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Not aufs Spiel au setzen. Die erste Runde haben England, die USA. und ihre Verbündeten bereits verloren. In der Südsee bestimmt Japan allein den weiteren Gang der Dinge und kann nun, ohne noch wesentliche Störungen befürchten zu müssen, alle die reichen Bodenschätze und landwirtschaftlichen Er» Zeugnisse dieser Gebiete, an denen in friedlichem Güteraustausch teilzunehmen man ihm verweigert batte, der eigenen Kriegführung nutzbar machen. Aber die japanische Wehrmacht erscheint nun auch schlagkräftig und siegesgewiß in breiter Front von Nordburma bis zur Timor-See an den Ostküsten de» Indischen Ozeans und steht weiter im Süden vor den Toren Australiens. Ein einheitlicker Der- teidigungsplan der Alliierten eristiert nicht mehr. Der alliierte Einheitsoberbefehl, der in Batavia ein­gerichtet und Churchills Günstling, dem General W a v e l l übertragen war, ist kaum in Aktion ge­treten. Wavell hat nicht mehr Gelegenheit gehabt, feine vielgerühmten strategischen Fähigkeiten gegen die japanischen Waffen einzusetzen, als er bereits die Koffer packen mußte, um wieder den Oberbefehl über die Verteidigung Indiens zu übernehmen. Holländifch-Fndien wird feinem Schicksal überlassen. Auch Australien muß selbst sehen, wie es fertig wird, denn seine Hoffnungen auf eine Hilfe der USA. werden trügen, wie alle solche Hoffnungen bisher getrogen haben. Die Briten haben sich für eine Verteidigung Burmas und Indiens entschieden. Der pazifische Kriegsschauplatz ist endgültig zer­rissen, Japan bestimmt in voller Freiheit der Ent­scheidung- wann und wo es seine Operationen an­setzen will. Die englische vesfentlichteit ist in höch­ster Sorge um Indien, aber die Ausstrahlungen der japanischen Siege reichen bereits weiter, denn wichtigste Zufahrtswege für die britischen Armeen in Nordafrika und im Vorderen Orient führen durch den Indischen Ozean, der nun den Operationen der japanischen Marine und Luftwaffe offen liegt. Die Beziehungen zum europäischen Krieg und zur Schlacht im Atlantik, die deutsche und italienische U-Boote mit Zähigkeit und Schneid bis an die Ost- küste Nordamerikas vorgetragen haben, werden deutlich. Die strategischen Zusammenhänge zeichnen sich schon überall klar ab, und England wird es trotz seiner Hoffnungen auf die USA.-Hilfe im Atlantik und die Tschungktng-Soldaten in Burma und In­dien nicht leicht fallen, auch nur den wefentlichsten Anforderungen dieser Kriegführung gerecht zu werden.

Die letzte Entwicklung des pazifischen Krieges hat ein Land aus der Reihe der Kolonialvölker gestrichen, das einst in ihrer Reihe eine hervor- ragende Stelle einnahm: die Niederlande. Einer der kleinsten europäischen Staaten nannte ein Kolonialreich sein eigen, das nicht nur das Mutter­land an Umsang (2,1 Millionen gegen 34 000 Qua- drattilometer) und Bevälkerungszahl (61 Millionen gegen 8,8 Millionen) um ein Vielfaches übertraf, sondern auch mit dem Ostindischen Archipel einen Besitz einschloß, der sich den wertvollsten Kolonien der Großmächte an die Seite zu stellen vermochte. Heute stehen die Truppen Roosevelts in Surinam, der holländischen Besitzung an der Nordostküste Süd­amerikas, Euka^ao, die holländische Insel der Kleinen Antillen, ist Flottenstützpunkt der Engländer, und der Ostindische Archive!, der sich über die Großen und Kleinen Sunoa-Inseln und die Mo­lukken bis zum' westlichen Teil Neu-Guineas er­streckt, ist bereits zum weitaus größten Teil in japanischer Hand. Das hätte nicht zwangsläufig fo kommen müssen. Mit der gleichen Verbohrtheit, mit der die letzte Königin aus dem Hause Oranien, die so wenig von dem scharfen Verstand, der klugen Ueberlegenheit und dem nüchternen Tatsachensinn ihrer großen Ahnherren hat, mit ihrer Regierung im europäischen Krieg auf die englische Karte setzte, alle deutschen Warnungen in den Wind schlug und hinter der Maske einer Neutralität, ihr kleines Land als Sprungbrett dem Feind des europäischen Friedens zur Verfügung stellte, ebenso verbohrt haben sie und ihre Regierung im Londoner Exil den größten nationalen Besitz ihres Volkes, das holländische Kolonialreich in drr Südsee, aufs Spiel gesetzt, obwohl die Katastrophe der fünf Tage des Mai 1940 ihnen eine eindringliche Lehre hätte sein sollen, was es für ein kleines Volk bedeutet, eng­lischen Versprechungen zu trauen, statt in einer Zeitenwende von gigantischem Ausmaße die Forde­rung der Solidarität des europäischen Kontinents freudig zu bejahen. Auch Japan hat es an War­nungen an die holländische Adresse nicht fehlen lassen, als die ersten Anzeichen darauf hindeuteten, daß der europäische Krieg möglicherweise auf Ost- -asten übergreifen könne. Schon als Mitte April 1940 die englisch-französische Agitation zur Vorbe­reitung des Anschlags auf das Ruhrgebiet auch mit dem Argument arbeitete, daßfür den Fall eines deutschen Angriffs auf die Niederlande" eine Be­setzung der holländischen Kolonien durch Streit­kräfte der Westmächte in Erwägung gezogen wer­den müsse, wies die fapanische Regierung daraus hin, daß die Aufrechterhaltung des Status quo in Niederländisch-Indien für Japan lebenswichtig sej. Und als "bann wenig später englische Truppen Cura?aoin ihren Schutz nahmen", erklärte man in Tokio jede Aenderung des Status quo in Nieder- ländisch-Indien für unerwünscht. Trotz dieser deut­lichen Warnungen ließen fid) Königin Wilhelmine und die holländischen Emigranten in London wie mit Blindheit geschlagen von beh britischen Ver­sprechungen betören, daß das Empire die Vertei­digung Insulindes als seine eigenste Angelegenheit betrachten würde. Sie ahnten nicht, wie wenig es in der Lage sein werde, die eigenen Stellungen in Ostosien zu halten, geschweige denn ihr prahlerisches Hilfsversprechen für andere wahrzumachen. Obwohl sich nun immer mehr eine enge Zusammenarbeit des holländisch-indischen Generalstades mit den britischen Militärbehörden in Singapur und schließ­lich auch mit führenden Männern der nordamerika­nischen Wehrmacht abzeichnete, verlor man in Tokio nicht die Geduld in den Bemühungen, Holländisch- Indien aus der kommenden Auseinandersetzung herauszuhalten. Man sandte den Handelsmimster Kibajaschi und später den Botschafter Ioschisawa nach Batavia, um durch einen Handelsvertraa mit der Regierung von Holländisch-Jndien sich die Liefe­rung derjenigen Rohstoffe zu sichern, die für Iapack lebensnotwendig sind.

Aber die holländisch-indische Regierung war eben­so blind wie die Königin in London und ihr Emi­grantenklüngel. Sie ließ nicht nur die Verhand­lungen mit Japan sich totlaufen, sondern schwenkte auch wirtschaftspolitisch ganz auf die Linie London- Washington ein. Während ole gesamte Produktion Holländstch-Indiens der Mufrflftung Englands und der USA. zur Verfügung gestellt wurde, lehnte man Lieferungen an Japan ab, kündigte das Zah­lungsabkommen und fetzte den Vertrag über die ErdöMeferungen außer Kraft. Dos bedeutete nichts anderes als Die Teilnahme Holländisch-Indiens an der von Enaland und den USA. gegen Japan ein­geleiteten Wirtschaftsblockade. Rach Ausbruch des Krieges beteiligten sich holländische Kolonialtruppen gar ttn der britischen Aktion gegen Timor itrtb die

Regierung von Batavia erklärte auch formell den Krieg an Japan. Und doch gab Tokio den Hollän­dern noch eine letzte Ehance. Als die Schlacht von Hawai, der Fall Hongkongs, der japanische Vor­marsch auf Malaya, die Landung auf den Philippi­nen und Britisch-Nordborneo i'djon aller Welt ge­zeigt hatten, daß der Sieg mit den japanischen Waf­fen fein werde und Engländer wie Nordamerikaner nicht in der Lage fein würden, ihre SÄHee-Besitzun­gen zu behaupten, legte der japanische Ministerpra- lident Togo vor dem Reichstag Japans Kriegsziele bar und erklärte, auch Niederlcipdifch-Jndien solle, obwohl es die Waffen gegen Japan erhoben habe, nicht von der Neuordnung der großafiaüjchen Wohl- standssphäre ausgeschlossen werden, wenn es sich entschließen könne, den Widerstand aufzugeben und Japans Führungsanspruch anzuerkennen. In ßon» don wie rn Batavia sand aud) dies großherzige An­erbieten taube Ohren.

So mußte das Schicksal seinen Laus nehmen. England schreckte auch vor einem zweiten Verrat an dem holländischen Verbündeten nicht zurück. Nack­teste Selbstsucht sprach aus der (Erklärung Chur­

chills, daßauf Java jede Konzentration von Mas- fenoerstärkungen, die später an Stellen von größe­rer strategischer Bedeutung gebraucht würden, na­türlich vermreden werden müße". Don allen im Stich gelaßen, kämpft die holländische Kolonial- armee auf Java einen aussichtslosen Kampf. Das hol­ländische Kolonialreich, tte Quelle des niederländi­schen Reichtums, aus der dem Mutterlande an Ka­pitalerträgen, an Pensionen, Schiffahris- unö Han­delsgewinnen annähernd 400 Millionen Gulden re­gelmäßig zuflofsen, ist verloren, verspielt durch die törichte Kurzsichtigkeit von Leuten, die sturer Haß zum zweitenmal schlecht beraten hatte, als sie trotz Der Lehren des Mai 1940 wiederum die Freund­schaft Englands der friedlichen Verständigung vor- zogen, die Holländisch-Indien eine enrwicklungsreiche Zukunst und Selbständigkeit in der oi'tasiatischen Wvhkstandssphäre gesichert hätte. In oeryängnisool- lem Irrtum besangen, von England betrogen, ha- den die letzte holländische Königin und ihr Anhang in Lonbon wie die Regierung von Batavia vor ihrem Volk eine ungeheure Schuld auf sich geladen.

Dr. Fr. W. Lange.

Oie Tai von Pearl Harbour.

Japanische Gpezial-Übooie führten den Angriff auf die ÜGA.-Pazifik-Flotte durch

Tokio, 7. März. (Europapreß.) Der geheimnis­umwobene Einsatz eines japanischen ,/Sonderan- ariff-Geschwaders" beim Angriff' auf den USA.- Floltenstützpuntt Pearl Harbour am 8. De­zember 1941 wurde am Freitag in einer Meldung des Kaiserlichen Hauptquartiers geschildert. Gleich­zeitig werden die Namen von neun Offizieren des Sonderangrifs-Geschwaders" veröffentlicht, die bei dem Unternehmen gegen Pearl Harbour *ben Tod fanden. Sie werden nachträglich um zwei Rang­stufen befördert. Keines der zum Einsatz gekomme­nen Schiffe ist zurückgekehrt. Sie haben sich, wie die Sondermeldung bekannt gibt, entweder selbst in die Lust gesprengt oder sind nach dem An­griff vom Feinde vernichtet worden.

In dem Bericht heißt es:Nachdem das Sonder- angriffsgefchwader insgeheim den japanischen Stütz­punkt verlassen hatte, gelangte es Durch die feind­lichen Wachlinien und komplizierten Fahrrinnen nach Pearl Harbour hinein Und bezog die vorher bestimmten Poften. Dann griffen die Schiffe mit vernichtender Wirkung an. Die augenblickliche Versenkung eines Schlachtschiffes der Arizona-Klafse als Ergebnis des Nacht­angriffes des Sonderangriffs-Gefchwaders wurde deutlich von japanischen Seestreitkräften beobachtet. Am 7. Dezember um 21.01 Ortszeit, gerade zwei Minuten nach Mondaufgang, ereignete sich in

Pearl Harbour eine furchtbare Explosion, die Feuersäulen mit einem Hagel rotglühender Eisen­ftücke in die Luft schleuderte. Innerhalb weniger Minuten verschwanden die Feuersäulen, und die feindlichen Flat-Batterien traten in Tätigkeit, da man anscheinend an einen japanischen Luft­angriff glaubte. Um 22. 41 Uhr wurde ein Funk­spruch von einem Schiff dieses Geschwaders aufge- fangen, das die erfolgreiche Durchführung seiner Ausgabe mitteilte. Es ist damit zu rechnen, daß die Schiffe des Sonderangriffsgeschwaders fick entweder seloft in die Lust gesprengt haben oder spater vom Feind versenkt wurden."

Mit voller Anerkennung des Geistes der Selbst­aufopferung, der aus diesen Taten spricht, schließt der Bericht des Hauptquartiers. Die beim Angriff auf Pearl Harbour eingesetzten Spezial- U «Boote wurden nach einem Plan von Fregatten­kapitän N a o j i Isawa und anderen Offizieren der japanischen Seekriegleitung konstruiert. Da der Aktionsradius der Schiffe wegen ihrer geringen Große notwendig beschränkt fein mußte, wurde größter Wert auf Einrichtungen zurSelbst- vernichtung gelegt. Bei dem Nacktangriff uuf Pearl Harbour wurden fünf Boote eingesetzt. Unter den neun Offizieren, pie mit ihren Schiffen bei dieser Aktion den Tod fanden, ist auch der Ur­heber des Planes, Fregattenkapitän y f a w a.

Oeuffch-japanische Zusammenarbeit auch über die Kriegsaufgaben hinaus.

Japan wünscht kein Monopol in Asien. Eine aufschlußreiche Unterredung.

Tokio, 6. März. (Europapreß.) Einer der fähig­sten und aktivsten Männer der jüngeren politischen Führergeneration Japans, der Mzepräsident oes Jnformativnsamtes, Kiwo Okumura, b-ekcknnte sich in einer Unterredung mit dem Eurvpapreß-Ver- treter in Tokio, Karl Heinz Abshagen, zu einer engen und dauernden Zusammenarbeit Japans mit dem nationalfazialMschen Deutschland. Okumura erklärte:Ich bin überzeugt, daß der Führer Adolf Hitler den Staatsaufbau und das Wesen Japans versteht. Wir betrachten den Dreierpakt nicht als eine vorübergehende Erscheinung, sondern als einen d-auernden Faktor, nicht nur für den gemeinsamen Kampf, sondern erst recht für die spätere Aufbau­arbeit. Wir haben festes Vertrauen zu Deutschland, und sind überzeugt, daß Deutschland das Vertrauen erwidert. Wenn es noch Zweifel gibt, dann nur bei Menschen von gestern, die in die Gegenwart nicht hinein Pässen."

Kiwo Okumura sagte weiter:Japan legt größ­ten Wert auf die Mitarbeit der deutschen Technik und Wissenschaft. Schulter an Schulter mit seinen Freunden will Japan die Zu- kunftsaufgab^n lösen." Japan wolle nicht einfach das Erbe der Angelsachsen als Ausbeuter astatischer Völker an treten. Es wolle vielmehr allen Na­tionen einen gerechten P latz innerhalb der Zusammenarbeitssphäre verschaffen. Die Fruchte würden nicht nur Japan, sondern aller Welt zu­gute kommen. Schon die künftige Entwicklung Hol- landisch-Jndiens werde, selbst rein wirt­schaftlich betrachtet, so große Anforderungen stellen,

daß Japan ste allein nicht bewältigen könne. Japan wünsche, die in Holländisch-Indien internierten Deutschen z u befreien und lege Wert darauf, diese Talente für den Neuaufbau Hol- ländisch-Indiens ein.zufetzen. Weiter erklärte Oku­mura, daß ein in Europa geschlagenes England nicht, wie man nach dem Fall Frankreichs "vielfach angenommen habe, in Kanada, wohl aber in Indien und Australien ein neues Empire bauen könne. Um solche Möglichkeiten auszuschalten, habe die japa­nische Strategie auf die Trennung Indiens und Australiens abgezielt. Jetzt müsse die eng­lische Herrschaft in Indien beseitigt werden. Das deutsch-japanische Verhältnis sei eine Schicksalsge« meinschast wie eine Familie. Die Ausgaben dieser Gemeinschaft seien: hie Engländer und Amerikaner militärisch zu schlagen, die geistige Vorherrschaft des von England und den USA. vertretenen materiell- stisehen Individualismus zu überwinden und eine neue Weltordnung unter deutsch-italienischer Führung in Europa und unter Japans Führung in Öftesten aufzubauen.

Okumura, der im 42. Lebensjahr steht, wurde im Oktober 1941 Vizepräsident des Informationsamtes. Er hat an der kaiserlichen Universität in Tokio deut­sches Recht studiert. Nach dem Weltkrieg beteiligte sich Okumura maßgeblich am Aufbau des deutsch- japanischen Funkverkehrs. 1938 besuchte er Deutsch- land für ein halbes Jahr. Auf diesem Besuch emp­fing er die Anregungen für sein BuchDie Er­neuerung der japanischen Pollttk".

Batavia,

ellevreden und Buitenzorg.

Koningin van het Oosten" das ist der Name, mit dem auch der geschäftstüchtigste Holländer in zärtlichem Stolz Batavias gedachte, einer der ältesten und modernsten Koloniafitädte zugleich. Um das Jahr 1600 gewannen die Holländer hier liegt ' eine her Wurzeln ihres großen Befreiungs- kamofes den Portugiesen, die von dem Spanien Philipps II.geschluckt' worden waren, einen gro­ßen Teil ihres ostasiatiscken Inselreiches ab. We­nige Jahre später entwickelte sich Batavia aus einem Fort und einer Handeleniederlasiung zu einer Ko­lonialstadt europäischen Gepräges, die nach dem Vorbild Amsterdams gebaut war. Stattliche Bür­gerhäuser künden von dem Reichtum und dem Selbstgefühl ihrer Gründer. Aber dieses alte Ba­tavia war ein Fieder- und Choleranest. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Aufenthalt lebensgefähr­lich. 1808 ließ der Generalgouverneur Daendeks die Neustadt anlegen, die landeinwärts liegt und mit der Altstadt durch den 4 Kilometer langen Molen- oliet (Mühlengraben) verbunden ist, längs dessen sich ebenfalls eine Zwischenstadt entwickelte.

Inzwischen ist auch die Neustadt von 1808 zu einer Altstadt geworden, die überwiegend von Ma- laien, Chinesen und Arabern bewohnt wird. Erst Beamte, dann Kaufleute ließen sich zunächst in Weltevreden nieder, das schon etwas höher liegt. In den letzten Jahrzehnten ist auch die Park­stadt Weltevreden überholt worden durch das 62 Kilometer entfernte, noch höher gelegene Buiten- ,3 o r g, wo der deutsche Botaniker Roinwardt 1818 einen sechs Quadratkilometer großen botanischen Garten mit biologischer Station und landwirtschaft­licher Schule angelegt hat. Die damit btgrünbete Tradition wurde mustergültig weitergeführt. Der botanische Garten von Duitenzorg gilt unbestritten als die großartigste Schöpfung dieser Art unter dem Tropenhimmel. Recht interessant ist der Ursprung der N a me n dieser Städte. Batavia erinnert an die alten Bataver, wie die Römer dis norddeutschen

Stämme zwischen den Mündungsgebieten der Elbe und der Schelde nannten. Weltevreden bedeutet Wohlzufrieden" und Buitenzorg, gesprochen: Beu­tensorg, heißtOhne Sorge" oder ...Sanssouci".

Die Volkszählung vom 31. Dezember 1888 wies Batavia noch als eine Stadt von nicht ganz 100 000 Einwohnern aus. Sie zählte damals 7300 Euro­päer, aber schon 55 600 Chinesen! Seither hat Ba­tavia (alleroings auch durch Eingemeindungen) die Halbmillionengrenze säst erreicht. Seine Entwicklung ist nicht gleichmäßig verlaufen. Im 18. Jahrhundert war es bevölkerter als im 19. Jahrhundert. Singa­pur- hatte ihm starken Abbruch getan. Und außer- Dem waren die einstmals vorherrschenden Kaffee- kulturen auf Java sebr stark zurückgegangen, da sich die südameritanische Kafsee-Erzeuaung in den Vor­dergrund geschoben hatte. Um so stärker hat Batavia in den letzten 50 Jahren ausgeholt. Es ist Aus­gangspunkt der Eisenbahnen, die Java parallel zur Nord- und Südküste von Westen nach Osten durch­ziehen, ebenso wichtig für den Verkehr war aber die Küstenschtffahrt, da alle größeren Orte etwa mit Ausnahme von Buitenzorg und Bandung an Küsten, hefonbers an der Nordküste liegen.

Batavia ift in seiner Anlage eine niederlän­dische Stadt: es ist zugleich eine ... chinesische Stadt. Die holländische Kolonialregierung war durch lange Jahrzehnte van der starken ch'nesischen Ein- rnanbhruna wenig erquickt. Die Zahl der in Java lebenden Chinesen wird auch ganz verschieden an­gegeben. Die Statistik weift mehr als eine halbe Million aus, Sachkenner behaupten, daß mehr als eineinhalb Millionen Chinesen in Java ansässig sind.^Sie haben den früher im Wirtschaftsleben vorherrschenden Arabern den Rang mit Erfolg streitig gemacht. Ehinesen beherrschen die kapital- stärksten Banken Javas: chinesisches Geld arbeitet in erstaunlich vielen Unternehmungen.

Weltevreden und Buitenzorg haben ihren gewaltigen Aufschwung als Wohnstädte wegen

ihrer höheren Laae genommen. Buitenzorg Hegt be­reits auf den Vorbergen der gewaltigen alpinen Vulkankette, die Java durchzieht. Von hundert Vulkanen sind noch zwanzig tätig. Die 265 Meter Höhe Buitenzorgs genügen, um nach den Regen­güssen, die regelmäßig während des Nachmittags in tropischer Fülle niederklatschen, einenfrischen" Wind zu bringen, der von den Bergen niederweht lieber den Botanischen ©arten Buitenzorgs lesen wir in einer Reiseschilderung: ,Lieser Lust­garten erhält einen ganz besonderen Reiz durch diS tiefe Talschlucht von Tijidani. Das dunkle schäu­mende Wasser ist zu beiden Seite" durch dichte grüne Laub wände eingeschlossen. Den höchsten Glanz aber verleiht das großartige Bergpanorama. Worte fehlen, um die wuchtige Majestät dieser Ko­losse in ihrer romantischen, zackenreichen Gestaltung ,zu schildern. Um so tiefer prägen sich die Eindrücke ein, die das Bergbild hervorruft, wenn nach dem luftreinigenden Gewitter die gigantischen, mit dunk­lem Tropengrün bedeckten Massen aus dem Wolken­schleier hervortreten, während die untergehende Sonne in ihren rosigen, violetten, hockgelben Tönen von blendender Helle eine eigentümliche überirdische Klarheit darüber ausgießt, bis die hereinbrechende Nacht dem Feuerwerk ein Ende macht ... Der Gar­ten von Paradenija auf Ceylon ift unstreitig ein Meisterwerk. Aber alles, was dieser Garten bietet, reicht nicht entfernt an das heran, was in Buiten­zorg im Laufe dreier Menschenalter angebaut wurde und zu einem Tropenwald auswuchs, der an Schön­heit seinesgleichen sucht, an wissenschaftlicher Be­deutung von keinem anderen Garten der Welt er­reicht wird Die spiegelnden Flächen der Teiche find teils mit Riesenblättern der Victoria regia, dieser herrlichsten aller Teerofen, bedeckt, teils mit den schimmernden Bluten der mythischen Lotos ge­schmückt."

Cripps möchieBerlin erobern!

Stockholm, 6. März. (Europapreß.) In der USA.-ZeitschristLife" empfiehlt Sir Stafford Cripps erneut die Befetzung Deutschlands durch Truppen der Sowjetunion und der anglo-amerika- nischen Mächte. Die Sowjetunion habe, so meint Cripps, 'abgesehen von einer Grenzberichtigung^ keine territorialen Ansprüche. Sie verfolge die glei­chen Ziele wie England und jbie Vereinigten Staa­ten, nämlich die Vernichtung derAggrefsoren"^ Stalins Plan sei, den Nationalsozialismus vollstän­dig au besiegen. Crivps wiegt sich habet in der Illusion, die fowjetrujsische Armee werde zu diesem Zweck so weit nach Europa vordringen, wie die Erreichung dieses Zieles es erfordere. Keinesfalls würden die Sowjets vor Berlin Halt machen? Die Klugheit gebiete den Vereinigten Staaten und Großbritannien, so fährt der fchlaue Mann fort, mit den Sowjets gemeinsame Sache zu machen, da­mit sie sich ihrerechtmäßigen Plätze beim Umbau Europas sichern können".

Damit bestätigt Eripps erneut, daß England und die. Vereinigten Staaten Europa jkrupellos dem Bolschewismus überantworten würden, wenn fid es nur könnten. Die beiden anglo-amerikanischen Machte müßten nach der Aussassuna des Herrn Eripps dabei sogar unmittelbar Hanolangerdtenste leisten. Er drückt das in seinem Leitartikel mit den Worten aus, daßsogar die Sowjetunion selbst" den Wunsch haben könnte, die Alliierten in Deutsch­land einmarschieren zu sehen, damit sie an dessen Niederwerfung und an der nachfolgenden Besetzung leilnehmen könnten.

Bomben auf Portland.

Nach dem Wehrmachtbericht haben deutsche Kampfflieger Derforgungsbetriebe von Portland wirksam bekämpft. Portland ist ein Kriegshafen a n der Südküste Englands in der Grafschaft Dorset. Es sind dort eine U-Boot-Flottille und eine, U-Doot-Abwehrschule stationiert. Auch sind bedeu­tende Küstenverteidigunasanlagen und Molenbescsti« gungen vorhanden. Außerdem besitzt Portland be­trächtliche Oellager, 26 große Tanks mit einem Fas­sungsvermögen von 250 OuO Tonnen, ferner mäch­tige Kohlenbunker und Rüstunasbetriebe für dich britische Marine. Portland ist in Der Kriegsgeschichte durch die dreitägige Seeschlacht Anfang März 1653 bekannt geworden, die der niederländische Admiral T r o m p zur Deckung eines den Kanal passierenden Geleitzuges den Engländern geliefert hat. Die See­schlacht blieb unentschieden, jedoch gelang es Tromp, die niederländischen Schiffe gegen die. britischen An­griffe zu decken. Aus diese Ereignisse hat die eng# fische Presse kürzlich angespielt, als sie anläßlich dee Durchfahrt deutscher Schlachtschiffe durch die Straß- von Dover erklärte, seit dem 17. Jahrhundert sei nichts Demütigenderes für den Stolz der britischen Seemacht geschehen.

Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Berlin, 6. März. (DNB.) Der Führer verlieh das Ritterkreuz an Oberstleutnant Strahamer, Kommandeur einer Panzerjäger-Abteilung, und Feldwebel Jäger, Zugführer in einem Jnfanterie- regimet. Oberstleutnant S t r a h a m e r hat sich als Führer von Vorausabteilungen, vor allem bei den Kämpfen um Mariupol und Melitopol, ausgezeich­net. Den an der Südküste der Halbinsel Krim ge­landeten Sowjets verlegte er durch die Eroberung einer -mit Granatwerfern und Maschinengewehren bestückten überragenden Höhe den Weg. Feld­webel Jäger hat wochenlang hindurch eine be­herrschende Höhe, die weit in das von den Sow­jets besetzte Gelände hineinragt, verteidigt. Er warf mit nur wenigen Kameraden mit Handgranaten, durch das Feuer feiner Maschinenpistole, ja mit der blanken Waffe eine vielfache Uebermacht unter un­geheuren Verlusten für die Sowjets zurück.

Große Dürre in Güdafrika.

Lissabon, 6. März. (Europapreß.) Die Er­nährungsaussichten der Südafrikanischen Union find denkbar ernst, wurde aus Kapstadt dem portugiesi­schen Kolonialministerium gemeldet. Lang an­dauernde Trockenheit und große Hitze trügen die Gefahr einer Vernichtung der Ernte der Südafrikanischen Union in sich und ließen eine starke Schwächung des Viehbestandes be­fürchten. Vor allem die Maisernte, das Haupt­produkt der Südafrikanischen Union, fei bedroht. 50 Bezirke des Landes litten schon lange unter größter Dürre. Viele Farmer hätten ihre Höfe be­reits verlassen. Eine große Anzahl von 5)erben werde in Gebiete gebracht, die der Dürre weniger ausgesetzt seien. Ein weiteres Anhalten der der­zeitigen Wetterlage lasse das Schlimmste für die Er­nährungsaussichten der SüdafritanifcheA Unign bei fürchten»