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9.6.1942
 
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192. Jahrgang Nr. 132 Erichelni täglich, außer Sonntags undFeiertags

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Spannungen

Von unserem D. ?

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rom, Ende Mai 1942.

2m allgemeinen stellt man sich unter Innerasien jenen gewaltigen Gebirgsgürtel vor, der von dem Hochgebirge von Armenien östlich streicht über Iran, das Pamirplateau, Himalaya und Tienschan bis lies nach China hinein. Aus den Büchern Sven Hedins weiß man, daß die mittleren Teile dieses Gebirgs­gürtels zu den unwirtlichsten und nur wenig er­forschten Teilen der Erde gehören. Deshalb mutet es merkwürdig an, gerade in bezug auf diese Teile von Spannungen zu sprechen, die in Zusammen­hang stehen könnten, mit dem gewaltigen geschicht­lichen Geschehen, das sich rings um uns herum voll­zieht. Und doch ist dem so aus mehr als einem Grunde. Schon bei flüchtigem Blick auf eine poli­tische Karte Asiens stellt es sich heraus, daß genau auf dem Gebirgsgürtel von Armenien bis Chino die Großmächte Asiens ihre Berüh­rung finden, und zwar im Westen das bri­tische Empire und Rußland allein, wogegen im Osten sich noch Japan zu beiden gesellt. Ver­gegenwärtigt man sich zu dieser äußeren Beob-

in Innerasien.

^.-Berichterstatter.

Sowjetunion verbündeten Briten in den Kern­ländern des Islams in Vorderasien und Nordafrika und nicht zuletzt auch in dem volkreichen Indien, das allein über Mill. Mohammedaner zählt. Dem­gegenüber zeigen sich die Japaner in allen von ihnen eroberten Ländern als Freunde des Islams: Grund genug, den bisherigen Machthabern, den Briten und Russen, gegenüber mindestens eine ge­wisse Zurückhaltung zu üben.

Dann wird die japanische Propaganda nichts unterlassen, bei den mohammedanischen Mongolen an den Seidenstraßen entlang das asiatische Bewußtsein zu wecken und mit allen Mitteln zu fördern. Ihre Streuung ist so überaus günstig, daß mit ihrer Hilfe das eigentliche China von Burma aus geradezu umgangen und zersetzt werden kann, während die nördlichen Seidenstraßen un­mittelbar nach Westen, zu den bedrängten Glau­bensgenossen in Iran, Irak usw. anschließen. Es werden dabei allerdings die wichtigen russischen Baumwollbelange in Turkmenistan, Usbekistan so­wie Ostturkestan empfindlich berührt, aber barüber spricht man zunächst noch nicht. Jedenfalls sind zur

Zeit diese japanischen Ausstrahlungen,- dank der seidenstraße, bis nach Ankara hin zu verspüren. Der nüchterne Türke weiß sie allerdings aus feiner bewegten asiatischen Geschichte zu werten. Dem reli­giösen Moment mißt er auch in diesem Falle eben­sowenig Gewicht bei wie demheiligen Krieg" über­haupt. Warum die staatlich nur dürftig organi­sierten Völker an der Seidenstraße entlang sich jetzt in starker Spannung befinden, bedeutet ihm Ge­heimnis. Vielmehr ist es für ihn die immerwährende Frage nach der Macht!

Die primitiven Völker Innerasiens wittern den Umschwung der Dinge, der sich an ihren Grenzen vollzieht. Sie sehen im Westen England vor Ruß­land zurückweichen, sie hören von den angelsäch­sischen Niederlagen an allen Ecken und Enden da ist es für sie eine Lebensfrage, zur gegebenen Zeit auf der richtigen Seite zu stehen! In ihrer ge­ringen staatlichen Verfestigung sind sie politisch ohn­mächtig. Aber sie beherrschen wichtige Straßen, sie können damit dem Sieger von großem Vorteil sein, und dieser Umstand schließt Gewinne in sich, die so hoch wie möglich geschraubt werden müssen. Eine primitive Moral zwar aber in ihren Auswir­kungen ist sie doch so bedeutsam, daß das Abend­land von ihr Kenntnis nehmen und mit ihr rechnen muß--

achtung einmal die Tatsachen seit dem Eintritt der Sowjetunion und vor allem Japans in diesen Krieg, dann muß man feststellen, daß Innerasien gar nicht mehr so weit von den zeitbestimmenden Ereignissen entfernt liegt. Mindestens muß man begreifen, daß durch das Vorgehen der Sowjetunion in Iran wie durch däs Eindringen Japans in Nordburma die Berührungszone der drei Weltmächte unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Um die Wirkung abmessen zu können, ist es von­nöten, die Landesnatur wie die Geschichte der Be­rührungszone mit ein paar Worten zu streifen. Das Urteil Sven Hedins soll nicht in Zweifel gezogen werden. Die Aufgabe feiner Forschungsreisen war es ja, das Unbekannte des Gebirgsgürtels aufzu­hellen. Praktisch gesehen hieß das, gerade die un­wirtlichsten Teile zu erschließen und die Kenntnis darüber der Wissenschaft wie sonstigen Interessenten zu vermitteln. Die Natur der Dinge brachte es mit sich, daß die bereits bekannten Landschaften und Wege als Ausgangspunkte dienten und infolge­dessen bei der Schilderung nur gestreift wurden Ihre Zahl war aber gar nicht so gering, wie man bei dem Anblick der physikalischen Karte Asiens glauben möchte. Die Geschichte stellt fest, daß schon feit uralter Zeit Verkehrswege von Nordostchina her durch die innere Mongolei, das Tarimbecken, das Pamirplateau, Westturkestan, am südlichen Kaspischen Meer vorbei bis nach Mesopotamien strebten, wo sie Anschluß an den europäisch beein­flußten Handel des Vorderen Orients fanden. Nach dem Hauptausfuhrerzeugnis Chinas trugen diese Verkehrswege die BezeichnungS e i d e n st r a - ß e n". Sie sahen ihren Hochbetrieb in der Zeit des luxusbedürftigen römischen Imperiums im Alter­tum, zum Erliegen ist jedoch der Verkehr niemals gekommen trotz der vielen Kriege und Seuchen, die feine Pfade und breiten Straßen benutzten. Im Grunde sind die Verkehrsmittel sogar dieselben ge­blieben: immer noch tragen Kamel, Pak, Zebu und Elefant die Waren, wenn auch wie in Turkestan, besonders im Tarimbecken, neuzeitliche Autostraßen entstanden sind. Für literarisch Interessierte fei be­merkt, daß man in diesem Gebirgsgürtel wegen feiner Unbeweglichkeit sogar noch mit Vorteil die Reiseberichte des Venetianers Marco Polo (1253 bis 1323) lesen und anwenden kann.

Das Alter der entlang den ostwestlich streichen­den Gebirgszügen gehenden Straßen macht es ver­ständlich, daß diese nicht nur eine wirtschaftliche Rolle spielten, sondern auch eine kulturelle und poli­tische. Damit nähern wir uns der Bedeutung des Gebirgsgürtels für die Gegenwart und lernen die in ihm möglichen Spannungen verstehen. Seine Wefthälfte liegt im Bereich des kulturell wie poli­tisch gleich aktiven Islam. Da dessen Ursprungs- wie erstes Verbreitungsgebiet der breite Stepven- und Wüstengürtel oon Nordafrika bis an die Tore Indiens und Mittelasiens ist, der aber nur über eine unverhältnismäßig geringe Bevölkerung ver­fügt, wird es leicht verständlich, daß die ungeheuren Menschenballungen in Indien. Süd- und Ostasien eine bedeutende Anziehungskraft auf ihn aus- übten. Auf dem Seewege fand der Islam, begün­stigt durch den stetigen Sommermonsum, schnell Zu­gang in Ostindien, in Malakka und auf den Sunda- inseln. Den Weg nach China bahnte er sich entlang der Seidenstraße, und zwar hauptsächlich auf der oben geschilderten durch Innerasien. Daneben aber drang er auch auf dem von Marco Polo auf feiner zweiten Reife nach China benutzten Wege vor, wo­bei er sich des jetzt soviel genannten Jrawadi sowie der heutigen Burmastraße damals auch eine Seidenstraße bediente und so über Iünnan, Szetschwan, Schansi gleichfalls nach Peking ge­langte. Auf den hier genannten Wegen wie in In­dien, China, Malakka und den Sundainseln zählt der Islam heute die aewiß nicht zu unterschätzende Zahl von etwa 135 Mill. Anhängern, das ist die Hälfte seines Gesamtbestandes.

Neuerdings finden sich sogar in Japan einige hunderttausend Mohammedaner. Sie nähern sich damit in schnellem Tempo der Gesamtzahl java­nischer Christen. Beachllich ist, daß die japanische Regierung vor gut einem Jahre vier Religionsge­meinschaften ihre Anerkennung in aller Form aus­gesprochen hat: dem Schintoismus, Buddhismus, dem Christentum und dem Islam? Diese letzte Tatsache bedeutet ein politisches Programm, das in der Führung Asiens durch Japan gipfelt. Eine . wesentliche Stütze zu seiner Verwirklichung soll dabei der Islam bilden unter der Losung: Asien den Asiaten!

Unschwer wird jetzt klar, wie Innerasien mit seinen mohammedanischen Stützpunkten an den Seidenstraßen entlang in Spannung geraten kann. Im Westen zerrt die Sowjetunion an dem mohammedanischen Iran, daß ihm Hören und Sehen vergeht. Nicht viel besser handeln die mit der

Britisches Schnellboot vor -er holländischen Küste beschädigt.

Oer Wehrmachtbericht.

DNB. Aus dem Führerhauptquarlier, 8.3uni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Südabschnitt der Ostsront wurden erneute feindliche Angriffe durch ungarische Trup­pen abgewiesen.

3m rückwärtigen Gebiet des mittleren Zrontabschnittes wurde der Angriff gegen die eingefchlossenen feindlichen Gruppen trotz un­günstiger Wetterlage erfolgreich fortgesetzt.

3m Wolchow-Abschnitt wiederholte der Gegner feine heftigen Angriffe gegen einen stark verteidigten Brückenkopf. Er wurde in harten Kämpfen abgewiesen und erlitt hohe Einbuße an Menschen und Material.

3n Nordafrika dauern die hartewckämpfean.

Erneute wirkungsvolle Luftangriffe wurden gegen die Luft- und Flottenstützpunkte der 3nsel Malta geführt.

An der Südküfie Englands wurde ein

Handelsschiff mittlerer Gröhe durch Bombenwurf beschädigt.

Bor der holländischen Küste hatten Mi­nensuchboote in der Nacht zum 7.3uni Gefechts­berührung mit britischen Schnellbooten. Sie be­schädigten ohne eigene Verluste ein feindliches Boot durch mehrere Artillerietreffer.

Sieben Briten am Kanal abgesckwffen

Berlin, 8. 3uni. (DRV.) Montag nachmittag flog bei leicht bedecktem Himmel ein durch zahl­reiche 3agdflugzeuge gesicherter verband feind­licher Bomber in den Raum von Brügge und O ft en d e ein. Die deutschen 3äger stellten den feindlichen 3agdschuh über der Küste zum Kampf. 3n heftigen Luftgefechten wurden f i e b e n britische Flugzeuge abgefchossen. Die Briten, deren Bomben nur unbedeutenden Schaden angerichtet halten, drehten nach diesen Verlusten in westlicher Richtung ab und entzogen sich in der inzwischen starker aufgekommenen Bewölkung ihren Verfolgern.

Mißerfolg der neuen Strategie Tschiangkaischeks

Tschekiang sollte amerikanische Angriffsbasis gegen Japan werden.

T o k io , 8. Juni. (Europapreß.) Oberst Harushige I w a s a k i, der Leiter der Presseabteilung bei den japanischen Expeditionsstreitkräften in China, äußerte sich über den bisherigen Verlauf der Ope­rationen in der dritten Kriegszone Tschungkings. Der Feldzug in Tschekiang habe enthüllt, daß die Widerstandskraft der Tschungking- truppen seit dem Ausbruch des großoftafiatifchen Krieges merklich nachgelassen habe. Alle Vorbereitungen seien auf japanischer Seite für eine V e r n i ch t u n gs s chl a ch t gegen die starken geg­nerischen Kräfte in der Umgebung von Ts chu- t schau getroffen. Der Sprecher hob die Schnellig­keit der japanischen Operationen hervor, die in we­nigen Tagen wichtige strategische Plätze, wie Klnhwa und Tschutschau, ttotz widrigster Wetteroerhältnisie und jahrelanger feindlicher Be­festigungsarbeiten bezwungen hätten.

Die strategische Bedeutung der Einnahme von Tschutschau durch die japanischen Truppen geht aus einer Beschreibung hervor, die der Front­berichterftatter vonAsahi" von dem dortigen Flugplatz gibt. Der Berichterstatter stellt fest: Dieser Flughafen war die Basis der Vereinigten Staaten und Tschiangkaischeks für die von ihnen geplanten Angriffe gegen Japan. Er hatte eine 1,8 Kilometer lange und 50 Meter breite Startbahn, deren Fertigstellung während des Früh­jahrs durch die Heranziehung von mehreren tau­send Bauern und Landarbeitern beschleunigt wurde. Die Flugzeughallen mojen 2 Kilometer von der Startbahn entfernt in einem Tannenwald versteckt, von dem eine 50 Meter breite Straße zum Flug­platz hergestellt worden war, auf der schwere Bom­ber durch Traktoren befördert werden können. Der Eingang der riesigen unterirdischen Flug­zeughallen war durch ein neuangelegtes Kiefern­wäldchen getarnt und durch starke Betonmauem gesichert.Die Träume des Feindes^, so schreibt der Berichterstatter weiter,der von hier aus die Bomber vom Northamerican- und 8-40-Typ direkt gegen Japan starten wollte, sind nun zunichte gemacht worden. Die Scheinwerfer- und anderen Anlagen des Flugplatzes sind sämtlich zerstört wor­den, ehe der Gegner eine einzige Gelegenheit fand, sie zu benutzen."

Die Kämpfe um Tschekiang zeigen immer deut­licher das Bild der neuen Strategie Tschungkings. Mehrmals schon haben japa­nische Frontberichte erwähnt, daß die japanischen Truppen auf ihrem siegreichen Vormarsch schwer befestigte Bunker st ellungen überwinden mußten. So war auch Tchutschau von einem dreifachen Bunkerring umgeben. Diese starre Verteidigung von Positionen, die weit von dem in Westchina liegenden Kriegszenttum Tschiang­kaischeks entfernt sind, widerspricht der bisherigen Strategie Tschungkings, unter Ausnutzung des Raumes elastischen Widerstand zu leisten, eine feste

Linienführung zu vermeiden und die chinesischen Armeen bei dem japanischen Vormarsch in kleine Kampfgruppen aufzulösen. Das erst im letzten Som­mer erbaute Stellungssystem Tschekiangs zwang die militärische Führung Tschungkings, viel stärkere Kräfte dort zll versammeln als je zuvor. So er­wähnt der Frontbericht vonAsahi" in Zentral- china 15 chinesische Divisionen, was selbst unter Be­rücksichtigung der ungleichen Stärke der Tschung- kingdivisionen eine beträchtliche Streitmacht dar­stellte. Diese ist jetzt durch die japanische Zangenope­ration aus dem Osten von Tschekiang und aus Nantschang schwer bedroht. Ihre Zersprengung würde wegen des unvermeidlichen Verlustes an Kriegsmaterial für das von jeder Materialzufuhr abgeschnittene Tschungking einen schweren Schlag bedeuten. Man schreibt die schon jetzt sich als Fehl­schlag erwiesene neue Strategie Tschiangkaischeks dem nordamerikanisch en Einfluß zu, der an Stelle der bisher erfolgten Strategie des weiten Raumes ein offensives Vorgehen von Tschiangkai- schek verlangte. Die in Tschekiang versammelten chinesischen Offensiv-Truppen waren nach japa­nischer Ansicht gegen die japanischen In­seln selber gerichtet, da das Befestigunassystem Tschekiangs die dort errichteten nordamerikanischen Flugplätze decken sollte.

Eine sechste Front.

Schanghai, 8. Juni. (Europapreß.) In China wurde eine neue sechste Front eröffnet, teilt ein Kommunique der Tfchungking-Regierung mit. Japanische Kolonnen überquerten vonderInne- ren Mongolei her den Gelben Fluß und dran­gen in die Oroz-Ebene, innerhalb des nördlichsten Bogens des Gelben Flusses, ein. Der japanische Vorstoß begann von Paotau, einer Stadt der innermongolischen Provinz Suiyuan. Die anderen fünf Fronten, so erklärte man in Tschungking, an denen gegenwärtig schwere Kämpfe stattfinden, sind Tschekiang, Pünnan, Kwangtung, Kiangsi und Hopei. Die Gesamtsituation für Tschungking ist zweifelsos sehr ernst geworden, da die Wiederherstellung der Verbindung mit der Außenwelt durch den Bau neuer Straßen nur teilweise zu lösen ist. Um Tschungking wirklich Hilfe bringen zu können, muß die Herrschaft in der Luft erreicht werden und Rangun wieder in der Hand der Alliierten sein." Diese Ansicht wurde von militärischer Seite in Tschungking geäußert. 2(m empfindlichsten macht sich für die Tschungking-Chinesen derMangelan Flugzeugen bemerkbar: ebenso fehlt es an motorisierter Ausrüstung und Schnellfeuergeschützen.

30 000 Tschungkrng-Soldaten bei Tsungjen umzingelt.

Tokio, 9. Juni. (DNB. Funkspruch.) Von der Kiangsi-Front sind 30 000 Tschungking-Sol-

Wo lagen die Schlüssel?

Von Dr. Paul Rohrbach.

Vor bald zwanzig Jahren, Oktober 1923, schrieb ich in einer für amerikanische Leser bestimmten Veröffentlichung (Reports from Germany):Die Lage in Europa ist verwickelter als jemals während des letzten Jahrhunderts, aber sie ist trotzdem ein­fach zu begreifen, wenn man weiß, w o die Schlüffe! liegen. Zwei von den Schlüsseln, die man zu ihrem Verständnis braucht, sind in Eng­land und Frankreich zu finden, und ein dritter, mit dem die Probleme zu lösen sind, in Amerika." Dann fuhr ich fort: x

Am 8. Februar 1923 wurde dem König und der Königin von England ihr erster Enkel geboren. Dazu schrieb Mr. Arthur Brisbane, einer der her­vorragendsten amerikanischen Schriftsteller, in den Hearst-Zeitungen:Möge er leben, gedeihen und aufwachsen zu einem guten Demokraten, fähig, mit den Veränderungen fertig zu werden, die es geben wird, bevor ihm sein kleiner Schnurrbart wächst. Sein 21. Geburtstag wird die englische Schlacht­flotte so veraltet finden, wie ein handsom-cab (alte Londoner Pferdedroschke). Englands insulare Sicher­heit wird dann überhaupt keine Sicher h e i t mehr fein. Flugmaschinen kümmern sich nicht um den englischen Kanal, und bald genug werden sie sich ebenso wenig um den Atlantischen oder den Stillen Ozean kümmern."

Dieser Amerikaner hat den englischenSchlüssel" merkwürdig richtig gesehen. Neben unfern Unter« feeboten sind es heute unsere Flugzeuge, die Englands Schlachtflotte im Hafenschutz festhalten, und welch eine Rolle die japanischen bisher gegen die Flotten Englands und der Vereinigten Staaten im Stillen Ozean gespielt haben, wird in London wie in Washington sobald nicht vergessen werden. Auch Norwegens atlantische Küstengewässer haben mehr als eine Katastrophe englischer Kriegsschiffe durch deutsche Flieger gesehen.

Der Wendepunkt im Verhältnis zwischen Luft­waffe und Schlachtschiff lag in dem nicht zum be­waffneten Austrag gekommenen italienisch-englischen Konflikt wegen Abessiniens. Während des Welt« krieges waren Italiens Küsten tatsächlich so gut wie wehrlos gegen eine überlegene feindliche Flotte. Daß darnach aber die Eroberung Abessiniens trotz aller englischer Drohungen durchgeführt wer­den und die italienischen Schiffe mit Truppen und Kriegsmaterial ohne Gefahr den in englischer Hand befindlichen Suezkanal burd) fahren konnten, rührte daher, daß der Duce unmißverständlich erklärt hatte, gegen englische Gewaltmaßnahmen werde die ita­lienische Luftwaffe eingesetzt werden. Da­mals hatte es noch keinen Kampf zwischen Schlacht­schiff und Flugzeug gegeben. England riskierte die Probe nicht und beschränkte sich auf Unfreundlich­keiten auf dem Wege über den Völkerbund, wie die Warensperre gegenüber Italien, die sich als Waffe ohne genügende Wirkung erwies. Der jetzige Krieg hat nun die damals vermiedene Probe gebracht, und sie ist für England bitter genug ausgefallen. Der Amerikaner Brisbane mag sich auf feine Vorhersage etwas einbilden auch wenn er nicht geahnt hat, daß die Schlachffchiffe seines eigenen Landes durch Luftangriffe noch härter mitgenommen werden würden, als die Englands.

Der zweite, damals in Frankreich zu suchende Schlüssel der Lage von 1923 war die weitgehende Ueberlegenheit der französischen Irugwaffe über die englische. Frankreich war diejenige Macht, die am rückhaltlosesten aus dem Weltkrieg die Hehre ge­zogen hatte, daß Flugzeuge unter bestimmten Um­ständen kriegsentscheidend werden könnten. 5000 französische Flugmaschinen, mehr als dovpelt so viel, als England hatte, beherrschten den Kanal bedin­gungslos, und solange dies Verhältnis bestand und keine anderen Faktoren von Gewicht auftraten, ge­nügte es, um England, wenn auch mit steigendem Mißbehagen, im Schlepptau der franzö­sischen Politik sestzuhalten. Sie hatte sich das Ziel gesetzt, auf dem Festland von Europa schlecht­hin zu dominieren, und im Grunde war es erst das unsinnige Experiment der sozialistisch-kommu­nistischen Volksfront, in Verbindung mit der reißend anwachsenden Finanzkrise, die das französische Selbstgefühl so stark erschütterte, daß Frankreichs Machtwille zusammensank. Damals wutde von pol­nischer Seite in Paris die Frage gestellt, ob Frank­reich der beginnenden Ausrüstung Deutschlands ohne Gegenmaßnahmen zusehen wolle? Die Ant­wort war ein müdes Achselzucken: Es wird damit wohl so gefährlich nicht werden!

Der amerikanische Schlüssel für die damalige Lage bei der Frage des nicht gefaßten! Entschlus­ses, das zweifellos vorhandene materielle lieber« gewicht der Vereinigten Staaten während des ersten Jahrzehnts nach dem Weltkriege zur Heilung der durch die Friedensdiktate unter Frankreichs Füh­rung geschaffenen, auf die Dauer unmöglichen euro­päischen Zerrissenheit zu benutzen. Wenn die USA. damals eine Regierung von großem politischen For­mat besessen hätten, einen zweiten Abraham Lin-

baten, die in dem überschwemmten Sumpf land südlich des Poyang-Sees kämpfen, durch motorisierte Einheiten der Javaner umzingelt wor­den. Diese besetzten im Vorstoß nach Süden Tsungjen, 95 Kilometer südlich Nanffchang, während andere schnelle Kolonnen in südöstlicher Richtung eine Umfrssungsbeweguna ausführten und bis I h w a n g , 35 Kilometer südöstlich. Tsungjen, vormarschierten.

Oie ersten USA.-Großbomber an der Burma-Front abgeschoffen.

Tokio, 9. Juni. (DNB. Funkspruch.) Elitever­bände der japanischen Luftwaffe vereitelten die Ab­sichten des Feindes, japanische Stützpunkte in Burma anzugreifen. Sie schossen zwei Flugzeuge vom BaunnffterBoeing 17" in der Nähe eines Flugplatzes in Burma ab. Es sind dies die ersten amerikanischen Großbomber, die <m der Burma- Front vernichtet worden sind.