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Iidjen deutschen Berichte der Welt preisgeben, Lon­don wird sich in Schweigen hüllen.

Die Betroffenheit in London muß so groß sein, daß man die dümmste Ausrede gewählt hat, die man finden konnte, denn was heißt überhaupt: Dem Feind keine Informationen zukommen laßen? Was heißen hierSicherheitsgründe"? Die Schiffe st n-d versenkt, also gibt es hier keinerlei strateglschen Motive mehr, die ein Schweigen rechtfertigen könn­ten: Allein die tödliche Verlegenheit der Briten und die ihnen dämmernde Erkenntnis, daß sich hier Ge­fahren abzeichnen, deren Umfang jeder in England nur mit Schaudern betrachten kann, macht Die Bri­ten plötzlich so stumm.

. Dafür hat aber derEconomift verraten, wo der Schuh am stärksten drückt. Die Zeitschrift hebt wie- der einmal hervor, daß die Verwirklichung des von Roosevelt und Churchill aufgestellten Zieles der bal­digenHöchstkonzentration der alliierten Kriegs­macht gegen den Feind" von der Gestaltung des Schiffsraumproblems abhange Lei­der bestehe der Grund zu der Annahme, daß der Bestand der vereinigten Nationen an verfügbarem Schiffsraum im Schrumpfen begriffen fei. Damit dürfte derEconomist" ausnahmsweise Recht haben. Was er verschweigt, was man in London aber sehr genau weiß, das ist die Gleichzeitigkeit, mit der die Achsenstrategie ihre Erfolge erzielt, das ist der Triumph des Vorteils derinneren Lime . Heute muß Churchill vom Persischen Golf Kriegs­material, das für die Bolschewisten bestimmt war, nach Aegypten werfen. Er tat das in der Annahme, der große Geleitzug nach Archangelsk wurde das Loch stopfen, das bei den Sowjets heute bereits be- steht und durch die vernichtenden Schläge unserer Wehrmacht immer größer wird. Alle diese Berech­nungen werden durch unsere überlegene Planung und Taktik stets über den Haufen geworfen. Das ist es vor allem, was London so betroffen macht: was immer auf der Gegenseite auch geplant und versucht wird, stets sind wir zwei Züge voraus in diesem Spiel, das England durch seine Seemacht gewinnen wollte, die heute machtlos ist.

Oie unerbittlichste Schlacht von allen."

Stockholm, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Roo­sevelt hatte den Oberbefehlshaber der USA-Flotte, Admiral King, den Chef der zur Zeit in Washing­ton weilenden britischen Flottenmission, Admiral Sir Andrew Cunningham, sowie den Beauftrag­ten für das Pacht- und Leihgesetz, Harry Hop­kins, zu sich gerufen. Das Schicksal des nach Ar- changelsk bestimmten Geleitzuges, der von deutschen See- und Luftstreitkräften fast vollständig oufge- riebcti worden ist, gab Anlaß zu der Konferenz. Die t Schlacht auf den Meeren bezeichnete der Londoner

Nachrichtendienst alsdie ununterbrochenste, hef. tigste und unerbittlichste Schlacht von allen".Daily Expreß" schrieb, die Kluft zwischen Versenkungen und Neubauten schaffe eine Krise, wie sie England ernster in diesem Kriege bisher nicht erlebt habe. Sie bedrohe nicht nur die Möglichkeiten Englands, zur Offensive überzugehen, soydern sogar die ganze englische Kriegführung. Die Versenkungen hätten die höchsten Zahlen des Weltkrieges weit über­schritten!

Das Geheimnis von Tobruk.

Rom, 9. Juli. (Europapreß.) Ein auf dem Lüft- wege aus Aegypten in Gibraltar eingetroffener eng­lischer Offizier erklärte:In Tobruk hat es k e i n e n Verrat gegeben und es gibt auch kein Ge­heimnis, das man verschleiern oder enthüllen könnte. Die Redereien und Verdächtigungen in die­ser Hinsicht sind erfunden. Das einzige Geheimnis, von dem man sprechen könnte, besteht darin, daß die Soldaten der Achse besser kämpften als die unseren. Die Ueberlegenheit der Soldaten der Achse ist aus deren ausgezeichnete Moral sowie auf die über jede Vorstellung erhabene Leistung der A ch s e n - L u f t w a f f e zurückzuführen, einer Luft­waffe, die wir bis zum Beginn der Offensive er­heblich unterschätzt hatten. Der Hauptgrund unserer Fehlschläge sind wir selbst gewesen. Wir haben unser Kriegsmaterial überschätzt, die Truppen des Gegners aber lächerlich gemacht, ja, beinahe ver­achtet. Unsere Männer in der Kampflinie haben sich diesem von uns selbst erzeugten Optimismus völlig hingegeben."

Englisch nicht mehrpflichtfach in Japan

Tokio, 9. Juli. (Europapreß.) Die vollständige Abschaffung von Fremdsprachen als Pflichtfach in

allen höheren Mädchenschulen verfügte der japa­nische Unterrichtsminister. Gleichzeitig wurde die Höchststundenzahl, welche für den wahlfreien ftemd- prachlichen Unterricht cmfgewendet werden darf, von fünf aus drei in der Woche herabgesetzt. In erster Linie wird durch diese Verfügung der Unter­richt im Englischen betroffen, welches bisher in den meisten höheren Mädchenschulen Pflichtfach war.

Eine japanische Gtudiengesellschast für die Südgebiete.

Tokio, 9. Juli. (Europapreß.) Eine Gesellschaft für die Pflege der kulturellen Beziehungen zu den Südregionen ist in Tokio gegründet worden. Die aus Hochschulstudenten sich zusammenfetzende Gesell­schaft wird nicht nur die Verbreitung japanischer Kultur in den eroberten Süd gebieten, sondern auch das Studium der Kultur dieser Gebiete pflegen. Zu diesem Zweck sind Studienreisen, Vorträge und Aka­demikertagungen in Japan selber und in den Süd- gebieten vorgesehen.

Oie Bedeutung der neuen Transsaharabahn.

Paris, 9. Juli. (Europapreß.) 170 000 Zentner Weizen sind auf der ersten fertiggestellten Teil­strecke der Mittelmeer-Nigerbahn trans­portiert worden, erklärte der Präsident der Irans» aharabohn, Edouard de Darren der Presse. Darren wies darauf hin, daß die Transportmöglichkeit, die die Transsaharabahn biete, schon von Monat zu Monat mehr die Wirkungen der englischen Blockade aufheben werde. Die Verbindung Nordafrikas mit Französisch'W^stafrika sei zugleich eine Leistung für ganz Europa, wenn man bedenke, daß sich nach dem Kriege alle europäischen Nationen dieser lebenswichtigen Eisenbahnlinie bedienen könnten.

Das Generalsekretariat derPräsidentschast in Istan­bul teilt mit, daß der bisherige türkische Außenmi­nister Saracoglu (links) als Nachfolger des an einem Schlag anfall verstorbenen türkischen Minister­präsident Dr. Rafik Sayda m (rechts) mit der Bildung des Kabinetts beauftragt wurde. (Scherl- BildarchivM. und Atlantik.) Schükrü Saracoglu hat die Hochschule in Istanbul und eine Rechtsfa­kultät in Lausanne absolviert. Als Präsident der türkischen Delegation bei der gemischten Austausch» kommission und bei den Verhandlungen über bie türkischen Staatsschulden und die Anatolische Eisen­bahn hat er der Türkei große Dienste geleistet. Später wurde er Finanzminister, 1933 Justizmini­ster, 1938 Außenminister.

Regierungsumbildung in der Türkei

Rumänien will ein Seefahrervolk werden.

B u k a r e st, 9. Juli. (Europapreß.) Der Unter­staatssekretär für Marine, Konteradmiral Patsch, unterstrich in einem Rundsunkoyrtrag die Bedeu­tung der See- und Luftschiffahrt, die in Rumänien bis jetzt nicht richtig eingeschätzt worden sei. Der Donau und dem Schwarzen Meer komme eine besondere Bedeutung zu. Der rumänische See­transport werde bisher zu 92 v. H. von fremden Schiffen durchgeführt, was auf die Notwendigkeit des Ausbaues der rumänischen Flotte hindeute. Die rumänische Kriegsmarine habe seit dem 22. Juni 1941, obwohl sie sehr klein sei, an sowjetischen Schiffen den ZerstörerMoskau" versenkt, den ZerstörerCharkow" schwer beschädigt sowie acht sowjetische U-Boote und ein Transport­schiff von 12 000 BRT., daneben drei Schnellboote und zwei Hilfsschiffe versenkt.

Die Aachrichienttllppen Helfer zum Siege

Hervorragendes Ergebnis der Altkleider- undSpinnstoffsammlung 3tun liegt das vorläufige Ergebnis der Alt-leider- und Spinnstofffammlung vor. Ls wurden gespendet: An Männerkleibung 5 680 145 Stück Anzüge. Jacken, westen, Hosen und Mäntel, an Frauen- kleidung 4 414 743 Stück Kleider, Mäntel. Blu­sen. Jacken. Röcke und Kittel, hinzu kommen große Mengen an Wäsche und sonstigen Bekleidungs­stücken. Insgesamt wurden 51 467 400 Kilogramm Spinnstoffe bei den Sammelstellen abgeliefert und der Verwertung bzw. Weiterverarbeitung zugeführt. Mit den gespendeten Altkleidern können etwa 21/t Millionen Männer und zwei Millionen Frauen eingekleidet werden.

zu erfüllen, daß es ein zuverlässiges Instrument in der Hand der Führung ist.

Die Soldaten mit der hellgelben Waffenfarbe haben als Kämpfer und Techniker im letzten Winter genau so ihre Bewährung beweisen müssen wie ihre übrigen Kameraden an der Front. Angesichts der Rekordkältegrade des Ostens war es nur mög­lich. Ausbesserungsarbeiten im Fernsprechgestänge wenige Minuten durchzuführen, dann wurden bte Finger klamm und mußten erst am offenen Feuer wieder aufgewärmt werden. Ein Arbeiten nut Handschuhen war bei diesen Ausbesserungen genau so wenig möglich, wie man eine Pelzmütze über die Ohren ziehen kann, um Funksprüche abzuhören. Die Führung stand vor Einbruch des Winters vor außerordentlich wichtigen Entschlüssen über bie Ver­wendung von Material im Ostwinter. Die Leitungen aus Blankdraht wären gesprungen oder durch Schneebruch gestört worden. In die Erbe verlegte

Nachbem im Vorjahr im Ostseldzug Riesenschlach­ten von einem Ausmaß geschlagen worden waren, bas bis dahin in der Weltgeschichte fernen Vergleich zuließ, wurde im Wehrmachtbericht aus dem Führer« Hauptquartier die historische Feststellung veröffent­licht daß die gesamten Operationen m diesem Aus­maß nur aus der Grundlage einer hervorragenden Organisation des Nachrichtendienstes und der ruck- nl&tigen Verbindungen möglich gewesen seien. Da- d^ch wurde die Bedeutung der Nachrichtentruppe als Führungstruppe des Heeres in bas richtige Licht gestellt. Die Feststellungen des Wehrmachtberichtes wurden in kommenden Monaten noch vielfach be­stätigt, denn das blitzartige Einsetzen der richtigen Angriffs- oder Abwehrwaffen in der modernen Schlacht bei den Millionenheeren und den Riesen­räumen ist nur bei einem zuverlässig arbeitenden Nachrichtenwesen denkbar. Die Bedeutung der Nach­richtentruppe im Ostfeldzug wird durch nachs^hende Zahlen erhärtet. Vom 22. Juni bis zum 7. Dezem­ber 1941, also von Beginn des Ostfeldzuaes bis zum Beginn der Winterschlacht wurden durch die Nach­richtentruppe rund 900 000 Kilometer Fernsprech­leitungen gebaut und heraestellt, das ist mehr als das 22fache des gesamten Erdumfanges. Es ist nicht möglich anzugeben, wieviel Gespräche auf diesen Leitungen geführt worden sind. Jedenfalls wurde es sich hier um astronomische Ziffern handeln. Fest- gestellt dagegen ist die Zahl der Fernschreiben. In den rund 150 Tagen der Angriffsoperationen wur­den 5*/= Millionen Fernschreiben durchgegeben, dazu kommen noch 3'/- Millionen Funkspruche bie von den Funkstellen aufgenommen und befördert wur­den. Diese Zahlen zeigen, daß bas Nachrichten- wesen heute an Bedeutung gegenüber dem Welt­krieg noch enorm zugenommen hat. Das druckt sich auch aus in den Geräten, die in den letzten 20 Jah­ren wesentliche Verbesserungen erfahren haben.

Als zu Beginn des Weltkrieges auf den Schlacht­feldern Frankreichs eine Lage entstanden war, daß nach Ansicht des Generalstabschefs des Feldheeres ein Rückzug der Westarmeen notwendig wurde, da entsandte man einen höheren Offizier im Kraft­wagen zu den einzelnen Armeen, um diesen den Rück- zugsbefehl zu überbringen. Mit dieser Uebersendung hing zusammen, was jetzt in der Geschichtsschreibung bas Marnedrama genannt wird. Heute würden da­mals aufgetretene Mißverständnisse und Zeitver­säumnisse unmöglich sein. Wenn heute der Führer als Oberbefehlshaber der Wehrmacht den Hörer des Fernsprechgerätes abnimmt, dann kann er so­fort mit den Führern seiner Heeresgruppen sprechen und in ganz kurzer Zeit sind für einFührergc- spräch" alle Leitungen zu jedem Teil her Front sprech klar und frei. In der Reihenfolge der Ge­spräche folgen ihrer Bedeutung entsprechend die Führungs-Blitzgespräche, die Führungsgesprächc und danach folgen bestimmte Sondergespräche. Der Führer kann auch von der Ostfront unter Einschal­tung des Funkes in jedem Augenblick Generalfeld­marschall Rommel in seinem Befehlswagen in der ägyptischen Wüste erreichen und andererseits kann Generalfeldmarschall Rommel mit dem Oberkom- manbo der Wehrmacht in Berlin sprechen wann und wie es ihm beliebt. Das Fernsprechnetz, bas der deutschen Wehrmacht zur Verfügung steht, reicht heute vom Nordkap bis Iran, von Leningrad bis Kreta.

Die Schaffung einer solchen Organisation ist das Werk der Nachrichtentruppe. Die Nachrichtentruppe ist wichtiger Helfer zum Siege gewesen. In ihrer Arbeit liegt sehr wesentlich mitbegrünbet bas Ge­he ipmis unserer Siege. Die Niederlage der sow­jetischen Riesenarmeen ist nicht zuletzt in der Tat­sache begründet, daß die sowjetischen Millionen­armeen unbeweglich und seelenlos sind, während bei uns der letzte Panzer noch ein Funkgerät hat, durch das er an den Platz dirigiert wird, an dem er stehen soll. Weil wir aus den Erfahrungen des Weltkrieges die richtigen Lehren gezogen haben, ist es auch nur natürlich, wenn schon der Zahl nach der Einsatz der Nachrichtentruppen heute größer ist als im Weltkrieg. Dazum kommt, daß weitaus mehr als im Weltkrieg der elektrische Strom bas haupt­sächlichste Hilfsmittel des modernen Nachrichten­dienstes geworden ist. Fernsprecher, Funk, Kurz­wellen, Ultra-Kurzwellen, Dezimeter-Wellen sind einige der bekanntesten Anwendungsarten. Die Gliederung des militärischen Nachrichtenwesens ist heute aber so umfassend und kompliziert, daß un­zählige Spezialausbildungen erforderlich sind, um alle Aufgaben innerhalb des Nachrichtenwesens so

Leitungen hätten überhaupt nicht oder nur unter schwierigsten Umständen ausgebessert werden kön­nen. Es konnte also nur in Frage kommen, bte Feldfernkabel hochzuverlegen.

' Während uns die Sowjets im Fernsprechbau weit unterlegen waren, waren ihre Funkgeräte als brauchbar bis gut zu bezeichnen. Wenn auch die Ausbildung ihrer Funkter mit der Ausbildung un­serer Soldaten nicht zu vergleichen ist, so arbeiten sie doch sehr viel mit Störsendern, und es war bie ganze Geschicklichkeit unserer Nachrichtensoldaten nötig, um in solchen Fällen auf eine vorher verein­barte Welle sofort auszuweichen.

Bei allen Schwierigkeiten, bei Störungen, bei zer­schossenen Leitungen ober bei feindlichen Einwir­kungen im Gerät mußte sofort AbhUfe geschaffen werden. Das konnte aber nur geschehen, wenn die Nachrichtensoldaten über alles, was mit dem Nach­richtenwesen zusammenhing, aufs Gründlichste aus» gebildet waren. Diese Ausbildung geschieht auf der Heeresnachrichtenschule, die man wohl in Verbindung mit der Luftnachrichtenschule als dis größte Fachschule der Welt bezeichnen kann. Dffi< ziere und Unteroffiziere der Nachrichtentruppe wer» den hier nachrichtentaktisch und nachrichtentechnisch geschult. Weiterhin werden hier ausgebildet Truv» pen-Nachrichtenoerbände des Heeres und die Offi­ziere und Unteroffiziere der Nachrichteneinheiten aller Waffengattungen des Heeres. Besondere Sorge gilt dem Offiziersnachwuchs. Was für die Zwecke der Ausbildung notwendig ist, das ist vorhanden. Das Nachrichten-Lehrregiment steht für/Hebungen zur Verfügung, die nicht, wie ein Besuch überzeugte, am grünen Tisch erdacht sind, sondern so frontnah wie nur möglich gestaltet werden.

Zuverlässigkeit und Disziplin verlangt die Führung vor allem von einer Führungstruppe. Diese Sol­daten sind Kämpfer und Techniker in einer Person. Während, bei einem sowjetischen Panzerangriff bie Männer an den Pak-Geschützen ihre stählernen Ge­schosse den sowjetischen Ungetümen entgegenschleu­dern können, muß der NachrichtensMat an der Morsetaste ruhig bleiben und darf nicht weich in den Knien werden, wenn schweres Artilleriefeuer über den Stellungen liegt. Er muß auch heraus, um bei schwerem Beschuß zerstörte Leitungen zu flicken. Er muß seine Zuverlässigkeit und Disziplin gerade in den härtesten JDHnuten des Kampfes beweisen, eben gerade bann sind seine Meldungen von gröh« tem Wert. Die Nachrichtensoldaten wissen, daß sitz auch am Klappenschrank Heldentum beweisen tön*

Eine Bergbäuerinfür viele.

Von Margarete Kurze.

Noch sehe ich sie lebhaft vor mir, bic aufrechte Gestalt |ber Bergbäuerin, bie ich durch einen Zufall kennenlernte. Wir hatten in bem kleinen Gebirgs­dorf am Eingang des Oetztals kein Quartier mehr gefunden; der Strom der Sommerfrischler hatte sich über den ganzen Ort ergossen, hatte jedes Häuschen und jedes Zimmer überschwemmt, so daß für uns Neuankömmlinge fein Platz mehr blieb. Unsere Zimmersuche, die wir so mutig begonnen hatten, drohte mit einer Katastrophe zu enden. Doch kurz vorher nahte die Rettung. Es war der Lehrer, der uns mit freundlichem Rat beiftanb und schließlich nach einigem Ueberlegen mit dem Vorschlag her- ausrüefte, wir sollten's beim Ambrosi Alois ver­suchen, auf bem Schroffenober der Kirch". Dabei deutete er mit bem Finger hinauf über die luftigen Häuser, bie sich bann in krummen Winbungcn ben Hang hinauf unb bann im tiefen Grün ber Wiesen verloren. Höher glitt unser Blick, folgte dem hell aufblitzenden Pfad, übersprang ein Stück Wald und ruhte dann auf einem Farbfleck, ber sich aus mehreren Gehöften zusammenzusetzen schien. Ja, das sei der Schroffen, bestätigte ber Lehrer, und ber oberste Hof gehöre dem Ambrosi Alois. Schön sei's da oben, wir sollten's nur versuchen. Also bedank­ten wir uns unb machten uns auf ben Weg.

Nach zwei Stunden Kraxelei unb Schnauferei in ber warmen Augustsonne sahen wir den Berg­bauernhof vor uns liegen leuchtend weiß und braun gegen bic Bläue des Himmels und bas Grün der Wiesen, feurig rote Geranien vor ben Fenstern ein Tiroler Hof, wie er sauberer unb anheimeln­der nicht sein kann. Ein würziger Duft entströmte -den Wiesen, die Grillen zirpten, unb rings fliegen die Berge auf, gewaltig unb zum Greifen nahe, unb bie Schatten ber Wolken zogen über ihre Rie­senleiber. Tief atmeten wir auf. Wie herrlich war cs hier oben, wie mußte ber Mensch frei unb über alles Kleinliche erhaben werben in biefer reinen Höhe!

Drinnen im Hof kommt uns bic Bäuerin ent­gegen, ben Jüngsten an ber Hanb. Mit klaren Augen begrüßt sie uns freunblich, erklärt sich gern bereit, uns als Gäste aufzunehmen. Dann geht sie uns voran ins Haus. Und sogleich empfängt uns

eine Atmosphäre von Sauberkeit unb Behaglichkeit, ein wohliges Gefühl des Geborgenseins. Blitzblank und reinlich gescheuert ist alles um uns herum die Küche mit dem breiten Herb, ber in die Ecke ein­gebauten Bank und bem wuchtigen Tisch davor. Die gerounbene Treppe mit dem kunstvoll geschnitzten Geländer führt auf bie Diele des Obergeschosses. Eine Truhe entbecken wir ba, eine große schwere Truhe, lustig und farbenfroh bemalt mit Rosen, Herzen unb Vögeln, unb mitten in die Schnörkel unb Linien ist die ehrfuchterweckenbe Jahreszahl hineingeschrieben. Denselben Stil tragen auch bie Betten unb Schränke in unserem Zimmer. Froh unb leicht wird uns zumute in dieser Umgebung, bic natürliches unb künstlerisches Empfinben auf so glückliche Weise vereint.

Und je länger wir im Bergbauernhof wohnen, desto lieber gewinnen wir ihn unb seine Menschen. Am Tag ist ber Bauer, ein schweigsamer ernster Mann, mit ber Magb unb dep beiben Aeltesten im Heu sie müssen sich schwer plagen auf den steilen Hängen, doch ihr ganzes Leben hier oben ist ja ein Kampf, ben sie unverdrossen unb mit ber zähen Kraft und dem gelassenen Frohmut ihrer Wesens­art führen. Still und emsig schafft die Bäuerin tags­über im Haus, in ber Küche, im Stall, versorgt bie drei Jüngeren unb hilft noch bei ber Heuernte mit. Abenbs, wenn die Familie um ben blankgefcheuer- ten Tisch beim Nachtmahl zusammensitzt, die luftige Kuckucksuhr tickt und der dickbäuchige weiße Kachel» ofen so behäbig in ber Ecke steht, geht ein eigen­tümlicher Frieben von diesem Bilb aus. Und wenn ich mir die Buben ansehe, bie, blonbschöpfig unb kernig, aus trotzigen Augen in bie Welt blicken, die kleinere Schwester mit den sauber geflochtenen Zöpfen, wenn mein Blick zuletzt auf ber Mutter ruht, bie, still unb boch energisch, der wahre Mittel­punkt ber Familie ist, bann erscheinen sie mir als lebenbig geworbene Rosegger-Gestalten. Konnte bas nicht seine Familie sein, beren er sich in so vielen Geschichten liebevoll erinnert? Diese Bergbäuerin hier steht wie feine Mutter für Tausende von Frauen, bic mit ber ruhigen Kraft ihres Gemüts Halt unb Freude der Ihren sind, bie das Erbe ihrer Vorfahren hüten und weitergeben an die Kinder. Das Erbe, bas in materiellem Besitztum, in der alten bäuerlichen Einrichtung, in Gebrauchsgegen­ständen und Kleidung sowohl wie in geistigem und seelischem Gut besteht. Denn die alten Märchen

unb Lieder, die die Mutter schon von ber Ahndl gehört hat, senken sich an ben langen Spinnabenben tief in bas Gemüt ber Kinber unb bleiben dort lebendig als eine der schönsten Gaben, bie ihnen die Mutter mitgegeben hat.Das Beste in mir" sagt Peter Rosegger von seiner Mutter,ich habe es von ihr. Sie hatte in sich eine ganze Welt voll Poesie." Wieviele solcher Frauen wie diese ein­fache, tapfere Waldbäuerin gibt es boch! Ihre reine Seele bildet den inneren Frieden unb teilt ihn ber Familie mit. Er ist ber Grund, auf bem die Kin­der seelisch und körperlich gesund heranwachsen, aus bem sie auch später noch ihre Lebenskraft ziehen wie die Wurzeln ber Pflanzen bie Nahrung aus bem Erbboben. Ehrfurcht vor ben Ahnen, Liebe zur Heimat unb zum Bauernstand sind bic Jbeale, die ihnen die Mutter in täglichem Beispiel vorletzt.

Am Klavier.

Von Georg von der Bring.

Rund um die Ginsterbüsche Akelei pflanzen?, dachte ber Großvater. Wer nur darauf gekommen sein mag?

Wenn nun lauter kleine Pferde.darin wohnen, Großvater", sagte ber fünfjährige Enkel. Er beutete auf ben düsteren Wald ber alten Ginsterbüsche. Pferbe mit golbenen Köpfen unb golbenen Schwei­fen, weißt du, unb sie sausen aus dem hohen Wald heraus, hundert kleine hübsche Pferde kommen ge­braust, ohne Reiter, und die Hufe sind wie Nuß­schalen und haben Spitzen, unb die Pferde schnau­ben bei ihrem Gedränge. Was bann?"

Dann mochte es den Akeleien schlimm ergehen", erwiderte der Großvater.Komm aber, man wird gleich nach dir rufen. Es ist Abend."

Sie stiegen die Stufen zur Terrasse herauf und betraten das Musikzimmer.

Unb wo ist die Mitte der Welt?" fragte ber Knabe.

Auch das ist mir, neben anderem, nicht bekannt", sagte llächelnd ber Großvater. Er hob den Knaben auf ben Klavierstuhl unb schob ihn vor den Flügel. .»Spiele mir noch vor", bat er unb nahm Platz.

Das Klavierspiel begann. Es war nicht ein Spiel, wie man es gewöhnlich hort. Der Knabe suchte zu­nächst mit ber linken Hanb unb bann mit ber rech­ten. Hatte er mit der Linken eine Taste angeschlagen.

so fand die Rechte bei ben höheren Tasten ein paar rasch aufeinanderfolgende Töne, sie taten einen win« zigen Lauf, unb was bie Linke fobann anflingett ließ, war durchaus nicht im Einklang mit bem, was die Rechte roieberum verkündete. Vielleicht mußts man als Voraussetzung für dies Fragen und Ant­worten jene hübschen Pferde sich vorstellen, die aus bem Ginsterwalbe stammten und den Ausgang in die freie Welt gefunden hatten. Was dabei geschehen war, ließ sich leicht erraten: sie waren bei ihren- ungestümen Herausdrängen den Akeleipflanzen 31X nahe gekommen, hatten zwar keine dieser hohen Blumen zerbrochen oder geknickt, und insofern woG alles gut ausgegangen aber das (Blöden* schwingen ber Akeleien, dies Getümmel und Hinund* h erschlagen der Stämme, der Blütenstiele und bet schweren Blüten, samt dem Aufftreifen und Zu« sammenraffen der Fliederblätter, vor allem in den Engpässen zwischen den einzelnen Blumen o(t das mußte als ein Ereignis gewertet werden, bat sich so rasch nicht vergaß.

Und so schien es bem Großvater, als brächte bet Enkel hinter ihm das Gespräch zum Erklingen, das! die Ginsterbüsche und die Akeleien miteinander führ« ten, als die hübschen Rosse längst baüongerannf waren. Der dunklen Frage der linken Hand folgt« bie helle Antwort der Rechten in einer so deutlichen Unstimmigkeit, daß immer wieder ein tiefer Ton anzuknüpjen hatte unb immer wieder von hellen Tönen bekräftigt werben mußte, baß noch längst keine Einigkeit zwischen diesen verschieden gearteten Gewächften erzielt worden sei.

Die schlichte und vieldeutige Aussage des Knaben ging weiter. Der Großvater lauschte diesem Spiel von Frage unb Antwort. Er ging, indem er chm folgte, Schritt für Schritt alle Beziehungen durch, bte er je zu Menschen gehabt hatte, und er maß sodann feilte Beziehung zu dem St naben unb Enke^ als zu dem Menschen, den er lieben gelernt hatte> als er alt war, worauf ihm wieder tn den Sinn kam, wer wohl den Gedanken gehabt haben mochte, die Akeleipflanzen rund um die alten Ginsterbüsche zu setzen. Da klopfte es, der Knabe wurde gerufen« Das Spiel endete. Der Knabe glitt1 vom Klavier* schemel und kam gegangen.

Und wo ist die Mitte der Welt?" fragte et leise.

Hier bei uns beiden", sagt bet Großvater unH nahm die Kinderhand in die feineu