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ft er Sinclair sich darüber freut, daß der Luft­angriff auf Paris sehr erfolgreich gewesen sei und der Londoner Nachrichtendienst von einer Heldentat britischer Flieger berichtet, dann paßt das zu Chur­chill, der in seinem brutalen Zynismus sich nicht schämt, eineBeileidskundgebung" verbreiten zu lassen. Man fragt sich, ob sie der Ausdruck von Hohn und Spott für die heimgejuchten Pariser oder ein neuer Beweis sein soll, wie weit Stalin in Eng­land bereits Schule gemacht hat. Das offizielle Pamphlet lautet:Die Regierung Seiner Majestät bedauert den Tod derjenigen, die das Opfer des Bombardements von Paris geworden find, und drückt den Familien ehrerbietiges Beileid aus, die so grausam getroffen wurden. So wie die, welche gemeinsam mit unseren Soldaten auf dem Felde der Ehre gefallen sind, grüßen wir die Toten des Pa­riser Gebiets mit entblößtem Haupt." Das also wagt das England Churchills dem verratenen ehemaligen Bundesgenossen anzutun! Nicht genug mit der lan­gen Liste schwerster Gewalttaten. Zur Brutalität gesellt sich blutiger Hohn.

Oie Beisetzung der Opfer.

Paris, 6. März. (Europapreß.) Die feierliche Beisetzung der Opfer des britischen Luftangriffs auf Paris wtrd am Samstag erfolaen. Da angesichts der hohen Zahl der Toten ein Gesamtbegräbnis nicht möglich ist, wird jede Gemeinde eine besondere Trauerfeier abhalten, an der jeweils ein Vertreter der französischen Regierung teilnehmen wird, um auf diese Werse die Anteilnahme des französischen Staates zu bekunden. Am Sonntagvormrttag 11 Uhr wird in der KathedraleN o t r e Dame" ein feierliches Totenamt unter Anteilnahme des Kardi­nals Suhard zum Gedächtnis der Ermordeten zelebriert werden. Das gewaltige Schiff der Kathe­drale wird ganz in Schwarz ausgeschlagen, vor dem Chor wird ein riesiger Katafalk errichtet werden. An dem feierlichen Totenamt werden die höchsten Vertreter der deutschen und französischen Behörden von Paris teilnehmen.

Wahllose Bombenwürfe auf friedliche Stadtbezirke. Drei Krankenhäuser getroffen. Die Porzellanmanufaktur von SevreS zerstört. - Ganze Familien getötet.

Cin Augenzeugenbericht.

Vichy, 5. März. (DNB.) Staatsminister Henry Moyfset brachte vor der Presse nochmals die tiefe Entrüstung der französischen Regierung über dasunqualifizierbare Attentat" der britischen Luft­waffe auf die Pariser Bevölkerung zum Ausdruck. Um Ihnen genaue Einzelheiten geben zu können", erklärte der Minister,habe ich in meiner Beglei­tung einen Mitarbeiter Admiral Darlans, Major Fontaine, der Zeuge dieser Kata­strophe war." Major Fontaine führte aus:

Selbst in Dünkirchen habe ich nicht ein derartiges Bild der Zerstörung gesehen, wie heute morgen namentlich in Boulogne. Die Bombardierung dauerte 2% Stunden bei hellem Mondlicht, und die Engländer warfen Leuchtbomben, so daß es heller Tag war und sie genau ihre Ziele erkennen konnten, wenn sie dies gewollt hätten. Wenn ich Ihnen sage, daß auf einer Strecke von 300 bis 400 Meter ein Straßenzug mit sechsstöckigen Häusern buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht wurde, so haben Sie den ersten Eindruck, der sich mir bot.

Ich muß Ihnen erst das Flugblatt zeigen, das die Engländer über einer friedlichen Arbeiter- stadt abwarfen, um Ihnen begreiflich zu machen, wie sehr die britische Luftwaffe die französischen Ar­beiter liebt. Auf dem Flugblatt steht: ,Wir kommen, um Euch zu helfen. Habt keine Angst! Wir kennen

unsere Ziele genau. Wir werfen unsere Bomben nur auf die Fabriken, die für die Deutschen arbeiten/

Dagegen warfen die Engländer auf einer Sttecke von etwa 25 Kilometer von St. Germain bis zu den Toren von St. Cloud wahllos Bomben schwer st en Kalibers, zum Teil von 300 bis 400 Kilogramm ab. Bisher konnten 600 bis 700 Tote identifiziert werden, darunter allein 287 aus Boulogne. Die Wahllofigkeit des Bombenangriffs zeigt sich auch in der vollständigen Zerstörung der bekannten Porzellanmanufaktur von S e v r e s. In Seores-Neuilly, Villejuif, Montrouge, Croicy (Clamart) und Jfsy gibt es überhaupt keine Fabriken, überall sind unschuldige Opfer zu beklagen. Insgesamt wurden an verschiedenen Orten drei Krankenhäuser getroffen. Ein furchtbares Bild bot sich mir in den Räumen des ebenfalls getroffenen Rathauses von Boulogne. wo die Verwundeten zu Hunderten operiert wurden. In zahlreichen Fällen wurden ganze Familien getötet. Das alles geschah, wie das englische Flugblatt besagt, um den französischen Arbeitern zu helfen. Dabei las ich heute eine Reuterdepefche, die noch einen zynischeren Text hat. Danach geschah die Bombardierung friedlicher Pariser Vororte, u m den Russen zu helfen. Die Pariser Arbeiter, die vor den Leichen ihrer Frauen und Kinder stehen und ihre Kameraden verloren haben, werden sich ihr Urteil über diese Hilfe bilden können."

Englands wahres Gesicht."

Oie französische presse geißelt den brutalen Zynismus Churchills.

Vichy, 5. März. (Europapreß.) Die französische Presse spricht von einer nationalen Katastrophe. Der A v e n i r" , welcher der Regierung in Vichy nahe- steht, stellt fest, daß der englische Hinweis, man habe der Sowjetarmee eine Entlastung bieten wol­len, von der öffentlichen Meinung Frankreichs zu- rückg-ewiesen werde. Für die Ehre Großbritanniens, so sagt derAvenir", drängen sich niederfchmet- ternde Erkenntnisse von selbst auf. Die französischen Städte im Mutterland wie im Kolonialreich Haven die englischen Flugzeuge in der Luft gesehen, die gekommen waren, um Franzosen ju töten. Es sind dieselben Flugzeuge, die während des Feldzuges in Frankreich gefehlt haben. Es ist zweifellos sehr viel leichter, das Weichbild von Paris zu bombar- vieren, als Singapur zu verteidigen, oder ein deut- >ches Geschwader daran zu hindern, die offene See zu erreichen. Dieser wilde Angriff fügt sich den übrigen Aggressionen an, die 1940 auf eine so grau- äme Weise die französisch-britischen Beziehungen kennzeichnete. Daß London dem Verlangen «von Herrn Litwinow stattgab und Hunderte von Fran­zosen, die sich nicht haben verteidigen können, und

die an dem Krieg keinen Anteil haben, hinaemord-et hat, dient weder seiner Ehre noch seinem Interesse.

ImPetit Journal" spricht Oberst de la Rocque von einem grausamen Zynismus, mit dem England heute diejenigen schlage, die sein diplomatischer Egoismus zwischen 1919 und 1938 isoliert und seine militärische Unzulänglichkeit im Mai und Juni 1940 der feierlich versprochenen Hilfe beraubt habe.Es scheint", so sagt Oberst de la Rocque,daß nach der schamlosen Ausnutzung^ des Gaullismus, nach den feigen Angriffen von Mers- el-Kebir, von Dakar uno Syrien, die leitenden Männer Londons sich der Hoffnung hingeben, da­durch ihre neuen Waffenbrüder in. Moskau zu unterstützen, daß sie unsere Arbeiter, unsere Frauen und Kinder treffen. Glauben sie, daß dieses syste­matische Bombardement von solcher Dauer die Kameraden der Ermordeten in die Arme Stalins und seiner Agenten treiben wird?"

Unter der UeberschriftDas wahre Gesicht Eng­lands" schreibt die ZeitungL'Effort":Eine schöne militärische Leistung! Dieser Mord wird auch dem letzten Franzosen die Augen öffnen über die

Starke Sowjetangriffe abgewehrt.

Berlin, 5. März. (DNB.) Nach Mitteilung des Oberkommandos der Wehrmacht hat eine westdeutsche Infanterie-Division nordostwärts des Il­mensees in Abwehr starker feindlicher Angriffe und in Gegenstößen gegen vorübergehend in die eigenen Linien eingedrungenen Sowjets den Bol­schewisten schwere Verluste beigebracht. In erbitter­ten Kämpfen wurden fünf Bunker gesprengt und ein Waldlager ausgeräumt. Die Zahl der in diesen Kämpfen gefallenen Bolschewisten beträgt minde­stens 920, zwei Panzerkampfwagen, vier Geschütze und zahlreiche andere Waffen wurden erbeutet. Südostwärts des Ilmensees griff der Feind mit etwa zwei Bataillonen einen Stützpunkt an, der durch einen Zug Infanterie verteidigt wurde. Der Führer des Zuges gab erst den Befehl zur Feuereröffnung, als die Bolschewisten auf 100 Meter herangekommen, waren. Die Angriffe wurden sämt- sich ab gewiesen. 220 tote Bolschewisten blieben auf dem Kampffeld liegen, 60 Gefangene wurden ge­macht.

Ein verstärktes Bataillon eines schlesischen In­fanterieregiments vernichtete am Nordflügel der mittleren Front in wochenlangen, erbitterten Kämpfen starke Sowjetkräfte. Unter den Verhältnis­sen des zentralrussischen Winters, in eisiger Kälte und oft in meterhohem Schnee, mußte jeder Infan- terist das Aeußerste hergeben. Als Beute wurden acht Geschütze sowie große Mengen anderer Waffen eingebracht. 434 tote Bolschewisten wurden gezählt, während die blutigen Verluste des Feindes weit über 1000 betragen.

Eine deutsche Division nordostwärts von Kursk hatte feit dem 18. Februar besonders schwere Angriffe der Bolschewisten abzuwehren. 29mal ging der Feind vor, aber alle Angriffe, die sich von Kompanie- bis Regimentsstärke steigerten, brachen an der hartnäckigen Abwehr der deutschen Truppen zusammen. Die Sowjets verloren 1572 Gefallens und mehrere hundert Gefangene. 24 Panzerkampf' wagen und eine große Anzahl anderer Waffen wurden erbeutet. Auf der Halbinsel Kertsch und

wahre Mentalität des alten, herrschsüchtigen Albion. Es ist möglich, daß Herr Churchill, um seinem politischen Prestige vor der nächsten Unterhaus­sitzung aufzuhelfen, derartige Verbrechen braucht, die er wahrscheinlich noch als Sieg bezeichnen wird. Es wird ihm aber nicht gelingen, glauben zu machen, daß dieser nächtliche Angriff gegen entwaff­nete Menschen, die nicht einmal die Unverletzlichkeit der britischen Insel bedrohten, irgendeinen militä­rischen Wert haben könnte. Churchill braucht offen­bar um jeden Preis irgendeinen Ausgleich für den Mißerfolg feiner Fallschirmjäger. Da er diesen nicht dort finden konnte, wo Frontkämpfer sich entgegen» stellen, hat er sich erneut gegen Frankreich gewendet, das bereits vom Unglück betroffen ist."

M e m o r i a I" sagt, glaubt England, daß es durch solche Unternehmen die Mißerfolge auf an­deren Kriegsschauplätzen würde verwischen können. Als unsere tapferen Soldaten bei Dünkirchen der englischen Armee die Wahl erleichterten, dem Tod oder der Gefangenschaft zu entgegen, da dachten sie sicher nicht daran, daß ihre Hingabe mit solcher Münze bezahlt würde. Kann nach diesem Ver­brechen die zivilisierte Welt noch an die Ernst­haftigkeit der Mission glauben, die Großbritannien zu erfüllen in der Welt sich angemaßt hat? Eng­land zeigt sich so, wie man es nicht anders von ihm erwarten konnte, egoistisch, grausam und bereit, die ganze Welt zu seinem eigenen Vorteil zu opfern.Le Petit Provenxal" sagt: Man sucht vergeblich eine Entschuldigung oder eine Erklärung für diesen rohen und feigen Angriff auf eine friedliche und schutzlose Bevölkerung. Es han­delt sich nicht mehr um einen Zwischenfall im Kriege von kleinen Ausmaßen, sondern um einen Mord, der kaltblütig organisiert und bis in seine grau­samsten Konsequenzen durchgeführt wurde. Frank­reich, das in seiner Empörung und seinem Mitleid völlig geeint ist und von einem heiligen Zorn be­seelt ist, beweint seine Toten."

DieBeileidskundgebungen" der englischen Re­gierung werden von der Pariser Presse mit größter Erbitterung kommentiert. DerPetit Pari- s i e n" schreibt, man fei bestürzt über eine solche Heuchelei und einen solchen Zynismus. Das in Trauer versetzte französische Volk nehme die bri­tischen Erklärungen als die gemeinste und stärkste Beleidigung auf. Das von Churchill vergossene Blut französischer Arbeiter verlange nicht Beilerdskund- gebungen, sondern die schrecklichste und unerbitt­lichste Rache, die es gibt In der Zeitung ,La France Socialiste" heißt es, die Mörderverbeug­ten" sich also vor ihren Opfern. Man müsse sich fragen, ob sie zu den Bestattungsfeierlichkeiten nicht einen offiziellen Vertreter entsenden wollten, der im Namen des Bandenchefs Churchill eine rühr- selige Rede halte.

Zerstörungen im Hafen von Great Yarmouth.

Berlin, 5. März. (DNB.) Wie das Oberkom- manbo der Wehrmacht mitteilt, griffen deutsche Kampfflugzeuge am Mittwoch den englischen Groß­fischereihafen G r e at Yarmouth an der Ost-

küste der britischen Insel an. Eine Anzahl schwerer Bomben schlug in die Hafenanlagen ein und rief in den Verladeeinrichtungen große Zerstörungen her­vor. In der vergangenen Nacht wurden die Angriffe gegen britische Hafenanlagen an der Westküste der Insel fortgesetzt, wo kriegswichtige Anlagen am Ausgang des Bristol-Kanals wirkungsvoll mit Bomben belegt wurden.

Kleine politische Rachrichten.

Auf einer Beiratssitzung der deutschen Rundfunk- Arbeitsgemeinschaft in Berlin wurde bekanntge­geben, daß Ministerialdirektor Alfred-Ina em ar Bernd den Ehrenvorsitz der deutschen Rundfunk- Arbeitsgemeinschaft übernommen habe und Ober- regierungsrat Harts Schaudinn zum stellver* tretenden Vorsitzer berufen wurde. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Ministerialrat Diewerge, gab einen Lagebericht.

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Das Kaiserliche Hauptquartier meldet, daß Don­nerstag Luftalarm für Japan gegeben wurde, da Flugzeuge sich van Osten her näherten. Als es sich herausftellte, daß es sich um japanische Flugzeuge handelte, wurde der Alarm wieder aufgehvben.

Aus aller Welt.

Bilderschwindler vor Gericht.

Einen dreisten Schwindel hat sich der 54jährige Bilderhändler Konrad W. aus Kiel erlaubt, indem er ein altes, wertloses, bei einem Antiquitätenhänd» ler für 6 RM. erstandenes Bild als einen ech- Feuerbach" für 3500 RM. in Berlin weiter­verkaufte. Vorher hatte er das Bild gereinigt und dabei auch angeblich ein Signum entdeckt, das dis Buchstaben A.T. trug. Daraus will er geschlossen haben, daß es sich um einenFeuerbach handele, zumal ihm angeblich auch eine Berliner Kunsthand­lung die Echtheit des Bildes bestätigt haben soll. Den Nachweis dafür blieb er allerdings schuldig. Nach Anhören eines Sachverständigen, der das Bild als eine mit Glasurfarbe übermalte Photographie bezeichnete, verurteilte die Kie­ler Strafkammer den Bilderfälscher zu sechs Wochen Gefängnis.

^elbpoffmarber zum lobe verurteilt.

Das Berliner Sondergericht verurteilte den 59jäh- rigen Otto Fritz aus Neukölln zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Damit haben die Taten eines Feldpostmakders, wie sie in diesem Umfange glücklicherweise zu den Seltenheiten ge­hören, ihre gerechte Sühne gefunden. Der Ange­klagte, der seit mehreren Jahren in den Diensten der Reichspost stand, hat nach seinem Geständnis eine ungewöhnlich große Menge von Feldpostsendungen unterschlagen. Er erbeutete neben Bargeld auch Rauchwaren, Nahrungsmittel und Gebrauchsgegen­stände aller Art. Eine Durchsuchung der.Wohnung und der Laube des Angeklagten förderte ein ganzes Lager gestohlener Waren und einen größeren Geld­betrag zutage. Verschiedene Gegenstände wurden auch noch bei der Freundin des Postmarders ge- funoen.

Italienischer Gommer.

Von Wera Wagenschein.

Das Licht ist wie Honig an diesem Nachmittag. Ön seinem sanften Gewichte schlummern einge- schmiegt wie in Bernstein die Olivenbäume und wilden rosa Blumen, schwimmend in Klarheit und Frieden. Leiser spielen die Zikaden wie auf gläser­nen Geigen.

Aber ich fühle Schwermut.

Vielleicht liebe ich dies alles zu sehr, die kleinen rosa Häuser oben in der Einsamkeit, von der Natur mit süßer Gewalt umfangen und verwitternd ihr zu -eigen gemacht bas samtene Lächeln des jungen Mannes hi der Wildnis, das auf dem stol­zen Gesichte aufscheint bei meinem Gruß ach, auch das dicke Heubündel, sorgsam mit Kastanien- blättevn umschnürt, das singend und fauchend und so freiherrlich angesaust kommt, an seinem Seile schaukelnd vom Berge über die Schlucht. Und die kleinen Fischerjungen, die beiden mit den zarten braunen Gliedern und dem blassen Pagenhaar, das wie gesponnenes Glas um ihr Gesicht hängt Mund und Blick in Schelmerei und Klugheit und in Hellem Emst wie sind sie eifrig dem Meere zugewandt, oder fliegen beim Bocciaspiel auf wie Federn, immer bewegt wie in einem Winde.

Und der Hund am Strand. Ich hatte zu Boden geblickt beim Steine-Suchen und ihn nicht bemerkt. Ader als ich ihn fast streifend aufsehe, zittert er mit angelegten Ohren vor stummer Zärtlichkeit. Ich bleibe eine Weile vor ihm stehen, und wir lächeln uns vergessen an. Eine Frau sitzt bei ihm, und wie ich weitergehen will, hält sie mir ein lila Steinchen hin, eins von den gläsernen, die vom Meer so schön geschliffen werden wie aus rauhem Eis grün, blau und gelb, auch weiß wie Mond­stein und die allen Kindern so gefallen. Wir machen uns beide eine kleine lächelnde Verneigung, er, der Hund, aber wedelt entzückt, daß die Steine klirren.

Und die grauen Steine selbst mit ihren weißen Streifen, Ringen, Kreuzen, glitzernd manche wie Schneekristalle auf dunklem Grund. Es gibt sel­tene, auf denen es pflanzenhaft lodert, und andere mit magischem Gewölk. Und die kleinen bunten Feuerbohnen aus Stein, die so glatt und glänzend in den Händen liegen solche hilft mir derMar- chese" finden (aber er kann auch Schauspieler fein

ober Schiffer, hier weiß man es nicht genau) und hält sie fragend hin, und wenn ichgrazie" sage oderdello , springt jedesmal ein kurzes Lächeln auf fein waches braunes Gesicht mit der Haken- nalse. Jede Woge wirft neue aus und nimmt sich raffelnd und klirrend zurück, was sie behalten mochte. Welcher Jammer, wenn du auf dem Bauche liegend ein besonders reizvolles, schnell mit der Hand bedeckt hast, die raschere Welle aber, wie ein übermütiges Pferd von hinten dich über­brausend, um dich aushöhlt, was dir fest erschien, und du spürst nur schwärzlichen Sand in den Fingern, wo eben der schöne Fund noch lag. Dann läßt du dich los, krallst dich nicht mehr fest und überläßt dich heiter der nächsten Woge, die mit doppelt strahlender Gewalt dich nimmt und trägt wohin sie will.

Und der Igel, den wir am Delberg sehen, mein Gefährte und ich, an einem stillen Nachmittag. Auf der breiten grasigen Mauer kommt er gegangen eine herrschaftliche Anfahrt für einen Igel leise schnarchend, hockcheinig und mit Grazie und Leich­tigkeit. Uns sieht er nicht, denn der Wind läuft auf uns hin; und er fängt an, mit friedlichem Ge­nuß in den kleinen blauen Pflaumen zu weiden, lange Zeit. Wir liegen auf dem warmen Boden und wagen kaum zu ahnen. Wie weich und zart und hellgrau er ist, und feine Stachelkuppe trägt er hinten wie eine Mütze. Jetzt geht ein junges Mädchen im rosa Kleid die Stufen hinauf er merkt es erst später, hält bann aber witternd und schnuppernd die spitze Nase hoch und rührt sich nicht, als sie schon lange vorüber ist. Dann treibt er in leichtem sorglosen Zickzack zum Stamm vom Pflau­menbaum. Zwei junge Männer kommen von oben und sehen weder uns noch ihn. Einer springt auf die Mauer und schüttelt das Bäumchen der Igel erstarrt vor Schrecken der andere sammelt die Taschen voll der Igel sitzt wie aus Granit, macht nur zwei kleine Schritte zur Mauer hin und mein Gefährte flüstert:Sieh nicht hin, sonst bra­ten sie ihn vielleicht." Aber sie lachen ahnungslos und springen davon. Dann ist wieder sttller Nach­mittag, eine Zikade beginnt, und bas Nest im Pflaumenbaum schwirrt hungrig und jung. Ader der Igel regt sich noch immer nicht. Wir gehen zu ihm hin, pfeifen ihm vor und reden ihm zu; und seine Stacheln, die so schön braun und silbern glän­zen, fühlen sich gar nicht so hart an; als ich ihn streichele, machen sie ganz kleine Rucke wie beim Seeigel. Da habe ich Angst, er könnte vor Furcht

gestorben fein, wir schleichen uns fort und sind be­kümmert. Aber am andern Tag sitzt er nicht mehr da, keine witternde Schnauze ist in die Luft ge­streckt, und sicher geht es ihm gut .

Gut geht es auch den beiden kleinen Machen, die oben auf dem Grat von San Bartolomeo im Karren fahren dürfen, in steifen weißen Kleidern und mit stolzen braunen Gesichtern und bloßen Füßen. Das Pferd hat einen Florenttnerhut auf (mit zwei Löchern für die Ohren), der ist mit Schwalben bemalt auf der einen Seite und mit einer Sonnenblume auf der andern. Drunter sehen Pferdchens Augen munter und sanft geradeaus.

Und der kleine Magere am Meer, der Fische fan­gen will mit seinen Händen. Er geht mit langen unbewußten Schritten, die Blicke starr im Wafser unter ihm, der wirre harte Schopf verblaßt wie Mais. Das kleine hungrige Gesicht mit der fast finsteren Entschlossenheit des «Äebenjährigen, die Arme suchend vor sich hingestreckt, gespreizt die braunen Finger, die wie Möven auf der Lauer sind, wie Schatten den Fischen unten folgen. Wenn die um seine Füße gleiten, nur wie funkelnde Ge­schosse, zuckt es durch den braunen Rücken, die Hände strecken sich dem Fang entgegen und er­starren mutlos in der Luft, wenn längst die Beute schon entglitten ift Ein noch viel Kleinerer stapft hinterher, bemüht, sein weißes Höschen mit zu wei­tem Bund zugleich mit einem Eimerchen zu hatten, und die grauen Augen lächeln ratlos.

Und das Tal Sanguineto, als wir am Nachmittag vom Kastanienberge steigen. Wir sind ganz früh ge­gangen, um die Zett, wo sonst die Menschen schla- ren und bas Tal in Mittagsstille bebt. Das Licht rauscht wie Reiher um uns nieder, die Hitze fmgt, und in dem lautlosen Lärm ertrinkt der leichte Windstoß. Er fährt hin und her bas kleine Tal entlang und treibt uns scharfe süße Wolken von Pfefferminz entgegen. Der Bach in ben Steinen raunt, zwei Knaben beugen sich über das Wasser mit suchenden Händen, Libellen durchzucken die Stille.

Da se h e ich Pan. Arn.Hang, an einer der Gras- terraffen, lehnt er regungslos. Kleiner als ein Mensch, von gedrungener Gestalt, von kristallener Kichle und Lichcheit. Er blickt geradeaus, sieht uns und alles. Vielleicht ist er ein wenig durchsichtig und verdeckt nicht ganz Fels und Gras. Alles ist Eins in dieser Stunde, nichts mehr wichtig und nichts vergänglich, die alten Kastanienbäume nicht körperlicher als ihr lichter Schatten. Und die Zi­

kaden, Pans Hausgetter, braüfen in trillernden Chören.

Eine Schlange gleitet über den Pfad, ein grünes Geschmeide.

Glück und Schwermut weckt mir dieses Land, Schwermut ohne Sehnsucht. In der Heimat blick« ich sehnend auf die fernen Hügel, einen Waldrand, einen Weg durchs Korn; doch wenn ich hinge» gangen bin, wird oft die Sehnsucht nicht geftiöt Das Wunder ist gefruchtet wie der Regenbogen, ben du suchtest; und es bleibt nur neues Heimweh nach ben blauen Fernen.

Hier aber ist die Gegenwart Vollkommenheit. Stein und Kraut und Licht sind vollendet und sttll vor Schönheit. Und du wirst traurig, weil du dich nicht weiter sehnen kannst.

Zeitschriften.

Freude am Leben", die bebilderte Mo­natsschrift des Reichsbundes für Biologie, bringt in ihrem Doppelheft Februar/März zu Beginn eine bemerkenswerte Bettachtung des Kieler Zoologen Professor Dr. Friedrich über die Bedeutung der Liebhaber"-Arbeit für die zoologische Forschung. Professor Dr. Schoemchen zeigt an Hand guter Auf­nahmen, welche Naturdenkmäler (vor allem bota­nischer und geologischer Art) mit dem Elsaß wieder zum Reich gekommen sind, lieber die ,siierische Hyp­nose" und ihre Bedeutung berichtet Dr. Gerhard Warnke mit charakteristischen Aufnahmen der zu ben Versuchen benutzten Vögel. Von einem merkwür­digen Erlebnis im mittelamerikanischen Urwalde erzählt Regierungsrat Dr. Morton unter dem Titel Der Riesenzylirckrer des Baumwürgers". Weitere Beiträge erläutern Bau und Wirkungsweise des elekttostatischen Elekttonen-Uebermikroskops und dis Erforschung und Anwendung der künstlichen Pflan- zenwuchsstoffe (mit recht eindrucksvollen Vergleichs­aufnahmen). Eine hübsche, vielseitig interessante Ar­beit von Dr. Walter Carl6 beschäftigt sich mit den Maisspeichern im Nordwesten der Iberischen Halb­insel; die beigegebenen Aufnahmen zeigen, wie sich hier die Vorsorge für die Erhaltung der Brotfrucht und eine charakteristisch-bodenständige Bauweise be­gegnen und verbinden. Vom sonstigen Inhalt des reichhaltigen und noch unverändert sorgfältig aus- gestatteten Heftes feien die immer anregenden Kleinen Beiträge", die Forschungsergebnisse, Buch- besprechunges, die Liste der Neuerscheinungen und die Preisfrage genannt.