Ausgabe 
3.11.1942
 
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Die Schlacht auf den Meeren.

England unter -em Eindruck der neuen deutschen U-Boot-Erfolge.

Enzo Grossi im AtlanWiihpunkl eingelaufen

Von Kriegsberichter Will Beilstein.

seinem Tagebuch:Gedichte an Gneisenau und Brief entworfen und munbiert"*. Er entschloß sich dann jedoch, mcht persönlich an Gneisenau zu schreiben, sondern schickte em Gedicht an Ottilie, dasErwide- Erinnerung, Entschuldigung, Dank und was nicht alles zugleich" sein sollte, und diese schickte es mit einem Begleitbrief und mit einemroten Buch" an Gneisenau weiter. Das Gedicht wurde später in das Buch der Betrachtungen" desWestöstlichen Di­vans eingeordnet; es beginnt:

Den Gruß des Unbekannten ehre ja!

Er sei dir wert als alten Freundes Gruß ..

. * Ins reine geschrieben.

Oer kluge Schimmel.

Von Richard Gerlach.

friesischer Bauer, der als Sonderführer in der Ukraine einen großen Gutsbezirk verwaltete hatte es nach mancherlei Schreiben fertig bekommen, daß ihm vom heimatlichen Hof sein Schimmel, den er schon manches Jahr geritten hatte, geschickt wurde. 2ln der Laderampe wieherte das Pferd seinem mnrrnhC<,n ^e9en< acr if)m den Hals klopfte, war die Freude des Wiedersehens und Wiäer- habens so ehrlich und rückhaltlos, wie sie nur un- ter guten Freunden zu sein pflegt.

Harms hatte sich genug mit den fremden Gäulen herumaeargert Diese ukrainischen Pferde hatten emen schonen Kopf, der auf einem etwas zu mage- saß, ihr Schwanz war hochangesetzt und Gehen weit geschwungen ab, mnhffUt bie ^eit,d)e mtt ihm abhalten. Ob-

s^.°usdauernd waren, blieb in ihrem Wesen immer die Furcht vor Prügeln, und das Mißtrauen war aus ihnen Nicht herauszubekommen. Die Aecker lagen stundenweit auseinander, und Harms mußte bc".J)aIfb.en Tag im Sattel sein. So war er glücklich, seinen Schimmel wieder reiten zu kön- u-n. d°r,d°m l°is°st°n Wink sofort folgte, unb auf °en er sich ganz verlassen konnte.

-Wenn die ukrainischen Landarbeiter aus einer Bodenwelle den Schimmel auftauchen sahen, ver­doppelte sich ihr Eifer, denn sie wußten, daß nun 'ch g^ruft werden würde, was sie geschafft hatten. Die meisten von ihnen waren fleißig und

fahrt zurückkehrt, sieht man auch wieder deutsche und italienische Mädchen, die mit großen bunten Herbststräußen die Seefahrer erwarten. Schnell nähert sich das Boot dem Anlegeplatz. Der Kom­mandant leitet selbst das Anlegemanöver und grüßt dazwischen ab und zu lächelnd herüber, lieber die Stelling begibt sich der Führer der italienischen U-Boote im Atlanttk an Bord und begrüßt herz­lich den Kommandanten, der ihm sein Boot zurück­gemeldet hat. Blumensträuße, nicht ohne den tra­ditionellen Kuß von zarten Lippen, werden mit herzlichem Lachen überreicht, Blumen fliegen zu den Männern an Bord, die damit zurückwinken. Am Nachmittag wird der Befehlshaber der Untersee­boote, Admiral D ö n i tz, kommen, um dem tapfe­ren Kommandanten das ihm vom Führer verliehene Ritterkreuz zu überreichen. Die Freude über den Erfolg desBarbarigo" ist gleich stark bei italieni­schen wie bei deutschen Soldaten. Die U-Boot­fahrer beider Nationen kennen die Härte des See­kriegs, sie wissen aber auch, daß sie ihn gewinnen werden!

schwismus ausgenommen hat, und gegenüber dem deutschen Soldaten, der sein Leben in die« fern Kampf einsetzte." Der Gouverneur Bessarabiens, General Voiculescu, brachte den Dank der besiarabi« scheu Bevölkerung für die Befreiung zum Aus­druck, er erklärte:Wir können nicht die deut­schen Soldaten vergessen, die an der Seite unserer Soldaten ihr Blut zur Befreiung dieses Bodens vergossen haben. Wir beugen uns vor dem Andenken dieser Helden, deren Opfertod ein un­trennbares Band zwischen uns und dem deutschen Volk geknüpft hat."

Kleine politische Nachrichten.

Das Jagdgeschwader M ö l d e r s . errang unter Führung seines Kommodore Major Nordmann seinen 4000. Luftsieg. Der 4000. Abschuß wurde von einem Oberfeldwebel an der Ostfront errungen. Reichsmarschall Göring hat dem Jagdgeschwader ein Glückwunschschreiben übersandt.

*

Eine große Menschenmenge veranstaltete am Sonntag in Le Creuzot eine Kundgebung gegen die Terror-Angriffe der britischen Luftwaffe auf die Städte Frankreichs. Mehrere Vertreter der Ar­beiterschaft nahmen in scharfen Ausführungen gegen diese Luftüberfälle Stellung.

DNB. Bei der Kriegsmarine, Ott. 1942. (PK.) Heute läuft Grossi ein!" Es gibt seit den frühen Morgenstunden kein anderes Gesprächsthema in der Atlantikbasis der italienischen U-Boote. Alle warten seit der Bekanntgabe des neuesten Sieges Enzo Grossis, des ersten Ritterkreuzttägers und Trägers der Goldenen Tapferkeitsmedaille der italienischen U-Boote, auf seine Wiederkehr. Seit den frühen Morgenstunden wird an der Pier, an derBar­bar i g o" anlegen wird, emsig gearbeitet. Dicht an der Kaimauer erhebt sich die Darstellung eines großen U-Boot-Durmes, überragt von einem Seh­rohr, an dem die Wimpel der von Kapitän z. S. Grossi versenkten Schiffe, vorweg der amerikanischen Schlachtschiffe vom TypMaryland" und .Missis­sippi" flattern. Zum Empfang sind neben dem Führer der italienischen U-Boote im Allantik, Kon­teradmiral P o l l a c ch i n i, Botschafter A l f i e r i und der italienische Botschafter in Paris, Butt, Ver­treter der faschistischen Partei und der NSDAP., Offiziere der italienischen und deutschen Wehrmacht erschienen. Wie immer, wenn ein U-Boot von Fern-

Oie Durchdringung Afrikas.

Lissabon, 2. Nov. (Europapreß.) Die USA.- ZeitschriftTime" untersucht die wirtschaftliche Be­deutung der von den USA. besetzten afrikanischen Gebiete und gibt dabei zu verstehen, daß man in Washington hofft, aus der Negerrepublik Liberia vor allem denjenigen Rohstoff zu erhalten, der den Alliierten am meisten fehlt, nämlich Kautschuk. Das Blatt gibt weiter einen Ueberblick über die Aktivität der Vereinigten Staaten in Afrika und verstärkt dabei den Eindruck, daß bie USA. sehr intensiv daran gehen, überall in Afrika das Erbe Englands anzutreten.Die Bedeutung der afri­kanischen Ve r k eh r s w e g e", so schreibt die Zeit­schrift,ist in gleichen Maße raketenartig angestie­gen, wie die britische Macht im Mittelmeer nieder­gegangen ist. Jetzt ragen amerikanische Kanonen­rohre in vielen afrikanischen Häfen empor, Flug­plätze sind in den Dschungeln Aequatorial-Afrikas und in den steinigen Wüsten angelegt worden, um Öen USA.-Flugzeugen kurze Etappen zu errnög- lichen.^Interessant ist auch die Feststellung der Eime , daß nicht nur USA.-Soldaten, sondern auch zahlreiche Beamte der USA. kreuz und quer durch Afrika reifen.

EinTurm der Befreiung" * bei Kischinew.

2 Nov. (DNB.) In Anwesenheit König Michaels, der Königinmutter Helene, der Regierung und des Diplomatischen Korps wurde m der Umgebung von Kischinew einTurm der Befreiung an der Stelle eingeweiht, von der aus Ml September 1941 Marschall Antonescu die Kampfe um ine Wiedereroberung der Hauptstadt Bessarabiens leitete. Dabei sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mihm Antonescu.Dieser Turm ist uicht nur ein Zeichen der Danfbarfeit gegenüber g,6?1 , ^orschall, sondern auch gegenüber 210 0 11 Hitler, der den Kampf gegen den Bol-

Jn der Stille der Berliner Friedensjahre nach den Freiheitskriegen trat Gneisenau in den Kreis der Goetheverehrer in der Hauptstadt ein; hier lernte er im Frühling 1819 August und Ottilie von Goethe kennen, deren Besuch in Berlin es zu verdanken ist, daß nun auch eine persönliche Berührung zwischen Gneisenau und Goethe stattfand, die bei aller Ver­schiedenheit unzweifelhaft eine Verwandtschaft in ihrer Haltung und Erscheinung hatten Goethes Sohn und seine Frau lernten Gneisenau am 16. Mai auf einem Tee bei Savignys kennen und traf sie dann öfter; noch am Tage der Abreise kam Gneisenau zu Zelter, um sich von den beiden zu verabschieden. Ottilie versprach dem Schwiegervater, ausführlich über Gneisenau zu berichten, aber diesen selbst bat siekurz und bündig" um ein Autogramm für Goethes Sammlung. Auf diese Weise kam folgender Bries an Goethe zustande:

Exzellenz! Es geschieht auf Befehl einer jungen Frau, und zwar einer sehr liebenswürdigen, daß ich mir erlaube, diese Zeilen an Ew. Exzellenz zu rich­ten, und Sie wissen, daß man solchen Befehlen nur schwer widerstehen kann. So mancher Zudringliche schon mag Ihren Unmut erregt haben; oft war ich Ihnen im Leibe nah, doch nur einmal habe ich es mir gestattet, einen Versuch zu machen, Ihr Antlitz näher zu sehen. Ein Brief errötet und stottert nicht, darum wird es mir leichter, mich bei Ihnen schriftlich einzuführen, als vor jenen dreißig Jahren münd­lich, und somit gehorche ich um so williger jener jungen Frau.

Soeben komme ich von einem Besuch bei Ihren jungen Eheleuten, denen ich meinen Segen auf die Reise gegeben habe, nicht ohne Besorgnisse für die Gesundheit der liebenswürdigen Frau, der vielleicht eine südliche Seeluft heilsam sein würde, sonst ein Brustübel sich entwickeln mochte doch mag der Wechsel des Aussehens auch andere Ursachen haben. Der junge Mann ist vollsaftig und kernhaft; eine Warnung mochte beiden nützlich sein.

Nun, Exzellenz, genug für einen Einführungs- brief. Im Geiste bleibe ich Ihnen immer nah, und meine guten Wünsche begleiten Sie stets. Gott be­fohlen. der Gen. d. Inf.

Berlin, d. 1. Juni 1819. Gr. N. v. Gneisenau." Dieser zugleich männlich stolze und bescheidene Brief wurde von Goethe mit der größten Freude ausgenommen. Am 11. Juni 1819 verzeichnete er in

ich die Verlegenheit Englands gut zunutze gemacht. Durch einen geschickt aufgezogenen Agitattons- und Beeinflussungsapparat hätten sie den Engländern das Wasser abgegraben, nicht nur bei den höheren Stellen, sondern auch beim Volke selbst. Die Ame­rikaner hätten zwar aüch nicht viel liefern können, aber sie hätten nach außen hin wenigstens etwas getan und a u f dem Luftwege einiges Material herangebracht, während zwischen Tschung- king und den britischen Behörden immer noch über eine sagenhafte neue Nachschubroute über Tibet ver­handelt werde.

Erfolgreiche Kämpfe auf Guadalcanar.

Berlin, 2. Nov. (DNB.) Auf Guadalcanar suchen die amerikanischen Truppen um jeden Preis ihre Stellung zu behaupten, müssen sich jedoch immer weiter auf die Osthälfte der Insel zurückziehen. Die Japaner erzielten am 31.10. einen neuen Durch­bruch, der durch Einsatz von Panzern verbreitert wurde. Sturzkampf- und Schlachtflieger zerstörten die Brücke zwischen der Insel Florida und dem Hafen von Tulagi, wo die Amerikaner sich noch ver­teidigen, durch Bombenvolltrefter. Ein amerikanischer Versuch, den auf Guadalcanar abgeschnittenen Trup­pen durch Transportflugzeuge Nachschub zuzuführen, cheiterte. Von vier Transportflugzeugen wurden )rei unweit des Flugplatzes Henderson Field zum Absturz gebracht, das vierte zur Notlandung hinter den japanischen Stellungen gezwungen. Die austra­lischen Hafenstädte Townsville, Cooktown und Port Darwin wurden bombardiert, ausdehnte Brände im Lagerhausviertel von Townsville und in den Oel- lagern von Port Darwin zeugten von der guten Trefferlage der japanischen Bomben. Der amerika­nische Luftstützpunkt Port Vila auf den Neuen Hebriden wurde erstmalig durch japanische Bomben- lugzeuge angegriffen. Etwa 180 Seemeilen von Port Vila entfernt wurde ein feindlicher Transporter von 6000 BRT. versenkt.

fähigen Straße vor allem in dem zum Teil völlig unwegsamen tibetanischen Hochland entgegenstellen, find zweifellos ungeheuer groß. Man darf schließlich auch nicht vergessen, daß Tscherrapundschi in der Provinz Assam mit 11000 mm jährlicher Nieder­schlagsmenge der regenreichste Ort der Erde ist.

Aber die Karawanenstraße ist nicht der einzige Grund, warum die Briten eine so lebhafte Tätig­keit in Tibet entfalten. Tibet, das mit seinen 904 000 Quadratkilometer 30 000 Quadratkilometer großer ist als Deutschland mit dem Protektorat und dem Genera^ouvernement, gehört zusammen mit Chi- nesisch-Turkestan (der chinesischen Provinz Sin­kt a n g) zum strategischen Vorfeld Indiens. Die Briten fühlten sich in Indien dauernd bedroht von dem mächtigen bolschewistischenNachbarn". Der britische Geschichtsschreiber William Cargill weist darauf hin, daß schon während der Regierung Pal­merstons in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhun­derts der indischen Frage wegen zwischen den eng­lischen und russischen Außenministern Konflikte an der Tagesordnung waren, wobei Cargill ausdrück­lich das berüchtigte Testament Peters des Großen erwähnt, wonach zu den Zielen Rußlands die Zer­schlagung der Türkei und Eroberung Konstantino­pels, der Besitz des Schwarzen und Kaspischen Mee­res, die Erweiterung des Einflusses auf die Le­vante und im Mittelmeer und als letztes Ziel der Besitz Indiens gehörte. Ausdrücklich wird in dem Artikel 8 des Testaments darauf hingewiesen, daß der Handel mit Indien den Welthandel bebaute und daß, wer ihn ausschließlich beherrsche, Gebieter Europas sei.

Nur unter dieser historischen Perspektive ist es zu verstehen, daß ein im Jahre 1936 in England er­schienenes Buch mit dem harmlosen TitelNeues aus der Tartarei" dort ziemliches Aufsehen erregte. Der Verfasser, ein junger englischer Schriftsteller, gehört zum Redaktionsstab derTimes", die aus­führliche Vorberichte brachte, aus denen hervorging, daß sich die Lage in der nur noch nominell chine- ischen Provinz S i n k i a n g grundlegend gewan- )elt habe; sie stehe völlig unter bo 1 schewisti - chem Einfluß, der britische Handel sei ausge- chaltet, alle indischen Untertanen seien ausgewiesen worden. Nimmt man hinzu, daß seit der Jahrhun­dertwende die Moskauer Machtpolitik auch in Tibet Einfluß zu erlangen suchte, so kann man verstehen, warum die Briten in diesem nach außen hin selbständigen buddhistischen Kirchenstaat des Dalai-Lama mit seinen 1,5 Millionen sehr ärm­lich ihr Leben fristenden Einwohnern alle erdenk­lichen Schritte unternahmen, um ihrerseits das Land politisch in die Finger zu bekommen. Die Methoden waren die gleichen, wie sie von den Briten auf den verschiedenen Stationen ihres Weges nach Indien stets angewandt wurden. Sie schicktenMissionare" undPilger", also verkleidete Agenten, die Land­messungen vornahmen, aber alle sonstigen Beob­achtungen sorgfältig notierten und von Zeit zu Zeit verschwanden, um in Delhi Bericht zu erstatten. Nach dem russisch-japanischen Krieg ließ England dann die Maske fallen und schritt zur offenen In­tervention. Seit dieser Zeit waren englische Agen­ten tätig, die den Dalai-Lama im Sinne britischer Interessen beeinflußten und die Moskauer aber auch die chinesische Konkurrenz auszuschalten be­müht waren. Wenn jetzt also die Briten mit allem gebotenen Eifer daran gehen, die alte Karawanen­straßeautofähig" zu machen, so wollen sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich ihren Einfluß in Tibet zum Schaden der Moskauer Nebenbuhler festigen und gleichzeitig dem notleiden­den Tschungking die Kriegsmaterialien zukommen lassen, die es zur Fortsetzung des Widerstandes gegen Japan dringend benötigt.

England auch in Tschungking überspielt.

Stockholm, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Vertreter der LondonerNews Chronicle" in Neu- Delhi erklärt nach einer Reise durch Tschungking- China, daß sich Englands Prestige dort dem Null­punkt nähere. Die Engländer hätten durch ihre schweren Niederlagen im vergangenen Winter, vor : allem aber durch die von den Japanern erzwungene 1 Schließung der Burma st raße, anGe- : sicht" verloren, wie man in Dftafien sage. Dazu kämen die schweren Fehler und Mängel'des bri- I tischen Agitationsapparates, der in Tschungking ! vollkommen versagt habe. Wenn England sein An- : sehen in Tschungking wiedererlangen wolle, müsse ; es eine neue Zufuhr st raße durch Burma er­öffnen und für schnellste Lieferungen auf dieser Straße sorgen. Die Nordamerikaner hätten l

General und Dichter.

Gneisenau schreibt an Goethe.

Goethe und die Generale" ist ein Buch von Erich Weniger betitelt, das im Insel-Verlag erscheint, und das überraschende Einblicke in das Verhältnis Goethes zu der Welt der Soldaten und zu der politisch-strategischen Führung der Kriege seiner Zeit gewährt und Die landläufige Legende über Goethes Stellung zu den deutschen Freiheitskriegen wider­legt. Im neuen ,Lnselschiff" wird der Abschnitt über Gneisenau abgedruckt. Der große Soldat hatte von jeher eineLiebe zu literarischen Beschäftigungen"; was die Schule ihm nicht geben konnte, erhielt er durch den Umgang mit. Gelehrten und geistvollen Männern in Würzburg, die ihn mit Büchern zum Selbststudium versahen. So lernte er den Homer kennen und kam auch wohl sehr früh mit den Dichtern von Weimar in Berührung. Er teilte in seiner Ju­gend die Schwärmerei der Wertherzeit, und er hat das Poetische in Leben und Ausdruck auch in spä­teren Jahren bewahrt. Wie die meisten anderen großen Soldaten hat Gneisenau in seiner Jugend feinen künstlerischen Neigungen, die ihn auch zur Musik, zu Studien über die Architektur und zum Zeichnen führten, durch eigene Dichtungen Ausdruck gegeben; in seinen Papieren sand sich eine große Anzahl von Gedichten, von seiner Hand geschrieben, darunter ein Fragmentauf Lessings Tod 1781", die nach Form und Inhalt von Schiller beeinflußt sind. In den langen Wartejahren in der kleinen Garnison Löwenberg betätigte sich Gneisenau als Direktor eines Liebhabertheaters, wobei er die Pro­loge zu den Aufführungen selbst dichtete. In Sauer, wo er ein musikalisches Kränzchen gründete, wurde von den Offizieren der Garnison unter feiner Regie Wallensteins Lager" aufgeführt. Die Sehnsucht nach einem Leben in der Welt der Betrachtung und In ländlicher Einsamkeit hat ihn auch in den Zeiten des größten Tatensturms nicht verlassen. In der Kri­sis von 1811 traf Gneisenau auch mit Heinrich von Kleist zusammen, der einen tiefen Eindruck von ihm gewann. GoethesFaust" besaß er bereits im Früh­jahr 1809 in Königsberg qnb lieh ihn an Clausewitz aus; mitten in den großen Kämpfen um die Seele Preußens und um die Reorganisation der preußi- jchen Armee wurde also derFaust" gelesen.

anstellig, und wenn sie etwas verkehrt gemacht hatten, griff Harms selbst zu und zeigte ihnen, wie er es haben wollte. Sie sahen dann lächelnd zu . und bemühten sich, die Furchen so gerade unb ordentlich zu ziehen, wie es verlangt wurde.

Eines Tages hatte Harms bis in die Nacht hinein auf dem Nachbargut zu tun gehabt, und als er nun endlich heimritt, war es stockfinster geworden. Der Schimmel wußte aber den Weg, der freilich schlecht genug war, morastig und schlammig, von einer Dünnen Eiskruste überzogen, die unter den Husen des Pferdes knirschend und knackend zerbarst. Es war nicht die Hand vor den Augen zu sehen, aber die beiden tarnen gut voran, bis etwa anf halbem Wege dem Reiter plötzlich etwas in die Augen schlug, ihn festzuhalten schien und aus dem Sattel stieß. Er schlug hart mit dem Kopf auf unb verlor das Bewußtsein.

Als er wieder zu sich kam, fühlte er einen warmen Hauch in seinem Gesicht. Der Schimmel stand neben ihm und hielt den Kopf ttef zu ihm geneigt. Harms wollte sich .aufrichten, aber ein stechender Schmerz lief ihm vom Nacken über die Schulter. Er tastete nach Zügel und Trense, und der Schimmel hob be- hutsam den Hals, so daß der Reiter wieder empor­kam. Er spürte nun auch die Aeste des Baumes, die ihn au Fall gebracht hatten, und er führte langsam bas Pferd ein paar Schritte voran. Als er den Fuß in den Steigbügel setzte, war es ihm, als beugte sich der Schimmel ihm entgegen, als mache er sich kleiner, damit er leichter in den Sattel käme.

Wie er nun vorsichtig und unter Schmerzen wei- territt, sah er im Osten einen grauen Schimmer. £r meinte zuerst, daß er sich täusche, aber es war ber Morgen. So hatte der Schimmel die ganze Nacht über ihm gewacht. Es war schon heller Tag, als er auf dem Gut ankam. Eine Woche lang mußte er ins Bett, und der Stabsarzt meinte, es fei viel (yjüif dabei gewesen, nicht jeder käme bei einem solchen Sturz mit einer Prellung und Sehnenzer- rung davon. Harms aber entgegnete, er habe das Gefühl, daß der Schimmel die Gewalt des Stur­zes schon durch eine unwillkürliche Bewegung ge­mildert habe. Was aber wäre aus ihm geworden, wie wäre er aus jenem von dem nächsten Dorf meilenweit entfernten Hohlweg nach Hause gelangt ohne Die GeDuld Des vernünftigen Tieres!

Der französische Rundfunk meldet aus Bagdad, daß eine britische Delraffinerie im Irak von Einheimischen in Brand ge st eckt und teil­weise gesprengt worben sei. Die Raffinerie liegt etwa 3-5 Kilometer von Mossul entfernt. Der Scha­den wird auf 10 Millionen Franks geschätzt.

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Wegen mangelhafter Bekämpfung von Vernach­lässigung Der Arbeit in sowjetischen Fabriken ist eine Reihe von Direktoren, stellvertretenDen Direk­toren und Abteilungsleitern zu Gefängnis, Zucht­haus unD Zwangsarbeit verurteilt worden.

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Der zweite Sohn des britischen Botschafters in Washington Lord Halifax, Peter Wood, ist an der ägyptischen Front gefallen. Er gehörte als Offizier der brittschen Luftwaffe an.

Aus demReich.

Das Ritterkreuz für einen Raffauer.

Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehls­habers der Luftwaffe das Ritterkreuz an Oberleut­nant Jlk, Flugzeugführer in einem Kampfgeschwa­der. Oberleutnant Jro J l k, 1919 in Nassau an der Lahn geboren, hat im Mittelmeer« raum und in Nordafrika bedeutungsvolle Erfolge errungen. Seine Kamvfeinsätze, Die sich in Der Hauptsache gegen Die englische Kriegs- unD Ver- orgungsflotte sowie gegen Deren Stützpunkte richte­ten, führten oft bis an Die Grenze Der Reichweite seines Flugzeuges.

Am 2. Opfersonntag Über 42 Millionen RM. gesammelt. Der am 11.10. durchgesührke 2. Opfersonntag hatte ein vorläufiges Sammelergebnis von 42 249 540,23 Reichsmark. Gegenüber Der gleichen Sammlung des Vorjahres, Die eine Summe von 32 271831,72 R2IL erbrachte, ist also eine Zunahme von 9 977 708,51 Reichsmark, Das finD 30,92 v.h. mehr, zu ver­zeichnen.

Zuchthaus für Rundfunkverbrecher.

Verschiedene Sondergerichte mußten sich auch in letzter Zeit wieder mit volksfeindlichen Elementen befassen, die es noch immer nicht lassen konnten, die Lugennachrichten ausländischer Sender abzuhören und sogar weiterzuverbreiten. Mögen die feindlichen Lügen- und Hetzmeldungen noch so oft durch die Tatsachen widerlegt werden, es finden sich immer wieder ehrvergessene Saboteure, die durch Abhören und Weiterverbreiten dieser Lügen ihrem eigenen Volke im den Rücken fallen. So mußte das Sonder­gericht Leoben den 32jährigen Josef Koller zu vier Jahren Zuchthaus verurteilen, weil er im Bei« ein von-Angehörigen englische und bolschewistische Sender abgehört hatte. Ebenfalls zu vier Jahren Zuchthaus wurde vom Sondergericht Dresden ber 41jährige Friedrich Möller wegen Abhörens des Londoner Senders verurteilt. Möller hatte auch anderen Gelegenheit zum Mithören gegeben. Zu acht Jahren Zuchthaus wurde der Volksdeutsche Paul Saul Morkiß vom Sondergericht Kattowitz ver­urteilt, Der bei einem ehemaligen polnischen Föhn« rich ausländische Sender abgehört hatte, die Nach«

Vigo, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Das Er­scheinen deutscher U-Boote in Den Randgewässern des Indischen Ozeans hat in England Derart alar= mierenD gewirkt, daß Darüber fast Das Interesse an dem Angriff in Aegypten und an den Operationen um Stalingrad in den Hintergrund getreten ist. In London befürchtet man, daß durch eine enge Zu­sammenarbeit der bereits im Indischen Ozean täti­gen japanischen U-Boote mit den deutschen U-Booten der für die Durchführung militärischer Aktionen in Aegypten und im Nahen Osten wichtige Kriegsmaterialnachschub ernstlich gefähr­det wird. Das angesichts der ungünstigen Wetter­verhältnisse besonders eindrucksvolle Oktober-Ergeb­nis des Kampfes der deutschen U-Boote gegen die englisch-amerikanische Transportflotte im Zusammen­hang mit dem jüngsten schweren Schlag gegen den nach England steuernden Geleitzug westlich Der Ka­

narischen Inseln einen niederschmetternden Eindruck auf die britische Bevölkerung gemacht. Churchill hat in einer Geheimkonferenz mit Bergarbeiter­abordnungen sehr ernft über die Kriegs­lage gesprochen, wodurch er eine Steigerung der Leistungen erreichen wollte. Auch der britische Innenminister Morrison muß die schwere Be­drohung zugeben, die der U-Boot-Krieg für die Ver­sorgung Englands mit Rohstoffen, Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln bedeutet. In über 2-4 Millio­nen Quadratmellen Wasserfläche müsse allein im Allantik der Kampf gegen die Unterseeboote aus- getragen werden, und über eine Viertelmil­lion englischerSeeleuteseiauf den Kampf­und Geleitschiffen ständig im Dienst. 600 britische Kriegs- und Hilfsschiffe müßten ständig unterwegs sein, um wenigstens ein Minimum an Nachschub nach England durchzubringen.