Gegen zähesten Widerstand bezwungen.
Oer Chef des Stabes der Krimarmee
Berlin, 5. Juli, (2>3l$.) Dec Ches des States der Krimarmee, Generalmajor Schulz, erklärte der Presse es sei dem deutschen Oberkommando klar gewesen, Laß Sewastopol die Schlüsselstellung 'M Schwarzen Meer sei. Nach landläufigen Gesichtspunkten hätte man einen Angriff von Süden her zuerst in Betracht gezogen. Das Gelände war hier nicht so schwierig, die Befestigungen nicht so stark. Das Herankämpfen an den Stadtkern wurde dennoch nicht den endgültigen Sieg gebracht Haben, weil die beherrschenden Forts damit doch noch nicht gefallen waren. So entschloß sich Generalfeldmar- chall von Manstein, alle Angriffswucht aus die Steilhöhen der Nordbefestigungen zu richten. Ungeheure Mengen Artillerie, und zwar a l« ler schwerste Kaliber, wie man ste b t s dahin no ch n i e verwend et hatte, waren in Stellung gebracht worden. Jeder Mann der für den Sturm vorgesehenen Jnfanterieregimenter, jeder Pionier hatte seine Funktion.
21 in 2. Juni leitete ein Trommelfeuer beispielloser Art das Unternehmen ein. Es wahrte m unver- mindeter Stärke, bei gleichzeitigem Einsatz von Stukas, fünf Tage lang. Meter um Meter des Festunqsgeländes wurde mit Elsen umgepslugt. Nach wenigen Stunden schon brannten Hafen und Staat Sewastopol in Hellen Flammen. Die Infanterie- und Pionierkommandeure, als sie am 7. Juni mit ausgehender Sonne ihre Männer zum Sturm ansetzten, annehmend, daß dieser Eisenhagel den härtesten Widerstand gebrochen habe, stellten fest, daß dies nur in den ersten Stellungen der Fall zu ein schien. Dann aber fanden sich die sowjetischen Verteidiger zum Widerstand. Aus ihren Felslöchern, Bunkern und Höhlen, aus. ihren schmalen mehrere Meter tiefen Gräben schlug bald das Feuer der Abwehrwaffen den angreifenden Truppen entgegen. Felsennest um Felsennest mußte einzeln genommen werden, nie ergab sich der Feind. Infanteriegeschütze richteten ihre Geschosse aus nächster Nähe auf die Sehschlitze der Bunker. Pioniere sprengten sie mit geballter Ladung, und wenn 30 Sowjets dabei vernichtet waren, dann feuerten doch noch die übrigen fünf Mann weiter, warfen ihre Handgranaten und
schildert die Eroberung Sewastopol«.
ließen sich von der letzten selbst zerreißen. Nur unter völliger Hingabe von Mann und Offizier. unter zusammengefaßtem Einsatz schwerster Waffen, gelang es, die Nordforts zu stürmen.
Die Einsicht in das ganze südliche Verteidigungs- fysiem der Festung von den nunmehr gewonnenen Nordhöhen erleichterte die weiteren Angriffsunter- nehmungen. Entscheidend für die Einnahme des Südteils der Festung war außer dem Uebergang der Sturmabteilungen über die Ducht ein tiefer Einbruch in den Vefestigungsgürtel von Südosten her. Aber im rückwärtigen Gelände flammte immer wieder einmal der Kampf auf. Aus ihren Schlupfwinkeln feuerten und verteidigten sich vereinzelte Bunker- und höhlenbesahungen. Die letzten Reste des Feindes wurden auf die Halbinsel Lhersones zurückgeworfen.
Auf der Halbinsel Chersones war das Hauptrückgrat der bolschewistischen Widerstandsnester ein nach modernsten Gesichtspunkten ausgebautes Großkampfwerk, in das fich die Reste der geschlagenen Armee zurückgezogen hatten. Hier versuchten die Bolschewisten Zeit zu gewinnen für einen anscheinend er. hofften Abtransport über See. Unter Beteiligung zahlreicher Flintenweiber führten die Bolschewisten verzweifelte Gegenangriffe durch. Alle brachen im Feuer der deutschen Angriffstruppen zusammen. Mit dem Fall des Großkamvfwerkes wurde der Rest der Halbinsel von Bolschewisten gesäubert, die in zahllosen Felsennestern an der Steilküste und den abfallenden Hängen verbissenen Widerstand leisteten. Ein Stoßtrupp, durch Artillerie und Sturmgeschütze wirksam unterstützt, nahm die feindliche Küstenbatterie auf dem nötblichen Zipfel der Halbinsel sowie das Kap mit dem Leuchtturm Chersones. Die letzten Buttker der Südküste südwestlich der Gret- fchtchina-Enge wurden niedergekämpft und die sich in schwer zugänglichen Felsenhöhlen noch haltenden Reste des Feindes vernichtet. Damit ist die große Schlacht um die Land- und Seefestung Sewastopol beendet. Die gesamte Halbinsel ist nunmehr fest in der Hand der deutsch-rumänischen Truppen.
bei den Kämpfen im Irak tot gesagt worden, und man hörte längere Monate nichts von ihm, bis er jetzt wieder plötzlich aus der Versenkung heroorge- holt worden ist. Er soll mit seiner Legion beauftragt worden sein, nötigenfalls in Syrien einzugreifen. Sein Herr, der Emir Abdallah, der trotz seiner Englandhörigkeit als Haschemite und Nachkomme des Propheten in der arabischen Welt ein gewisses Gewicht besitzt, war inzwischen gedrängt worden, sich mit König Faruk von Aegypten in Verbindung zu setzen und ihm im Auftrage Edens die Kömgskrone von Syrien in Form einer Personalunion anzutragen. Als Entgelt sollte sich Aegypten an der Seite Englands aktiv am Kriege beteiligen. König Faruk hat, wie es nicht anders zu erwarten war, dieses verräterische Angebot entschieden zurückgewiesen. ,
Die Mißstimmung in Syrien wird durch bie verzweifelte Ernährungslage gesteigert. Unter dem Vorsitz des britischen Ministers für den Nahen Osten hatte kürzlich in Kairo eine Konferenz der Länder des Vorderen Orients stattgefunden, um über Hilfsmaßnahmen zu beraten. In Syrien hatte man große Hoffnungen auf diese Konferenz gesetzt. Die Enttäuschung war groß, als die Regierung nach Heimkehr ihrer Vertreter aus Kairo der Bevölkerung mitteilen mußte, daß auch nach Einbringung der Ernte die Lage sich nicht zum Besseren wenden würde, weil in erster Linie für die Bedürfnisse der „alliierten Nahostarmee" gesorgt werden müsse, und daß der Zivilbevölkerung weitere Einschränkungen auferlegt werden würden. Die Enttäuschung macht einer unoerhiillten Wut Platz, nachdem die Briten erklärten, daß es eine Pflicht der 2kaber sei, wachsende Opfer für den „Sieg" zu bringen, wie es ja auch die Engländer felbst täten. Dieses Argument kann bei den Arabern keine Resonanz finden, da ein britischer Sieg nicht ihren Wünschen entsprich, sondern ihre Unfreiheit verewigen würde.
Mit steigendem Mißtrauen verfolgt man auch in den nationalen Kreisen Syriens die geschäftige Tätigkeit des nordamerikanischen Botschafters in Ankara, Steinhardt, der ein Schwiegersohn des berüchtigten Zionistenführers Untermeyer ist und mit dem britischen Nayostminister C a s e y , der ebenfalls mit den Zionisten in engen Verbindungen Mht, -intim verkehrt. Man ist davon überzeugt, daß Briten und Nordamerikaner irgend etwas im Schilde führen, um den Arabern, auf Kosten der Zionisten einen schweren Schlag zu versetzen. Mit «roßen Hoffnungen wenden sich die Augen aller Syrer und Libanesen auf die weiteren Erfolge der Achsenmächte im nordafrikanischen Raüm, die auch für die Zukunft Syriens entscheidend werden können.
Llnzufriedenheit in den Vereinigten Staaten.
Lissabon, 7. Juli. (Europapreß.) In den Vereinigten Staaten werden die Fähigkeiten der britischen Heerführer nach den letzten Erklärungen Churchills von der Ueberlegenheit des britischen Kriegsmaterials sowie der Kampfkraft der britischen Trpppen bei Beginn der Kämpfe in Libyen, die zu der britischen Niederlage führten, sehr stark angezweifelt. Es werden Stimmen laut, die die lieber* tragung der Verantwortung für kommende Kampfhandlungen auf USA.-Generale fordern. Ein großer Teil der USA.-Presse fordert angesichts der neuen militärischen Meldungen aus Aegypten den sofortigen Rücktritt Churchills von seinem Posten als Verteidigungsminister. Wie der Neuyorker Korrespondent der „Daily Mail" berichtet, wird besonders die Untätigkeit der englischen Heimatarmee scharf gegeißelt und die sofortige Errichtung der zweiten Front gefordert. Wenn die Briten, so heiße es, nicht sofort losschlügen, dann bestehe die Gefahr, daß sie ihr Empire verlieren würden.
Wiederaufbau in der Ukraine.
Die Maßnahmen der deutschen Zivilverwaltung im Reichskommissariat Ukraine haben auf wirtschaftlichem Gebiet erfreuliche Fortschritte gezeitigt. Dank der freudigen Mitarbeit der Bevölkerung am Wiederaufbau ihrer von den Sowjets zerstörten Fabriken konnte eine Reihe von Betrieben wieder in Gang gefetzt werden. In einer Stadt haben bisher 46 Industriebetriebe die Tätigkeit wieder aufgenommen, darunter eine Lederfabrik, ein Maschinenwerk, eine Möbelfabrik, eine Nagelfabrik, eine Filzstiefelfabrik, eine Schuhmacherei und eine Seifenfabrik. In der Nahrungsmittelindustrie sind eine- Schlächterei und eine Molkerei wieder in Betrieb. Durch den Bau einer frostgeschützten Wasserleitung
ist die Versorgung der Stadt mit Wasser sichergestellt. Kaum drei Monate nach der Neuordnung des Handwerks im Reichskommissariat Ukraine kann bereits von der Einrichtung der ersten Musterwerkstätten berichtet werden.
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Durch Verordnung des Reichskommissars für die Ukraine wird bestimmt, daß einheimische Beaus- tragte der Gebietskommissare als Schöffen zur Bestrafung von leichteren Vergehen und Uebertretun- gen eingesetzt werden, sofern der Täter der einheimischen nichtdeutschen Bevölkerung angehört und durch die Straftat die deutschen Belange nicht berührt werden. Den ukrainischen Schöffen wird eine Strafgewalt bis zu zwei Jahren gegeben, während bei schwerer zu ahndenden Daten das deutsche Gericht oder das Sondergericht zuständig ist. Durch diese Verordnung wird die Aufrechterhaltung des Rechtsfriedens im Reichskommissariat Ukraine in weitem Umfange in die Hand Einheimischer gegeben, denen hierdurch von der deutschen Verwaltung größtes Vertrauen in die Mitarbeit am Ausbau ihrer Heimat entgegengebracht wird.
40 Jahre Soldat.
Am 5. Juli feierte General der Flakartillerie Rue del, Chef der Luftabwehr im Reichsluftfahrtministerium, fein 40jähriges Militärdienstjubiläum. Als Sohn eines bayerischen Offiziers 1883 zu Metz geboren, trat er als Fähnrich in das 3. bayerische Feldartillerie-Regiment ein. Von 1910—12 zur rnili- türtechnischen Akademie nach Berlin, anschließend zur Artillerie-Prüfungskommission kommandiert, wurde ihm die Bearbeitung der Ballonabwehrkanonen (Flak) übertragen. Im Weltkrieg wurde er Führer des Kr aftwagengeschütz-Kommandos Ostende (Flak), aus der die erste Flakartillerie-Schule hervorging. Von Mai bis Oktober 1915 war er Führer der Gebirgskanonen-Batterie Nr. 8 an der Tiroler Front. Seine Geschützstellung war mit 3000 Meter Höhe damals die höchstgelegene der Alpenfront. Nach dem Weltkriege arbeitete er im Stabe der Heeresleitung als Generalstabsoffizier sowie als Batteriechef. Als Inspekteur der Flakartillerie und
des Luftschutzes wurde er in die Luftwaffe übernommen. 1938 wurde er Chef der Luftwehr, zu Kriegsbeginn General der Flakartillerie. 1940 übernahm er wieder das Amt des Chefs der Luftwehr. Anläßlich des 40jährigen Militär-Dienstjubiläums verlieh der Führer General Ruedel das Recht zum Tragen der Uniform des Flak-Regiments 5.
Oer Staatsakt für German Bestelmeyer.
München, 5. Juli. (DNB.) Am Sonntagnach- mittag fand in München der Staatsakt für den aus rastlosem Schaffen abberufenen Präsidenten der Bayerischen Akademie der bildenden Künste, den Architekten German Bestelmeyer im Lichthof der Münchener Universität statt, deren Erweiterungsbau zu den Schöpfungen des nun Verewigten gehört. Mit den Familienangehörigen und dem Beauftragten des Führers, Generalbaurat Professor Hermann Giesler, hatten die Ehrengäste Platz genommen, an ihrer Spitze Reichsminister Dr. Goebbels. Das Orchester der Staatsoper leitete den Staatsakt mit dem Vorspiel zu „Parsioal" ein.
Professor Giesler gab der tiefen Trauer aller Ausdruck, die mit dem Leben und Werk dieses großen Baumeisters verbunden sind, der stets außerhalb des Kampfes um die Tagesmoden stand und stets das Gesetz des Schönen in der Zweckmäßigkeit des Einfachen suchte. Deshalb sei er schon frühzeitig ein warmherziger Anhänger der jungen nationalsozialistischen Bewegung geworden, nach deren Sieg er eine gewaltige Schaffenskraft entfaltete. Er habe aus artgemäßer, lebendiger und zeitloser Ueberliefe- rung geschöpft und doch Neuartiges in Verbindung von Zweckmäßigkeit und Repräsentation geschaffen. Hser erlebten wir beglückt den Sinn der Worte Schinkels, daß der Architekt Veredler aller menschlichen Verhältnisse ist und sein Wirkungskreis die gesamte schöne Kunst umfassen muß. So schmelzen auch in den Bauten German Besttuneyers Architektur, Malerei und Plastik nach den Bedingungen des staatlichen und vernunftgemäßen Lebens zusammen.
In dieser Einheit wirken des Toten Künstlerwerke geheimnisvoll weit über unsere Zeit hinaus.
Unter den Klängen des Liedes vom guten Karne- raben und der Lieder der Nation legte Professor Giesler sodann den Kranz des Führers vor dem Sarg nieder. Unter den Klängen des Trauer- morsches aus der Eroica" wurde der Sarg hinaus- getragen. Vor der Universität hatte eine Kompanie der Waffen-^ Aufstellung genommen. Unter dem Präsentiermarsch wurde der Sarg auf ein Auto gehoben, das ihn in Begleitung einer NSKK.-Eskorte zum Wald fried Hof brachte. Dort fand im engsten Familienkreise die Beisetzung statt.
Meine politische Nachrichten.
Auf Befehl der GPU. wurde der Chef des sowjetischen Generalstabes in Sewastopol, General Grilow, vor dem Fall der Festung erschossen, wie die Agentur Stefani berichtet. Grilow ist der GPU. durch den Festungskommandanten, General Petrow, der Sewastopol vor der Eroberung verließ, ausgeliefert worden.
Wie die römische Presse berichtet, wurden 10 000 nicht waffenfähige Italiener aus Abessinien mit vier italienischen Dampfern heimbefördert.
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König Boris besuchte in Sofia die OT.-Ausstellung „Autobahn und Wasserstraße", die unter der Schirmherrschaft des bulgarischen Bautenministers und des deutschen Gesandten Beckerle vom Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen und Gene« ralinfpektor für Wasser und Energie, Reichsminister Speer, veranstaltet wird.
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Reicbsminister Dr. Goebbels stattete der Reichsschule der NSDAP, in Feldafing einen Besuch ab. — Brigadesührer Görlitz, der Leiter der Anstalt, erläuterte die Unterrichts- und Erziehungsmethoden. Dr. Goebbels nahm an einer Feierstunde teil, die Erzieher und Schüler aus Anlaß seines Besuches gestaltet haben.
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In Straßburg übergab Gauleiter Wagner auf dem Karl-Roos-Platz den Ortsgruppen der NSDAP, des Elsaß 250 Hoheitsabzeichen. Dann sprach Reichsorganisationsleiter Dr. Ley vor rund 15 000 Volksgenossen.
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In München fand eine kurze Arbeitstagung des NSKK. statt, auf der Korpsführer Kraus dem Führerkorps seine Richtlinien für die oielfeitigen Kriegseinsätze des NSKK. bekanntgab.
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Gauleiter und Reichsstatthalter Dr. Gustav Wolf Scheel wurde zum ^-Gruppenführer befördert. Gauleiter Dr. Scheel, der der ff seit langem ange- hört, führte als -Brigadeführer zuletzt den ff« Oberabschnitt Alpenland und war damit höherer ff* und Polizeiführer.
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Auf einer Veranstaltung im Festsaal der Pariser Oper aus Anlaß des zweiten Jahrestages der Truppenbetreuung in Frankreich lunb Belgien gab der Leiter der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Oberdienstleiter Dr. Lafferentz, einen lieber, blick über die kulturelle Truppenbetrenung. In Frankreich und Belgien kamen in zwei Jahren über 50 000 Veranstaltungen zur Durchführung. Dabei wurden 1600 Bühnen mit 24 000 Künstlern einge» setzt, darunter 1520 von „Kraft durch Freude" zu« sammengestellte Bühnen.
Aus aller Wett.
Rellslab deutscher Schachmeister.
Im Schachturnier um bie Kriegsmeisterschaft von Großdeutschland in Bad Oeynhausen lösten die letz- ten Kämpfe größte Spannung aus. Der Wilhelmshavener Schmäht, der den größten Teil des Turniers über geführt hatte und die Spitze erst in der Vorschlußrunde verlor, spielte gegen den jungen Berliner Tes chner sehr zurückhaltend. Teschner nutzte da5 mit der Sizilianischen Verteidigung energisch aus, drückte sehr auf den Damenflügel und drang mit seinen Figuren in das weiße Spiel ein, um dann Schmahl nach 24 Zügen zur Aufgabe zu zwingen. Rellstab hatte dagegen fast vier Stunden zu kämpfen, bevor er als Nachziehender seine Partie gegen Hahn gewann. Dieser hatte mit dem Damenbauer eröffnet und lange Zeit die Stellung behauptet, erst nach längerem Kampf gelang es Rellstab, auf dem Königsflügel des Gegners mit den Figuren einzübringen, dadurch feinen Gegner zur Aufgabe zu zwingen und sich an dem führenden Oberleutnant Müller vorbeizubringen. Der Nürn-
Erstes Bad.
Von Eva Schauwecker.
Der Lauer, als er morgens aus feinem Häuschen trat, fand das Wetter ausgezeichnet; das junge Mädchen dagegen, das oben zum Fenster über die Landschaft hinsah, fand es abscheulich. Es goß in Strömen.
Im Laufe des Vormittags hörte es zwar auf zu regnen — bas war beiben recht, dem Bauern und bem Mädchen — aber es blieb kühl. Und das freute wiederum nur den Bauern. Doch das junge Mädchen war entschlossen, seinen wohlverdienten Ferien abzuringen, was nur abzuringen war. Sie packte mutig ihr Badezeug zusammen und wanderte zum See hinunter. Der Bauer rief ihr nach, ob die Frau eine Wärmflasche ins Bett legen und Kamillentee aufbrühen solle. Aber dafür hatte bas Mädchen nur ein überlegenes Lächeln.
Die Badeanstalt war so verlassen wie im Winter. Am rechten Flügel hing ein verwittertes Schild, das anordnete, hier hätten die Männer ihre Kabinen, und am linken Flügel verkündete ein anderes, nicht schöneres Schild, wo die Frauen sich entkleiden könnten. Das Mädchen ging folgsam nach links, jagte einige fette Spinnen aus ihrem Vormittagsschlaf und wechselte die Kleider mit bem Badeanzug. Schauer liefen ihr über den Rücken, wenn Windstöße durch die Ritzen der Bletterwande drangen, und sie zog den Bademantel eng um sich zusammen, als sie auf den Laufsteg trat.
Verblüfft blieb sie stehen. Da saß ein Mann auf bem Sprungbrett, ebenfalls in einen Bademantel gehüllt, und sah mißmutig in das graue, aufgeregte Wasser hinunter, bas klatschend um bie braunen, schleimigen Pfähle fuhr. Als die Tür hinter ihr zuklapptc, sah der Mann auf, und ein strahlendes Lächeln zog über sein Gesicht. Sie runzelte die Brauen. Das war doch der Mann, der sie gestern auf der kurzen Bahnfahrt in dies Nest immerzu ansprechen wollte. Und er fing schon wieder an.
„Was für eine Ueberraschung!" rief er und ver- beugte sich im Sitzen, daß er fast vom Brett gekippt wäre. Wäre er doch, dachte fie gefühllos. Dann machte sie eine Bewegung, als wollte sie wieder gehen. „Wetten, daß Sie sich bei dem Wetter nicht zu haben trauen?" rief ihr der Mann nach. Sie
drehte sich wütend um. „Die Damen sind doch immer ein bißchen empfindlich bei der Kühle, nicht?" meinte er weiter.
Sie warf den Kopf auf und ging energisch zur Leiter, die ins Wasser führte. Lächerlich, diese Vorurteile der Männer!
„Wollen Sie wirklich baden?" rief er da fast ängstlich, als sie schon den Fuß auf die oberste Sprosse gesetzt hatte. Sie nickte nur. „Sie werden sich erkälten", riet er ab. Sie zuckte nur die Achseln. „Oh, Sie machen mir Mut!" fuhr er fort und stand auf. „Ich werde auch ins Wasser gehen!"
Sofort zog sie sich auf den Laufgang zurück. Mochte er nur hineingehen, bann war sie ihn los. „Bitte!" sagte sie nur herausfordernd und deutete auf bie, Leiter.
„Aber nach Ihnen, mein Fräulein", lächelte er, „nach Ihnen! Immer höflich!"
Sie biß sich aus bie Lippen. Wie konnte sie nur weg von diesem Burschen? Er war zwar recht ansehnlich und keineswegs frech, aber es schien ihm doch an Respekt zu fehlen. „Mir ist noch zu warm, ich warte noch ein paar Minuten", wich sie aus. ..Aber gehen Sie nur hinein, sonst glaube ich, es ist Ihnen zu kalt."
„Sie rechnen auf meine Eitelkeit unb auf meinen Ehrgeiz! Sie sollen nicht umsonst gerechnet haben. Alles für bie Damen!" Unb mit einem Satz sprang er vom Laufsteg kopfüber ins Wasser, daß es nur so spritzte.
Sie atmete auf. Gott sei Dank, er war fort. Er winkte ein paarmal zu ihr hinaus, dann schwamm er in den See hinaus. Wenn er zurückkam unb sich anzog, würde sie ins Wasser gehen, unb ehe sie mit ihrem Bad fertig war, würde er wohl davongehen und sich nicht im Zug einen Schnupfen holen Da kam er schon angekrault, kletterte drüben am anderen Laufsteg hoch und nahm den Weg zu seiner Kabine. Das war ja schnell gegangen. Rasch stieg sie die Leiter hinunter, gerade war sie bis zu' den Hüsten im Wasser, da stand er oben am Geländer.
..Soll ich nochmal reinkommen unb Ihnen Ge- sellschaft leisten?" rief er vergnügt.
„Danke!" erwiderte sic nur kurz, stand aber unschlüssig still. Wenn er wieder ins Wasser sprang, sollte sie bann nicht lieber auf den Steg gehen ...? 2Iber er sprang nicht, er sah nur neugierig zu, wie ne da stand und fröstelte. Lachte er nicht schaden- froh?
„Danke ja ober danke nein?" erkundigte er sich jetzt.
„Nein!" rief sie wütend unb ließ sich ins Wasser fallen. Im gleichen Augenblick sprang er neben ihr hinein, sein Gesicht tauchte dicht vor ihr auf.
„Bitte, bitte —", rief er flehentlich, „ich habe es nicht mit Absicht getan, ich bin reingefallen ..
Sie schwamm wortlos auf den See hinaus, er blieb an ihrer Seite.
„Nein, nein", begann er nach einer Weile, „ich bin nicht reingefallen, ich bin keineswegs rein- gefallen, wie konnte ich nur so was sagen! Sie sind entzückend!" Sie wandte den Kopf ab. „Sie sind doch nicht etwa böse?" Dies mit solchem Erstaunen im Ton, daß sie lachen mußte. „Na, sehen Sie", l'eufjjtc er beruhigt. „Unb nun sind wir Freunde, ja?' Er streckte zutraulich eine triefende Hand nach ihr aus, bie sie schnell mit den Fingerspitzen berührte.
„Nette Begriffe haben Sie —", fabelte sie'halb versöhnt.
Er prustete. „Immer zielbewußt!" erklärte er.
..Manche nennen es aufbringlich ..." wandte sie ein.
..So? Na, daran werde ich Sie mal nach zehn Jahren erinnern!"
Sie warf ihm nur einen schnellen, blinzelnden lölid über bie glänzende weiße Schulter zu, der ihm vollauf zu genügen schien.
Unb bann schwammen sie still nebeneinander her, der sandigen Halbinsel zu, die sich gerade unter den Yervorbrechenden Sonnenstrahlen zu erwärmen begann.
Der japanische Landbriefträger.
Die japanischen Briefträger, bie mit Briefpaketen Don den Eisenbahnstationen ober von den letzten Enden der großen Straßen aufbrechen, um zu den bescheidenen Häuschen zu gelangen, die vereinzelt in Len Bergen liegen, müssen ihren Weg ständig im Trab zurucklegen. Natürlich können sie nicht viele Stunden hintereinander traben; die Strecke, die zu- ruckzulegen ist, wird daher in verschiedene Abschnitte ^erlegt unb jeder Abschnitt wird einem Briefträger s^enn e*n Briefträger noch einige hun- bert Meter von dem Ende seines Abschnittes ent- .ent ist, lautet er mit einer Glocke, um den Brief- trager des nächsten Abschnitts zu benachrichtigen,
der bann sofort bereit steht, die Briefpakete zu übernehmen unb den Lauf ohne jede Verzögerung fortzusetzen.
Die eigenartige Erfindung Les japanischen Landbriefträgers besteht dabei in einer Art Segel, die ihm sehr hilft, seine Geschwindigkeit zu erhöhen unb seine Anstrengung zu vermindern. Der Briefträger legt nicht wie bei uns die auszutragenden Briefe in. eine große Mappe, sondern in zwei sehr leichte und doch kräftige Korbe aus Stroh. Diese werden an das Ende, einer Bambusstange gebunden, die der Briefträger sich über bie Schulter legt. Unb an biefer Stange wird auch ein kleines Seidensegel befestigt, das mittels einer Schnur beliebig gedreht werden kann, um die Richtung des Windes auszunutzen, der den Briefträger bei feinem mühevollen Lauf unterstützen soll. C. K.
Oie Sprache der Ameisen.
Eine Reihe von Beobachtungen Habern gezeigt, daß sich Ameisen durch eine Gebärdensprache verständigen. Der Breslauer Zoologe Professor Dr. Goetsch unterscheidet drei Alarmstufen: In der Ruhe verständigen' sich die Ameisen durch ein Zucken des Körpers. Ist größere Eile geboten, so kommt zu dem Zucken ein Anstoßen der Arbeitskollegen mit den. Fühlern, den Füßen unb dem Kopf, unb gleichzeitig sucht der Rufende durch ayf- geregtes Umherrennen die Aufmerksamkeit der Nest- genossen auf sich zu lenken. Ist im Falle der Gefahr der Alarm so eindringlich wie möglich, bann folgen ihm auch bie am meisten Beschäftigten. Bei Höchstalarm Heden die Ameisen den Hinterleib und lassen Giftttopfen austreten, bie einen Angstgeruch verbreiten. Mit diesem Geruch kann man ein Ameisen- nest auch künstlich in Aufregung setzen. Er ist aber auch neben der Gebärde ein Mittel zur Verständigung. Jede Ameisenart hat ihren eigenen Geruch, jede Ameisenkolonie ihren Nestgeruch. Die Ameise hin« terläßt durch Andrücken des Körpers eine Duftspur, oder sie schafft durch mehrmaliges Umkreisen ein Duftfeld, nach dem sich die alarmierten Kollegen ridjten können. Durch Beobachtung von 40 verichie- Denen Ameisenarten ist Professor Goetsch zu dem Schluß gekommen, daß bie Verständigung durch Ge- barben unb Duft ein zweckmäßige? gemeinsames Handeln im Ameisenstaat in allen normalen Lebenslagen gewährleistet»


