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gegen zahlenmäßig überlegenen Feind 30 Flug­zeuge ab. vier eigene Flugzeuge werden vermißt.

3m Nordmeer versenkte die Luftwaffe ein Handelsschiff von 7000 BRT. und beschädigte zwei große Frachtschiffe.

Die durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben deutsche Unterseeboote in weitverzweigten Operatio­nen, die vom Nördsichen Eismeer bis in die Gewässer südlich von Madagaskar reichten, nach den großen Erfolgen der letzten Tage in unermüd­lichem Angriffsgeist den feindlichen Transportflolten neue schwerste Verluste zugefügt.

3m Nordatlantik erhielten sie in hartnäckiger Verfolgung erneut Fühlung an die Reste des mit Kriegsmaterial und Lebensmitteln nach England be­stimmten Geleitzuges, aus dem bereits 16 Schiffe mit 94000 BRT. herausgeschossen waren, versenkten aus ihm weitere 6 Schiffe mit.

37 000 BRT. und beschädigten zwei Dampfer durch Torpedotreffer.

Andere Unterseeboote versenkten in Einzel­jagd im Nördlichen Eismeer bei der 3nsel 3an Mayen, im Nordatlantik bei S L 3ohns, im Aequatorgebiet bei der Insel Fernando Noronha, im Südatlantik, vornehmlich im Seegebiet um Kapstadt und in den Randgebieten des 3ndifchen Ozeans süd­lich von Madagaskar 20 Schiffe mit 131000 VRT. Eines von diesen ist mit fünf Dampfer- besahungen untergegangen, die von versenkten Schif­fen an Bord genommen waren und in den verfüg­baren Rettungsbooten keinen Platz fanden.

Damit hat der Feind wiederum 26 Handels­schiffe mit insgesamt 168 000 BRT. verloren. Ein Teil dieser Schisse war mit Kriegsmaterial für die Nordafrikafront bestimmt.

Lleber hundertzehn Breitengrade.

Berlin,5. Nov. (DNB.) Seit Ende Oktober konn­ten trotz der schweren Wetterlage, die im Atlantik herrschte, in kürzesten Abständen immer neue Unter­seebooterfolge durch Sondermeldungen bekanntgege­ben werden. In gruppenweisem Einsatz gelangen ver­nichtende Schläge gegen feindliche Gleitzuge, bei denen ich die hohe Schule des Unterseebootkrieges unter er« chwerten Umstürzen bewährte. Dies zeigt sich be- onders daran, daß es den deutschen Booten jetzt gelang, mit den Resten des Neufundland- Geleitzuges erneut Fühlung zu bekommen. Obwohl sich der Feind schon durch den Verlust von 16 Schiffen in höchster Alarmstufe befand und seine Sicherungsstreitkräfte auf die wenigen, übriggeblie- benen Dampfer konzentrieren konnte, gelang den deutschen Booten der wiederholte Geleitangriff, der zur Versenkung von sechs weiteren Schiffen führte.

Ueber 110 Breitengrade erstreckt sich jetzt das Operationsgebiet der deutschen U-Boote, über ein Seegebiet von fast 80 Millionen Quadratkilometer. Die Insel Jan Mayen in der Grönland-See, der nebelreichste Ort der Erde mit 27 Nebeltagen im Monat, liegt von den Seegebieten des Indischen Ozeans südlich von Madagaskar mehr als 8000 Seemeilen entfernt. Das entspricht einer Ent­fernung von Lissabon bis nach Wladiwostok oder einem Durchschnitt durch ganz Europa und Wen von Westen nach Osten, von der atlantischen Küste Portugals bis zum Japanischen Meer. Während bei Jan Mayen fast ununterbrochen schwere, kalte Nebel auf dem Meere liegen, durch welche die Schiffahrt fast unmöglich gemacht wird, herrscht bei Fernando Noronha, der kleinen Vul­kaninsel unweit der brasilianischen Nordküste, strah­lender Sonnenschein; fast tropische Temperaturen sind hier vorherrschend, hier zog im Frieden der große Schiffsverkehr zwischen Europa und den Häsen der südamerikanischen Ostküste vorbei, heute allerdings ist dieser Teil des Atlantik saft ebenso ausgestorben wie so zahlreiche andere SeegSbiete, die einst zu den am meisten befahrenen Straßen der Weltschiffahrt gehörten. Noch größer als

dis Nord-Süd-Achse Jan MayenFernandoNo­ronha ist die Linie Neufund landKap A g u l h a s , von der kanadischen Küste bis aur äußersten Südspitze Afrikas. Auch diese fast 10 000 Kilometer lange Linie, auf der die deutschen U-Boote operieren, durchläuft alle klimatischen Gebiete der Erde, von den durch Treibeis und Nebelbänke be­drohten Gewässern Ostkanadas bis zu den tropischen Gebieten des Aequators und der gemäßigten Zone Südamerikas.

Während sich noch die allgemeine Aufmerksamkeit auf die großen Geleitangriffe im Nordatlantik rich­tete, waren andere Unterseeboote vom Nörd­lichen Eismeer bis in den südwestlichen Teil des Indischen Ozeans am Feind und machten in Einzeljagd reiche Beute. Sie trafen damit nicht nur die Versorgung der britischen Insel, sondern auch den Waffennachschub für die Bolschewisten sowie für die Briten in Nordafrika. Eines von den Schiffen, die beiderInselJan Mayen Der» senkt wurden, hatte eine Decksladung von Flug­zeugen und Kriegsmaterial für die Sowjetunion an Bord. Von den bei Neufundland versenkten Schiffen waren drei schwer mit Erz beladen. Andere Schiffe, die im Mittel» und Südatlantik den Unter­seebooten zum Opfer fielen, hatten Spezial­erze für die amerikanische Rüstungsindustrie sowie hochwertige Lebensmittel für England geladen. Be­sonders aufschlußreich ist die Feststellung, daß einer der versenkten Dampfer dieBesatzungvonfüns anderen Schiffen an Bord hatte. Auch darin liegt eine Teilbestätigung der vom Gegner verheimlichten Schiffsverluste. Da ein Handelsschiff nicht genügend Rettungsboote oder Flöße mit sich führt, um außer der eigenen Besatzung auch noch die von fünf anderen Schiffen auf ihnen unterzu­bringen, ist damit zu rechnen, daß ein großer Teil dieser Besatzungen untergegangen ist. Bei der Knapp­heit an Seeleuten treffen die hohen Personalverluste die britische und amerikanische Schiffahrt besonders empfindlich. ,

Das Wahlergebnis in den USA.

Stockholm, 5. Nov. (DNB.) Nach Meldungen aus Washington wurden für das Repräsen­tantenhaus 218 Demokraten und 205 Repu­blikaner gewählt. Acht Wahlergebnisse stehen noch aus. Der Senat setzt sich nach den Ergebnissen der jetzigen Wahl aus 56 Demokraten, 38 Republika­nern und einem Unabhängigen zusammen. Ein Wahlergebnis ist noch nicht bekannt. Bei den in 33 Staaten stattfindenden Gouverneurswahlen wurden an Stelle der bisherigen 18 demokratischen und 13 republikanischen Gouverneure jetzt 13 Demo­kraten und 17 Republikaner sowie ein Progressiver gewählt.

Ein Sprecher der Columbia Broadcasting erklärte, daß selbst die begeistertsten Anhänger Roosevelts nicht leugnen können, daß erein wenig gün- stiges Votum" erhalten habe. Allgemein wird festgestellt, daß die Kri^yspolitik des Präsidenten nicht direkt angegriffen wurde und daß sie unver» ändert durchgeführt werde, daß aber die Stellung der demokratischen Partei, der Roosevelt entstammt, innenpolitisch einen ernsten Schlag erhalten habe. Zum erstenmal seit 1933 seien d i e Republika­ner wieder i m A u f st i e g. Roosevelt habe zwar

keine Katastrophe erlitten wie seinerzeit Wilson, aber die Wahlen seien doch ein warnendes Zeichen für den Präsidenten und seine Partei. Diese Warnung werde verstärkt durch die Tatsache, daß auf der einen Seite mehrere Abgeordnete und Senatoren, wie z. B. Senator N o r r i s in Ne­braska, deren Kanditatur ausdrücklich die Unter­stützung des Präsidenten hatte, nicht wiedergewählt wurden, während auf der anderen Seite persönliche Gegner Roosevelts, wie Hamilton Fish im Staate Neuyork und Senator Brooks im Staate Illi­nois, in den Kongreß zurückkehren.

Der Wahlausgang bringt nach republikaniscken Zeitungsstimmen vor allem die Unzufriedenyeit weiter Kreise der Bevölkerung mit der bürokrati­schen Handhabung der Verwaltung zum Ausdruck und stellt eine Kritik der Öffentlichkeit an Roose­velts politischer Führung dar. Als bedeutendstes Er­gebnis wird auf die Tatsache hingewiesen, daß der seit zwanzig Jahren traditionelle Sitz der Demo­kraten im Staate Neuyork'den Republikanern zugefallen ist. In mindestens sechs Staaten ist in gleicher Weise eine überraschende Verschiebung nach der republikanischen Seite erfolgt, ein Symptom,

das von der demokratischen Partei für die weitere Zukunft nicht unbeachtet gelassen werden kann.

Bürokratischer Wirrwarr in den USA.

Lissabon, 6.Nov. (Europapreß.)Wir können diesen Krieg in Washington verlieren", lautet der Titel eines Artikels, den der Vorsitzende des USA - Senatsausschusses zur Nachprüfung von Mißständen in der Kriegswirtschaft, Senator Thoman, m der ZeitschriftThe American" veröffentlicht. Er schreibt, Washington könne den Krieg verlieren infolge seiner bürokratischen Umständlichkeit und der Konflikte znn- chen Mllitär- und Zwilbehorden. Diel zu viel Po- tenjäger seien in der Kriegswirtschaft. Tausende Tonnen Kupfer befänden sich..beispielsweise in_ ßa- gerhäusern der Marine zu künftiger Verarbeitung beim Schiffsbau, aber eine Fabrik nebenan müsse chließen, weil sie kein Kupfer habe Anfang 1942 chützten die Wehrbehörden den Bedarf an Vana­dium im laufenden Jahre auf 50 bis 60 Millionen Pfund, wußten aber wohl nicht, daß die gesamte Weltproduktion nur etwa em Zehntel davon betragt. Im letzten März schränkten die Knegsproduktlon-. behörden die Verwendung von Stahl für Rasier­klingen so weit ein, daß angeblich nur eine Klinge je Mann und Woche verbraucht werden durfte Hinterher wurde festgestellt, daß die USA. viel weniger Rasierklingen verbrauchten, die Ratiome- rung also ein Schlag ins Wasser war. Doch redeten die Behörden sich damit heraus, sie hatten

Besonders verhängnisvoll sei der Widerstand des Militärs gegen jegliche Neuerung gewesen Heute nehme die USA.-Lustwaffe das neue Modell des Thunderbolt mit großer Begeisterung auf, vergesse aber dabei anscheinend, daß dasselbe Modell s ch o n 19 3 7 vorgelegen habe, die USA. aber damals noch bei dem flüssiggekühlten Motor bleiben wollten, bis die japanischen und die deutschen Flugzeuge die Ueberlegenheit des luftgekühlten Motors bewiesen und die USA.-Luftwaffe den Thunderbolt nach fünf­jähriger Verheimlichung auf einmal als.neues W u n d er pries. Die Folge fei: Die USA. hatten heute viel zu wenig moderne Kampfflugzeuge.

Um den Lebensmittelverbrauch der USA.-Beoolke- rung einzuschränken, trägt sich Präsident Roosevelt mit dem Gedanken der Ernennung eines ßebens- mitteldiktators. Stephan Early, der Sekretär des Weißen Hauses, erklärte, daß dieser Diktator die Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der USA. mit den Lebensmittellieferungen an die Al­liierten auf Grund der Pacht- und Leihvertrage in Einklang bringen müsse.

USA-Neger-Truppen für den Nahen Osten.

Stockholm, 5.Nov. (ßuropapreß.) Nach Eng­land und Nordirland wird nun auch der Nahe Osten ohne Rücksicht auf die Gefühle der arabischen Be­völkerung von Roosevelt mit Negertruppen bedacht. Sie wurden an einem ägyptischen Hafen am Roten Meer an Land, gesetzt und auf Lastkraftwagen in ein Lager am Rande der Wüste gebracht; von dort sollen sie wettergeschickt werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Kriegseinsatz des Studententums im Kriegs» fahr 1942, der 29 000 Studenten und Studentinnen bei dringenden Fertigungsaufgaben der Industrie, in Lazaretten, Krankenhäusern, bei der Beseitigung von Bombenschäden, in der Landwirtschaft, zur Ab­lösung kranker und erholungsbedürftiger Arbeiter und Ärbeiterinnen sowie bei der Betreuung der Um­siedler und Volksdeutschen in allen Grenzgebieten sah, wurde in diesen Tagen beendet.

Nach dem Ableben des 'bayerischen Ministerpräsi­denten Siebert hat der Führer den Gauleiter Giesler mit der Führung der Geschäfte des baye­rischen Ministerpräsidenten sowie der bayerischen Staatsminister der Finanzen und für Wirtschaft beauftragt.

Als Nachfolger des bisherigen Bevollmächtigten des Reiches, Gesandten von Renthe-Fink, ist der bisherige Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Dr. B e st, zum Bevollmächtigten des Reiches in Dänemark ernannt worden.

Der schwedische Erzbischof Dr. Eid em aus Upsala weilt in Deutschland zur Feier des 310.

Todestages des schwedischen Königs Gustav Adolf, der 1632 in der Schlacht bei Lützen fiel. 900^6110 seines Berliner Aufenthaltes folgte Erzbischof Dr. (Fibern einer Einladung der deutsch-schwedischen Ber­einigung, deren Präsident, Dr. Draeger, ihn m der Reichshauptstadt begrüßte.

Der Chef der britischen Mttttärmission in Tschung* kinq-China, Generalmajor I. O. Bruce, ist nach Britisch-Indien zurückgekehrt. Zu seinem Nachfolger wurde Generalleutnant Grimsdale ernannt, der Militärattache bei der britischen Botschaft in Tschung- king.

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Der Führer hat dem ordentlichen Professor em. Geh. Regierungsrat Dr. phiL habil. Dr.-Ing. e. h. Oskar Knoblauch in München aus Anlaß feines 40jährigen Dienstjubiläums in Anerkennung feiner Verdienste auf dem Gebiet der technischen Physik die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ver­liehen.

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In Anwesenheit des Oberbefehlshabers der bul­garischen Luftwaffe, General Airanoff, wurde das erste Segelflugzeug der Brannik, der bulgarischen Staatsjugend, eingeweiht. Bei einer Segelslug schau zeigten die jungen. Flieger den Stand chrer Aus­bildung, den sie unter deutscher Leitung erworben haben.

Aus dem Reich.

BOM.-Mädel schneidern mit wenig Geld und wenig punkten.

Die im Sommer von der Httler-Iugend getroffe­nen Maßnahmen zur Einsparung von Spinnstoffen wurden jetzt durch eine Arbeitsbesprechung zwischen den Gebietsbeauftragten des BDM.-WerkesGlaube und Schönheit" und den Leitern und Leiterinnen der deutschen Modeschulen weiter ausgebaut. Prof. BennovonArent und Frau Maria M a y, dis Leiterin der Manufaktur des Deutschen Modeinsti« tuts, sprachen über die Aufgaben des deutschen Mode­schaffens im Kriege. Unsere weibliche Jugend, die heute ausnahmslos im Beruf oder in einer Berufs­ausbildung steht, soll künftig vornehmlich über die ArbeitsgemeinschaftNähen und geschmackvolles Kleiden" des BDM.-Werkes Anregungen erhalten, sich mit geringen geldlichen Mitteln und unter ratio­neller Ausnutzung der Punktkarte sowie unter Neu­verarbeitung alter Sachen geschmackvoll und indivi­duell zu kleiden. Eine besondere Arbeitsgemeinschaft beschäftigte sich mit Vorschlägen für eine praktiscke Berufskleidung und die ländliche Klei­dung, die sich an die alten, landschaftsgebundenen Trachtenvorbilder anlehnen wird.

Kunst und Wissenschast.

Die silberne Ehrenmünze Darmsladls für Max von Pauer.

In der Hessischen Landesmusikschule überreichte Oberbürgermeister Wamboldt in Anwesenheit zahl­reicher Ehrengäste dem bedeutenden Pianisten und Klavierpädagogen Professor Max von Pauer die silberne Ehrenmünze der Stadt Darmstadt für seine großen Verdienste um das Theaterleben und den pianistischen Nachwuchs. Es wurde auch eine von der Bildhauerin Colma Lohkamp-von der Heide ge­schaffene Bildnisbüste Max von Pauers aufgefteüt

«Samurai von Mirko 3eluflch im Kasseler Staalskhealer.

Mirko Ielusich, der historische Gestalten großen Formats episch oder dramatisch behandelte (Casar, Hannibal, Don Juan, Cromwell, Sickingen) hat die japanische Sage von den 47 Samurais, Oie die Ehre ihres Herrn rächen, zur Grundlage eines Schau­spiels gemacht, dessen Prosa-Fassung jetzt am Kas­seler Staatstheater urauf geführt wurde, während die Versfassung am Wiener Volkstheater ihre Pre­miere erleben wird. Ielusich lockert die Sage, die mit dem Ueberfüll der Samurai auf das Schloß ihres Feindes, des Fürsten Kotsuke, endet, durch eine Liebesgeschichte auf und überträgt den Lieben­den, einem Samurai und einer Samurai-Tochter, die Aufgabe, die Wachsamkeit des Gegners zu über­listen und in dessen Schloß Fuß zu fassen. Dra­matisch arbeitet Ielusich mit starken Kontrasten: dem Glanz von Kotsukes Schloß steht das Elend der Samurai gegenüber, die als Lastträger, Hau­sierer, Garköche und Bettler leben. Es gibt Szenen von düsterer Kraft, wie die Begegnung der Samurai und der zum Teehausmädchen gefallenen Samurai- Tochter, das Narrenspiel des Liebenden, die Rache­szene im Tempel. Ielusich geht es um die drama­tische Sichtbarmachung des Motives der Treue über

- Unter den Apfelbäumen.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Unmerklich gleitet das Jahr in den Herbst hinein. Es kommen leuchtende Tage, voll von einem milden Glanz, noch gar nicht traurig. Die Schwalben sam­meln sich im Laub der Kirschbäume, es sind ganz junge darunter, den ganzen Tag mühen sie sich ab und üben ihre Schwingen für den großen Zug. In den Haselbüschen hocken die Eichhörnchen, schnalzen vergnügt und drehen braune Nüsse zwischen ihren flinken Pfötchen, und draußen auf den leeren Fel­dern treibt sich der Wind herum. Man denkt, das sei noch ein Sommerlüftchen; zu dieser Zeit geht man ja selbst in Hemdärmeln über die Wiesen und spürt die Sonnenwärme im Rücken. Dann trägt einem plötzlich der Wind etwas vor die Füße, ein erstes gelbes Ahornblatt, nur eines. Man nimmt es mit und steckt das Blatt an den Hut, weil es so schön geädert ist, aber nach ein paar Tagen ha^ es seinen Wert verloren, es gibt ihrer viele unter den Bäumen.

Die Kartoffeln werden aus der Erde gegraben, die letzte Ackerfrucht des Jahres, nicht so heilig und ehrwürdig wie das Korn, aber dennoch ein Segen, ein spätes Gnadengeschenk des Herrn, als die Erde schon dornig und verflucht war.

Es gibt eine Fülle beschaulicher Arbeit in diesen Wo­chen. Mist wird ausgefahren, es duftet herzhaft nach gefunöer Verdauung in der ganzen Gegend. Zu viert stehen die Hofleute auf den Tennen und dreschen gemächlich zur kühlen Abendzeit, es klingt, als trabte ein schwerhufiger Gaul in der Dämmerung über Land. Das Korn lockte die Spatzen und die Mäuse heran, hinter denen sind wieder die Wiesel her, und überall hocken vollgefressene Katzen auf den Zäunen, schauen wehleidig vor sich hin und speien zum (Stein­erbarmen.

Der Großvater geht im Baumgarten auf und ab, er schielt nach den Aepfeln, bis er es nicht mehr aushalten kann und eine Schürze umbindet und auf die Leiter steigt. Unten steht Christian, fein jüngstes Enkelkind, und nimmt die Aepfel aus dem Netz. Jeden einzelnen reibt er mit einem Tuch blank, ehe er ihn zu den anderen in den Korb bettet, und wehe, wenn er nur ein einziges Wurmloch hat, so­gleich verschwindet er ohne Erbarmen in Christians Hosentaschen. Manchmal greift auch der Großvater

daneben, alles was fällt, ist Christians unbestritte­nes Eigentum. Aber den letzten Apfel von jedem Baum bringt der Großvater selber herunter. Er bricht ihn mit den Händen entzwei, und wenn er sich schön im Kernhaus geteilt hat, dann ist es ein gutes Zeichen: es bedeutet, daß Gott niemand im Hause abruft, ehe der letzte Apfel verzehrt ist. Wenn man starke Daumen hat und ein guter Hausvater ist, kann man sich und den Seinen auf diese Weise in ein biblisches Alter helfen.

Oss Deutsche in der Naturwissenschaft.

Von Dr. Franz von Krbek.

Nur ganz kleine Kinder mögen heute noch daran glauben, daß Sterne Lampen sind, die des Nachts von Engeln angezündet werden. Ihre verspielte Welt, bevölkert von Feen und Engeln, die getreu­lich zu verrichten haben, was sich in der großen Natur ereignen soll, ist nicht die Welt der Natur­wissenschaft. Es hieße das Rad der Zeit zurück­drehen wollen, würde man den entschwundenen goldenen Zeiten" nachtrauern. Waren sie aber wirklich so golden, wie sie aus der alles verschö­nenden Ferne aüssehen, diese Zeiten? Der Mensch besaß jedenfalls keinen nennenswerten Schutz gegen die feindlichen Gewalten der Natur, im Gegensatz zu heute dank der Naturwissenschaft! Freilich, die Menschen von damals lebten scheint es un­bekümmert, und daran liegt es wohl, wenn die alten Zeiten uns golden erscheinen. Sie scheinen aber nur so. Um den Anforderungen ihrer Zeit zu ge­nügen, mußten sich unsere Vorfahren ebenso be­mühen wie wir das tun, um der neuen Zeit ge­wachsen zu fein. Leistungsfähigkeit und Anstren­gungen hängen nämlich davon ab, wie weit die Fähigkeiten des einzelnen-*' entwickelt sind.

Uns fällt es heute' leicht zu dividieren, jeder Volksschüler kann e£. Am Ausgang des ersten Jahrtausends bildete/ dagegen die Division Gegen­stand des Unterrichts der damaligen Universitäten. Sie galt als schwere Kunst und zerfiel in eine grö­ßere Anzahl unbeholfen abgefaßter Regeln. Die Er­klärung dafür latttete: Man konnte und durfte die Kenntnis des Einmaleins nicht vorausfetzen! Der

seitdem erzielte Fortschritt leuchtet ein, ebenso aber, daß dieser Fortschritt verpflichtet. Wir beherrschen das Einmaleins und noch viele andere Dinge, die das Fassungsvermögen früherer Geschlechter über­steigen; nur so ist es möglich, zu vollbringen, was früher als Wunder gegolten hätte.

Wir haben es verlernt, uns zu wundern, so schnell ist der Fortschritt, der nur zu leicht zum hasttgen Großstadtleben verleitet, das feindlich jeder Selbst­besinnung ist. Ohne diese aber verkümmert der Mensch, einer Blume ähnlich, die man von der nährenden Wurzel abgerissen hat. Es hängt jedoch von uns selbst ab, wie wir unsere Zeit einteilen und welchen Gebrauch mir vorn Fortschritt machen. Vernünftig allein ist, ihn zur Entlastung des Men­schen heranzuziehen. Dadurch wird der Mensch zu neuen, größeren Aufgaben frei. Man geht nicht, sondern man fährt zum Arbeitsplatz und gewinnt damit Zeit für die Arbeit. In Großbetrieben er­ledigen besondere Maschinen die Buchführung und geben Arbeitskräfte für Aufgaben frei, die indi­viduelles Eingreifen verlangen. Die Beispiele lassen sich leicht mehren und überzeugen, daß neue Er­findungen Arbeit dem Menschen abnehmen.

Erfindungen setzen aber eine Gedankenarbeit voraus, die stets in der Naturwissenschaft wurzelt. Der Rechenschieber des Ingenieurs ist nur möglich, weil Michael Stifel vor vier Jahrhunderten die Logarithmen entdeckt hat. Ohne diese gäbe es keine Brückenbauer und keine Flugzeugkonstrukteure. Ein Gedanke trat feinen Siegeszug aus der Gelehrten­stube in die weite Welt an.

Diesem Beispiel läßt sich aber noch eine Lehre entnehmen: den Ausschlag gibt immer die Einstel­lung des Volkes, dem auch der Gelehrte unweiger­lich angehört. Die Griechen der Anttke trieben die Wissenschaft um der Wissenschaft willen und lehnten jede Anwendung ab. Was kümmerte es sie, wie die Sklaven lebten und arbeiteten, Plato verurteilt die Vorläufer unserer Ingenieure, well sie ,chie Würde der (Beometrie verletzten, indem sie diese vom Unkörperlichen und Intellektuellen zum Körperlichen herabsinken ließen".

Bei einer solchen Einstellung der Griechen darf man sich nicht wundern, wenn sie ttotz ihrer großen mathematischen Kenntnisse die Entdeckung Stifels nicht vorwegnahmen und damtt ungeheurer tech­nischer Möglichkeiten verlusttg gegangen sind. Ge­wiß war ihre Schreibweise von Zahlen recht un­

beholfen, kann aber nicht als der Grund angesehen werden, warum sie nicht zu den Logarithmen vor­gestoßen sind, vielmehr würden sie bei einer an­deren Einstellung unsere heutige Zahlenschreibung sicher ebenfalls entdeckt haben!

Untersucht man die Einstellung des Deutschen zur exakten Forschung, dann fällt es auf, wie tief er sich einerseits in naturwissenschaftliche Probleme versenken kann und wie anderseits ein gesunder Blick dennoch auch die Anwendungsmöglichkeiten er­späht. Von der Natur mit nur geringen Boden­schätzen ausgestattet, verstand es Deutschland, eine Vormachtstellung einzunehmen, der heute die hohe Aufgabe obliegt, den neuen europäischen Lebens­raum zu gestalten.

Unleugbar haben die Naturwissenschaftler dazu beigetragen, Deutschland in diese Lage zu versetzen. Wirft man nur einen Blick auf die lange Liste der Forscher aller Länder, dann erblickt man eine über­wältigende Mehrarbeit Deutscher darunter, die ge­radezu Marksteine auf dem Wege bedeuten, der den Menschen zum Sieg über die Natur und über sich selbst führte. Wir leben unter Bedingungen, die in früheren Zeiten stets herbeigesehnt und nie ver­wirklicht wurden. Eine Handbewegung läßt Licht im Raum aufflammen, eine zweite Wasseraus der Wand" fließen Handlungen, die früher für Zauberei gegolten hätten. Unser Gemüt belastet kein Aberglaube mehr, wir besitzen ein WeltbiK», das uns davon für immer erlöst hat, wir sind em starkes, äußerlich und innerlich freies Volk nicht zuletzt dank unserer Naturwissenschaft.

Zeitschriften.

Die neuen Linien und Farben der diesjährigen Herbstmode zeigt das neue Heft derMoben- weit" (im Deutschen Verlag, Berlin). Das schone bunte Heft bringt zahlreiche Modelle, größtenteils in farbiger Wiedergabe. Es zeigt Kleider für jede Tageszeit und jede Gelegenhett, Vorlagen für Frauen, junge Mädchen und Kinder. Viele prakttsche Vorschläge zum Umarbeiten von Kleidern werden gegeben, dazu modische Winke und Ratschläge. Be­sonders wertvoll ist diesmal der Handarbeitsteil, m dem Muster und Vorlagen zum Stticken und Nähen von wärmenden Sachen für unsere Soldaten gezeigt werden.25