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Partie Keres gegen Schmidt war gegen Mitter­nacht noch nicht beendet, steht aber für Keres zum Vorteil.

Line Diebes- und Hehlerbande abgeurteilt.

Der 54 Jahre alte Lemaitre war in einem Siege­ner Kaufhaus als Hausmeister beschäftigt. Er hat diese Stellung zu umfangreichen Diebstählen von Kleidungsstücken und von 2000 Kleiderkarten­punkten mißbraucht. Die gestohlenen Waren wur­den zusammen mit den Kleiderkartenpunkten an den Kaufmann Zenses, den Händler Kühn und die Ehefrauen Becker und Michel aus Siegen gegen Bezahlung abgesetzt und von diesen mit erheblichem Gewinn weiterverkauft. Vom Dortmunder Sonder- aericht erhielten nun Lemaitre acht Jahre, Kühn sechs, Zenses zwei Jahre und die beiden Frauen je drei Jahre Zuchthaus, da sie sich durch die Bei­seiteschaffung von verknappten Verbrauchsgütern auis schwerste gegen die Kriegsgefetze vergangen und die härtesten Strafen verdient haben.

Verbrecher hingerichlel.

Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Am 5. Juni 1942 ist der am 20. November 1906 in Ebarstadt (Hessen) geborene Herbert Bo- chow, den der Volksgerichtshof wegen Vor­bereitung zum Hochverrat und Rund­funk v e r b r e ch e u s zum Tode verurteilt hat, hingerichtet worden. Der vorbestrafte Verurteilte hat sich jahrelang vor und während des Krieges hoch­verräterisch gegen das Deutsche Reich betätigt.

Rotkehlchen nistet in der Sirene.

Als in Langenberg' (Rheinland) wiederholt bei einer Feuerwehrübung eine Sirene versagte, ergab es sich, daß das Versagen auf ein Rotkehlchen zu­rückzuführen war, das sich in der Sirene fein Nest gebaut hatte. Es half nichts, das bereits mit Eiern belegte Nest mußte entfernt werden. Das geschah allerdings so rücksichtsvoll, daß vielleicht die kleine Brut auch unter den veränderten Verhältnissen erhalten wird.

Ehrende Lchulbenennung.

Es ist verständlich, daß an -vielen Orten der Wunsch besteht, Schulen nach im Kriege gefallenen Hitlerjungen zu benennen. Der Reichserziehungs- minrfter weift in einem Erlaß darauf hin, daß solche Benennungen bis nach Beendigung des Krieges zurückzustellen sind.

Kunst und Wissenschaft.

Begegnung mit Gerhart Hauptmann.

In den Berliner Kunstwochen kam der Vor- lesung Gexhart Hauptmanns besondere Bedeutung zu. Ein deutscher Dichter von unbestrit­tenem Weltruhm, der in Werk und Gestalt die mehr als fünMg Jahre umfassende Geschichte der zeitgenössischen deutschen Dichtung repräsentiert, sollte nach vielen Jahren zum ersten Male wieder am Vortragspult erscheinen. Als Gerhart Haupt­mann den Saal der Philharmonie betrat, da war es nicht anders, als träte eine Gestalt von schon mythischer Größe unter das Volk, das wohl jedem vertraute Bild des hochgewachsenen schweren Man­nes im feierlich geschloffenen schwarzen Rock mit dem goethischen Altersgesicht wurde Wirklichkeit. Mit immer wieder bewundernswerter Frische und Beweglichkeit, seit je ein viel gerühmter fesselnder und überzeugender Vorleser seines eigenen Werkes, las der Dichter Verse aus seinem Lebenswerk. Verse, die bei Gelegenheiten gesprochen und längst wieder vergessen wurde wie die Prologe zur Eröffnung des Deutschen Theaters in Berlin im Jahre 1894, zur Wiener Schiller-Feier 1905 und die edlen, er­schütternden, wegen ihres neuen aegenwärtigen Be­zuges zwiefach ergreifenden Verse zu einer Wohl­tätigkeitsveranstaltung zugunsten der Kriegsblinden 1915 und Gedichte aus dem Quell der Alters- weishoit und Alterseinsamteit. Aus der Lyrik dieses Abends sprach noch einmal das große Leiden zu Trost wandelnde Herz des Mannes zu uns, der ein­mal der große Dichter des Mitleidens genannt wurde; sprach noch einmal der unwandelbare Glaube an das Licht über aller Finsternis.

E. K. Wiechmann.

Des Bachfchen Familienlages Nachfeier.

Die zweite Sendefolge schenkte zum Ausklang des Konvents der Familie Bach den Hörern einen sel­tenen Genuß mit der Darbietung der Kaffeekantate und des Jugendquodlibets von Johann Sebastian Bach, beides sonderlich heitere Sachen voll sprühen­den Humors. Professor Fritz Stein leitete stilvoll mit seinem Kammerorchester die beiden Werke am Cembalo, von Fritz Neumeyer unterstützt. Lore Hoffmann, Marie-Lurse Schllp, Walther Ludwig und Rudolf Bockelmann stellten in frischer Einzelleistung und prächtiger Ensemblekunst die anmutigen Werke ins Leben. Dr. Hans Joachim Mosers begleiten­der Text bot eine einprägsame und launige Erläute­rung. Greta Daeglau,

Aus der Stadt Gießen.

Lied der Mittagsstille.

Wie, das Zirpen der Grillen, das Tirilieren der Lerchen und dasBickberwick" der Wachteln gehört auch das Gurren der Turteltauben zu den Lauten, die wir unwillkürlich mit der Vorstellung einer sommerlichen Landschaft verbinden. Insbesondere scheint es uns zu den Fluren der Ebene zu ge­hören, soweit sie da und dort von kleinen Feld­gehölzen oder zum mindesten von einigen dichten und hohen Rainhecken durchsetzt sind. Vor allem breit ausladende Weihdornbüsche scheinen, wenn sie in Gruppen beieinanderstehen, auf die zierlichen Täubchen, die eine Wacholderdrossel an Gröhe kaum übertreffen, starke Anziehungskraft auszuüben und sie einzuladen, sich einen kurzen Sommer lang unter ihrem Laubdach seßhaft zu machen. Man darf sich allerdings unter einem solchen Turteltaubennest kein Gebilde vorstellen, das auch nur annähernd an die kunstvollen Kinderwiegen etwa der Drosseln oder Finken heranreichte. Es besteht nämlich nur aus einer dünnen Schicht von dürren Reiserchen, durch deren loses Gefüge wir, wenn wir das Nest zufällig entdecken, das aus zwei weihen Eiern be­stehende Gelege durchschimmern sehen.

In der Nachbarschajt dieses sorglos zusarnmen- aetragenen Nestes sitzt gewöhnlich der verliebte Tauber, wenn er die Stille der mit flirrendem Sonnenglast übergossenen Flur mit seinem zärt­lichen Gurren erfüllt.Purr ... puurr ... puurr", tönt das mit kurzen Unterbrechungen oft viertel- stundenlang und mutet den Wanderer wie eine Melodie der Flöte Pans an, der unsichtbar irgend­wo in einem heimlichen Winkel sitzt, um die Men­schen zu verzaubern. Seltsam, wie dieses zugleich einschläfernde und erregende Gurren sich uns mit­teilt. Als ob die Melodie eigens ertönte, um Mäher und Mäherin, die ihre Mittagsrast halten, und was sonst in ihren Bereich geraten ist, zu betören und einander zuzutreiben.

Etwa drei Monate lang von Mitte Mai bis in den Juli hinein gehört dieses zärtliche Locken zu der Mittagsstille der Felder und Waldränder. Dann, wenn die Turteltaubenpaare ihre zweite Brut großgezogen haben, verklingt es langsam, und im Spätsommer, wenn längst noch der Tisch der Vogel mit Unkrautsämereien aller Art reichlich gedeckt ist, ziehen die angenehmen Gäste wieder ab nach Afrika, wo sie bis zum nächsten Mai die ihnen augen­scheinlich so bekömmliche sommerliche Wärme nicht

pflicht des Absenders, Ansichtspostkarten sind nicht zugelassen und Drucksachen mir in geschäftlichem Verkehr). Leider beachten die Absender diese Vor­schriften vielfach nicht, weshalb täglich eine große Anzahl von Briefsendungen des allgemeinen Post- dienstes nach den Gebieten der Generalpostkom­missare Ostland und Ukraine beanstandet werden muß.

Was die Hausfrau wissen muß!

Früchte ohne Zucker einmachen?

Unseren Einmachezucker wollen wir nach Mög­lichkeit für die Herstellung von Marmelade und Gelee aufbewahren, denn Brotaufstrich ist wichtiger als Kompott. Alle Früchte formen wir unbedenklich ohne Zucker einmachen. Bei Rhabarber und sauren Kirschen müssen wir aber bedenken, daß sie dann später beim Verbrauch sehr viel Zucker beanspru­chen. Wir 'nehmen zum Einmachen nach Möglich­keit im Gegensatz zu Marmelade und Gelee recht reife Früchte, da diese selbst füh find. Früchte, die siiß-sauer schmecken, wie z. B. Johannisbeeren, kocht, man am besten mit einer sehr süßen Frucht zusammen ein. Das Obst wird nur kurz, aber gründ­lich gewaschen, keinesfalls längere Zeit im Wasser liegen lassen. Das Wasser laugt den Fruchtzucker 0U5. Das Obst darf man auch nicht in einem Alu­minium- oder defekten Emailletopf aufbewahren, da das Obst durch den Einfluß des Aluminiums oder des Eisens einen bitteren Geschmack bekommt. Beim Einkochen muß man darauf achten, daß die Einkochzeit keinesfalls überschritten wird, weil die reifen Früchte leicht zerfallen bzw. zerkochen.

Wie verwenden wir das Oel?

Wenn wir in der laufenden Zuteilungsperiode wieder Oel erhalten, fo mögen wir Hausfrauen uns dieses Oel wohl nachdenklich anschauen mit der Frage:Wie verwenden wir es nun am besten?" Manche Frau wird ohne weiteres Besinnen den­ken:Endlich wieder Oel für den Salat." Ja, ist das nun die bestmoaliche Verwendungsart dafür? Wir sind alle darauf bedacht, alle uns zur Verfügung

Derireiung des Kreisleiiers.

Kreisleiler Backhaus mußte sich aus Gesund­heitsgründen in einen mehrwöchigen Kuraufenthalt nach Bad-Nauheim begeben. Der Gauleiter hat während dieser Zeit kreisleiler e. h. Oberbürger­meister Ritter mit der Vertretung des Kreis- teiters beauftragt.

stehenden Lebensmittel so gut wie möglich auszu­werten. da wär es aber doch entschieden ratsam, den Salat auch weiterhin ohne Oel mit Butter­milch oder saurer Milch anzumengen und das Oel für das Gemüse und zum Backen zu lasten. Oel ist sehr viel ausgiebiger als Margarine, das fomhit uns hierbei sehr zunutze. Wir können also mengen­mäßig bei der Oeloerwendung einen Teil, etwa x/x bis Vb, einsparen im Vergleich zu Margarine. Rechnen wir für Mehlspeisen 20 Gramm Margarine für Tunken ober Suppen, so genügen statt besten 12 bis 15 Gramm Oel burchaus. Die Zubereitung ist bie gleiche, es ist auch nicht zu befürchten, daß der Oelgeschmack störend wirken könnte, er tritt völlig zurück. Zum Dünsten von Gemüse ist Oel ganz besonders gut, der Gemüsegeschmack wird durch das Oel noch gehoben und kommt so gut zur Gel­tung. Auch hier genügt durchschnittlich ein Eßlöffel voll für eine Gemüsemahlzeit für vier Personen.

Auch zum Backen wurde Oel von vielen Haus­frauen schon immer gerne verwandt, jetzt ist es uns besonders willkommen, können wir doch auch hier ungefähr % einsparen gegenüber der Margarine. Das Gebäck wird besonders gut im Geschmack.

So teilen wir unser Oel gut für das Kochen und Backen ein und freuen uns dieses ausgiebigen Fettes gerade in der Zeit des frischen Gemüses besonders.

Gießener Dochenmarktpreise

* Gießen, 11. Ium. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 10, Kar­toffeln, 5 kg 47, rote Rüben, bas Bund 30, Rö­mischkohl, % kg 15, Erbsen 70, Zwiebeln 18, Zi­tronen, das Stück 10, Salat 10 bis 18, Oberkohlrabi 30, Radieschen, das Bund 8 Rpf.

Die Sojabohne in der Ernährnngswirischast.

Vortragsabend in der 7!S.-Oozenten-Akademie Gießen.

zu entbehren brauchen.

Don der Ludwigs-Universität.

Der Lehrstuhl für neuere Geschichte an der Uni­versität Gießen wurde dem außerplanmäßigen Pro­fessor Dr. Borries unter Ernennung zum be­amteten außerordentlichen Professor übertragen. Professor Dr. Borries stammt aus Berlin, er machte dön ersten Weltkrieg mit und nahm nach dessen Ende seine wissenschaftliche Arbeit wieder auf. Nach dem Abschluß seiner Studien war er als Hoch­schullehrer in Tübingen, Rostock, Königsberg und Hamburg tätig. Seit dem Wintersemester 1938/39 ist er mit der Vertretung des Lehrstuhls für neuere Geschichte an unserer Universttät beauftragt. \

Waldbrandgefahr!

Mit der Sommerzeit wächst die Waldbrandgefcchr. Große Werte deutschen Volksvermögens /werden alljährlich durch Wal'dbrände vernichtet. Die Ursache ist in den meisten Fällen sträflicher Leichtsinn und Nichtbeachtung gesetzlicher Bestimmungen.

Volksgenossen, helft den Wald schützen! Ausflüg­ler, die Ihr Erholung im Walde sucht, beachtet das Rauchverbot! Eltern ermahnt und belehrt eure Kinder!

Wer Wald-, Heide, oder-Moorflächen durch ver­botenes Rauchen oder Anzünden von Feuer, durch Fortwerfen brennender ober glimmender Gegen­stände ober in sonstiger Weise in Brandgefahr bringt, wird erheblich bestraft. Außer der Strafe wird der Täter auch für den verursachten Schaden haftbar gemacht. Dieses trifft außerdem auf bie Eltern zu, deren Kinder Waldbrände verursacht haben. Wer einen Branb bemerkt, hat die Pflicht, dies sofort der nächsten Polizei- ober Forstdienst­stelle zu melden. An den' Loscharbeiten muß sich jeder beteiligen.

Am Postschalter abliefern.

Die Deutsche Reichspost macht erneut darauf auf­merksam, daß bei Sendungen des allgemeinen Post- dienstes mit den Gebieten der Generalpostkommissare Ostland und Ukraine die Verordnung über den Nachrichtenverkehr mit bem Ausland vorn 2. April 1940 gilt (u. a. vollständige Angabe des Absenders, Einlieferung am Postschalter und nicht durch Brief­tasten, Entrichtung der, Gebühr in bar, Ausweis-

Bei der zweiten Veranstaltung der NS.-Dozenten- Akademie im laufenden Sommersemester sprach Pg. Professor Dr. S e s s o u s , Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung btfr Lud­wigs-Universität, im Horsaal seines Instituts vor den Mitgliedern des NS.-Dozentenbundes und zahl­reichen Gästen üb?r:Die Sojabohne und ihre Bedeutung für bie europäische Ernährungswirt- schckft."

Die Sojabohne nahm unter den nach dem Welt­krieg eingeführten Oelftüchten in Europa und im besonderen in Deutschland einen hervorragenden Platz ein. War sie doch Hauptquelle zur Gewinnung des für die Margarineerzeugung notwendigen Fet­tes. Als Nebenprodukt fiel ein hocheiweißhaltiges Futtermittel, das Sojaschrot, sehr wohlfeil an. Mit bem Einsetzen der nationalsozialistischen Agrarwirt­schaft würbe bie gesamte übermäßige Einfuhr ge­drosselt und die Landwirtschaft angehalten, das nun fehlende Futtereiweiß durch verstärkten Feldfutter-, insbesondere Zwischenfruchtbau auf deutschem Boden zu gewinnen. Das Fett der Bohne wurde, nach­dem es der Industrie gelang, Waltran zu härten und für die Margarineherftellung entsprechend her- zurichten, durch diesen ersetzt, den eine eigene Fang­flotte hereinschaffte. Als Oelspender konnte die Soja­bohne mit ihrem im Vergleich zu den sonstigen Oelpflanzen weit geringeren Fettgehalt (18 v. H. zu 38 bis 45 v. H.) nur solange überhaupt in Wettbe­werb treten, als ihre Einfuhr aus dem fernen Osten, wo die Erzeugungskosten äußerst gering sind, ermöglicht werden konnte. Die außerordent­lich hohen biologischen Werte aber, die der Soja eigen sind, nämlich ein Eiweiß (38 bis 40 v. H.), das Ebenso verdaulich ist wie das tierischer Herkunft, also von Fleisch. Milch, Eiern, ferner ein etwa doo- pelt so hoher Gehalt an Lezithin als der des Ei­gelbes (2:1 v. H.), des bisherigen Rohmaterials hierfür und an mehreren Vitaminen (A und C) haben schon längere Zeit zu einer unmittelbaren Verwendung z. B. in der Krankenkost, der Stonbi= torei und Schokoladenherstelluna geführt. Der Ge­danke lag also nahe, das wertvolle Sojaeiweiß, an­statt es den mit Verlusten verbundenen Weg über beit Tiermagen gehen zu lassen, unmittelbar ber menschlichen Ernährung zuzuleiten. Die Tatsache, daß im fernen Osten feit Jahrtausenden für un­gezählte Millionen Soja fast die einzige Quelle,

den Eiweitzbedars zu decken, bildete, mußte zwanas- läufig unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf die Möglichkeit, auch für die menschliche Ernährung des Europäers die Soja in verstärktem Maße nutz­bar zu machen, lenken. Und so ist denn einfach im Hinblick auf die Notwendigkeit, künftig einen Teil des für die europäische Bevölkerung notwendigen Eiweißes aus pflanzlichen Quellen zu'decken, die Sojabohne dazu berufen. Es kommt dazu, baß bas Oel der Soja bleichermaßen biologisch hochwertig ist wie ihr Eiweiß, ein Vorzug, der nicht hoch genug einzuschätzen ist. Neben dem Sojaeiweiß hat sich übrigens auch das ber Süßlupine als brauchbar erwiesen. Mit dem Hinweis auf den hohen Eiweiß­gehalt (rd. 38 v.H.) der Sojabohne und feine aus­gezeichnete Verwendbarkeit u. g. in der Küche, beim Backen, in der Fleischerei, tritt natürlich ihr Fett­gehalt, weswegen sie ursprünglich eingeführt wurde, von seinem ersten Platz zurück. Wir werden sie da­her in Zukunft vornehmlich als Eiweißträger an« Zusprechen haben, denn das Eiweiß nimmt eine Schlüsselstellung in der Beschaffung ber drei haupt­sächlichsten Bausteine für den menschlichen urtb tie» rischen Organismus: Eiweiß, Fett und Kohlehydrate, ein.

Wer diese Vorzüge der Pflanze kannte, mußte immer wieder darauf und auf den Versuch ver­wiesen werden, sie bei uns ebenfalls heimisch zu machen. In langer zäher Arbeit haben deutsche Forscher und praktische Züchter es fertiggebracht, aus ber Fülle ber im fernen Asien heimischen Sor­ten solche ausfindig zu machen, die bei uns anbau- würdig sind. Zur Einführung einer neuen Kultur­pflanze ist es nun mit der züchterischen Arbeit nicht allein getan, es müssen in sorgfältiger Kleinarbeit alle Umweltbedingungen aufs genaueste erforscht werden, wie Saatzeit, Stanbraum, Düngung, Be­arbeitung, Ernte, Aufbewahrung. Die Soja, haupt­sächlich Kurztagpflanze baher ihre unter unseren Lichtverhältnissen oft zu lange Degetationszeit be­reitete dadurch manche Schwierigkeiten. An diesen Arbeiten ist bas Gießener Institut seit Jahren ebenfalls beteiligt und hat bereits mehrere Sorten, bie vom Reichsnährstand anerkannt worden sind, dem Anbau zur Verfügung stellen können. Am In­stitut befindet sich auch neben der Reichssojazüchtung das Sojasortenregister. Die hier ausgeführten Ar­beiten werden gefördert und genießen die Unter«

(Nachdruck verboten.)

4. Fortsetzung.

Briefe in Bareiros Hand

Roman von Anna Elisabet Weirauch

Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin \V 35.

Nein!" sagt er entschieden.Sie können nicht drei oder fünf Stunden hier hin- und herlaufen, bis Sie Umfallen. Wenn Sie durchaus warten wollen und muffen, dann fetzen Sie sich da in mein Wägelchen. Es ist zwar fein Luxusgefährt, meine Freunde behaupten, es wäre eine ausgediente Sar­dinenbüchse ..." Er weiß selbst nicht, warum er meineFreunde" sagt und nichtmeine Freun­din" denn es ist Katta, die diese Behauptung ausgestellt hat.Aber wenigstens sind J5ie etwas oorni Wind geschützt und können sitzen."

Stein; danke wirklich."

Ober haben Sie Angst vor mir?" Er lacht tief und gutmütig.Ich tu Ihnen nix."

Der Blick ber großen dunklen Augen geht prü­fend über ihn hin.Ich habe vor nichts und vor niemand mehr Angst." Und dann ist da wieder das leise hübsche Lächeln:Und vor Ihnen am aller­wenigsten."

Na also. Ich weiß zwar eigentlich nicht, ob bas ein Kompliment ist, aber ich bin bamit zufrieben. Kommen Sie, wir rauchen eine Zigarette zu­sammen." . . . v

Ach ja!" Sie tut einen tiefen, seufzenden Atem­zug.Eine Zigarette"

Sehen Sie? Da hab' ich ganz unbewußt einen guten Vorschlag gemacht." Er holt sofort die Ziga­retten aus der Tasche, es ist kein goldenes Etui, bas der Juwelier Grotjohn nach einem Entwurf von Detlev Nehr angefertigt hat, es ist ein aufge­rissenes und etwas zerdrücktes Päckchen, das er anbietet. _. ,

Er reißt mit Schwung die Tur des Autos auf, imfr sie steigt ein, mit einem leisen Lachen. Es ist

eine gewisse Anmut und Sicherheit in ihrer Be­wegung, und Detlev schießt der Gedanke durch den Kopf:Es ist nicht bas erstemal, daß sie in einen Wagen steigt."

Es tut gut, zu sitzen", sagt sie, nachdem sie ein paar Züge getan yat.Ich bin doch mehr müde, als ich gedacht habe."

Sehen Sie? Folgen Sie nur immer bem Rat eines alten erfahrenen Onkels! Wenn ich Ihnen noch einen guten Rat geben dürfte, den Sie sicher nicht befolgen werden, bann ist es der, daß Sie sich von mir nach Hause bringen lassen. Der Kerl, ver­zeihen Sie, ber Herr,- auf den Sie warten wollen, ist es bestimmt nicht wert, baß Sie sich seinetwegen bie Nacht um bie Ohren schlagen. Man läßt eine Dame nicht warten!"

Er weiß nicht, daß ich auf ihn warte."

Na, bann hätte ich es ihm doch sagen lassen können, ober wollen Sie ihm nachspionieren? Na ja, das geht mich ja schließlich nichts an. Kann ich sonst etwas für Sie tun?"

Er siebt mit einiger Besorgnis in dem unge­wissen Licht, baß ihr Gesicht sich mit einer grün­lichen Blässe überzieht und ihre Augenlider sich schließen. .

Nichts, danke." Sie spricht mühsam, ohne die Augen zu öffnen.Ich glaube, Ihre Zigaretten sind etwas zu schwer." Sie lächelt mit Anstrengung und betrachtet einen Augenblick die halbe Zigarette in ihren Fingern, wie mit einem abschiednehmen- den Blick, ehe sie sie aus dem Fenster wirft.Schade! Ich hätte nicht rauchen sollen, ohne etwas zu essen."

Haben Sie Hunger?" fragt Detlev hastig und bestürzt

Hunger? 0 nein! Nicht im geringsten. Ich habe nur vergessen, zu essen. Wenn man es vergißt, hat man doch wohl keinen Hunger."

Wie lange haben Sie es vergessen?!" forscht Detlev mit einiger Strenge.

Wie lange? Ich weiß nicht feit heute morgen."

Aber dann müssen Sie Hunger haben!" ent­

rüstet sich Detlev.Und bann wollten Sie bie Nacht burch hier spazierengehen? Das ist ja Wahnsinn! Wollen Sie sich eine Lungenentzündung holen? Wollen Sie Selbstmvrb begehen?"

Vielleicht ..." Sie lächelt leise und unter ben langen dunklen Wimpern geht ein flüchtiger Blick zu ihm hinüber.Wenn man es auf so einfache Weise tun konnte, wäre es vielleicht das Be­quemste!"

Unsinn! Sie sind übermüdet und ausgehungert. Ich bringe Sie jetzt irgendwohin, wo Sie etwas essen können, bann rauchen wir die zweite halbe Zigarette mit Genuß, und Sie können sich nach bem Essen überlegen, was Sie mit Ihrem Leben anfangen wollen."

Da ist nicht viel zu überlegen." Trotz des Lächelns klingt das sehr hoffnungslos, aber sie macht keine Miene, die Tür zu öffnen und aus bem Wagen zu springen/Also schaltet Detlev ben Gang ein und läßt die Näder anrollen.

5.

Mochte ich sehen!" sagt Borckmann mit einem glühend roten Kops.

0 nichts", Bareiro lächelt und zeigt flüchtig die Karten,drei Damen".

Da bin ich besser!" Borckmann strahlt auf.Full hanb! Hören toie, Bareiro, Sie bluffen in einer unverschämten Weise! Und unser Toggenburg?"

Ich kann nichts dafür." Mit einem verlegenen Lächeln legt Gerd auf.Vier Asse!"

Das ist denn doch!" Borckmann schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch und blubbert in zorniger Ueberraschung.Hat ber Mensch Worte? Eine Ge­meinheit ist bas!"

Aber Sie können mir boch nicht vorwerfen, daß ich geblufft habe verteidigt sich Gerb.

Natürlich haben Sie geblufft, Toggenburg! Wenn ein harmloser junger Mann wie Sie vier Asse in ber Hand hält, dann hat er zu erröten und zu erbleichen, und am ganzen Leibe zu zittern! Und

Sie machen ein Gesicht, als wüßten Sie nicht recht, ob Sie mitgehen sollten ober nicht. Wenn das kein Bluff ist!" '

Gerd weiß genau, warum er nur zögernd rnitge- gangen ist. Er ist kein leidenschaftlicher Spieler. So unterhaltend und erregend bas Spiel an sich ist er verliert nicht gern unb fast Noch weniger gern gewinnt er. Allerbings die Leute, mit denen er hier am Tisch sitzt, müssen wissen, was sie tun. Es ist keiner darunter, der nicht mindestens zehn Jahre älter wäre als er.

Der einzige Unbekannte ist dieser Herr Bareiro, der plötzlich im Kreis aufgetaucht ist, irgendwoher aus Ueberfee, ein ziemlich schweigsamer Herr mit einem schön unb regelmäßig geschnittenen Gesicht unb ben interessanten grauen Schläfenstreifen in bem schwarzen welligen Haar. Nun, fein Anzug und feine Hänbe sehen nicht aus, als ob er sich sein Brot mit schwerer Arbeit verdiente, er spielt be­stimmt nicht zum erstenmal, er blufft undreizt" mit einer geradezu bewundernswerten Kaltblütig­keit es wird ihm wohl nicht weh tun, ein paar Scheinchen zu verlieren. Trotzdem für Gerd ist es peinlich, ben Gewinn einzustreichen. Geld, nicht in ehrlicher Arbeit verdient, hat etwas Unsauberes es drückt ihn in der Tasche.

Eine Hand legt sich auf feine Schulter, er hebt ben Kopf nicht, er breht ihn nur ein wenig zur Seite unb berührt mit den Lippen die glatten, schlanken, kühlen Finger.

Ich muß einmal nach dem Rechten sehen!" sagt Kattas Stimme hinter ihm.Ich fühle mich verant­wortlich für diesen Jungen."

Wir tun ihm nichts!" beruhigt Borckmann mit einem ingrimmigen Lachen.Im Gegenteil, er rupft uns, aber gehörig! Tun Sie mir einen Gefallen, Katta auch wenn es meiner Eifersucht einen Dolchstoß versetzt! erhören Sie den Bengel end­lich, bamft feine unverschämte Strähne einmal ein Ende hat! Sonst plündert er uns aus bis aufs Hemd!"

(Fortsetzung folgt.)