Dienstag, 6. Oktober 1942
Ur. 255 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Eröffnung der Volksmusikschule Gießen
Ernst Blumschein.
druck.
(Nachdruck verboten.)
16. Fortsetzung.
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gen. Hier ist das Publikum ganz in den Mittelpunkt gerückt und sein fieberndes, von Sportlei- denschcrft hingerissenes Mitgehen, wie wir es von Vorkriegswochenschauen kennen, rst die lebendige Szenerie für den heißen Endkampf um die Ehre der deutschen Meisterschaft. — Der Film ist als aus- gezeichnete Gemeinschaftsleistung bemerkenswert. Sollen wir trotzdem einige Namen nennen, fo ist es Josef Sieber, schroff, bärbeißig und gradezu, der als fanatischer alter Fußballer genau weiß, daß ohne Kameradschaft kein Erfolg ist und jedem mißtraut, von dem er eine Störung des Zusammenhalts seines Klubs befürchtet. Gustav Knuth ift der Trainer, der seiner Elf ein Freund auch in ihren persönlichsten Nöten ist. Rene Deltqen spielt den schwierigen Charakter des Fremden, Hilde Jansen ist das Mädchen, das mit seinen unklaren Gefühlen die verhängnisvolle Verwirrung stiftet. An der Kamera stand Bruno Stephan.
*
Neben der Wochenschau, die hier schon besprochen wurde, fordert ein Kulturfilm von Professor
Walter Hege wegen seiner herrlichen Landschaftsbil- der und den naturkundlich ungemein interessanten Aufnahmen vom Vogelleben am Strand des trotz seiner Schönheit und Größe außerhalb Mecklenburgs fast unbekannten Müritzsees mit seinen Seeadlern, Rohrweihen, Lachmöoen, Tauchern, See- schwalben und Nebelkrähen unsere besondere Aufmerksamkeit. Fr. W. Lange.
Gießener Dochenmarktprelfe.
"r* Gießen, 6. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Kartoffeln, 5 kg 51 Rpf., Wirsing, kg 6 bis 10, Weißkraut 4 bis 8, Rotkraut 6 bis 10, gelbe Rüben 8, rote Rüben 8, Spinat 12, Rö- mischkobl 10, Unterkohlrabi 3, Tomaten 16, Frühäpfel 20 bis 30, Falläpfel 7, Birnen 20 bis 25, Lauch 15, Endivien, das Stück 8 bis 12, Oberkohlrabi 10, Radieschen, das Stück 10 bis 20 Rpf.
Verdunkelungszett:
6. Oktober von 19.49 bis 7.02 Uhr.
Er fand in der Dunkelheit ihre Schulter und streichelte sie zart. Seine rissige Haut blieb an der dünnen Seide ihres Kleides hängen. „Kleines Mcid- chen ..murmelte er und suchte vergeblich nach den Worten, die sie zu beruhigen vermochten, „kleines Mädchen, nicht weinen ..
Er verlor ihre Schulter und spürte plötzlich, unsäglich überrascht, wie sie die Arme um seinen Hals schlang und ihr nasses Gesicht an seine Wangen preße. Ihr Mund suchte seine Lippen, Brackmann schmeckte ihre salzigen Tränen und ließ den stummen Ansturm ihrer Zärtlichkeiten sekundenlang vollständig fassungslos und bestürzt über sich ergehen. Dann versuchte er, die Umklammerung ihrer Arme zu lösen, aber sie drängte sich nur noch enger an ihn, und ihre Küsse trafen seine Augen, sein Haar und seine Stirn. Er wich zurück und griff nach ihren Schultern, aber er hätte ihr weh tun müssen,
Hans Watzlik in Gießen.
Der Gießener Vortragsring (Goethebund, Kulturelle Vereinigung, Volksbildungsstätte Gießen der NSG. „Kraft durch Freude") eröffnete sein Dor- tragsprogramm 1942/43 am gestrigen Montag mit einem gutbesuchten Dichterabend in der Aula der Universität. Der bekannte sudetendeutsche Dichter Hans Wa^lik war eingeladen worden, aus seinen Werken hier zu lesen.
Kreisleiter Backhaus eröffnete den Abend und damit die Arbeit des Vortragsrings für das kommende Winterhalbjahr, begrüßte den Gast aus dem Sudetenlande herzlich und bat dann die große Gemeinschaft des Vortragsrings und alle an dessen Wirken interessierte Volksgenossen um regen Besuch der Veranstaltungen in den kommenden Monaten.
Hierauf begann Hans Watzlik mit den Lesungen aus seinen Werken. Er teilte den Stoff des Abends in eine besinnlich-ernste und in eine heitere Gruppe ein. In warmer und stark zum Herzen dringender Sprache verstand er es, feine Hörer von vornherein völlig in den fesselnden Bannkreis seiner Werke zu ziehen. Nach dem bekenntnisstarken „Nie zurüffk" war es die bang-fragende Erzählung vom „Gottsucher", die schon zu Beginn eine starke, Ausstrahlung der dichterischen Kraft Watzliks gab. In der anschließenden Erzählung über Goethe unb Faustino auf der Fahrt in Italien wurde dieser Eindruck noch verstärkt, um dann in der Lesung^ eines Kapitels aus Watzliks Mozart-Roman „Dis Krönungsopfer", ferner in einer Erzählung über die Gedanken und Empfindungen einer Mutter beim Besuche des Grabes ihres im Tiroler Krieg ge- fallenen Sohnes und schließlich in einer Sage aus feiner früheren böhmischen Heimatstadt über den Tod eines abgerackerten Bauern und das starke seelische Erleben der Witwe des Toten noch mehr vertieft zu werden. Im zweiten, frohgestimmten Teil des Abends brachte der Dichter zunächst die hübsche Erlebnis-Erzählung vom Schaukelpferd, dem Schimmel seines dreijährigen Böhnchens Jörgl, und dessen vielseitige Lebensbahn und Wandlungen. Dann liest er die amüsante Geschichte von dem Meisterstück in der Stadt Straubing bei dem Wettbewerb der drei Scharfrichter folgen, um schließlich die heitere Seite des Abends in der köstlichen Erzählung von dem Krach in Eichstätt aus der Franzosenzeit von 1796 ausklingen zu lassen.
Es war ein starkes und dankbar vermerktes Erleben, das den Besuchern des Abends durch die Begegnung mit Hans Watzlik geboten wurde. Der Dank der Hörer an den Dichter für seine reizvollen Lesungen kam in verdientem starkem Beifall zum Aus,
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wortlos und ziellos, es fraß in mir und brannte mich aus, und ich wäre erstickt und zugrunde gegangen, mehr als an allen Erniedrigungen meines Daseins, wenn ich nicht die Hoffnung gehabt hätte, Gonzales und der Perano noch einmal in meinem Leben zu begegnen.
Zehn Jahre Zwangsarbeit lagen vor mir. Sie bedeuteten für mich genau so viel wie ein Todesurteil. Wie sollte ich sie jemals überstehen? Neben mir starben die Leute an Fieber und Erschöpfung, Strolche und Banditen, mit denen das Leben schon während ihrer Freiheit nicht gerade sanft umgesprungen war. Wie durfte ich hoffen, widerstandsfähiger zu sein als sie?
Einmal packte mich das Gelbfieber. Die Grube war schon ausgehoben, in der ich verscharrt werden sollte. Aber ich kam durch, ohne ärztliche Hilfe, mit den primitivsten Medikamenten; meine stärkste Medizin war mein Wille, daß ich leben müsse, um Gonzales und Ciquita Perano wiederzufinden.
Manchmal überfiel mich eine panische Angst, nicht ich würde diese zehn Jahre nicht überstehen, sondern Gonzales könne inzwischen etwas zustoßen, eine Krankheit könne ihn dahinraffen, oder die Perano könne ums Leben kommen. Es waren furchtbare Stunden, Stunden, in denen ich Gott und den Teufel anflehte, die beiden leben zu lassen, sie aufzuheben — für mich!" "
Er beugte sich vor. Karen spürte das Wehen seines Atems an ihrer Wange. Seine Stimme drang flüsternd unb heiser an ihr Ohr: „Vielleicht hast du recht, vielleicht bin ich wirklich wahnsinnig. Weshalb sollte ich auch in jener Hölle nicht irrsinnig geworden fein? Stärkere und einfachere Burschen als ich haben dort den Verstand verloren.
In meinem Hirn hat sich ein Gedanke festgekrallt und läßt mich nicht los, er verfolgt mich im Schlafen und Wachen; er ist wie eine Stimme, die unaufhörlich auf mich einspricht. Stunde um Stunde und Tag für Tag, und ich weiß, daß sie erst füll fein wird und daß ich Frieden vor ihr finden werde, wenn ich Gonzales und Ciquita Perano vernichtet habe."
40 Ll-Boot-Männer in Gießen
Eine große Kundgebung für unsere Kriegsmarine.
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schlüge ober Enttäuschungen zu verhüben. Jrn Übrigen gab er noch grundlegende Ratschläge für die praktische Arbeit ber Volksmusikschule. Sodann eröffnete er die Volksmusikschule Gießen und übergab deren Leitung dem im Musikleben weit über unsere Stadt hinaus bekannten Musiklehrer Heinrich Blaß.
Musiklehrer Blaß übernahm diese neue Aufgabe neben seinem hauptberuflichen Wirken als Musiklehrer an unseren Höheren Schulen, als führender Mitarbeiter in unserer heimischen Sängerschaft, sowie als Leiter der bisher von KdF. geführten Jugendmusikschule, mit dem Ausdruck des Dankes für das große Vertrauen, das ihm hiermit wiederum von KdF. bekundet wurde, und mit ber Versicherung, daß er jenerzeit mit bester Kraft für die Volksmusikschule tätig sein wolle. Er betonte dann die Notwendigkeit der Pflege der guten Musik unb ber Förderung aller musizierfreudigen Dolksge- noffen, um dadurch die Freude an der Musik und ihren Schönheiten immer weiter ausbreiten zu können. Zum Schluß bat er die Betriebsführer und Betriebsobmänner um rege Unterstützung der Volksmusikschule und seiner Arbeit, damit durch die gemeinschaftlichen Anstrengungen unser kostbares deutsches Musikgut noch mehr als bisher gehegt unb gepflegt unb damit bas Erbe ber großen Meister der beutschen Tonkunst würdig bewahrt werden könne.
Der Kreisobmann der DAF., Gauhauptstellenleiter Goebel, brachte zum Schluß den Dank der Deutschen Arbeitsfront für die Gründung der Volksmusikschule zum Ausdruck und begrüßte die Bereitwilligkeit der Betriebsführer und Betriebsobmänner zur Förderung dieser neuen Einrichtung. Dann unterstrich er einige besonders bedeutsame Punkte der Zielsetzung der' Musikschule und wünschte ihr namens der'DAF. im Kreise Wetterau für ihr Wirken vollen Erfolg.
um sich zu befreien.
„Du darfst nicht gehen, Malte", stammelte fie< „ich laß dich nicht weg!"
Seine Augen, die sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, nahmen einen Schimmer ihres Antlitzes wahr, ein helles Oval, das fragend unb angstvoll in seinem Gesicht zu lesen versuchte. Er war nur aufs tiefste bestürzt. Nicht für eine Sekunbe kam ihm ber Gebaute, baß es die Küsse einer Frau waren, bie seine Lippen trafen. Unb obwohl er die zarten Rundungen ihrer Brüste spürte unb den süßen Duft ihres Haares einatmete, hatte er nur das Empfinden, dem wilden, nervösen Sturm eines kindischen Zärtlichkeitsausbruches ausgesetzt zu sein.
Er hatte keine Zett, sich über die Gründe dieses überraschenden Ereignisses Gedanken zu machen, aber eine innere Stimme sagte ihm mit Gewißheit, daß weder ihre Tränen noch ihre Küsse ihm galten. Vielmehr war er dunkel davon überzeugt, daß ihre Erregung einer unsagbaren Trauer entsprang, einer unpersönlichen, allgemeinen Trauer über den Verlust eines frommen Glaubens an die gütige Welk orbnung, zu der fein Schicksal ihr den Anstoß gegeben hatte. (Fortsetzung solgt^
marine näher verbundenen Männer allein sein, vielmehr sollen sie ein Bekenntnis ber gesamten Gießener Bevölkerung für die deutsche Seegeltung und zu den Männern unserer Kriegsmarine werden. Daher wird an unsere Volksgenossen in Gießen appelliert, den Kameraden von ber Kriegsmarine, die nicht nur bei den alten Marineangehörigen in Gießen untergebracht werden sollen, gastfreundliche Aufnahme für zwei Tage in Privatquartieren zu bieten. Das Mittag- unb Abendessen der Gäste wird immer gemeinsam eingenommen, so daß die Gastgeber keinerlei Aufwendungen für Verpflegung, ab- aesehen vom Morgenkaffee, zu machen brauchen. Anmeldungen ' von Privatquartieren werden an Kameradschaftsführer Heinrich Lich, Gießen, Son- nenstrahe 31, umgehend erbeten.
Mögen unsere Gießener Volksgenossen sich im Hinblick auf diese Tagung gerade der besonderen Leistungen unserer U-Boot-Männer und ferner der übrigen Kämpfer unserer Kriegsmarine erinnern und daraus die Verpflichtung für sich ableiten, diesen Männern durch eine zweitägige gastfreundliche Aufnahme einen kleinen Teil unserer Dankesschuld abzustatten.
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Und plötzlich hob Brackmann lauschend den Kopf, als hätte er einen undeutlichen Ruf aus weiter Ferne vernommen. Sein Blick glitt befremdet zu Karen hinüber. Er konnte von ihrem Gesicht unter der schimmernden Krone ihres Haares nur eine zarte Kurve von Schläfe unb Wange sehen. Am Zucken ihrer Schultern aber erkannte er/ baß sie lautlos meinte. Die Tränen strömten über ihre Wangen unb tropften glitzernd in ihren Schoß. Brackmann empfand ein brückendes Gefühl des Unbeyagens und der Bestürzung.
„Nicht doch ... nicht doch ..murmelte er und tastete hilflos nach ihrer Hand.
Sie preßte ein Tuch gegen die Augen: „Bitte ... mach das Licht aus ..."
Schämte sie sich ihres überströmten Gesichts? Er suchte den Schalter. Es gab einen kleinen, scharfen Knall, als er den Porzellanhebel herumdrehte. Sekundenlang glühten die Drähte in der Birne noch rot nach, dann sank das Zimmer in tiefe Finsternis. Auch vor dem Fenster stand die Nacht schwarz unb unburchbringlich. Der Monb war hinter bas Gebirge gesunken. In der heißen, feuchten Luft flackerten die Sterne wie winzige, kraftlose Kerzen- flämmchen.
„Weshalb gingst du nicht, als ich dich darum bat?" sagte er vorwurfsvoll, aber die Porwürfe galten mehr ihm selbst als ihr, „Ich hätte dir von
In Gegenwart zahlreicher Betriebsführer und Setriebsobmänner wurde am gestrigen Montay- nachmittag im Großen Hörsaal der Universität die von der NSG. .Kraft durch Freude", Kreisdienststelle Gießen, gegründete Volksmusikschule Gießen eröffnet. Die schlichte Feierstunde wurde von dem Leiter der Volksbildungsstätte der NSG. „Kraft durch Freude", Oberstudiendirektor Dr. R o - loff, im Auftrage des Kreiswarts von KdF. mit kurzen Begrüßungsworten eingeleitet.
Anschließend sprach der Gaubeauftragte für das Musikschulwesen der NSG. „Kraft durch Freude" D r ö ß e r (Frankfurt a. M.) über bie vielseitigen Aufgaben unb weite Zielsetzung ber Volksmusikschulen. Er betonte dabei u. a. die Notwendigkeit einer engen Arbeitsverbindung der Volksmusikschule mit den Betriebsgemeinschaften und deren musizierfreudige Angehörige. Diese Zusammenarbeit solle bezwecken, daß alle Volksgenossen zum Musizieren unb Gemeinschaftssingen angeregt werden. Als notwendig und zweckmäßig bezeichnete der Rebner die Gründung van Betriebs-Musikkameradschaften, denen alle musizierenden Arbeitskameraden angehören sollten. Daneben sei es notwendig, Gesangsgruppen zu schaffen unb die Werkscharen und Werkfrauen- gruppen noch mehr als bisher zum Gemeinfchafts- fingen anzuregen. Durch die Gemeinschaftsarbeit der musizierenden unb singenden AKeitskameraden könne in jedem Betrieb eine Musikgemeinschaft geschaffen werden, mit deren Hilfe es möglich fei, Betriebsfeiern in würdiger Weife durch eigene Angehörige auszugestalten, außerdem aber werde dem Musizierenden oder Singenden selbst durch sorgsame Ausbildung in der Volksmusikschule die Freude an der Musik und am Gesang ganz wesentlich erhöht. Der Redner betonte weiter, daß zwischen einer ^Betriebs« Musikkameradschaft und einem Orchester grundsätzliche Unterschiede bestehen, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen, um von vornherein Fehl-
Ein Brief an Alle.
Ein Brief, nur ein kleiner Brief. Was kann nicht alles in ihm stecken — eine kleine Freude, ein großes Glück? Es gab eine nicht ferne Zeit, da uns hastigen Städtern der Brief wie etwas Altmodisches vorkam. Die Postkarte hat ihn verdrängt und der Fernsprecher. Wie bequem ist es auch, so einfach in die Strippe plaudern zu können! Aber mit dem Ernst des Krieges ist auch ber Brief roieber zu Ehren gekommen. Welch eine Freuds trägt er uns ins Haus, der kleine, zerknitterte Feldpostbrief des lieben Menschen, Gatten ober Sohnes, um den wir bangen, der Brief des Jungen ober Mädels vom Arbeitseinsatz! Das Herz des Volkes schlägt heute in der gewaltigen Brieffracht, die dis Reichspost täglich zu bewältigen hat.
Aber es gibt auch ein Briefchen, das uns nicht ins Haus gebracht wird, das aber doch jeder bekomm men kann, weil es an jeden gerichtet ist. Denn? durch dieses sucht das große Herz des Volkes feilt Echo im Herzen jedes einzelnen. Es sieht nüchtern aus mit seinem grauen Umschlag und der sachlichen! Aufschrift: „Reichslotterie ber NSDAP, für natio- nale Arbeit." Aber dieser „Absender" ist ein Mahner zur Pflicht. Wir dürfen ihn nur nicht versäumen, müssen mit Zuversicht zugreifen, immer wieder ... Dann wird der graue Schicksalsbrief einmal zum Glücksbringer für uns werden. Denn er ist in der großen Schicksalsgemeinschaft, die wir heute erleben, ein Bruder der anderen, der persönlicheren Briefe, ja, er gehört zu diesen anderen: zum Frontbrief unb zum Heimatbrief, in denen die immer wieder gelesenen Worte stehen: „Es geht gut." Es ginge nicht so gut, wenn das graue Glücksbriefchen nicht wäre mit seiner Mahnung Zum gemeinsamen Einsatz, zum kleinen Opfer, das die großen ersparen und erleichtern hilft.
Und so wollen wir ihn zu den anderen stecken, ob er nun gleich seinen greifbaren Gewinn ab geworfen hat aber nicht. Denn abgesehen von der letzten
Den Sport hat der Film schon in seiner stummen Zeit als höchst brauchbares Requisit in jeder Form geschätzt und oft verwandt. Aber in die Mitte einer 'Filmhandlung gerückt zu sein, ist selbst dem volkstümlichen Fußball nur selten vergönnt gewesen. Das ist überraschend, denn welch großartiger Stoff sich hier für einen Regisseur b erbietet, der die Ensembleleistung über den Star stellt und die Masse als tragenbe Säule einzusetzen vermag, zeigt dieser Bavaria-Film, der unter R. A. Stemm les geschickter unb äußerst lebenbiger Regie eine span- nenbe, menschlich ansprechende Handlung mit einem sportlichen Ereignis ersten Ranges, wie es ber End- kampf um bie deutsche Fußballmeisterschaft ist, derart verknüpft, daß er auch weit über sportlich interessierte Kreise hinaus auf Anteilnahme rechnen darf. Der Hintergrund ist das Rührrevier, das ja mit ber Entwicklung des beutschen Fußballsports besonders eng verbunden ist. Wie in eine Fußballelf, die für die große Entscheidung trainiert, durch einen „Zugezogenen" und sein Techtelmechtel mit der Braut eines Klub kam er ad en Zwiespalt und Unsicherheit hin ein getragen wird, aber in der krittschen Phase des Entscheidungskampfes durch die Bestn- nenheit zweier Mädchen und den sportlichen Geist ber Elf alles wieder eingerenkt und das „große Spiel" gewonnen wird, das ist der Kem der Handlung, um den sich aut beobachtete Bilder aus dem Alltagsleben des Bergmanns mit seinen Sorgen und seinen Freuden gruppieren. Em Schlußefien von faszinierender Spannung ist R. 21. Sternrnle mit dem Spiel im Berliner Reichssportfeld gelun-
Aus der Stadt Gießen.
Bunter Oktober.
Es ist großes Abschiebnehmen in der Natur. Der Herbst, der seit kurzem im Lande ist, spielt zum Kehraus auf. Seine Weise klingt zunächst noch lieblich wie ein Menuett von Mozart, bald aber wird er mit feurigen Melodien aufwarten, und eines Tages endet das Spiel wie der Wirbelwind, der die letzten Blätter von den Bäumen fegt. Er bringt uns den Uebergang zu jener Jahreszeit, die mit Eis und Schnee regiert. Dieser Uebergang ist jedoch keineswegs reizlos, vor allem nicht in den Oktobertagen. Im Gegenteil, ber Oktober kommt im prächtigen Gewanbe einher, er versteht es, noch einmal alle Daseinsfreube unb alle Sinnenlust zu entfachen, benn er geht mit dem Farbentopf verschwenderisch um und zaubert uns überall, wo er nur ein bißchen Strauchwerk findet, die herrlichsten Szenerien.
Seinen Namen hat der Oktober von den alten Römern, für die er der achte Monat im Jahresablauf war. An manchen Tagen könnte man auch bei uns glauben, baß er erst der achte Monat sei, denn er weiß uns zuweilen noch den schönsten Sonnenschein zu bescheren, ber vom blauen Himmel hernieberstrahlt unb die vorgeschrittene Jahreszeit vergessen läßt. An solchen Tagen leuchten unb duften im Garten die letzten Rosen, bie Dahlien prunken mit ihrer stolzen Schönheit unb aus dem Birnbaum schimmern wie feurige Rubine bie rot- gefärbten Blätter. Die Luft aber ist erfüllt von jenem herben Geruch, ber ein untrügliches Kennzeichen ber Jahreszeit ist. Geht man an solchen Tagen in den Walb hinaus, bann kann man erst den rechten Einbruck gewinnen von ber Farben- funft bes Oktobers. Er macht aus den Buchenhainen festlich erleuchtete Säle, er improvisiert aus einigen Büschen Kulissen von buntester Pracht, er versteht es, mit seiner Palette bas Kleib ber Natur so zu betupfen, daß er alle erdenklichen Farbtöne aufweift. Es ist ein einziger Farbenrausch, den der Oktober zum Abschied der schönen Jahreszeit entfacht.
Freilich, er kann auch anders, der Oktober, benn er trägt ein Doppelgesicht. Wenn es ihm einfällt, schickt er plötzlich feinen wilden Gesellen, den Sturm. Dann heult es mit einem Male an 'allen Straßenecken, bann rüttelt es an ben Dachziegeln, unb manches Stückchen Schönheit wirb grausam hinweggefegt. Im Walbe hebt bann ber Tanz ber Blätter an, zu bem das Knarren der Aefte bie Melodie abgibt. Der Oktober hat aber noch einen anderen Gesellen im Hintergrund, den Frost, den er erfreulicherweise seltener bemüht. Läßt er ihm aber mal für eine Nacht freie Hand, bann ist es auch mit ber Farbenpracht bald zu Ende, benn der Frost setzt sein Brecheisen an, wo er nur kann. Wir wollen indessen hoffen, daß es damit noch für ein Weilchen fein Bewenden hat, damit wir uns an der Schönheit des Oktobers noch recht erfreuen können. H. W. Sch.
Gloria: „Das große Spiel".
„Du hast mich nicht verstanden, Karen", unterbrach er sie froftig. „Ich habe auch nicht ernm-M daß du mich verstehen wurdest. Keiner von euch kann das begreifen, was in mir vorgeht. Meine Sache ist mir gänzlich gleichgültig.geworden. Und wenn du mir heute noch die Beweise brachtest, die jeden Richter davon überzeugen mußten, wer Die wahren Schuldigen sind und daß man mich damals zu Unrecht verurteilt hat, so wurde ich doch nicht eine Sekunde zögern, das zu vollenden, was ich mir vorgenommen habe. Ich kann vor der Oeffentlichkeit gerechtfertigt werden aber kein Mensch kann das, was mir geschehen lst,ausmeiner Seele und aus meinem Gedächtnis loschen. Man kann die Schuldigen noch härter. verurteittn J man mich verurteilt hat, aber damit dreht man die 3eit nicht zurück.
Für das, was sie mir angetan haben, gibt es 'eine irdisch- Strafe, die mir Genugtuung verfchaf- ien könnte. Und wenn man sie henkte und wenn man sie mit mittelalterlichen UoUern peinigen würde, es würde mir keinen »rieben geben. Vel- leicht bin ich wahnsinnig, wenn du es Wahnsinn nennen willst, daß ich jahrelang durch em
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Schatten, aber es war, als wurde es non einer flackernden Flamme in fernem Innern erleuchte. In der Tiefe feiner Augen brannte om wildes un-
sie gehaßt, so grimmig gehaßt, laß ich von diesem chaß durchtränkt war w^° von tiner fressenden Säure. Es mar etn blindes Wüten, las mich fchiittelle. wie eine Krankheit. Es war
Der NS.-Marinebund veranstaltet am 17. und 18. Oktober in Gießen eine große Kundgebung in Verbindung mit einer Tagung der Karneradschafts- führer" des NS.-Marinebundes, Landesverband Fulda-Werra. Unsere Kriegsmarine entsendet zu dieser Tagung eine Musikkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Inder st, ferner werden als Ehrengäste 40 U-Boot-Männer an der Veranstaltung teilnehmen. U. a. wird auch ber Bundesführer des NS.-Marinebundes Admiral K l ü p f e l erwartet. Die Taguna, die ber weiteren Stärkung und Vertiefung des Gedankens der deutschen Seegeltung im Binnenlande dienen soll, erfährt durch die Partei und die Behörden weitgehende Förderung. Vorgesehen sind u. a. eine Begrüßung der U-Boot- Männer durch Partei und Stadtverwaltung, Platzkonzerte, eine Kundgebung im Gloria-Palast, Beteiligung an den Darbietungen der Kulturwoche, Theaterbesuche. Die Marine-SA., Marine-Hit- ler-Jugend und die Marine-Kameradschaft Gießen 1892 find in treuer unb altbewährter Verbundenheit mit den Vorbereitungen für einen würdigen Verlauf der Tagung eifrig beschäftigt.
Diese beiden Marinetaae sollen nicht nur eine Angelegenheit der mit unserer ruhmreichen Kriegs-
Die Flamme in seinem Gesicht erlosch. Er ließ allen diesen Dingen nichts erzählen dürfen. Aber den Kopf zurücksinken. Das lange, ungewohnte du wolltest es ja nicht anders ..
Sprechen hatte ihn ermüdet. Unter ber straffen ~ """
Haut des oorgeftredten Halses pochte bie große Schlagader. Karen hätte von feinem Gesicht in der starken Verkürzung von unten her nur das bläuliche Dreieck des Kinns, die Nasenspitze und die Brauenbögen gesehen. Aber sie schaute ihn nicht an.
Sie saß mit abgewandtem Gesicht neben ihm und schien auf das barbarische, rotblaue Muster des kleinen Binsenteppichs zu starren. Die Eidechse am Fenster war träge bis auf die Mitte des Netzes gekrochen. Sie fraß noch immer. Die Moskitos drängten sich förmlich in ihren kleinen, schnappen-


