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Aus der Siadi Gießen.! DerVeilchensirauß und das rotkanerie Häschen
Betrachtungen auf einem Osterspaziergang.
Ostern.
ehesten als ein bürgerliches Trauerspiel gekennzeich-
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Heft 6 mitteilt (siehe auch „Höchstrichterliche Recht- stand verursachten außergewöhnlichen Derhaltmjje sprechung" Rr. 122/42) ist auch die Einrichtung von darstellt, wenn die Hausbewohner einen Lustschutz- Lu ftschußräumen unter den Strafschutz der Volks- raum im Keller wohnlich einrichten. Die Entwen- schädlinqsverordnunq gestellt worden. düng eines elektrischen Heizofens aus diesem Luft-
In dem vorliegenden Fall hatte der Angeklagte schutzraum stellt demnach ein Verbrechen nach $ 4
Der Kriegsfreiwillige, Gefreiter Karl Taub ert aus Lollar wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
In dem vorliegenden Fall hatte der Angeklagte einen elektrischen Heizofen aus einem Luflschutzraum entwendet, in dem er auftragsgemäß Arbeiten aus- zuführen hatte. Das Gericht stellte in der Entscheidung fest, daß die Anbringung eines elektrischen Heizofens in einem Luftschutzraum unbedenklich als eine zur Abwehr von Fliegergefahr getroffene Maßnahme angesehen werden kann. Ebenso fällt die wohnliche Einrichtung eines Luftschutzraumes, die den Benutzern einen längeren Aufenthalt während des Fliegeralarms erträglich machen soll, unter die zur Abwehr von Fliegergesahr gu treffenden
An den denkt der Mann, der sich mittlerweile au den Heimweg gemacht hat, mit vielen guten, väter lichen Gedankens Da kommt es ganz von selbst, daß er auch an den Sohn seines Sohnes denkt, das Enkelchen, zwei Jahre alt. Was soll man ihm schenken? Es weiß noch nichts vom Frühling und nichts von Ostern und auch nichts vom Kriege. Aber ein Wäschen — wie wäre es mit einem Häschen? Das wäre für den Kleinen gerade das Rechte. Zwar wird es weder ein lebendiges noch ein schokoladenes sein können, aber der Mann auf dem Osterspaziergang
Maßnahmen. Nach allgemeiner Lebenserfahrung muß sich jeder ohne weiteres darüber im klaren sein, daß es lediglich eine Folge der durch den Kriegszu-
auf den Maashöhen einläutete; er denkt auch an die Osterspaziergänge auf Goethes Spuren am Main, jenseits von Frankfurt, und dabei fällt ihm
Osterausflüge ohne Bahn.
Gießen — Wellenberg — Krofdorf — Vetzberg — Rodheim.
Diese Wanderung ist, da sie wenig durch Wald ührt, für die Frühjahrszeit besonders zu empfehlen. Wir gehen auf dyr Krofdorfer Straße bis zum Wegweiser am Launsbacher Weg, von hier rechts den schwarzen Punkten nach, die uns über eine Eisenbahnbrücke zum Wettenberg, auch Sieben Hügel genannt, führen. Von seiner höchsten Erhebung, der sog. Napoleonsnase, mit einem alten Ringwall, genießt man einen prächtigen Rundblick. Namentlich die Aussicht nach Westen auf die Burgen Gleiberg und Vetzberg, auf Königsberg und den Dünsberg sind besonders malerisch. Nach genügender Augenweide verlassen wir das Wege- zeichen und steigen nach Krofdorf hinunter, wo gute Gastwirtschaften zur Rast einladen. Etwa eine Viertelstunde hinter Krofdorf beginnt die Ersteigung des Vetzberg, von dessen altem Gemäuer man wiederum eine hübsche Aussicht genießt. Wunderschön ist der Blick auf Rodheim und die Schmitte, sowie auf das liebliche Biebertal und seine weitere Umgebung. Von Rodheim aus kehren wir heim. Dauer der Wanderung höchstens drei Stunden.
Gießen — Lollarer Kopf — Badenburg — Gießen.
Wir wandern auf der Marburger Straße bis vor die ersten Häuser von Lollar, wo nach rechts ein Feldweg abzweigt, der uns in bequemer Steigung auf den Lollarer Kopf führt. Von einigen Ruhebänken unterhalb des Gipfels qenießen wir eine herrliche Fernsicht, die sich über Gießen und das Lahntal bis zum Taunus erstreckt, wahrend vom Kamm des Berges die Marburger und Gladenbacher Berge sichtbar 'sind. Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Wege wie der Aufstieg bis zur Landstraße, auf der wir bis zum Walde zurückgehen. Hier kommen wir auf blaue Striche, die uns über die Ruine Badenburg, in deren malerischem alten Gemäuer wir uns erfrischen können, bis nach Gießen das Geleite geben. Dauer der Wanderung 3XA Stunden.
Durch eine über den Einzelfall hinaus grundsätzliche Entscheidung des Hanseatischen Sondergerichts, die die „Deutsche Wohnwirtschaft" in ihrem
Außerkrafttreten der Urlauberkarten.
Um Mißverständnisie und Unklarheiten zu beseitigen, wird auf folgendes hingewiesen: Das Reichsernährungsministerium hat neue Reichskarten für Urlauber herausgebracht, die den ab 6. April 1942 eingetretenen Rationsänderungen angepaßt sind und vom gleichen Tage ab zum Warenbezug berechtigen. Zur Vermeidung von Uebergangsschwierig- keiten behalten die bisher ausgegebenen Urlauberkarten bis zum Ablauf des 31. Mai 1942 ihre Gültigkeit. Die Reise- und Gaststättenmarken sind unverändert geblieben und berechtigen auch über den 31. Mai 1942 hinaus zum Warenbezug.
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 4. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, gelbe Rüben, % kg 15, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 9, Meerrettich 70, Sellerie 26, Lauch, das Stück 5 bis 10, Blumenkohl 65, Endivien, V» kg 45 Rpf.
Diebstahl aus dem Lustschuhraum ist Verbrechen.
Diebstähle in geSffnetenRäumen beiFliegeralarm werden großzügig entschädigt.
Theater der Universitätsstadt Gießen Zwei Schauspiele aus dem Japanischen.
Zwei Schauspiele aus dem Japanischen, deren Aufführungen einen Abend füllte, gestatteten einen ..... Einblick in die geistige Haltung und Empfindungs-
nicht an einen Tag gebunden. - wett der verbündeten Nation im Fernen Osten.
Osterfreude ist sieggekrönte, erfüllte Hoffnung, die rakoy a" (Die Dorfschule), Schauspiel m aus dem Dunkel das lichte Ziel erreichte, und dieses etnem 2M nach her Tragödie des Takeda I z u m o
Ziel steht unverrückbar fest,, weil es nur ein Natur- MgSS bis 1765), für die deutsche Bühne bearbeitet
gesetz erfüllt. Nacht führt zum Licht, unb was fid) DOn Wolfgang von Gersdorff, wurde zuerst in im Winterdunkel vorbereitete, das bricht jetzt her- bjer Morgenfeier zum Heldengedenktage hier ge- aus mit aller Macht und drängt vorwärts in freu- geroen und bereits ausführlich gewürdigt: während diger Bereitschaft. Ostern ist Auferstehung des Sich- dieses Werk, spielend im Jahre 902, die bedingungs- tes und der Kraft und das schönste Sinnbild sieg- Ioje Bereitschaft einer ganzen Familie zu einem reicher Vollendung durch gesunden Lebenswillen. unerhörten Opfer aus Treue zum rechtmäßigen M-A.v.L. Fürstenhause verherrlicht, führt das andere Stück r L . - dieses Abends in eine privatere Sphäre und könnte,
Wut XLOP?tClt!l ÖOt oem Femüe. soweit Vergleiche mit unseren deutschen Vorstellun- v .... . (<r , . gen und Begriffen möglich und statthaft sind, am
Sepso-Tinktur gehört in Ihre Haus-Apotheke!
Warum? Weil Sie immer ein zuverlässiges und rasch wirkendes Desinfektionsmittel zur Hand haben müssen. Denn kleine Verletzungen, wie sie durch Schnitte, Stiche, Risse, Bisse und dergleichen verursacht werden, kommen ja im täglichen Leben so oft vor! Und alle, auch kleine offene Wunden sind der Gefahr der Infektion durch Bakterien ausgesetzt. Deshalb soll man auch geringfügig erscheinende Verletzungen nicht unbeachtet lassen, sondern sie rechtzeitig mit Sepso-Tinktur des- infizieren. Sepso-Tinktur, die in allen Apotheken und Drogerien in Flaschen zu fünfundfünfzig Pfennigen und in handlichen Tupfröhrchen zu neunundvierzig Pfennigen erhältlich ist, wirkt genau so desinfizierend wie Jod-Tinktur und ruft keine unerwünschten Nebenerscheinungen hervor. Sie hat weiterhin die angenehme Eigenschaft, keine Flecken in der Wäsche zu hinterlassen. Auch kann sie von der Haut leicht abgewaschen werden.
Glück zweier Menschen nach japanischen Vegviffen unentrinnbar zum Tode verurteilt. Zwar kann der junge Händler Totubei, der die Geisha O Hatsu liebt und von ihr geliebt wird, eine aus materiellen Gründen über seinen Kopf weg beschlossene anderweitige Verheiratung ablehnen. Nicht aber kann er die im voraus bezahlte Mitgift zurückerstatten, weil sein Schuldner sich weigert, eine geliehene Summe zurückzuzahlen, und obendrein mit recher Stirn den Gläubiger als Betrüger und Er- irester beschimpft. Da dem unglücklich Liebenden nun auch noch die Ehre abgeschnitten ist, vermag er nicht länger zu leben, und O Hatsu folgt dem Geliebten bedenkenlos in den Tod. Den schurkischen Schuldner erreicht die irdische Gerechtigkeit erst nach der Auffindung des im Tode vereinten Paares.
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Wie die Inszenierung der „Dorfschule" hatte auch die Wiedergabe des „Liebestodes" unter der Regie von Oberspielleiter W. M. Mund eine ausgeprägte starke Atmosphäre und die intensive Spannung eines folgerichtig entwickelten dramatischen Konfliktes. Das von Herrn Löffler entworfene Sze- nenbild war sehr dazu angetan, die Einheitlichkeit des Stiles und der Stimmung zu verdichten. Herr Köchling spielte den Totubei: schlicht, gradlinig und überzeugend eingefangen in der Unentrinnbar» feit des ihm verhängten Schicksals. Anja Rau war die O Hatsu; die Verwirklichung dieser Figur, die flüchtig an die Butterfly erinnern mag, .erschien uns als eine ihrer besten und einheitlichsten'Leistungen: dem zarten Außenbilde entsprach eine starke, gefaßte und unwandelbare Seelenhaltung. Sehr echt und prägnant in der Zeichnung wirkte auch der von Herrn Ludwig verschlagen und geschmeidig gespielte schurkische Schuldner. Vom kleinen Ensamble seien noch Herr Zeppenfeld, in vorzüglicher Maske als Kinemon, Hilde Kneip (Mrtin im Teehause), Herr Mund und Editha Thomas genannt. — Den Zuschauern schien der Blick in die ferne japanische Welt tiefen Eindruck zu machen.
Hans Thyriot.
** Sonderkurfe zur Vorbereitung für b i e Reifeprüfung wird die NSG. „Kraft durch Freude", Abteilung Volksbildungswerk, bei genügender Beteiligung Mitte April beginnen lassen.
net werden.
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„Sonezaki Shinju" (Der Liebestod) nennt ich ein Schauspiel in einem Akt nach der Tragödie )es Chikamutsu Monzaemon (1653 bis 1724), ebenfalls von Wolfgang von Gersdorff für die deutsche Bühne bearbeitet. Nicht ohne Interesse er- cheint zunächst die vergleichende Feststellung, daß, nährend die beiden Autoren Zeitgenossen sind, die Vorgänge in ihren Schauspielen zeitlich um acht Jahrhunderte non einander getrennt sind, und daß trotzdem in der grundsätzlichen-Haltung der spielenden Figuren — soweit nach der deutschen Bearbeitung und Wiedergabe geurteilt werden kann — kein wesentlicher Unterschied zu bemerken ist;, dies scheint für die innere Konstanz und hohe Tradition des japanischen Geisteslebens im Allgemeinen und des japanischen Theaters im Besonderen zu sprechen. Trotz der angedeuteten stofflichen Verschiedenheiten der beiden Einakter ist hier wie dort der Ehrbegriff ein entscheidendes und schicksalträchtiges Grundmotiv. Mit der gleichen Konzentration wie in der „Dorfschule" wird im ,Liebestode" der Knoten geschürzt: der Konflikt erscheint schlechterdings unlösbar, das
davon nur gegen eine zur Abwehr von Fliegergefahr getroffene Maßnahme zu richten braucht.
In diefen Zusammenhang gehört auch die Frage des D i e b st a h l s a u s q e ö f f n e t e n R ä u m e n bzw. offenstehenden Räumen während ei n e s Fliegeralarms. Strafrechtlich betrifft den Täter die gleiche Strafe nach § 4 der Volksschädlings- Verordnung, und zwar bei einer Straftat während des Fliegeralarms in der Regel das höchstzulässige Maß. Auch'das Offenlassen einer Wohnungstür ist als eine zur Abwehr von Fliegergefahr getroffene Maßnahme anerkannt worden.
Vom Standpunkt der Versicherung ist die Frage des Diebstahls während des Fliegeralarms kürzlich ebenfalls durch eine Anweisung der Wirtschaftsgruppe Sachversicherung in der Reichsgruppe Versicherungen dahin geklärt worden, daß die Entschädigung der infolge der während „Lustgefahr" bis „Luftgefahr vorbei" in geöffneten Räumen entstandenen Diebstahlsverluste großzügig von den Versicherern vorgenommen werden soll. Weiterhin ist die Frage geklärt, daß, sofern eine Entschädigung von feiten der Versicherung nicht vorgenommen wird, ein Anspruch nach § 2, Abf. 1, Zister 2 der Reichs- schädenverordnung gegeben ist. Irgendwelche Einträge von feiten der Versicherungsnehmer bei den Versicherungsgesellschaften auf prämienfreien Einschluß des Wagnisses nicht verschlossener Türen ui die Einbruchdieüstahlversicherung sind demnach nicht nötig.
Wir sind spät dran dies Jahr, denkt der Mann, der sich aus einen Osterspaziergang hinausgemacht hat, und läßt nachdenklich seinen Blick über die Vorgärten schweifen: Schneeglöckchen sind da und Märzenbecher, auch ein paar Krokusse, schüchtern, blau und gelb; in drei Tagen ist Ostern. Er geht weiter in allerlei Gedanken versunken, man muß sehen, wie es draußen auf den Feldern steht. Zwar denkt er im ersten Anschauen, die Baumgruppe dort
Mitten in die Zeit, wenn die Knospen zu schwellen beginnen und neues Leben zum Licht drängt, fällt das Fest, dessen Sinnbild mit der Auferstehung in der Natur aus langem Winterschlaf eng zusammenhängt. Aber das alte Licht- und Auferstehungsfest hat noch immer keinen festen Platz im Kalender. Zwar kann es nur in den März oder April fallen, doch niemals früher als auf den 22. März, was aber erst im Jahre 2285 wieder eintreten wird, und
Weile aufmerHam hinsieht,, wird, man finden, daß
In früheren Zeiten, als das Naturgefchehm vor-1 J schwarzen Konturen des Astwerkes sich herrschend in das Leben der Menschen eingriff, I cjn menia iU lodern und zu verschwimme^ anfan= wurde das Osterfest m den Tagen um die Tag- und es vor, als ob ein zarter
Nachtgleiche gefeiert. Es fiel nicht auf einen ve- DOn erstem Grün, wie er es draußen
stimmten Jahrestag, sondern richtete sich vermutlich auj ö'ßn Felderstreifen gewahr wird,
immer nach der Mondphase, und zwar nahm man , Baumkronen gefallen sei, und als er
Richtschnur wohl den demWnfang Tenierfr^r an den Kastanien
nächstliegenden Neumond an, von dem der Voll. 6irfen, fieI)rigen Knospen, die wie ein
mond genau berechnet werden konnte. Allmählich Zeichen sind. Das paßt zu den winzigen aber verlor das alte Fruhttngsfest ferne Ursprung- I o Qm Fliederbusch entdeckt, und zu
liche Bedeutung und wurde zum Osterfest, ^s bliev ^^^ch^jchen bläulichen Schleier, der über den . ein Freudenfest und behielt auch fernen schon Wcüdrand und die fernen Höhenzüge gebreitet ist. Sinn des Lichtsieges über lfngemach und Tod wei- 'u>uluru,lu uuu 1 1 z ö
ter bei; allein nun erhoben sich auf einmal Streitigkeiten. Man wollte das Fest auf einen gewissen Tag im Jahr festlegen und wußte nicht auf welchen.
Schon im zweiten Jahrhundert begann dieser Zwiespalt der Meinungen, und von da ab kam man aus den Unstimmigkeiten nicht mehr heraus. Jahrzehntelang blieb der Streit unentschieden, bis im Jahr 325 der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond zum Ostertag bestimmt wurde. Damit war der alte Osterstreit aber noch lange nicht zu Ende. Denn jetzt platzten die Meinungen wieder auf-1 einander, weil sich über das genaue Datum der Frühlingsnachtgleiche keine Einmütigkeit erzielen ließ. Und so ging es jahrhundertelang weiter. Astronomen befehdeten sich in Wort und Schrift, und es kam schließlich dahin, daß selbst in ein- und demselben Land Ostern an verschiedenen Tagen gefeiert wurde. Erst der Einfluß Friedrichs des Großen brachte den Meinungsstreit £um Stillstand. Im Jahre 1775 veranlaßte der König eine Konferenz, die dazu führte, daß Ostern in seinem ganzen Reich
ein, ganz unversehens, welche Osterfreude er sich bereiten wird in diesem ernsten und späten Früh' fahr: den kleinen, in biegsames, rotes Leder gebundenen Band wird^er nach langer Zeit mteöer her- vorholen, der den Nanren Goethes trägt, den Namen des Faust und das von Schönheit und Schicksal, Weisheit und Geheimnis schwere, ewige Gedicht der Deutschen umsckließt; damit wird er in diesem Jahre die Osternacht beginnen.
Don einem Lastwagen ioiqefahren.
Lpd. Schotten, 2. April. Auf einer Dienstfahrt mit einem Lastkraftwagen wurde der 34 Jahre alte Verwaltungsangestellte Otto Rühl aus Büdingen beim Zurückstoßen des Wagens in einem Hofgrundstück in Burkhards von dem Wagen angcfohren und zu Boden geworfen. Rühl stürzte dabei so unglücklich, daß ein Vorderrad des Wagens ihm über den Kopf ging und den sofortigen Tod des bedauernswerten Mannes zur Folge hatte.
Landkreis Gießen.
* Heuchelheim, 2. April. Das Deutsche Volksbildungswerk hatte im letzten Vor- tragabenb in der Turnhalle in dem Erperimentator G ü b i s ch aus Dresden einen guten Vertreter für die Frage: „Was ist es mit dem Okkultismus?" Im ersten Teil, der Experimenten gewidmet war, führte er unter Mitwirkung der Zuhörer gut gelungene Versuche über Gedankenübertragung und Hellsehen aus. Im zweiten, theoreti-schen Teil brachte der Vortragende die Erklärung für die vorher gemachten Versuche und offenbarte damit, daß angeblich übersinnliche Kräfte, die für die schwierigen Ausgaben erforderlich seien, gar nicht mitwirken, sondern daß alles aus Selbsttäuschung der Versuchspersonen, auf Beobachtung, Phantasie und Tricks des Experimentators beruht. Deshalb ist „berufsmäßigen Hellsehern" das Handwerk zu legen zum Nutzen der Volksgenossen. Ebenso nahm der Vortragende Wünschelrute, Erdstrahlen und Kartenlegen den Nymbus
hak wieder eine wunderbare Idee, wie sie dem Men- chen nur in den seltenen schöpferischen Augenblicken zuteil wird: er erinnert sich diesmal an jenen Wachstuchrest, aus dem sich seine Frau neulich eine Tasche hatte machen wollen; aber leider reichte der Stofs nicht. Der Mann beginnt feinen Heimweg zu be» chleunigen, ihn drängt es zur Gestaltung, er wird ich gleich über dieses köstliche, zu nichts mehr brauchbare Restchen hermachen und gewaltig zu werken beginnen: den Umriß eines Häschens wird er auf ein weißes Blatt Papier zaubern und ausschneiden und auf das Wachstuch legen und wieder aus« schneiden, einmal und noch einmal, zwei halbe Hasen; hoffentlich reicht es auch noch zu einem schmalen Streifen, mit dem die Frau die beiden Hälften zufammennähen und verbinden soll. Das Ganze wird man dann mit ein paar alten Lappen ausstopfen, damit es ein pralles und rundes Häschen gibt. Zwar ist das Wachstuchreftchen, wie dem Mann mittlerweile eingefallen ist, rot und weiß tariert, wie ein altmodisches Bauernbett, die wirklichen Hasen sind schlichter gefärbt, aber das wird dem krähenden Enkelchen hoffentlich nichts ausmachen.
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der Dolksschädlingsoerordnung in Verbindung mit einfachem Diebstahl dar. Unter Überschreitung des sonst üblichen Strafrahmens kann nach § 4 der Volksschädlingsverordnung mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus oder mit Todesstrafe bestraft werden, wer eine zur Abwehr von Fliegergefahr getroffene Maßnahme bei seinem straffälligen Verhalten ausnutzt. Um Mißverständnissen vorzubeug-en, sei nochmals betont, daß die Tat also nicht während eines Fliegeralarms begangen zu sein braucht, sondern sich unabhängig
Er geht weiter, der einsame Mann auf seinem Osterspaziergang, und es streicht ihm ein unruhiger, märzkühler Wind entgegen, aber durch die Märzkühle ist doch schon eine Spur von milderem Wehen zu fühlen: er schnuppert so in der Gegend herum und kann nicht genau beschreiben, was es ist, und was er meint, aber er bildet sich ein, daß es nach Frühling riecht, nach Dorfrühlmg jedenfalls und nahem Osterfest. Außerdem riecht es' nicht mir, sondern es ist auch eine merkwürdige, kleine Musik zu vernehmen, die von irgendwo herkommt, aus der Höhe, vom Himmel herab. Der Himmel ist dunstig । und verschleiert, und wenn man den Blick nach oben richtet, fangen einem die Augen an zu tränen, und obwohl der Mann sich große Mühe gibt, kann er die winzige Quelle dieser zarten, himmlischen Musik nicht ausfindig machen: ein winziger, zitternd beweglicher Punkt muh es sein, flimmernd im Dunstschleier über den kahlen Felderbreiten, und Uliem m pmmn Huiiötu ^—7 daß es nur eine Lerche sein kann, daran ist so am Reichen Tag — am ersten Sonntag nach dem wenig zu zweiseln rote an den chwarzen Amseln, Frühlingsvollmönd — begangen werden mußte, die in den Gärten gelbgeschnabelt durch die Busche Und dabei ist es denn bis heute geblieben. fahren, im alten Laub stochern und vom Dachfirst
Ueberatl dort, wo man das uralte Jahreszeitfest herab ihr Abendlied über die stillen Straßen gehen mit seinen erdgebundenen Bräuchen feiert, haben lassen, eine kleine, sehnsüchtige und verheißungsvolle sich volkstümliche Wetterregeln herausgebildet, die Flötenmelodie des ersten Frühlings.
jedem Sonnenstrahl, jedem Regenttopfen und Wind- * ___..
hauch während der Oft er tage eine eigene Bedeu- Der Mann wischt sich die Augen, die vom langen tung zumessen. Sie sind Jahrhunderte alt, haben Himmelsblick tränen, und laßt seine Gedanken durch fid) uon den Vorfahren auf die Nachkommen ver- manches Jahr und manchen Frühling zuruc^van- erbt und leben heute noch im Volksmund so wie dem zu den vergangenen Osterfesten: er denkt an einst, als irgendein Nachdenklicher sie zum ersten- ein paar traumhafte Tage im römischen April auf mal dachte und aussprach. Ob am Ostersonntag die den sieben Hügeln und an em schlimmes Fest im Sonne vom blauen Himmel lacht, oder ob es wie ersten Weltkriege, das statt der OsterglEen em mit Kübeln schüttet, aus welcher Richtung der Wind bösartig trommelnder Feueruberfall der Franzosen weht, das alles soll seine besondere Mrkungskraft —£ »r nl,fh nn
haben. So soll es am Karfreitag regnen, aber am Ostersonntag ist Regen nicht erwünscht, denn die Ostersonne, und wenn auch nur ein kleiner Strahl von ihr aus den Wolken scheint, soll den Segen bringen, den die Natur braucht, weil ihr wunderwirkender Zauber das junge Grün aus der Erde lockt und allen Menschen und Tieren frische Kräfte spendet. Aber genau genommen stimmt das alles doch nicht. Ist die Erde ausgetrocfnet, so fördert ein Regen am Ostertag das Wachstum ebenso wie an jedem anderen Tag. Und auch die Kraft, die in den Lebewesen nach dem langen Winter wieder erwacht und überall in der Natur neues Leben schafft, ist
In Gedanken und Vorfreude versunken, schaut der Mann zu der noch gar nicht begrünten Hecke hinüber, die den schmalen Feldweg begleitet: hier mus- en Veilchen stehen, fällt ihm ein, hier haben immer welche gestanden, und er Henkt an ine Frau daheim, der er am Osterrnorgen einen kleinen Veilchenstrauh auf den Tisch stellen wird als einen ersten Gruß vorn ersten Frühling. Aber nicht genug damit, die Phantasie des Spaziergängers, durch einen ungewissen, leise erregenden Duft, eine kleine Lerchenmusik und schweifende Betrachtung und Erinnerung beflügelt, beginnt sich zu regen, denn er hat es sich auf einmal in den Kopf gesetzt, der Frau noch etwas anderes zu schenken, ein Ei nämlich, das ja am besten zu alledem paßt, was ihn auf diesem Spaziergang bewegt; zwar wird es weder em Ei sein, welches die Hühner legen, noch eines, das ge- heimnisoollerweise vom Hajen stammt — denn der Mann hat nicht vergessen, daß Krieg ist —, sondern ein Ei aus Pappe, ganz schlicht. In der alten Truhe muß es liegen, wo allerlei so unnützer und merkwürdiger und halb vergessener Kram aufbewahrt ist; heute abend wird er es heimlich hervorholen. Das Ei ist hohl, man kann es in die beiden Hälften zerlegen, wer weiß, was es vor dem Kriege einmal an süßem Inhalt umschloß. Es ist auch nicht mehr sehr ansehnlich, seine farbige Hülle ist verblaßt und die zierlich gezackte Goldborte abgeblättert. Man muß es neu bekleben, dieses vergessene Ei, oder mit zarten Frühlingsfarben bemalen: narzissengelb, lichtgrün oder hellrot, das wird hübsch aussehen zu dem kleinen Deilchenstrauß. Und womit wird es gefüllt sein, das Ei, am Osterrnorgen? Es wird weder Geld noch Leckereien enthalten, sondern den schönsten und heimlichsten der altgewordenen Liebesbriefe, die sich der Mann und die Frau vor vielen, langen Jahren geschrieben haben. Und wenn alles gut geht, wird neben dem also überraschend gefüllten Ei und dem Veilchenstrauh etwas drittes liegen, noch ein Brief, aber nicht so all und so verschollen, ein Brief vom Jungen an der Front.
beim
Backwunder
Reese-Gesellschaft, Hameln


