tür Deutschland wie für die Feinde, nur mit dem Unterschiede, daß die Produktionssteigerung für das allein auf das rumänische, obendrein von den Engländern teilweise zerstörte Erdölgebiet angewiesene Deutschland sehr schwierig war, während die reichen Erdölvorräte der Vereinigten Staaten unseren Gegnern die Steigerung ihres Verbrauchs sehr leicht machten. Das ist die „Woge von Erdöl", auf der damals die Alliierten zum Siege schwammen, und die — was nicht übersehen werden darf — dem Erdölkapital ungeheure Gewinne mühelos in den Schoß warf. Die Erdölförderung lag infolgedessen 1915 bereits um 10 v. Sy, 1918 sogar um 50 v. Sy höher als zu Kriegsbeginn.
In diesem Kriege sind die Dinge — wie gesagt — völlig anders. Die Heere waren schon vor dem Kriege durchweg motorisiert und dementsprechend waren auch Erdölförderung und Erdölverbrauch kriegswirtschaftlich von allen Staaten einkalkuliert. Der durchweg hohe Stand der zivilen Motorisierung, der in Deutschland freilich erst nach 1933 dank der Tatkraft Adolf Hitlers erreicht wurde, bot die Möglichkeit, durch entsprechende Drosselung des Zivilverbrauchs große Mengen von Treibstoff für Kriegszwecke frei zu machen, ganz abgesehen von der Vorratspolitik, die von allen Staaten betrieben wurde, bei denen mit einer Gefährdung der Oelverforgung zu rechnen war. Deswegen hat der jetzige Krieg die Hoffnungen des Oelölkapitals trotz der Motorisierung der Heere bisher völlig entäufcht. Im Gegensatz zu 1914/18 ist eine Steigerung des Erdölverbrauchs durch den Krieg bisher nicht eingetreten. Zwar hat sich nach ' in letzter Zeit angestellten Schätzungen der Erdölbrauch 1941 um etwa 2 bis 3 v. H. gegenüber dem Vorjahr erhöht, doch bleibt diese Erhöhung unter dem Durchschnitt, der in den letzten Friedensjahren zu verzeichnen war. 1937 betrug der Mehrverbrauch beispielsweise 14 v. H. mehr als 1936. Der Krieg hat also die Friedensentwicklung eher aufgehalten als im Sinne einer Produktionssteigerung verstärkt.
Neben dieser Falscheinschätzung der grundsätzlichen Kriegsentwicklung auf dem Gebiete der Oel- wirtschaft haben sich nun aber auch die Erwartungen der Engländer und Amerikaner noch in an
derer Beziehung ganz erheblich getauscht, insofern nämlich, als sie jetzt Erdölforgen haben, nicht aber Deutschland und Japan. Soweit England dabei in Frage kommt, sind es tatsächliche Produktionssorgen. Die Produktion von Britisch-Sumatra mit etwa 900 000 Tonnen und von Burma mit etwa 1,1 Mill. Tonnen im Jahre ist praktisch verloren. Die Produktion im Irak ist von 4,3 Mill. Tonnen 1938 auf 4,1 bzw. 3,6 in den beiden folgenden Jahren und auf sogar nur noch 1,4 Mill. Tonnen 1941 zurückgegangem Die Ursache dieses Rückgangs ist unschwer durch die politischen Ereignisse und die militärischen Aktionen (Angriffe auf die Raffinerie in Haifa, Stilllegung der Erdölleitung nach Tripolis, Zerstörungen der Oelleitungen durch aufständische Araber usw.) zurückzuführen. In Iran ist die Erdölförderung zwar nur von 10,3 Mill. Tonnen 1938 auf 9,8 Mill. Tonnen 1941 abgesunken, aber auch hier ist mit einem weiteren Absinken infolge der Vergewaltigung des Landes in nächster Zeit zu rechnen. Auf Trinidad, an der Nordküste Südamerikas, das 40 0. H. des englischen Erdöls liefert, ist allerdings die Förderung von 2,5 Mill. Tonnen 1938 auf 2,7 Mill. Tonnen 1941 gestiegen. Was hilft aber diese Produktionssteigerung, wenn jetzt die deutschen Unterseeboote den Transport des Oeles nach England oder an eine der englischen Fronten mehr und mehr erschweren. Der große unerschöpfliche. Oeltank, den die Engländer zu Beginn des Krieges zu besitzen glaubten, ist also inzwischen nicht nur wesentlich leerer geworden, sondern er wird auch jeden Tag durch die deutschen Unterseeboote angezapft, so daß das kostbare Oel mehr und mehr versickert, ohne feinen Bestimmungsort zu erreichen. Das ist um so bedenklicher, als auch Amerika nicht helfen kann, da es sich infolge der Notwendigkeit des Seetransportes feines eigenen Erdöls in derselben unglücklichen Lage befindet, und da vor allem der unersetzliche Tankschiffraum mit jedem Tage knapper wird. Es ist also nichts mit der „Woge von Oel" in diesem Kriege. Auch hier zeigt sich, daß ein Vergleich mit 1914 nicht möglich ist, weil die Dinge völlig anders liegen. Die Zeit ist nicht mehr fern, da auch diese Illusion unseren Gegnern endgültig genommen werden wtrtk. V. A.
Die Wehrmachtben'chte.
Oer Wehrmachtbericht vom Samstag.
DNB. Aus dem Führerhauptquartier, 9. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Osten scheiterten erneute örtliche, von Panzern unterstützte Angriffe des Feindes., Der Gegner hatte hohe blutige Verluste. I« Lappland und an der Murman-Front wurden schwächere feindliche Angriffe abgewiesen.
In Nordafrika beiderseitige Artillerie- und Aufklärungstätigkeit: bei Nachtangriffen wurde die englische Wüstenbahn und Kraftfahrzeugansammlungen erfolgreich durch die Luftwaffe bekämpft. Auf Malta erzielten Kampfflugzeuge zahlreiche Vom- benvolltreffer in Flugplahanlagen sowie in Torpedo- und Betriebsstofflagern der Insel.
An der Süd- und SüdostküsteLng- lands bombardierten deutsche Kampfflugzeuge am Tage kriegswichtige Ziele und versenkten im Seegebiet südwestlich Worthing ein Vorpofienbook. Als Vergeltung für die Angriffe brittscher Bomber auf deutsche Städte und Landgemeinden belegten Kampffliegerverbände in der Nacht zum S. Mai zum Teil aus geringer höhe die Stadt Norwich mit Bomben.
Kräfte der britischen Luftwafte warfen in der vergangenen Nacht auf die Stadt Rostock und das Seebad Warnemünde Spreng- und Brandbomben. Flakartillerie und Jagdabwehr fügten dem Gegner bei diesem abermaligen Terrorangriff auf die Zivilbevölkerung schwere Verluste zu. 18 der angreifenben Bomber wurden abgeschossen. An diesem Abwehrerfolg hatte die Flakartillerie besonderen Anteil.
Im Osten unterstützte die Luftwaffe mit starken Kräften die Abwehrkämpfe des Heeres im nördlichen Abschnitt. Vier feindliche Flugzeuge wurden dabei abgefchoffen. In den Gewässern der Halbinsel
Kertsch vernichtete ein Aufklärungsflugzeug ein feindliches Minenräumboot.
Der Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader Leutnant Ko epp en, Sieger in 85 Luftkämpfen und Träger des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eifernen Kreuzes, ist vom Feindflug nicht zu- rückgekehrt. Mit ihm verliert die Luftwaffe einen ihrer kühnsten und erfolgreichsten Jagdflieger.
Oer Wehrmachtbericht vom Sonntag.
DNB. AusdemFührer Hauptquartier, 10. Mai. Das OKW. gibt bekannt:
Im Donezgebiet und im nördlichen Abschnitt der Ostfront blieben erneute örtliche Angriffe des Feindes erfolglos. Bei mehreren eige. nen Angriffsunternehmungen wurden dem Gegner hohe Verluste zugefügk. In Lappland scheiterten weitere feindliche Angriffe. Die Luftwaffe setzte die Zerschlagung des bolschewistischen Nachschubs mit Erfolg fort. Allein im Norden der Ostfront wurden am gestrigen Tage 22 feindliche Flugzeuge — darunter drei hurricanes —- abgeschossen.
In Nordafrika Artillerie, und Spähtrupp- tätigkeik. In Luftkämpfen über Malta waren deutsche und italienische Jäger besonders erfolgreich. Sie schossen bei nur einem eigenen Verlust 14 britische Jagdflugzeuge ab. Kampfverbände bombardierten nachhaltig Flugplätze der Insel und griffen in der vergangenen Nacht militärische Ziele des Hafens Alexandria an.
In Südengland belegten leichte Kampfflugzeuge am Tage Hafen- und Fabrikanlagen mit Bomben.
Bei militärisch wirkungslosen Angriffen gemischter Verbände der britischen Luftwaffe gegen das belgisch - französische Küstengebiet verlor der Feind durch Jagd- und Flakabwehr elf Flugzeuge. Zwei eigene Flugzeuge werden vermißt.
Oie Seeschlacht im Korattenmeer.
Schwerwiegende strategische Folgen.
Berlin, 11. Mai. (DNB.-Funkspruch.) lieber die See- und Luftschlacht im Korallen-Meer liegen noch keine näheren Einzelheiten vor, jedoch kann schon jetzt gesagt werden, daß die kombinierten britisch-amerikanischen Seestreitkräfte so schwere Verluste erlitten Haden, daß ihre Offensivkraft gebrochen ist. Durch den Verlust von zwei großen Flugzeugträgern ist die Kampfkraft des Feindes zur Luft und auch zur See entscheidend geschwächt. Nach den Erfahrungen der bisherigen Kampfhandlungen zur See, insbesondere nach der britischen Katastrophe von Kuaintan, wo der Feind die beiden Schlachtschiffe „Prince of Males" und „Repulse" einbüßte, ist die Verwendung von Schlachtschiffen ohne ausreichenden Jagdschutz 'ein zu großes Risiko geworden. Aber gerade für diesen unumgänglich notwendigen Jagdschutz sind Flugzeugträger unentbehrlich. Die ungeheuren Entfernungen des Stillen Ozeans lassen sich von Flugzeugen im Nonstop-Flug nicht überbrücken, auch sind die vorhandenen Luftstützpunkte, die dem Gegner jetzt noch zur Verfügung stehen, zu gering an Zahl und auch zu weit entfernt, um eine Angriffsoperation auf Japan oder das von den Japanern kontrollierte Gebiet zu ermöglichen. Aus diesem Grunde sind für die Amerikaner die beiden versenkten Flugzeugträger ganz unersetzlich. Das Ergebnis der Schlacht im Korallen-Meer kann also schon jetzt dahin zusammengefaßt werden, daß der Gegner durch die schweren Verluste, die ihm in dieser Schlacht zugefügt wurden, außerstande gesetzt worden ist, bte japanischen Operationen zu durchkreuzen oder wirksam zu behindern.
SS feindliche Flugzeuge abgefchoffen.
Tokio, 9. Mai. (Europapreß.) Während der Seeschlacht im Korallenmeer schossen japanische Marineflugzeuge 61 Gegner bei Luftkämpfen in nächster Nahe der feindlichen Flugzeugträger ab, während weitere 28 feindliche Flugzeuge bei Angriffen auf japanische Kriegsschiffe — teils im Luftkampf, teils durch Flak — vernichtet wurden. Nach japa» niischer Schätzung dürsten rund 200 Flugzeuge, die sich an Bord der beiden vernichteten USA.-Flug- zeugtroger befanden, mit diesen untergegangen sein.
Wichtige Admiralitäts-Insel besetzt.
Tokio, 10. Mai. (DNB.) Eine Abteilung der japanischen Marine hat Lorungau, den Nordostzipfel der Insel Manus, die zu den Admiralitäts-Inseln nordostwärts von Neu-Guinea gehört, besetzt. Als die japanischen Matrosen einrückten, zogen sich die australischen und neuseeländischen Streitkräfte zurück, wobei sie Rundfunkstation, Munitionslager, Flugplatz anlagen, Regierungsbüros und Lazarette zerstörten und in die Dschungel flüchteten. Der Feind schrieb Lorungau großen militärischen Wert als äußerem Derteidigungswall von Neu- Guinea zu.
Kleine politische Nachrichten.
Am „Tau des Imperiums und des Heeres" fand in Rom auf der Piazza Venezia in Anwesenheit des Königs und des Duce eine Feier statt. Nach einer Kranzniederlegung am Denkmal des unbekannten Soldaten in Anwesenheit aller Militärattaches, darunter des deutschen Militärattaches General von Rintelen, überreichte der König den Hinterbliebenen der Gefallenen die goldene Dapferkettsmedaille.
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Ein italienisches Flugzeug, das unter Führung von Oberstleutnant Paraoisi anläßlich des Tages des Imperiums nach Aethiopien geflogen war, um dort Flugblätter für die in Aethiopien befindlichen Italiener wie für die Eingeborenen abzuwerfen, ist nach 30ftünbigem Flug auf einem italienischen Flugplatz gelandet. General Fougier überbrachte der mutigen Besatzung die Anerkennung des Duce.
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Rumänien beging seinen nationalen Feiertag mit der traditionellen Parade. Der Führer hatte Generalfeldmarschall List entsandt. Zehntausende begrüßten stürmisch den König und Marschall An- tonescu. Die Parade wurde eingeleitet von einem Feldgottesdienst und von der Beförderung des letzten Jahrganges der Kriegsschule zu Leutnanten.
In Köln traf der japanische Botschafter General Oshima ein. Auf einem Festakt gab der Rektor der Universität, Prof. Dr. Serin, den Entschluß
bekannt, Botschafter Oshima die Würde eines Ehrens senators der Universttät zu verleihen.
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In Anwesenheit des Köngs, feiner beiden SöhnH der Gesandten der fremden Mächte der dänischen Regierung und des Reichstages fand die Trauer« feier für den verstorbenen Staatsminister Stau« ping statt. Unter den vielen Kranzspenden sah man auch den Kranz des Führers und den des Reichsaußenministers. Mit dem Bevollmächtigten des Deutschen Reiches, Gesandten Dr. von Renthe-^ Fink, waren der Befehlshaber der deutschen Truppen in Dänemark, der Marinebefehlshaber in Dänemark und der Lustfahrtbefehlshaber in Dänemark anwesend. Als Vertreter Schwedens und Finnlands waren Staatsminister Per Albin Hansson und Sozialminister Fagerholm gekommen.
Beim Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin trafen die Landesführer zu einer Kriegsarbeitstagung zusammen. In Auswertung aller bisherigen Erfahrungen wurden Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Leistungen sichergestellt.
Der Beamte im Kriegsdienst.
A u s s i g, 10. Mai. (DNB.) Während seines zweitägigen Aufenthaltes im Sudetengau sprach Reichs- mimfter Dr. Frick in Aussig zu sudetendeutschen Beamten. Der Beamte müsse zuerst Deutscher und Nationalsozialist und dann erst Beamter sein. Er verwies auf die besonderen Anforderungen der Kriegszeit und konnte mit Genugtuung feststellen, daß die deutschen Beamten bis heute i h t e Pflicht erfüllt haben. Der Minister kam auch auf die letzte Seichstagsrebe bes Führers zu sprechen, in der er die Notwendigkeit derAusrich- tun g aller Kräfte auf den Endsieg klar herausgestellt habe. Einzig und allein der Sieg sei bas Ziel allen Tun und Lassens, auf ihn müsse alles eingestellt fein, auch der deutsche Beamte. Dr. Frick schloß seine Rebe mit dem Hinweis auf das Dor« bild des Führers, der keine Freizeit und keinen Urlaub kenne und Tag und Nacht die Sorge und Der« antworhmg für das Wohl des deutschen Volkes trage.
Kunst und Wissenschaft.
Der Maler Karl Bauer t-
In München starb nach schwerer Krankheit der Maler und Zeichner Karl Bauer, der durch leine in zahlreichen Wiedergaben verbreiteten, ausgezeichneten Bildnisse großer deutscher Persönlichkeiten weithin bekannt geworden ist. Der 1868 in Stuttgart geborene, in München bei Lindenschmit ausge« bildete Künstler war zuerst als Bildnismaler in Württemberg tätig und ließ sich später in München nieder, wo er nach und nach eine großartige Bildergalerie deutscher Dichter und Denker, Musiker und Staatsmänner schuf. Besonders das Wesensbild Goethes und Schillers hat Bauer — übrigens auch schriftstellerisch — beschäftigt. Der Führer verlieh dem Künstler zum 70. Geburtstage die Goethe-Medaille.
Timmermans und koskenniemi als Hamburger
' Preisträger.
Am Jahrestag der Hansischen Universttät Hamburg verkündete der Rektor der Universität Professor Dr. Keeser die Verleihung des Hansischen Rembrandt-Preises für 1942 an Felix Timme rmans, den flämischen Dichter, der sich zum Künder wahren Flamentums in seinen Schriften gemacht habe,und desHenrik-Steffens-Prei- f e s für 1942 an Veikko Antero Koskenniemi, den großen finnischen Dichter und Lyriker, den bewährten Freund Deutschlands, Professor der Literaturgeschichte an der Universität Turku, Vizepräsident der Europäischen Dichterunion.
Johann-Peter-Hebel-Preis für Wilhelm Weigand.
Reichsstatthalter Robert Wagner hat den Jo- hann-Peter-Hebel-Prsis des Jahres 1942 dem aus dem badischen Frankenland stammenden Dichter Professor Wilhelm Weigand in München verliehen. Weigand, der in Gissigheim an der Tauber geborene! fränkische . Bauernsohn, der am 13. März fein 80. Lebensjahr vollendet hat, gehört zu den eigenwilligsten Köpfen der deutschen Dichtung. Schon der Roman „Die Frankenthaler" hat Aufsehen und Bewunderung erregt, und was Weigand damals versprochen hat, hat er in seinen späteren Werken gehalten, in den Romanen, in denen er seine fränkische Heimat mit ihren Menschen schildert, „Die ewige Scholle", „Die Gärten Gottes", „Die Löffelstelze", den übrigen Romanen und Novellen, den Gedichten und den vielen kulturhistorischen und lite« rar-kritischen Aufsätzen und Essays.
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Oie Kieskulenkerle.
Ein Schelmenmärchen von Hans Friedrich Blunck.
Als der Sturm noch einmal ausholte, mußte der ganze Wald sich unter ihm beugen; er schlug die hohen Eichen am Weg, die Erlen im Moor und die Föhren auf den Sandhügeln. Er schüttelte und rüttelte an den Rändern der Lichtungen, und wo die Sanbkule mitten im Holz lag, brach er sieben alte Stämme zugleich. Die junge Föhre aber, auf die er es abgesehen hatte, bog sich geschmeidig hin und her, her und hin. Und als er es gar zu arg trieb, auf einmal, rutsch, glitt sie mit Wurzeln, mit Moos und Steinen oben vom Rand der alten Kies- kule in die Tiefe hinab.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich besann. Sie mar ein zierliches Ding gewesen, ein rechter Verzug, den all die bärtigen Hagekerle oben am Waldrand bewunderten und gern einmal lobten und streichelten. — Damit war's jetzt nichts mehr. Mitten in der alten Kieskule stand das arme Ding, aufrecht Zwar, aber dumm und hilflos und verlassen.
Als das junge Föhrenweib sich vom ersten Schreck erholt hatte, gab's denn auch Tränen genug, die machten indes nichts ungeschehen. Wohl aber begann es mit der Dämmerung im Kies unheimlich zu werden, zu rummeln und zu spuken. Die Steine rollten mit dem Sturm von oben herab, es heulte und jammerte im Katzenschilf, und aus der Tiefe quoll und arbeitete sich ein breiter brauner Rücken heraus. Das war der Kieskerl.
Als der nun die neue Nachbarin so ohne Schutz erblickte, rutschte er mit seinen dicken Armen näher heran, glotzte und pfiff vor Vergnügen. Dann kulte es neben ihm im Grand; ein alter zackiger Bursch quarkte und scknatterte nach oben. Und dicht unter der Föhre wühlte und schwubbelte es zum dritten- mal, aus der losen Streu unter ihren Wurzeln kam der Sandkerl und starrte und staunte.
Die kleine Föhre hatte solch entsetzliche Angst, sie zitterte am ganzen Leib, als sie die dicken wulstigen Gesellen sah, und fuhr dabei mit den Fingern dem Sandkerl von ungefähr über den Schopf. Ei, quollen dem da die Augen heraus) grunzend rutschte er
dichter heran, hielt auch fein Kinn hin und schnurrte wie ein Kater, als die Föhre ihm mit bebenden Hände übers Gesicht streichelte.
Die andern, die es ansehen mußten, wurden neugierig, stemmten die dicken Fäuste auf, plumpsten ein wenig näher und wollten, daß die arme Dirn es auch bei ihnen täte. Da mußte sie sich mitten aus ihrer Furcht heraus wundern und fing an, die Burschen am Schopf zu narren, statt sie zu strei- cheln, und allerhand Schabernack mit ihnen zu treiben. Aber die drei merkten nichts, sie meinten, es müsse alles so sein, und fanden ihre Kiesgrube über Nacht zum Rosengarten geworden mit dem jungen Blut.
Ihre Einigkeit sollte nicht lange dauern. Mitten im besten Gefallen schülperte es im Wasserloch, das im Tiefsten der Sandgrube lag, und der Kulenkerl, der feine Gesellen vermißte, hob den schuppigen Glatzkopf pruschend in die Höhe. Als er nun feine Gäste statt im Krug bei einer stachlichten Jungfer sitzen sah, begann er unbändig zu schelten und zu poltern, was das für ein neuzeitlicher Brauch fei, in der Kule mit Frauenzimmern schönzutun. Wenn die Herren nicht im Nu zu ihm kämen, würde er seine Schenke schließen.
Aber die drei rührten sich nicht, und als er sich ausgetobt hatte und die Sache auch ohne ihn weiterging, drängte er blasend näher. Er versuchte sogar selbst, einmal feinen Kopf hinzuhalten, und blieb gleich sitzen, so däß die Föhre nun nach allen Winden von Freiern umgeben war und aufatmen und neue Kraft sammeln konnte.
Erst gegen Morgen trennten sich die vier, glotzten sich noch einmal schämig an, hänselten den Kulenkerl, der wohl mit seinem Krug allein bleiben würde, und krochen wieder in ihre Löcher in den Kies und in den Grand. Aber der Sandkerl hatte es gut, der durfte bei der Föhre unter den Wurzeln hausen, weil er da gewißlich seit langem und immer feine Lagerstatt gehabt habe.
So wie beim erstenmal ging es nun eine lange Reihe von Nächten weiter; ja, es wurden Wochen draus. Der Sandkerl, der der sauberste von den vier Gesellen war, blieb bei der jungen Herrin am besten angeschrieben. Er war der erste und letzte bei ihr, stahl beim Kulenkerl Wasser für sie und Schwarzerde von den Wegrändern, und wenn der
Kieskerl und der Grandkerl gar zu grob blökten, versuchte er fein Lied zu pfeifen. Das klang nicht schön, aber es war doch guter Wille dabei.
Wieder ging viel Zeit ins Land, den ganzen Sommer blieb es bei einer erträglichen Eintracht. Die kleine Föhre fühlte sich schon ganz wohl in der Kieskule und streckte ihre Wurzeln tiefer und tiefer in den Boden rund um die Kammer unter ihren Füßen. Eines Herbstabends, als der Sandkerl ausgeschlafen hatte und wieder nach oben wollte, hatte sie über Tag fein Schlupfloch mit ihren Wurzeln umsponnen, er konnte nicht vor- noch rüwärts, saß in seinem Loch wie eine Maus in der Falle und schalt und winselte abscheulich. Aber das Föhrenweib hielt fest — ihr wißt, mit dem Mitleid ist's beim Weibsvolk nicht weit her. Ja, der arme Kerl mußte einen Tag und eine Nacht hungern und dürsten und kam nicht eher hinaus, als bis er sich verschworen hatte, nichts zu lassen und zu beginnen, als nur noch im Dienst der Hauswirtin zu stehen.
Als die Föhre aber erst einmal ihre Kraft gespürt hatte, brauchte sie sie weiter; es war nichts mehr mit dem Kopfkraulen der andern. Als der Kieskerl zum Abend ahnungslos heranschlich, sträubte sie ihre Nadeln und fuhr ihm unter die Augen, da ßer entsetzt auf den Bauch rutschte und meinte, die Kiesgrube fei voll glühender Funken. Dem Grandkerl erging es nicht besser, er hielt zwar den Kopf so recht schief und verliebt, als er ange« watschelt kam, aber — hast du nicht gesehen — schon lag er auf dem Rücken, so arg hatte ihn ein Wurzelstecken getreten. Da rieben sich die Herren gegenseitig ab und schalten. Aber die Lümmel sagten kein Wort, als ihr Freund, der Kulenkerl, ahnungslos der Jungfer Föhre unter die Zweige kroch, wie er es gewohnt war. Als er sich diesmal aber recht eingehuschelt hatte, begannen die Nadeln zu stechen und zu kratzen und über seinen fetten Rücken hin und her zu streicheln, daß ihm Haut und Haar in Fetzen davonflogen. Er schrie entsetzlich und humpelte geschunden und verspottet zu feinem Wasferloch. Wären es nicht feine besten Stammgäste gewesen, die ihn auslachten, er hätte vor Wut zu fechten angefangen.
Wie lange es noch gedauert hat, weiß ich nicht; aber aus der ängstlichen Schmeichlerin ist rasch eine henschfüchtige Frau geworden. Und» von den vier
Freunden hat es der arme Sandkerl am schwersten gehabt, sagte man mir. Er hatte bald keine Freiheit und kein Vergnügen mehr und mußte nur noch den Grund für Wurzeln lockern und Löcher graben, um dem Kulenkerl das Wasser zu stehlen. z
Nur zuweilen durfte er seinen Kopf eben aus den Gittern strecken, und wenn sie guter Laune war, streichelte die Föhre ihn wohl einmal wieder sanft, weil er noch der beste von den vier Unholden gewesen war. Wenn der Grandkerl und der Kieskerl dann weitab vorübergingen und fragten, ob er beim Kulenwirt einen Schoppen mit ihnen trinken wollte, schwupp hatte der arme Sandmann rechts und links eins hinter die Ohren und mußte wieder ins Loch. Denn die Föhre hielt dafür, daß man der guten Erziehung wegen den Verlockten bestraft, wenn man des Versuchers nicht habhaft wird.
Zeitschriften.
— Die Zeitschrift „We11kampf", wissenschaft- l'che Vierteljahresschrift des Instituts zur Erfor- fchung der Judenfrage (Hoheneichen-Derlag, Mün- chen), beginnt das Heft 3/1941 mit einem Aufsatz „Baruch-Börne als Kritiker Deutschlands und deutscher Dichtung" von Friedrich Sengle. Ein ausgebreitetes historisches Quellenmaterial ist in dem Beitrage „Die russische Judengesetzgebung und ihre Ausstrahlung auf das Judenvroblem Ost- und Mitteleuropas" von Reinhart Maurach verarbeitet. In den kleinen Beiträgen widerlegt Fritz Zschaeck mit quellenkritischer Akribie das Märchen von der jüdischen Abstammung der Kaiserin Konstanze, der Gemahlin Heinrichs VI. Interessante Faksimilia begleiten Otto Pauls Analyse der Briefe Heinrich Heines an Betty und James Rothschild. Nicht ohne aktuelle Bedeutung erscheinen die Abhandlungen „Warum wanderten Wendell Willkies deutsche Vorfahren aus?" und „Die jiddische Literatur in der Sowjetunion". In den „Berichten" verdient P. H. Seraphims kritische Auseinandersetzung mit Werner Sombart Beachtung. Sehr einläßliche Buchbespre- chunaen, das politische Tagebuch (vom 1. April bis 31. August 1941 reichend) und eine Zusammenstellung neuer Bücher und Aufsätze runden den Iw» haft ab. —-----


