Ein weiterer Gießener Ritterkreuzträger.
fen auf britische Flugfkühpunkke und Elsenbahnzkele im nordägyptischen Raum wurde am 5. März ostwärts Marsa Matruk auch ein großes Frachtschiff durch Bombenwurf beschädigt. Auf Malta erzielten deutsche Kampfflugzeuge Bombenvolltreffer schwersten Kalibers in der Zitadelle und auf Schiffs- Uegeplähe des Hafens La Valetta. Wenigstens zwei Unterseeboote wurden schwer beschädigt.
Aach der Offensive Rommels.
Deutsche Panzer in der Verfolgung.
Berlin, 7. März. (MB.) Bei der Verfolgung der geschlagenen Briten nach der siegreichen Offensive des Generalobersten Rommel in Nordafrika hat sich ein deutsches Panzerregiment besonders ausgezeichnet. Als der Feind von El Aghelia über Agedabia nach Nordosten zurückgeworfen worden war, stieß es nach einem Marsch von zehn Kilometer auf starke britische Kräfte, die es züm Zurückweichen zwang. In ununterbrochenem Kampf gegen den Feind, der immer neue Widerstandslinien aufzubauen versuchte, legte das Panzerreaiment in drei Stunden 55 Kilometer zurück. Die Nachhuten der Briten wurden überrannt, in Stellung gebrachte Batterien nach kurzem Feuerkampf genommen und feindliche Panzerkampfwagen zusammengeschossen. Infolge des schnellen britischen Rückzuges gelang es den deutschen Panzern, tief durch die zahlenmäßig überlegenen britischen Kräfte vorzustoßen und sie immer wieder zurückzutreiben. Artillerie und Kradschützen wehrten unterdessen seitliche Angriffe ab, wobei allein in der linken Flanke des Panzerregiments über 1000 britische Fahrzeuge abgeschnitten wurden. Am Ende dieser dreistündigen Verfolgung hatte das deutsche Panzerregiment den Rückzug des Gegners in regellose Flucht gewandelt. Der 40 Kilometer hinter der vorderen Linie liegende Stab der ersten vritischen Panzerdivision mußte Hals über Kopf fliehen. Auf dem Flugplatz Msus fielen dem Pan- Äerregiment 12 startbereite britische Flugzeuge in die Hände. 85 Panzerkampfwagen, 46 Geschütze sowie ungeheuere Mengen an Waffen und Gerät wurden als Beute eingebracht.
Nie Ll-Booimänner von Pearl Harbour.
Tokio, 7. März. (DNV.) Die japanische Presse würdigt die Heldentaten des Spezial-Angriffskorps der japanischen Marine in Pearl Harbour. Der erst 26 Jahre alte Kapitänleutnant I w a s a , Führer der Flottille, sagte in seinem Abschiedsbrief: Meine Entschlossenheit zur Erfüllung dieser wichtigsten Aufgabe ist unerschütterlich. Die Spannung hat ihren Höhepunkt erreicht, Japan steht vor einer wichtigen Entscheidung. Um den Weg für das japanische Volk zu öffnen, muß ich meine Tat vollbringen. Falls ich meine Aufgabe nicht erfüllen könnte, müßte ich wegen Untauglichkeit abgesetzt werden. Der jüngste Teilnehmer, der 23 Jahre alte Leutnant zur See H i r o o , schrieb bei seinem letzten Urlaub: Meine Familie und Bekannten sollen nicht von meinem Opfer wissen. Sie alle glauben, ich hätte heute gewöhnlichen Urlaub. Ich will und muß für das Vaterland und die Entwicklung unseres Kaiserreiches mein kleines Ich wegwerfen und im großen Ich fortleben.
Der Sprecher der Marine, Kapitän Hideo Hi- roido, gab über den Rundfunk eine ausführliche Schilderung der Tat, wie wir sie schon berichtet haben. Der Sprecher schloß, ich möchte mit besonderem Nachdruck auf den ungeheueren Einfluß Hinweisen, den Japans Mütter auf diese bewundernswerte Geisteshaltung ihrer Söhne ausüben. Jeder dieser neunköpfigen todesmutigenSchar war bekannt für seine Mutterliebe und dafür, daß es zu seinen glücklichsten Augenblicken gehörte, wenn er für einige Tage heimkehren und diese Zeit zusammen mit seiner Mutter verbringen konnte. Wir Müssen diesen Müttern höchste Bewunderung dafür zollen, daß sie ihre Söhne in diesem Heldengei st e erzogen haben. Ohne die unsagbaren und stillschweigenden Opfer, die sie für ihre Söhne brachten und heute noch bringen und ohne ihre große Kindesliebe könnte Japan niemals Helden fein eigen nennen wie diese neun U-Boot- männer von Pearl Harbour.
Meine politische Nachrichten.
Der Führer beförderte den General der Flieger Jeschonnek in Anerkennung feiner Verdienste als Chef des Generalftabes der Luftwaffe zum Generalobersten.
Der Führer beförderte den Oberbefehlshaber einer Armee General v. M a n ft e i n in Würdigung feiner Verdienste um die Eroberung der Krim und die anschließenden Abwehrkämpfe zum Generalobersten.
Aus der Stadt Gießen.
Reichseinheitliche »Verpflichtung der Jugend".
Der 22. März 1942 ist für die neue deutsche Jugenderziehung ein Tag von besonderer Bedeutung. Zum ersten Male wird zu diesem Termin reichsein- heitlich die Verpflichtung der Jugend" durchgeführt mit der Maßgabe, daß von nun an alljährlich in gleicher Weise die 14jährigen Jungen und Mädel diesen Wendepunkt ihres Lebens' würdig begehen werden.
Unter den drei Feiertagen der Jugend, die die nationalsozialistische Bewegung geschaffen hat — Aufnahme der 10jährigen in Jungvolk und Jungmädelbund, Verpflichtung der 14jährigen bei Ueber- nahme als Jungen und Mädel der Hitler-Jugend, Ueberweisung der 18jährigen in die Partei und ihre Erwachsenen-Formationen — wird in Zukunft die Verpflichtung der Jugend sogar die Vorrangstellung einnehmen, oenrt sie umfaßt zugleich den entschei-
Verdunkelungszeit:
9. März von 20.14 bis 7.20 Uhr.
denden Lebensabschnitt der Schulentlassung und des Berufseintritts. Ein ganzer Jahrgang 14jähriger Jungen und Mädel schließt damit die eigentliche Kindheit ab. In einer der Bedeutung dieser Tatsache entsprechenden Form soll deshalb zu diesem Zeitpunkt die Jugend in die weitere Gemeinschaft übernommen werden. Während bisher die Schulentlassung und der Berufseintritt ein Nebeneinander verschiedener Feiern mit sich brachte, wird von jetzt ab in steigendem Maße die reichseinheitliche „Ver- .pflichtung der Jugend" zur führenden und alleinigen Feier für den 14jährigen jungen Deutschen werden. Demgegenüber wird die Schulentlassung in Form einer persönlichen Verabschiedung des Lehrers von einer LA affe, der Berufseintritt durch eine interne Begrüßung im Rahmen des Betriebes erfolgen.
1942 gelangen zur Verpflichtung sämtliche 14M- rigen Jugendlichen, außer den von der Jugend- dienftpflicht Zurückgestellten, Befreiten, Ausgeschlossenen und den Bereitgestellten. Der Verpflichtung ging eine weltanschauliche Vorbereitung voraus, deren Themen waren: „Adolf Hitler, Lebenslauf und Persönlichkeit", „Inhalt und Bedeutung der Verpflichtungsformel" und „Der deutsche Jungarbeiter bzw. die deutsche Jungarbeiterin". Bei dem letzteren Thema sind u. a. behandelt worden die Weckung einer guten Arbeitsgesinnung und des Willens zur Leistung sowie praktische Hinweise zu Lehrvertrag, Arbeitsverhältnis, Urlaub, Difziplinarverhältnis usw.
Am Vorabend der Derpflichtungsfeiern, am Samstag, 21. März, werden nach Möglichkeit festliche Aufführungen des Deranstaltungsringes stattfinden, die für die beteiligten Eltern und Jugendlichen kostenfrei sind. In den Städten kann es sich um Schauspiel, Oper oder Konzert, Dichterlesungen oder Filmstunden handeln, während auf dem Lande die Sviel- einheiten mit Chören, Orchestern und Laienspielgruppen verteilt werden sollen. Der Rundfunk wird Abschnitte aus der Hauptveranstaltung der Ver- pflichtungsfeier, am 22. März in Berlin, mit einer Ansprache des Reichsjugendführers Artur Axmann, übertragen. Die NSDAP, unterstreicht die Bedeutung des Tages durch maßgebliche Einschaltung ihrer Hoheitsträger. Die Einzelfamilie kann vieles zur individuellen Ausgestaltung beitragen, indem sie z. B. ihre besten Geschenke anläßlich der Derpflich- tungsfeier macht und anschließend an den offiziellen Akt' mit Verwandten im Familienkreise festlich zusammenkommt.
An den eigentlichen Verpflichtungsfeiern am 22. Mörz nehmen außer den Eltern besonders geladene Gäste aus der gesamten Bewegung, den Schulen und Betrieben teil. Die Feier folge steht, umrahmt von Musik, Chören und Sprechern, eine Ansprache des Hoheitsträgers, die Verabschiedung der Schul- entlassenen durch den Schulleiter, die Verabschiedung durch den Jungvolkführer und die Uebernahme durch den HJ.-'Führer vor. Gemeinsam sprechen die 14- jährigen die Verpflichtungsformel: „Ich verspreche, in der Hitler-Jugend allzeit meine Pflicht zu tun, in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne."
Wieder Zeldpostbrirfsendungen bis 100 Gramm
Im Feldpostverkehr sind vom 9. März 1942 ab wieder private Feldpostbriefsendungen bis 100 g zugelassen. Da der Transport dieser Art von Sendungen längere Zeit beansprucht, wird jedoch empfohlen, wichtige Mitteilungen nur in gewöhnlichen 1 Feldpostbriefen bis zu 20 g zu versenden.
Im „Gießener Anzeiger" Nr. 39 vom 16. Februar berichteten wir, daß der Führer neben anderen Offizieren auch den Oberstleutnant Alexander M o e ck e l, Kommandeur eines Infanterie-Regiments, durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet hat.
Hierzu wird uns von einem zur Zeit im Felde stehenden Gießener Offizier, der mit Oberstleutnant Moeckel durch Schulkameradschaft verbunden ist, mit» geteilt, daß es sich bei Oberstleutnant Alexander Moeckel um einen geborenen Gießener handelt. Der neue Ritterkreuzträger wurde am 25. 3.1896 in unserer Stadt geboren, wo sein Vater Sekretär bei der Stadtverwaltung war. Er besuchte das Gießener Gymnasium, um nach der Kriegsreife
prüfung am 5. 8. 1914 als Fahnenjunker in das Jnf.-Regt. 88 in Mainz einzutreten. Schon im Weltkrieg erwarb sich der 1915 zum Leutnant Beförderte beide Eiserne Kreuze. Infolge des Versailler Diktates nach Kriegsende aus dem Heer ausgeschieden, wurde er im Jahre 1934 als Hauptmann in die nationalsozialistische Wehrmacht auf genommen. Nach verschiedenen Verwendungen wurde er vor einiger Zeit mit der Führung eines Regiments betraut. In dieser Stellung wurde der tapfere Offizier, der sich von Jugend auf mit großer Strenge und Zielstrebigkeit dem Soldatenberuf widmete, nun durch Verleihung des Ritterkreuzes ausgezeichnet. Die Eltern des verdienten Offiziers find während des ersten Weltkrieges in Gießen verstorben.
Kür Tapferkeit vor öem Heinde.
Der Gefreite Ludwig Benner aus Wieseck, Grabenstraße 32, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde bei den Kämpfen eines Infanterieregiments im Osten mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Oer »Tag der Wehrmacht" im KriegS-WHW. 1941/42.
Auch im Rahmen des Kriegs-WHW. 1941/42 wird wieder ein „Tag der Wehrmacht" durchgeführt, wie sich aus einer Verfügung des OKW. ergibt. Als Termin wurden der 28. und 29. März 1942 bestimmt. An diesen Tagen werden eine Strahen- jammlung und das öffentliche Eintopfessen in den Kasernen durchgeführt. Bei der Straßensammlung werden drei Abzeichen aus Zink — nach Entwürfen von Professor von Arent — und durch die Gau- beauftragten zusätzlich beschaffte Abzeichen verkauft. Es sammeln die Gefolgschaften der Wehrmacht, also ihre Angestellten und Arbeiter, weiter die Mitglieder der NS.-Kriegsopferversorgung, des NS.-Neichs- kriegerbundes, des NS.-Marinebundes, des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten und des Deutschen Roten Kreuzes. Außerdem sammeln Soldaten an den Stellen außerhalb der Kasernen und militärischen Liegenschaften, an denen Waffen der Wehrmacht oder Beutestücke zur öffentlichen Anstellung kommen. Ferner ist die Abgabe eines markenfreien Eintopfessens zum Preise von 0,50 RM. wieder vorgesehen, das wie immer, durch Einsparung von Verpflegungsmitteln gewonnen wird. Auf die gleiche Weise wurde es ermöglicht, auch Kaffee in Tassen abzugeben. Im Rahmen des Eintopfessens, das in diesem Jahre stärker als früher in den Kasernen ftattfinben wird, können abermals, wie in den Vorjahren, Musikkorps und Soldatenchöre eingesetzt, ferner Kleinkaliberschießen, Reiten der Zivilbevölkerung, Besichtigung der Unterkunft, dabei Vorführung von Lehr- und Anschauungsfilmen der Wehrmacht usw. veranstaltet wörden.
Für unsere VerwUUdeten.
Das Oberkommando der Wehrmacht veranstaltete durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" einen bunten Nachmittag in einem Lazarett. Die Tänzerin Gretel Schubert brachte in Spitzentanz, Step und Gymnastik gute Kunst. Rosel Dorsch erfreute als Soubrette mit bekannten Operettenliedern. Musikstücke und Lieder auf dem Akkordion zeigten Helma Keß als Künstlerin aufihrem Instrument. Kapellmeister Sonder-Mahnken hatte die musikalische Untermalung übernommen, brachte auch eigne Kompositionen durch Lieder am Klavier. Die besonders schönen Darbietungen des Musikalclowns Emil Kemp-Arnoldi bereiteten viel Freude. Emil Schäfer sorgte als Humorist für Stimmung und sprach die verbindenden Worte. Reicher Beifall belohnte die Künstler.
Im Auftrage der Kreisbildstelle zeigte Lehrer Appel mann in drei Lazaretten verschiedene Filme. Eine Bärenjagd in den Karpaten und eine Fahrt zum Wetterwart auf der Zugspitze waren lehrreich. Der Puppenfilm „Tischlein deck dich" war recht lustig. Reicher Beifall wurde dem Veranstalter zuteil.
Sparsamkeit im Gasverbrauch.
Der Krieg verlangt haushalten vor allem mit Rohstoffen. Dazu gehört an erster Stelle die Kohle; aus ihr wird auch das Gas erzeugt. Gas ist als veredelter Brennstoff für die wichtigsten und kriegsentscheidenden Industrien unentbehrlich. Hier wird es heute mehr als vor dem Kriege gebraucht und muß deshalb in erster Linie dafür vorbehalten bleiben. Uebersteigerte Anforderungen des Haushalts gefährden die Versorgung der Rüstungsindustrie. Daher kann dem Haushalt Gas nicht unbegrenzt zur Verfügung gestellt werden. Wenn jede
Hausfrau sparsam mit Gas umgeht, hilft sie mit, die Nüstungsbetriebe voll zu versorgen, so daß diese alle Anforderungen, die an sie gestellt werden, erfüllen können. Darum beachtet folgende Regeln beim Gasverbrauch im Haushalt:
1. Stelle die Gasflamme am Gasherd so ein, daß die Flamme nicht über den Boden der Kochtöpfe herausschlägt!
2. Mache von der Möglichkeit, Töpfe übereinanderzustellen, weitestgehend Gebrauch (Turmkochen).
3. Aus jeden Kochtopf gehört ein Deckel.
4. Halte Gasgeräte sauber, reinige die Gasbrenner so oft wie möglich.
5. Achte auf straffe Gasflamme. Flackernde Gaslammen zeigen an, daß der Brenner nicht in Ordnung ist. In diesem Fall wende dich an das Gaswerk.
6. Die Benutzung von Gaskochern und Gasbratöfen zum Heizen der Räume ist eine Verschwendung von Gas; eine richtige Durchwärmung der Räume kann damit doch nicht erzielt werden.
Darum: Wer Gas spart, dient der deutschen Wirtschaft.
Artilleristeu-Kameradschast 1895.
Am gestrigen Sonntagnachmittag hielt die Ar- tilleristen-Kameradschaft 1895 Gießen bei starker Beteiligung ihrer Mitglieder ihren Jahreshauptappell im Hotel Köhler ab. Kameradschaftsführer Müller gedachte zunächst der Kameraden an der Front und der Gefallenen des jetzigen und des ersten Weltkrieges sowie der im letzten Jahre verstorbenen Angehörigen der Kameradschaft mit herzlichen Worten des Gedenkens. Dann wies er erneut auf die Pflichten der alten Soldaten im Dienste der Heimatfront hin, die hier mit allen Kräften zur Erringung des deutschen Sieges beizutragen haben. Aus dem von dem stellv. Schriftführer Kamerad Faber erstatteten Jahresbericht war eine rege Tätigkeit der Kameradschaft im verflossenen Jahre zu ersehen. Ferner ging daraus heraus, daß die Verbindung mit den im Felde stehenden Kameraden und Kameradensöhnen auch im Berichtsjahre durch Uebersendung der Reichskriegerzeitung, von Liebesgabenpäckchen, insbesondere zu Weihnachten usw. sorgsam gepflegt wurde. Von den Kameraden bet der Wehrmacht gingen fortlaufend Briefe und Karten als Bekundung ihrer Verbundenheit mit den alten Soldaten in der Heimat ein. Die Arbeit der Kameradschaft war auch im Berichtsjahr nur auf die Pflege der soldatischen Tradition und der Kameradschaft ausgerichtet, von festlichen Veranstaltungen wurde selbstverständlich Abstand genommen. Hie Rechnungslegung des Rechners Kamerad Stephan zeigte, daß die Kameradschaft ihren Aufgaben auch in finanzieller Hinsicht gerecht geworden ist und die Kassenoerhältnisse gesund sind. Der Kameradschaftsführer sprach dem Schriftführer und dem Rechner für ihre Mühewaltung und sorgsame Arbeit den herzlichen Dank der Kameradschaft aus. Sodann wurde Kamerad Müller durch eine einstimmige Kundgebung der Kameraden auch für das neue Jahr das Vertrauen ausgesprochen, gleich» zeitig wurde ihm herzlicher Dank für feine bisherige erfolgreiche Führung der Kameradschaft zum Ausdruck gebracht. Der Kameradschaftsführer bestätigte die bisherigen Mitglieder der Führung erneut in ihren Aemtern und bestellte den Kamerad Haas zum Schriftführer an Stelle des Kameraden F a - der, der dieses Amt bisher nur vertretungsweise neben seinen Aufgaben als Fechtwart mit versehen hatte. Nach Erledigung einiger kleinerer Angelegen-
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Der feurige Ofen
Roman von Hans von Hülsen
84 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Am zweiten Sonnabend im März, einem Tag voll ungestümer Regenböen, traf sie zufällig mit Abbeg zusammen. Er bewohnte immer noch, wie er ihr damals am runden Tisch erzählt hatte, gar$on» mäßig seine beiden Zimmer in der Kreisstadt, bis die Direktorvilla unter Dach und Fach wäre, und fuhr jeden Morgen nach der „Sophienau" hinaus.
Marion stand vor dem Fenster eines Kürschners, mit verliebten Blicken einen Blaufuchs betrachtend, als sie hinter sich ihren Namen nennen hörte. Sie wandte sich um und mußte sich gewaltsam beherrschen, da sie Abbeg erblickte: im dicken Ulster, den Kragen hochgestellt, den Bambusstock über den Arm gehängt. Es war das erstemal seit jenem Dresdener Abend, daß sie ihn allein sah und sprach; sie war etwas befangen, spielte die Befangenheit aber sogleich weg:
„Oh, Direktor! Sie sind's!"
„Nur ich, Frau Baronin. Und, wie immer, Ihr ergebenster Diener." ».
„Woran ich nicht zweifle!", lachte sie.
„Nach den Proben von Ergebenheit, die ich mir ständig ab ringe,« nicht wahr?" Er reichte ihr die Hand, hielt die ihre fest: „Mein Kompliment, Manion. Sie spielen Ihre Doppelrolle ausgezeichnet, das ist mein Eindruck. Halb Frau Baronin im Schloß und allem Heil, halb Theater — entschieden eine pikante Mischung in dieser im übrigen etwas triften Gegend ..."
„Ja, da haben Sie recht, Abbeg. Was die Gegend betrifft. Und nicht einmal so sehr die Gegend, als die Leute. Sie haben sich neulich gewiß gelangweilt unter diesen Damen?"
„Kann ich nicht sagen. Ich langweile mich überhaupt nie. ,Wo ihr's packt, da ist es interessant'. Ich habe meine Studien gemacht. Jagd auf Physiognomien — immer fesselnd. Und dann hatte ich ja mein diabolisches Spezialvergnügen, wie gesagt, an Ihrer Doppelrolle ..."
Er ging, ohne gefragt zu haben, an ihrer Seite die Straße hinab. Der Regen klatschte ihnen ins Gesicht. Vor dem Hotel „Landskrone" hielt er inne:
„Das beste Casö am Platz- Marion. Sogar mit Musik! Allerdings: ,Nie sollst du mich befragen*. Genehmigen Frau Baronin ein Schälchen Braun mit mir?"
„Danke — das ist eine Idee! Ist ja wirklich ein fürchterliches Wetter. — Fabian habe ich ins ,Weiße Roß' geschickt, da trinkt er ein Münchner, ja, das ist (eine stille Liebhaberei, ich hab's aus ihm heraus- gefragt ..."
Wenige Minuten später saßen sie, aus ihren nassen Mänteln gewickelt, an einem der Marmortischchen hinter der in halber Höhe von einer Gardine verhüllten Spiegelscheibe. Nur ein Dutzend Tische waren besetzt. Auf dem kleinen Podium mühte sich eine Kapelle mit allerlei Schlagern ab, unter denen Marion alsbald etwas aus der „Donaunixe" erkannte. Leise summte sie die Melodie mit.
„Also, mal alle Ironie beiseite und in vollem Ernst gesprochen, Marion —", fing Abbeg an: „Wie gefällt Ihnen das neue Leben? Alle Erwartungen erfüllt, wie? Oder gar übertroffen? Gar keine Sehnsucht zurück? — Verzeihen Sie diese vielen Fragen einem, der immer auf Ihr Wohl bedacht ist ..."
„Lieb von Ihnen, Abbeg, daß Sie das sagen. Ich hör' es gern. Und fast glaube ich's selber."
„Ja? Glauben Sie's endlich?"
„Seit neulich Abend."
„Nicht seit Dresden? — Ich dachte. — Marion, verge sen Sie nicht, was ich Ihnen damals in Dresden sagte: es liegt alles in Ihrer kleinen schönen Hand. Jeder Mensch hat sein Schicksal allein in der Hand. Und erlauben Sie mir, zu bewundern, wie
fest Sie bisher das Steuer halten. Der Baron Fehr liegt Ihnen ganz offensichtlich zu Füßen — ich habe mir das Vergnügen gemacht, ihn zu beobachten, feine Augen, die Blicke, mit denen er an Ihnen hing, als Sie sangen ... das ist Liebe."
„Seien Sie nicht so abscheulich ironisch. Keine Silbe gegen Fehr, Abbeg! Er ist mir wirklich in einem Grade ergeben, daß es mich manchmal direkt rührt — weil ich's gar nicht verdiene, wie niemand besser weiß als Sie! — Und ich finde es, um nur ein Beispiel zu nennen, großartig, mit welcher männlichen Gelassenheit er alles trägt, was er sich um meinetwillen aufgebuckelt hat ..."
„Die Sache mit der Tochter, meinen Sie? Ich habe davon gehört — man yört hier ja alles. Frau Doktor Wulflarn, geborene Baronesse Fehr ... Habe sie übrigens auch mal gesehen, in ihrem Wagen — eine rassige Person! Wissen Sie, so ’ne Existenz wie die ihre, traditionslos, ganz auf sich gestellt, aus freiem Entschluß ergriffen und gegen alle Widerstände durchgepaukt, die imponiert mir im Grunde mehr als die ganze Schloßromantik! — Haden Sie mal wieder von Ihrem Vater gehört, Marion?"
„Nichts. — Gott sei Dank!"
„Aber ich habe den Vorzug. Ja, er beehrt mich von Zeit zu Zeit mit seinen Sendschreiben. Fulminante Briefe — wenn er mich auch nicht mehr über den Haufen schießen will. Im Gegenteil ..."
,Hch sagte Ihnen ja: er ist nicht ganz bei Trost. — Was will er denn?"
„Ach Gott, verschiedenes. Bald soll ich ihn rehabilitieren. Bald will er ein Darlehen, um sich eine Existenz aufzubauen, wie er sagt ..."
„Von Ihnen — ausgerechnet? — Sie sehen, Abbeg, er ist wirklich verrückt. Antworten Sre ihm nie, nicht mit einer Zeile, ich bitte Sie! Das sind alles Ausgeburten seines kranken Gehirns, weiter nichts. Irgendwann wird er ja doch hoffentlich mal festen Fuß fassen, und dann wird sich das legen, denke ich ... Ich zergrüble mir immer den Kopf,
ob man ihn irgendwo unterbringen könnte. Wissen Sie nicht etwas?"
Abbeg überhörte die Frage, sie war ihm zu naiv.
„Und wie ist's denn mit dem Baron Fehr? Marion? Ist er gar nicht neugierig? Ich meine, ein Mann wie er, der in sogenannten Familientraditionen groß geworden ist, wie alle diese schlesischen Landlords, der müßte sich doch eigentlich eines schönen Tages dafür interessieren, in was für eine Familie er da hineingeheiratet hat.
Marion war es sehr unbehaglich bei diesem Thema. Was ging das Abbeg an?!
„Er hat gefragt. Einmal, am Anfang. Und ich habe ihm gesagt, daß ich alle Brücken zu meiner Familie abgebrochen habe, als ich zur Bühne ging. Das ist die reine Wahrheit ..."
„Reine Wahrheit, Marion? Sie sagen das so kindlich gläubig. Reine Wahrheit? Das gibts doch wohl nicht. Jede .Wahrheit' ist ein Spektrum nut allen Farben des Regenbogens. Und Ihre geschickten Hände, ich sagte schon, daß ich sie aufrichtig bewundere!, drehen das Spektrum so, daß der neugierige Herr Gemahl nur das lautere Weiß der Unschuld zu sehen bekommt. Marion, ich habe Sehnsucht nach dir. Die Karenz war lang. Wann besuchst du mich?"
„Gott, Abbeg! Nun fangen Sie bloß nicht wieder davon an! Das ist zu Ende — muß zu Ende sein. So hab' ich's verstanden, damals in Dresden. Und das müssen Sie respektieren!"
„Muß ich, Marion? Ich weiß nicht. Ich weiß nur, daß ich eins muß: fürchten, daß du mich mißverstanden hast. Oder, wenn das nicht: daß du mich mißverstehen willst. Mein inhaltsschweres Wort, daß alles fortan in deinen schönen Händen liegt ...
„Pfui, Abbeg! Das finde ich gemein! Lassen Sw das Du, ich habe Ihnen schon einmal gesagt, ich will das nicht mehr. Und man könnte uns auch hören ..."
(Fortsetzung folgt.)


