richten in polnischer Sprache brachten. Mortiß hatte auch noch zur Weiterverbreitung dieser Nachrichten unter Polen beigetragen. Das Sondergericht Klagenfurt verurteilte die 35jährige Theresia Karpf, geb. Heranig, zu fünf Jahren Zuchthaus, weil sie zusammen mit dem 37jährigen Franz Karpf ausländische Hetzsender abgehört und die abgehörten Nachrichten weiterverbreitet hatte. Franz Karpf, der weniger schwer belastet war, wurde zu 214 Jahren Zuchchaus verurteilt.
Kunst und Wissenschast.
Der Veil-Sloß-Preis.
Generalgouverneur, Reichsminister Dr. Frank verkündete bei der (Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung in K r a k a u die Verleihung des Veit-Stoß-Preises Les Generalgouvernements, der zum erstenmal vergeben wird. Seine Träger sind für Malerei: Karl Chr. K l a s e n (Rostock), Karl Walther (München), Werner S e i p p e l (Neu-Isenburg) und zugleich Otto W e st p h a l (Rudolstadt-Dresden). Alle sind Angehöriger der Wehrmacht. Dasselbe gilt für die meisten der anderen Künstler, die mit Anerkennungen bedacht worden sind. Für Graphisches Schaffen wurde ein 1. Preis Erich Feyerabend Stuttgart) zuerkannt, ein zweiter Richard D u • e k (Berlin) und Hans I ü ch f e r (Dresden), ein tter Helm'tth Heinfohn (Krakau). Unter den Architekten wurden mit dem 1. Preis A. W i t t - mann (Radom) und mit je einem zweiten Haas und Dr.-Jng. Stahl (beide Krakau) bedacht. Ferner wurden anerkennend erwähnt fjans (Safener, Bühnenbilder am Staatstheater Krakau, und Herbert Kuehn (Radom) für fein Relief für das neue Verwaltungsgebäude der Diftrikthauptstadt Radom.
hochfchulnachrichlen.
Der Honorarprofessor an der Universität Berlin, Dr. Heinrich Rogge, wurde zum o. Professor für Völkerrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Graz ernannt. Rogge ist der Verfasser des viel beachteten Werkes „Rationale Friedenspolitik" und anderer völkerrechtlicher Schriften. 1886 in Fürstenwalde geboren, studierte er in Grenoble, München und Berlin und wurde 1936 beauftragt, an der Universität Berlin das Völkerrecht und die Rechts- phllofophie in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. 1937 wurde er Honorarprofessor. — Dozent Dr. rer. pol. habil. Max Witt, Oberregierungs- rat im Reichsernährungsministerium, wurde beauftragt, den an der Universität Jena frei gewordenen Lehrstuhl für Tierzuchtlehre und Milchwirtschaft vertretungsweise wahrzunehmen. Witt ist 1899 geboren, studierte in Rostock und Güttingen, wurde 1923 Assistent am Tierzuchtinstitut der Universität Göttingen, übernahm 1924 die Leitung einer Lehrwirtschaft der Lüneburger Herdbuchgesellschaft und promovierte 1926 in Göttingen. 1927 bis 1929 war er Assistent am Tierzuchtinstitut der Universität Halle, 1930 übernahm er die Leitung der Melkerschule in Berkow, habilitierte sich 1938 in Halle und wirkt als Referent für Tierzucht im Reichs- minifterium für Ernährung und Landwirtschaft. — Der o. Professor an der Universität Königsberg, Dr. Gerhard Schiedermaier, wurde auf den frei gewordenen Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht und Zivilprozeßrecht an der Universität Frankfurt berufen. Schiedermaier wurde 1906 in Marburg geboren. Er promovierte in Bonn, habilitierte sich ebenda, wurde 1935 mit der oertretungsweisen Wahrnehmung einer Professur in Gießen beauftragt und übernahm 1936 die Vertretung der an der Handelshochschule Königsberg freigewordenen Professur für Rechtswissenschaft, die ihm 1937 unter Ernennung zum a. o. Professor übertragen wurde. 1940 wurde er o. Professor an der Universität Königsberg. — Der Ordinarius für Chemie an der Universität Jena, Professor Dr. Adolf Sieverts, ist auf feinen Antrag von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Sieverts wurde 1874 in Hamburg geboren. Er promovierte in Göttingen, habilitierte sich 1907 in Leipzig, wurde 1916 Sektionsleiter am Kaiser-Wllhelm-Jnstitut für physikalische Chemie in Berlin-Dahlem und 1919 a. o. Professor in Greifswald. 1923 siedelte er nach Frankfurt a. M. als Vorsteher der anorganischen Abtei- (ung am Chemischen Institut über. Seit 1927 lehrte er in Jena. Sein Spezialgebiet ist anorganische Chemie. — Der Dozent Dr. phil. habil. Franziskus Petri ist zum ordentlichen Professox an der Universität Köln für mittlere und neuere' Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Niederlande ernannt worden. Petri wurde 190# in Wolfenbüttel geboren und habilitierte sich 1937 in Köln. Er ist Direktor des Deutsch-Niederländischen Instituts.
Aus der Stadi Gießen.
Schreie aus den Lüsten.
Auf allen Wegen in FeD und Flur liegt nun welkes, raschelndes Laub. Weithin hat der Wind die losen Blätter gewirbelt. Hier und da liegen sie zuhauf, und die Kinder laufen mit Vorliebe und Eifer hindurch, weil es so schön knistert und rauscht. An einem schönen, sonnigen Herbsttag wandert es sich noch einmal gut da draußen, und die Sonne vergoldet alles Abschiedsweh -und kündet vom baldigen Wiedererwachen allen Lebens, allen Seins. Noch aber herbstet es über allen Wäldern und Weiten unaufhaltsam und unabänderlich. Frühnebel ziehen und brauen. Und laut klingen noch in der Luft die Wanderschreie südwärts ziehender Vogelscharen.
Wildgänse wandern! In langen Zügen reisen sie aus dem Norden in wärmere Länder, und nichts verkündet uns unmißverständlicher, daß es nun wirklich winterliche Zeit wird. Rauh und hart klingen ihre Rufe durch den'Tag, durch den sinkenden Abend, durch die sternenfunkelnde Nacht. Wilb- gänfe ziehen gen Süden: trauriger Klang. Sie kommen aus einsamen wasser- und sumpfreichen Gebieten Nord- und Mitteldeutschlands und wollen nun im wärmeren Süden bis zum Vorfrühling chre Winterquartiere beziehen. Braungrau leuchtet ihr Feuerkleid in den Lüften.
In wenigen Monaten werden sie wieder gen Norden ziehen. Nichts soll uns dann mehr erfreuen, wenn wir ihren Ruf im ersten Frühling als einen Vorklang des neu erwachenden Lebens in der Natur wieder vernehmen.
Kür Ütapfttfeit vor dem Keinöe.
Der Obergefreite Jakob Vernarb aus Gießen, Kornblumengasse 8, wurde für Tapferkeit bei den Kämpfen im Osten mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Vortragsreihe der OAK.
Die Hauptstelle für Berufserziehung und Betriebsführung der Kreiswaltung Wetterau der Deutschen Arbeitsfront veranstaltet, veranlaßt durch die erfreulichen Ergebnisse der gleichen Veranstaltungen im vorigen Winter, im Winterhalbjahr 1942/43 wiederum eine Vortragsreihe für Betriebsführer, betriebliche Unterführer und leitende Angestellte. Zu dieser Vortragsreihe, zu der in einer Anzeige am vorigen Samstag ein geladen wurde, sind die Anmeldungen bis zum 6. November bei der DAF.- Kreiswaltung Wetterau in Gießen abzugeben.
Die Vortragsreihe wird wiederum im Großen Hörsaal der Ludwigs-Universität durchgeführt werden. Vis jetzt find die nachgenannten Vortragenden gewonnen worden: Professor Dr.-Jng. Sachsen- berget von der Technischen Hochschule Dresden, der über ,Leistungsforschung" (Methodik und Erfolge) sprechen wird; Professor Dr. jur. Klau- fing, Direktor des Instituts für Arbeits- und Wirtschaftsrecht der Deutschen Karls-Universität in Prag, mit dem Thema „Aufgaben des Betriebsführers und seiner leitenden Mitarbeiter in der nationalsozialistischen Sozial- und Wirtschaftsordnung"; Professor Dr.-Jng. Karl W. Hennig von der Technischen Hochschule Hannover, der über „Maßnahmen zur Materialeinsparung und Ausschußbe- fämpfung" referieren wird; Professor Dr. Hische, Hannover, mit dem Thema „Leistungssteigerung des Jugendlichen im Betrieb, sein Leistungs- uno Persönlichkeitsbild als Grundlagen für die Entfaltung feiner Kräfte"; Professor Dr. Aul er vom Institut für Wirtschaftswissenschast der Ludwigs- Universität Gießen mit dem Thema „Rentabilitätsund Leistungsdenken in der Betriebswirtschaft".
Neben den Betriebsführern werden zu dieser Vortragsreihe auch alle betrieblichen Unterführer und leitenden Angestellten erwartet. Die Vortragsreihe wird am 12. November beginnen.
Der Landdienst der Hitler-Jugend.
NSG. Der Landdienst der Hitler-Jugend will durch sein Beispiel die gesamte deutsche Jugend auf die Kräfte und Werte des Landes Hinweisen und sie auf das Bauerntum ausrichten. Er will einen Teil der in den Städten lebenden Jugend fyr den praktischen Einsatz in der Landwirtschaft gewinnen und eine möglichst hohe Zahl seiner Angehörigen beruflich mit der Arbeit und dem Leben auf dem Lande verbinden.
Einer kleinen Auslese der Tüchtigsten wird durch ihn die Möglichkeit verschafft, als Neubauern auf eigenem Grund und Boden ihre Existenz zu finden. So sieht die Hitler-Jugend im Landdienst nicht allein eine Frage des Arbeitseinsatzes und der Be-
Kampf der Tuberkulose!
Volksröntgenkataster kommt im Kreise Wetterau.
Die Tuberkulose stellt auch heute noch einen der schlimmsten Volksschäden bar. Jeder siebente Mensch stirbt durchschnittlich an der Tuberkulose. Kriege sind bisher immer Veranlassung zu einer erheblichen Steigerung der Tuberkulose-Sterblichkeit gewesen. Im jetzigen Kriege ist es bisher gelungen, die Tbc-Erkrankungen in mäßigen Grenzen zu halten, aber trotzdem haben wir allen Grund, der Vorbeugung gegen die Tbc unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
Dabei müssen wir wissen, daß Tbc ausschließlich durch kleine Spaltpilze, die Tuberkulosebazillen, übertragen wird. Ohne Tbc-Bazillen gibt es keine Tuberkulose. Die Krankheit wird also nicht mit dem Erbgut vererbt von Geschlecht zu Geschlecht, vielmehr erfolgt in tuberkulösen Familien die Ansteckung der Kinder durch Eltern und Großeltern früher und häufiger als in anderen Familien, außerdem ist für die höhere und geringere Empfänglichkeit und Widerstandsfähigkeit die Erbanlage mitbeftimmenb. (Disposition.) Wenn es uns also gelingt, bie Ansteckung ber Menschen zu verhüten, werben auch bie Menschen mit höherer Empfinb- lichkeit unb schlechterer Wiberstandsfähigkeit, bei benen das Leiben schicksalhaft zum frühen Tobe führt, vor ber Tuberkulose geschützt werben können.
Die Uebertragung erfolgt ausschließlich durch bie Ausscheibungsstoffe von tuberkulosekranken Menschen unb Tieren, also burch Hustentröpfchen unb Auswurf (Sputum), burch Urin, Stuhlgang unb Eiter. Die Tuberkelbazillen brauchen einen Wirt, in bem sie leben unb sich ernähren. Die Weiterverbreitung ber Tbc wäre also einfach badurch zu verhindern, baß alle Ausscheiber von TuberkÄ- bazillen so lange abgefonbert werben, als sie Ansteckungskeime ausscheiben. Diese Bekämpfungsmethode wenden wir bei allen anderen übetragbaren Krankheiten mit Erfolg an.
Bei der Tbc ist die Auffindung der Bazillenausscheider erschwert, weil viele Kranke vom Bestehen ihrer Krankheit gar nichts wissen, weil sie sich in den ersten Anfängen der Krankheit gar nicht krank
fühlen. Es ist aber auch im dringenden Interesse ber Kranken gelegen, baß bie Krankheit schon in ben allerersten Anfängen feftgeftellt wirb, weil sie bann fast mit Sicherheit heilbar ist, währenb bie Aussichten auf Heilung immer schlechter werben, je länger sich die Krankheit schon im Körper aus- breiten konnte. Häufig ist es schon zu spät, wenn der Kranke selbst seine Krankheit entdeckt und erkennt.
Darum müssen wir bie tuberkulosekranken Bazillenausscheider suchen. Die unerkannten Bazillenausscheider haben ihren Krankheitsherd fast stets in der Lunge. Diese Krankheitsherde entziehen sich dem Nachweis durch die üblichen ärztlichen Untersuchungsmethoden des Behorchens und Beklopfens des Brustkorbs, sie find fast stets mit Sicherheit durch die Röntgenuntersuchung nachweisbar. Das "beste Suchoerfahren für alle tuberkulösen Bazillenausscheider ist darum ber sog. Volksröntgenkataster, worunter man bie Röntgenmusterung ber gesamten Bevölkerung versteht. Der Röntgenkataster ist bis (Srynblage einer planmäßigen Tuberkulosenbekämpfung. Durch bas Schirmbilbverfahren nach Professor Hohlfelber (Frankfurt a. M.) ist es möglich, Hunberttaufenbe von Menschen in kurzer Zeit und mit verhältnismäßig geringem Aufwanb ber Röntgenuntersuchung zu unterziehen unb so die unbekannten Tuberkelbazillenausscheiber herauszufinden. Natürlich muß bann für ärztliche Behandlung uno Heilung der Kranken gesorgt werden und die nötige Bettenzahl in Krankenhäusern unb Heilstätten zur Verfügung stehen.
In unserem Kreise werben gegenwärtig bie Vorbereitungen zu bieser Maßnahme getroffen. Nach ben bisherigen Erfahrungen in anberen Kreisen (Wefalen, Mecklenburg unb Baben), in benen ber Röntgenkataster ganz ober teilweise schon burch- gefübrt ist, bars man erwarten, baß sie auch hier bie Volksgenossen diese bedeutsame volksgesundheitliche Maßnahme mit freudiger Erwartung begrüßen werden.
rufslenkung, sondern der Landdienst ist für sie im tiefsten Sinne des Wortes eine politische Aufgabe.
Gloria-Palast: „Weiße Wäsche''.
Das ist eine norddeutsche Kleinstadtgeschichte aus der Zeit, als man das Kino noch Kinematogravhen- theater nannte/ und es ist eine der hübschesten Szenen darin, wenn sich der Film von heute über seine Anfänge von damals lustig macht. Aber das ist nur eine Episode; bie Hauptsache ist die Geschichte eines Musikanten, der in eine Wäscherei einheiratet und sich da, obwohl die Eheleute sich lieben, so wenig wohl fühlt, daß die drohende Krise erst überwunden ist, als der Mann in ben Beruf zurückkehrt, für ben er geboren ist. Da kann er wirklich etwas leisten, während er in der Wäscherei feiner lieben Frau nur auf dumme Gedanken kommt unb ziemlichen Unfug anrichtet. Darum herum entwickeln sich allerlei heitere und ernstgemeinte Verwirrungen: ein kleinstädtisch-idyllischer Sturm im Wasserglase, den der Berliner Komiker Paul Heidemann in Szene gesetzt hat: mit allerlei spaßigen Einfällen, wenn auch mehr aus- malend als dramatisch und mit einer gewissen nieder deutschen Behäbigkeit, die sich in Worten und Werken Zeit läßt. Motive einer Komödie von Paul S ch u r e k lieferten die Grundlage des von Edgar Kahn bearbeiteten Drehbuches von Felix von E ck a r b t. In ber Hauptrolle bes Musikanten, ber mit weißer Wäsche fein Glück hat, sieht man Harald Paulsen, ber feine scharfe Charakterisierung auch bieser halbkomischen Kleinstabtfigur angedeihen läßt. Carla R u ft ist seine knusprige, resolute Frau. Das berbbroüige zweite Paar spielen Günther Lüders unb Erika Helmke. Vom übrigen Ensemble oerbienen Käte Alwing, Alfreb Maack, Fritz H o o p t s und Albert F l o r a t h hervorge- hoben zu werden. — Im Vorprogramm sieht man die neue Wochenschau und einen in erster Linie die weiblichen Besucher interessierenden Kulturfilm „Seinen aus Kortryk". Hans Thyriot.
Gießener Docheumarktpreise.
* Gießen, 3. Nov. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Wirsing, 14 kg 8 bis 10 Rpf., Weißkraut 4 bis 8, Rotkraut 9, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 12, Römischkohl 10, Felbsalat 47 bis 50, Lauch 15, Sellerie 16, Enbivien, bas Stück 8 bis 10, Rettich 5 bis 10 Rpf.
Milch, Butler und Käse ohne Marken.
Der Lebensmittelhändler Hal der Volksgemein, fchast gegenüber lreuhänderifche Pflichten.
Lpd. Prüfungsbeamte des Landesernährungsamtes stellten Ende Mai 1942 in bem Butter-, Milch- und Käfegefchäft ber Eheleute Otto Häu - fer in Watzenborn-Steinberg bei Gießen erhebliche Unstimmigkeiten in ber laufenben Abrechnung der Lebensmittelkartenabschnitte fest. Verantwortlich hierfür war bie Ehefrau Marie Häuser, bie das Geschäft in Abwesenheit ihres Mannes führte unb sich nun wegen Kriegswirtschaftsverbrechens vor bem Sonbergericht Darm« stabt zu verantworten hatte. Sie täuschte laufend bie Bürgermeisterei über die Menge ber von ihr abgegebenen Bestellscheine für Vollmilch, Butter und Käse, inbem sie auf ben Sammelumschlägen regelmäßig Bezugsmengen vermerkte, die ben tatsächlichen Inhalt überschritten. In anberen Fällen mischte sie unter Butter- unb Käsebestellscheine Quarkabschnitte, bie sie burch Ueberftempelung ober auf andere Weife unleserlich machte. Da sie durch ihre Täuschungen unb den Mißbrauch bes ihr geschenkten Vertrauens in wieberholten Fällen Bezugscheine in bem vorgetäuschten Ablieferungsumfang erhielt, gelang es ihr, von Dezember 1941 bis Mai 1942 über 2000 Liter Vollmilch, mehr als 250 Kilogramm Butter und 49 Kilogramm Käse unrechtmäßig zu beziehen und an Geschäftskunden oder andere ihr näherstehende Personen markenfrei abzugeben.
Wegen dieser kriegswirtschaftlichen Bedarfsdeckungsgefährdung, zugleich aber auch wegen Zuwiderhandlung gegen bie Verbrauchsregelungsstraf- verorbnung würbe die Angeklagte zu 1 Jahr und 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. Die Verletzung der treuhänberifchen Pflichten bes Le- bensmittelhänblers ber Volksgemeinschaft gegenüber erforbert eine harte Strafe für bie bisher gut beleumundete Täterin. Strafmilbernd allerdings kam auch in Betracht, baß bie Angeklagte infolge man- gelnber Geschäftserfahrung ben Aufarbeitungen nicht ganz gewachsen war unb besonders leicht ben unberechtigten unb ungesetzlichen Wünschen ihrer Kuub- schaft auf Lieferungsbevorzugung erlegen ist.
Verdunkelungszeil:
3. November von 17.50 bis 6.53 Uhr.
Ein Mann rechnet ab
Roman von Horst Biemath
40. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.) .
„Was sagen Sie zu Brackmanns Erklärung?" frage er schließlich unb schob ben Block zur Seite; aber er nafjm ihnen bie Antwort ab: „Psychologisch ist sie ganz reizvoll, unb sie klingt auch gar nicht unwahrscheinlich. Aber lieber als solch gefährliche Psychologie wäre mir ein einmanbfreies Alibi, mit dem Brackmann Nachweisen konnte, baß er um elf Uhr ins Hotel zurückgekehrt ist."
Er begann mieber mit bem Lineal zu spielen, in dessen vernickeltem Rücken er fein Gesicht suchte, um es burch leichte Biegungen bes spiegelnben Metalls zu grotesken Fratzen zu verzerren. „Finben Sie es nicht merkwürbig, baß Brackmann gerabe in bieser Stunbe bie Hinterpsorte des Hotels benutzte, wo alles barauf angekommen wäre, ben Vordereingang zu wählen?"
„Das können nur Sie merkwürbig sinben, Don Santacilla!" sagte Forester wütend. „Aber nehmen wir einmal an, Brackmann könnte tatsächlich ein paar Zeugen beibringen, bie ihm bestätigen mürben, daß er um Punkt elf bereits im Bett lag, bann wette ich mit Ihnen, Sie würben es merkwürbig finben, daß Brackmann so auffällig darüber Bescheid weiß, wann er das Hotel betreten hat. »Sehen Sie denn jedesmal nach ber Uhr, wenn Sie burch eine Tür gehend würben Sie fragen."
„Vielleicht —", gab Santacilla mit einem Achselzucken zu.
„Glauben Sie Brackmann ober glauben Sie ihm nicht?" rief Karen heftig.
„Diese Frage ist für mich bebeutungslos, Senorita Orgassa. Für Sie mag sie ausschlaggedenb sein. Ich kann mich nicht von Sympathien leiten lassen. Das Grunbelement meines Berufes ist ber Zweifel."
Forester knurrte, als würbe ihm von solchen Sprüchen übel.
„Der Zweifel —", sagte er mit bösem Lachen, „ich habe davon bisher nichts gespürt. Im Gegenteil, ich
habe bas Gefühl, daß Sie froh find, Brackmann glücklich gefaßt zu haben, unb nun nichts anberes versuchen, als mit allen'Mitteln ben Strick für ihn zu brehen." Santacillas Gesicht lief rot an, aber Forester ließ sich burch seine Entrüstung nicht aufhalten: „Bitte Don Santacilla, bis jetzt habe ich vergeblich barauf gewartet, baß Sie auch nur für einen Augenblick auf den Einfall gekommen wären, barüber nachzubenken, ob nicht vielleicht boch ein Dritter feine Hanb im Spiel haben könnte."
„Sie irren, Doktor Forester", sagte Santacilla scharf. Er öffnete bie Schreibtischschublabe unb hob eine leicht verdrückte Kugel empor. „Don bem Augenblick an, als mir ber Gerichtsarzt biese Kugel übergab unb ich in Brackmanns Besitz nur bie Mauserpistole fanb, habe ich bie Möglichkeit sehr genau in Betracht gezogen, bafe ein anberer ben löblichen Schuß abgegeben haben könnte."
Karen sah auf bas kleine Projektil, bas Santacilla vorsichtig zwischen Daumen unb Mittelsinger hielt unb nachdenklich betrachtete.
„Ist das die Kugel, mit ber Gonzales erschossen würbe?" fragte sie leise.
Santacilla nickte. „Kaliber 6,35 ...", er zögerte sekundenlang. „Merkwürdigerweise konnten wir ttotz angestrengten Suchens die Patronenhülse nicht finben." Er sah Forester an. „Was hat bas zu bedeuten?",
„Ist Gonzales tatsächlich vor seinem Hause erschossen worden?"
„Sie wollen damit andeuten, daß Gonzales an einem anderen Ort getötet unb bann erst zu seinem Hause geschafft* roorben fein könnte, nicht wahr?" Santacilla nickte Forester zu, als spenbe er ihm für diese Theorie ein Lob. „Es war auch mein erster Gedanke. Aber es ist ganz unzweifelhaft, baß ber tödliche Schuß Gonzales an ber Stelle traf, wo wir ihn fanben. Was ergibt sich daraus?"
Forester kniff die Augen zusammen unb starrte auf die aufblitzenbe Kugel, bie Santacilla zwischen ben Fingern brehte.
„Daß der Täter bie Patronenhülse an sich genommen hat...", sagte er langsam.
„Was für ein Interesse hätte Brackmann wohl
daran gehabt, die Hülse beisettezuschaffen?" fragte Santacilla.
,Lch weiß nicht, weshalb Sie immer wieder auf Brackmann zurückkommen!" stieß Forester gereizt hervor. „Beschäftigen wir uns boch einmal mit einem Unbekannten ..."
„Beantworten Sie mir meine Frage!" sagte Santacilla ein wenig ungebulbig.
„Was für ein Interesse sollte Brackmann baran gehabt haben, bie Hülse wegzuräumen. Ueberhaupt Feins! Ich sehe nicht ein, was er bamit bezwecken wollte ..."
„Ich nämlich auch nicht", geftanb Santacilla mit einem Seufzer. „Es bleibt also die Frage zu beantworten, welchen Zweck der angenommene unbekannte Täter mit ber Mitnahme ber leeren Hülse verfolgt haben kann."
Forester preßte bie Fingerspitzen gegen seine Stirn.
„Wenn bie Kugel, die Sie da in ber Hanb halten, nicht gefunben worben wäre, Don Santacilla — bann wäre Brackmanns Schicksal enbgültig besiegelt, nicht wahr?"
„Höchstwahrscheinlich ...", gab Santacilla zö- gernb zu.
Karen beugte sich mit einem Ruck vor. Ihr Gesicht glühte plötzlich.
„Weiter, Frank, weiter!" sagte sie atemlos und mit einer Haltung, als sei sie bereit, ihm die Schlußworte einzusagen, wenn er stocken sollte.
„Die Kugel wurde aus nächster Nähe abgefeuert. Der Täter hoffte, daß ihre Durchschlagskraft groß genug fein würde, um die Schädelbecke zu burch- schlagen, unb er hoffte ferner, baß es unmöglich sein würbe, sie aufzusinden. Einzig unb allein die Patronenhülse könnte ihm zum Verräter werden. Folglich hob er sie auf, bevor er ben Tatort verließ. So unb nur so allein mußte ber Verdacht, die Tat begangen zu haben, auf Brackmann fallen ..."
„Wissen Sie, was Sie dabei voraussetzen?" fragte Santacilla.
„Natürlich weiß ich bas!" antwortete Forester erregt, feine Worte überstürzten sich. „Ich setze babei voraus, baß der Täter über Brackmanns Absicht, Gonzales zu töten, unterrichtet war. Unb wer war
außer uns beiden darüber unterrichtet?" Er sah Karen triumphierend an.
„Ciquita Perano!" stieß sie hervor, „niemand anders!"
Santacilla hob die Hand. Sie fuhr empor wie bas Haltezeichen an einem Sigualnvaft ber Eisenbahn.
„Kaliber 6,35!" brüllte Forester. „Wo schießt hier ein Mann mit solch einer Spielzeugpistole, wo ber 9-Millimeter-Colt bie übliche Waffe ist?"
„Warten Sie, zum Teufel!" schrie Santacilla und sprang auf. „Ihr fabelhafter Beweis hat nämlich einen Haken, unb ber ist groß genug, daß Sie sich daran'aufhängen können. Wollen Sie mir bitte die Gründe derraten, bie Mabame Perano veranlaßt haben sollen, ihren langjährigen Freund unb Liebhaber uieberzuknalleu, he?" ,
„Haben Sie noch nie davon gehört, bafe eine Frau ihren Liebhaber umgebracht hat?" fragte Forester höhnisch unb nicht im geringsten beeinbrudt. ,Le älter bas Verhältnis war, bas bie beiben miteinander hatten, um so mehr Grunb werden sie gehabt haben, sich bis zum Ueberbrufe satt zu haben —"
„Theorie — Theorie —!" gab Santacilla barsch zurück unb bewegte bie Hanb, als klingele er mit einer Glocke, um Forester zur Drbnung zu rufen.
„Aber wenn Sie nun einmal annehmen wollen, Don Santacilla", fiel Karen ein, bafe Brackmann ba'mals wirklich burch ein nieberträchtiges Zusammenspiel von Gonzales unb Ciquita Perano verurteilt worben ist —"
„Sehr richtig, jetzt bekommen Sie was zu hören, was Hanb und Fuß hat, Don Santacilla!" rief Forester hingerissen dazwischen.
„— bann dürfen Sie auch annehmen, daß jenes Verbrechen auf Buena Esperanza nicht bas einzige geblieben ist, bas bie beiben miteinander ausgeführt haben. Unb so betrachtet, kann ich es mir gut vorstellen, baß auch zwischen Gonzales unb Ciquita Perano eine Gemeinschaft bestaub, deren Kitt die Furcht voreinander war, bie Furcht vor Verrat nämlich, weil jeder zuviel vom anberen wußte."
(Fortsetzung folgt)


