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(92. Jahrgang Nr. 135

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Eichener Anzeiger

vrllHIIcheUnivrrsttArdruckerel». lange General-Anzeiger sm Oberhessen $ «letzen,^Schnlstratze 7-9

Südlicher Pfeiler des britischen Berteidigungssystems in Aordasrika erstürmt.

Der Wehrmachiberichi.

DRB. Aus dem Aührerhauptquarlier, 11. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Festungsgelände von Sewastopol wurde der Angriff in harten Kämpfen weiter vorgetragen. Verzweifelte Gegenangriffe des Feindes blieben er­folglos. 3m Verlauf heftiger Luftangriffe auf das Gebiet von Sewastopol wurde im Hasen dec Festung ein Handelsschiff von 3000 VRT. durch Bombentreffer versenkt.

3m 31 o r d a b s ch n i t t der O st s r o n t gab der Feind unter dem Druck unserer vorgehenden Trup­pen zahlreiche Ortschaflen aus. An der Wolchow- fr o n t wurden starke feindliche Angriffe unter blu­tigen Verlusten für den Gegner abgeschlagen. Kü­stenartillerie des Heeres bekämpfte mit guter Wir­kung feindlichen Schiffsverkehr in der Kron- ftädter Bucht. Lin aus Leningrad aus- laufendes Unterseeboot und ein Begleitboot wurden in Brand geschossen.

3n Vordafrika wurde das Fort Bir h a ch e i m, der südliche Pfeiler des britischen Ver- leidigungssystems. in den heutigen Vormittagsstun­

den nach tagelangem erbitterten Widerstand der dort eingeschlossenen starken feindlichen Kräfte er­stürmt. Luftstreitkräfte griffen in die Lrdkämpfe ein und bombardierten britische Truppenansammlungen und Kolonnen. 3n Luftkämpfen verloren die Briten 21 Flugzeuge.

3m östlichen Wittelmeer griffen deutsche Unterseeboote einen stark gesicherten, nach Tobruk bestimmten Geleitzug an. Sie versenkten in zähem Angriff zwei schwerbeladene Tan­ker mit zusammen 12 000 BRT. Außerdem wur­den vier Transporter durch Torpedotresfer beschä­digt.

Auf der 3nfel Malta wurden britische Flug­plätze bei Tag und Rächt mit Bomben belegt. Deut­sche und italienische 3äger vernichteten hierbei acht britische Flugzeuge.

Vor der englischen Südküste erzielten Kampfflugzeuge in der letzten Rocht Bombenvoll- treffer schweren Kalibers auf drei Handelsschiffen mittlerer Größe.

Oberleutnant Gnädig. Kompaniechef in einem Infanterie-Regiment, hat sich bei den Kämpfen vor Sewastopol durch besondere Tapferkeit ausge­zeichnet.

Das Afrikakorps im Gegenangriff.

Von Kriegsberichter Horst Kanitz.

PK.Mit diesem Pulk fahre ich bis ans Ende der Welt!" sagt Major G. zu seinem Adjutanten, während beide im Wagen die Panzerdivision ent­langbrausen. Und es ist in der Tat ein gewaltiger Pulk, der in ungeheurer Ausdehnung durch die Wüste rollt. Er hat den Auftrag, britische Kräfte anzugreifen und sie in eine Schlacht zu verwickeln, wo immer er sie trifft. Allen voran mahlen sich die Panzer durch den heißen Sand. hinter ihnen wälzt sich mir knirschenden Ketten die schwere Flak, gesichert von ihren leichteren Geschützen. Dann folgt leichte und schwere Artillerie. Die Flanke wird von den Panzern, Pak und Panzerjägern gedeckt. End­lich folgen schier unübersehbare Kolonnen: die Trosse. Jedes Fahrzeug zieht einen Wirbel von Sand und Staub hinter sich her. Das Ganze bietet das Bild eines trägen, durch weites Gelände ziehen­den Ghibli.

Ungünstigerweise haben die Fahrzeuge jetzt den Wind vom Rücken, so daß sie, in ihrer eige­nen Staubwolke wie im Nebel fahrend, den Weg suchen müssen. Angestrengt suchen die geröteten, vom Wind brennenden Augen den Schleier zu durchdringen und den Vordermann zu erkennen. Man fährt wie in einer orangeroten Helle, die, je nach der Dichte des Sandstaubes und der Heftigkeit des Windes, bald blaß und gelb­lich erscheint, bald dunkelbraun und undurchsichtig ist. Der Kalkstaub der Straßen in der Ukraine war glasklarer Ozon gegen diesen Dreck! Und trotz­dem gehts vorwärts,'wenn auch nur acht Kilometer in der Stunde.

Eine andere Tücke des Wüstenkrieges ist die endlose Einförmigkeit im weiten Raum. Tiefer in die Dünen stößt jetzt der Pulk vor, und bald weist keine Erhebung, kein Dschebel, kein markanter Punkt mehr den Weg. Das Auge faßt nur eine einzige große Fläche und rings herum dehnt sich der end- iose Horizont. Da hilft nur eines zur Orientierung: Marschkompaß und Kilometerzahl. In gewissen Gebieten der Wüste versagt selbst auch die Starte, da man keinen Punkt hat, nach dem man sich einrichten kann. Und doch wird gefahren und das Ziel erreicht. Die ganze Nacht durch geht es vor­wärts, und in den frühen Morgenstunden erreichen

die Kampfkräfte feindliches Gebiet. Alles bleibt still.

Im Osten geht blutrot die Sonne auf. Plötzlich Feuer von vorn! Der Feind! Die leichte Uneben­heit des Bodens hat er ausgenutzt, um in ihrem Schutze Panzer und Geschütze aufzustellen. Nun rollen Panzer gegen Panzer. Es ist ein gewaltiges Bild. Die Kolosse, in der Weite des Raumes den­noch klein erscheinend, stoßen aufeinander zu. Feuer­stöße blitzen aus ihren Rohren. Die Wüste brodelt von weißem Staub, in den hinein sich hin und wie­der eine Fontäne schwarzen Qualms mischt ein tödlich getroffener Panzer. Unsere Männer haben es schwer. Der Feind ist in der Uebermacht. Da greift die 8,8 ein als Retter aus hoher Not. Unter ihrem Feuer bricht der geplante Vorstoß des Gegners zusammen. Tote und Verwundete von Freund und Feind bleiben auf dem Schlachtfeld liegen. Die restlichen Panzer ergreifen die Flucht, deutsche Soldaten stoßen nach.

An anderer Stelle ist man ebenfalls in Berüh­rung mit dem Feind gekommen. Kessel werden ge­bildet, Panzer tauchen da, dort und dort auf. Aus allen Richtungen knallt es. Wo überall ist der Feind? Wer kesselt wen? Die dritte Tücke des Wüstenkrieges: ungemein erschwerte lieber» sicht. Da taucht Generaloberst Rommel auf. Um sein Fahrzeug zischen die Geschosse der feind­lichen Artillerie. Er sieht ihnen kurz nach. Mit einer Handbewegung zeigt er dem Fahrer an, wie er ein­zubiegen hat, während fein Ordonnanzoffizier hin­ten im Wagen an Hand von Kompaß, Kilometer­zahl und einer Spezialkarte genau den Weg ver­folgt. Der Generaloberst gibt kurz Anweisung. Dort steht der Feind, an jener Stelle muß durchgebrochen chen werden, um die Verbindung mit einer italieni- werden, um die Verbindung mit einer italieni- Gesamtlage ist recht gut!", gibt Rommel noch bekannt, dann braust er mit seinem Wagen ohne Rücksicht auf das Artilleriefeuer des Feindes davon und ist bald hinter einer leichten Anhöhe verschwunden. Das ist eine der hervorstechendsten Eigenarten dieses genialen Generals. Er ist immer dort, wo es not tut; wo am härtesten gekämpft wird.

Oie Erstürmung Bir Hacheuns.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Berlin, 11. Juni. (DNB.) In Nordafrika wurde die Erstürmung des Forts Bir hzrcheim durch zahllose Angriffe der deutschen Luftwaffe eingeleitet und unterstützt. Tag und Nacht griffen Sturzkampf­flugzeuge den nach einem kühnen Vorstoß der deut­schen Truppen umfaßten und in zähen Kämpfen schließlich in dem Wüstenfort zusammengesetzten Feind an, während Jäger und Zerstörerflugzeuge gleichzeitig in Tiefangriffen die Entsetzungsversuche der eingeschlossenen Truppen zunichte machten. 'Auch am Mittwoch richtete die deutsche Luftwaffe schwere Angriffe gegen das Wüstensort, bis im Zusammen­wirken mit der Artillerie des Heeres eine Bresche im das stark befestigte Kampffeld ge­schlagen war. Dann stießen Truppen des Heeres;n diesqr Lücke vor und entrissen dem Feind zahlreich verteidigte Stützpunkte sowie die beherrschen­den höhen nördlich Bir hacheim. Die deutschen Jagdflugzeuge schossen allein am 10. 6. über diesem Kampffeld zehn britische Jagdslugzeuae ab. Bei den schweren Angriffskämpfen in Afrika ist Ritter­kreuzträger Oberst Hans-Lewin von Bardy am 27. Mai 1942 seinen im heldenhaften Einsatz er­littenen Verletzungen erlegen. Die Soldaten seines Regiments verlieren in ihm einen vorbildlichen tap­feren Kommandeur und sorgenden Vorgesetzten.

Das arabische Wort B i r bedeutet auf deutsch Brunnen. Bir hacheim heißt Brunnen des hacheim. Mit dem Namen ist die ursprüngliche Bedeutung des Ortes umrisfen: Er ist eine W a s s e r st e l l e in 1) e r Wüste und gab Anlaß zu einem Zu­sammenlaufen mehrerer Wüstenpfade. Die heutige Bedeutung von Bir hacheim geht aus den! Wehr­machtbericht klar hervor. Die ursprüngliche Wasser­stelle war zu einem Fort ausgebaut worden, der

südliche Pfeiler des britischen Verteidigungssystems, das etwas westlich von Tobruk beginnt. Dieses Ver­teidigungssystem stellt keine zusammenhängende Linie dar, sondern wird von einzelnen Stützpunkten gebildet, zwischen denen Minenfelder liegen oder die Artillerie ein möglichst ausgedehntes Schußfeld besitzt. Der Wehrmachtbericht macht klar, daß die Kämpfe um Bir hacheim sehr heftig gewesen sind. Er spricht von einemtagelangen erbitterten Wider­stand der dort eingeschlossenen starken feindlichen Kräfte".

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß der Wehrmachtbericht vom 7. Juni bereits von über 10 000 Gefangenen, 550 Panzerkampfwagen, 200 Geschützen und einigen hundert Kraftfahrzeugen sprach, die die Engländer in Libyen verloren haben. Das sind für afrikanische Verhältnisse gewaltige Verlustzahlen. Schon zu Beginn der neuen Schlach­ten in Libyen machte der LondonerEvening Standard" feine Leser darauf aufmerksam, daß jede Maschine und jeder Soldat, die Rommel uns nach Libyen zu senden zwingt, ein Minus in den Lieferungen nach anderen Fronten bedeutet."

An der Verteidigung von Bir hacheim haben Franzosen teilgenommen, die in der Wirrnis des Krieges zu dem Derrätergeneral de Gaulle gestoßen sind. Kommandant dieser Franzosen war ein General Koenig. Dieses Zusammentreffen, daß ein französischer General mit dem Namen Koenig Bir hacheim gegen deutsch-italienische Trup­pen verteidigte, wurde von dem englischen Nach­richtendienst "zu einer Agitationswelle ausgenutzt. Reuter gibt einige Daten über den General. Von Daterseite her ist er Elsässer, feine Mutter stammt aus der Normandie. Sein Vater war schon vor dem ersten Weltkrieg nach Frankreich ausgewandert, den

Koenig als Fähnrich mitmachte. Um rascher avan­cieren zu können, trat er in die Fremdenlegion ein. Er war an den Kämpfen in Norwegen, in Eritrea, in Syrien und in Libyen beteiligt. Reuter meldet, daß die Garnison von Bir hacheim in der Nacht zum 11. Junizurückgezogen" wurde. Noch vor wenigen Stunden berichtete dasselbe Reuterbüro: Eine Niederkämpfung von Bir hacheim ist un­wahrscheinlich, da die britische Panzerstärke der deut- chen zumindest ebenbürtig ist." Alles Abstreiten des deutschen Erfolges hat also nichts mehr geholfen, da behilft man sich mit der schon so oft angewand­ten klassischen Formulierung, dessiegreichen" Rückzuges.

So wie die Achsentruppen in Bir hacheim den üblichen Eckpfeiler der jetzigen Stellung der Engländer in Libyen erstürmten, so haben U-Boote an der anderen Flanke dieser Stellung, im maritimen Vorfeld Tobruks, einen bemerkenswerten Erfolg durch Störung des Nachschubs erzielt. In zähem Angriff wurden zwei schwer beladene Tan­ker mit zusammen 12 000 BRT. versenkt, vier wei­tere Transporter beschädigt. Die Engländer haben bei der Versorgung Tobruks nach Möglichkeit klei­nere Schiffe eingesetzt, sogar Küstensegler verwen­det, um das Risiko zu verteilen. Wenn sie auf dieser Gefahrenroute jetzt größere Schiffe eingestellt haben, so darf man daraus wohl schließen, daß es ihnen dank der U-Booterfolge bereits an kleineren Schif­fen gebricht.

Oer Kampf um Sewastopol.

Berlin, 11. Juni. (DNB.) Wie das OKW. rnit- teri'lt, konnten die deutschen Truppen vor Sewastopol nach sehr harten Kämpfen in dem nach modernsten Grundsätzen ausgebauten feindlichen Befestigungs­system weiter Boden gewinnen. Der Feind, der wieder schwere blutige.Verluste hatte, versuchte ver­geblich, den deutschen Angriff zum Stehen zu brin­gen. Der Kampf vor Sewastopol ist ein Ringen um die feindlichen Befestigungswerke, Artillerie- und Granatwerferstellungen, die in tiefen Felsschluch­ten und Kasematten eingebaut und von Hindernissen aller Art gesichert sind. Artillerie des Heeres und die Luftwaffe unterstützten in pausenlosem Einsatz Infanterie und Pioniere durch Beschießung und Bombardierung der feindlichen Festungswerke und Artilleriestellungen. Zahlreiche Volltreffer zerstörten Panzerkuppeln in den tiefgestaffelten Befestigungs­anlagen und vernichteten Munitionsbunker sowie gepanzerte Festungswerke.

Oer Schmelziiegel.

Vom Arbeitstisch des Präsidenten Roosevelt aus gelangte am Montag eine gewaltige Kriegsvorlage zur Finanzierung der Offensive für die Zermal­mung der Achsenmächte zum Capitol-Hügel. Die alle Rekorde brechende Finanzvorlage, die weit grö­ßere Summen enthält als jede andere, die jemals von irgendeiner gesetzgebenden Körperschaft irgend­wo in der Welt durchberaten worden ist, hat es mit einem Gesamtbetrag von 39,4 Milliarden Dollars zu tun." So eine echte USA.-Meldung. Die Ein­bringung eines Staatshaushaltes ist eine nüch­terne Angelegenheit und in der Regel ist es nicht die Regierung, sondern die Opposition, die wegen der höhe der Aufwendungen Lärm schlägt. Die Washingtoner Regierung weicht von diesem aüge- meinet! Brauch wesentlich ab. Sie begleitet die Ein­bringung des Staatshaushaltes mit Posaunen­stößen.

Wir haben gerade dieses Beispiel gewählt. Denn der trockene Staatshaushalt bietet sicherlich keine sehr große Rechtfertigung für einen nationalen Be- geifterungsrausch, wie er bei einem Schlachtenbe­richt immerhin noch verständlich ist. Der Zweck dieses Beispiels ist, den amerikanischen Rekordfimmel in typischer Reinkultur zu zeigen. Im allgemeinen weiß jeder Europäer, daß der Pankee nur bei sich zu Hause alles groß und vortrefflich findet, daß er seine eigene oft große Leistungsfähigkeit mit immer neuen Zahlen beweisen will, daß er auf alles, wasun-amerikanisch" ist, mit offener ober schlecht verhehlter Verachtung herabsieht. Woher kommt nun diese Entwicklung des Rekordfimmels? Auch diese Eigenschaften müssen ihre Ursache haben. Und sie haben eine Ursache!

Bis zum Jahre 1790 wanderten in die Vereinig, ten Staaten % Millionen Menschen ein; in den fol­genden 30 Jahren bis 1820 betrug die Einwande­rung % Million. Seit 1820 bis 1932, also in 112 Jahren, wanderten dagegen weitere 38 Millionen Menschen ein! Diese Menschen mußten amerikani­siert oder eingeschmolzen" werden. Die Vereinigten Staaten bezeichnen sich gern selbst als einmelting pol", als Schmelztiegel. Wollten sie die Aufgabe eines Schmelztiegels erfüllen, so durften die Ein­wanderer nur genau so Rohstoff fein wie das Erz Rohstoff für den Schmelzofen oder die Hütte ist, um bann erst das blanke Kupfer oder den guten Stahl zu liefern. Alle Beziehungen der Einwan­derer zu ihren Heimatländern mußten ununterbro­chen werden. Ihnen mußten die Vereinigten Staa-

Krieg in -er Tundra.

Von Kriegsberichter Andres Feldle.

DNB....., Juni. (PK.) Mit nickendem Geweih

trotten Renntiere vor ihren niedrigen Schlitten einer Schneespur nach, die sich durch die öde Weg­losigkeit der Tundra zieht. Auf der Seeniederung, in die die Spur hinter einer höhenfalte eingelenkt ist, bringt jetzt bereits die Nässe in ber Fahrbahn durch, aber noch hält bas Eis. hinter ben Schlitten­kufen haben sich sowjetische Kugelmützen unruhig erhoben, als sich ein brummenbes Geräusch über ben weiten höhenwellen genähert hat. Die Fahrer haben aber kaum die Zügel anziehen können, als bas Verberben bereits über die nächsten höhenriegel hereinrollt unb sich mit berftenbem Gebröhn ent­lobet. Deutsche Kampfflugzeuge haben bie bolschewistische Renntierkolonne entbecft unb räu­men nun mit Bomben unb Borbwafsen in ber schwer belabenen Schlittenreihe auf. Auf bem Eise ballt sich ein roilbes Knäuel zusammen, während eine Anzahl Gespanne in allen Richtungen ausein? anberftieben. Entsetzt haben bie Renntiere ben Kopf in bie höhe geworfen unb finb bie Schneeflanken ber nahen Kuppen hinaufgehetzt. Wenn sich ein Tier keuchenb irgenbwo zwischen Geröll unb Kriechge­büsch verfängt, sind die Seinen längst gerissen, unb die Last liegt irgendwo über Schneemulden und Geröll­halden verstreut. In der bolschewistischen Sammel- stelle wartet man vergeblich auf Munition unb Proviant, um weiter Boben in ber Tunbra zu ge­winnen.

In ber offenen Tunbra, bie vor Jahren kaum ein Fuß berührt hat, tobt ber Kampf. Es brobelt unb grollt über bie höhen, auf denen Schiefergeröll ben Schnee überragt, unb bie Granaten schlagen schwarze Trichter in bie höhenflanken unb er­starrten Senken. Die Bolschewisten haben unter Einsatz aller Mittel ein Gelänbe, bas ber baum­losen Höhenzone ber Alpen gleicht, zum Kampfge­biet gemacht, unb neue Brigaben, bie mit Renn- tiergefpannen als Nachschubmittel ausgerüstet sind, in bie wegelose Flanke ber beutschen Linien ge­worfen. hinter Geröll unb Schneewehen haben sich bie Gebirgsjäger weit vor ber eigenen Hauptkampf­linie zur Abwehr eingerichtet. Die höhen, bie ihre Sicherungsgruppen besetzt haben, greifen wie bie Knöchel einer Faust zusammen, bie immer roieber zurückschlägt, sooft die Angriffe auch vorbranden.

Es kommt der sowjetischen Führung auf die Men­schen nicht an. Sie hat'bereits Bataillone geopfert, um gegen ben Verteidigungsgürtel ber Gebirgsjäger ein Seengelände zu erreichen, in das sie nun immer neue Massen stopft. Klumpenweise bedrängen die Sowjetarmisten, rücksichtslos vorgetrieben, bie Höhenstellungen ber Gebirgsjäger unb suchen sich hinter Birkenmulden unb Geröll festzusetzen. Manchmal bleiben ben Verteidigern kaum zwei Stunden Atempause, bis das kurze harte Schlagen der Granatwerfer wieder einen bolschewistischen Vorstoß ankündigt, hartnäckia krallen sich die erd­grauen Haufen in die höhenflanken ein, und wenn schon Hunderte in Klumpen erstarrt liegen, müssen kleine Stoßtrupps mit Handgranaten noch kleine Mulden ausräumen, aus denen der Tod zu ihnen hinüberspukt. Immer wieder nisten sich Scharf­schützen ein und lauern auf eine unvorsichtige Be­wegung.

Wo sie stehen und liegen, gönnen sich die Ver­teidiger ein paar Minuten Schlaf, wenn es auf ben umtämpften höhen still geworden ist unb die

Wachen die Sicherung übernehmen können. Mit einem Mantelzipfel haben sich bie Schläfer gegen bas Licht geschützt, bas im nahenben arktischen Sommer auch bie Nachtstunden überflutet. Der Ruf eines Postens läßt bie Ruhenben blindlings nach ben Munitionskästen greifen, während sich aus Schneefalten die Gestalten der Angreifer heraus­lösen und bie Leuckstspurgeschosse ber gegnerischen MGs. auch bereits über bie Blöcke streifen.

Mit letzter Erbitterung wirb gekämpft. Die Ver­teidiger wissen, daß es nicht um die Stellungen geht, die mit ihren armseligen vermoosten Fels­brocken und Schneewehen nicht einen Tropfen des Blutes aufwiegen, das um sie vergossen wird. Die bolschewistischen Massen müssen überall, wo sie sich durch ein Loch durchzwängen wollen, um bie beutschen Verteidigungslinien in der Flanke zu überfluten, abgeriegelt werden. Einmal, zweimal, müssen die Verteidiger der Uebermacht eine höhe preisgeben, die sie dann im Gegenangriff wieder behaupten. Vier, fünf Kompanien werfen bie Bol­schewisten gegen eine kleine höhenkuppe, bie sie am nächsten Tage erneut mit zweifacher Bataillons­stärke angreifen.Wie bie Ameisen kamen sie", be­richtet ein Verteidiger,wo einer erschlagen würbe, stapften unb hetzten im nächsten Augenblick zehn neue über ben Schnee. Aber wir finb mit ihnen fertig geworben." Als die Bolschewisten über eine Seesenke nach Westen ausbiegen, erwartet sie auch dort ein Sicherungsgürtel, ber nicht weicht.

In immer neuem Einsatz zerschlagen die deutschen Flieger bie Nachschublinien ber Sowjets, unb es nützt ihnen nichts, als sie sich unter schweren Ver­lusten in eine ßanbenge vorzwängen, um durch Stoßtrupps unb Scharfschützen bie Versorgungs­wege ber Gebirgsjäger zu stören. Wo Trägertrupps in ben Kampf eingesetzt werben müssen, springen Arbeitsmänner ein unb schaffen manchmal, burch bolschewistische Schützenschleier hinburch, die Lasten mit allem Nachschubmaterial in die vorberste Stel­lung. Eine Batterie, bie bie Bolschewisten in Stel­lung gebracht haben, hat keine Wirkung. Rücken an Rücken steht bie Front, benn auch bie Stellungen ber Hauptkampflinie stemmen sich -gegen einen un­geheuren Druck an, ber im pausenlosen Gebröhne ber Artillerie unb Granatwerfer auf einen lastet. Molotow-Coctails" verzischen im Nahkampf, ohne in ben erbgrauen Gestalten eine Bresche brechen zu können.

Das weiße Wellengelänbe ber Tunbra ist von vielen Granattrichtern schorfig geworben. Die höhen, bie Gebirgsjäger nach heimatlichen Anhalts­punkten und Erinnerungen benannt haben, sind von unzähligen Einschlägen durchfurcht und zer­schlissen. Für 5000 Bolschewisten ist die brüchige Schneedecke der weiten Tundra zum Leichentuch ge­worden. Die Hauptkraft des bolschewistischen 2ln» griffs ist gebrochen, als ein heftiger winterlicher Rückschlag auch die Reste zum Rückzug zwingt. Für manche angeschlagene Gruppe ist es zu spät. Ein Schneesturm, der tagelang über die Tundra fegt, holt die rückflutenden Bolschewisten mit seinen töd­lichen Fangarmen ein, und die Gebirgsjäger finden, als sich das Wehen wieder gelegt hat, überwehte Haufen, aus denen ein erstarrter Arm und Fuß und ein erstarrendes Gehörn vom Ende der Renn­tierbrigaden erzählt.