Gut ausgestattete Kleiderlager.
Gefüllte Säcke und große Bündel mit Altspinnstoffen.
Nur noch wenige Tage — bis zum 15. Juni — sind die Annahmestellen der Attkleürer- und Spinn-- stoffsammlung geöffnet. Diese letzten Tage werden den dort tätigen ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen sicherlich noch eine weitere Steigerung des -bisher schon ständig angewachfenen Besuches der opferfreudigen Spenderinnen und Spender bringen. Wie bisher, so wird und muß auch für die Letzten Tage der Altkleider- und Spinnstoffsammlung die Parole lauten:
Gebt reichlich und nach besten Kräften für diese Sammlung!
Bei wiederholten Besuchen in den Gießener Annahmestellen konnten wir die erfreuliche Feststellung machen, daß der neue Appell an die verständnisvolle und tatfrohe Opferbereitschaft aller Volksgenossen überall ein starkes Echo gefunden hat. Der Zustrom von Männern und Frauen war von Anfang an in allen Annahmestellen erfreulich rege und hat sich je länger je mehr so weit gesteigert, daß in manchen Annahmestellen die Spender trotz eifrigster Arbeit der Annahmehelfer zeitweise auch etwas ,,Schlange stehen" mußten, bis sie ihre Kleidungsstücke oder Altstoffbündel loswerden konnten.
In den Sammelstellen sahen wir, daß erfreulicherweise an gebrauchsfertiger Männer- und Frauenkleidung reichlich gespendet wurde. Da kamen Männer oder Frauen mit kompletten Anzügen über dem Arm. Neben dem Straßenanzug des Mannes wurde auch Arbeitskleidung gebracht; Mäntel, ja sogar Regenmäntel, Umhänge, Röcke, Hosen, Westen, Hüte, Mützen, Strümpfe, Wäschestücke usw., alles das wurde hier in erfreulich umfangreichem Maße zü- sammengetragen. Aber auch an Frauenkleidung fehlte es nicht; Kleider, Mäntel, Blusen, Jacken, Arbeitskittel, Schürzen, Wäschestücke, kurzum alles das, was die Frau bei der Arbeit gut verwenden kann, kam auch hier in den Annahmestellen in ansehnlichen Bergen zueinander. Daneben kamen die Spenderinnen und Spender mit mehr oder minder großen Bündeln oder gefüllten Säcken, in denen sie Altspinnstoffe herbeitrugen, die nun auf dem Wege über den Reißwolf den Weg zur Anfertigung neuen Stoffes antreten werden.
Handwagen, Waschkörbe, Rucksäcke usw. waren in den Dienst der Sammlung gestellt, um möglichst viel und möglichst alles auf einem Spendengang zu
den Annahmestellen heranzubringen. Vom Pimpf bis zum Opa, vom Jungmädel bis zur ehrwürdigen Greisin kamen alle mit spendefreudigem Herzen und umfangreich gefüllten Armen, um ihren Beitrag zu dieser Samlung zu leisten. Da wurde mit Stolz betont, daß man gern aus dem Kleiderschrank einen guten Anzug des Mannes oder des Sohnes oder auch noch mehr herausgenommen habe, um ihn zu der Sammelstelle zu bringen; nicht minder stolz hoben die Frauen hervor, daß sie sich gern von einem Hauskleid, einem Arbeitskittel, Jacken oder Blusen usw. getrennt haben, damit sie etwas zur unmittelbaren Verwendung an die Sammlung geben könnten. Die Kleiderschrank-, Kästen- und Lumpensackrevisionen sind gleichfalls recht ergiebig gewesen, wovon viele Bündel und Säcke voll Alt- Spinnstoff der verschiedensten Art in den Lagern der Annahmestellen Zeugnis ablegen. Hüte und Mützen aller Formen in durchweg gutem Zustande bilden eine weitere Bereicherung der großen Sammellager. Und nicht minder ist es die reiche Ausbeute cm Wäschestücken, die den Opfersinn unserer Gießener Bevölkerung beweist.
So können wir denn jetzt schon mit Befriedigung feststellen, daß Gießen sich auch bei dieser Sammlung in anerkennenswerter Weise placieren wird. Dennoch ist es ratsam und wird es sich lohnen, überall noch einmal eine gründliche Nachschau in den Schränken, Kästen und Truhen zu hatten. Zweifellos wird sich dabei noch piancherlei vor- finden, das ebenfalls den Weg zur Altkleiber- und Spinnstoffsammlung antreten und von dort zur guten Verwendung weitergeleitet werden kann.
Hitler-Jugend hilft!
Unsere Hitler-Jugend wird am morgigen Samstagnachmittag die Haushattungen in Gießen aufsuchen, um nach den SpenÄepaketen oder Kleidungsstücken für die Sammlung zu fragen und sie zum Transport nach den Annahmestellen abzuholen. Dadurch wird manchen Familien der Weg zur Sammelstelle abgenommen bzw. erleichtert werden. Mögen viele Volksgenossen davon Gebrauch machen! Die Httlerjungen werden gerne die Pakete tragen, und je größer und schwerer sie sind, desto angenehmer wirb es den jungen Helfern fein. Darum:
Sehl daheim nochmals nach und gebt reichlich!
MI- f
ft eite steht, die sich auf die regionalen Verkehrs-1 lertftellen in den Gauen stützt.
Aber alle Maßnahmen, zu denen auch eine ver- •ftartte Heranziehung des Fahrparks aus anderen Ländern Europas gehört, können nicht ausreichen, um dem ungeheuren Bedarf der Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft an Transportmitteln nachzukommen. Hier sind noch besondere Maßnahmen zur Beschleunigung der Verkehrsabwicklung, des Neubaues und der Wiederinstandsetzung von Lokomotiven usw. notwendig. Lösung des Arbeiterproblems soll durch den verstärkten Einsatz ausländischer Arbeitskräfte geregelt werden. Das deutsche Eisenbahnpersonal hat bereits einzigartige Leistungen vollbracht, besonders auf dem östtichen Kriegsschauplatz. Das Bahnpersonal in der Heimat wird nicht zurückstehen und auch den neuen Anforderungen nachkommen.
Beamtennachwuchs für die Reichsbahn
Zur Bewältigung ihrer kriegswichtigen Aufgaben stellt die Reichsbahn unter Wahrung der Interessen der Kriegstellnehmer für ihre technischen Beamtenlausbahnen in allen Fachrichtungen technische Beamten an wärter mit Fachschulausbildung ober handwerklicher Vorbildung, sowie technische Angestellte ein. Sie nimmt ferner auf junge Leute mit Mittelschulreife oder> entsprechender höherer Schulbildung als Fachschulpraktikanten zu einer ijährigen praktischen Ausbildung im Baufach, schinenbausach ober Vermessungsfach als Vorbe
reitung für ein Fachschulstubium und begabter Bolksschiller zur Ausbildung als bautechnische Jung- Helfer für die technischen Beamtenlaufbahnen. Nähere Auskünfte geben die Reichsbahnbirektionen, die auch Merkblätter verteilen.
Neuordnung von Bauvorhaben.
Die Konzentration und Rationalisierung in ber deutschen Rüstungswirtschaft burch den Reichsminister für Bewaffnung und Munition hat eine. er>- hebliche Steigerung der Produktion in den bereits vorhandenen Betrieben ber Rüstungswirtschaft ermöglicht. Es ist baher möglich geworben, den Aus- , bau neuer Probuktionsstätten auf ein Mindestmaß Zu beschränken, bas zur Deckung des Bedarfs ausreicht. Hierdurch ist es gelungen, eine Reihe von Neuvlanungen sowie einen Teil bereits vorsorglich in Angriff genommener Bauvorhaben ft i H z u - legen und die an diesen Bauvorhaben eingesetzten nun freimerbenben Arbeitskräfte, Baustoffe und Transportmittel einem wichtigeren Ein- s a tz zuzuführen. Das bedeutet eine wesentliche Entspannung in ber Bauwirtschaft, so baß bie Festlegung von Baubringlichkeitsstufen durch eine beweglichere Rangordnung ber noch verbliebenen Bauvorhaben ersetzt werden kann.
Einschränkung der Buchführungspflicht
Unternehmer, die zuletzt mit mehr als 6000 RM. Gewerbeertrag ober mehr als 6000 RM. Einkünften aus Lanb- und Forstwirtschaft veranlagt worden sind, haben nach ber Reichsabgabenordnung Bücher ,zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen. Der Reichsfinanzminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß wahrend des Krieges nur diejenigen Unternehmer der Buchführungspflicht entsprechen, die x zuletzt mit mehr als 12 000 RM. Gewerbe ertrag ober mehr als 12 000 RM. Einkünften aus Land- unb Forstwirtschaft veranlagt worden sind. Buchsüh- rungspflichten, bie sich aus anderen Vorschriften ergeben, bleiben unberührt.
Earl Anders gestorben.
Der Geschäftsführer des Reichsverbändes der beutschen Zeitungsverleger, Rechtsanwalt Carl Anders, starb im 32. Lebensjahre bet einem Unfall auf einem ber Berliner Seen durch Herzschlag zwei Tage vor seinem abermaligen Ausrücken ins Feld. Seit 8 Jahren hatte er als Mitarbeiter des Reichsleiters Amann hervorragenden Anteil an der nationalsozialistischen Umformung des Zeitungsverlagswesens. In Mecklenburg geboren, auf den Universitäten Jena und Rostock vorgebildet, war er der geborene Mann ber Feder; ohne nach außen her- vorzutteten, förderte er, nach dem Höchstmaß an Qualität und Wirkung strebend, das Schaffen der deutschen Presse und ihre Verbreitung im Ausland, deren zielbewußte Steigerung eines seiner Verdienste bleibt. Er leitete seit Kriegsausbruch bie Versorgung der kämpfenden Truppe mit Zeitungen und Zeitschriften. Idee und Plan ber Wochenzei- tung „Das R e i ch" und anberer großer Organe haben ihm Entscheibenbes zu verdanken. In einer Trauerfeier an der Stätte seiner Arbeit würdigte Stabsletter Ri en Hardt Persönlichkeit und Werk seines engsten Mitarbeiters, ber in frühem Mannesalter ein Menschentum entwickelt habe, bas man voll Trauer und Schmerz nun als vollendet hin- nehmen müsse.
Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Das freut mich!" lacht Katta. „Nicht bie Aussicht, Sie in. so wenig bekleidetem Zustand zu sehen, lieber Borckmann ... aber baß ber Junge gewinnt. Ich werbe mich hüten, bem ein Enbe zu machen! O banke ..." .
Bareiro ist wortlos aufgeftanben, unb hat ihr einen Stuhl geholt. Es ist eine fast überraschenbe Höflichkeit, an einem Tisch mit Spielern nimmt man es nicht so genau mit den Formen.
„Nun, Senjore? Sie geben!" mahnt Borckmann. „Träumen Sie als Kinb sich zurück?"
„Niemals", sagt Bareiro schnell und fest. „Ich träume immer nur in bie Zukunft — aber wollen mir nicht aufhören? Wenn uns die Gnade einer solchen Gesellschaft zuteil wirb, fänbe ich es schöbe um jeden Blick, den wir auf die Karten richten.
Er sieht Katta nicht an bei diesen Worten, das nimmt ber Schmeichelei etwas von ihrer Ueber- triebenheit unb macht sie nur noch eindrucksvoller. Katta fühlt, was ihr selten geschieht, wie ihr das Blut heiß ins Gesicht steigt.
„Meinetwegen." Borckmann schiebt brummend bie Karten zusammen. „Uns beiden kann man zum mindesten nicht nachsagen, daß wir uns mit bem Gewinn brücken, wenn wir Schluß machen."
„O bitte", wirft Gerb ein, immer in ber Besorgnis, sich etwas zu vergeben, „ich bin gern bereit, weiterzuspielen."
„Ein anbermal, Poggenburg, ein anbermal, wir werden schon Revanche forbern, aber heute reißt meine Pechsträhne doch nicht ab, ich fühle es! Ich fordere Sie ebenso bringenb wie höflich auf, stecken Sie den Mammon in die Tasche, auch wenn Sie dadurch etwas von ihrer schlanken Linie verlieren.
Aus der Stadl Gießen.
Wenn die Wiese blüht...
Der Juni ist die Zett ber Grasblüte unb bringt bie Entfaltung einer noch immer zu wenig gewürdigten Schönheit. Die Wiese ist ja ein besonderer Schmuck unserer nördlichen Natur, um die wir von den Südländern beneidet werben, unb so tönt ihr Lob vielstimmig im deutschen Dichterchor. Aber wie wenige machen sich die kleine Mühe, die so unendlich lohnend ist, sich einmal in bas Wunder dieser Pflanzenwelt zu vertiefen. Dürer hat es getan und als erster bie wimmelnde Fülle dieses Lebens in seinem „großen Rasenstück" gestaltet, das uns immer lieber und wunderbarer wirb, je länger wir es anschauen. Hier ist jebes Einzelwesen liebevoll erfaßt unb zugleich die farbige Harmonie des Ganzen gegeben. Mit Dürerfchen Augen solllen mir einmal versuchen, in diesen Sommertagen die Kleinwelt einer Wiese anzuschauen. Allmählich erkennt man, daß ber Zauber ber Gräser unb Rispen nicht weniger groß ist als der ber Blumen. Die Eigenart ber Wiese ist es ja, daß sie neben dem Gras auch Blumen enthält; sie unterscheidet sich dadurch von der Weide, bie meist nur aus Grasnarbe unb Klee besteht. Der Bauer macht sich freilich nichts aus bem bunten Schmuck feiner Wiele; er möchte statt ber Blumen auch nährende Gräser haben. Aber welche Verarmung unserer Natur würbe entstehen, wenn biefer praktische Standpunkt restlos durchdränge.
Die Mutter unserer deutschen Wiese ist bie Steppe, eine Landschaft, bie noch heute in Osteuropa unb anberen Erbteilen häufig ist unb in vorgeschichtlicher Zeit auch bei uns weite Flächen emnahm. Sie ist das Gebiet der Trockenheit, das bei Fehlen jedes Baumwuchses entsteht. Auch bie Germanen waren einst Steppenbewohner, und ein Nachklang jener fernen Zeiten sind bie Steppenpflanzen, die sich noch auf unserer Wiese erhalten haben. Da ist zum- Beispiel bie schöne .^Küchenschelle", die eigentlich Steppen-Anemone heißt, da ist das entzückende (übergraue Federpfriemen-Gras. An bie Stelle ber witben Naturgewalten, bie einst die Steppe beherrschten, ist jetzt bie liebliche kultivierte Schönheit unserer Wiese getreten, die als schönstes Geschenk von ber Steppe ben bunten Blumenteppich erhalten hat. Der Deutsche hat, als er sich ber Bearbeitung des Bodens^ eifriger annahm, auf ben Lichtungen, die durch den ausgerodeten Wald entstanden, vald. Wiesen angelegt, und schon im 8. Jahrhundert wird diese Arbeit von ben Klöstern eifrig gefördert. Mit dem Wald war die Wiese ursprünglich verschwistert, und ihren Aufbau hat man mit dem des soviel gewaltigeren Bruders verglichen.
Mehr als 150 Grasarten gibt es auf der deutschen Wiese, und sie sind ungefähr dieselben in Nord und Süd. aber dabei herrscht eine unendliche Mannigfaltigkeit, und eine wechselnde, stets eigenartige Farbenskala entfaltet sich von dem tiefen Grün ber Marschen bis zu ber strahlenden Buntheit ber Alpenmatten. Im allgemeinen kann man sagen, baß auf dieser Palette ber Wiese bas Grün stets ben Grund- ton angibt, daß im Frühling Helle Farbigkeit vormaltet, bie bann durch bas lichte Weiß bes Wiesenschaumkrautes abgelöst wird unb schließlich im Sommer in dem Veilchenblau ber Glockenblumen gipfelt. Je weiter bie Jahreszeit vorrückt; befto mehr verblassen bie Töne unb verklingen in dem Abgesang des Herbstes. Auch die Tierwelt, die hier beheimatet ist, paßt sich in ihrer Farbigkeit den Pflanzen an, und wenn auch die Vögel immer mehr von ben Wiesen verschwinben, so herrscht doch eine unendliche Fülle von Schmetterlingen, Käfern unb Insekten aller Art. Die Faller sind ebenfalls nach ber Jahreszeit gekleidet. Der erste unter ihnen, der Zitronenfalter, ist gelb wie die Himmelsschlüsselchen, die mit ihm zu gleicher Zeit zum Vorschein kommen, bann folgen bie Schmetterlinge mit dunkleren Tönungen.
Ein weiteres Wunder ber Wiese ist ber Geruch, eine Mischung feinster Düfte, die man noch nicht im einzelnen zergliedert hat, bei ber aber das Ruchgras, dem wir auch ben würzigen Duft bes fieu5 verdanken, ben Grunbton abgeben bürste. Unb dann kommt ber Tag, da diese Herrlichkett ber Sense zum Ovfer fällt. Von nun an ist sie, hie in so reicher Schönheit strahlte, nur noch bem Nutzen geweiht. Sie entwickelt zarteres Gras, das nicht m-hr so hoch wächst und beim zweiten Schnitt bas „Grummet" liefert. Doch nun bleibt ihr noch ein wenig freie Zeit, um eine letzte Schönheit entstehen zu lassen, wobei sie sich noch einmal vor dem Winterschlaf mit bem zarten Violett ber Herbstzeitlosen schmückt. C. K.
Kettenbrief-ttnfua.
Es rft festgestellt worben, baß in letzter Zett wieder sog. Kettenbriefe hergestellt und verbreitet werden. Es handelt sich um Briefe, die mit dem Be-
„Verzeihen Sie, heißen Sie wirklich Toggen- burg?" fragte Bareiro mit einem höflichen Lächeln. „Ich habe vorhin Ihren Namen nicht verstanden."
„Hoffftede." Gerd macht die Andeutung einer knappen Verbeugung.
„Poggenburg heißt er nur bei uns, ich habe ihm ben schönen Namen gegeben", erklärt Borckmann. „Er hat ihn sich reblich oerbient!"
„Hoffstede, Hoffstede" murmelte Bareiro mit schmalen Augen. „Ihr Gesicht ist mir so bekannt, aber Sie waren niemals brühen, nicht wahr? Warten Sie ..." Er zieht die Lust durch bie Zähne, baß es klingt, wie ein leiser Pfiff. „Haben Sie vielleicht eine Schwester, eine Schwester, bie Irmela heißt?"
„Stimmt!" nickt Gerd.
„Daher also. Natürlich unb Sie selstn ihr sehr ähnlich, soweit ich mich erinnere."
„Hören Sie, Cabaljero!" mischt sich Borckmann ein. „Wenn Irmela Hoffstebe etwa eine Jugenb- liebe von Ihnen war, bann begraben Sie ihre Hoffnungen! Sie hat nicht auf Sie gewartet!"
„Ich habe auch nicht barauf gerechnet, mein Bester!" Bareiro schüttelt mit leisem Lachen ben Kopf. „Sie war ein auffaUend hübsches Mädchen, unb wir haben zusammen getanzt unb gerudert, ich freue mich, zu hören, baß sie glücklich verheiratet ist."
„Glücklich? Das ist überhaupt kein Ausdruck! Sie hat das große Los gezogen! Ist Ihnen ber Name Sierinck ein Begriff?"
„D ja/'
„Sehen Sie, bas dachte ich mir. Der Ruhm der Firma ist auch bis übern großen Peich gedrungen! Der jetzige Chef ist Albrecht Sierinck, und seine Frau ist bie schöne Irmela, Mutter von ein paar süßen Bälgen nebenbei — wieviel sind es, Gerd?"
„Zwei, Junge und Mädchen."
„Und unser kleiner Poggenburg ist ber jüngste Angestellte ber Firma."
„Nicht ganz der Jüngste."
„Na immerhin einer der Jüngsten, aber einer ber Tüchtigsten, ober etwa nicht? Wir rechnen damit.
werten weitergegeben werden, ber Empfänger solle sie in mehrfacher Abschrift an seine Bekannten schicken. Der Inhalt dieser Briefe -ist durchweg ausgesprochener Unfug. Es wird bringend davor gewarnt, Kettenbriefe anzunehmen oder sie weiterzuverbreiten.
Für Tapferkeit vor üem Feinde.
Der Gefreite Archur Balser aus Gießen, Walltorstraße 65, wurde, nachdem er sich hn Westfeldzug bereits das Eiserne Kreuz II. Klasse erworben hatte, für Tapferkeit vor bem Feinde bei ben Kämpfen im Osten mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.
NS.-Frauenschule für Volkspflege.
NSG. Einem dringenden Bedürfnis nachkommend, hat die Gauamtsleitung ber NS.-Volkswohl- fahrt die Vorbereitungen zur Schaffung -einer Schulungsstätte für Volkspflegerinnen abgeschlossen. Die neue NS.-Frauenschule für Volkspflege hat ihren Sitz in Darmstadt, Steubenplatz 17, und verfüg über ein gut eingerichtetes Schulheim in Buchschlag. Der erste, zwei Jahre dauernde Ausbiloungslehrgang für Volkspflegerinnen beginnt am 1. September 1942. Anmeldungen hierzu werden bei ber Gauamtsleitung sowie bei allen Kreisamtsleitungen ber NSV. entgegengenommen. Junge Mädchen mit abgeschlossenem 19. Lebensjahr, die Eianung und Interesse am Beruf der Volkspflegerin haben, melden sich möglichst sofort mündlich oder schriftlich bei ber Stelle für Fachkräftenachwuchs und Fachausbildung ber Gauamtsleitung NSV., Darmstadt, Steubenplatz 17.
Sperrt die Katzen ein.-
Mitte Juni werben die Jungen der bei uns brü- tenben Singvögel flügge und machen in diesen Tagen ihre ersten felbftändigen Flugversuche. Meist gelingen diese ersten Flüge nicht recht, und mancher junge Vogel erreicht sein Nest nicht wieder; er muß irgendwo in einer Hecke mit neuen Versuchen beginnen. Viele ber jungen Vögel werden bei ihren ersten Flugübungen das Opfer ber Katzen, die ihnen mit List und Tücke nachstellen. Sie jagen die halbflüggen Vögel, bis diese ermatten und sich nicht
daß er eine gewaltige Karriere macht und Millionär wirb, bann muß er uns alles ersetzen, was er uns jetzt mit feinem unverschämten Dusel aus der Tasche zieht."
„Ich verspreche es feierlich!" sagt Gerd. „Hoffentlich haben Sie solange Geduld."
6.
„Nun bekommen Sie zur Belohnung eine Zigarette!" sagt Detlev Nehl, während ber Kellner ben Tisch ab räumt.
„Danke! Aber wofür soll ich belohnt werben?" „Dafür, baß Sie brav gegessen haben. Sagen Sie nun einmal selbst — sieht bie Welt nicht ganz an- bers aus, wenn man gegessen hat?"
„O boch." Das schwache Lächeln läßt eine Reihe ebenmäßiger Zähne ausblinken. „Ich glaube nur nicht, baß es am Essen liegt, eher daran, daß ich einem guten Menschen begegnet bin, gute Menschen sind sehr selten."
„Soll ich das sein?" Decken ruckr erstaunt mit dem Kops. „Bin ich ber gute Mensch?"
„Ja. Es macht mir zum minbeften ben Einbruck."
,Kann ja sein!" Detlev zuckt kurz bie Schultern. „Ich hab offengeftanben noch nie barüber nachge- bacht. ^ebenfalls habe ich nicht viel Mühe damit, meine bösen Neigungen zu bekämpfen. Wenn es nach mir ginge, könnten alle Menschen glücklich sein — auch bie, bie mich manchmal ärgern."
„Auch bie, bie Sie unglücklich machen? Auch bie, bie Ihr Leben zerstören?" In ben bunklen Augen ist eine brennenbe Glut, in der Stimme flackert eine verhaltene Heftigkeit.
Detlev denkt ein paar Sekunden nach. „Man läßt fein Leben nicht zerstören", sagt er bedachtsam, enn man ben Dinegn auf ben Grunb geht, bann
ist in einem unglücklichen Leben immer mindestens so viel eigene Schulb babei wie frembe Schuld. Schwäche, Eigensinn. Dummheit. Man verbeißt sich in irgendeine Vorstellung. Man will, daß alles so geht, wie man es sich ausmalt. Und wenn andere
mehr erheben können. Dann fallen sie den Katzen unrettbar zum Opfer. Es muß daher von jedem Katzenhalter verlangt werben, daß er bie wenigen Tage über, an denen bie jungen Singvögel fliegen lernen, bie Katzen, besonders nachts, einfperrt. Viele taufend junge Singvögel würden dann am Leben bleiben, denn die alten Vögel finden ihre verirrten Sprößlinge mit Sicherhit wieder und tragen ihnen die erforderliche Nahrung zu.
Gemüse und Fleisch frisch hatten.
Die Frischhaltung leicht verderblicher Nahrungs- mite! in ber warmen Jahreszeit ist immer mit einigen Schwierigketten oerbunben, boch kann man mit Ueberlegung den Verderb im allgemeinen verhüten. Gemüse, wie Spinat, Salat, Radieschen, Kohlraben und dergleichen, welkt leicht. Man schlägt daher solche Gemüse in dicke Lagen nassen Zeitungspapiers ein unb ordnet sie, wenn möglich, in einen Steintopf so ein, baß bie unempfinblichen Gemüse ZU Unterst, die bruckempfindlichsten bagegen obenauf zu liegen kommen. Fleisch brät man sehr scharf von allen Seiten an. Abgekühlt gibt man es in einen engen Topf unb bedeckt es luftdicht mit Pergamentpapier. Zur Sicherung kann man noch ein mit Essigwasser befeuchtetes Tuch herumschlagen (Essig mögen bie Fliegen nicht und daher meiden sie solche Verpackung). Aufgeschnittene Wurst soll möglichst am Einkaufstag oder wenigstens am nächsten Tage aufgebraucht werden. Auch bas Aufbewahren zwischen zwei Tellern und selbst ein nasser Umschlag verhindern nicht immer, daß die Wurst unansehnlich wirb, lieber Wurstanschnitte binbet man luftdicht ein Pergamentpapier. Hartkäse bewahrt man am sichersten in einem mit Salzwasser getränkten Tuchumschlag auf. Die Käseglocke ist deshalb nicht so sehr zu empfehlen, weil die Fliegen sehr gern an deren Rand ihre Eier legen. Beim Abbecken kommen diese Eier bann auch an den Käse selbst. Butter wirb am zweckmäßigsten in ber Tonbutterbose aufbewahrt, deren Wasser regelmäßig erneuert wirb. Fehlt eine solche Butterbose, so legt man diese Butter in frisches Salzwasser, das öfter zu erneuern ist. Eier rollt man in Zettungspapier unb verwahrt sie in ber gut ausgeputzten Ofenröhre. Dort liegen sie bis zum Verbrauch bunfel, kühl unb luftig.
Menschen dieser Vorstellung nicht entgegenkommen, dann machen sie einen unglücklich. Ist es nicht etwas ungerecht, ihnen daraus einen Vorwurf zu machen?"
Um das schmale blaffe Gesicht tanzen bie bunklen Locken, so leohast schüttelt sie ben Kopf.
„Sie sind ein Mann!" sagt sie nach einer kleinen Weile. „Das ist ganz etwas anderes. Ein Mann bleibt immer er selbst und führt sein eigenes Leben. Er will etwas, unb es scheint ihm schon ein Unglück, wenn er einen Widerstand findet. Aber eine Frau, wie soll ich das sagen?, eine Frau ist wie Wachs, ber Mann formt sie, er gießt seinen Willen in sie hinein, manchmal hat sie gerabe noch so viel Bewußtsein, um zu merken, wie sie verwanbelt ist, so sehr verwanbelt, baß sie sich selbst haßt, bas nenne ich ein zerstörtes Leben, aber das kann einem Mann nicht geschehen."
„Ist eine Frau so?" Detlev breht an bem Fuß seines Glases unb siebt ins Leere. „Nicht alle sind so, leider, nicht alle lassen sich nach bem Willen eines Mannes formen, o nein."
7.
„Ist Detlev schon fort?" fragt Gerb, während er Katta in ben Mantel hilft. „Dann barf ich Sie nach Hause bringen!"
Katta lacht etwas. „Sie bürfen mir sogar ben Arm geben."
„Sie sind schlechter Laune."
„Ja, vielleicht, ein bißchen —"
,Hoben Sie sich über Detlev geärgert?"
„Auch."
Ihre Hanb liegt leicht auf feinem Arm, während sie burch bas Hellbunkel ber Straßen gehen. Gerd fühlt sich glücklich und stolz, diese schöne Frau am Arm zu führen, aber das beglückende Gefühl ihrer Nähe geht nicht so weit, baß er einen Haß gegen Detlev Nehl empfinben könnte. Er schätzt ihn, er liebt ihn fast, unb Detlev unb Katta sind in seiner Vorstellung unlösbar verbunden.
(Fortsetzung folgt.)


