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päischen Kabinett machte. Man entsinnt sich, daß es anfangs der Franzosenkaiser Napoleon III. war, der wohl unter dem Eindruck romantischer Erinne­rungen an den Aegypten-Feldzug seines größeren Oheims, aber auch in kluger Abwägung der Macht­position Frankreichs im Mittelmeer und im Vorde­ren Orient, dem Kanalbau seine Förderung zuteil werden ließ, während England ablehnend beiseite stand, ja den Bau mit allen Mitteln zu Hintertrei­ben suchte. Erst als es mit dem Kanal als unab­änderliche Tatsache rechnen mußte, warf es ent­schlossen das Steuer herum. Als der Franzose Les- seps 1854 seine Konzession für den Kanal erhalten hatte, bauten die Engländer die Bahn von Alexan­drien über Kairo nach Suez, sie wurde später wei­ter westlich bis Marsa Matruk verlängert und nach Osten über El Kantara nach Jerusalem geführt. Heute spielt sie für die militärischen Operationen in dem an modernen Verkehrswegen armen L-ande eine wichtige Rolle. Noch vor Fertigstellung des Suez-Kanals hatte England in aller Stille die Insel Perim besetzt, die den Südausgang des Roten Mee­res sperrt. Und 1875 benutzte der Jude Disraeli, Premierminister der Königin Viktoria, die ständige Geldnot des prachtliebenden Khediven Ismail, um mit Hilfe des Hauses Rothschild die Mehrheit der Kanal-Aktien in den Besitz der britischen Regierung zu bringen. Eine weitere Folge der Finanzmisere des Khediven war die Einsetzung von englischen Finanz-Beratern" in Kairo. Die Empörung des ägyptischen Volkes unter Arabi Pascha 1882 war das Bombardement Alexandriens durch die britische Flotte am 11. Juli, also vor fast out den Tag genau sechzig Jahren. Heute rücken von Westen her Gene- ralselomarschall Rommels deutsche und itülienische Panzertruppen in Eilmärschen auf die das Nildelta beherrschende Seefestung los. Nichts vermag wohl krasser den schnellen Wandel der Geschichte zu ver­deutlichen. Damals folgte dem Bombardement Alexandriens die Landung britischer Truppen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung", die Besetzung Aegyptens und die Eroberung des Su­dans. Und obwohl schon 1883 der britische Staats­sekretär Lord Granville den übrigen Mächten mit­teilte, daß die britische Regierung sich wieder aus Aegypten zurückzuzieheen wünsche,sobald der Zu­stand des Landes und die Organisation geeigneter Mittel zur Aufrechterhaltung der Autorität des Khediven es gestatten", so ist dieser paradiesische Zustand doch in 60 Jahren britischer Herrschaft in Aegypten wenigstens nach britischer Auffassung nie­mals eingetreten, ebensowenig wie das indische Volk jemals reif für Selbstregierung geworden ist, so daß die britischen Truppen bis heute im Lande bleiben konnten, bis sie nun freilich unfreiwillig das Feld werden räumen müssen. Damals wurde der britische Generalkonsul in Kairo der wahre Beherrscher des Pharaonenlandes, und die Erklärung Aegyptens zum Protektorat im Dezember 1914 bestätigte nur formell einen Zustand völliger Abhängigkeit, wie er tatsächlich schon ein Menschenalter hindurch be­standen hatte.

Nachdem Weltkrieg hat dann England aus Sorge vor dem erwachenden ägyptischen Nationalismus, der auf das im Kriege von England so laut ver­kündete Selbstbestimmungsrecht der Völker pochte, wieder auf die alte Taktik der Verschleierung seiner tatsächlichen Herrschaft zurückgreifen müssen. Die nationalistische Bewegung hatte in Zaghlul Pascha einen tatkräftigen Führer erhalten. Aus einer dreiköpfigen Abordnung, die am 13. November 1918 vom britischen Oberkommissär in Kairo so­fortige Verhandlungen über die Unabhängrgkeits- erkläruna Aeggyptens forderte, ist die Wafd- Partei (das Wort heißt nichts anderes als Ab­ordnung) entstanden, die künftighin der stärkste Fak­tor der ägyptischen Politik werden sollte. Zaghlul freilich wurde von den Briten verbannt, um den un­bequemen Mahner loszuwerden, der in wenigen Tagen Hunderttausende zur Einzeichnung in seine Listen veranlaßt hatte. Aber am 15. März 1922 hob England das Protektorat aus und erklärte das Land zum konstitutionellen Königreich. Für Aegyp­tens Freiheit war damit nicht viel gewonnen. König Fuad I. stand unter dem zwiefachen Druck des bri- tischen Zwingherrn, der jede nationale Regung im Lande mit Argwohn beobachtete und des an Einfluß rapide zunehmenden ägyptischen Nationalismus, der die Regierungen des Königs zwang, die Vorbehalte, die sich England bei Aufhebung des Protektorats ausbedungen hatte, anzuerkennen. Im ersten Wahl- kampf nach Einführung der Verfassung 1923 ge­wann der aus der Verbannung zurückgekehrte Zaghlul Pascha 188 Parlamentssitze von 215 und wurde mit der Regierungsbildung beauftragt. Aber nach der Ermordung des britischen Gouverneurs im Sudan, des Sirdar Sir Lee Stak, im November 1924 trat Zaghlul bereits zurück, da er die britischen Sühneforderungen nicht erfüllen wollte.

Nun wechselten die Kabinette in bunter Reihen­folge. Oberkommissar und König fanden sich in der Taktik, die Wafd-Partei von der Leitung der Staats­geschäfte fernzuhalten. 1930 wurde die Verfassung aufgehoben, das Parlament ausgeschaltet und die Regierung dem König unmittelbar unterstellt. Erst 1935 wurde die alte Verfassung wiederhergestellt und Nahas Pascha, der Nachfolger des 1927 ge­storbenen Zaghlul Pascha als Führer der Wafd- Partei, übernahm die Regierung. Er unterzeichnete im August 1936 den schon erwähnten Unabhängig­keitsvertrag mit England, zu dem dieses sich unter dem Eindruck des Aoefsinienkrieges und der britisch- italienischen Spannung verstehen mußte. Doch die britischen Truppen, die nur so lange in Kairo blei­ben sollten, bis die neuen Kasernen im Gebiet des Suez-Kanals fertiggestellt seien, wurden sogar noch verstärkt durch britisches Militär aus Palästina. Nahas Pascha sah sich durch den Vertrag blohge- stellt. Die Wahlen von 1938 brachten der Hofpartei des Königs eine große Mehrheit, ein neues Kabinett ohne den Wafd wurde gebildet. Jetzt wurde die ägyptische Politik immer verworrener. Der junge König Faruk, der im April 1936 seinem Vater Fuad I. auf dem Thron gefolgt war, versuchte es in der Folge, mit und ohne die Wafd-Partei zu regieren. Das Land geriet von einer innerpoliti« schen Krisis in die andere, denn das- Hauptproblem des Landes, das trotz des Vertrages ungeklärte Ver­hältnis zu England, blieb eine schwere Belastung für jedes ägyptische Kabinett.

Der neue Weltkrieg zeigte dann eklatant, wie weit Aegypten von einer wahren Unabhängigkeit entfernt ist. Der Ministerpräsident Ali Mäher Pascha, der die ägyptischen Truppen von der Westgrenze zu­rücknahm, um die Möglichkeit von Zwischenfällen mit den Italienern auszuschalten, wurde auf Be­treiben Englands gestürzt, öein Nachfolger Sabry Pascha, der gegen den von England geforderten (Ein­tritt Aegnptens in den Krieg war, starb im No­vember 1940 auf geheimnisvolle Weise kurz vor der Eröffnung des Parlaments, von dem England die ägyptische Kriegserklärung an die Achsenmächte erhoffte. Ebenso geheimnisvoll war der Tod des Kriegsministers, der ebenfalls ein Gegner des Kriegseintrltts gewesen war. Die folgende Regie-

rung Sirry Paschas schwamm ganz in englischem Fahrwasser, mußte aber im Januar 1942 Nahas Pascha weichen, als sie ohne Zusümmuna des Kö­nigs die Beziehungen zu Frankreich aborach. Die Wahlen vom 24. März brachten der Wafd-Partei einen Karen Sieg. Doch Nahas Pascha, der Unter­zeichner des Bündnisvertrages von 1936, betonte zwar, daß Aegypten nach wie vor nicht aktiv am Kriege teilnehmen werde, hielt sich aber im übrigen an den Vertrag gebunden.

Aegypten gereit in eine immer schwierigere Lage, die auch wirtschaftlich für das Land verhängnisvoll wurde. Denn die Briten nutzten ihre Macht m Aegypten mit brutaler Rücksichtslosigkeit aus. Ei­land hat in den sechs Jahrzehnten feiner Herrschaft Aegypten die Monokultur der Baumwolle aufge- zwungen, um den Rohstoffbedarf der Spinnereien von Lancashire unter allen Umständen sicherzustel­len. Nachdem weite Flächen am unteren Nil ebenso wie im Sudan von Getreide, Reis und Tabak auf Öen Anbau von Baumwolle umgefteUt waren, mußte Aegypten einen großen Teil feines Getreide­bedarfs elnführen. Zudem bedeutete jede Schwan­kung auf dem sehr krisenempfindlichen internatio= nalen Daumwollmarkt eine ernste Gefahr für die Bevölkerung Aegyptens, die zu 90 Prozent ihren Lebensunterhalt mit der Baumwollkultur ver­diente. Zu Kriegsbeginn hatte nun England den Aegyptern die Abnahme der gesamten Baumwoll­ernte versprochen, aber es fehlte sehr bald an

Schiffsraum, sie abzutransportieren, und die Preise deckten nicht einmal die Produktionskosten. Zudem machte aus den gleichen Gründen die Einfuhr von Brotgetreide Schwierigkeiten. Die hohen Frachtsätze für die wenigen noch verfügbaren Schiffe trieben die Preise in die Höhe. Trotz dieser geradezu kata­strophalen Versorgungslage des Landes beanspruch­ten die Briten für ihre auf ägyptischem Boden stehende Armee je schwieriger der Nachschub wurde und je mehr der immer knapper werdende Schiffs- raum für Kriegsmaterial benötigt wurde, um so mehr Getreide aus ägyptischen Vorräten, so daß heute das ägyptische Volk von einer schweren Teue­rung bedroht ist. Zudem muß es fürchten, daß die Briten auf ihrer Flucht vor den Panzern Rom­mels nach dem von ihnen beliebten Rezept alle Vor­räte vernichten und das Land, das sie gegen seinen Willen skrupellos zum Kriegsschauplatz gemacht haben, zu verwüsten. Nur das schnelle Vorrücken Rommels kann den Aegyptern ersparen, den Lei­denskelch bis zur Neige zu trinken, den der britische Imperialismus für feine Opfer bereit hält. Der Sieg des neuen Ordnungsgedankens in der Wett, für den die Möchte der Achse mit den Völkern des europäischen Kontinents im Kampf stehen gegen Bolschewismus und Plutokratie, wird auch Aegyp­ten die Befreiung von der britischen Herrschaft und damit erst die volle Unabhängigkeit brrnpen.

Die andere Seite.

Oer große Umschwung in Libyen in der Darstellung Churchills.

Von unserer Berliner Schristleitung.

Die UntekhaUsdebatte, die EhurchiEsde und das Abstimmungsergebnis mit 475 gegen 25 Stim­men über das Mißtrauensvotum find parlamenta­rische Schaustücke. Die Wirklichkeit ist allein auf dem Schlachtfeld. Darum halten wir uns auch nicht an die polemischen Mätzchen Churchills, sondern an ene Stellen seiner Rede, die gegenständliche Anga- >en enthalten. Diele dieser Angaben sind polemisch zweckbestimmt. Trotzdem ist seine Schilderung des ibyschen Feldzugs interessant, weil sie die Darstel­lung deranderen Seite" ist.

In diesem Sinn sei zunächst erwähnt, daß Chur­chill Über die Stärkeverhältnisse vordemKamps prach und erklärte, daß die rivaWerenden Armeen ungefähr je 100 000 Mann betrugen. Unter den Achsentruppen seien 50 000 Deutsche gewesen. Er uhr dann fort:Unsere zahlenmäßige Ueberlegen- heit an Panzern stand vielleicht im Verhältnis von 7.5, an Artillerie beinahe 8:5. Bei der Artillerie br­anden sich mehrere. Regimenter mit Haubitzen neu­esten Typs, die ein 55pfündiges Geschoß 20 000 Meter weit feuern können. Die alliierte Armee ge­noß während des ganzen Kampfes ja selbst heute noch diese (technische) Ueberlegenheit. Eine al­

liierte Offensive wäre in den ersten Junitagen in Gang gesetzt worden, wenn der Feind nicht zuerst zugeschlagen hätte. Wir wurden während des Kamp­fes derartig zugerichtet, daß wir keinen wirksamen Gegenschlag durchführen konnten. Am 4. Juni wurde ein solcher Versuch gemacht, doch durch einen (deut- schen Gegenangriff mit schweren Verlusten an Artil­lerie zurückgeschlagen. Der Schwerpunkt der Schlacht lag dann bei B i r Hacheim, wo wir den Be­schluß faßten, die Garnison zurückzuzichen, obwohl dies zu schweren Verlusten führte. Dies war ohne Zweifel ihr Wendepunkt der Schlacht... Gewiß ist, daß Rommel und seine Armee Tag um Tag weiter zuschlug. Am 13. Juni stand die Schlacht gleich, doch änderte sich das am gleichen Tag. Am Morgen die­ses. Tages besaßen wir etwa 300 Panzer; bei Ein- bru her Nacht blieben uns nicht mehr als 70, ohne daß der Feind entsprechend schwere Verluste erlitt. Was sich während der Kämpfe dieses Tages ereig­net hat, weiß ich nicht." Churchill beziffert die eng­lischen Verluste aufmehr als 50 000 Mann", was ein sehr dehnbarer BegMf ist. Bis einschließlich 30. Juni haben die Engländer mindestens 60 000 Mann allein an Gefangenen verloren.

Das neue Kampfgebiet jenseits der libyschen Grenze.

In kühnem Nachfassen und Auswertung der er­zielten (Erfolge haben die Truppen des Generalfeld- marschalls Rommel nach der Einnahme Tobruks und Marsa Matruks den Vormarsch in östlicher Richtung fortgesetzt. Marsa, zu deutschHafen", Matruk, das in der Luftlinie 300 Kilometer von Alexandria entfernt liegt, war bis zur Einnahme Tobruks durch die Briten der Hauptnachschub-' Hafen und auch der Endpunkt einer strategischen Eisenbahn, die jedoch in der Zwischenzeit bis Sol- lum fortgeführt worden ist. Auch die Küstenftraße führte in ihrem Hauptteil bis zu diesem überaus wichtigen Punkt des britischen Verteidigungssystems. In östlicher Richtung folgen u. a. Gala! unge-. ähr auf halber Strecke und El Hammam, >0 Kilometer von Alexandria entfernt. Während es ich bei diesem Küstengebiet um Kulturland han- )elt von den 900 000 Quadratkilometer des Kö­nigreichs Aegypten find nur 35 000 Quadratkilometer bebauungsfähig stößt man in südlicher Richtung von Marsa Matruk in die Wüste. Den liebergang hierzu bildet die sogenannteKattara-Depres- f i o n", ein dürrer Landstreifen, der tiefer als der Spiegel des Mittelmeeres liegt und bei dem es sich mutmaßlich um einen ausgetrocknettzn Salzsee han­delt.

Der größte Hafen und Hauptstützpunkt der Briten in Aegypten ist Alexandria mit 680 000 Ein­wohnern, nach Kairo, das 1,3 Millionen Einwohner zählt, die zweitgrößte Stadt des Königreiches. Der Hafen, welcher die stärksten britischen Kriegsschiffe aufnehmen und eindocken kann, besteht aus einem kleinen Fischereihafen, dem 700 Hektar großen

Außen- und dem 190 Hektar großen Binnenhafen, den eine 900 Meter lange Mole deckt. Ebenfalls zer­fällt die Stadt in das mohammedanische Viertel auf der Landenge zwischen den Häsen und die Europäer­stadt auf dem Festlande. Der strategische Wert Alexandrias wird durch einen Flugplatz erster Ord­nung, durch britische Kasernen und Vorratslager unterstrichen er ist der östliche Eckpfeiler der Ver­teidigung im Mittelmeer, wie Gibraltar den west­lichen darstellt. Alexandria wiederum liegt als west­lichster Punkt im ägyptischen Kernland im Nildelta, das mit Port S a i d und dem Suezkanal seinen östlichen Abschluß findet. Zwilchen beiden Städten finden wir an der Küste Aboukir, wo am 1. August 1798 die französische Flotte durch Nelson zerstört wurde, Rosette (25 000 Einwohner) und Damiette (40 000 Einwohner); Port Said hat etwa 125 000 Einwohner, es erhielt als Ausgangs­punkt des Suezkanals und der parallel laufenden Bahnlinie seit 1869 steigende Bedeutung. Das Nil­delta ist ein Gewirr von Flußarmen und Kanälen, Straßen und Eisenbahnlinien, an dessen Spitze die Hauptstadt König Faruks liegt: Kairo. Das ganze Reich hat fast 15 Millionen Bewohner, zu über 90 v. H. Aegypter überwiegend mohammedanischer Religion. Im Innern des Landes, soweit es im Bereich der gegenwärtigen Kämpfe ist, fei schließlich die Oase S i w a erwähnt, die rund 5000 Einwoh­ner zählt und rund 150 Kilometer südostwärts der libyschen, im Vorjahre heiß umkämpsten Oase Giarabüb liegt. Sima ist der Knotenpunkt der Stra­ßen nach Giarabüb, nach Sollum, Alexandria und, in östlicher Richtung führend, zum Nil.

3«n Igel deutscher Panzer.

Von Kriegsberichter Hans Fritzsche.

II.

Das war der feindliche Einsatz gegen den Außen- rand unseres Igels. Ins Innere unserer kleinen Festung langte er mit schwerem Geschütz und Pak, mit Granatwerfer, Bomben und Kampffliegern. Es lohnte sich, dorthin zu fassen, denn hier standen unsere Geschütze und unsere Munitionswagen. Hier arbeitete ein vorgeschobener Hauptverbandsplatz, kochten Feldküchen und standen Reserven bereit zum Ab riegeln jedes Einbruches, wo er auch erfolgte.

Sie hatte keine Häuser, diese kleine Festung. Sie bestand aus drei Waldstücken, die sich in einige Ge­ländefalten einschmieaten. Dazwischen stand der Rog­gen auf einigen Feldern schon brusthoch kurz vor der Blüte, während Sonnenblumen, feldmäßig be­stellt, noch arg im Rückstand waren. In dieser rriz- oollen Landschaft, in der es Ausblicke gab, die an bas mitteldeutsche Hügelland erinnern, hatte sich jeher so gut eingerichtet, wie er konnte. Der eine schlief im Wagen, ein paar andere hatten sich zu einer Zeltgemeinsck-aft zusammengefunden. Der meinte, sich an einem schönen Abend, warm in Decken gehüllt, auf den Waldboden legen zu kön­nen In diesem Land der ewigen Ueberraschungen mußte er schleunigst bei einem Gewitterregen seine fieben Sachen aus dem Schlamm ziehen und ein besseres Quartier suchen. Einige waren genial in Heinen Erfindungen. Rohmaterial dafür hatten die Bolschewiken zurückgelassen, die die Panzerooraus- abteilung vertrieb. So entstand aus einem verges­senen Autopolster und einigen Benzinkanistern im Handumdrehen ein Sofa. Eine Tragbahre, etwas erhöht, gab ein wunderbares Bett. Erne Axt, quer in einen Baum gehauen, wurde zum Toilettentisch mit Rasierspiegel in Augenhöhe.

Dann aber haperte es, denn Wasser war knapp. Es war schlimmer als knapp, es war schmutzig. Nach 24 Stunden erschien es schon viel sauberer, aber auch am vierten Tag erschien es zum Zähne- putzen doch noch ungeeignet.

Die Bolschewisten, die vor uns in diesem Wald­stück gelegen hatten, hinterließen wahre Kunstbauten der Tarnung und des Splitterschutzes. Ein paar von ihnen müssen es sehr aemütlich gehabt haben, denn es zeigten sich in Gestalt von hinterlassenen Kleidungsstücken Spuren einer wenig holden Weib­lichkeit, Die mitunter Kommissare begleitet. Das war in einem bombensicheren Fuchsbau im Inneren des Waldes. >

Man begnügte sich mit den vorgefundenen Erd- löchern. Die deutsche Luftwaffe war ja auch mit Jägern und Kampffliegern so stark vertreten, daß man nicht mit allzu vielen Ueberraschungen aus der Luft zu rechnen brauchte. Dann freilich zeigte sich, daß die Bolschewisten den unerhörten Einsatz von Panzerkrästen auch so weit wie möglich durch die Luft zu unterstützen sich bemühten. Kaum schauten unsere Jäger einmal woanders nach dem Rechten, so kamen acht, zehn oder gar zwölf bolschewistische Bomber an geb rauft. Gewiß waren die deutschen Säger im Handumdrehen wieder da, gewiß sahen wir auch manchen Bolschewiken brennend abftürzen, aber ihre Last hatten sie oft genug schon abgeladen. So ließ man sich von den bolschewistischen Gefange­nen, deren Zahl immer mehr wuchs, da urth dort einen Splittergraben ausheben, und mit einem Ohr hörte man tags und nachts nach dem deutlich zu unterscheidenden Dröhnen fremder Motoren.

So machte man in ständiger Bereitschaft feine 1 Besuche bei dieser oder jener Formation. Hatte

Keine Beruhigung in England und den LGA.

Stockholm, 3. Juli. (Europapreß.) Die Lon­doner Presse läßt deutlich erkennen, daß Churchills Abstimmungserfolg im Unterhaus nicht gleichbedeu- tenh ist mit der Beruhigung seiner Kritiker. Alle Zeitungen sprechen davon, daß durch die Unten)aus« bebatte die Ursachen der Niederlagen in Nordafrika noch nicht aufgedeckt seien, und vor allem, die Re­gierung sich nicht mit dem Vertrauensvotum zufne. den geben dürfe.Daily Herald" erklärt, bte De­batte habe nicht d c n Erwartungen des Volkes entsprochen. Es kenne immer noch nicht die Ursachen für das Durcheinan­der in Nordafrika. DieTimes" schreibt, das Par- lament habe trotz des Abstimmungsergebnisses ein unmißverständliches Verlangen nach vielen Verände­rungen gezeigt. Die ,^Daily Mail" meint, der Nach­druck scheine noch immer auf der Quantität des Ma­terials zu liegen. Dieser Krieg habe jedoch gezeigt, daß die Qualität maßgebend sei.

Zahlreiche Protesttelegramme wurden, wie Daily Telegraph" mitteilt, aus allen Teilen des britischen Empires an General Auchinleck in das Hauptquartier des Mittleren Ostens gesandt, ßorb Croft, der parlamentarische Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, führte hierüber im Unterhaus Beschwerde und meinte, mit Protesttelegrammen könne man den Krieg nicht gewinnen. Der parla­mentarische Unterstaatssekretär im Informations- Ministerium, Thurtle, hatte im Unterhaus Rede und Antwort zu Angriffen zu stehen, in denen man dem Kriegs- und dem Jnformationsminisierium vorwarf, ein zu optimistisches Bild der Lage in Nordafrika gegeben zu haben. Er sagte, daß man in Zukunft überhaupt keine Erklärungen mehr zur Lage geben werde.

Die Rede Churchills wurde auch in den USA. mit großem Interesse ausgenommen, und vor allem in militärischen und politischen Kreisen ist man über einige Stellen dieser Rede äu ß e r st b e u n r u h i g t. Das Eingeständnis Churchills, daß der Fall von Tobruk völlig unerwartet kam, ferner, daß die Hilfs* quellen und Verstärkungen der Engländer in Nord­afrika viel größer als die der Achsenmächte gewe­sen waren, bestärkt die zuständigen Kreise in den USA. in ihrer bereits feit langem vorhandenen Auffassung, daß bei dem britischen Bundesgenossen etwas nicht stimme. Nicht weniger bestürzt ist man über die hohen Gefangenenza hlen in Nord­afrika, die Churchill bekanntgeben mußtp. Allgemein sei jetzt der Eindruck vorherrschend, daß durch die britischen Rückschläge in Afrika die Zukunft sehr ernst und sehr dunkel geworden ist.

Neubildung des indischen Vottzugsraies.

Ein Scheinzugeständnis der Briten.

Stockholm, 3. Juli. (Europapreß.) In Lon­don und Neu-Delhi wurde gleichzeitig eine Reihe Veränderungen der Verfassung und Verwaltung In­diens bekanntgegeben. Danach wird her Vollzugsrat des Vizekönigs von Indien von 12 auf 15 Mit­glieder erweitert. Die neu hinzugekommenen Mitglieder sind sämtlich Inder. Der Posten des neu- geschaffenen Verteidigungsministers im Vollzugsrat wurde dem indischen Mohammedaner Moon übertragen. Ferner wurde je ein Inder als Vertreter im britischen Kriegskabi­nett und im Pazifik-Kriegsrat vorgesehen.

Dieses scheinbare Zugeständnis an die Inder, das deren Forderung auf Üebertragung der Verantwor­tung für die Verteidigung Indiens erfüllen soll, hat aber keinerlei praktische Bedeutung, da General W av elf als Oberbefehlshaber der bri*

man am Morgen noch Minuten gebraucht, um aus dem Beiwagen eines Motorrades herauszukommen oder, die langen Beine faltend, sich wieder hinein- zusetzen, dann fuhr man mittags wie ein geölter Blitz aus dieser Wanne heraus, wenn die ersten Ge­schosse her Bordkanonen eines bolschewistischen Flie­gers platzten. Und mit ungeahnter Geschwindigkeit war man aus einem Kübel heraus, wenn eine Kette von Sowjetbombern gerade ausklinkte und man ihre Grüße schon^ fallen sah.xGewiß ging es nicht ohne Verluste ab, aber was waren diese Verluste an Menschen und Material gegenüber den Lücken, die Hunderte und aber Hunderte von Stukaein­sätzen drüben rissen! Und als einmal Munition knapp war, da schwebten nach kürzester Frist die Tonnen! mit allem Notwendigen an Fallschirmen in unsere Festung hinein.

So kam es, daß sich in dieser Festung ohne Häu­ser, in her es immer irgendwo knallte, bas Leben! einer Stadt entwickelte. Hier brummte ein Motor, her Strom erzeugte für Sendung und Empfang des Funkwagens. Dort lief ein anderer, um das Lickst für unser Krankenhaus zu spenden, einen geräumi­gen Lastkraftwagen, in hem mehrere Sanitätsoffi­ziere alles für ihre erfahrenen Hände Notwendige mit sich führten. Kam über das Fernsprechnetz, das alle Teile unsererSiedlung" miteinander verband, ein Hilferuf, so fuhren im selben Augenblick Äran* kentransportwagen los, um Verwundete unverzüg­lich in ärztliche Behandlung und kundige Pflege zu bringen. Manch eine böse Verletzung wurde durch diese schon nach Minuten einsetzende Fürsorge ent­scheidend günstig für ihre Heilung beeinflußt.

Sehr bald schon ist die Möglichkeit gegeben, die so fürs erste versorgten Verwundeten vom vorge­schobenen Hauptverbandsplatz zurückzutransportie­ren. Denn die belagerte Festung, die sich so gar nicht belagert fühlt, hat bald eine immer festere Ver­bindung zu dem Brückenkopf, von dem aus ihre Besatzung zum Vormarsch gestartet war. Wo wir beim Vorstoß noch unmittelbar neben her Straße sich Bolschewiken in Erdlöchern ducken sahen, ohne uns die Zeit zur Säuberung nehmen zu können, hat deutsche Infanterie gründlich ausqefämmt. Wir selbst dehnen das Dorseld unserer Festung immer weiter aus, wobei nur her Weg nicht verstopft Wer­der darf, auf dem uns Stalin' die letzten Produkte seiner sichtbar geschwächten Kriegsindustrie und im­mer kürzer ausgebildete Offiziere und Mannschaften entgegenschickt. Langsam nur und allmählich ver­sickert her erst so reißende Strom her bolschewisti­schen Angriffe. Erst als nichts mehr zu erben und nichts mehr mitzunehmen ist, wird die bolschewistische Riegelstellung, nicht von vorn über die Todesäcker her bolschewistischen Panzer, sondern weit ausho- lend von der Seite her genommen.

Nach sechs Tagen siegreichen Kampfes gegen einen an Zahl weit überlegenen Gegner zieht eine stolze Panzerdivision durch Dörfer, deren Bewohner das bestätigen, was mir schon lange wußten: Die Solda- ten jeder bolschewistischen Truppe erklärten nach der ersten Gefechtsberührung mit den Deutschen, cs habe ja doch keinen Zweck, man komme gegen frte* sen Gegner nicht auf!