. Alles schien so klar, ihre Schuld nämlich, und jetzt, nach Boys Geständ- nis, war alles von Grund aus verändert. Ein un» glückliches Zusammentreffen widriger Zufälle, Gift und Ränkewerk Der Purgstaller, er selbst ein Tor ohne Vertrauen und Menschenkenntnis und schon zahlte eine unschuldige junge Frau die Zeche. Nun, das ließ sich hoffentlich wieder gutmachen. Anna war nicht so, daß sie lebenslänglich grollte, wenn man ihr reumütig eine Dummheit eingestand. Er hatte plötz­lich ein felsenfestes Zutrauen zu Anna Hudal, Der er in Den Isaranlagen einen Antrag gemacht hatte. Nie wieder wollte er an ihr zweifeln. Und was jenen Briefumschlag mit Der Deränderunasanzeige Der Bank betraf, so hatte ihn Anna einfach aus Ver­sehen zwischen Die Blätter Der Zeitung geschoben. UnD Das Gespräch mit Dem Detter? Das bezog sich natürlich auf etwas ganz anDeres. Nein, nein, Anna war wie frischgefallener Schnee, Anna war die reinste, beste Frau von Der Welt, und nur ein Narr konnte ihr einen solchen DerDacht anhängen.

Es war alles klar, wunderbar klar, aber in anderer Weise, als er zuerst angenommen, und das war schön, wunderschön.

Der Nebel sank in Die Tiefe, und zwischen den Wolken war ein scharfes, flammendes Gelb, das von der aufgehenden Sonne- herkam. Brügger versuchte vergeblich Das Tal zu erkennen, es war alles wie weiße ziehenDe Watte, und er mußte sich mit Dem Anblick Der Berge begnügen. Der Tag gab seine Schätze nur Der Reihe nach preis.

Auch Boy würDe wieder werden, der arme Kerl. Er hatte gefehlt, denn vertretbar war Das natürlich nicht, was er sich Da geleistet hatte mit Dem Scheck, aber er bereute, und Das war immerhin ein Anfang und eine Umkehr. Mit einem Wort, Der ganze Tag heute war köstlich, Drinnen unD Draußen, unD Die Welt hatte plötzlich ein anderes Gesicht. Auch Hunger melDete sich. Brügger ging ein paar Schritte weiter unD fand Hingerl hinter Der Hütte mit Kochange­legenheiten beschäftigt. Der Gärtner stand vor einer provisorischen Feuerstelle und war Dabei, einen Schmarren zu machen, bei Dessen bloßem Anblick einem Das Wasser im Munde zusammenlief. An Schmalz unD Eiern hatte Der Gute jeDenfalls nicht gespart. ,

Was ist? Kann man Davon auch was haben?" fragte Brügger begehrlich.

Ich hab s ja gewußt, Daß Sie Hunger kriegen", brummte Hingerl und hielt feinem Herrn einen Löffel voll unter Die Nase.Na unD?"

Ausgezeichnet!"

Schade, Daß Die Rest Das net kosten kann! Die meint ja immer, sie allein hätte Die Kocherei ge­pachtet. Fibel, hol einen Teller! Laus, Mann Gottes! Sonst wird Der Schmarren mir zu resch. Wir haben Das Feuer Da heraußen gemacht, Damit der junge Herr net gestört wird. Wie geht's ihm Denn?"

-.Nicht schlecht. Wenn wir Glück haben, bringen wir ihn Durch."

"Ich weiß net, ich weiß net wenn einer so aus» 'chaut, wie Der", wiegte Hingerl zweifelnd Den Kops. Der himmelet, sagen Die Allgäuer."

Hingerl, ein Mann ohne große BilDung, aber von gesundem Menschenverstand und mit Ahnungsver- mogen, behielt recht. Die Besierung im Zustand Des

Kranken hielt nur bis zum Nachmittag an. Dann kam ein jäher Umschwung, Der j)r. Brüggers Hoff-, nungen vernichtete. Das Herz wollte nicht mehr« Brügger gab fein geliebtes Strophantin, er gab Kampfer unD Sympatol, aber die Wirkung war keine dauernde. Der Kranke verfiel von Stunde zu Stunde mehr. Seine Augäpfel zogen sich in Die Höhlen zurück, Die Lippen wurden fpröDe unD rissig^ und es wurde immer schwerer, ihn aus Den jen­seitigen Bezirken zurückzurufen.

Soll ich nicht doch Den Herrn Dr. Koch holen» Damit er Sie ablöft?" fragte Hingerl.Sie können ja fast nicht mehr." Besorgt schaute er seinen Herrn an unD zeigte Damit sein goldenes Herz.

Unsinn. Keine Angst, Hingerl, ich mache nicht schlapp. Wir wollen Den Kollegen ruhig lassen, wo er ist."

Und Ihre Praxis?"

Ach was! Sanitätsrat Niederhofer wird mich ver­treten wie immer. Es ist ja nicht Das erstemal. Ich weiß gar nicht, was Sie heute haben, Hingerl."

Der Gärtner hatte seine UeberreDungsfunft er« schöpft und zündete "sich mißmutig eine Pfeife an. Der Tabak ging auch aus, es war. ein Kreuz. Und die Frau, was sollte Denn die arme junge Frau den­ken, wenn sie ewig nicht heimkamen?

Die Nacht vom Sonntag auf Montag war die schlimmste. Der Kranke geriet ins Delirien, war kaum im Bett zu halten und führte wirre, abgerissene Reden, in Denen ein Carlo und eine Lucia vorkamen. Denen er unschöne Dinge vorwarf. Don Anna kein Wort. Anna beschäftigte ihn anscheinend nicht mehr. Zuweilen stöhnte er, als drangsaliere ihn eine un« sichtbare Faust. Es war ein hartes Sterben, Das vieles gutmachte. UnD Dann ging es pfeilschnell berg­ab. Das Herz würbe immer bockiger und verweigerte den Dienst. Der Puls flatterte kläglich. Hingerl wischte sich wortlos Die Augen. Er konnte keinen SterdenDen sehen, und Das war Der Hauptgrund, weshalb er fortgebrängt hatte. In feiner verkrusteten Schale steckte ein weiches Gemüt. Dr. Brügger wurde immer abgespannter und ungepflegter, aber er wich ^ckst von dem elenden Bett, bis Kaspar Fender leinen letzten Atemzug getan hatte. Das war abends gegen zehn Uhr.

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