B^u ffpolitlk spricht. Gerade weil man in den USA. im Grunde genommen ganz gut wußte, daß man einem gleichzeitigen Kriege im Pazifik und im Atlantik nicht gewachsen sein würde, versuchte man die Gefahr auf der einen Seite zu be- fertigen, indem man den japanischen Gegner durch den Einsatz des amerikanischen Prestiges auf kaltem Wege ausschaltete. Es ist nun einmal psychologisch so, daß der ewige Prahler zum Schluß selbst an feine Großsprechereien glaubt und sich nicht vor- ftellen kann, daß er bei ruhigen und besonnenen Menschen damit nur lächerlich wirkt. Man hatte soviel von Amerikas unbegrenzten Möglichkeiten, feiner Ueberlegenheit auf allen Gebieten, seinem riesigen Rüstungspotential gesprochen und sich in den Jahrzehnten nach dem Weltkriege so sehr selbst beweihräuchert, daß man sich einfach nicht mehr vorstellen konnte, daß ein so „kleines" Land wie Japan demgegenüber seine kühle und nüchterne Ueberlegung behalten könnte.
Die gleiche Prestigepolitik ober sagen wir ruhig Bluffpolitik, hat Roosevelt ja auch im Atlantik versucht und versucht er heute noch gegenüber den südamerikanischen Staaten. Das Vertrauen, daß sie auch Japan gegenüber zum Ziel führen würde, war um so größer, als sie ja im Atlantik scheinbar Erfolg gehabt hatte. Man muß sich nur der einzelnen Tatsachen erinnern. Da war zuerst die Erklärung der Dreihundert-Meilengrenze, dann kam weiter die Besetzung von Stutzpunkten, z. B. auf Island, an die sich sehr bald der Anspruch schloß, daß Amerika selbstverständlich zur Versorgung seiner Truppen berechtigt sei, auch kriegsgefährdete Meere zu befahren unter voller Aufrechterhaltung feiner Rechte als angeblich neutraler Staat. Man setzte immer wieder das Prestige Amerikas ein, weil man glaubte, daß der Gegner es nicht wagen würde, es auf einen Krieg mit den großmächtigen USA. än- kommen zu lassen, und erreichte damit, daß die Seekriegführung Deutschlands mehr und mehr eingeengt wurde. Pochend auf das amerikanische Prestige beteiligten sich amerikanische Kriegsschiffe zum Schluß ganz offen an dem Geleitschutzdienst englischer «Transporte. Man übersah dabei nur, daß man es in der Achse mit einem einheitlich operierenden Gegner zu tun hatte, daß also die große Geduld Deutschlands gegenüber dieser provozierenden Politik Roosevelts keineswegs auf Furcht vor der amerikanischen Macht beruhte, also ein „Erfolg" der amerikanischen Prestigepolitik war, sondern lediglich auf sehr nüchternen Erwägungen über die Wahl des richtigen Augenblicks. Mit dem Eintritt Japans in den Krieg war dieser Augenblick gekommen, und damit brach nicht nur die ostasiatische Stellung der Plutokratien sehr schnell zusammen, sondern es wurde damit auch jenes Spinnennetz zerrissen, das Herr Roosevelt über den Atlantik gelegt zu haben glaubte, um dadurch die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote einzuschränken. In wenigen Wochen sind 55 Schiffe vor der nordameri- kanifchen und kanadischen Küste durch deutsche U-Boote versenkt worden. Rund 390 000 BRT. wertvollsten Schiffsraums, darunter viele Tanker, sind den Plutokratien bereits jetzt für immer verlorengegangen. Das ist die Produktion von etwa vier Monaten der amerikanischen Werften. Ein gewaltiger Raum muß jetzt von der amerikanischen Flotte und Luftwaffe in 'aufreibendem schweren Überwachungsdienst geschützt werden. Es ist vorbei mit der sicheren Fahrt in der 300-Meilen-Zone und darüber hinaus, die die Konzentration aller verfügbaren Kriegsschiffe auf die kurze gefährdete Strecke nach Island und von Island nach England ermöglichte. Der Schutz der Geleitzüge muß immer dünner werden, je weiter sich die Operationen der deutschen Unterseeboote ausdehnen. Das hasten die Amerikaner schon gespürt. Noch sucht zwar Roosevelt die ganze Größe der Verluste nach bewährtem Muster zu verheimlichen, aber der Tag wird kommen, an dem auch er, um den eigenen Kopf zu retten, ein ähnliche? Bekenntnis wird ablegen müssen, wie es jetzt Churchill getan hat. Mit Prestige und Bluff ist nun nichts mehr ausgerichtet. Jetzt entscheiden die Waffen und der Mut!
3n USA. dämmert es.
Genf, 9. 5e>br. (DNB. Funkfpruch.» Nach Mel- düngen der „New Bork Sun" hasten sich die nord- amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften veranlaßt gesehen, die Versicherungssätze für die nord- amerikanische Küstenrouten befahrenden Handels-
Oer älteste Kamerad des Menschen.
Bon Werner Lenz.
Ein wesentlicher Teil der wirtschafllichen Machtstellung des Menschen auf der Erde beruht darauf, daß er es schon frühzeitig verstand, verschiedene Tierarten an sich heranzuziehen und zu seinen Helfern auszubilden. Als ältestes Haustier konnte die wissenschaftliche Kulturkunde den Hund fest- Kllen. Doch ist es ein Irrtum, daß der Hund ur= cünglich ein Begleiter des nomadisierenden Jägers gewesen und erst später mit diesem seßhaft geworden ist. Gerade das Gegenteil ist der Fall; als der Mensch sich vor unzählbaren Jahrtausenden feste Wohnvlätze gründete, näherte sich der Wlldhund aus Beutelust — er visitierte, wie Funde erweisen, die außerhalb der Siedlungen liegenden Abfallhaufen zwecks Nahrungssuche — und aus einer an Anschlußbereitschast grenzenden Neugier. Da wurde bann manch besonders zutrauliches Jungtier gefangen, zum Spielkameraden der Kinder gemacht und mit der Zeit bei der allen Hunden innewohnenden Gelehrigkeit zu verschiedenen Diensten abgerichtet. Er wurde Wächter des Hofes, bann Begleiter bes ftreifenben Jägers, ben er — felbst jagolufttg — immer besser zu unterstützen vermochte: und schließlich war er soweit Domestiziert, daß man ihm gar den Schutz der Herden gegen Stammesgenossen — Wildhunde, Schakale, Wölfe — anvertrauen konnte.
Wie alt das Ansehen des Hundes bei den Kulturvölkern ist, geht aus zahlreichen Ueberlieferungen hervor. Bereits im 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung erscheint der Hund als figürliches Schriftzeichen bei den Mittelmeervölkern; in vorgeschichtlicher Zeit schon wurde eine mittelgroße Hundeart von den Assyrern zur Löwenjagd verwendet, und zumal bei den arischen Persern stand unser Haustier hoch in Ehren; der Hund verkörperte in der mythi- schen Symbolik Ormudz, den guten Geist, während der Wolf Ahriman, das böse Prinzip, darstellte; deutlich redet aus dieser Bezugsetzung der Daseinskampf des frühgeschichtlichen Hirtenvolkes auf dem Hochlanste von Iran; bemerkenswert ist auch die bärtige Rechtsprechung: wer einen Gebrauchshund mutwillig verletzte, erhielt tausend Schläge mit einem Leberriemen: wer einen wohldressierten Hund vbs eine kragende Hündin böswillig mordete.
schiffe wesentlich heraufzusetzen, da immer mehr amerikanische Handelsschiffe auf der amerikanischen Seite des Atlantik versenkt würden. Der Versicherungssatz für Tanker sei sogar um 50 v. H. erhöht worden. Man habe lange Zeit gehofft, daß die U-Boote es bei einigen Versenkungen bewenden ließen, jetzt aber scheine es, daß sie e i n e regelrechte Daueroperation durchführten. Nach den bisherigen Feststellungen seien durch Torpedotreffer viermal mehr amerikanische Tanker als sonstige Handelsschiffe untergegangen.
Panama unter USA -Hoheit.
Lissabon, 8. Februar. (Europapreß.) In der Pressekonferenz am Samstag machte Präsident R o o s e v e l t die aufsehenerregende Mitteilung, daß Panama als ein Teil der unter der U SA.- Hoheit stehenden Panama-Kanalzone betrachtet werden müsse. Mitteilungen darüber, welche Rückwirkungen diese neue Ausdehnung der nordamerikanischen Herrschaft über Panama haben wird, machte Präsident Roosevelt nicht.
Fortdauer der Abwehrkämpfe im Osten.
Berlin, 8. Februar. (DNB.) Während in der Mitte der Ostfront deutsche Truppen in örtlichen Angriffen gegen die bolschewistischen Stellungen verschiedene neue Erfolge erkämpften, schlugen fm Nordteil der Ostfront deutsche Truppen in erfolgreichen Abwehrkämpfen am 6. und 7. Februar wiederholte heftige Angriffe der Bolschewisten zu- rück, obwohl das ungewöhnlich harte Winterwetter dieser Tage den deutschen Soldaten die Handhabung ihrer Waffen stark erschwerte. *
Deutsche Truppen schlugen an verschiedenen Stellen des Mittelabschnitts der Ostfront am 6. Februar bei heftigem Osffturm und starken neuen Schneeverwehungen heftige bolschewistische Angriffe erfolgreich zurück. Einheiten der deuffchen Luftwaffe, insbesondere Sturzkampfflugzeuge, unterstützten wirksam die Abwehrkämpfe des Heeres und fügten den Bolschewisten hohe blutige Verluste zu. Allein in den Abschnitten einer Panzer- und einer Infanteriedivision büßte der Feind, dessen Infanterie bei ihren ergebnislosen Angriffen hohe Verluste erlitt, sechs Panzerkampfwagen modernster Bauart ein. Äm Abschnitt des benachbarten Armeekorps waren
in der oorausgegangenen Nacht gleichfalls sechs feindliche Panzer abgeschossen worden, so daß der Feind in einem verhältnismäßig nur kleinen Abschnitt insgesamt 12 Panzerkampfwagen verlor.
Die schweren Kämpfe des Heeres wurden am 7. Februar trotz der schlechten Wetterlage an allen Abschnitten der Ostfront wirkungsvoll von st a r k e n Verbänden der deutschen L u f t waffe unterstützt. Nach bisher vorliegenden Meldungen vernichteten deutsche Kampfflugzeuge gestern in verschiedenen Abschnitten sieben Panzerkampfwagen, 167 bespannte und motorisierte Fahrzeuge, Raupen- schlepper und Lastkraftwagen des Femdes. In kühn geflogenen Tiefangriffen griffen Kampf, und Sturzkampfflugzeuge besonders in der Mitte der Ost- fr o n t in die Erd kämpfe ein und erleichterten den angreifenden Infanteristen den Kamps. Zahlreiche Artilleriestellungen des Feindes wurden mit Bomben belegt und außer Gefecht gefetzt. Dabei wurden sieben Geschütze mittleren Kalibers, zwei schwere Geschütze und drei Panzerabwehrkanonen der Bolschewisten vernichtet.
Ariilleristen in vorderster Linie.
Oer vorgeschobene Beobachter. — Gemeinsam mit der stürmenden Infanterie.
Von Kriegsberichter Heinz-Dieter Pilgram.
Unter dieser Ueberschrift stand am Sams- tag versehentlich ein PK.-Bericht, der den Kampf einer Einheit der Waffen-^ schilderte. lieber ben Einsatz ber Artillerie in vorderster Linie gibt der nachstehende PK.- Bericht ein anschauliches Bild.
(PK.) Das Infanterie-Bataillon ist zum Sturmangriff bereitgestellt. Zwei Stunden Fußmarsch durch Nacht und Schnee sind geschafft, unbemerkt ist man dem Feind in die Flanke gekommen, das erste fahle Licht dämmert im Osten auf. Noch zehn Minuten, dann setzt der Ueberraschungsangriff in die. Flanke einer bolschewistischen Feldstellung ein. Schweigend stehen die Infanteristen gruppenweise beisammen, ber Pionierzug bes Regiments ist auch babei, bie Sprengmittel sind bereit. Der Kommandeur spricht noch ein paar Worte mit feinen Offizieren, unter ihnen auch ber Bataillonsarzt unb ein Leutnant der Artillerie. Er ist der „vorgeschobene Beobachter"; voller Vertrauen schauen die Infanteristen auf ihn und die zwei Kameraden mit dem Funkgerät, die er mitgebracht hat. Die Artillerie ist mit von ber Partie — bas beruhigt.
Wir kommen mit dem Leutnant ins Gespräch, lassen uns von ihm kurz etwas über bie Aufgaben bes „vorgeschobenen Beobachters" der Artillerie erzählen. Kaum ein Angriff, kaum ein Vorgehen der Infanterie, kaum ein Fluß- oder Brückenubergang, kaum ein Sturm auf ein Dorf oder eine Stellung, bei dem nicht die Artilleristen mit in vorderster Linie dabei sind. Grundsätzlich lenkt vor dem oder im Gefecht die 8-Stelle, die Beobachtungsstelle ber Artillerie, das Feuer der Batterien, meist nach ausgearbeitetem Feuerplan. Die Praxis bes Krieges hat aber ergeben, daß es zweckmäßig ist, wenn die Artillerie ihr „Auge", ihre Beobachtung, noch weiter vvrfchiebt, als es ben 8-Stellen mit ihren schweren Geräten, Scherenfernrohr, Entfernungsmesser und Fernsprechleitungen möglich ist, oorzugehen.
Der „vorgeschobene Beobachter" wurde eingesetzt, ein Leutnant oder Wachtmeister, ausgewählt aus den besten Artilleristen. Ihm wird eine, oft auch zwei oder drei Batterien unterstellt. Er nimmt am Gefecht teil; während die Infanteristen sich kämpfend vorarbeiten, ist er unter ihnen, beobachtet sorgfäl- tigst das Gelände, sucht es ab nach artilleristisch
lohnenden Zielen, Bunkern, MG.-Nestern, Granatwerfern, Panzern, Fahrzeugen. In engster Zusammenarbeit mit ben Kompaniechefs ber Infanterie legt er bas Feuer seiner Geschütze im Nu dorchin, wo bie Infanterie es braucht, schießt Sperrfeuer, wenn Stoßtrupps zurückkommen ober wenn ber Feind angreift ober sich abzusetzen trachtet.
Ständig wandert sein Blick zwischen der Karte, dem Gelände und der kämpfenden Truppe hin und her. Ununterbrochen arbeiten die Funker am Gerät. Erfahrung, Können und Derantwortungsbewuhtsein gehören zur Arbeit dieses kleinen Trupps. Und eiserne Nerven! Mitten im Gefecht schwierigste mathematische Berechnungen anzustellen, den Kampf mitzuerleben, aber sich nicht daran zu beteiligen, ist nicht jedermanns Sache. Aber gerade für Den „vorgeschobenen Beobachter" kommt es auf äußerste Genauigkeit an, er muß Entfernung, Seitenrichtung, Ladung unb Geschoßart bestimmen, muß seinen eigenen Standpunkt im Augenblick des Funkspruchs auf das Meter genau kennen, denn sein Feuer liegt oft nur 50 bis 80 Meter vor den vordersten Infanteristen.
Augenblicke höchster Spannung, wenn er ben Befehl burchgibt: „Feuer 50 Meter vorverlegen. Ein Feuerschlag!" Aber bie Infanteristen lassen sich nicht aus ber Ruhe bringen, sie kennen ihre Artillerie unb deren Genauigkeit. Kaum hebt sich ber Qualm der vier Einschläge, ba stürmen sie ben letzten Sprung vor, finb schon über ben paar noch ganz benommenen und überraschten Bolschewisten, die die Granaten noch verschont haben. Wie oft aber kommt es dennoch vor, daß auch bie Artilleristen zur Waffe greifen müssen, daß sie mit ihren Maschinenpistolen im Nahkampf sich selber heraushauen ober gegen versteckte Feinbnester mehren müssen. Und wie mancher von ihnen trägt bie beiden EK.s.
Von zusammengeschossenen feindlichen Batterien erzählt unser Leutnant ber Artillerie, von Feuer- überfüllen, bie bereits zwei Minuten nach ber Erkundung bes feindlichen Widerstandsnestes erfolgten, von Panzerangriffen, bie im Hagel unserer Granaten steckenblieben, von feinblichen Gegenangriffen, die vom vorgeschobenen Beobachter ber Artillerie zuerst entdeckt wurden, weil er sich nämlich — ohne Rücksicht auf Deckung — oft auf ben günstigsten und höchstgelegenen Uebersichtspunkt vorarbeiten muß.
wurde mit dem Tode bestraft. Ueberhaupt ist bie Wertschätzung des Hundes im arischen Kulturgebiete besonders deutlich, unb die verächtliche Bedeutung, bie bas» Wort ,Hund" gar zu einem Schimpfwort werden ließ, entstammt zweifellos orientalischer Anschauung, bas Scheltwort dürfte von ben Kreuzfahrern nach Europa gebracht worden iein. Sprachlich nämlich ist besonders im Deutschen de Beifügung dieses Wortes eine Wertbezeichnung; „hundetreu" heißt „sehr treu", „hundekalt" ist „sehr kalt"; „Hundewohl" ober „pudelwohl" ist „sehr wohl".
Für bas germanische und keltische Siedlungsgebiet ist ber Hund sehr früh bezeugt. In Pfahlbauten fanb man an ber Wurzel gelochte Hunbe- zähne, bie als Schmuck oder Talisman getragen wurden. Geri und Freki, die Wölfe Altvater Wotans, sind domestizierte Wildhunde, unb ber Bracke war, wie z. B. das Nibelungenlied zeigt, ein beliebter Spürhund. Siegfried spricht einmal:
„Swenne ir jagen wellet, ba wil ich gerne mite.
So sult ir mir lihen (leihen) ein suochman (Suchmann) unb etelichen brocken:
so wil ich riten in ben tan (Tann)."
Herrlich klingt bie Treue bes Hundes aus alten, unbezweifelbaren Ueberlieferungen. Als z. B. bie riesigen, blonden, blauäugigen Cimdern — in Jütland beheimatet — auf ihrem Jtalienzuge durch Verrat bei Vercellä ihren heldischen Untergang fanden, als alle Männer schon tot ober wund am Boden lagen, ba oerteibigten bie Frauen nach altgermanischer Sitte noch bie Wagenburg, um sich unb bie Verwunbeten vor der Gefangenschaft zu retten. Da — so berichten alte lateinische Chronisten mit ehrfürchtigem Staunen — stellten sich ben wehrhaften Frauen bie Hunde bes Stammes an bie Seite, rannten, bissen, tobten gegen bie Legionäre an, bie solchem Kampfe ratlos gegenüberstanden, bis sie infolge ihrer Rüstung und (fhten Bewaffnung auch diese letzten Verteidiger bes Cimbern- lagers vernichtet hatten.
Die praktische Verwendung des Hundes über den bereits umrissenen Pflichtenkreis hinaus hat sich im Laufe ber Zeit noch bedeutend erweitert; als Ziehhund begleitet er ben Bauern auf ben Markt, als Blinoenführer, als Meldehund unb als Spür- hunb des Sanitäters zur Aufsuchung verborgener Verwundeter spielt ber sorgfältig abgerichtete Hund dne bedeutende Rolls in unserer ernsten Gegen»
wart. Und mit Recht ist bas treue Tier überaus volkstümlich, so daß auch bas deutsche Sprichwort sich mit ihm beschäftigt. Psychologisch richtig ist bie Beobachtung, baß von manchem verdächtigen Individuum „fein Hund ein Stück Brot nimmt"; denn der Hund ist ein guter Menschenkenner. Auch auf bas Wetterprophezeien versteht er sich, benn bie alte Bauernregel, baß es Gewitter gibt, wenn bie Hunbe ©ras fressen, beruht auf ber Tatsache, daß schwüle Witterung bem Hunde auf ben Magen schlägt, welche Beschwerbe er durch „Grasfressen" — es ist fast immer die grasähnliche, kieselsäurehaltige Quecke — zu beheben sucht. Sagt man, daß „man mit leeren Worten keinen Hund vom Ofen lockt", so deutet dies auf die Klugheit und Unbestechlichkeit bes vierbeinigen Kameraden hin, ber seinem Herrn zwar aufs Wort folgt, sich aber von Fremben nicht leicht anlocken und bestechen läßt.
Dreihundert Lahre „Nachtwache".
Von Ernst von Niebelschütz.
Dreihundert Jahre sind vergangen, seit ber Hauptmann Frans Bannig Cocg als Führer einer ber holländischen Schützenkompanien von Rembrandt in Amsterdam das Bild seiner Korporation malen ließ. Solche Schützenstücke waren auch vor Rembrandt gang und gäbe» worüber die etwas eintönige Reihe im Amsterdamer Reichsmuseum hinreichend unterrichtet. Die Kosten wurden auf die Kopfzahl der Kompanie verteilt, woraus jedes 23er- einsmitglieb den Anspruch ableitete, sich im Bilde so abkonterfeit zu sehen, daß niemand sich Über Zurücksetzung zu beklagen hatte. Die älteren Schützen- stücke sind dementsprechend langweilig, auch wenn es nicht an Malern fehlte, bie aus einem gemalten Mrtglieberverzeichnis ein Kunstwerk machten.
Erst Rembrandt geht mit seiner „Nachtwache" andere Wege. Er wählt den Auszug ber Schützen aus ihrem Exerzierhause und gerat damit in einen unvermeidlichen Konflikt mit ber Überlieferung und seinen Auftraggebern, deren größere Zahl sich mit Recht darüber beschweren durfte, in Dem fertigen Gemälde schlecht plaziert worden zu sein. Grund zur Zufriedenheit hatten nur ber Hauptmann unb fein Leutnant, bie in voller Figur die VurdevgruWs Wett schließlich noch der Fahnen*
Auch der Bataillonskommanbeur weiß aus der Erfahrung ber kämpfenden Truppe heraus so manches Beispiel zu erzählen, wie die Artillerie in kritischen Augenblicken zugeschlagen hat, dank des Vorgehens des vorgeschobenen Beobachters mit ber Infanterie.
Die wenigen Minuten des Wartens finb verstrichen, ber Funker meldet: „Funkverbindung mit erster unb britter Batterie in Ordnung", ber Bataillonskommandeur befiehlt „Stahlhelm auf!". Der vorgeschobene Beobachter gibt den „Morgenruf" an bie Sowjets durch: „Erste unb britte Batterie je ein Feuerschlag auf Ziel ,Dora‘. Nach brei Minuten auf Ziel ,(Erna‘ lausend Störungsfeuer!" Und bann, ein Pfiff, unb der Angriff ber Infanterie rollt ab gegen bie völlig überraschten Sowjets mit einem Schneid, einer Entschlossenheit unb Kühnheit, wie sie ben deutschen Frontsoldaten dieses Krieges immer wieder beseelen.
Das Ritterkreuz.
Berlin, 7. Febr. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag bes Oberbefehlshabers ber Luftwaffe Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Feldwebel Georg Fände rl, Flugzeugführer in einem Kampfgeschwader.
Feldwebel Georg Fanderl konnte auf fast allen Kriegsschauplätzen große Erfolge erringen. Im Einsatz gegen England gelang es ihm, trotz schlechtester Wetterlage ein stark geschütztes Flugzeugwerk im Tiefstflug anzugreifen unb die Montagehallen durch Volltreffer zu zerstören.. In ber Subabucht erzielte er zwei Volltreffer auf einem großen britischen Transporter, obwohl sein Flugzeug durch bie Abwehr stark beschädigt worben war. Mit zerschossenem Flugzeug mußte er nach biesem Angriff notwassern unb tonnte erst nach 17ftünbigem Treiben im Schlauchboot mit jenem Funker von Seenotbienst gerettet werben. Im Hafen von Sewastopol hat er trotz schwerer feinblicher Abwehr einen Schweren Kreuzer versenkt. Außerdem hat Feldwebel Fanderl 65 500 BRT. feindlichen Handelsschffsraums mit Volltreffern belegt unb 29 500 BRT. beschäbigt. Er hat ferner zahlreiche Panzer und Eisenbahnen zer- stört und durch Treffer auf bie Hafenanlagen aller großen Schwarzmeerhäfen bem Feinb große Verluste unb schweren Schaben zugefügt.
Der Ritterkreuzträger Hauptmann Rolf K a l b • rack, Gruppenkommandeur in einem Zerstörer- geschwaber ist im Kampf an ber Ostfront unbesiegt den F l i e g e r t o b gestorben. — Der Ritterkreuzträger Hauptmann Friebmann erlag feiner im Osten erlittenen schweren Schußverletzung.
Oas bisher größte Ergebnis der WHW.-Sammlungen.
Berlin, 7. Februar. (DNB.) Die im Januar durchgeführten Gaustraßen-Sarnrnlungen im Kriegs-WHW. 1941/42 brachten bas bisher günstigste Ergebnis von 37 210 766,43 RM Das finb 15 140 388,58 RM. -- 68,60 Proz. mehr als im Vorjahr. Auf diese geroaltige soziale Leistung im brüten Kriegswinter kann bie Heimat stolz fein. Sie hat bamit erneut bewiesen, daß sie bie Opfer unserer tapferen Wehrmacht zu würdigen weiß. Die Kampfer an ber Front können gewiß fein, daß die Heimat in Liebe und Treue opferbereit hinter ihnen steht. Die Gegner unseres Volkes aber mögen aus diesem freiwilligen Sammelergebnis entnehmen, baß bas Vertrauen des beutfchen Volkes zu seinem Führer stärker denn je ist und Front unb Heimat im festen Glauben an den Enbsieg Deutsch, lanbs eng verbunben sind.
Kleine politische Nachrichten.
Köyig Boris unb bie Königin von Bulgarien besuchten in Begleitung des Ministerpräsidenten Professor Filoff die deutsche Buchausstellung. Die Gäste wurden vom deutschen Gesandten Beckerle durch die Ausstellung geleitet. Der König bekundete mit wärmster Anerkennung seine lebhafte Anteil- nähme an dieser Schau deutscher Bücher.
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Im Zusammenhanb mit ber Bilbung ber von Deutschland anerkannten neuen norwegischen Regierung hat bas Auswärtige Amt ber schwedischen Gesanbtschaft in Berlin mitgeteilt, baß die lieber- nähme des Schutzes norwegischer Staatsangehöriger uno des Eigentums des norwegischen Staates im Deuffchen Reich durch die schwedische Gesandtschaft gegenstandslos geworden ist.
träger und ein paar Sergeanten. Die übrigen stehen im Hintergrund und werben von anderen überschnit- ten. Außerdem hatte Rembrandt eine Reihe von Zaungästen üntergebracht, die er brauchte, um tote Stellen zu beleben, einen ganz unmotiviert feine Flinte abfeuernden Jungen ober em kleines, hexen- haft vorüberhuschendes Mädchen, bas ihm als Lichtfleck biente. Statt siebzehn Personen, die dro- hend auf die abgelieferte Beitragsquote Hinweisen konnten, hatte Rembrandt fast doppelt so viele gemalt, Leute, die in dem Bilde gar nichts zu suchen hatten. Das Gemälde verfiel ber fast allgemeinen Ablehnung ber braven Bürgerschützen, Die von ihrem Standpunkt auch alle Ursache hatten, ungehalten zu sein. Heute gilt es als eins ber größten Meisterwerke aller Zeiten und Völker.
Es ist schwer zu sagen, worauf sich fein Ruhm gründet. Vielleicht doch auf den Umstand, daß hier eine ganz alltägliche Szene in jenes magische Helldunkel getaucht worden rft, bie bem Gewöhnlichen eine geheimnisvolle Bedeutung verleiht und bem Betrachter Fragen auf die Sippen drängt, die sich nicht beantworten lassen. Es ist weder volle Wirklichkeit noch Traum, weder ein reines Historienbild noch ein Gruppenporträt im üblichen Sinne, es ist eine malerische Vision, das Phantasieprodukt eines Geisterbeschwörers, der bie Gabe hat, alles in Gold zu verwandeln.
Der Erhaltungszustand des Bildes ist denkbar M. Aus bem Besitz der Kompanie kam es in msterdamer Rathaus, wo es, um zwischen zwei Türen Platz zu finden, in brutaler Weise an allen vier Rändern beschnitten wurde. Eine gleichzeitige Kopie von Sunbens erlaubt einen Vergleich. Er zeigt, daß das Original im Reichsmuseum damals so arg verstümmelt worden ist, daß mindestens fünf Personen fehlen, besonders an ber linken Seite, Die bei ber unbegreiflichen Operation am meisten gelitten hat. Die ganze Komposition ist dadurch verschoben. Die Gruppe der beiden Offiziere im Vordergrund, ftüher seitlich herausgeruckt, steht jetzt in der Mittelachse und gibt dem Bewegungs- fluß Ane gewisse Starrheit. Zudem ist die Farbschicht so stark nachgedunkelt, daß der Vorgang, ber volles Tageslicht zur Voraussetzung hat, sich in der Tat bei Nachtbeleuchtung abzuspielen scheint — daher der irreführende Name. Im ganzen muß man zu bem Ergebnis kommen, baß die „Nachtwache" heute eine Ruine und ein Fragment ist. Ihre An- ziehungskrast hat dadurch nicht gelitten.
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