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Donnerstag, 4-Juni W2

Gießener Anzeiger

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(92. Jahrgang Nr. 128

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Eröffnung der Deutsch-Vulgarischen Kulturwoche

Der Sauleiter empfing die bulgarischen Gäste.

NSG. Die in der Gauhauptstadt Frankfurt am Main veranstaltete Deutsch-Bulgarische Kulturwoche wurde mit einem Empfang der bulgarischen Gäste durch den Gauleiter im Adolf-Hitler-Haus eröffnet. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger hieß die Vertreter des bulgarischen Volkes, an ihrer Spitze den Presseattache der bulgarischen Gesandt­schaft in Berlin, P o p o f f, und den Oberbürger­meister der Stadt Sofia, Iwan off, sowie den Dräsidenten der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft, ---Gruppenführer General von Massow, herz­lich willkommen. Er erinnerte dann an die traditio­nelle Sympathie, die beide Völker seit längeren Jahren verbindet, und die ihre Bewährung in der Waffenbrüderschaft Les Weltkrieges wie in der treuen Freundschaft des gegenwärtigen Ringens erfahren habe und erfahre. In einem politischen Rückblick brachte der Gauleiter die kameradschaftliche Haltung Bulgariens und seine Unterstützung, die es dem Reiche im Kampfe gegen die Söldlinge Englands auf dem Balkan gewährt habe, besonders in Erin­nerung. Das deutsche Volk werde diesen Freund­schaftsbeweis niemals vergessen. Die Deutsch-Bul­garische Kulturwoche in Frankfurt am Main habe in diesem Sinne die Aufgabe, die gegenseitige Ach­tung beider Völker durch die Erkenntnis ihrer kul­turellen Leistungen zu verbreitern. Als eine der äl­testen KulturzentrenDeutschlands sei sich die Gau- Hauptstadt daher der Bedeutung dieser Veranstal­tung besonders bewußt. Der Gauleiter schloß seine Ausführungen mit den besten Wünschen für ein er­folgreiches Erreichen dieses gestellten Zieles.

Auch der Presseattache der Bulgarischen Gefanü- schaft in Berlin, Popoff, verwies auf die freund­

schaftlichen Gefühle des bulgarischen Volkes zum Reich die über jeden Zweifel erhaben seien. Die Deutsch-Bulgarische Kulturwoche sei ein wertvoller Beitrag zum kameradschaftlichen Verhältnis der bei­den Völker, der seine Wirkung nicht verfehlen werde. Der Empfang, der von musikalischen Beiträgen um­rahmt war, schloß mit der bulgarischen Königs- Hymne und den Liedern der Nation.

Nationalrat Agnino beim Gauleiter.

NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Spren­ger empfing den Vizepräsidenten der Confedera- zione Faszista dei Commercianti, Nationalrat Agnino, der an der Spitze einer Studienkom­mission des italienischen Einzelhandels eine Deutsch­landreise unternimmt. Die zwischen den Organisa­tionen des italienischen und des deutschen Handels entwickelten engen Beziehungen sollen durch Er­fahrungsaustausch gefestigt werden. Der Gauleiter verwies auf die Bedeutung, die den Aufgaben des Einzelhandels bei der Sicherung einer gerechten, ordnungsgemäßen Verteilung von Wirtschafts- und Nahrungsgütern im gemeinsamen Kampfe der Achsenmächte gegen die Plutokratien zukomme. Die Lösung dieser Aufgabe sei eine wesentliche Voraus­setzung zur Erringung des Sieges. Das Bewußtsein, hierzu durch planvolles Hanseln wesentlich bei­tragen zu können, habe den italienischen wie den deutschen Einzelhändler mit besonderem Verant­wortungsgeist zu erfüllen. Nationalrat Agnino er­klärte, daß ihm der bisherige Verlauf der Reise be­reit wesentliche Eindrücke vermittelt habe, die für die Arbeit des italienischen Einzelhandels nutzbrin­gend sein werden.

Neuer deutscher Vergeltungöschlag gegen Canterbury.

Oer Wehrmachibenchi.

DJIB. Aus dem Führerhaupkquartier, 3. Juni. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m mittleren Abschnitt der Ostfront führten örtliche Angriffe zur Verrichtung einge- schlossener feindlicher Gruppen. Der Feind verlor in diesen Kämpfen über 1 5 0 0 Tote, 2000 Gefangene, 54 Geschütze, 287 Gra­nu t w e r f e r und Maschinengewehre so­wie drei Panzerkampfwagen und vier Flugzeuge. Ein überraschender feindlicher Angriff gegen den Abschnitt einer Division scheiterte unter hohen Verlusten. Aeber 400 Tote bedeckten das Kampf­feld.

3m nördlichen Frontabschnitt dauern die heftigen örtlichen Kämpfe im Sumpfgelände des Wolchow an. Durch eigene Angriffe wurden wichtige feindliche Verforgungslinien abgeschnitten. Gegenangriffe des Feindes scheiterten, wobei unter Mitwirkung von Sturzkampffliegern 3 2 sow­jetische Panzer zerstört wurden.

3n den Gewässern des Schwarzen Meeres versenkten Kampsflugzeuge aus einem sow­jetischen Geleitzug heraus einen Tanker von 3000 BRT.

3m Hafen von Murmansk trafen Sturz­kampfflugzeuge sechs große Fracht- und Trans­portschiffe mit Bomben schweren Kalibers.

In der Feil vom 21.5. bis 1.6. verloren die Sowjets 6 10 Flugzeuge. Davon wurden 496 Flugzeuge in Lustkämpfen, 74 durch Flakartillerie und 14 durch Verbände des Heeres abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Während der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 53 eigene Flugzeuge verloren.

3n Rordafrika dauern die Kämpfe an.

Die Stadt Canterbury wurde auch in der vergangenen Rächt mit Sprengbomben schweren

und schwersten Kalibers sowie Zehntausenden von Brandbomben belegt.

Bei 3agdvorstößen an der K a n a l k ü st e und Einflügen einzelner britischer Bomber im Schuhe von Wolken in das westliche Reichsgebiet verlor der Feind am gestrigen Tage durch 3agdabwehr und Marinearlillerke 20 Flugzeuge. Lin eigenes 3agdflugzeug wird vermißt.

Die britische Luftwaffe unternahm in der Rächt zum 3. 6. Störangriffe gegen mehrere Orte West­deutschlands. Größere Brandschäden, vor allem in Wohnvierteln und an öffentlichen Gebäuden, sind besonders in Duisburg entstanden. Rachtjäger und Flakartillerie schossen 14 der angreifenden Bom­ber ab.

Während die britische Propaganda 20 000 Tote als Erfolg des Luftangriffes auf Köln angibt, ist festzustellen, daß als Opfer dieses Angriffes 200 Tote zu beklagen find.

Ausgedehnte Brände.

Schwere Schäden durch den neuen Vergeltung sangriff auf Canterbury.

Berlin, 3. Juni. (DNB.) Bei wolkenlosem Himmel griffen die deutschen Kampfflugzeuge in mehreren Wellen die alte Bischofsstadt Canterbury in Südostengland an. Trotz des Einsatzes zahlreicher feindlicher Nachtjäger drangen die deutschen Kampf­flugzeuge bis über den Stadtkern vor und lösten schwere und schwerste Bomben inmitten des Stadtgebietes aus. Bei günstiger Sicht beobachteten die Besatzungen der Kampfflugzeuge, wie in der Innenstadt und auch in der unmittel­baren Nähe der Kathedrale zahlreiche Bomben ein­schlugen und neue große Brände entstanden. Vergeblich versuchten die rings um die Stadt ein­gesetzten Flakbatterien durch heftiges Feuer aller Kaliber die ansliegenden deutschen Kampfflugzeuge von gezielten Bombenwürfen abzudrängen. Mehrere Stunden lang belegten die deutschen Kampflieger das Stadtgebiet' mit Spreng- und Brandbomben und riefen in dem schwer getroffenen Canterbury immer neue weit ausgedehnte Brände hervor.

DtevrttischeLustwaffeverloramMittwoch

weitere 24

Berlin, 3. 3uni. (DRV.) Wie das Oberkom­mando der Wehrmacht mitteill, erzielten deutsche 3 ä g e r am Wittwoch a m Kanal neue Erfolge im Kampf gegen die britische Luftwaffe. Als in den Rachmitlagsstunden ein gemischter Verband briti­scher Bomber und 3agdflugzeuge in den Raum um Cherbourg einzufliegen versuchte, wurde er schon vor Erreichen der Küste von deutschen 3agern in heftigen Luftkämpfen gestellt. Rach bisher vor­liegenden Meldungen wurden 16 britische Flugzeuge aus dem feindlichen Verband her­ausgeschossen. Bei einem weileren Llnflug- verfuch wurden abermals acht britische Flug­zeuge zum Absturz gebracht. Rach diesen schweren Verlusten brachen die Briten ihre Angriffsversuche ab. 3m Verlauf dieser Luftkämpfe errang der Rit­terkreuzträger Oberleutnant Schnell mit vier Ab­schüssen seinen 58. bis 61. Luftfieg.

Zeltlager südlich Tobruk bombardiert.

Berlin, 3. Juni. (DNB.) In der vergangenen Nacht griffen deutsche Kampfflugzeuge vom Muster Ju 88 britische Kraftfahrzeugansamm-

Flugzeuge.

l u n g e n südlich von Tobruk sowie auf der Küsten­straße fahrende Wagenkolonnen mit Bom­ben an und nahmen in Tiefangriffen Zeltlager und fahrende Lastkraftwagen unter das Feuer ihrer Bordwaffen. Zahlreiche Kraftfahrzeuge wurden durch die Angriffe, die über eine Stunde Lauerten, schwer beschädigt.

Oie Kämpfe in Nordafnka.

Rom, 3. Juni. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht meldet u. a.: Der Erfolg, den Truppen der Achsenmächte im Gebiet von Got el Ua- l e b errungen haben, nahm größere Ausmaße an. Unter den Gefangenen, deren Zahl aus über 3000 gestiegen ist, befindet sich der Kommandierende Ge­neral der 1. englischen Panzerbrigade. Auch die Zahl der erbeuteten Geschütze ist auf 128 gestiegen, die der Panzerspähwagen auf über hundert, die der Lastwagen auf etwa 200. In den Kämpfen zeich­neten sich die deutschen Panzerdivisionen und die motorisierte DivisionTriefte" aus. Feindliche Ge­genangriffe wurden sofort zurückgewiesen.

*

Der in den beiden letzten italienischen Wehrmacht- benchten genannte Ort Got el Ualeb liegt tm

Gebiet von Tobruk. Got ist ein arabisches Wort, ebenso wie Bir (Brunnen), Uadi (Fluß), Ain (Quelle) und bedeutet Ebene. Der Ausdruck ist sehr häufig im Gebiet der Marmarica (Got el Hamra oder Got Menar). El Ualeb ist eine Aka­zienart, Got el Ualeb bedeutet demnach ,Llkazien- ebene".

Oas Eichenlaub für Oberfeldwebel Steinbah.

Berlin, 3.3uni. (DRV.) Der Führer verlieh am 2.3uni dem Oberfeldwebel Leopold 5 f cin- bah, Flugzeugführer in einem 3agdgeschwader, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreu­zes und Hal ihm nachstehendes Schreiben übermit- lell:3n dankbarer Würdigung 3hres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Vol­kes verleihe ich 3hnen als 96. Soldaten der deut­schen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, gez. Adolf hitler."

Oberfeldwebel Steinbatz wurde 1918 in Wien geboren. Schon in seiner Jugend war er ein be­geisterter Segelflieger, der nach Beendigung seiner Schulzeit in ein Fliegerausbildungsregiment des ehemaligen österreichischen Bundesheeres eintrat. Als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader be­währte er sich beim Kampf um Kreta. Im De­zember wurde ihm der Ehrenpokal des Reichsmar­schalls für besondere Leistungen im Luftkampf ver­liehen, im Januar das Deutsche Kreuz in Gold. Nach seinem 42. Luftsieg wurde ihm das Ritterkreuz verliehen. Im Mal begann er mit dem Abschuß von sechs bolschewistischen Flugzeugen an einem Tage eine Serie stolzer Erfolge. Innerhalb von vier Wochen erhöhte er mit 35 Luftsiegen die Zahl seiner Abschüsse auf 83 und bewies auch Mut in zahl­reichen Tiefangriffen auf Panzerkampfwagen und Kolonnen.

Oie Berliner Geburtstagsfeier für Mannerheim.

In Gegenwart zahlreicher Vertreter des Staates, der Partei und der Wehrmacht sowie von Soldaten und Verwundeten, die an den Kämpfen in Finn­land teilgenommen hatten, fand im Haus Leb Flie­ger eine Veranstaltung zu Ehren des finnischen Feldmarschalls Mannerheim statt, der, wie schon ausführlich berichtet, am 4. Juni seinen 75. Geburts­tag feiert. Der Präsident der Nordischen Verbin­dungsstelle, Dr. Draeger, und Generalleutnant Dittmar, der unter dem Feldtnarschall eine deutsche Division in Finnland befehligte, würdigten die Verdienste des finnischen Oberbefehlshabers. Der finnische Gesandte in Berlin, Prof. Dr. Kivimäki, betonte die Schicksalsoerbundenheit Finnlands und Deutschlands und das gemeinsame Interesse Euro­pas an der Erhaltung der abendländischen Kultur im Kampf gegen den Osten.

Oie Wiege des Ostjudeniums.

Von Dr. R. Kommotz.

NSK. Als der deutsche Soldat im Sommer des vorigen Jahres in die Westgebiete der Sowjetunion hineinstieß, La wird er kaum den Eindruck gewon­nen haben, eine der großen Schicksalslandschaften der Erde zu durchschreiten. Wenig war hier zu sehen von Denkmälern der Geschichte, wenig ge­formt schien überhaupt das Land, wenn man es mit den alten Kulturgebieten in der Mitte oder im Westen Europas verglich. Wald, Sumpf, kümmer­liche Siedlungen, endlose einsame Weite des Rau­mes. Und doch sind diese Gebiete für das Weltge­schehen der letzten anderthalb Jahrhunderte von einer Bedeutung gewesen wie kaum ein anderes Land.

Der Raum etwa des Generalgouvernements und der östlich anschließende Teil der Sowjetunion bis zur Düna, dem Dnjepr und dem Schwarzen Meer ist die große Judenwiege der Neuzeit. Von hier sind alle die Wanderströme des Juden­tums ausgegangen, die sich nach Deutschland, Oester­reich-Ungarn, Frankreich, Holland, Belgien, den nordischen Ländern, nach England, Südafrika und schließlich besonders nach USA., Kanada und Süd­amerika ergossen und die wirtschaftlich kulturelle und politische Entwicklung in diesen Ländern in einschneidendster Weise beeinflußt haben: Von die­sem Lande aus hat die Weltgeschichte einen ent­scheidenden Stoß erhalten, eine Wendung von ge­fährlicher Tragweite.

Der Erste Weltkrieg, die Knebelung Deutschlands durch Versailles, die Schaffung der Genfer Liga, der unheimliche Aufstieg des Bolschewismus, die Entwicklung der englischen und der USA.-Pluto- kratie all das sind Ereignisse, die vom jüdischen Vorstoß zur Weltmachtstellung entscheidend mitbe­stimmt sind. Dieser Vorstoß aber ging aus von dem Gebiet zwischen der früheren deutschen Ostgrenze und der Düna, dem 2)njepr und dem Schwarzen Meer. Hier hat sich in vielen Generationen vor­bildet, was im vorigen Jahrhundert aufbrach und überquoll, was mit einer beispiellosen Zähigkeit überall einsickerte, sich ausbreitete und schließlich an manchen Orten bereits alle Gegenkräfte er­drückte. Ohne das große östliche Judenreservoir, das unerschöpflichen Nachfchub lieferte, wäre für das Judentum seine Herrschaft im Novemberdeutschland ebensowenig möglich gewesen wie feine Vormacht­stellung in der Sowjetunion uni) die immer um­fassender werdende Beherrschung der westlichen Plutokratien.

Es ist ein geschichtlicher Schritt ohnegleichen, wenn die Armeen derjenigen Macht, die den diame­tralen Gegenpol zum Judentum bildet und auf deren Vernichtung daher der jüdische Weltmachtvor­stoß hinzielt, jetzt das Land besetzt haben, aus dem heraus das Judentum diesen Vorstoß ansetzte.

Rückkehr der Amerikaner.

Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.

Stockholm, Juni 1942.

Eine der erfolgreichsten Erfindungen der englischen Propaganda ist die Behauptung, daß die Entstehung des britischen Reiches mehr oder weniger ein Ereig­nis des Zufalls sei und daß sehr beträchtliche Teile des Empires gleichsam gegen den Willen der Krone und ihrer Regierung in britischen Besitz gekommen seien. Die Welt, die in merkwürdiger Einfalt diese Geschichte als bare Münze nahm, war schon vor Generationen in der Vorstellung befangen, daß hin und wieder ein abenteuernder Engländer ein Stückchen Erde in Besitz nahm und dann spä­ter einer sehr widerwilligen Regierung zum Ge­schenk machte. Vereinzelt hat sich die Geschichte wohl auch einmal so abgespielt, aber derartige anekdotische Zufälle sind nur die eigenwilligen Begleiterschei­nungen eines Werkes, welches nüchterner Pla­nung und zielbewußtem Streben seine Vollendung verdankt.

Daß aUenbiitgs die Form der Kolonisierung im 15. und 16. Jahrhundert eine andere war als die­jenige, mit der unsere Großväter noch in letzter Stunde dem Reich einen Anteil an der Erschließung Afrikas sicherten, ist nur natürlich, wie der Wandel geschichtlicher Formen überhaupt. Schließlich darf auch bei der Betrachtung politischer und administra­tiver Methoden nicht vergessen werden, daß Tempe­rament und Charakter eines jeden Volkes eine be­sondere Form verlangen.

Aber wenn dies alles berücksichtigt wird, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß der erste Schritt zur englischen Kolonialmacht mit vollem Be­wußtsein seiner Bedeutung getan wurde.

König Heinrich VII. entsandte im Jahre 1497 feinen viellieben John Cabot, um Länder und Gegenden zu finden, die bisher in der Christen­heit unbekannt waren" an die nordöstliche Küste des soeben erst von Columbus entdeckten amerika­nischen Kontinents. Der König war aller­dings vorsichtig genug, die Gefahr und die Kosten dieses Unternehmens auf den Entdecker selbst ab­zuschieben. Und diesem Beispiel sind seine Nach­folger auf dem Throne in fast allen Fällen gefolgt. Aus dieser Verschiebung des Risikos ist dann all­mählich die Auffassung entstanden, die Erbauer des britischen Weltreiches seien abenteuernde Privat­leute gewesen, während fast immer der unsichtbare Schutz und die wachsenden Machtmittel der Krone hinter ihnen standen.

Von einer Planlosigkeit der britischen Imperia­listen kann man vielleicht erst von dem Augenblick an sprechen, als die koloniale Expansion abge­schlossen und ein Gefühl imperialer Sättigung er­reicht war. Dieser Zeitpunkt fiel etwa mit dem Beginn des viktorianischen Zeitraumes zusammen. Im napoleonischen Krieg hatte England alle Ge- biete und Inseln besetzt, die ihm zur Abrundung seines Kolonialreiches erforderlich erschienen. Jetzt begann die Aufgabe der Konsolidierung, eine Ausgabe, die in wirtschaftlicher und militä­

rischer Hinsicht auf Generationen gelöst wurde, während die politische Festigung des errungenen Besitzes nur scheinbar gelang.

In Kanada, wo die Angleichung des starken französischen Bevölkerungsteiles damals so wenig wie heute gelungen war, kam es 1837 als Ergebnis lange währender Reibereien zu einem blutigen Auf­ruhr, nach dessen Niederschlagung die britische Re­gierung sich zur Einführung einer autonomen Ver­waltung entschloß, die allmählich zu einer wirklichen Selbstregierung ausgebildte wurde und in der Ver­fassung von 1867 ihre gültige Form fand. Kanada ging als erste englische Kolonie den Weg, den spä­ter auch die anderen Dominions einschlugen und auf dem mindestens in der Theorie alle Glieder des Empire nach und nach den Status eines Dominions erreichen sollen. Auf diese Weise versuchte England das Problem zu lösen, nach dem früher oder später jedes große Kolonialreich bewertet wird: das Pro­blem der Beziehungen zwischen Mutterland und Heranwachsenden Kolonien.

So zweckmäßig aber die englische Lösung auch auf den ersten Blick erscheinen mag, so entbehrt sie doch von Anfang an nicht eines Fehlers, der sich erst heute deutlich bemerkbar macht: die Umwandlung des britischen Empires, das heißt einer Vereinigung von Gebieten unter der maßgeblichen Führung einer Großmacht in das Commonwealth wirklich freier und unabhängiger Staaten, die lediglich durch ge­meinsame Tradition und Kultur vereinigt sind, setzt zweierlei voraus: das Nachlassen des irnpe- rialistischen Anspruchs in England, gleich­gültig, ob infolge natürlichen Absterbens oder frei» willigen Verzichts, und das Fehlen einer an- deren imperialistischen Macht, welche aus der Entwicklung des Empires Nutzen .ziehen könnte. Beide Voraussetzungen fehlen; besonders die zweite gehört mehr denn je dem Reich der Theo­rie an. Es kann hier dahingestellt bleiben, ob sie überhaupt verwirklicht werden kann, denn für die Gegenwart entscheidet allein der immer sichtbarer werdende und hervortretende Imperialismus der Vereinigten Staaten.

Es wird für alle Engländer eines Tages eine un­angenehme Ueberraschung sein zu erkennen, daß die Nordamerikaner entschlossen sind, ihnen die Füh­rung der angelsächsischen Welt abzunehmen. Vor­läufig hindern die Engländer ihre eigene Ver­gangenheit und der mit einem erstaunlichen Mangel an Wirklichkeitssinn Hand in Hand gehende Ver­zicht auf imperiale Gesinnung an der Erkenntnis der aus Nordamerika drohenden Gefahr. Dem außerhalb der englisch sprechenden Welt stehenden Betrachter wird es später als eine seltsame Laune der Weltgeschichte erscheinen, daß die Amerikaner, die durch ihr Ausscheiden aus dem britischen Reich das erste Empire zerstörten, durch ihre Rückkehr in den Kreis der britschen Nation dem zweiten Empire ein Ende bereiten.