Ausgabe 
9.6.1942
 
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coln, aber mit ber Blick-2lusrichtung auf die Welt jenseits der Ozeane, so hätte es fick auf ein Men­schenalter hinaus, wenn nicht auf länger, eine un­vergleichliche moralische Position in der Welt fried­lich erobern können. Es hat den Schlüssel dazu, der vor chm bereit lag, nicht an sich genommen und darum muhte ihn, als die'Zeit gekommen war, ein anderer in seine starte Hand nehmen, um das Tor zu einem neuen Europa aufzuschließen.

Der ungarische Besuch.

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Ler Königlich Ungarische Ministerpräsident und Außenminister von K a l l a y stattete wie schon ausführlich berichtet dem Führer in seinem Hauptquartier einen Besuch ab. Hier begrüßt Reichsminister des Auswärtigen von Ribben­trop den ungarischen Ministerpräsidenten. In. der Mitte des Bildes der ungarische Gesandte in Berlin von Sztojay und links von ihm der Chef des Protokolls, Gesandter von Dörnberg.

(Scherl-Bilderdienst. sLaux.s)

Bor wenigen Tagen weilte der Führer in Finn­land. Der unmittelbare Anlaß hierzu war der 75. Geburtstag des Marschafls Mannerheim. Der Führer benutzte den Besuch aber dazu, um die Freundschaft, die zwischen Deutschland und Finnland nicht erst seit diesem Kriege besteht, zu betonen und zu verlebendigen. Darin liegt überhaupt die Stärke und der Erfolg der Politik des Führers, daß er durch persönlichen Gedankenaustausch mit den be­freundeten Staatsmännern die Richtigkeit seiner staatsmännischen Maßnahmen überprüft und die diplomatischen Aktionen abstimmt auf das Ver­trauen, wie es sich aus dem Gleichklang der Her­zen ergeben muß. Der Besuch des ungarischen Mi­nisterpräsidenten und Außenministers v. K a l l a y im Führerhauptquärtier ist weder etwas Außer­gewöhnliches noch etwas Formelles: er ist der Aus­druck der lebendigen Freundschaft, die zwischen der deutschen und der ungarischen Nation traditionsge­bunden und schicksalgleich besteht. Deutsche und un­garische Truppen stehen heute wieder Schulter an Schulter gegen den gleichen Feind, für ein gleiches Ziel, wie sie auch während des Weltkrieges den gleichen Weg des Kampfes, des Sieges und der Entrechtung gegangen sind. Der Bolschewismus ist der Erbfeind des freien Ungartums, wie er der geschworene Feind des nationalsozialistischen Deutsch­land ist. Freundschaft, Waffenbrüderschaft führte die beiden Staatsmänner jetzt im Führerhauptquar­tier zusammen. Was immer sie besprachen und fest­legten, politisch und militärisch, es entspricht dem Geist des Vertrauens und der Herzens- und Wil­lensgemeinschaft, der alle die umspannt, die ein freies, geeintes und lebensstarkes Europa erstreben und dafür kämpfen.

Oie Folgen des Schiffsraummangels für Mexiko.

Madrid, 9. Juni. (DNB. Funkspruch.) In Be­richten aus Süd- und Mittelamerika treten die Folgen des Mangels an Schiffsraum immer deut­licher hervor. Nach einein Bericht des spanischen BlattesPa" aus Mexiko verderben auf den Kais von Vera Cruz riesige Mengen zur Ausfuhr bestimnnkr Waren, da keine Schiffe zum Abtransport zur Verfügung stehen. Die Schiffsnot hat sich schädigend vor allem' auf die mexikanische Filz-, Leder- und Spinnstoffindusttie ausgewirkt, viele Fabriken rechnen mit einer baldigen Schlie­ßung ihrer Betriebe. Schwierig ist auch die Lage in der Stahlerzeugung, da Mexiko wohl über reich­liche Erzvorräte verfügt, aber nicht genügend Hüt­

ten- und Walzwerke besitzt. Hemmend wirft sich weiterhin der Mangel an Aluminium aus.

Kleine polittsche Nachrichten.

Der Kommandeur des Freikorps Dänemark, ff-- Oberst-Sturmbannführer v. Schalburg, hat am 2.Juni an der Spitze seiner Truppen den Hel­dentod an der Ostfront gefunden. Der Be­vollmächtigte des Deutschen Reiches, Gesandter von Renthe-Fink, hat der dänischen Regierung sein Bedauern mit hohen Myrten der Anerkennung für diesen tapferen dänischen Offizier, der sein Leben für eine große Aufgabe eingesetzt habe, zum Aus- oruck gebracht. Als Vertreter des Reichsführers ff Himmler hat ---Sturmbannführer Dr. Riedweg Frau von Schalburg die traurige Nachricht über­mittelt und auch den Parteiführer der DNSAP., Dr. (Haufen, unterrichtet.

In Italien wurde eine neuer Orden geschaffen, der Orden des römischen Adlers, der aus­ländischen Staatsangehörigen verliehen werden kann, die sich auf militärischem oder zivilem Ge­biet Verdienste um Italien erworben haben. Die Auszeichnung ist dazu besttmmt, die befreundeten und verbündeten Nationen in dieser Zeit der Waf- enbrüderschaft zu ehren und an den von Italien ur die europäische Neuordnung geführten Kampf zu erinnern.

Reichspressechef Dr. Dietrich überreichte verdien­ten Schriftleitern der deutschen Presse das ihnen vom Führer für ihre Leistungen während des Krie­ges verliehene Kriegsverdienstkreuz II. Klasse.

Der Reichsstudentenführer, Gauletter Dr. Scheel, besuchte in ^Begleitung des Gaustudentenfuhrers Kiesel die studentischen Einrichtungen Prags. Er stattete dem Studentenwerk, der im ganzen Reich einzigartigen studentischen Klinik, dem Langemarck- Haus, der Mensa und einigen Studentenheimen Besuche ab. Weiter nahm er Aufenthalt im Goethe- Heim bei der Arbeitsgemeinschaft nationaler Stu­dentinnen, um sich Einblick in das Leben und die Arbeit der Prager Studentinnen zu verschaffen.

Auf Einladung des NS.-Rechtswahrerbundes stattete der Stabsleiter der Dänischen Nationalsozia­listischen Partei, Rechtsanwalt Dr. B r y l d (Kopen­hagen) der Reichshauptstadt zur Information über polittsche und wirtschaftliche Einrichtungen der Partei und des Staates einen mehrtägigen Besuch ab. Der Reichsgeschäftsführer des NSRB., Dr. Heuber, gab im Hause des NSRB. einen Empfang.

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Die Wiederinbetriebnahme der durch Naturereig­nisse (Zerstörung zweier Brücken) im vergangenen Jahr unterbrochenen Haupteifenbahnverbindung zwischen Sofia und Jstanbul ist nach Ab­schluß der Jnstandsetzungsarbeiten bis Mitte Juni zu erwarten.

Der Führer hat dem ordentlichen Professor Dr. Joseph Sauer in Freiburg i. Br. aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Würdigung feiner Verdienste auf dem Gebiete der Archäologie und Kunstgeschichte die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Heute Staatsakt für Reinhard Heydrich.

Berlin, 8. Juni. (DNB.) Der Staatsakt für den verstorbenen Stellvertretenden Reichsprotektor, ff= Obergruppenführer und General der Polizei Rein­hard Heydrich, findet am Dienstag, dem 9. Juni 1942, um 15 Uhr im Mosaiksaal der Neuen Reichskanzlei statt. Auf dem An­halter Bahnhof traf am Montagmittag die sterbliche Hülle des durch einen verbrecherischen Anschlag mit­ten aus seinem verantwortungsvollen Einsatz im Dienst der Nation gerissenen Stelloerttetenden Reichsprotektors ein. In der großen Ankunftshalle grüßten trauerumflort die Fahnen des Reiches. Auf dem Bahnsteig mar eine Ehrenkompanie der Schutz­polizei angetreten, auf dem Bahnhofsvorplatz eine Ehrenkompanie der Waffen---. Zahlreiche Vertteter der Dienststellen des Verstorbenen, der Parteigliede­rungen und der Wahrmacht hatten.sich eingefunden, so u. a. der Chef der Ordnungspolizei ---Oberstgrup­penführer und Generaloberst der Polizei Da - luege, ---Obergruppenführer und General der Waffen--- Sepp Dietrich, Reichspressechef Dr. Dietrich, der persönliche Adjutant des Führers ---Gruppenführer Schaub, der Stadtkommandant

von Berlin Generalleutnant o o n H a s e und schließ­lich auch der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei Himmler. Die Trauergemeinde grüßt mit erhobener Rechten, als der mit der Hakenkreuzfahne und dem Helm bedeckte Sarg den Bahnsteig ent­langgetragen und auf dem Bahnhofsvorplatz unter den Klängen des Präsentiermarsches auf die La­fette gehoben wird. Dann setzt sich der Zug, dem eine motorisierte Formation der Waffen--- das Ehrengeleit gibt, in Bewegung, vorbei am Dienst- aebäude des Geheimen Staatspolizeiamtes zur Wilhelmitraße, auf dessen ganzer Länge Sicherheits­und Ordnungspolizei Spalier bilden. Vor dem Prinz-Albrecht-Palais, wo eine weitere Ehrenkom­panie der Waffen--- sowie 60 ---Führer des Reichs- sicherhetts-Hauptamtes Aufstellung genommen haben, wird der Sarg von der Lafette gehoben und im Konferenzsaal auf einem Katafalk niedergesetzt. Nach­dem zu beiden Seiten Ehrenposten Aufstellung ge­nommen haben, tritt noch einmal Reichsführer ff Himmler an den Katafalk und verweilt m sttllem Gedenken am Sarge.

Aus dem Reich.

Stabsleiier der Reichspropaganda­leitung der NSDAP.

Der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Reichs- minister Dr. Goebbels, hat Reichssendeletter Hadamovsky zum Stabsleiter der Reichspro- pagandaleituna der NSDAP, berufen. Der Groß­deutsche Rundfunk verabschiedete im Rahmen eines Betriebsappells Reichssendeleiter Hadamovsky- aus seinen Rundfunkämtern, wobei Ministerialrat Die- roerge, der Leiter der Abteilung Rundfunk im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propa­ganda, ein Schreiben von Reichsminister Dr. Goeb­bels verlas, in dem dieser Reichssendeleiter Hada­movsky für seine großen Verdienste bei der Schaf­fung eines nationalsozialistisch ausgerichteten Volks­funks besondere Anerkennung aussprach,

Oer Geburtstag des Reichspostministers Ohnesorge. Reichspostminister Dr.-Jna. e. h. Ohnesorge feierte am Montag den 70. Geburtstag. Im Reichs­postministerium hatten sich zahlreiche Vertteter von Partei, Staat und Berufsverbänden der Postgefolg- schaft versammelt. Der persönliche Adjutant des Führers, ---Gruppenführer Schaub, überbrachte die Grüße und Wünsche des Führers und über­reichte ein Bild mit persönlicher Widmung. An­

wesend waren u. a. Reichsminister Rosenberg, der Reichs'führer ff Himmler, Generalfeldmar­schall Milch, der die Wünsche des Reichsmarschalls übermittelte, Oberbefehlsleiter Marenbach für Reichsleiter Dr. Ley, ---Obergruppenführer und General der Waffen--- Sepp Dietrich, der Staatssekretär des Reichspostministeriums, Dr.-Jng. Nagel, die Obergruppenführer K r ä n z l i n und Klug als Vertteter des Korpsführers Hühnlein, der Fachamtsleiter des Fachamtes Energie, Kör­ner, die Leiter der Abteilungen des Reichspost- ministeriums, mehrere Präsidenten der Reichspost­direkttonen und Mordnungen von Volksdeutschen Gruppen.

Oie Bestellung von Schulbüchern.

Der Reichserziehungsminister hat die Versorgung der Schüler und Schülerinnen mit Schulbüchern neu geregelt. Danach läßt der Klassenleiter jeden Schüler noch während des laufenden Schuljahres sämtliche im neuen Schuljahr benötigten Schulbücher auf einen Zettel schreiben. Die Zettel werden mit dem Schulstempel versehen und sind bei einer Buch­handlung bis zum 15. Juli abzugeben. Mit Rück­sicht auf die Rohstofflage ist es erwünscht, nach Möglichkeit gebrauchte Schulbücher zu benutzen. Bestellungen, die nicht unter Abgabe des mit dem Stempel der Schule versehenen Zettels auf gegeben werden, dürfen von den Buchhandlungen nicht aus-

Krieg ist Bewegung.

Die Sowjetunion ist von ihrem Eifenbahn« fystem ebenso abhängig wie Großbrttannien von seiner Flotte. Die Probleme und Schwierigkeiten der Sowjetbahnen haben eine große Ähnlichkeit mit den Schwierigkeiten, die wir Engländer auf dem Gebiet der Schiffahrt haben, nämlich unge­nügender Ausbau des Transportwesens in den Vorkriegsjahren, unerwartete Verluste durch feind­liche Einwirkung, Mangel an rollendem^Material, lange und dünne Verbindungslinien." So schrieb kürzlich die Londoner WirtschaftszeitungThe Economist". Krieg war und ist feiner Natur nach Bewegung, alsoVerkehr". Nur ist ein großer Unterschied. Die Aktionen gegen Norwegen oder gegen Kreta waren ganz anderer Natur als der Westfeldzug von 1940 oder der große Ostfeldzug 1941/42. Auch die Kämpfe auf den Philippinen, auf Malaya und um Singapur, auf Java und in Burma tragen ein anderes Gesicht als die Krieg­führung an der Ostfront: .im Kriege um den Besitz Südostafiens haben Expeditionskorps gegenein­ander gefochten. Große Expeditionskorps! Auch hier war der Nachschub schon sehr schwer, was besonders Engländer und Amerikaner, aber auch die Ja­paner gemerkt haben. Denn wenn die Masse des NachschÄs nach Südostasien geringer war, so waren doch die Wege ungeheuer weit: die Japaner hatten 5000 bis 6000 Kilometer, die Amerikaner 15 000 Kilometer und die Engländer gar 20 000 bis 22 000 Kilometer zu überwinden.

Umgekehrt sieht es gerade an unserer Ostfront au5. Hier ist der Masseneinsatz von Menschen, Ma­terial und ständigem Nachschub riesengroß: die Ent- fernungen sind ungleich geringer als in den weiten Räumen Südostasiens. Die Aufgabe wird aber da­durch kompliziert, daß der ganze Transportper Achse" erfolgen muß. Mit der Achse des Cisenbahn- watzgons, des Kraftwagens und des Pferdefuhr­werks. Dieser Landttansport stellt immer ungleich größere Ansprüche als der Seetransport, der feiner Natur nach ein ausgesprochener Massenttansport bei sehr geringem Einsatz menschlicher Arbeitskraft ist. Wenn auch der Seetransport sehr viel bequemer ist als der Landttansport, so werden doch durch chn ungeheure Mengen von Schiffsraumgebunden". Die englischen Verschiffungen nach Indien und Vor-

gcsiihrt werden. Ebenso ist ein vorzeitiger Schul- vücherverkauf unter Umgehung dieser Bestimmun­gen untersagt. Sammelbestellungen zum Zwecke der Gewährung freier Lernmittel oder der Ergänzung der Hilfs-, Arbeits- und Unterftützungsbuchereien werden nicht betroffen. Die neuen Bestimmungen erstrecken sich nur auf Lernbücher, nicht aber auf Klaffenlesestoffe. Der Reichserziehungsminister ord­nete weiterhin an, daß in den Höheren Schu - len während des Krieges wieder Hilfsbüche­reien eingerichtet werden, aus denen Schüler und Schülerinnen Unterrichtsbücher enttechen können. Gleichzeitig stellt er es in das Ermessen der Schul­leiter, den Weiterverkauf von alten Unterrichts- bsichern durch ältere an jüngere Schülerjahrgängs wieder zuzulassen.

Neuregelung des Schwesternwesens.

NSG. In Darmstadt vollzog Gauamtsletter Fuchs für den Gau Hessen.-Nassau den Zusammen« schluß der beiden der NSV. angeschlossenen Schwe­sternschaften, der NS. - Schwesternschaft und des Reichsbundes der Freien Schwe» ft e r n und Pflegerinnen, zu einer einzigen, von der NSDAP, betreuten Berufsorganisation, dem N S.° Reichsbund deutscher Schwestern. Dabei sprach er zu den Schwestern über die Bedeutung des Zusammenschlusses, in dem es gelte, eine einzige nationalsozialistische Schwesternschaft zu hüben, bte in der Lage fein müsse, ihre Mission in Deutschland und in Europa zu erfüllen. Für die Zusammenarbeit in der NSV. forderte der Gauamtsleiter verant­wortungsbewußtes Handeln gegenüber Partei und Volk sowie kameradschaftlichen Geist in der neu ge­schaffenen Schwesternorganisatton. Mit der Leitung des NS.-Reichsbundes deutscher Schwestern im Gau Hessen-Nassau wurde die bisherige Gau-Vertrauens­schwester der NS.-Schwesternschaft, Frau Oberin Köhler, betraut. Für den neuen Reichsbund sind über die Krankenpflege hinaus alle Aufgaben zu er­füllen, die der Mehrung der deutschen Volksttast dienen. Die nationalsozialistische Schwester wird stets Verfechterin nationalsozialistischer Lebensbe­jahung sein und im Sinn einer durchgreifenden Erb- und Rassenpflege helfen, die Voraussetzung für eine glückliche Zukunft des deutschen Volkes zu schaffen.

Oer Siebenschläfer.

Ein Tierbildnis von Richard (Herlach.

Sieben Monate hat her Siebenschläfer zusam­mengerollt mit einigen seinesgleichen in einer moosgepolsterten Baumhöhle geschlafen, so kalt, starr und gefühllos, daß man ihn hervorziehen und von Hand zu Hand reichen konnte, ohne daß er sich rührte. Erst wenn die lauen Lüfte ihm um das Mauseschnäuzchen wehen, wenn das Thermometer auch nachts zwölf Grad zeigt, klettert der graue Kobold, der sich im Herbst mit einem feisten Bäuch­lein hinlegte, nunmehr klapperdürr hervor und sieht mit den groß hervorstehenden kohlschwarzen Augen hungrig in die Dunkelheit. Er ähnelt einem Eichhörnchen an Gestalt, turnt ebenso gewandt im Gezweig, auch sein Schwanz ist buschig, doch ist er nur so groß wie eine Ratte.

In den Nächten der Champagne lernte ich die Siebenschläfer kennen, wie sie bei Mondlicht die reifen Kirschen ernteten, gespenstisch huschten sie hin und her und ließen zuweilen eine Frucht ober einen Kern in bas Gras plumpsen. Sehr zärllich war das Paar nicht miteinander, wenn sich Männchen und Weibchen in ihrer Gier zu nahe kamen, fauch­ten beide und schnarchten sich drohend an. Die Sie­benschläfer sind ebenso verfrassen wie verschlafen, und sie stopfen sich den Wanst in den fünf warmen Monaten, die ihnen vergönnt sind, gehörig mit Früchten, Baumrinde, Bucheckern, Nüssen, Eicheln, Raupen und Nachtfaltern voll, schlürfen das Dogelei, verschonen auch den jungen Gelbschnabel im Nest nicht, und es ist sogar erwiesen, daß sie auch die Schwächeren ihrer eigenen Art ohne zu zögern auf- fressen, wenn sie gelegentlich durch Seilereien auf den Appetit kommen.

So niedlich uns das leise im Geäst auf- und absteigende Tierchen anmutet, sein Charakter ist anrüchig. Der Bilch liebt die Geselligkeit, weil er sich an ihr wärmen kann, sonst sind feine sozialen Instinkte nur unvollkommen ausgebildet. In den Buchenwäldern und Obstgärten der mttteldeutschen Gebirge ist der Siebenschläfer stellenweise ziemlich häufig, in Norddeutschland selten, in den milderen Tälern der Ostmark sehr verbreitet, und zwischen Laibach und Agram werden in jedem Herbst Hirn- berttaufenbc gefangen und gebraten. Gebackene

Siebenschläfer, mit Honig bestrichen und mit Mohn bestreut, gälten im alten Rom für eine Schlemmer­speise, und es gab eigene Mästereien für diese De­likatesse. Bei uns steht der Siebenschläfer unter Naturschutz, aber aus den Dbftplantagen dürfen die verfressenen Gäste vertrieben werden. Die meisten werden aber überhaupt nicht bemerkt, weil sie nur heimlich in den Nächten geistern.

Ischia, die Kurinfel.

Von Max Pauly.

Rom, Frühling 1942.

Als der Epomeo, der sich heute höchstens ein paar Regenwolken als Kopfbedeckung leisten kann, noch ein feuriger Vulkan in den besten Jahren war und Tag für Tag seine eigene Rauch- und Dampfwolke produzierte, war die Insel Ischia sicher kein ge­mütlicher Aufenthalt. Denn die ganze Insel besteht tatsächlich aus dem Epomeo mit seinen Vor- und Nebenbergen, und Lava, Asche und heißer Bimsstein konnten jeden Winkel aus dieser strategisch günstigen Position bestreichen. Von dieser ganzen heißen Herr­lichkeit ist nicht viel geblieben. Was noch davon vorhanden ist, ist gezähmt ober in der Zähmung begriffen.

Diesen Rest bilden die heißen Quellen und Fuma- rolen, die daran schuld sind, wenn die erste Frage jedes Italieners, der vom Plan einer Reise nach Ischia hort, die ist, ob man dort die Kur gebrauchen wolle. Ueberaü in den Orten der Nordküste von der Stadt Ischia über Porto d'Jschia, Casamicciola und Lacco Ameno stehen die größeren und kleineren Badeanstalten, in denen man die verschiedensten Krankheiten, vor allem rheumatische, fortbaben kann. In ben mehr als 600 Jahren, die feit dem letzten Ausbruch verlaufen sind, hat sich die wilde Naturkraft so vom eruptiv-genialischen auf eine ruhige bürgerliche Laufbahn umgestellt. Plinius und Strabo, die ben Epomeo noch in seiner aktiven Zeit gekannt und ferne Ausbrüche beschrieben haben, wür- beu große Augen machen, wenn sie sehen könnten, wie heute eine der stärksten Fumarolen an der Südseite der Insel drauf und dran ist, eine nütz­liche Tätigkeit zu übernehmen. Ihre fauchenbe Dampfsäule wirb in nicht mehr ferner Zett die Kraft

für ein von Treibstoffen unabhängiges Elektri­zitätswerk der Insel liefern. So zahm, wie es da­nach scheinen könnte, ist der alte Vulkanboden Ischias nun aber auch wieder nicht. Es gibt Stellen am Rand der Küste und sogar unter dem Wasser auf dem Meeresboden, wo die heißen Quellen dem Unvorsichtigen so gründlich einheizen, daß er sich die Füße verbrennt. 65 Grad sind erheblich wärmer, als man glaubt, wenn man plötzlich ben nackten Fuß darauf setzt und ihn nicht schnell genug zurück­zieht!

DieSonntagssette" der Insel, die wohlgeordnete Kurseite mit Badern und Hotels und Pensionen, das ist der Nordteil. In den Städtchen gibt es kleine, hochräderige Wägelchen, bereit Zierde ein großes, gelbes Tuch ist, bas die Sitze bedeckt. In Casa- micciola stehen in den Gewölben im Untergeschoß eines alten Hauses sogar ein paar bejahrte Taxen, die, gut gepflegt und von erstaunlicher Fassungs­kraft, noch immer im Dienst sind. Daß die Pflege fremder Krankheiten und der eigenen Weingärten zusammen ein recht günstiges Rechnungsergebnis bringt, beweist die Tatsache, daß z. B. in Casa- micctola niemand mehr zum Fischfang ausfährt und die Fische für diesen Kurort von Lacco ober Porto d'Jschia herangeholt werben müssen. So ist denn auch teils deshalb, teils infolge des Erdbebens von 1883, dessen Spuren in Gestalt von Häuser­ruinen noch hie und da zu sehen sind, Casamicciola ttotz seiner lieblichen Sage zwischen Weingärten, auf kleinen, von Schluchten getrennten Hügeln der architektonisch am wenigsten reizvolle Ort der Insel. Man kann nicht alles zur gleichen Zeit haben, auch auf Ischia nicht!

DieSonntagsseite" der Insel überhaupt, mit ihren Pinienwäldchen, ihren schonen Villen mit großen Parks, mit der Pracht ihrer Rosen, die schon in der zweiten Aprilhälfte das blasse Lila der Glyzinien ablösen, mittlere, kleine, in allen Schattierungen, blaßrosa, dunkelrot, hellgelb, ist jung, neuzeillich, tüchtig. Die Alltagsseite, die alte, uralte, die immer wieder voller Stolz auf ihre Besiedlung durch die alten Eritreer hinweift, ist die karge, fteilabfallenbe Südseite. Sie ist nicht für jedermann, man muß gut zu Fuß sein, um die Bekanntschaft mit ihr und ihren Schönheiten zu machen. Beide Seiten schließ« lich sind, das tritt jetzt in Kriegszeiten deutlich her- oor> auch volkswirtschaftlich eigenartig. Die Mono­

kultur, die wie die Baumwolle in Aegypten die Ein­seitigkeit in der Bodennutzung herausgebildet hat, ist der Weinbau. Jedes nur irgendwie dafür ge» eignete Fleckchen des fruchtbaren Vulkanbodens ist für den Weinstock erobert und dabei will es die Ironie des Schicksals, daß dieser Wein, der unter Verzicht auf die eigene Getreide- und Gemüsever­sorgung so in den Vordergrund geschoben ist, unter dem Namen der Insel selbst weithin unbekannt ist. Die meisten dieser Weine machen als Cavri-Weine ihre Karriere in der Welt. Das ist volkswirtschaftlich keine Hilfe, aber wenigstens ein Stück ausqleichende Gerechtigkeit.

Oie besten Kreunde.

Bücher sind bessere Freunde als Menschen, denn sie reden nur, wenn wir wollen, und schweigen, wenn wir anderes vorhaben. Sie geben immer und fordern nie. Sie sind die ewig Geduldigen, die Jahre und Jahrzehnte warten können, ohne daß ihre .Ge­danken bitter, ihre Gefühle kühl werden. Sie altern nicht, sie sind nicht launisch, sie haben immer Zett jur uns, wenn wir zu ihnen kommen. In ben Buchern hat jebcr Arme und Einfältige die Mög­lichkeit des Umgangs mit ben erlauchtesten Geistern feines Volkes, mehr noch: aller Völker, mehr noch: aller Zeiten aller Völker! Die Weisheit der Welt ginge verloren, wenn die Bücher verloren gingen, aber auch alle Schönheit der Welt lebt ihr höheres unb geistigeres Leben auf stillen Buchseiten. Die wahre Universität und die wahre Volksschule un­serer Tage ist die Bücherei. Die stillste Kirche mit den erschütterndsten Predigten ist die Bücherei. Und der zauberische Gesundbrunnen immer erneuter Ju­gend, der nie versiegende Heilquell tiefster Genesung ist abermals die Bücherei. Bücher sind die weise­sten Greise, Bücher sind die tapfersten Männer, Bücher sind die mütterlichsten Frauen, Bücher sind die lieblichsten und zärtlichsten Mädchen. Wsr sieben gute Bücher hat, braucht keinen Menschen mehr! Deshalb ist die Erfindung der Buchdruckerkunst das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte,von dem ein Zweiter Teil der Weltgeschichte anhebt* (Goeche). Alle Windungen verblassen neben dieser einen deutschen Tat!

Borries, Freiherr von Münchhausen.