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unb Zugbsgleiipersonal Ist erneut angewiesen wor­den, Körperbehinderten beim Ern-, Um- und Aus- steigen sowie Aufsuchen eines Platzes behilflich zu fein.

Kleine politische Nachrichten.

Nachdem der Reichsminister für die besetzten Ost­gebiete, Rosenberg, eine Dienstbesichtigungs- reise durch die Generalbezirke Estland, Lettland und Litauen Lurchgeführt hat, stattete er in diesen Tagen auch der Hauptstadt des Generalbezirks Weiß- rutyenien, Minsk, einen Besuch ab. Mit dem Generalkommissar Kube und den deutschen Ver­waltungsstellen hatte der Minister Arbeitsbespre­chungen.

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Der Duce empfing den Befehlshaber des italieni­schen Expeditionskorps der Ostfront, General Gio­vanni Messe, der ihm einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung der Operationen der italieni­schen Truppen an der Ostfront und über die sieg­reichen Kämpfe des Expeditionskorps gab. Der Duce drückte General Messe feine vollste Zufriedenheit aus.

Dreizehn führende burmesische Politiker, darunter der frühere Premierminister, statteten dem Ober­kommandierenden der japanischen Streitkräfte in Burma einen Besuch ab und versprachen die volle Zusammenarbeit des burmesischen Volkes mit Ja­pan beim Aufbau Asiens und der Unabhängigkeit Burmas.

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Roosevelt genehmigte eine neue Anleihe von zwei Milliarden Dollar zum Ausbau der nordamerika­nischen Morine, des Marinekorps und der Küsten- wache.

Kunst und Wissenschaft.

Zum Gedächtnis Robert TNayers.

Die Deutsche Akademie der Naturforscher (Leopol­dina) hielt in der Aula der Martin-Luther-Univer- sität Halle-Wittenberg eine Festsitzung ab, die dem Gedenken art die erste Veröffentlichung des E n e r - giegesetzes durch Julius Robert Mayer galt. An der Sitzung nahmen auch Vertreter der Partei, der Wehrmacht und des Staates, des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens und die Nachkommen des großen Forschers teil. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten der Akademie, Geheimrats Abder­halden sprach Prof. Hermann Rein (Göttingen) über diePhysiologie als Ausgangsgebiet und Wir­kungsbereich der Robert Mayerschen Grundgedanken zum Energiegesetz". Mayers Idee sei es zuzuschrei­ben, daß die spekulativen Ansichten von derLe­benskraft" den Todesstoß erhielten, um damit eine wissenschaftlichere Betrachtungsweise durchzusetzen. Auch die moderne Physiologie könne, wie alle ande­ren naturwissenschaftlichen Zweige, nicht mehr ohne die Grundgedanken des Robert Mayerschen Gesetzes auskommen. Die Ernährungs- und die Arbeits­physiologie seien durch die Frage nach der Energie­bilanz gekennzeichnet.

Beethovens Rennte in Florenz.

In Florenz wurde im Rahmen des Musikfestes Beethovens Neunte Symphonie unter der Leitung des jungen Berliner Dirigenten Herbert von Karajan mit dem Florentiner Orchester aufge­führt Es sangen die deutschen Künstler Rille Briem, Martha Robs, Heinz Marten und Rudolf Watzke. Bei der Aufführung waren der deutsche Botschafter von Mackensen und zahlreiche verwundete Soldaten zugegen. Die Wiedergabe Karajans findet in der italienischen Presse größte Anerkennung.

Aus aller Welt.

Pflegekind zu Tode gefoltert.

Das Stettiner Sondergericht verurteilte Elftiede Redepenning als Gewaltverbrecherin wegen gefähr­licher Körperverletzung eines ihr anvertrauten Kin­des zum Tode. Die Angeklagte hatte sich mehrfach um Ueberlafsung eines Pflegekindes bemüht. Sie ist gelernte Kindergärtnerin und erhielt Ende Mai 1941 ein LVsjähriges Pflegekind ano er traut, das sie bet der geringsten Gelegenheit so schlug, daß es am Fanzen Körper mit blauen Flecken übersät war. Ende September 1941 schlug die Angeklagte die Kleine so stark, daß tzMe bewußttos ins Kranken­haus eingeliefert werden mußte und an den Folgen eines Blutergusses im Gehirn starb. Der Gerichts­arzt stellte bei der Sektton über 100 Verletzungen am Körper des Kindes fest und erklärte, daß er im Laufe seiner langsährigen Praxis so etwas noch nie gesehen habe. Der Staatsanwalt brandmarkte die Angeklagte als ein verrohtes Ungeheuer, das ein hilfloses Wesen zu Tode gefoltert habe, anstatt das Kind mit Güte und Sanftmut zu erziehen. Sie habe das Leben des Kindes zerstört und deshalb auch ihr Leben verwirkt.

Aus -er Stadt Gießen.

Wandern, ach wandern .. .

Die Reiselust bändigen, heißt es heute, den Trieb in die Ferne bezähmen und jegliches Reisen be­schränken. Aber nicht gar so schlimm ist das, wie es dem wohl erscheinen mag, der da behaftet ist mit dem ewigenFernweh" des Deutschen. Bringt doch das Reisen nicht selten gar mancherlei Aerger- nis mit sich, wenn es auch heute nicht ganz so schlimm mehr ist, wie im Jahr 1677, da Butschky in seinemPathmos" erzählte: ,,er hette nichts von seinen reifen, als einen leeren Beutel, verderbten Magen und verletztes Gewissen." Aber der Volks- mund behauptet doch auch heute noch:Mancher reist gesund ins Bad und kommt zurück malad." All dem entgeht, wermunter greift zum Wander­stabe" und dem guten Rat des Dichters folgt:Wer recht, in Freuden wandern will, der geh der Sonn' entgegen!" Und auch nicht vergißt, daß Hermann Löns gesagt hat:

Laß deine Augen offen fein, geschlossen deinen Mund, und wandle sttll,

so werden dir geheime Dinge kund."

Früh soll sich der Wandersmann auf den Weg machen, zu einer Stunde, daan ihren bunten Liedern klettert die Lerche selig in die Luft." All­überall zwitschert's und tiriliert, denn:

Aus allen Gärten sttahlen bk Lieder!" Die Amseln haben Sonne getrunken,

(Dauthendey.) Der Wanderer zieht die Straße entlang. Nach allen Seiten schweift der Blick. Tief atmet die Brust, denn dawar ein Duften rings, durch das die Weise der Nachtigall wie Gold geflochten war". (B.v. Münch­hausen.) Woher der süße Ruch? Sieh da,Bläu­licher Flieder. Ist das ein Grüßen! Wirbelnde Lie­der wehen herüber." (Hille.) Weiter und weiter lockt es!Die Sonne glüht so Helle ... wie-wandern wir so schnelle." (Lenau.)

Aber allmählich meint es die Sonne doch gar zu gut, und gern folgte der Wanderer dem Ruf des Waldes:

Komm, o komm in meine Schatten, In der Ruhe Aufenthalt,

Wanderer der heißen Straße ..."

(Schiller), und munter fördert er die Schxitte, und sieht sich in des Waldes Mitte." Hoch wölbt sich der Dorn der Bäume, Andacht ergreift den Schreitenden bei Windes Rauschen, Gottes Flügel, tief an kühler Waldesnacht ... Wie die alten Tannen saufen, hört man Geistes Wogen brausen." (Fr. Schlegel.) Aber nun, horch, darauscht aus dem Felsenquell ein Bächlein ... fo frisch und wunderhell", es schwätzt und murmelt geheimnisvoll, bcmuß er gleich hin­unter mit seinem.Wanderstab". Lichter wird der Wald, die Sonne lugt durchs Gezweig. Das weiche Moospolfter ladet zur Rast, und der Ruhende ge­denkt der Worte der Droste-Hülshoff:... Da lag ich einsam noch in Waldes Moose. Die dunklen Zweige nickten so vertraut. An meiner Wangs flüsterte das Kraut, unsichtbar duftete die Heide- rose."

Doch nun tönt esKuckuck, Kuckuck" aus dem Wald, und nicht umsonst heißt es in einem Volks­lied aus dem Jahre 1545:Der Kuckuck mit sei'm Schrein macht ftöhlich jedermann", undHerzlich tut mich erfreuen die fröhlich Sommerszeit!" Da hält es den Gesellen nicht länger mehr, weiter zieht er fürbaß und läßt mit den Vöglein um die Wette die Stimme erschallen. Da ertönt es:Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben", und Das Wandern tft des Müllers Lust",O Täler weit, o Hohen!"

Aber allmählich verstummen die Lieder,nur noch der tiefe Waldquell singt" (I. M. Wehner). Dann endet der dunkle Tannenwald, silbern blitzt es auf, sie ist es, die Birke, von der B. v. Münchhausen gedichtet hat:

Birke, du mädchenhaft schlanke, Wiegend am blaßgrünen Hag, Lieblicher Gottesgedanke

Vom dritten Schöpfungstag."

Langsamer wird der Schritt. Hügelumsäumte Ferne tut sich auf, still genießend wallt der Wanders­mann dahin,Von Grillen rings umzirpt ahn' Unterlaß, von Himmelsbläue wundersam umwoben."

Herz und Auge haben geschwelgt in unendlicher Fülle, nun verlangt auch der Magen des Wander­müden sein Recht, undIm Krug zum grünen Kranze, da kehrt er ftöhlich ein", oder auch bei der Lindenwirtin, der er leise zuraunt:

Angetan hat's mir dein Wein, Deiner Aeuglein Heller Schein, Lindenwirtin, du junge!" L. B.

Auf jeden Faden kommi es an.

Häuslicher Seneralappell für die Altkleider- und Altspinnstofffammlung.

Vom 1. bis 15. Juni ist die Altkleider- und Spinnstoffsammlung. Sicher werden mandje Volks­genossen im guten Glauben behaupten, sie hätten gar nichts, mehr, was sie abgeben könnten. Sie denken dabei vielleicht im ersten Augenblick nur, daß sie eben alles, was sie noch haben,' selber brauchen und auftragen müssen. Daß in irgendeinem Schrank ober Koffer doch noch etwas fein könnte, was sie besttmmt nicht mehr anziehen, weil es unansehnlich oder abgetragen ist, und bas trotzdem noch einen recht guten Zweck erfüllen kann, darauf kommen sie meist nicht.

Ihnen sei folgendes gesagt: Deutschland mußte schon vor dem Kriege den größten Teil feiner Tex­tilrohstoffe aus dem Ausland einführen. Durch die Maßnahmen des Vierjahresplanes konnte zwar die Eigenerzeugung gewaltig gesteigert werden, doch reichten diese Mengen keineswegs aus, den not­wendigen Bedarf zu decken, weil infolge der Er­höhung des Lebensstandards im ganzen Volke die Ansprüche des einzelnen in sehr beträchtlichem Maße gestiegen waren.

Unsere Führung plant stets auf weite Sicht und handelt vorsorgend. Als sofort bei Kriegsausbruch die Lebensrnittel rationiert wurden, spottete der Gegner, weil er unsere wirtschaftliche Lage für schlecht hielt. Er spottete weiter, als das deutsche Volk seine Metallsammlung mit großem Erfolg durchführte. Inzwischen hat auch der Engländer längst seine Rationierungskarten für wichtige Le­bensmittel und auch für Kleider, ebenso sind dies

schmiedeeisernen Einfriedigungen der Schlösser und der öffentlichen Parks den Weg zu den Schmelz- Hütten gegangen. Lassen wir sie ruhig auch jetzt spotten, wenn das deutsche Volk seine Altkleider- und Spinnftoffsammlung durchführt.

Wer hatte bei der Wollsammlung im Winter ge­dacht, daß solche unvorstellbaren Mengen für unsere Soldaten zusammenkommen würden! Die Samm­lung, die jetzt vom 1. bis 15. Juni im ganzen Reich durchgeführt wird, gilt in erster Linie der Heimat selbst, der Sicherung des notwendigen Bedarfes an Spinnfasern für die Industrie, vor allem aber für jene Schaffenden, deren Arbeit einen übermäßig starken Verschleiß ihrer Arbeitskleidung mit sich bringt. Durch unsere Spende an Altkleidern und anderen Spinnstoffen es kann sich dabei um alle nicht mehr brauchbaren Reste von Teppichen, Gar­dinen, Krawatten, Lappen, Flicken, ja sogar um die übrigbleibenden Fäden beim Nähen, Stricken, Stopfen handeln helfen wir, zusätzlich Berufs­kleidung zu schaffen, die sonst aus den vorhandenen Beständen an Rohware hergestellt werden müßte.

Diese Sammlung wird ein Erfolg sein, der neben der Wollspende würdig bestehen kann. In erster Linie wird die deutsche Frau, die schon so oft ihre Bereitschaft unter Beweis gestellt hat, Trägerin dieser Aktion sein. Sie wird Generalappell halten in Schränken und Truhen, Kisten und Koffern, Kasten und Laden. Sie weiß selbst am besten, was sie entbehren, und was sie dem Vaterlande geben kann, um den Sieg sichern zu helfen. M. K.-G.

Menschen und Menschenschicksal.

Regiebemerkungen zur Inszenierung von Schillers SchauspielOie Räuber".

Bon Intendant Hans Walter Klein.

Bei derJnszenierung von Schiller.Räubern" kann man an die Probleme der Regie von mehreren Punkten der Gemüts- und Seelenaussage des Schil- lerschen Werkes selbst Herangehen. Man kann die Stimmung des Bildes der Donaugegend bis 3um Kosinsky-Auftritt zur Grundlage der Inszenierung nehmen, diese müßte dann eine romantische fein. Man kann sie von der Gestalt des Spiegelberg her als ein Aufruhrdrama nihilistisch negierender Kräfte anlegen, und man fjat dies auch schon getan. Man kann das Werk vom Umtrieb des Franz her:Ich will alles um mich her ausrotten, was mich ein- schränkt, daß ich nicht Herr bin; Herr muß ich fein", in Szene fetzen als ein Werk des ungehemmten Machttriebes eines abgrundtief Bösen. Oder auch als Drama des übersteigerten Idealismus, der eine Welt erobern könnte für eine Idee. Das wäre das Drama Karls. Mir aber kam es darauf an, das Werk Schillers aus Schillers selbst auf die Szene zu stellen: als das Drama Schiller- fcher Schickfalseinficht und Schicksalsglaubens, als eine Tragödie zweier Maßlosigkeiten, die die Welt ihrem Willen unterwerfen wollten, der eine aus einer entwurzelten, eigengesetzlichen Ratto, der andere aus einer von moralisierenden Substanzen durchsetzten Idee der Weltverbesserung durch hemmunglose Akte der Wiederoergeltung, die aber dann beide als Menschen dem über ihnen waltenden Menschenschicksal verfallen, welches die Zerstörer von Ordnung und Gesetz dem ewigen Ge­setz desMenschenmaßes, wonach der Mensch nicht über sich selbst hinaus kann, unterwirft. Das Schick­sal ftraft gnadenlos und tödlich die Grundsätze eines Franz, der meint:Das Recht wohnt beim Ueder- wälttger, und die Schranken unserer Kraft sind unsere Gesetze ...", ebenso wie es Karl zum Unter­gang verdammt, derseinen Leib nicht in eine Schnürbrust pressen will und feinen Willen schnüren in Gesetze. Denn das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre, das Ge­setz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus!" Dieser Aufschwung selbst bis zum Extremen aber ist die Urtragik germanisch-deutscher Maßlosigkeit, die nur durch den Tod gesühnt werden kann. Der große Einzelne, der sich aus der Gemeinschaft aus­schließt und sie bekämpft, geht durch den Tod wieder in sie ein". Karl Moor ist dabei fein gemeiner Dieb oder Mörder, fein Ungeheuer, und es sind nicht nur diespitzbübischen Künste" feines Bruders Franz, die ihn zum Hauptmann einer Räuberbande machen, sie sind nur letzter, äußerer Anlaß; nein, daß für feine geniehafte Größe fein Raum, fein Platz auf der Welt ist, daß fein strebender Idealismus kein Betätigungsfeld findet, das ist der eigentliche Grund,

daß er demtintenfleckfenden Säkulum", dem schlappen Kastratenjahrhundert" den Krieg an­sagt.Ach, daß der Geist Hermanns noch in der 2lsche glimmte", wünscht er, als er sich zum Haupt­mann machen läßt, und er raubt bann später nickt um des Raubes willen, sondern er will dasRache­schwert einer mißbrauchten Gerechtigkeit sein." Pfaffen, die über den Verfall der Inquisition auf der Kanzel meinen, betrügerische Advokaten und kuppelnde Minister sind seine Opfer. Aber die Ein­sicht, die Gesetze nicht durch Gesetzlosigkeiten auf­rechterhalten zu können, kommt ihm schon bei der Befreiung Rollers vom Galgen. Eine ganze Stadt muß er dazu in Brand stecken,Roller, du bist teuer bezahlt", stöhnt er und nach dem Bericht von Schufterles Kindermord schreit er zutiefst getroffen auf:Höre sie nicht, Rächer im Himmel! Was kann ich dafür? O pfui über den Kindermord, den Wei- dermord, den Kranfenmord!" Und in erschütternder Ahnung:Wie beugt mich diese Tat!" Der Kampf gegen die Ungerechtigkeiten der Welt bringt ihn selbst Schritt für Schritt auf den Weg ungeheuer­lichster Ungerechtigkeiten, und hier erfährt er innere Bestätigung für seinen Glauben an ein sittliches Weltgericht, dem die Rache allein gehört, welches zwar die Hand des Räubers benutzt, um Untaten ZU sühnen, aber den Rächer für feine Ausschrei­tungen wiederum zur Verantwortung zieht. Siegt in Karl Moor die sittliche Weltordnung von innen her durch freie Anerkennung des Schicksals, das über ihm steht ...denn über uns waltet ein un­beugsames Fatum!", verkündet er schon zu Anbe- ginn, so reißt sie feinen Bruder Franz Moor mit Gewalt ins Verderben. Das Eindringen der Räuber ins Schloß erkennt er als furchtbares Gericht eines höheres Richters, das über ihn, den Vatermörder, verhängt ist. Er hört es in einem fürchterlichen Traumbild von apokalyptischer Gewalt gegen sich selbst verkündet:Gnade, Gnade jedem ©ünber der Erde und des Abgrunds! Du allein bist verworfen!" Er endet durch Selbstmord. Karl Moor kommt dem äußeren Eingriff der sittlichen Weltordnung zuvor, indem er die Verantwortung für feine Handlungen auf sich nimmt und fo die Notwendigkeit ihres Be­stehens anerkennt. DerKläger wider die Gottheit" steht am Ende vor der Erkenntnis, daß zwei Men­schen wie erden ganzen Bau der sittlichen Welt­ordnung zugrunde richten würden". Zwei Menschen werden von ihrem Menschenschicksal erreicht. Die beiden tragenden Figuren des Stücks enden tödlich- ausweglos, unentrinnbar dem höheren Gesetz ver­fallen. Und von diesen beiden Polen, den Brüdern Karl und Franz, dieser geistigen Wurzel der Tragö­die, hatte allein die Inszenierung auszugehen. Alles andere mußte vor diesem Kern des Geschehens bis

Warnung aus Stendal

Roman, von A. Lothar Philipp

46. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Na, hören Sie", erboste sich Frau Hauckwitz, ich bin arisch, ich habe meinen Nachweis erbracht, unb wir haben niemals Zigeuner in der Familie gehabt."

Schon gut. Nun erzählen Sie einmal, was am Nachmittage des 28. August bei Ihnen los war."

Was soll denn los gewesen sein? Nichts war los. Ich bin am Nachmittage einmal hinunter­gegangen, frische Schrippen zu holen, und dann habe ich Radio gehört und dann meine Plüschmöbel geklopft; weil meine Kusine mich besuchen wollte, s- na$ dem Staub unb haut auf

bte Pluschmöbel, weil sie sehen will, ob Dreck herauskommt, unb dann redet sie darüber. Und bereden lasse ich mich nicht"

Wann kamen die Angeklagte Norodna und der Angeklagte Sumor?"

Das weiß ich doch nicht", verteidigte sie sich, klopfen Sie mal Plüschmöbel, Herr Rat dann Wen Sie nichts, was um Ihnen oorgeht, und sehen können Sie dann meistens auch nichts"

Sie wollen also damit sagen, daß Sie nicht gehört haben, wann die beiden gekommen sind?"

Nein. Ich habe nur Schritte im Zimmer von Herrn ßanos gehört und dachte, er sei nach Hause gekommen. Dann klingelte es mal, und als ich hinausging, war niemand da"

Offenbar , warf der Staatsanwalt einwar das der Ermordete, der oben klingelte, um nach ßanos zu fragen, aber, da niemand öffnete, wieder wegging und unten auf ihn wartete."

Und was war bann?" >

Dann kam Herr ßanos"

Ich denke, der war schon da. und Sie haben seine Schritte gehört?"

Ja, das ist bann eben jemand anderes gewesen."

Kam denn Fräulein Norodna öfters zu Herrn ßanos?"

Frau Hauckwitz räusperte jid> verlegen, blickte

zur Erde unb zeigte damit an, daß ihr diese Frage sehr unangenehm war.

Warum antworten Sie nicht, Frau Hauckwitz?"

Ja, sie kam manchmal"

Blieb sie auch über Nacht da?" fragte der Staatsanwalt.

Sie zuckte hilflos die Achseln und sah sich bann nach dem Kriminalrat um.

Wenig trat vor und sagte zum Vorsitzenden:

Darf ich"

Ja, bitte, Herr Kriminaliat, reden Sie nur!"

Frau Hauckwitz hat vor der Polizei schon seiner­zeit eine falsche Aussage über diesen Punkt gemacht, unb zwar, wie sie hinterher gestand, aus Furcht, bestraft zu werden. Ich glaube jedoch nicht, daß sie davon gewußt hat, daß die Norodna auch über Nacht blieb. Und daß sie Besuche einer Dame tags­über gestattete, kann ihr nicht vorgeworfen werden, ich glaube, man könnte sie darüber beruhigen."

Nun, Frau Hauckwitz", redete ihr der Vor­sitzende zu,Sie brauchen hier keine Angst zu haben. Man kann nicht von Ihnen verlangen, daß Sie zu jeder Minute hinter Ihrem Zimmerherrn her sind. Wußten Sie denn, daß die Norodna über Nacht bei ßanos blieb?"

Gewußt habe ich es nicht", sagte sie seufzend, aber gemerkt habe ich es."

Erzählen Sie weiter, Frau Hauckwitz", sagte der Vorsitzende jetzt lächelnd,Herr ßanos also kam bann, nicht wahr?"

Ja", fuhr sie aufatmenb fort,unb ich fragte ihn, ob er noch etwas wünsche. Er sagte nein, er gehe bann auch fort. Und dann bin ich zu meiner Schwägerin gegangen, weiter weiß ich nichts."

Wie war denn das mit der Uhr, Frau Hauck­witz", rief jetzt der Verteidiger ßanos',mit der Uhr, die im Zimmer des ßanos stand?"

Ach, die alte Klapper, die hat mein Seliger mal beim Preiskegeln gewonnen, die ist nie ge­gangen. Seit fünf Jahren ist sie überhaupt kaputt, und der Uhrmacher sagte, die Reparatur fei teurer als eine neue Uhr. Deshalb stellte ich sie ins Zim­mer von dem möblierten Herrn."

Haben Sie die Uhr reparieren lassen, Angeklag; ter ßanos?" fragte der Staatsanwalt.

Nein", antwortete ßanos,ich habe mich nur immer geärgert, daß sie nicht ging, aber ich lieh sie stehen."

Jetzt erhob sich der Staatsanwalt.

Das ist eine überraschende Feststellung, die durchaus zugunsten des Angeklagten ßanos spricht. Denn wenn er wußte, daß die Uhr nicht ging, hätte er wohl niemals die Manipulation mit der Uhr gemacht, weil er damit rechnen mußte, baß es bekannt wurde, baß die Uhr nicht ging. Sumor dagegen wußte es nicht und versuchte, dadurch die Polizei irrezuführen. Damit scheint mir erwiesen zu fein, daß nicht ßanos es war, der diese Manipu­lation machte, sondern Sumor, und damit ist tat­sächlich Sumor aufs schwerste belastet."

_Wir wollen den Sachverständigen über die Schußwaffen hären", sagte jetzt der Vorsitzende.

Der Sachverständige trat vor den Richtertisch.

Dr. Fritz Kerg, Chemiker, siebenundvierzig Jahre alt, mit den Angeklagten nicht verwandt und nicht verschwägert. Ich habe beide Waffen unter­sucht und stellte fest, daß der Schuß, der den Er­mordeten tötete, aus der Waffe, die hier liegt, ge­feuert wurde"

Der Vorsitzende hob die Waffe hoch.

Es ist die Waffe, die unter den Sachen des Angeklagten Sumor gefunden wurde", erklärte er.

Ja. Der Schuß in die Uhr wurde mit der Waffe geschossen, die unter den Sachen der Angeklagten Norodna gefunden wurde, es ist diese kleine WT.= Waffe der Firma Fritz Mann in Suhl. Die Unter­suchung ging fo vor sich, daß zuerst die Hülsen und die Kugeln untersucht und durch sie die Art der Waffe bestimmt wurde. Sodann wurden, als die Waffen durch die Polizei herbeigeschafft wurden, die Waffen selber untersucht und festgestellt, ob die bereits untersuchten Geschosse aus ihnen gefeuert wurden. Diese Untersuchungen sind in beiden Fäl­len positiv ausgefallen."

Es steht demnach fest", betonte der Staats­anwalt,daß aus der Waffe des Sumor'der Er­mordete erschossen wurde, und daß aus der Waffe der Norodna jener Schuß auf die Uhr abgefeuert wurde."

»Jawohl!' #

Ich danke Ihnen, Herr Sachverständiger." Sumor sprang jetzt auf, hob beide Arme hoch und brüllte: z

Ich habe es nicht getan, ich bin unschuldig, ich war gar nicht in der Wohnung"

Sie haben selber zugegeben, daß Sie in der Wohnung gewesen sind und sagten sogar, Sie hätten die Tat mit angesehen", widersprach ihm der Staatsanwalt,außerdem steht es fest, daß Sie den Schuß auf die Uhr abgegeben haben, Sie oder die Angeklagte Norodna"

Angeklagter ßanos", ließ sich jetzt der Vor­sitzende vernehmen,ich ermahne Sie dringend, jetzt keine Rücksichten mehr zu nehmen. Sie sehen ja selber, wie die Sache liegt. Sagen Sie uns die Wahrheit, die volle Wahrheit und denken Sie dar­an, daß es sich um die Ermordung eines Mannes handelt, der herbeigeeilt kam. Sie zu schützen und Sie zu warnen, und der dabei den Tod fand."

ßanos erhob sich. Er schien wirklich entschlossen zu fein, jetzt einen Strich unter die Geschichte zu machen und endgültig die Wahrheit zu sagen.

Ich habe aus Rücksicht auf Irene geschwiegen, weil ich nicht wollte, daß sie in diese Sache ver­wickelt wird. Damals wußte ich nicht, daß Sumor in meiner Wohnung war und die Tat verübte. Sie hat es mir auch nie gesagt. Ich kam an jenem Abend nach Hause, um mich umzuziehen, weil ich zum Imperial-Dachgarten gehen wollte, wo ich mich mit meinen früheren Partnern, den drei Willis, verabredet hatte. Irene war bereits da, ich fand sie in meinem Arbeitszimmer. Sie war etwas erregt und kam mir etwas sonderbar vor, ich fragte aber nicht weiter darnach. Als ich in mein Schlafzimmer trat, fand, ich das Bett zerwühlt vor. Irene sagte mir, sie habe auf mich gewartet, fei müde gewesen und habe sich etwas hingelegt. Ich zog mich um und ging dann in das Bad, um mich zu rasieren. Als ich im Bad war, horte ich klingeln. Ich wußte, daß Frau Hauckwitz nicht anwesend war, und nahm an, daß Irene gehen und öffnen werde. Ich horte auch, wie sie die Tür öffnete und bann mit einer Person ins Zimmer ging. Sumor habe ich nicht gc- sehen, es ist aber durchaus möglich, daß er sich hinter dem dicken, roten Fenstervorhang versteckt hie«. Plötzlich fiel ent Schuß. (Schluß solgt^