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Die Schlacht im Atlantik.

ßififaibon, 12.Juni. (Europapreß.)Zensur­maßnahmen so' undurchsichtig wie schemenhafte Nebelbänke verhüllen die wahren Tatsachen", meldet die nordamerikanische WochenschriftTime" zu den Schisfsversenkungen an der Atlantikküste. Trotzdem, so erklärte das Blatt weiter, habe der Vertreter des Staates Maine, Browster, dem Senat eingestehen müssen, daß jeden Tag mehr als ein Schiss von U-Booten der Achse versenkt werde, die von Neu- FunLland bis Südamerika operierten. Sämtliche Vertuschungsmanöoer der nordamerikanischen Ma­rinebehörden hätten vor der Bevölkerung nicht länger die Tatsache verheimlichen können, wie die Schlacht im Atlantik wirklich stehe. Die erste Phase ei vorbei, die Nordamerikaner seien an ihrer ganzen östlichen Grenze geschlagen worden. In Hartford (Connecticut) allein betrügen die bei den Versicherungen gestellten Schadenersatz­ansprüche für Schiffsverluste seit 1. Januar dieses Jahres 73 Millionen Dollar, d. h. 17 Millionen Dol­lar mehr als die bezahlten Prämien, und ver­schlängen nahezu sämtliche Gewinne der Versiche­rungen in den letzten 22 Jahren. Die Regierung sei einaesprunaen und habe den Schiffsvcrsicherungs- fonds der USA. auf 250 Millionen Dollar erhöht.

Schutz der nordamerikanischen Kriegsschiffe ist unmöglich, weil die Kriegsmarine an an­deren O r t en dringend benötigt wird", so fährt das Blatt fort. Das einzige Abwehrmittel, das die Vereinigten Staaten zur Verfügung hätten, sei das kleine LuftschiffBlimp". Ein Einsatz in großem Umfange sei jedoch nicht möglich, .da der Bau vonBlimps" viel Zeit in Anspruch nehme. Als Lösung für das immer dringlicher werdende Be'förderungsproblem bleibe nur der Luft- ransport. Aber auch da werde esdreiJahre dauern, bis genügend Tranportfluazeuge zur Ver­fügung stünden, um genügende Flugzeuge für die zu 'befördernden Frachten zu haben.

Nicht nur der Bau von neuen Fabriken soll in USA. aus Stahlmangel eingestellt wer­den, auch der Bau einer Oe Heilung von Longview (Texas) nach Salem (Illinois) muß aus dem gleichen Grunde unterbleiben, berichtet die nord- amerikanische ZeitschriftTime". Innenminister Ickes/

der den Bau einer solchen Anlage vorschlug, habe vom Weißen Haus einen abschlägigen Bescheid be­kommen. Die Anlage wäre indessen strategisch von großer Bedeutung, da die Tankschiffahrt an der Ost­küste, die neunzig v. H. der Benzinausfuhr für die Oststaaten bewältigte, infolge des U-Bootkrieges vor der atlantischen Ostküste so gut wie still liege. Für den Bau von Eisenbahntankwagen fehle es ebenfalls an Metall. Um das größte liebel zu be­seitigen, habe das Weiße Haus nun den Bau von Holzkähnen bewilligt, die Rohöl auf den B i n- nenwasserwegen von Florida bringen sollen. Diese Maßnahme könne jedoch ebenso wenig wie die Umlegung zweier bereits bestehender Oel'leitungen das Problem löse«, erklärte Minister Ickes.

Das Tonnageproblem.

Madrid, 11. Juni. (DNB.) Der Londoner Be­richterstatter der Madrider ZeitungPa" schreibt: Die hohe Versenkungsziffer, die durch die deutschen und italienischen U-Boote erreicht wurde, hat eine Gefahr- heraufbeschworen, die man nicht mehr zu bannen weiß. Zwar werden die deutschen Angaben als übertrieben bezeichnet, aber man ist sich klar, daß 500 000 BRT. monatlich verloren gehen. Jeder Engländer weiß, daß eine Seeherr­schast ohne Handelsschiffe ein Nonsens ist, und er­rechnet den Zeitpunkt, wo dieser 'Zustand erreicht sein wird. Dazu kommt, daß das englische Mutter­land für die Heranschaffung von Rohmaterialien zur Aufrechterhaltung seiner Kriegsindustrie und von Lebensmitteln jährlich allein 30 bis 40 Mill. BRT. benötigt. Die einzige Möglichkeit, die von den U-Booten der Achsenmächte geschlagene Bresche zu schließen, sieht man in dem gewaltsamen Neubau von Schiffen. Aber die bereits entstandene Lücke wird immer größer. Die englischen Werften stellen monatlich 100 000 Tonnen, die amerikanischen nicht ganz 200 000 Tonnen her. Selbst wenn Deutschland und Italien nur 500 000 Tonnen monatlich versenk­ten, bleibt ein Fehlbetrag von m i >n d e st e n s 200000Tonnen monatlich. Dabei sind noch nicht die Versenkungen der Japaner im Pazifischen und Indischen Ozean in Betracht gezogen.

tcn als das Land der Verheißung erscheinen. In diesem Sinn nennen die Amerikaner ihr Land Gods own country": Gottes eigenes Land. Hier waren Weite und Preite, hier waren Aufstiegmög­lichkeiten, hier konnte jeder nach seiner eigenen Fasson leben und selig werden, hier wurden die Menschenrechte verkündet, hier wurde von Ge­danken- und Redefreiheit gesprochen.

Vieles war so: Die weiten Prärien lockten die Abenteurer. Nach Westen ging der große Zug. Das Leben mußte eingesetzt werden, aber oft lohnte der Einsatz. Es gab wenigstens so viele, die eszu etwas brachten", daß die sehr vielen Opfer, die an der Straße des Erfolges liegen blieben, übersehen wurden. Das war die Stimmung, aus der Goethe die berühmten Verse schrieb:Amerika, du hast es besser als unser Kontinent."

Allein diese Frühzeit Amerikas überdeckt mit ihrem Morgenrot noch das wirkliche Amerika un­serer Tage. Zwischendurch liegt die Zeit der Massen­einwanderung, in der auch das westeuropäische Ele­ment immer mehr zugunsten der osteuropäischen Einwanderung zurücktrat. Diese Einwanderer streb­ten nicht mehr in die Weite, um Neuland unter den Pflug zu nehmen. Sie bildeten Riesenstädte, die aus dem Boden heroorschossen. Wir kennen die Erschei­nungen der frühen Industrialisierung in unserem alten Europa zur Genüge. In Amerika wurde ohne jede Hemmung jenerFortschritt" proklamiert, der die Rücksichtslosigkeit des höchsten Nutzens, der Re­korddividende, des absoluten Gewinnstrebens ist. Auch die Einwanderer, die in diele Großstädte und Jndusttiereviere kamen, mußten zuAmerikanern" gemacht roerberf, so schwer das oft halten mochte. Neulich hat Roosevelt bitter geklagt, daß viele Hun­derttausende von eingezogenen Rekruten zum Mili­tärdienst unfähig seien, weil sie nicht lesen und schreiben könnten. In der Einwanderung der Mil­lionenbilliger Hände" liegt der Grund. Kinder, die oft im Ausland geboren waren, sollten plötzlich in amerikanische Schulen gehen. Sie blieben zurück. Niemand half ihnen, den Sprung von der heimat­lichen Sprache zu dem amerikanischen Englisch zu machen. Die Talenttertesten mögen sich irgendwie mehr schlecht als recht durchgesetzt haben. Die große Masse blieb analphabetisch.

Diese Masse muß mindestens auch von der Re­gierung beeindruckt und erfaßt werden. Die gröbsten Effekte sind gerade recht. Wenn Washington diesen Menschen nicht die Kunst des Lesens und Schrei­bens schenkte, so mußte es den Analphabeten einen Ersatz bieten. Der Ersatz besteht darin, daß diesen Analphabeten llargemacht wird, sie seien allen ande­ren Völkern überlegen, sie seien die berufenen Kreuzzügler für Zivilisation und Kultur, sie seien die Vorkämpfer für Gedanken- und Redefreiheit und die Menschenrechte schlechthin.

Wir nennen einen so übersteigerten Nationalis­mus, der sich nicht inr Bereich der Wirklichkeit und der echten Leistung hält, Chauvinismus. Daß wir ein Fremdwort gebrauchen, hat feinen guten Grund. Diese AuswuchsforM des ed)t volklichen Ge­fühls ist uns fremd, und darum ist auch das Fremd­wort durchaus am Platze. Mit diesem Chauvinis­mus aber hat es in den USA. nicht fern Bewenden. Um die Aufgabe als Schmelztiegel erfüllen zu kön­nen, herrscht ein gleichmacherischer Meinungsterror, der jede individuelle Geistigkeit durch die Massen­haftigkeit seiner groben und gröbsten Kampfmittel erstickt und der eine Verhöhnung jeder echten Ge­danken- und Redefreiheit ist. Rekordsucht ist nicht Ausdrucksform von Gedanken- und Redefreiheit, sondern Behelfsmittel jenes Einschmelzungsprozesses, zu dem sich die USA. mit dem Wort vommel- ting pot" bekannt haben. Dr. Ho.

Tschunking

gibt die japanischen Erfolge zu.

Schanghai, 11. Juni. (Europapreß.) Der Sprecher des Tschungking-Regimes mußte den Vor­marsch der Japaner zugeben. Drei große japanische Heeresgruppen hätten in den letzten 24 Stunden auf ihrem Vorstoß von Nantschang aus große Fortschritte gemacht. Die rechte Gruppe der Ja­paner habe bereits Nanfeng, 200 Kilometer süd­östlich von Nantschang, erreicht. Die mittlere Gruppe stehe 130 Kilometer südöstlich von Nantschang bei Dschinhao. Die linke Gruppe habe sich entlang der Eisenbahnlinie TschekiangKiangsi vorwärtsge- schoben und stehe jetzt in Gefechtsberührung mit Dschungking-Truppen zwischen Tunghsiana und Jngtan. Für diese Truppen bestehe die Gefahr, von den Japanern umzingelt zu werden. Auch die

japanischen Streitkräfte, die über den Gelben Fluß in die Ordos-Ebene (Nordwestchina) vor­gestoßen seien und damit eine neue Front in der inneren Mongolei erreichtet hätten, seien bereits bis Jingpantschao, 40 Kilometer südlich von Pao­tau, vorgedrungen.

Kiangshan an der Tschekiang-Kiangsi-Bahn, nahe der Grenze der beiden Provinzest, fiel in japanische Hände, ebenso in Kiangsi die Eisenbahnstation Tungsiang, wobei große Mengen Kriegsmaterial er­beutet wurden. Der Plan der Dschungking-Chinesen, den japanischen Vormarsch durch die Entsendung von etwa 30 000 Mann vor Tschangtscha aufzu­halten, wurde mit der Niederlage dieser Truppen südlich Nantschang vereitelt. Die japanische Luft­waffe warf über Fucheng in Nord-Fukien mehrere Tonnen Bomben ab. In Kwangsin in Nordost- Kiangsi sind 20 Güterzüge in die Lust geflogen. Japanische Berichte sprechen ferner von schweren Kämpfen in Nord- H o nan , wo 10 000 Mann Tschungking-Truppen in der Nähe von Linshien umzingelt wurden.

Kunst und Wissenschaft.

Der Salzburger Sechs-INeister-Schachwettkampf.

In der zweiten Runde konnte Ker es den Ham­burger Klaus Junge zur Aufgabe zwingen. Einen zähen Kampf gab-es in der Partie Dr.Alfechin gegen Schmidt, doch erlangte der Weltmeister einen Mehrbauern und die bessere Stellung. In­folge eines Versehens ließ sich der Deutschlandmeister von Aljechin mattsetzen. Im nächsten Kamps sprach alles für einen zweiten Sieg Bogoljubows, aber fein Gegner erzwang eine ausgeglichene Stel­lung, und im letzten Augenblick verschenkte Bogol- jubow die Partie durch ein Turmopfer und verlor. Stand des Turniers nach der zweiten Runde: Keres- Stolz je 1% P., Aljechin-Bogoljubow je IP., Junge- Schmidt je P.

Line Symphonie von Friedrich Jung.

Die Kreisleitung München der NSDAP, hatte zu einem Sonderkonzert des Nationalsozialistischen Symphonieorchesters eingeladen, in dem eine Sym­phonie in B-dur von Kiedrich Jung uraufgeführt

wurde, die der Komponist dem Reichsleiter Dr. Ley gewidmet hat. Der Komponist stellt sein vier- scitziges Werk unter programmatische Leitsätze, ohne deshalb als Programmusiker gelten zu wollen. Der erste Satz, vor 20 Jahren schon geschrieben, drückt die Stimmungswelt des Jahres 1918 aus und be­wegt sich demgemäß zwischen den Polen depressiver und jäh ausbrechender Stimmungen. Der zweite Satz wird alsTotengedenken" bezeichnet und ist hauptsächlich der Kombination von Streichern und Orchelklängen übertragen, der dritte Satz ein fa genannter Parlament-Totentanz folgt sym­phonischen Formprinzipien, der vierte schließlich das Jahr 1933 symbolisierend stellt sich als ein gemessen schreitender Triumphmarsch dar, in den als kantables Seitenthema das Horst-Wessel-Lied einaeschmolzen ist. Das Werk zeigt Jung als einen Orchestertechniker, dem kein Geheimnis der orchestra­len Farbenmischungen verborgen geblieben ist. Es verwirklicht alle Möglichkeiten, die einem modernen Orchester gegeben sind, klingt berauschend und voll- griffig. Es konnte infolge seiner klangsinnlichen Effekte der Wirkung auf den' Hörer gewiß sein. Reichsleiter Dr. Ley, der der Uraufführung bei­wohnte, beglückwünschte den Komponisten zu seinem Erfolg. Erwin Bauer.

Lin später Erfolg für Llemens Brentano.

Ein ganz im Stil der Romantik geschriebenes Stück vermag heute noch unseren Beifall zu er­ringen, wenn es, wie bei der Uraufführung i m Düss eldorf er Schauspielhaus, durch einen verständnisvollen Dramaturgen überarbeitet wird. So hat Walter K o r d t, der schon früher mit einer Bearbeitung von EichendorffsFreiern" her­ausgekommen ist, das reizende SchauspielV a - leria" von Clemens Brentano unseren Büh­nen zugänglich gemacht. Alle Geister liebenswür­diger Ironie, naiver Freude am Mummenschanz, der Verwechflungen und spielerischer Liebeshändel treiben in der vom Adel schöner Seelen, jovialer Aestheten und in modischem Weltschmerz befange­ner Schwärmer und Träumer erfüllten Atmosphäre ein ost kindliches, immer aber amüsantes und lau­niges Maskenfpiel. Die Vorgänge sind nach Spa­nien verlegt und spielen in der Zeit der napoleo­

nischen Kriege. Ein in der Düsseldorfer Aufführung von Peter Ester mit unvergleichlich vornehmer Güte dargestellter Hidalgo kommt nach fünfzehnjährigem Aufenthalt in Amerika nach Europa zurück, um seine Kinder wiederzusehen und sie einer glücklichen Ehe zuzuführen. Der junge Kavalier Lope de Leon (Otto Collin) kann sich in zielloser Verliebtheit nicht für eine Frau entschließen und schwankt zwischen Valeria (Annemarie Jürgens), der liebreizen­den Tochter eines braven Bürgers in Sevilla, und Isidora (Rotraut Schalk), der Tochter des zurück­gekehrten Don Sarmiento. Mit Maskerade und sorglosem Getändel gerät die ganze Handlung in Verwirrung und wird zum glücklichen Ende von Don Sarmiento und Valeria gelöst.

Hans Georg von Borries.

Abschluß der Schweizer Reise der Berliner Philharmoniker.

Nach Konzerten in Genf und Lausanne fand die Reise des Berliner Philharmonischen Or­chesters unter Wilhelm Furtwängler durch die Schweiz in Zürich ihren krönenden Abschluß. Werke von Beethoven und Brahms wurden auch in der französischen Schweiz mit tiefem Verständnis ausgenommen. Zum besonderen Erlebnis wurde die Wiedergabe desMeistersinger-Vor­spiels in der Kathedrale von Lausanne, die für das Konzert des derttschen Meisterorchesters zur Verfügung gestellt worden war. Furtwängler wurde überall stürmisch gefeiert

Kleine politische Nachrichten.

Der thailändische Ministerpräsident Feldmarschall Plaek Pidulasonggram empfing Rash Bilari Base, den Führer der- nationalistischen Inder in Japan und Leiter der indischen Unabhängigkeitsbewegung in Ostasien, der sich in Bangkok befindet, um an den Sitzungen der Vertreter der nationalistischen Inder aus allen Teilen Ostindiens teilzunehmen.

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Der zum Sondertreuhänder der Arbeit" für die Organisation Todt bestellte Reichstreuhänder für Hessen-Nassau Dr. Schmetter ist vom Reichs­minister für Bewaffnung und Munition auch beauf­tragt worden, den Arbeitseinsatz^ für die zahlreichen Baustellen der Organisation Todt im europäischen Raum zentral zu regeln. . Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Gauleiter Sauckel, hat Dr. Schmetter in seinen Arbeitseinsatzstab berufen.

Der Führer hat dem ordentlichen Professor em. Geheimen Hofrat Dr. Lothar He ff ter in Frei­burg i. Br. aus Anlaß der Vollendung seines 80. Le­bensjahres in Würdigung seiner grundlegenden wis­senschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Geometrie und der Topologie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Höchste Anspannung der Reichsbahn.

Der Staatsfekretär im Reichsverkehrsministerium, Dr.-Jng. H anz en mii l l e r, sprach vor der Presse über die Aufgaben und die Leistungen der Reichs­bahn. In einem kaum vorstellbaren Maße ist im Laufe der letzten Jahre das Streckennetz ge­wachsen. Dazu kommt der gewalttge Einsatz in den besetzten Ostgebieten zur Versorgung der Front, für Truppen- und Materialtransporte, die einen großen Teil des Lokomotiven- und Wagenparks in Anspruch nehmen. Dabei konnte die Vermehrung dieses Fahrzeugparks in den letzten Jahren mit der außerordentlichen Erweiterung des Stteckennetzes nicht Schritt halten. Bis ein umfangreiches Fahr­zeugbauprogramm durchgeführt ist, werden Maß­nahmen notwendig sein zur Beschleunigung der Verladung und Entladung, zur Einschränkung des Transportes nichtkriegswirtschaftlich wichtiger Gü­ter, Einschränkung im Personenverkehr, oie Be­schränkung des Schlafwagenbetriebes, Einstellung der Speisewagen usw. Weitere Maßnahmen, die zu einer Entspannung in der Verkehrslage führen sollen, sind in Vorbereitung. Vor allem wird man danach streben, vermeidbare Transporte nach Mög­lichkeit zu beseitigen. Eine große Rolle wird dabei auch die stärkere Heranziehung der Binnenschiffahrt spielen. Die Umschlag­leistungen der Binnenhäfen sind bereits in den letz­ten Kriegsjahren außerordentlich gestiegen; trotzdem wird der Anteil der Binnenschiffahrt am Trans­portwesen durch die geplanten Umlagerungen noch weiter steigen. Es wurde zur Regelung des Gesamt­verkehrs eine Organisation aufgebaut, an deren Spitze in Berlin die Zentralverkehrsleit-

Künstler-Ehen.

Iu Saskias 300. Todestage.

Vor dreihundert Jahren starb in ihrem Hause in der Breedstraat in Amsterdam nach achtjähriger Ehe Saskia van Uylenburch, die Gattin Rem­brandts. Ihr Tod beendete einen Abschnitt im Leben des Malers, die Zeit der Jugend, des Auf­stiegs, des Ruhmes und des Glücks, die in der Ver­bindung mit ihr ihren Anfang genommen hatte. Die Hand des vornehmen und reichen Mädchens zu ge­winnen, mußte für den jungen Rembrandt als In­begriff des Glückes erscheinen: die Patriziertochter hob den armen Müllerssohn in eine höhere soziale Schicht, ihr Vermögen erlaubte ihm, seinen Nei­gungen die Zügel schießen zu lassen, seine Gattin mit kostbaren Gewändern Und Edelsteinen zu schmücken, in feinem Hause alles zusammenzutragen, was ihm des Besitzes wert schien; das waren Er­zeugnisse nus aller Herren Ländern, fremde Waffen, Trachtenstücke, Löwenfelle, antike Münzen, Musik­instrumente, Bambuspfeifen, kunstgewerbliche Dinge aus Asien oder Afrika, aber auch Mineralien, Mu­scheln, Korallen, Geweihe, Bälge vieler Land- und Meertiere, kurz, alles, was nur immer die lebendige Anschauung eines Stückes der bewohnten fernen Welt vermitteln konnte. Aber während der Meister dies alles in feinerKunstkammer" zusammentrug, regte sich zugleich.sein Pinsel, mühten sich in der großen Werkstatt neben feinem eigenen kleinen Ar­beitszimmer die Schüler. Rembrandt war in jenen Jahren ein gesuchter und gut bezahlter Bildnis­maler. Dessenungeachtet und trotz dem Vermögen seiner'Frau scheinen von Anfang an feine Aus­gaben die Einnahmen überschritten zu haben. Viel­leicht ließ er sich dadurch zum Spekulieren ver­leiten, wodurch er nicht nur auf die Dauer keinen Ausgleich schaffen konnte, vielmehr erst recht den Grund zu seinem späteren Bankrott legte, da er nach der Katastrophe bekannte, schwere Verlustein der Negotie" undauf der See" erlitten zu haben.

In den ersten glücklichen Jahren mit Saskia jedenfalls pochte die Sorge erst nur leise an seine Tür. Schwer dagegen traf es ihn, daß die drei ersten Kinder, die sie ihm gebar, ihnen bald wieder durch den Tod entrißen wurden. Das waren die ersten Schatten auf feinem Glück. Die Frage läßt sich heute nicht beantworten, wie diese Ehe sich ent­wickelt hätte, wenn Saskia länger gelebt hätte. SU

schien geschaffen zum Glück des Besitzens und Ge- nießens. Vielleicht nur dafür? Wie hätte sie sich bewährt im Leiden und Entbehren, das in Rem­brandt so ungeheure Tiefen aufriß, das ihn im eigentlichen Sinne erst zu sich selber fiihrte? Die Prüfung blieb Saskia erspart, aber verschiedene An­zeichen deuten darauf hin, daß sie sie nicht bestanden hätte. Nicht am wenigsten ihr Testament, in dem sie dem Gatten den Nießbrauch ihres Vermögens bis zur Großjährigkeit des Sohnes Titu? vermachte, aber nur, falls er sich nicht wieder verheirate. Ein erschütternder Zug von Ichsucht, von böser Besitz­gier noch über den Tod hinaus, ein Zug, der sie weit abrückt von dem Titanentum des Meisters, der damals gerade in derNachtwache" mit seinem Dä­mon rang. Es erscheint unmöglich, daß eine solche Gegensätzlichkeit nicht auch übef die Ehe ihre dunk­len Schatten legte. Dennoch blieb dies alles noch verhüllt. Und als Saskia bald nach des Geburt des vierten Kindes, des Sohnes Titus, starb, da war Rembrandt lange Zeit stumm vor Schmerz. Die glücklichen Sterne in seinem Leben waren unter­gegangen, nun begann die lange Dunkelheit.

Durch diese Dunkelheit leuchtete nur noch Hendrickje Stoffels Magd, Geliebte, Haushälterin, guter Engel. Sie war für Rembrandt alles, weil sie nichts für sich selber sein wollte. Sie löschte sich selbst aus, in vollkommener Demut und Aufopferung. Weder die Not vermochte sie in ihrer Treue zu erschüttern noch die Schande, als sie von dem l'alvinisttsch stren­gen Rat ihrer Stadt wegen Konkubinats mit Rem­brandt infolge von Saskias Testament vor Gericht zitiert und vom Abendmahlstisch ausge­schlossen wurde. Als im Jahre 1656 Rembrandts Bankrott erklärt wurde und bet der Versteigerung feiner Sachen die Gläubiger von bem gefamteh Be­sitztum ihm nur zwei kleine Oefen ließen, da ver­band Hendrickje sich mit dem Sohn Titus, und diese beiden Getreuen machten von Hendrickjes Spar­groschen ein kleines Geschäft auf, dessen Erträgnisse immerhin ausreichten, um die kleine Familie ein­schließlich der Tochter Cornelia, die Hendrickje Rem­brandt geboren hatte, zu ernähren. Aber auch das letzte Stück Erden glück sollte diesem zweiten Hiob genommen werden: Hendrickje starb vor ihm. In der äußersten Armut verkaufte Rembrandt das Fa­miliengrab in der Oudekerk, in das er vor zwanzig Jahren Saskia gebettet hatte, um eine Stätte zu haben, wo er Hendrickje zur Ruhe bringen konnte.

Merkwürdig ist es, wie viele große Künstler un­verheiratet waren: Leonardo, Michelangelo, Raffael, oder um in die Neuzeit zu gehen, Marses, Feuer­bach, Menzel, Leibl, um nur einige zu nennen. Bei manchen anderen spielte die Ehe eine untergeord­nete Rolle wie bei Holbein oder bei Böcklin. Doch es gibt Künstler, aus 'deren Leben die Gattin nicht fortzudenken ist, für die sie die befeuernde Muse ge­wesen ist. Da ist z.B. Rubens. Schon seine fürst­liche Lebenshaltung erforderte die Gattin, die dem riesigen Hauswesen, zu dem ja die ganze große Schülerschar gehörte, vorstand, als Hausfrau und als Herrin. Aber eine nur konventionelle Ehe war für Rubens eine Unmöglichkeit. Für ihn, den Maler schöner üppiger Frauen, bedeutete die Ehe höchste Krönung und Vollendung des Lebens. Sicheres, seiner selbst bewußtes Glück blickt uns aus dem Bild entgegen, das er, auf der Höhe feines Ruhmes angelangt, von sich und feiner jungen Gattin, der anmutig liebevollen Isabella Brant malte. Nichts scheint den Himmel dieser beiden Menschen trüben zu können, denen im Laufe einiger Jahre drei ge­sunde Kinder geschenkt werden. Doch die Natur ver­fährt hier mit rätselhafter Tragik. Aus unerklär­lichen Ursachen, vor denen die Aerzte hilflos stehen, welkte Isabella früh dahin und starb in ihrem 35. Lebensjahre. Bis zuletzt bewahrte ihr Gatte ihr die innigste Ergebenheit.

Vier Jahre später heiratete er die sechzehnjährige Helene Fourment. Der Rcuftch dieser großen Liebe schenkte dem dreiundfünfzigjährigen Meister seine reiffte und großartigste Schaffensperiode. Wir kennen Helenes Gesicht; unzählige Male hat Ru­bens sie gemalt, allein, mit ihm zusammen, mit ihren Kindern, als vornehme Dame im Staats kleid oder mit dem lose umgeworfenenPelzchen", das nur knapp die herrliche Nacktheit verhüllt, aber auch als Göttin und Heilige, als Madonna und Nymphe, als Sufanna und Bctthseba, es war immer die gleicheDlämifche Venus", das blühend gesunde junge Weib mit dem berückend schönen Antlitz. Zehn Jahre durfte er noch die unerhörte Steigerung aller seiner Lebenskräfte genießen, die er dieser jungen Frau verdankt, bis der Tod ihn aus dem Schas­sen riß.

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Aus dem 19. Jahrhundert soll hier nur ein Bei- , spiel einer Künstlerehe angeführt werden. Phllipp ltztto Bunge. dieser Mystiker. der in (einem künst­

lerischen Wollen wett über das Diesseits hinaus nach den Sternen griff und darin, wie nicht anders möglich, einsam war, fühlte sich doch zugleich tief und verwurzelt in der Liebe seiner Nächsten ge« borgen. An seine Braut schrieb er:Es ist mir vieles in der Welt schon begreiflich gewesen, aber als ich Sie zuerst gesehen, war's mir erst, als ob alles ein doppeltes Leben hätte. Ich weiß, was ich, ohne daß Sie es wissen, Ihnen schuldig bin, und seitdem ist alles, was ich nur dunkel in mir ahne, deutlicher und bestimmt in mir geworden ..." Und an einer anderen Stelle bekannte er es, daß er selbst für sein Innerstes einer bürgerlichen Exi­stenz" bedürfe. Ohne diese innerste Sicherung, dig ihm durch das liebende schenken und Empfangen im engsten menschlichen Kreise zuteil wurde, batte er, auch noch beschattet von der Ahnung seines frühen Todes, sich nicht in die geistige Region hin« auswagen können, in der er lebte und für die er kämpfte. Das BildWir drei" zeigt ihn im Kreise der ihm nächsten und teuersten Menschen, durch die er diese Sicherung erfuhr: feine Frau und sein Bruder. Zwar umstand ihn auch ein Freundeskreis aus den besten und erlesensten Geistern seiner Zeit, Arnim, Brentano, Tieck, Claudius, Görres und andere, äußerlich gesehen war er keineswegs ein einsamer Mensch, aber die innere, durch ihn selbst bedingte Einsamkeit vermochte nur durch die blut- haft Nächsten einen Ausgleich zu finden.

Annemarie von Puttkamer.

Zeitschriften.

Äm Juni-Heft der ZeitschriftNeues Volk" (Blätter des Rassenpclittfchen Amtes der NSDAP., Verlag Berlin SW 68) findet man u. a. aufschluß­reiches Material zum Thema der Abstammungsver- fchleierung, ferner mit interessanten Abbildungen einen auch kulturhistorisch bemerkenswerten Beitrag Freimaurer Schrittmacher der Juden" von Friedrich Hasselbacher. Gegenwärtig besonders aktuell erscheint eine Bettachtung ,Lndien trägt die Kosten ..." Für die Frage der Beziehungen zwi­schen Erbanlagen und Lebensleistung liefert ein BeitragReinhard von Sickingen Stammvater großer Deutscher" schöne, vermutlich noch wenig bekannte Beispiele. Endlich sei auf die ständige SpalteVölkische Lebensfragen" hin gewiesen, in bqt dfttz Vajjenpolttijchtz Amt AustzWs MeüL.