ständigkeit und Freiheit des Landes. Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl sind die Grundpfeiler der beiderseitigen Beziehungen geworden. Die autoritäre Regierung ist völlig gesetzmäßig zustande gekommen und verfügt über eine Machtfülle rote keine ihrer Dergängerinnen, wovon sie einen guten Gebrauch zu machen verspricht: man ist am Werk, die wichtigsten Berufe ständisch zusammenzufassen, die gesamte Jugend wird zur Dienstleistung für die Gesamtheit herangezogen, und der norwegische Arbeitsdienst hat nach Deutschem Vorbild bedeutende Erziehungs- und arbeitsmäßige Probleme als Aufgabe erhalten. Allem Anschein nach ist Norwegen eine starke Eigenentwicklung im großen europäischen Rahmen gesichert, wenn sein geistiger und weltanschaulicher Erneuerungsprozeß zu nachhaltiger völkischer Gesundung führt.
In weiten Kreisen des schwedischen Nachbarlandes aber ist man nicht geneigt oder nicht imstande einzusehen, daß, wer probritisch denkt und handelt, gegen Europa optiert; hier fehlt großenteils noch die Einsicht in die Folgen einer „Neu- tralitäts"-Politik der entschlußlosen Vereinsamung. Die Tendenzen der englischsprachigen Welt herrschen vor, die maßgebenden Stellen sind weich und unlustig gegenüber jeder Entscheidung. Ein starker sind verantwortungsbewußter Kurs fehlt und wurde auch höchstens als störend empfunden; politische Aktivität, ja, selbst Politik wird rund abgelehnt. Die Regierung ist der Ansicht, es sei die historische Aufgabe des Landes, sich aus dem großen Weltkonflikt herauszuhalten; für jeden Beobachter heißt das, Schweden wünsche sich von der europäischen Einheitsfront gegen den Bolschewismus zu distanzieren, und so verwundert es auch nicht, daß hier trotz aller Enthüllungen über Sabotage und Spionage die Kommunistische Partei nach Kräften 'wühlt. Daß das Reich und seine Verbünde- ten dafür sorgten, daß nicht die Engländer in Norwegen und nicht die Sowjets in Stockholm sitzen, will man nicht sehen, sondern man wünscht in diesem gut bürgerlichen Lande in Ruhe gelassen zu werden. Für ein neues Europa besteht „keine Meinung". , . , .
Nicht einmal der Heldenkampf Finnlands hat diese Einstellung wesentlich zu ändern vermocht. Dabei ist Finnland wohl der beste Beweis einmal da- für, was aus Schweden geworden wäre, hätte Deutschland nicht dem Bolschewismus Einhalt geboten, und zum anderen für die Bereitwilligkeit, eine große europäische Aufgabe anzupacken und zu lösen. Die Finnen waren stets die Grenzwächter des Nordostens gegen Asien. Wenn sie heute darangehen, die Spuren der bolschewistischen Schreckensherrschaft im 1940 zeitweilig verlorenen Karelien zu tilgen und O st k a r e l i e n nach Europa zurück- zuführen, so ist das ein Problem, das unser ganzes Festland angeht. Das ostkarelische Wappen zeigt zwei gegeneinander geschwungene Schwerter, ein gerades, europäisches, und ein ge- bogenes, asiatisches; dieser Kampf ist jetzt entschieden worden und gibt dem geprüften Lande eine Mission des Aufbaues, für deren Erfüllung es alle Kräfte einzusetzen gewillt ist. Sie ist mehrfacher Art. Emma! gilt es, die völkische und kulturelle Ein- s ch m e l z u n g der stammverwandten O ft k a r e - li er, zum anderen, die Unterbindung jedes künftigen Versuchs, daß noch.einmal über Weißmeerhafen und Nordskandinavien eine raumfremde Macht nach dem Atlantik strebt, endlich die Erschließung der großen wirtschaftlichen Möglichkeiten dieser weiten Räume. Die Entschlossenheit und die Zuversicht, mit der Finnland die Lösung dieser ihm gestellten Aufgaben mitten im Kampf anpackt, verdient um so höhere Anerkennung, als es mit aller Deutlichkeit jede Verlockung von sich gewiesen hat, für augenblickliche Erleichterungen seiner großen Zielsetzung untreu zu werden.
Finnland kämpft und arbeitet trotz aller Note, und es will die Waffen nicht eher niederlegen, als bis ihm nationale Sicherheit, Volkstumsgrenze und Abwehrmöglichkeit gegen jede Gefahr aus dem Osten eindeutig verbürgt sind. So gleichartig im Grunde die Problemstellung für Nordeuropa ist, die sich aus seiner Lage und seinen Gegebenheiten wirtschaftlicher Natur ergibt, so verschieden ist die Einstellung, mit der die einzelnen Länder darauf reagieren. —ow-
Deutsche Lustangriffe im Suezkanalgebiet.
Berlin, 3. März. (DNB.) Wie da- Oberkom- mando der Wehrmacht mitteilt, griffen deutsche Kampfflugzeuge in der vergangenen Nacht im Rah- men eines größeren Einsatzes militärische Anlagen im Gebiet des Suez-Kanals an. Nach Ablauf
der totalen Mondfinsternis erreichten die Flugzeuge die befohlenen Ziele und belegten besonders den Flugplatz El Kab ri t am Südufer des Großen Bittersees mit Bomben stärkerer Kaliber. Die britische Abwehr wurde völlig überrascht. Bei klarem Licht des Vollmondes und wolkenloser Nacht erhielten die großen Flugzeughallen am Westteil des Platzes mehrere Bo mb eu Volltreffer. Starte Explosionen breiteten sich zu weitleuchtenden Bränden aus. Dichte Rauchschwaden legten sich über die Hallen und Rollfelder. An vielen Stellen konnten brennende Flugzeuge festgestellt werden. Auch zwei große
Berlin, 3. März. (DNB.) Der Führer ver- lieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Generalmajor Sanne, Kommandeur einer Leichten Division; Hauptmann Mertens, Kompaniechef in einem Infanterieregiment, und Oberfeldwebel Reinhardt, Zugführer in einem Infanterieregiment.
General Sanne warf am 26. Januar und an den folgenden Tagen die Sowjets, die mit starken Kräften gegen eine wichtige Bahnlinie vorgingen, zurück, wobei er selbst in vorderster Linie erkundend durch sein Vorbild seine durch unerhörte Be- anspruchung stark mitgenommenen Soldaten immer wieder zu fast übermenschlichen Leistungen hinriß. Generalmajor Werner Sanne wurde am 3. April 1889 als Sohn eines Gutsbesitzers in Berlin geboren. — Hauptmann Mertens verhinderte den Einbruch der Sowjets, die immer wieder mit starken Kräften gegen die Stellungen des Bataillons anrannten. Er war in dieser zähen, verbissenen Abwehr Rückgrat des Kampfes. — Oberfeldwebel Reinhardt hatte als Führer des Gefechtsvorpostens auf einer wichtigen Höhe schon zehn Tage lang mehrere starke nächtliche Angriffe der Sowjets abgewiesen. In den Morgenstunden des 18. Dezember wurde der Gefechtsvorposten von einer verstärkten Kompanie von Norden her angegriffen
Materiallager gingen m Flammen auf. Mehrere Benzindepöts explodierten. Der Angriff währte nicht länger als eine halbe Stunde. Rach Mitternacht waren auch die Hafenanlagen von Port, Said mit Bomben belegt worden. Volltreffer in unmittelbarer Nähe des Elekttizitätswerkes von Port Said richteten große Zerstörungen an. Ein Flugplatz i m N i l d e l t a bei Tanta wurde ebenfalls von den Luftangriffen überrascht. Es gelang den deutschen Flugzeugen, sich unbemerkt ihrem Ziel .zu nähern und in den Hallen wie auf der Startbahn Volltreffer zu erzielen.
und gleichzeitig von zwei Bataillonen aus nordwestlicher Richtung bedroht. Der deutsche Gefechtsvorposten brachte den Sowjets ungeheure Verluste bei. Im letzten Augenblick gelang es Reinhardt, vor der Uebermacht ohne eigene Verluste auf die Hauptkampflinie auszuweichen. Um die Höhe wieder zu gewinnen, ging er auf die linke Feindtruppe vor und eröffnete' mit nur einem Melder auf etwa 60 Bolschewisten das Feuer, die — völlig überrascht — unter großen Verlusten die Flucht ergriffen. Reinhardt stieß nun mit seinem Zuge gegen zwei Sowjetkompanien vor, die ebenfalls vertrieben wurden.
Das ZRiffcrfreuj
für eilten schneidigen Jagdflieger.
Berlin, 4. März. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: Leutnant Hans-Joachim Marseille, der als Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader sich in harten Luftkämpfen gegen die britische Insel und an der nord- afrikanischen Front als einsatzfreudiger Jagdflieger erwiesen und bisher 46 feindliche Flugzeuge abgeschossen hat.
Wo liegen die Grenzen Australiens?
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Wo die „großen" Staatsmänner den Mund vollnahmen, konnte Australien nicht Zurückbleiben. Cle» mcnceau hatte nicht nur den niederträchtigen Grund» satz aufgestellt, es gäbe 20 Millionen Deutsche zu viel, sondern auch den, die Grenzen Frankreichs lägen an der Weichsel, womit das ganze Deutsche Reich zum Machtbereich Frankreichs erklärt wurde. Baldwin verkündete, Englands Grenzen lägen am Rhein. Das hat den ehemaligen australischen Ministerpräsidenten Menzies am 9. Dezember 1939 zu dem 'Ausspruch begeistert: „Australiens wirkliche Grenzen liegen nicht hier, sondern am Rhein und an der Ostküste Englands." In Erfüllung dieser Idee hielt sich Menzies während dieses Krieges auch zumeist in England auf, wo Churchill einen Trompeter seines Ruhmes gebrauchen konnte, und dafür erschien ihm niemand geeigneter als der Ministerpräsident dieses Dominions. Menzies dirigierte die Kabinettsbeschlüsse in Canberra von London aus, er setzte australische Truppen überall dort ein, wo Churchill es befahl, während die Jnselbriten zu Haufe blieben. Hatten die Australier nicht schon im Weltkriege vor Gallipoli die dilettantische Strategie Churchills mit Hekatomben von Blut bezahlen müssen? Dies Opfer wurde jetzt wiederholt. Australische Soldaten kämpften auf dem Balkan und auf Kreta und wurden von deutschen Truppen entweder vernichtet oder können nun als Gefangene Deutschlands darüber Nachdenken, wo die Grenzen Austra- liens liegen. Australische Truppen kämptten m Nordafrika und mußten dort ihren Blutzoll für Churchill und die Jnselbriten abstatten. Australier kämpften in Hongkong und auf Malaya, in Singapur und überall dort, wo es brenzlich für die ßon*
leichte Kreuzer ,ch e Ruyter", 6470 Tonnen, der holländische leichte Kreuzer „Java", 6670 Tonnen. Ferner wurde festgestellt, daß der amerikanische Schwere Kreuzer, dessen Versenkung im Seegefecht bei Java früher gemeldet worden mar, der amerikanische Schwere Kreuzer „21 u g u st a" , 9050 Tonnen, war. Der holländische Kreuzer „be Ruyter", dessen Versenkung im Gefecht von Java gemeldet worden war, war in Wirklichkeit der Torpedojäger „T r o m p" , 3450 Tonnen.
Oer Aufmarsch gegen Zentralburma.
Schanghai, 3. März. (DNB.) Die seit etwa zwei 2Lochen an der burmesischen Front herrschende Waffenruhe wird in japanischen Militärkreisen mit den Vorberettungen zum zweiten Abschnitt der japanischen Offensive gegen Burma erklärt. Dec erste Abschnitt stellte die Besetzung des südlichen, etwa 1000 Kilometer langen Zipfels dar, der das Einfalltor nach Thailand und zur malaiischen Halbinsel bildete. Nach der Beseitigung dieser Gefahr habe der Aufmarsch gegen Zentralburma begonnen.
Schonan verändert sich.
Schanghai, 4. März. (DNB.-Funkfpruch.) Der Wechsel Schonans (Singapurs) aus einer englischen in die japanische Interessensphäre macht schnelle Fortschritte. Die ersten drei japanischen Handelsdampfer liefen bereits ein, die am Dienstag Waren für Japan zu laden begannen. Vorbereitungen für die Einrichtung eines Flugverkehrs zwischen Schonan und Japan zur Beförderung von Fahrgästen und Post sind im Gange. Inzwischen schreitet die Veränderung des Stadtbildes fort. Auf vielen Häusern weht heute bereits die japanische Flagge. Die Presseabteilung des japanischen Verkehrsministeriums veröffentlichte am Dienstag die erste Ausgabe der japanischen Zeitung „Schonan Schimbun".
Aus Furcht vor Aufständen.
Bangkok, 4. März. (DNB.-Funtspruch.) Nach Meldungen des burmesischen Rundfunks haben die britischen Behörden die gewaltsame Evakuierung der Inder aus Chittagong, einem Hafen an der Küste der indischen Provinz Bengalen, angeordnet, wo viele Inder, die aus Burma geflohen sind, sich angesammelt haben. Durch diese Maßnahme solt der Möglichkeit von Aufständen der Inder vorgebeugt werden, falls die Japaner Chittagong an greifen sollten. Außerdem wollen die Engländer die militärischen Geheimnisse schützen, da der Hafen jetzt als Marinestützpunkt benutzt wird.
Bolschewistische Angriffe auf der Krim und im Donezgebiei in erbitterten Kämpfen abgeschlagen
Oer Wehrmachibenchi.
DRV. Ausdem Führerhauptquartier, 3. TNärz. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der Krim und im Donezgebiet wurden starke, von Panzern unterstützte Angriffe des Feindes in erbitterten Kämpfen abgeschlagen. Durch unsere Luftangriffe aus die Stadt Kertsch und einen benachbarten Hafen entstanden größere Brände.
Auch an den übrigen Abschnitten der O st s r o n t scheiterten zahlreiche feindliche Angriffe. Eigene Angriffsunternehmungen brachten örtliche Erfolge.
Oie Schlacht in der Java-See.
Schanghai, 3. März. (Europapreß.) Kapitän Kamada, der Sprecher der japanifdkn Kriegsmarine, sprach noch einmal über die Seeschlacht von Java und gab dabei eine Schilderung der Kampfkraft der feindlichen Flotte, die vor allem für ihren schlechten Ausbildungsstand bezeichnend ist-„Es gelang den Japanern, fast die gesamten holländischen, amerikanischen, englischen und australischen Kriegsschiffsverbände, die im Südwestpazifik zusammengezogen waren, zum Kampf zu stellen. Auf 20 Kilometer Entfernung entspann sich das A r - tilleriegef echt, in welchem ine japanischen Kriegsschiffe die artilleristische Ueberlegenheit erzielten, die feindlichen Schiffe stark beschädigten und zum Teil schon außer Gefecht setzten. Nachdem die japanischen Einheiten ihre Feuerüberlegenheit völlig hergestellt hatten, preschten japanische Torpedobootszerstörer mit hoher Fahrt zum Torpedoangriff vor und erzielten Torpedotreffer, die das Schicksal der feindlichen Schiffe endgültig besiegelten. Dank der überlegenen japanischen Schießausbildung gelang dem Gegner nicht einmal ein sachgemäßes Erfassen des Zieles. Kamada erklärte, die feindlichen Schiffe hätten aus allen Rohren ungefähr 30 Salven auf die japanischen Seestreitkräfte
3n Nordafrika führten deutsche Sturzkampf- und leichte Kampfflugzeuge erfolgreiche Angriffe gegen britische Fahrzeugansammlungen und Zeltlager in der Marmarlca durch.
Der Hafen La Valetta auf Malka wurde fortgesetzt von deutschen Kampfverbänden mit Bomben belegt. Volltreffer in die Dockanlagen verursachten umfangreiche Zerstörungen und ausgedehnte Brände. Die Flugplätze der Insel wurden bei Tag und Nacht bombardiert.
Bei bewaffneter Seeaufklärung wurden im englischen Seegebiet ostwärts Dundee zwei britische Handelsschiffe durch Volltreffer schwer beschädigt.
abgegeben, von denen nur ein einziger Schuh getroffen und einen japanischen Zerstörer leicht beschädigt habe. Da der Abstand der beiden kämpfenden Parteien nur 20 Kilometer betragen habe, sei es geradezu unverständlich, daß der Gegner nicht besser getroffen habe. Ein Beweis für die ausgezeichnete Kampfkraft der japanischen Marine sei es auch, daß an dieser Seeschlacht von japanischer Seite nur Torpedoboote, also verhältnismäßig kleine Kampfeinheiten, teilgenommen hätten. Trotzdem sei die Niederlage des Gegners vollständig gewesen.
Ein Kommunique des japanischen Hauptquartiers berichtet, daß die feindliche Flotte in Ostindien in den Seegefechten von Soerabaja und Batavia in der Zeit vom 27. Februar bis l.März so gut wie vernichtet wurde. Sechs feindliche Kreuzer, sechs Zerstörer, sieben U-Boote, ein Kanonenboot und ein Minensuchboot sind versenkt worden, zwei Zerstörer gestrandet. Die sechs versenkten Kreuzer sind: der amerikanische Schwere Kreuzer „H o u st o n" , 9050 Tonnen, der britische Schwere Kreuzer „Exeter", 8390 Tonnen, der australische leichte Kreuzer „Perl h", 7040 Tonnen, der australische leichte Kreuzer .Hobart", 6890 Tonnen, der holländische
Das Mlerkreuz für tapfere Soldaten her Ostfront
Oie alte Llhr.
Anekdote von Ltto Anthes.
Lund in Schweden ist nicht nur eine Stadt der Jugend, indem sich dort eine weitberühmte Universität befindet, sondern auch eine Stadt der wunderlichen alten Leute. Denn alles, was sich in Schweden zur Ruhe setzt, sich von Amt und Dienst zurückzieht, einen stillen Lebensabend sucht, das zieht nach Lund. Es wimmelt dort von ausgedienten Offizieren, pensionierten Beamten und alleinstehenden alten Damen, die allesamt auf der Welt Gottes nichts anderes mehr zu tun haben, als ihren Liebhabereien und Sonderbarkeiten nachzuhängen.
So wohnte dort auch ein betagter Major, der schon früher, als er noch im Dienst mar, eine Leidenschaft für alte, schöne und merkwürdige Uhren gehabt hatte, ihr aber nun, da ihn keine Pflicht mehr ablentte, mit ganzer Seele unterworfen war. Er hatte schon eine stattliche Reihe von schönen und seltsamen Stücken zusammengebracht und war noch immer darauf aus, seine Sammlung zu vergrößern. Da er aber nicht Tag und Nacht zwischen seinen Uhren sitzen konnte, auch seine Leidenschaft selber ihn darauf hinwies, Verkehr zu suchen, so machte er die Bekanntschaft von allerlei Leuten, deren Lebenslage der {einigen ähnlich war, und traf auch mit einet Dame zusammen, die, nur ein paar Jahre jünger als er, Tochter eines längst verstorbenen höheren Offiziers, bescheiden aber behaglich die Zinsen eines kleinen Vermögens verzehrte. Als er zum ersten Male ihre niedliche Altjungfernwohnung betrat, entdeckte er alsbald auf der Kommode eine Uhr, die im Sturm sein ganzes Herz gefangen nahm. Es war ein wunderschön gearbeitetes Stück aus der Rokokozeit, mit Säulchen aus Marmor, einem reizend geschmiedeten Zifferblatt und Zeigern von einer Zierlichkeit, wie er sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. Und als er nun gar die geheimeren Künste des Werks kennengelernt hatte, da war sein Entzücken ohne Grenzen. Denn mit dem Uhrwerk war ein sinnreiches Spielwerk verbunden, das um sechs Uhr in der Früh ein soldatisches Wecken und um sechs des Abends einen Zapfenstreich von sich gab, während mittags um zwölf der
König Karl b^r Zwölfte aus einem Gehäuse trat und den Hut schwenkte. ,
Der Major war so angetan von dem wunderbaren Uhrwesen, daß er fast der anerzogenen Höflichkeit und der Dame selber vergaß.
Bis das Fräulein sagte: „Die Uhr gefällt Ihnen wohl?"
Da kam er zu sich, nahm sich zusammen, um nicht seine ganze Begeisterung zu verraten, und erwiderte mit gemäßigter Anerkennung: „O ja, es ist ein ganz nettes Stück."
Und fing auch schon an, in seinem Innern Pläne zu schmieden, wie er in den Besitz des Wunderwerks gelangen könne. Da das Fräulein ein Langes und Breites zu erzählen wußte von der Anhänglichkeit, die sie zu der Uhr empfände, weil sie ein Familienerbstück schon aus der Zeit ihres Urgroßvaters wäre, so wußte der Major aus alter Erfahrung, daß er nicht mit der $ür ins Haus fallen unb nicht etwa verraten dürfte, daß er selbst nach dem Erwerb strebe. Er hatte aber einen alten Trödler an der Hand, der ihm schon öfter bei derartigen Gelegenheiten geholfen hatte. Der wußte sich unter einem Vorwand im Haus der Dame zu schaffen machen, dabei wie von ungefähr die Uhr sehen und sie zu kaufen versuchen. Das Fräulein indes wies den Gedanken eines Verkaufs beinahe mit Entrüstung zurück. Und obgleich der Händler, nach Rücksprache mit dem Major, verschiedentlich wieder kam und sein Gebot erhöhte, blieb sie dabei, daß sie die Uhr bis ans Ende ihres einsamen Lebens oehalten wolle.
Während dies hintenherum spielte, besuchte der Major seinerseits ebenfalls das Fräulein, so oft er schicklicherweiie konnte, um den Gegenstand seines heißen Verlangens wenigstens zu sehen. Uyd während seine Gier, die Uhr zu besitzen, schier ins Krankhafte stieg, lieh er es sich zugleich gefallen, daß das Fräulein nach der Art älterer und gut- herziger Weiber ihn ein wenig zu betreuen und mit kleinen Sorglichkeiten zu verwöhnen begann. Aus diesem Nebeneinander von Verlangen und Behütetsein aber erwuchs ihm plötzlich in einer schlaflosen Nacht, da er wieder über die Möglichkeiten brütete, zu (einer Uhr zu kommen, der verzweifelte Ent
schluß: Ich werde sie heiraten, bann habe ich meine Pflege und krieg die Uhr umsonst dazu.
Gesagt, getan. In den nächsten Tagen rückte er dem Fräulein sachte mit aller aus früheren feiten hervorgeholten Ritterlichkeit näher, und da sie sich durchaus nicht ablehnend verhielt, so brachte er eines schönen Tages in der Dämmerung seine Werbung vor, die auch mit verschämtem Entzücken angenommen wurde.
Nun betrieb er, was bei einem Manne seines Alters ja auch nicht auffallen konnte, die Vorbereitungen zur Hochzeit mit solchem Eifer, daß sie schon nach kurzer Zeit vor dem Altar standen. Er konnte es kaum erwarten, daß der Pastor sein Amen spräche, und drängte bann auf schleunige Rückkehr in bie Wohnung seiner Frau, wo im kleinsten Kreise — nur bie Zeugen und der Pastor waren geloben — ein trauliches Hochzeitsmahl statt- finben sollte. Aber wer beschreibt seinen Schrecken, als er eintretenb ben wohlbekannten Platz auf ber Kommobe leer fand.
„Wo ist benn bie Uhr?" fragte er tonlos.
Da lehnte sich seine Frau schämig miber ihn, unb inbem sie ihr Gesicht an feiner Schulter versteckte, flüsterte sie: „Die hab ich dem Händler verkauft, ber sie schon immer haben wollte. Ich wußte nicht, wovon sonst ich meinen Hochzeitsstaat bezahlen sollte, unb mußte mich boch für dich unb diesen Tag so schön wie möglich machen." — Und als er sprachlos blieb, setzte sie hinzu: „Du hast ja auch von solchen alten Stücken so viele, daß es auf eins mehr ober weniger nicht ankommt."
Da sah er seine Frau an, unb inbem er daran dachte, baß ber Hänbler bie Uhr ja für ihn selbst gekauft hatte, sagte er, minber boshaft auf sie als auf sich selbst gestimmt: „5a, nun habe ich eigentlich eins zu viel von ben alten Stücken."
„Wieso?" fragte sie.
Im selben Augenblick aber trat ber Pastor hinter ihnen ein. Er hörte nur, daß ber Major „zu viel" sagte, unb in ber Meinung, baß jener bamit ben Ueberschwang seines Glückes ausbrücken wolle, versetzte er mit feierlichem Nachbruck: „Ja, meine Verehrten. wen der Herr lieb hat, dem gibt er im Uebersluß."
So sah Dante aus.
„Das Kinn war lang, er hatte eine Ablemase, große Augen, hervorstehenbe Backenknochen, unb dis Unterlippe war vorgeschoben", — so lautet Boccaccios Beschreibung von Dante, die uns eilt Bild des großen Dichters der „Göttlichen Komödie im vorgerückten Alter malt, mit großen, durch vieles Studium müden Augen und eingefallenen Wangem von Leid gezeichnet. Diese Züge trägt ein kürAich in Forli entdecktes Medaillon, das man nach gewissenhafter Prüfung jetzt als Bildnis Dantes bestimmt hat.
In einem unterirdischen Gang des alten Palazzo des Geschlechtes der Reggiani in Forli wurde dieses kostbare Medaillon ausgefunden. Die sorgfältige Ausführung verrät die Hand eines bedeutenden Künstlers: Agostino di Duccio, dem Schüler Dona- tellos, hat man die Terracotta-Arbeit zugewiesen, der sie im ersten Viertel des Quattrocento oerfertigte, als der Dante-Kult auch in Forli zahlreiche Verehrer fand. Leider ist das Bildnis nur als Bruchstück auf uns überkommen. In einer gelieferten Umrahmung sehen wir den Kopf des Dichters, mit einem Lorbeerzweig gekrönt. Das Profil erstreckt sich bis zum Kinn; Die untere Hälfte des Medaillons fehlt. Wahrscheinlich diente es als Schmuck über einer Tür, wie auch aus der Größe (37 cm Durchmesser) unb der Behandlung des Grundes, auf plastische Wirkung ^gearbeitet, zu entnehmen ist.
Dantes Liebe zur Romagna, ,Ja dolce terra la- tina“, ist bekannt. In seiner Dichtung klingen Namen unb Orte jener Lanbschaft an, ja sogar ber Dialekt von Forli war bem Dichter bekannt. Wie oft unb wie lange Dante sich in Forli aufhielt, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, zweifellos war jeboch sein Aufenthalt in jener Stabt nicht kurz. Mehrmals weilte er bort als Gast bei Scarpetta beglt Drbe- lasst della Casata, dem Haupt der Ghibellmen, der den großen Florentiner in Ehren aufnahm. Aus bem Jahre 1310 stammt jener berühmte Brief Dantes, den er von Forli aus an den G-angranoc della Scala in Verona richtete, in dem er alle Fürsten' Italiens aufruft, den deutschen Kaiser Heinrich VII. anzuerkennen. M. M


