(92. Jahrgang Nr. 135
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Eichener Anzeiger
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Südlicher Pfeiler des britischen Berteidigungssystems in Aordasrika erstürmt.
Der Wehrmachiberichi.
DRB. Aus dem Aührerhauptquarlier, 11. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Festungsgelände von Sewastopol wurde der Angriff in harten Kämpfen weiter vorgetragen. Verzweifelte Gegenangriffe des Feindes blieben erfolglos. 3m Verlauf heftiger Luftangriffe auf das Gebiet von Sewastopol wurde im Hasen dec Festung ein Handelsschiff von 3000 VRT. durch Bombentreffer versenkt.
3m 31 o r d a b s ch n i t t der O st s r o n t gab der Feind unter dem Druck unserer vorgehenden Truppen zahlreiche Ortschaflen aus. An der Wolchow- fr o n t wurden starke feindliche Angriffe unter blutigen Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Küstenartillerie des Heeres bekämpfte mit guter Wirkung feindlichen Schiffsverkehr in der Kron- ftädter Bucht. Lin aus Leningrad aus- laufendes Unterseeboot und ein Begleitboot wurden in Brand geschossen.
3n Vordafrika wurde das Fort Bir h a ch e i m, der südliche Pfeiler des britischen Ver- leidigungssystems. in den heutigen Vormittagsstun
den nach tagelangem erbitterten Widerstand der dort eingeschlossenen starken feindlichen Kräfte erstürmt. Luftstreitkräfte griffen in die Lrdkämpfe ein und bombardierten britische Truppenansammlungen und Kolonnen. 3n Luftkämpfen verloren die Briten 21 Flugzeuge.
3m östlichen Wittelmeer griffen deutsche Unterseeboote einen stark gesicherten, nach Tobruk bestimmten Geleitzug an. Sie versenkten in zähem Angriff zwei schwerbeladene Tanker mit zusammen 12 000 BRT. Außerdem wurden vier Transporter durch Torpedotresfer beschädigt.
Auf der 3nfel Malta wurden britische Flugplätze bei Tag und Rächt mit Bomben belegt. Deutsche und italienische 3äger vernichteten hierbei acht britische Flugzeuge.
Vor der englischen Südküste erzielten Kampfflugzeuge in der letzten Rocht Bombenvoll- treffer schweren Kalibers auf drei Handelsschiffen mittlerer Größe.
Oberleutnant Gnädig. Kompaniechef in einem Infanterie-Regiment, hat sich bei den Kämpfen vor Sewastopol durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet.
Das Afrikakorps im Gegenangriff.
Von Kriegsberichter Horst Kanitz.
PK. „Mit diesem Pulk fahre ich bis ans Ende der Welt!" sagt Major G. zu seinem Adjutanten, während beide im Wagen die Panzerdivision entlangbrausen. Und es ist in der Tat ein gewaltiger Pulk, der in ungeheurer Ausdehnung durch die Wüste rollt. Er hat den Auftrag, britische Kräfte anzugreifen und sie in eine Schlacht zu verwickeln, wo immer er sie trifft. Allen voran mahlen sich die Panzer durch den heißen Sand. hinter ihnen wälzt sich mir knirschenden Ketten die schwere Flak, gesichert von ihren leichteren Geschützen. Dann folgt leichte und schwere Artillerie. Die Flanke wird von den Panzern, Pak und Panzerjägern gedeckt. Endlich folgen schier unübersehbare Kolonnen: die Trosse. Jedes Fahrzeug zieht einen Wirbel von Sand und Staub hinter sich her. Das Ganze bietet das Bild eines trägen, durch weites Gelände ziehenden Ghibli.
Ungünstigerweise haben die Fahrzeuge jetzt den Wind vom Rücken, so daß sie, in ihrer eigenen Staubwolke wie im Nebel fahrend, den Weg suchen müssen. Angestrengt suchen die geröteten, vom Wind brennenden Augen den Schleier zu durchdringen und den Vordermann zu erkennen. Man fährt wie in einer orangeroten Helle, die, je nach der Dichte des Sandstaubes und der Heftigkeit des Windes, bald blaß und gelblich erscheint, bald dunkelbraun und undurchsichtig ist. Der Kalkstaub der Straßen in der Ukraine war glasklarer Ozon gegen diesen Dreck! Und trotzdem gehts vorwärts,'wenn auch nur acht Kilometer in der Stunde.
Eine andere Tücke des Wüstenkrieges ist die endlose Einförmigkeit im weiten Raum. Tiefer in die Dünen stößt jetzt der Pulk vor, und bald weist keine Erhebung, kein Dschebel, kein markanter Punkt mehr den Weg. Das Auge faßt nur eine einzige große Fläche und rings herum dehnt sich der end- iose Horizont. Da hilft nur eines zur Orientierung: Marschkompaß und Kilometerzahl. In gewissen Gebieten der Wüste versagt selbst auch die Starte, da man keinen Punkt hat, nach dem man sich einrichten kann. Und doch wird gefahren und das Ziel erreicht. Die ganze Nacht durch geht es vorwärts, und in den frühen Morgenstunden erreichen
die Kampfkräfte feindliches Gebiet. Alles bleibt still.
Im Osten geht blutrot die Sonne auf. Plötzlich Feuer von vorn! Der Feind! Die leichte Unebenheit des Bodens hat er ausgenutzt, um in ihrem Schutze Panzer und Geschütze aufzustellen. Nun rollen Panzer gegen Panzer. Es ist ein gewaltiges Bild. Die Kolosse, in der Weite des Raumes dennoch klein erscheinend, stoßen aufeinander zu. Feuerstöße blitzen aus ihren Rohren. Die Wüste brodelt von weißem Staub, in den hinein sich hin und wieder eine Fontäne schwarzen Qualms mischt — ein tödlich getroffener Panzer. Unsere Männer haben es schwer. Der Feind ist in der Uebermacht. Da greift die 8,8 ein als Retter aus hoher Not. Unter ihrem Feuer bricht der geplante Vorstoß des Gegners zusammen. Tote und Verwundete von Freund und Feind bleiben auf dem Schlachtfeld liegen. Die restlichen Panzer ergreifen die Flucht, deutsche Soldaten stoßen nach.
An anderer Stelle ist man ebenfalls in Berührung mit dem Feind gekommen. Kessel werden gebildet, Panzer tauchen da, dort und dort auf. Aus allen Richtungen knallt es. Wo überall ist der Feind? Wer kesselt wen? Die dritte Tücke des Wüstenkrieges: ungemein erschwerte lieber» sicht. Da taucht Generaloberst Rommel auf. Um sein Fahrzeug zischen die Geschosse der feindlichen Artillerie. Er sieht ihnen kurz nach. Mit einer Handbewegung zeigt er dem Fahrer an, wie er einzubiegen hat, während fein Ordonnanzoffizier hinten im Wagen an Hand von Kompaß, Kilometerzahl und einer Spezialkarte genau den Weg verfolgt. Der Generaloberst gibt kurz Anweisung. Dort steht der Feind, an jener Stelle muß durchgebrochen chen werden, um die Verbindung mit einer italieni- werden, um die Verbindung mit einer italieni- Gesamtlage ist recht gut!", gibt Rommel noch bekannt, dann braust er mit seinem Wagen ohne Rücksicht auf das Artilleriefeuer des Feindes davon und ist bald hinter einer leichten Anhöhe verschwunden. Das ist eine der hervorstechendsten Eigenarten dieses genialen Generals. Er ist immer dort, wo es not tut; wo am härtesten gekämpft wird.
Oie Erstürmung Bir Hacheuns.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Berlin, 11. Juni. (DNB.) In Nordafrika wurde die Erstürmung des Forts Bir hzrcheim durch zahllose Angriffe der deutschen Luftwaffe eingeleitet und unterstützt. Tag und Nacht griffen Sturzkampfflugzeuge den nach einem kühnen Vorstoß der deutschen Truppen umfaßten und in zähen Kämpfen schließlich in dem Wüstenfort zusammengesetzten Feind an, während Jäger und Zerstörerflugzeuge gleichzeitig in Tiefangriffen die Entsetzungsversuche der eingeschlossenen Truppen zunichte machten. 'Auch am Mittwoch richtete die deutsche Luftwaffe schwere Angriffe gegen das Wüstensort, bis im Zusammenwirken mit der Artillerie des Heeres eine Bresche im das stark befestigte Kampffeld geschlagen war. Dann stießen Truppen des Heeres;n diesqr Lücke vor und entrissen dem Feind zahlreich verteidigte Stützpunkte sowie die beherrschenden höhen nördlich Bir hacheim. Die deutschen Jagdflugzeuge schossen allein am 10. 6. über diesem Kampffeld zehn britische Jagdslugzeuae ab. — Bei den schweren Angriffskämpfen in Afrika ist Ritterkreuzträger Oberst Hans-Lewin von Bardy am 27. Mai 1942 seinen im heldenhaften Einsatz erlittenen Verletzungen erlegen. Die Soldaten seines Regiments verlieren in ihm einen vorbildlichen tapferen Kommandeur und sorgenden Vorgesetzten.
Das arabische Wort B i r bedeutet auf deutsch Brunnen. Bir hacheim heißt Brunnen des hacheim. Mit dem Namen ist die ursprüngliche Bedeutung des Ortes umrisfen: Er ist eine W a s s e r st e l l e in 1) e r Wüste und gab Anlaß zu einem Zusammenlaufen mehrerer Wüstenpfade. Die heutige Bedeutung von Bir hacheim geht aus den! Wehrmachtbericht klar hervor. Die ursprüngliche Wasserstelle war zu einem Fort ausgebaut worden, der
südliche Pfeiler des britischen Verteidigungssystems, das etwas westlich von Tobruk beginnt. Dieses Verteidigungssystem stellt keine zusammenhängende Linie dar, sondern wird von einzelnen Stützpunkten gebildet, zwischen denen Minenfelder liegen oder die Artillerie ein möglichst ausgedehntes Schußfeld besitzt. Der Wehrmachtbericht macht klar, daß die Kämpfe um Bir hacheim sehr heftig gewesen sind. Er spricht von einem „tagelangen erbitterten Widerstand der dort eingeschlossenen starken feindlichen Kräfte".
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß der Wehrmachtbericht vom 7. Juni bereits von über 10 000 Gefangenen, 550 Panzerkampfwagen, 200 Geschützen und einigen hundert Kraftfahrzeugen sprach, die die Engländer in Libyen verloren haben. Das sind für afrikanische Verhältnisse gewaltige Verlustzahlen. Schon zu Beginn der neuen Schlachten in Libyen machte der Londoner „Evening Standard" feine Leser darauf aufmerksam, daß „jede Maschine und jeder Soldat, die Rommel uns nach Libyen zu senden zwingt, ein Minus in den Lieferungen nach anderen Fronten bedeutet."
An der Verteidigung von Bir hacheim haben Franzosen teilgenommen, die in der Wirrnis des Krieges zu dem Derrätergeneral de Gaulle gestoßen sind. Kommandant dieser Franzosen war ein General Koenig. Dieses Zusammentreffen, daß ein französischer General mit dem Namen Koenig Bir hacheim gegen deutsch-italienische Truppen verteidigte, wurde von dem englischen Nachrichtendienst "zu einer Agitationswelle ausgenutzt. Reuter gibt einige Daten über den General. Von Daterseite her ist er Elsässer, feine Mutter stammt aus der Normandie. Sein Vater war schon vor dem ersten Weltkrieg nach Frankreich ausgewandert, den
Koenig als Fähnrich mitmachte. Um rascher avancieren zu können, trat er in die Fremdenlegion ein. Er war an den Kämpfen in Norwegen, in Eritrea, in Syrien und in Libyen beteiligt. Reuter meldet, daß die Garnison von Bir hacheim in der Nacht zum 11. Juni „zurückgezogen" wurde. Noch vor wenigen Stunden berichtete dasselbe Reuterbüro: „Eine Niederkämpfung von Bir hacheim ist unwahrscheinlich, da die britische Panzerstärke der deut- chen zumindest ebenbürtig ist." Alles Abstreiten des deutschen Erfolges hat also nichts mehr geholfen, da behilft man sich mit der schon so oft angewandten klassischen Formulierung, des „siegreichen" Rückzuges.
So wie die Achsentruppen in Bir hacheim den üblichen Eckpfeiler der jetzigen Stellung der Engländer in Libyen erstürmten, so haben U-Boote an der anderen Flanke dieser Stellung, im maritimen Vorfeld Tobruks, einen bemerkenswerten Erfolg durch Störung des Nachschubs erzielt. In zähem Angriff wurden zwei schwer beladene Tanker mit zusammen 12 000 BRT. versenkt, vier weitere Transporter beschädigt. Die Engländer haben bei der Versorgung Tobruks nach Möglichkeit kleinere Schiffe eingesetzt, sogar Küstensegler verwendet, um das Risiko zu verteilen. Wenn sie auf dieser Gefahrenroute jetzt größere Schiffe eingestellt haben, so darf man daraus wohl schließen, daß es ihnen dank der U-Booterfolge bereits an kleineren Schiffen gebricht.
Oer Kampf um Sewastopol.
Berlin, 11. Juni. (DNB.) Wie das OKW. rnit- teri'lt, konnten die deutschen Truppen vor Sewastopol nach sehr harten Kämpfen in dem nach modernsten Grundsätzen ausgebauten feindlichen Befestigungssystem weiter Boden gewinnen. Der Feind, der wieder schwere blutige.Verluste hatte, versuchte vergeblich, den deutschen Angriff zum Stehen zu bringen. Der Kampf vor Sewastopol ist ein Ringen um die feindlichen Befestigungswerke, Artillerie- und Granatwerferstellungen, die in tiefen Felsschluchten und Kasematten eingebaut und von Hindernissen aller Art gesichert sind. Artillerie des Heeres und die Luftwaffe unterstützten in pausenlosem Einsatz Infanterie und Pioniere durch Beschießung und Bombardierung der feindlichen Festungswerke und Artilleriestellungen. Zahlreiche Volltreffer zerstörten Panzerkuppeln in den tiefgestaffelten Befestigungsanlagen und vernichteten Munitionsbunker sowie gepanzerte Festungswerke.
Oer Schmelziiegel.
„Vom Arbeitstisch des Präsidenten Roosevelt aus gelangte am Montag eine gewaltige Kriegsvorlage zur Finanzierung der Offensive für die Zermalmung der Achsenmächte zum Capitol-Hügel. Die alle Rekorde brechende Finanzvorlage, die weit größere Summen enthält als jede andere, die jemals von irgendeiner gesetzgebenden Körperschaft irgendwo in der Welt durchberaten worden ist, hat es mit einem Gesamtbetrag von 39,4 Milliarden Dollars zu tun." So eine echte USA.-Meldung. Die Einbringung eines Staatshaushaltes ist eine nüchterne Angelegenheit und in der Regel ist es nicht die Regierung, sondern die Opposition, die wegen der höhe der Aufwendungen Lärm schlägt. Die Washingtoner Regierung weicht von diesem aüge- meinet! Brauch wesentlich ab. Sie begleitet die Einbringung des Staatshaushaltes mit Posaunenstößen.
Wir haben gerade dieses Beispiel gewählt. Denn der trockene Staatshaushalt bietet sicherlich keine sehr große Rechtfertigung für einen nationalen Be- geifterungsrausch, wie er bei einem Schlachtenbericht immerhin noch verständlich ist. Der Zweck dieses Beispiels ist, den amerikanischen Rekordfimmel in typischer Reinkultur zu zeigen. Im allgemeinen weiß jeder Europäer, daß der Pankee nur bei sich zu Hause alles groß und vortrefflich findet, daß er seine eigene — oft große — Leistungsfähigkeit mit immer neuen Zahlen beweisen will, daß er auf alles, was „un-amerikanisch" ist, mit offener ober schlecht verhehlter Verachtung herabsieht. Woher kommt nun diese Entwicklung des Rekordfimmels? Auch diese Eigenschaften müssen ihre Ursache haben. Und sie haben eine Ursache!
Bis zum Jahre 1790 wanderten in die Vereinig, ten Staaten % Millionen Menschen ein; in den folgenden 30 Jahren bis 1820 betrug die Einwanderung % Million. Seit 1820 bis 1932, also in 112 Jahren, wanderten dagegen weitere 38 Millionen Menschen ein! Diese Menschen mußten amerikanisiert oder eingeschmolzen" werden. Die Vereinigten Staaten bezeichnen sich gern selbst als ein „melting pol", als Schmelztiegel. Wollten sie die Aufgabe eines Schmelztiegels erfüllen, so durften die Einwanderer nur genau so Rohstoff fein wie das Erz Rohstoff für den Schmelzofen oder die Hütte ist, um bann erst das blanke Kupfer oder den guten Stahl zu liefern. Alle Beziehungen der Einwanderer zu ihren Heimatländern mußten ununterbrochen werden. Ihnen mußten die Vereinigten Staa-
Krieg in -er Tundra.
Von Kriegsberichter Andres Feldle.
DNB....., Juni. (PK.) Mit nickendem Geweih
trotten Renntiere vor ihren niedrigen Schlitten einer Schneespur nach, die sich durch die öde Weglosigkeit der Tundra zieht. Auf der Seeniederung, in die die Spur hinter einer höhenfalte eingelenkt ist, bringt jetzt bereits die Nässe in ber Fahrbahn durch, aber noch hält bas Eis. hinter ben Schlittenkufen haben sich sowjetische Kugelmützen unruhig erhoben, als sich ein brummenbes Geräusch über ben weiten höhenwellen genähert hat. Die Fahrer haben aber kaum die Zügel anziehen können, als bas Verberben bereits über die nächsten höhenriegel hereinrollt unb sich mit berftenbem Gebröhn entlobet. Deutsche Kampfflugzeuge haben bie bolschewistische Renntierkolonne entbecft unb räumen nun mit Bomben unb Borbwafsen in ber schwer belabenen Schlittenreihe auf. Auf bem Eise ballt sich ein roilbes Knäuel zusammen, während eine Anzahl Gespanne in allen Richtungen ausein? anberftieben. Entsetzt haben bie Renntiere ben Kopf in bie höhe geworfen unb finb bie Schneeflanken ber nahen Kuppen hinaufgehetzt. Wenn sich ein Tier keuchenb irgenbwo zwischen Geröll unb Kriechgebüsch verfängt, sind die Seinen längst gerissen, unb die Last liegt irgendwo über Schneemulden und Geröllhalden verstreut. In der bolschewistischen Sammel- stelle wartet man vergeblich auf Munition unb Proviant, um weiter Boben in ber Tunbra zu gewinnen.
In ber offenen Tunbra, bie vor Jahren kaum ein Fuß berührt hat, tobt ber Kampf. Es brobelt unb grollt über bie höhen, auf denen Schiefergeröll ben Schnee überragt, unb bie Granaten schlagen schwarze Trichter in bie höhenflanken unb erstarrten Senken. Die Bolschewisten haben unter Einsatz aller Mittel ein Gelänbe, bas ber baumlosen Höhenzone ber Alpen gleicht, zum Kampfgebiet gemacht, unb neue Brigaben, bie mit Renn- tiergefpannen als Nachschubmittel ausgerüstet sind, in bie wegelose Flanke ber beutschen Linien geworfen. hinter Geröll unb Schneewehen haben sich bie Gebirgsjäger weit vor ber eigenen Hauptkampflinie zur Abwehr eingerichtet. Die höhen, bie ihre Sicherungsgruppen besetzt haben, greifen wie bie Knöchel einer Faust zusammen, bie immer roieber zurückschlägt, sooft die Angriffe auch vorbranden.
Es kommt der sowjetischen Führung auf die Menschen nicht an. Sie hat'bereits Bataillone geopfert, um gegen ben Verteidigungsgürtel ber Gebirgsjäger ein Seengelände zu erreichen, in das sie nun immer neue Massen stopft. Klumpenweise bedrängen die Sowjetarmisten, rücksichtslos vorgetrieben, bie Höhenstellungen ber Gebirgsjäger unb suchen sich hinter Birkenmulden unb Geröll festzusetzen. Manchmal bleiben ben Verteidigern kaum zwei Stunden Atempause, bis das kurze harte Schlagen der Granatwerfer wieder einen bolschewistischen Vorstoß ankündigt, hartnäckia krallen sich die erdgrauen Haufen in die höhenflanken ein, und wenn schon Hunderte in Klumpen erstarrt liegen, müssen kleine Stoßtrupps mit Handgranaten noch kleine Mulden ausräumen, aus denen der Tod zu ihnen hinüberspukt. Immer wieder nisten sich Scharfschützen ein und lauern auf eine unvorsichtige Bewegung.
Wo sie stehen und liegen, gönnen sich die Verteidiger ein paar Minuten Schlaf, wenn es auf ben umtämpften höhen still geworden ist unb die
Wachen die Sicherung übernehmen können. Mit einem Mantelzipfel haben sich bie Schläfer gegen bas Licht geschützt, bas im nahenben arktischen Sommer auch bie Nachtstunden überflutet. Der Ruf eines Postens läßt bie Ruhenben blindlings nach ben Munitionskästen greifen, während sich aus Schneefalten die Gestalten der Angreifer herauslösen und bie Leuckstspurgeschosse ber gegnerischen MGs. auch bereits über bie Blöcke streifen.
Mit letzter Erbitterung wirb gekämpft. Die Verteidiger wissen, daß es nicht um die Stellungen geht, die mit ihren armseligen vermoosten Felsbrocken und Schneewehen nicht einen Tropfen des Blutes aufwiegen, das um sie vergossen wird. Die bolschewistischen Massen müssen überall, wo sie sich durch ein Loch durchzwängen wollen, um bie beutschen Verteidigungslinien in der Flanke zu überfluten, abgeriegelt werden. Einmal, zweimal, müssen die Verteidiger der Uebermacht eine höhe preisgeben, die sie dann im Gegenangriff wieder behaupten. Vier, fünf Kompanien werfen bie Bolschewisten gegen eine kleine höhenkuppe, bie sie am nächsten Tage erneut mit zweifacher Bataillonsstärke angreifen. „Wie bie Ameisen kamen sie", berichtet ein Verteidiger, „wo einer erschlagen würbe, stapften unb hetzten im nächsten Augenblick zehn neue über ben Schnee. Aber wir finb mit ihnen fertig geworben." Als die Bolschewisten über eine Seesenke nach Westen ausbiegen, erwartet sie auch dort ein Sicherungsgürtel, ber nicht weicht.
In immer neuem Einsatz zerschlagen die deutschen Flieger bie Nachschublinien ber Sowjets, unb es nützt ihnen nichts, als sie sich unter schweren Verlusten in eine ßanbenge vorzwängen, um durch Stoßtrupps unb Scharfschützen bie Versorgungswege ber Gebirgsjäger zu stören. Wo Trägertrupps in ben Kampf eingesetzt werben müssen, springen Arbeitsmänner ein unb schaffen manchmal, burch bolschewistische Schützenschleier hinburch, die Lasten mit allem Nachschubmaterial in die vorberste Stellung. Eine Batterie, bie bie Bolschewisten in Stellung gebracht haben, hat keine Wirkung. Rücken an Rücken steht bie Front, benn auch bie Stellungen ber Hauptkampflinie stemmen sich -gegen einen ungeheuren Druck an, ber im pausenlosen Gebröhne ber Artillerie unb Granatwerfer auf einen lastet. „Molotow-Coctails" verzischen im Nahkampf, ohne in ben erbgrauen Gestalten eine Bresche brechen zu können.
Das weiße Wellengelänbe ber Tunbra ist von vielen Granattrichtern schorfig geworben. Die höhen, bie Gebirgsjäger nach heimatlichen Anhaltspunkten und Erinnerungen benannt haben, sind von unzähligen Einschlägen durchfurcht und zerschlissen. Für 5000 Bolschewisten ist die brüchige Schneedecke der weiten Tundra zum Leichentuch geworden. Die Hauptkraft des bolschewistischen 2ln» griffs ist gebrochen, als ein heftiger winterlicher Rückschlag auch die Reste zum Rückzug zwingt. Für manche angeschlagene Gruppe ist es zu spät. Ein Schneesturm, der tagelang über die Tundra fegt, holt die rückflutenden Bolschewisten mit seinen tödlichen Fangarmen ein, und die Gebirgsjäger finden, als sich das Wehen wieder gelegt hat, überwehte Haufen, aus denen ein erstarrter Arm und Fuß und ein erstarrendes Gehörn vom Ende der Renntierbrigaden erzählt.


