Einzelbild herunterladen

Kür Tapferkeit vor öem Keinöe.

Der Obergefreite Joachim Plage aus Gießen, Schiffenberger Weg 24, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eifernen Kreuz IL Klaffe aus­gezeichnet.

Oie aktive Offizierslaufbahn im Heer.

Meldefrist läuft am 15. März ab.

Die Meldefrist für die Bewerber der Offiziers- laufbahn des Heeres läuft am 15. März 1942 ab. Bis dahin können sich die Schüler der 7. und 8. Klasse höherer Lehranstalten, die aktive Offiziere des Heeres werden wollen, bei dem für ihren Wohnsitz zuständigen Wehrbezirkskommando zur vorläufigen Annahme als Bewerber für die Osfizierslaufbayn des Heeres melden. Die Entscheidung über die endgültige An« nähme trifft das Oberkommando des Heeres im Laufe der Monate April bis Juni, die Einstellung der angenommenen Bewerber erfolgt am 1. Juli 1942.

Es wird darauf hingewiefen, daß für die Bewer­ber für die Offizierslaufbahn die Ableistung des Arbeitsdienstes entfällt, daß die als Bewerber für die Offizierslausbahn angenommenen Schüler bei entsprechenden Schulleistungen Ende Juni in die 8. Klasse versetzt werden und bis zum 1. Juli 1942 die Bescheinigungen über die Zuerkennung der Reife von der Schule erhalten. Alle weiteren Einzelheiten sind bei den Wehrbezirkskommandos zu erfahren und aus denMerkblättern für den Offiziersnach­wuchs des Heeres", die bei allen Wehrbezirkskom­mandos, Wehrmeldeämtern und Arbeitsämtern er­hältlich sind, zu ersehen.

Mütter und Frontkämpfer bevorzugt.

Bemerkenswerte Neuregelung In einer Tarifordnung.

NSG. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen hat eine Tarifordnung für den Urlaub der gewerblichen Gefolgschaftsmitglieder in' der Eisen-, Metall- und Elektro-Jndustrie des Wirtschaftsgebietes Hessen einschließlich der Kreise Biedenkopf und Dillenburg erlassen. Sie ist rück­wirkend ob 1. Januar 1942 in Kraft getreten.

Während bisher der Urlaub nach den Betriebs- zugehörigkeitsjahren geregelt wurde, ist er nun auf das Kalenderjahr abgestellt worden. Diese Umstel­lung hat sich als notwendig erwiesen, da in den neuen Tarifordnungen anderer Jndustriegruppen der Urlaub bereits nach den Kalenderjahren berech­net wurde und eine Umrechnung bei Betriebswechsel, Dienstverpflichtung usw. auf Schwierigkeiten ge­stoßen ist.

In der neuen Tarifordnung sind außerdem zwei neue Bestimmungen enthalten, auf die die Gau- waltung der Deutschen Arbeitsfront aufmerksam macht. Rach diesen erhalten die Inhaberinnen des Ehrenkreuzes der Deutschen Mutter einen zusätz- lichen Urlaub, und den Inhabern des Frontkämpfer- Ehrenkreuzes wird die Zeit ihres Kriegsdienstes ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt des Eintrittes in den Betrieb angerechnet.

Gießener Mochenmarktprelse.

* G i e ß e n , 7. Mckrz. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, Vz kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Weißkraut % kg 8 bis 11, gelbe Rüben 10 bis 12, Unterkohl, rabi 8 bis 10, Lauch 17, Sellerie 15 Rpf.

** Die Zusatzkleiderkarte für Ju­gendliche, muh bis spätestens 31. März beantragt werden. In Betracht kommen die zwischen dem 2. September 1923 und dem 1. September 1928 ge­frorenen Jugendlichen. Das Wirtschaftsamt gibt darüber heute Näheres bekannt.

** Die Anmeldung zur Berufsschule betrifft eine Bekanntmachung des Stadtschulamts Gießen in unserem heutigen Blatte.

*A Der Schulanfang a m kommenden Montag wird heute in einer Bekanntmachung des Stadtschulamtes noch einmal in Erinnerung ge­bracht. Dabei werden gleichzeitig für die Schüler und Schülerinnen der Neuen Pestalozzi-Schule nähere Anweisungen gegeben.

(Straff«mutter Gießen.

Der W. P. in Breungeshain war angeklagt, im Jahre 1940 mit einer weiblichen Person unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Der Angeklagte war geständig und wurde, dem Antrag des Angeklageoertreters entsprechend, zu einer Gesamtgefängnis st rase von drei Monaten verurteilt.

In der Zentrale der Gießener Versorgungswirtschast.

Oie Organisationsarbeit beim Ernährungs- und Wirtschastsami.

In den letzten Tagen haben Tausende von Volksgenossen wieder ihre Lebensmittelkarten für eine neue Dersorgungsperiode in Emp­fang genommen. Don den Abholern der Karten macht sich wohl kaum jemand Ge­danken darüber, welcher umfangre.chen Vor­arbeit es bedarf, bis die Ausgabe vor sich gehen kann, und welche Fülle von Kontroll- und Verrechnungsaufgaben zu bewältigen ist, damit der ganze Versorgungsapparat rei­bungslos und gerecht für jedermann arbeiten kann. Ein Besuch beim Ernährungs- und Wirtschaftsamt der Stadt Gießen hat uns interessante Einblicke nach beiden Richtungen hin gegeben.

Die Zuteilung und Kontrolle für .die Ausgabe von Lebensmittelkarten und Bezugscheinen beginnt schon lange vor dem Erscheinen dieser Ausweise auf dem Ernährungs- und Wirtschaftsamt. Da es sich hierbei um Wertpapiere in des Wortes streng­ster Bedeutung handelt, ist im Interesse der gerech­ten Versorgung aller Volksgenossen peinlichste Ge­wissenhaftigkeit von Anfang an unbedingt ndt- wendig.

Die erste Station der streng konttollierten Zu­teilung ist bei der Herstellung der Lebensmittel­karten und Bezugscheinformulare in den Drucke­reien zu erblicken. Jede Druckerei, die mit der Lie­ferung um hier nur ein Beispiel zu erwähnen von Lebensmittelkarten beauftragt ist, erhält das erforderliche Papier unter genauer Kontrolle durch das Landesernährungsamt zugeteilt. Dabei ist durch sorgsame Berechnung festgestellt worden, wieviel Lebensmittelkarten jeder Druckbogen ergeben muß, so daß also beim Druck der Karten unter allen Umständen festgelegt ist, wieviel Bogen des Papiervorrats jeweils erforderlich sind. Jederzeit kann durch eine Nachprüfung des Papiervorrats er­mittelt werden, ob die Druckauflage in der Stück­zahl richtig geliefert ist. Außerdem sind natürlich in den Druckereien noch mancherlei weitere Siche- rungsmaßnahmen sowohl beim Druck, als auch bei der Ablieferung der Karten an die Verteilungs­zentrale getroffen worden, für deren strengste Durch­führung der jeweilige Betriebsführer verantwort­lich ist. Es kann danach nicht vorkommen, daß etwa von dieser oder jener Karte auch nur ein Stück um die Ecke gehen", d. h. in unzulässiger Weise zum persönlichen Gebrauch verwandt werden kann.

Von der Druckerei werden die Karten an das Ernährungs- und Wirtschaftsamt abgeliefert, das den richtigen Empfang durch Quittung bestätigen muß. ^Stahlfchränke, die einbruchs- und diebessicher sind, nehmen die Karten bss zu den Tagen der Ausgabe an die Versorguygsberechtigten auf. Selbstverständlich wird mittlerweile auch auf dem Amt die genaueste Kontrolle des Kartenvorrats durchgeführt. Durch eine gründliche Kontrollorga­nisation an Hand von Listen und Gegenlisten hat das Ernährungsamt alle erdenkliche Vorsorge ge­troffen, daß auch auf dem Amt nicht eine einzige Karte abhanden kommen kann.

Zur Belieferung der Versorgungsberechtigten ist der Gießener Stadtbezirk in sechs Verteilungs­stellen aufgeteitt, nämlich in die Bezirke Ost, Süd, Mitte, Nord, Wieseck, Klein-Linden. Für jcd-e dieser Bezirksstellen ist die Zahl der bezugsberechtigten Personen genau festgestellt und durch fortlaufende Registrierung der Ab- und Zugänge auf dem Lau­fenden gehalten, ebenso ist in den Verteilungslisten zahlenmäßig genau festgelegt, wieviel Stück der nerf(Siebenen Karten und Arten jeder Bezirk zur Belieferung der Versorgungsberechtigten erhalten muß. Einige Tage vor her Ausgabe werden die Verteilungsstellen gegen Empfangsquittung mit der erforderlichen Anzahl von .Karten beliefert, damit diese in die Verteilungsmappen zur schnelleren Ab­fertigung der Abholer eingeordnet werden können. Am Abend des jeweiligen Ausgabetages ist bann an Hand der Ausgabebücher, in denen jeder Karten­abholer den Empfang der Karten durch Namens- unterschrift beftätiaen muß, die Verteilung bei der Zentrale nachzuweisen oder es sind die nichtabge­holten Karten in der genauen. Stückzahl zurückzu- geben. Heber diese Abrechnung erhält die Bezirks­stelle von der Zentrale eine Entlaskungsquittun-g ausgestellt, die den ordnlrngsmäßigen Befund be­scheinigt. In der gleichen Weise wird mit den Aus­gabestellen für Reise- und Gaststättenmarken, Ur­

lauberkarten und bei den in Kürze neu heraus- kommenden Lebensmittelmarken für eine bestimmte Gruppe von Dersorgungsberechtigten verfahren.

Wenn man sich vor Augen hält, wie v elfältig die Arten von Lebensmittelkarten sind, mit denen die Dersorgungsberechtigten beliefert werden, so kann man sich einen Begriff von dem Umfang der Arbeit machen, die allein auf diesem Gebiete von dem Ernährungsamt zu leisten ist. Dabei handelt es sich aber nicht nur um den Ablauf der Ausgabe- arbeit, sondern auch um die strenge Handhabung aller Kontrollmaßnahmen, damit keine der Karten zu Unrecht ausgegeben wird oder sonstwie abhan­den kommen kann, weil eben immer der oberste Grundsatz durchgeführt werden muß, daß die ge­rechte Verteilung unter allen Umständen sicherzu­stellen ist. *

Wer zu Unrecht Lebensmittelkarten bezieht, macht sich strafbar. Fälle dieser Art sind auch dem Er- nährungsamt in Gießen wiederholt zur Kenntnis gekommen. Wer z. B. beim Wegzug von Familien­angehörigen die aus der hiesigen Versorgung aus­scheidende Person nicht abmeldet und deren Lebens­mittelkarten weiterbezieht und für sich verwendet, während die weggezogene Person an anderer Stelle (z. B. bei der Wehrmacht ober im Reichsarbeits- dienst) ihre Verpflegung empfängt, begeht eine straf­bare Handlung, die das Ernährungsamt auf Grund gesetzlicher Vollmachten in leichteren Fällen mit empfindlicher Geldstrafe ahnden kann, in schwereren Fällen aber der Staatsanwaltschaft zur gerichtlichen Bestrafung anzeigt. Oder wenn einer auf der Fetttarte einen von dem Kaufmann entwerteten Abschnitt durch Radierungen oder dergleichen frisiert", um nochmals Mit diesem Abschnitt ein­zukaufen, dann verfällt er gleichfalls der Bestrafung, die auch in einer vom Ernährungsamt festgesetzten Geldstrafe besteht, bei schwereren Fällen der Staats­anwaltschaft zur gerichtlichen Entscheidung ange­zeigt wird.. Neuerdings sind die Lebensmittelge­schäfte vom Ernährungsamt ermächtigt worden, bei den Fettkarten die bisher durch Stempelaufdruck entwerteten Bezugsabschnitte evtl, durch Ausschnei­den aus der Karte zu entfernen, um damit von vornherein alle Möglichkeiten zur mißbräuchlichen Benutzung der Karte auszuschalten.

, *

Sind die Kontrollmaßnahmen für die Ausgabe der Lebensmittelkarten schon sehr weitreichend, so sind die Sicherungen bei der Verwendung der Bezug­scheine für Spinnstoffwaren und Schuhe, entspre­chend dem ganzen Verlauf der Belieferung, der Aus­gabe und der Verrechnung, noch umfassender. Im Grundsatz gilt hier das gleiche Verfahren wie bei den Lebensmittelkarten, d. h. die einzelnen Der- teilungsstellen werden mit gewissen Mengen von Bezugscheinen abschnittweise versehen, haben dar­über Empfangsquittung zu geben und ihrerseits die entsprechenden Kontrollisten zu führen. Dar­

über hinaus wird aber auch in der Zentralstelle eine Listenkontrolle ausgeübt, die vom Augenblick des Eintreffens der Scheine von der Druckerei in Berlin bis zum Wiederauftauchen in den Akten des Amtes nach der Ausgabe und Warenlieferung die genaue Verfolgung des Weges dieses Scheines ermöglicht. Da kann durch die Kontrollisten bei­spielsweise genau festgestellt werden, wann der Schein Nummer ... von der Druckerei beim Amt angeliefert wurde, welche Ausgabestelle ihn erhalten hat, an welchen Versorgungsberechtigten er auf dessen Antrag verabfolgt worden ist, welches Geschäft den Schein beliefert und dann zur Ausgabegutschrift dem Wirtschaftsamt wieder übermittelt hat. In die­sen sorgsam kontrollierten Kreislauf ist auch stets der Antrag des Dersorgungsberechtigten auf Aus­stellung des Bezugscheins mit eingeschlossen, so daß zu jedem Bezugschein der erforderliche Anttag stets bei der Ausgabestelle nachweisbar fein muß. Dieses sinnreiche Kontrollsystem, das in wesentlichen Teilen durch die Initiative und eigene Arbeit unseres Gießener Ernährungs- und Wirtschaftsamtes ge­schaffen wurde, hat sich bisher in so. vortrefflicher Weise bewährt, daß es den glatten Ablauf der Dienstvorgänge nur gefördert uni) wegen feines reibungslosen und sicheren Funktionierens auch mehrfach die Anerkennung von vorgesetzten Dienst­stellen erhalten hat. Oeftere unvermutete Revisionen, die gewissermaßen mit demKassensturz" großer Geldinstitute oder Behörden vergleichbar sind, haben bis jetzt noch immer zu dem erfreulichen Ergebnis geführt, daß keinerlei Unstimmigkeiten bei der Ausgabe und Verrechnung der Bezugscheine zutage getreten sind, ein Resultat, das der sorgsamen Ar­beit auf unserem Wirtschaftsamt nur das befiel Zeugnis ausstellt. Das ist gewiß keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, daß im Verlaufe jedes Monats eine nach Taufenden zählende Menge von Bezug­scheinen ausgegeben wird und mit den Landeswirt­schaftsämtern sowie den übrigen BeschafsungsstelleNl zu verrechnen ist.

In das gleiche Aufgabengebiet gehört die fortge« setzte Kontrolle der mit den Reichskleiderkarten zurrt Einkauf in den Geschäften verwendeten Punkte, ba von deren genauer Verrechnung die Beschaffung weiterer Warenmengen immer abhängig ist. Neben­bei fei hier darauf hingewiefen, daß die Zweite Reichskleiderkarte nicht etwa schon ungültig ge­worden ist, sondern noch bis zum 31. August 1942 ihre Gültigkeit behält. *

So dient das Ernährungs- und WirtfchastsamL durch feine Derwaltungsarbeit, deren großer Um­fang nach außen hin nicht weiter in Erscheinung tritt, der gerechten Versorgung aller Volksgenossen und damit auf feinem Gebiete der wirtfchaftltchen Kriegführung dem großen Ziel der gemeinsamen Anstrengungen aller deutschen Menschen, nämlich der Erringung des vollen deutschen Sieges über alle unsere Feinde. 6.

Die drei ziemlich schmächtigen Akte von Gerhard Brückner nach Max Dreyers RomanDas Himmelbett von Hilgenhöh" sollten unter einem nä­heren Titel laufen;Die zärtlichen Verwandten" nach Benedixens Muster, oderVerwandte find auch Menschen", wie der Film es ausdrückte, oderDie Er- ziehung zur Volksgemeinschaft im engsten Kreise". Ein reicher Witwer schenkt nach einem glimpflich verlaufenen Autounfall seinen Verwandten, die sich schon auf eine feiste Erbschaft gespitzt haben, ein Häuschen an der See zu ausdrücklich gemeinsamer Benutzung. Da es nur auf einheiteres Spiel" ab- gesehen war in der menschenfreundlichen Absicht, die auf unversehens gewonnenem Grund und Boden zu­sammengesperrten, erbschleichenden und habgierigen Verwandten kräftig zu ärgern und gegeneinander aufzustiften, entwickelt sich nach den ausführlichen Präliminarien des ersten Aktes im sommerlichen Dünenhaus die handgreifliche Situationsdrastik des Schwankes. (Der große Mokiere machte, vor langer Zeit aus ähnlichen Voraussetzungen in einer kurzen Szene eine unheimlich entschleiernde Charakterko- möbie.) Die Mitglieder der Sippe verschwören sich

Theater -er Universitätsstadt Gießen?

Gerhard Brückner: »Das Himmelbett von Hilgenhöh.'' gegeneinander und sind teils bestrebt, sich wechsel« feitig hinauszuekeln, teils sich zu betrügen, so du; der inzwischen genesene Erbonkel feine helle Freude daran hat. Das Himmelbett, das dem Ganzen den Namen gab, spukt erst im dritten Akt hinter den Kulissen: es steht in einem Bauernhause am Strand und bietet dem einen auf einer Segelpartie bei re­mitier gestrandeten illegitimen Pärchen eine wär­mende Zuflucht. Dieses Pärchen erhält zuletzt das Häuschen des Onkels zur Belohnung für sich allein. Herr Löffler hatte eine freundliche, sommer­liche Dünenlandschaft auf die Szene gezaubert. Herr G. F. Ludwi*g als Spielleiter malte die Situation

heim

Backwunder

Reese-Gesellschaft, Hameln

Der feurige Ofen

Boman von Hans von Hülsen

83 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Fehr nahm sich zusammen:

Da du ja in Lappersdorf sein wirst, Ulla, so wäre es mir lieb, wenn du das auch in Zukunft be­sorgtest."

Dann verabschiedete er sich, aing ins Hotel, ver­brachte eine unruhige Nacht uno reiste am nächsten Morgen zurück.

Ulla und ihr Mann fuhren unmittelbar nach dem kleinen Essen im Hotel Bellevue für ein paar Tage ins Sächsische Erzgebirge, mit Schneeschuhen, Ski­stöcken und Rucksäcken bewaffnet das war ihre Hochzeitsreise. Ullas Vorschlag, nach Pommern zu Wulslams Mutter zu fahren, hatte et abgelehnt:

Später, Liebling. Das kostet jetzt zuviel Zeit. Ich brenne darauf, daß wir uns in Lappersdorf einrichten. Alles können wir doch dem guten Riem­chen nicht allein überlassen!"

Riemchen hatte am Morgen des ersten März ihre Habfeligkeiten in den Reisekorb gepackt, mit dem sie vor beinahe fünfundzwanzig Jahren in Schloß Lappersdorf eingezogen war, und ihn durch zwei Jungen aus dem Dorf auf dem Rodelschlitten weg- schäften lassen. Zu einem Abschied von Fehr kam es nicht, denn er war mit Marion in der Kreis­stadt, als sie das Schloß verließ.

Eine Stunde später band sie sich eine große Schürze um und begann, in dem neuen Hause am Ende des Dorfes zu wirtschaften, damit Ullachen es doch wenigstens gemütlich hätte, wenn sie morgen mit ihrem Manne einträfe. Sie hatte sich ein kleines Mädchen zur Hilfe genommen und schrubbte und scheuerte den ganzen Nachmittag. Am Abend fand sie noch Zeis, in den nahen Wald zu gehen und Tannengrün für eine Girlande zu besorgen, die denn auch wirklich an der Tür prangte, als das junge Paar am nächsten Nachmittag eintraf zum letzten Male mit einem Mietsauto; denn das zwei­sitzige Kabriolett, das Ulla, wie sie sich ausdrückte,

sich selbst zur Hochzeit geschenkt" hatte, war noch nicht geliefert worden.

Nun begannen herrliche Tage für sie und Wulf- lam! Sie waren sich darüber einig, daß nichts so­viel Freude mache, wie die Einrichtung, eines Hau­ses. Acht Zimmer waren, auszustatten: unten der kleine Warteraum und daneben das große, helle Ordinationszimmer, an dessen Wänden sie die mit hundert blinkenden Instrumenten gefüllten'Vitrinen aufftcüten; linker Hand ein kleines Kabinett, das Wulflam als Studierzimmer dienen sollte, mit Re­galen für Bücher und Zeitschriften, auf die Ulla ihn ohne sein Wissen abonniert hatte. Die Küche im Erdgeschoß denn das Haus war urfprünglid) als Zweifamilienhaus gebaut worden ließ sie einst­weilen leerstehen, mit dem Vorsatz, dort allmählich eine Art von Laboratorium einzurichten. Im oberen Stockwerk entstanden unter ihren flinken Händen die Wohnzimmer: die beiden Schlafzimmer, das Eß­zimmer, und ein kleines Gelaß für Ulla, genau über Wulflams Studio. Alles kostete unendliche Mühe und machte unendlich viel Freude. Stundenlang mußte Ulla allein earbeiten: dann war Wulflam auf- Praxis. Sein Vertreter, ein junger Arzt aus der Kreisstadt, hatte ihm ein Paar Fälle hinter­lassen, die seine ganze Aufmerksamkeit forderten: gleich am Tage nach der Ankunft sah er bis in den grauenden Morgen am Bette eines Kindes und kämpfte mit dem Tode um dks kleine, schüchtern flackernde Leben.

Du siehst, du hast einen Arzt geheiratet", sagte er, als er erschöpft in der grauen Dämmerung an Ullas Bett trat.

Ich bin stolz darauf", flüsterte sie und zog ihn zu sich nieder.

War er fort, so hatte sie Zeit, mit Riemchen während der Arbeit zu plaudern. Sie erfuhr alles, was sich drüben im Schloß zugetragen hatte, alle Veränderungen, die dort vorgegangen waren, die aroße Gesellschaft, den Verkauf des Jagdhauses an Fontana und die häufigen Besuche desMusik- Professors", wie die alte Mamsell sich mit unver­hohlener Geringschätzung ausdrückte.

Und gleichsam zur Bestät-gung dieser Erzählungen sah Ulla, als sie zum Fenster ihres kleinen Zimmers hinausschaute, den roten Sportwagen in die Chaussee einbiegen und in Richtung nach dem Schlöffe verschwinden«

Man ging in den März hinein. Er brachte übri­gens garstiges Wetter, Tauwetter, Schlackerwetter, das die Menschen im Haus gefangen hielt.Raoul" undFatme" hatten faule Tage, denn Fehr und Marion ritten feiten aus: die Waldwege waren grundlos, das Wasser schoß irv starken Bachen von den Bergen zu Tal, auf dem Teich im Park schwamm schon eine dicke, graublinde Scheibe, die Eisdecke, und die Wiesen rund ums Dorf waren überschwemmt.

Dann und wann hielt Fabian, der seit einiger Zeit immer mürrisch war, weil er sich mit der neuen Mamsell aus Breslau nicht zu stellen vermochte, mit dem Auto vor dem Schloßportal: die Herr­schaften fuhren aus, zu Diners auf den Gütern der Umgegend, nach Körnerswalde, nach Seidelwitz, nach Schulzendorf; aber sie kamen meist früh zurück, denn immer drängte Marion zu zeitigem Ausbruch.

Es war rasch gekommen, wie Fontana -es ihr Dorausgejagt: sie fand kein Verhältnis zu diesen Menschen. Sie glaubte zu fühlen, daß die Damen ihr auswichen, sie nicht als Ihresgleichen nahmen und anerkannten; schlimmer: fit fühlte, daß die Augen der Herren mit einem Ausdruck über sie hin- gingen, der ihr aus den Anfängen ihrer Theaterzeit nur allzu bekannt war, damals, als ein wohl­wollender Regisseur ihr einmal gesagt hatte:Mein liebes Kind, bis Sie großen Erfolg gehabt haben, werden Sie von den Männern als Freiwild betrach­tet!" Sie hütete sich, Fehr etwas von ihren stum­men Eindrücken anzudeuten; aber sie begann doch sanft zu bremsen, wenn er immer neue Geselligkeit fuchte, in dem Glauben, ihren Wunsch zu erfüllen. Allmählich war ihr die Stille und Einsamkeit des Schlosses lieber als alle Berührungen mit einer Welt, die nun einmal so gar nicht die ihre war.

Christian Fehr merkte diese Wandlung kaum. Und als er sie merkte, nahm er sie nach seiner Art, ohne viel nach den Gründen zu fragen. 2hm selber lag am Verkehr mit den Agrariern der Gegend wenig, er hatte ihn, bei Annettes Lebzeiten, reichlich genossen. Diel lieber lebte er seinen Sammlungen, kümmerte sich ein roenia um seine Unternehmungen bas meiste tat ohnehin Forstmeister Koch Uno verbrachte die freie Zeit mit Marion. Im Dorf ließ er sich durch Wochen nicht sehen, teils, weil er em schlechtes Gewissen gegen die alten Meister hatte,

vor allem aber, weil er vermeiden wollte, Riemcheut oder gar Ulla in die Arme zu laufen.

Er hörte dann und wann etwas von ihr, Horts es aus Bemerkungen heraus, die der Forstmeister gelegentlich fallen ließ. Der hatte wegen eines Furunkels Dr. Wulflam konsultiert und erzählte Dort hem neuen Haus, von dem Behanhlungszimmer mit ben Glasjchränken voller Instrumente, von hent Auto, mit hem Ulla ihren Mann chauffierte, wenn er entlegene Patienten besuchen mußte. Ulla hatte er auch gesehen bei hiefer Gelegenhei; sie hatte ihm hie Wunhe kreuzweise bepflastert unh dabei gesagt: Ein rascher Schnitt, ein Pflaster drauf und danrt heilt's zusammen."

Fehr hörte das alles an, ohne durch ein Work zu verraten, daß es ihn interessiere. Er trug immer noch den Groll mit sich herum, der feit Dresden an feiner Leber fraß: kein großer Zorn, aber ent Fieber von wenigen Strichen, das rnchl welchen wollte.

Marion fühlte wohl, wie es in diesem Punkt mit ihm stand. Sie sprach nie von Ulla, der ja auch sie seit dem Dresdener Telephongespräch vor zwn Monaten ein wenig grollte; sie sagte ihm nicht daß sie Ulla wiederholt gesehen hotte im Vorbeifahren, Sonnabends, wenn sie zu Einkäufen in die ©taht fuhr.

Das tat sie an .jedem Sonnabend. Und es war auch nötig, daß sie sich selber um die Wirtschaft kum- vierte; denn mit Der neuen Mamsell, Fräulein Riemchens Nachfolgerin, war, roje sich bald heraus- stellte, nicht großer Staat zu machen, sie kanl aus einem städtischen Dillenhaushalt und konnte mit der ländlichen Einsamkeit nicht fertig werden: aus ihrer dauernden Mißlaune entsprang Gleichgültig­keit und Mangel an Voraussicht, der einem Land­haushalt nie zuträglich ist und wie Sand im Ge­triebe wirkt. Fabian begann zu murren, daß er immer und immer wieder in die Stadt mußte, weil irgendeine wichtige Kleinigkeit vergessen worden war. So nahm Marion schließlich die Sache selver in die Hand froh im Grunde, etwas zu tun zu haben, machte sich die Woche über eifrig No­tizen in ihrem kleinen Buch mit dem Chintz-Ein­band, und fuhr am Sonnabend nach dem schwarzen Kaffee ab.

(Fortsetzung folgt)