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Verzweifelte Lage Tschungkings.

Tokio. 3. Juni. (Europapreß.) Der Sprecher Les Jnformationsamtes nahm die Gelegenheit des Be­suches des chinesischen Sonderbotschafters Chu-Min- Yi wahr, um auf der Pressekonferenz am Mittwoch zu der verzweifelten Lage des Tschungking-Regimes Stellung zu nehmen. Der Ausbruch des großen Ost- afienkrieges habe für niemand eine größere Freude bedeutet als für Tfchiangkaischek, allerdings sei auch wohl niemand durch die Entwicklung des Krieges schwerer enttäuscht worden. Die gegenwärtige Lage Tschungkings sei verzweifelt: Einmal bedeute die Spannung zwischen der Kuomintang und der Kom­mun i st i s ch e n Partei eine schwere Belastung, die die politische Rivalität bis in die engste Um­gebung Tschiangkaischeks hin-sintrage. Dann sei die Lage der Staatsfinanzen völlig hoffnungs­los. Der Notenumlauf, der 1941 8 Mrd. Tschung- king-Dollar betragen yabc, sei in den ersten Mona­ten dieses Jahres auf über 16 Mrd. Tschungking- Dollar angeschwollen, alle Bemühungen, den Haus­halt durch neue Steuern und Monopole zu balan­cieren, seien fehlgeschlagen und hätten eine weitere Verelendung der chinesischen Massen bewirkt. Auch die Tschungking durch die USA. und England ver­sprochenen Anleihen seien angesichts der völligen Unmöglichkeit irgendwelchen Ex- und Imports be­deutungslos.

Der entscheidende Faktor sei jedoch das rasche S ch w i n d e n d e r K a m p f k r a f t der chinesischen Truppen. Wenn auch Tschungking an Menschen kei­nen Mangel leide, so bedeute doch das völlige Ab- geschnittensein von der Außenwelt, daß die Aus­rüstung mit Ausnahme von leichten Waffen, die in geringem Umfange im Lande hergestellt werden können, in Zukunft fehlen werde. Auf die Assam- Straße irgendwelche Hoffnungen zu setzen, sei Träu­merei. Da auch die Sowjets, die letzte Hoffnung Tschungkings, kaum in der Lage seien, Hilfe zu leisten, müsse der Widerstand des Tschungking-Re- gimes in Zukunft den Charakter eines Banditen- krieges annehmen. Die einzige Möglichkeit für Tschiangkaischek sei, die Aussichtslosigkeit seines wei­teren Widerstandes einzusehen.

Aufbau der chinesischen Tlationalarmee

Tokio, 4.Juni. (DNB.-Fundspruch.) Der vor­läufige Generalstabschef der chinesischen National­regierung, General Pang Kuei-J, der zusam­men mit Außenminister Dr. Tschumin-M in Tokio weilt, erklärt der japanischen Presse, daß die Aus­rüstung der chinesischen Nationalarmee mit japa­nischer Hilfe außerordentlich verbessert worden sei. Das Heer^reiche zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung völlig aus. Die Zahl der Ueber- läufer aus dem Lager Tschungkings wachse ständig. Viele von- ihnen, die anderen Sinnes geworden

seien, würden zur Mitarbeit herangezogen. Außer­dem sei eine beträchlliche Anzahl von Tschungking- Soldaten, die in japanische Gefangenschaft geraten seien, in die Nanking-Armee eingereiht worden, durchweg Leute, die zur Mitarbeit an der Wieder­herstellung des Friedens und an der Errichtung einer gemeinsamen ostasiatischen Wohlstandszone ent­schlossen seien. Unter den Ueberläufern seien auch Flieger, die sich im Fliegerhorst von Tschangtschou an der Entwicklung der national-chinesischen Luft­waffe beteiligten.

Oie japanischen Operationen in Tschekiang und Kwangtung.

Tokio, 3. Juni. (Europapreß.) Die in den Pro­vinzen Yünnan, Kiangsi, Kwangtung und Tsche­kiang rasch fortschreitende Offensive der japanischen Streitkräfte, die eine umfassende Zangenbewegung üarstellt, wird von der eigenen Heeresluftwaffe wirk­sam unterstützt. Am 2. Juni bombardierten japa­nische Luftgeschwader die Stadt S ch a n g j a o , das Hauptquartier der dritten Kriegszone der Tschung- king-Regierung, und griffen in Tschekiang Feld­stellungen der 32. Tschungking-Division beiTschu- tschau, etwa 350 Kilometer südwestlich von Schang­hai, an. Die japanischen Truppen standen am Mitt­woch bereits in weitem Halbkreis 5 Kilometer vor Tschutfchau. Sie überquerten den Fluß Wuki- kiang, 5 Kilometer nordostwärts Tschutschau, und rieben die feindliche 40. Division auf. Die japani­schen Truppen haben die Hügel am linken Flußufer besetzt, von wo aus sie Tschutschau beherrschen. Die sich dort verteidigenden 100 000 Mann Tschiangkai- scheks sehen sich genötigt, fluchtartig zurückzugehen, um nicht eingeschlossen zu werden, denn japanische Streitkräfte stießen auch von Kinhwa aus entlang der Eisenbahn in südwestlicher Richtung vor und stehen wenige Kilometer vor der befestigten Stadt Kiutschou. Sie nähern sich damit bereits dem Grenzgebiet zwischen den Provinzen Tschekiang und Kiangsi. Auch in der Provinz Kiangsi sind die Japaner zur Offensive übergegangen. Sie durchbra­chen die chinesischen Stellungen südlich Nant- sch an g. Damit geraten die entlang der Tschekiang Kiangsi-Bahn stehenden chinesischen Truppen auf die von Krnhua her vorstoßende japanische Kampf­gruppe. Im nördlichsten Zipfel der Provinz Kiangsi am Y a n g t s e - F l u ß haben die Japaner Tat­schang, 40 Kilometer südöstlich von Kiukiang, besetzt. Die Stadt ist ein wichtiger strategischer Punkt am Nordufer des 120 Kilometer langen Poyang-Sees. In Südchina haben japanische Truppen längs der Ersenbahnstrecke HankauKanton P i n t s ch a n - gyao im Ostteil der Provinz Kwangtung erobert.

Die Gelegenheit, die Bedrohung des Abendlandes durch das Judentum ein für allemal zu beseitigen, ist damit noch einmal gegeben.

Es sei hier in kurzen Zügen die E n t st e h u n g des ostjüdischen Gefahrenherdes umrissen, um die Maßnahmen, die heute zu treffen sind, ins rechte Licht zu rücken. Das,erste Zentrum, von dem aus sich das Judentum über die alte Kulturwelt aus­breitete, war Vorderasien : Palästina und nach der Zerstörung der Staaten Israel und Juda Meso­potamien, Kleinasien, Aegypten. Von hier aus dran­gen die Juden ins griechisch-mazedonische Weltreich und später ins Römerreich. Als das Imperium zerfiel, hatten sie sich in allen Zen­tren der damals Rom gehorchenden Welt eingenistet. Aber schon zu jener Zeit ging ein weltgeschichtlich wenig beachteter Strom jüdischer Wanderung über den Kaukasus und den Balkan ins Schwarz­meergebiet und begann es handelsmäßig zu durchdringen. Im Chasarenreich des 8. Jahrhunderts, das später von den germanischen Warägern des Kiewer Reiches vernichtet wurde, waren die Juden politisch und kulturell tonangebend; ihr Einfluß ging so weit, daß die Dynastie der Ehasaren-Khane mit­samt ihrem Hof das Judentum annahm. Auch über den südöstlichen Teil Mitteleuropas, über Böhmen und Mähren, gelangten schon früh kleinere Gruppen jüdischer Einwanderer in den Ostraum. Die ent­scheidende Ausbildung des östlichen Judenzentrums aber erfolgte von der Mitte des 13. bis zum 15. Jahrhundert. Es ist bezeichnend, wie es zu dieser Entwicklung kam. Im ganzen Abendland dämmerte damals zum erstenmal die Erkenntnis von der An­dersartigkeit und Schädlichkeit des Judentums. Alle Völker hatten ihre Erfahrungen mit den Juden ge­macht, die seit der Römerzeit in ganz Süd-, West- und Mitteleuropa saßen, Erfahrungen, die mit der Ausweisung der Juden oder ihrer Festsetzung in Gettos endeten.

Und damit setzte nun der große jüdische Wän­de r z u g n a ch ü e m O st e n ein. Die Lockung nach diesen Gebieten war eine doppelte: einmal gewähr­ten die polnisch-litauischen Herrscher den Juden be­sondere Vorrechte, neben freier Kultusausübung vor allem völlige wirtschaftliche Gleichstellung, und zum anderen hatte die neue deutsche Ostkolonisation damals in diesen Gebieten ungewöhnliche Entwick­lungsmöglichkeiten geschaffen. Deutsche Bürger bau­ten hier Städte, ordneten die Verwaltung durch deutsche Rechtsnormen, schufen Handelswege und erschlossen die Schätze des Landes. In diese Kon­junktur stiegen die Juden mit allen Kräften ein. In Massen strömten sie in die Ostgebiete.

Hier hat das Judentum mehrere Jahrhunderte lang sein großes Reservat gefunden. Das Abendland hatte seinen Feind hinausgedrängt, aber ihm, in Verkennung seiner Gefährlichkeit und Zähig­keit, dicht vor den eigenen Toren einen Entwick­lungsraum belassen, in dem der Jude sich ungestört entfalten konnte. Und er hat sich in ungeahnter Weise entfaltet. Hier war er zahlenmäßig viel mäch­tiger als im Westen. Um ihn herum saß eine Be­völkerung, die der Ausbeutung weniger Widerstand entgegensetzen konnte als die Kulturvölker Mittel­und Westeuropas. Hinzu kam die Unterstützung der Juden durch die staatlichen Machthaber. Natürlich gab es auch hier zeitweise Schwierigkeiten. Die bo­denständige Bevölkerung wehrte sich durch Pogrome. Aber im ganzen gedieh das Judentum in seinem großen östlichen Reservat vorzüglich. Hier hat es seine letzte große Prägung erhalten, ehe es hinaus- trat in die ihm wieder geöffnete Welt, um ihre Er­oberung zu versuchen.

Das Signal zum Aufbruch wurde durch die Ju­denemanzipation in Mitteleuropa gegeben. Das Abendland hatte die im Mittelalter mit den Juden gemachten Erfahrungen vergessen. Das Judentum aber trat ausgeruht und viel stärker als zuvor zum Angriff an. Als Preußen und andere Länder um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert die bis dahin bestehenden einschränkenden Bestim­mungen gegen das Judentum aufhoben, begannen die Juden sofort, die Westgrenze b-es Reservats zu überschreiten. Der deutsche Osten wurde durchsetzt, dann Berlin und die westlichen Großstädte. Gleich- zeitig drangen die Juden in Prag, Budapest, Wien ein. lieber Berlin und Wien ging es weiter nach Amsterdam, Antwerpen, London, lieber die Nord­seehäfen wanderten die Juden weiter nach USA. 1937 lebten bereits 4% Millionen Juden (Glau­bensjuden; die Zahl der Rassejuden war erheblich größer) in den Vereinigten Staaten. Die amerika­nische Plutokratie wurde zur größten Judenmacht der Welt. Mit ihr aufs engste verbunden, entwickelte sich die jüdische Macht im britischen Empire.

Seit 1917 bildete sich dann als weiterer Eckpfeiler

der jüdischen Weltmacht die sowjetjüdische Zentrale in der Sowjetunion aus. Während die Zaren- regierullg die an Düna und Dnjepr verlaufende Ostgrenze des Judenreseroats ziemlich streng ge­sperrt hatte, hob das Sowjetsystem jede Beschrän­kung auf und gab den Juden die zur Genüge be­kannten Entwicklungsmöglichkeiten, die zu der ein­maligen jüdischen Machtstellung in der Epoche Stalin führten.

Durch die hier geschilderte Entwicklung ist die ungeheure Gefährlichkeit des in den letzten Jahr­hunderten entstandenen östlichen Judenzentrums ge­kennzeichnet. Europa hat hier seinenTodfeind dicht vor der eigenen Tür emporwachsen lassen. Die Ausscheidung der Juden gegen Ende des Mittelalters, war eine halbe Maßnahme. Noch auf europäischeüt Boden fanden sie neuen Halt, konzentrierten ihre Kräfte und gelangten zu noch stärkerer Ausprägung ihrer Eigenart. So mußte das Abendland im 19. und 20. Jahrhundert noch einmal vervielfacht das Lehrgeld zahlen, das es im Mittelalter bereits entrichtet hatte. Wie teuer dies allen Kulturvölkern, besonders aber dem deut­schen, zu stehen gekommen ist, muß die heutige Generation bitter genug erfahren. Der gegenwär­tige Weltkampf hat eine seiner wesentlichsten Ur­sachen in dem Uebersehen des jüdischen Gefahrew herdes im Osten. Die unversöhnliche Feindschaft der britischen Pluokratie, der tödliche Haß des Sowjet­systems und der Kriegseintritt der USA. rühren von der Tatsache her, daß die aus dem Juden­reservat ausgeströmten Kräfte in Liessen Systemen entscheidende Macht erringen konnten. Deutschland aber wird, nachdem es heute die Basis des Ost­

judentums fest in der Hand hat, aus den früher begangenen Fehlern die nötigen Folgerungen ziehen.

Churchills Lügenkampagne widerlegt.

Berlin, 3.Juni. (DNB.) Der schändliche bri­tische Terrorangriff auf die Zivilbevölkerung der Stadt Köln in der Nacht zum Samstag, der bereits durch deutsche Angriffe vergolten wird, forderte, wie der Bericht des OKW. vom Mittwoch meldet, 2 00 Todesopfer. Churchill, auf dessen Schuld­konto auch diese 200 Menschenopfer zu buchen sind, bezweckt mit diesen Terrorangriffen nichts anderes, als seinen sowjetischen Bundesgenossen eine britische Waffenhilfe vorzugaukeln, wvbei er natürlich be­müht ist, diese so wirksam wie mir möglich darzu­stellen. So spricht denn auch die gesamte Londoner Presse auf sein Geheiß von nicht weiger als 20 000 Toten, die dieser Angriff auf Köln gekostet haben soll. In das gleiche Horn stößt selbstverständlich auch die USA.-Presse, die ebenfalls die gleiche astrono­mische Zahl nennt. Es ist für die Geistesverfassung Churchills und seiner Trabanten bezeichnend, wenn man, nur um dem Bundesgenossen Stalin einen Beweis für die tatkräftige militärische Unterstüt­zung" zu geben, zu derartigen Terrorangriffen seine Zuflucht nimmt und gleichzeitig eine Lügenkam­pagne größten Stils startet, um in der Welt den Eindruck zu erwecken, daß es gelungen ist, mit diesen blutrünstigen und gemeinen Methoden die Deutschen um 20 000 reduziert zu haben.

Mord ott französischem Journalisten.

Paris, 3. Juni. (DNB.) Der französische Jour­nalist Albert Clement, Hauptschriftleiter des Kampfblattes der Doriot-Partei, wurde auf offener Straße n i e d e r g e s cho ff e n. Dem Mörder gelang es, zu entkommen. Clement, der des öfteren scharf mit dem englischen Verrat an Frank­reich abgerechnet hatte, ist seinen Verletzun­gen erlegen. Die feige Tat ist eine Parallele zu dem Mordanschlag, der im Herbst des oergange» nen Jahres inPragauf britische Anstiftung gegen mehrere tschechische Journalisten verübt wurde. Der Versuch Londons, durch solche Verbrechen den Auf­klärungskampf der Presse zu beeinflussen, stärkt nur noch den kämpferischen Geist des Journalismus einer neuen Zeit.

Massenkundgebung in Prag.

Prag, 3. Juni. (DNB.) Am Dienstagabend fand auf dem Altstädter Ring in Prag eine tsche­chische Massenkundgebung statt, die von der Regierung des Protektorats cinberufen war. Dabei rechnete der Vorsitzende der Protektorats­regierung, Ministerpräsident Dr. K r e j c i, in schar­fen Worten mit der Propaganda der von England bezahlten Beneschemigranten ab, die das tschechische Volk auch in diesen Tagen wieder ins Unglück zu stürzen versuchten. Anschließend sprach ein Ver­treter der tschechischen Jugend. Von den 50 000 An­wesenden stürmisch begrüßt, kündete der Protekto­ratsminister für Volksaufklärung, Moravec, Be» nesch und seinen Handlangern den schärfsten Kampf an. Tosender Beifall unterbrach mehrfach die Rede des Ministers. Die Kundgebung klang aus in einem einmütigen Bekenntnis zur Politik Dr. Hachas.

Oie Hitler-Zugend in Böhmen und Mähren.

In Prag sprach Reichsjugendführer Axmann auf einer Dienstbesprechung zu Führern und Füh­rerinnen des Obergebietes Südost der Hitler-Jugend. Im Protektorat Böhmen und Mähren erfuhr die Hitler-Jugend in kurzer Zeit eine Verdreifachung ihrer Mitgliederzahl. 34 Lehrlingsheime mit 3100 Jungen wurden ihrer Bestimmung übergeben, 1700 Jugendliche werden als Facharbeiternachwuchs in weiteren Lagern bis zum Herbst 1942 Aufnahme finden. Daneben konnten 59 Schülerheime mit 5000 Jungen und Mädeln eröffnet werden. 16 Landdienst­lager bereiten die deutsche Jugend des Protektorats auf ihren bäuerlichen Beruf vor. In diesem Jahr noch wird ein Landdienstlehrhof in Betrieb genom­men werden.

Steigerung der Arbeitsleistung in Italien.

Rom, 3. Juni. (Europapreß.) Staatliche Maß­nahmen zur Steigerung der Arbeitsleistung des italienischen Volkes kündigte Unterstaatssekretär Lombrassa an. Der Faschistischen Partei werde die Erfassung und Berufsausbildung aller für den Zivildienst heranzuziehenden Männer von 14 bis 70 Jahren und der Frauen von 14 bis 60 Jahren übertragen. Der Einsatz werde durch das Korpo­rationsministerium geregelt werden, um Arbeits­lose, Arbeitsscheue und unproduktiv Arbeitende am richtigen Plsatz einzusetzen und eine rationellere Verteilung von Arbeitskräften zu ermöglichen.

BequemereReisefürKriegsbeschädigte.

In allen Reisezügen wird regelmäßig ein Son­derabteil für Schwerkriegsbeschädiate vorgese­hen werden. Es ist von außen deutlichFür Schwer­kriegsbeschädigte" bezeichnet und wird, zur leichteren Auffindung, in der Nähe des Gepäckwagens ange­ordnet. Bei den D= und Cilzügen wird das Sonder­abteil in dem Wagen vorgesehen, in dem sich das Sonderabteil fürMütter mit kleinen Kindern" be­findet. Zur Benutzung sind berechtigt: Schwerkriegs­beschädigte, andere Kriegsbeschädigte, Schwerbesat- zungsbeschädigte, Schwerbeschädigte der nationalen Erhebung mit besonderem Ausweis und Begleiter, wenn sie ein ärztliches Zeugnis oder sonstigen amt­lichen Ausweis über die Notwendigkeit der Beglei, tung von Fall zu Fall vorlegen und die verfügbaren Plätze nicht durch andere berechtigte Beschädigte be- anfprucht werden. Bei starkem Verkehr kann das Sonderabteil auch für sonstige Körperbehinderte frei- gegeben werden. Diese müssen aber ihre Plätze bei Bedarf wieder räumen. Im übrigen sind Schwer­kriegs-, Schwerbesatzungs- und Schwerbeschädigte der nationalen Erhebung, Schwerunfallverletzte und Schwererwerbsbeschränkte mit besonderem Ausweis an den Fahrkarten- und Gepäckschaltern sowie Bahn- steigsperren bevorzugt abzufertigen. Das Bahnhofs-

Oer fliegende Holländer.

Von Sigismund von Radecki.

Wir glitten mit leichtem Brausen durch die riesige Nacht. Ungeheuerlich ragte der gelbe Schornstein ins Dunkel. Er war Kopf und Hals zugleich, er konnte furchtbar brüllen durch die Wasserwüste. Ich kletterte nach vorn, über Heringstonnen, über Seil­nester und nahm deutlich den dumpfen Herzschlag der Maschine wahr: man konnte jeder Planke den Puls abfühlen. Die Bordflanken spien fauchend Wasser aus. Dorne wehte einem das Dunkel ent­gegen mit dem strengen Parfüm der Unendlichkeit. Ich blickte hinab: die Bugschneide warf eine tröp­felnde Fontäne voraus, die Buglaterne eine dahin­glitzernde Goldsonne auf das schlafende Wasser, welches nicht wußte, daß es jetzt gleich furchtbar durchschnittten werden würde. Durch allerhand Blechtunnel lief ich, wo es nach Suppe und Oel- farbe roch, ich lief immer dem Wasserrauschen ent­lang auf das Heck zu. Das ganze Schiff schlief. Traumhaft glänzten Glühlampen über die weiß- lackierten Wände. Am Heck war alles dunkel. Was die Fische wohl unten denken mochten? Aber die waren sicher längst losgezogen und warteten irgend­wo in 30 Meter Tiefe mit dummen Glotzaugen das Schraubengewitter ab. Unter dorn Heck kochte das kalte Kielwasser davon, oben kreisten lautlos ein paar Möven Krähen des Meeres wie Fliegen um den Kronleuchter und versuchten ab und zu, flügelschlagend auf dem Flaggenknopf zu balan­cieren. Aber es kam ihnen nie aus: immer wieder wehten sie weg und schwammen gleich darauf wie Enten im brausenden Tal der Heckwelle. Von hier aus sah die Fahrt wieVenezianische Nacht" aus die Goldreihe der Bullaugen glitt über schwarz­glänzendes Wasser. Man sah, daß das Schiff zwei Rissenschnüre nachzog, die cs mit der Unendlichkeit verbanden: oben die Rauchschleppe reichte in alle Himmel, unten die ßogleine mit ihrem feinen Ge­klingel in alle Wasser. Wie gespenstisch das Dunkel von überall heranrauschte und die Flanke entlang­wusch!

Jetzt guckte ich mittschiffs von oben in den Ma­schinenraum hinunter. Aus dem blendendhellen Raum stieg es warm heraus von heißem Wasser

und Schmieröl. Hier war es heimlich, unermüdlich arbeitete hier die blanke Maschine,, die gegen das Formlose, Dunkle, Kalte da draußen ankämpfte. Das taktmäßige Auf und Ab der spiegelnden Kol­benstangen war ein Wille derselbe, der dem Schornstein droben die herrische Haltung gab. Doch beim näheren Hinsehen durchfuhr es mich: auch die Maschine war von dem Einerlei ihres Taktes und ihrer Reflexe eingeschläfert, sie ging nachtwandle­risch, sie träumte monoton vor sich hin sie schlief alles schlief. War ich denn die einzige Wache an Bord, ich, kaum 13 Jahre alt? Ich lief über die Messingtreppe in den Salon. Dreißig Maha­goni-Tische, hundertzwanzig Sessel, immer das­selbe Teppichmuster, und alles in leisem Zittern be­griffen. Es war die muffige internationale Sphäre der Schlafwagen mit polierten Glanzlichtern und Trinkgeldern. Der Ober gähnte hinter einem Teller; zwei saßen stumm in der Ecke und aßen Boeuf ä. la Stroganoff. Die Spiegel spiegelten traumhaft jede Kaubewegung. Von irgendwoher tönte ein Schnarchen.

Aengstlich huschte ich ins Dunkel hinauf, auf die Kommandobrücke. Jetzt war das Schornstein-Unge­heuer in gefährlicher Nähe. Man brauchte bloß die dünne Schnur zu ziehen, und es fing mitten in der Nacht zu brüllen an. Ein Mann im dicken Mantel mit aufaeklapptem Kragen schien über dem Ples- singsprachrohr eingenickt, das zum Dampfsteuer führte.

Und derweil jagte diese ganze Masse von Stahl und elektrischem Licht ins Dunkel hinein. Meine Angst wuchs in die Finsternis hinaus. Alles schlief ich war der einzige voll Unruhe, voll Besorgnis, voll Angst um diese Gespensterfahrt? Ich griff hilf­los mit der Hand über den Kopf und konnte gerade noch die dünne Schnur ertasten. Plötzlich hängte ich mich mit meinem ganzen Gewicht an die Schnur, als ob es um mein Leben ginge. Und auf einmal brüllte der Riese los. Die ganze Dunkelheit war mit einem Angstgeheul erfüllt, das die Himmel bersten machte!

Huuuh!

Gleich daraus sauste ich die Treppe hinunter. Der im dicken Mantel war aufgesprungen. Die Möwen flatterten kreischend davon. Der Ober strich sich durchs Haar, Türen klappten, Fäuste streckten sich gähnend, ein Wispern und Kleideranziehen ging

durchs ganze Schiff. Ich lief, was ich laufen konnte in meine Kabine hinunter und schloß die Tür wie erlöst hinter mir zu und drehte das Licht ab. Alles wach, alles war voll Angst jetzt konnte ich wun­derbar ruhig einschlafen ... Und ich fühlte noch im Einschlummern das Streicheln der bodenlosen Tiefe, die ewig unter mir wegglitt. *

Oas Geeflück.

Von Augusta von Oertzen.

Auf gotischen Miniaturen und auf den Gemäl­den der Brüder van Eyck erscheint die See als dekorativer Hintergrund. Das ersteSeestück" hat ein schwäbischer Meister in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Lucas Moser, gemalt Auf dem linken Flügel seines Magdalenenaltars in Tiefenbronn, des einzigen bezeichneten Werkes, hat er dieMeerfahrt der Heiligen" dargestellt. Fünf Heilige werden in ihrem Schiff an die Küste von Marseille getrieben, die wie eine große Phantasie­landschaft nordischen Gepräges erscheint. Schon bei diesen frühen Malern findet man die Freude an der Beobachtung der Bewegung des Wassers, feiner Färbung und Beleuchtung, aber es blieb vorwie­gendHintergrund".

Als Sondergruppe begann dasSeestück" erst im 17. Jahrhundert in den Niederlanden eine Rolle zu spielen. Von jeher war das Meer die zweite Heimat des Holländers. Sie wurde es im höchsten Maße, als nach den Befreiungskriegen die spanische Flotte niedergerungen, und die Seeherrschaft an Holland übergangen war. Von Staats- und Stadt wegen wurden die Maler beauftragt, die Helden­taten ihrer Marine zu verewigen, vor allem war es Hendrick Cornelius Vroom in Hartem, der zur Ehre feines Vaterlandes malen durfte. Seine Bil­der hatten noch einen porträthaften Charakter, erst später im zweiten und dritten Jahrzehnt des Jahr­hunderts beginnt ein neuer Stil, statt der naturge- treuen Wiedergabe der Schiffe auf hoher See wird ein impressionistisches Bild des Meeres gemalt, das Atmosphärische tritt in den Vordergrund: die Durch­sichtigkeit des Wassers, die Luftperspektive, der feuchte Dunst, der über dem Meere schwebt, treten in das Blickfeld des Malers.

Bahnbrechend ist ein Flame, der nach Holland

kam: Jan P o r c e 11 i s. Mittelpunkt der Marine» malerei war Amsterdam, hier wirkten Simon de Stieger, Salomon Ruysdael, Albert C u y p, Jan van Capelle, Alart van Everdin- gen. Vlieger entdeckte neue Schönheiten im Masten» wald der Schiffe, die den Amsterdamer Hafen be­lebten. Durch Schiffskörper, Masten und Segel schuf er sich Kulissen, durch die er die glatte Wasserfläche architektonisch belebte und perspektivisch interessant machte. Durch kräftiges Sonnenlicht wurden starke Kontraste erzielt. Ruysdael schuf sich ein festes Schema: einen glatten Strand mit Blick auf die bewegte See, von ein paar Fischerbooten belebt, aus d^n meist eintönigen, nebelhaften Grau leuch­ten nur ein paar Farbflecke auf. Keiner hat wie er fo raffiniert die Beleuchtung des Wassers, die Luft­spiegelung beobachtet. Der bedeutendste von allen Marinemalern war Willem van de Velde, fein Sinn für das Raumgefühl ist auf das höchste ent­wickelt.

Die holländische Küste hat auch späteren Malern Jnspitation zu feinfühligen Seebildern gegeben. Vor allem war es Andreas Achenbach, der Düsseldorfer, der seine Motive mit Vorliebe hier gesucht hat. Eine anders geartete Malerei hat eine andere Königin der Meere, Venedig, hervorge­bracht, hier büeb die Darstellung der See immer verbunden mit Stadt und Mensch. Die besten Por­trätisten der Lagunenstadt, die beiden (£ an a< le11o, malten -im 18. Jahrhundert ihre Schiffe und Gondeln vor der Kulisse Venedigs. Die schönsten Impressionen der venetianischen Atmosphäre gab im 19. Jahrhundert der Franzose Felix Francois Ziem. Hier ist alle Materie aufgelöst in Licht. Jedem, der Venedig kennt, wird vor diesen Bildern der ganze Zauber der Märchenstadt lebendig.

Die Poesie des Meeres, in dem sich der Himmel spiegelt und das der Mensch voll Andacht und Melancholie zugleich betrachtet, hat wie keiner Caspar David Friedrich malen können. Der Morgen, der Mittag, der Abend am Meer sind wie Visionen empfunden, auf dem Bilde der Berliner NationalgalerieMondaufgang am Meer" geistert in den großen Schiffen, die aus dem Nebel auf­tauchen, die Stimmung des fließenden Holländers, die sich in dem geheimnisvollen Segelschiff, das einfam und majestätisch auf bewegter See dahck-- zieht, gespensttsch verdichtet