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Fläche ein reiches Leben entfaltenden Blättern schmückte. Der Kalender wurde damals das belieb- teste Neujahrsgeschenk. Sein illustrativer Schmuck bestand gewöhnlich in den Monatskupfern, die aber in ihren Themen nicht mehr an den Kreislauf des Jahres antnüpften, sondern völlig freie Stoffe be- handelten.

Gießener Konzert-Verein.

Vom Konzert-Verein wird uns geschrieben: Für das zweite Solistenkonzert des Jubiläumsjahres des Gießener Konzert-Vereins am 8. Januar wurde die Mezzosopranistin Gertrude P i tz i n g e r aus dem Sudetenlande gewonnen. Durch zwei frühere Veranstaltungen wird die Künstlerin bei den Kon- zertbesuchern noch in bester Erinnerung sein denn Gertrude Pitzinger besitzt jene Eigenschaften, die sie zur großen Künstlerin stempeln. Sle hat eine Stimme von großer Schönheit, warm, sammetweich und sympathisch, mit einem großen Umfang und m

Verdunkelungszeit:

3. Januar von 17.18 bis 9.31 Uhr.

allen Lagen die gleiche Farbe und den gleichen Schmelz. Die geistige Durchdringung ihrer Vor­tragskunst ist die natürliche Voraussetzung zur Ver­wendung ihrer unvergleichlichen Mittel und Gestal- tungsmoglichkeiten. Deshalb bleibt auch die Wir­kung immer die gleiche, mag es sich um das ein­fachste Volkslied oder um das höchstentwickelte Kunstlied handeln.

Dornotiren.

Theater der Universitätsstadt Gießen.

Das Dramaturgische Büro teilt mit: Heute kommt eines der amüsantesten und geistreichsten Lustspiele des bewährten Komödienautors Curt Goetz in der Neuinszenierung von Carl Maria Zeppenfeld zur Aufführung:Hokuspokus" hat die Spannung der Kriminalkomödie und alle Vorzüge des eleganten Lustspiels. In den Hauptrollen: Renate Frechen, Ines Raßl, Leopold Fischer, August Wilhelm Funke, Eberhard Kratz, Gerd Fritz Ludwig, Hans Sertz, Carl Maria Zeppenfeld. Bühnenbild Karl Löffler.

Dichterlesung Waldemar Bonsels.

Der Goethe-Bund hat, wie man uns schreibt, im Rahmen des Gießener Vortragsringes zusammen mit der Kulturellen Vereinigung und der Volks- b.ldungsstätte Gießen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" für kommenden Freitag, 9. Januar (nicht, wie ursprünglich vorgesehen, für Montag, 12. Januar) den auch in unserer Stadt bestens be­kannten Dichter Waldemar Bonsels zu einer Lesung aus eigenen Werken verpflichtet. Waldemar Bonsels, der auf feinen bisherigen Vortragsreisen überall starken Beifall gefunden hat, gilt als aus­gezeichneter Mittler seiner Werke. Es wird von den Literaturfreunden unserer Stadt begrüßt werden, daß der Dichter im Rahmen der diesjährigen Dich­terlesungen auch in Gießen aus seinen Werken lesen wird.

Be,irkssparkaffe Gießen.

DisBezirkssparkasseStetzen legt einen kurzen Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr 1941 vor, dem u. a. folgendes zu entnehmen ist. Die Bezirkssparkasse verwaltete Ende 1941 52,3 Mill. RM. Spar- und Spargiroeinlagen. Die Spar- einigen sind im Jahre 1941 über 10 Mill. RM. gestiegen und betragen 45,3 Mill. RM. Den Spa­rern wurden Ende 1941 1,1 Mill. RM. Zinsen gut- geschrieben. Im abgelaufenen Jahre wurden im Durchschnitt täglich 17 neue Sparbücher angelegt. Die Zahl der Sparkonten betrug am Ende, des Jahres rund 56 000; es entfällt somit auf 1,6 Ein­wohner des Geschäftsbereiches ein Sparkassenbuch. Das Durchschmtt^guthaben auf den Sparkonten beträgt 780,48 RM. Die Spargiroeinlagen {Hegen» auf über 7 Mill RM. bei über 5000 Spargiro­konten. Die Zahl der Umsatzposten des Gesamtge­schäftes stieg um 7 o. H. An Krediten und Darlehen wurden 17,5 Mill. RM. gegeben. Die Zahl der verwalteten Wertpapierdepots beträgt 1882.

Gießener wochenmarktpreife

* Gießen, 3. Jan. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 ItM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, kg 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 10, Unter­kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 6 bis 10, Rosenkohl 40, Lauch 17, Sellerie 15, Feldsalat, x/io 10, Rettich, das Stuck 10 bis 15 Rpf. ________

Oer Gau Hessen-Nassau . befolgt den Appell des Führers.

35 Waggons mit Wintersachen rollen bereits zur Front.

NSG. Als der Appell des Führers zur Samm­lung von Wintersachen für die Front er­ging, war es selbstverständlich, daß der Gau Hessen- Nassau auch bei dieser Aktion voll seine Pflicht tun würde. Die bisher elngetroffenen vorläufigen Er­gebnisse übertreffen jedoch jede Erwartung. Bis zum 2. Januar sind aus den Kreisstädten des Gaues insgesamt bereits 35 Waggons mit Winter­fachen an die Front abgerollt. Bemerkens­wert ist hierbei, daß aus dem Gaugebiet bereits am 28. Dezember 1941, d. h. also einen Tag nach Beginn dir Sammlung, sechs Waggons mit gesam­melten Winlerfachen zur Front abgefandt werden konnten. Dieses vorläufige Ergebnis zeigt, in welch vorbildlicher Welse die Bevölkerung unseres Gaues de.m Aufruf zur Sammlung nachgekommen ist. Aus allen Kreisen werden Beispiele besonderer Opfer- bereltschaft gemeldet. So sei vermerkt, daß zum Bei­spiel die NS.-Frauenschaft des Dorfes Nleder-Saul- heim im Kreis Alzey in den letzten Tagen 60 pelz­gefütterte Westen angefertlgt und abgellefert hat. In Biebrich lieferte die Betriebssportgemeinschaft eines großen Werkes die gesamte Skiausrüstung, die der Betrieb für die fchneefchuhsporttrelbenden Arbeitskameraden angefchafst hatte, für unsere Sol­daten an der Front ab. Aus allen Ortsgruppen gehen Meldungen ein, die erkennen lasten, daß die Gebefreudigkeit ein ungeahntes Ausmaß auf- weist. Jeder Bolksgenoste hat die Situation ver­standen und weih, daß er mit der Ablieferung von Gegenständen, die die Front heute notwendiger braucht als die Heimat, einen bescheidenen Beitrag für die sieghafte Führung unseres Freiheitskampfes leistet. Es wird erwartet, daß sich nunmehr auch d i e l e h t e n I a u d e r e r, die sich aus diesen oder jenen Bedenken der allgemeinen Gebefreudigkeit noch nicht angeschlosten haben, in die Volksgemein­schaft einreihen. Keiner darf abseits stehen, sondern wird sich in diesen Tagen, die an Bedeutung jener geschichtlichen Zeit des Jahres 1813, in welcher durch die AktionGold gab ich für Eisen- die Freiheit unseres Volkes entscheidend gesichert wurde, gleich­kommen, seiner Verantwortung gegenüber dem gegenwärtigen Freiheitskampf verpfllchtet wlsten.

Oie Gießener Sammelstellen.

Die Sammlung erfolgt bis zum 4.Januar 194 2. Die Gegenstände werden von Beauftragten

Heute vormittag kurz nach 9 Uhr herrschte m der Sammelstelle in der Turnhalle der Goethe- Schule bereits wieder ein reger Betrieb. Wie wir erfahren, rollen bereits zwei Waggons mit warmen Wintersachen aus Dem Kreise Gießen an die Front nach Osten. Der dritte wird gegenwärtig geladen und dürfte bereits im Laufe des morgigen Tages abgehen. Das Material dazu stapelt sich bereits wieder, wie schon ein flüch­tiger Rundblick durch die Turnhalle zeigt, zu an­sehnlichen Haufen. Besonders der Eingang an Skiern und Skistiefeln hat sich inzwischen gestei­gert. Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die bisher dbgelieferten Bestände bei weitem noch nicht dem Bedarf entsprechen. Jeder, der im Besitze von Skiern, Skistöcken, Skistiefeln und da­zugehöriger Ausrüstung ist, muß sich klar machen, daß alle diese Dinge heute an der kämpfenden Front dringend gebraucht werden und daß es eine selbstverständliche Pflicht jedes einzelnen ist, alle in seinem Besitz befindlichen Stücke, soweit sie den An­forderungen entsprechen, unverzüglich zur Verfü­gung zu stellen. Es darf nicht ein einziges Paar brauchbarer Skier in der Heimat bleiben. Morgen ist der letzte Tag!___________________________

der NSDAP, in den Wohnungen gegen Ouillung abgeholt, können aber auch in Gießen an folgenden Sammel st eilen täglich (auch sonntags) von 9 bis 11 und 15 bis 17 Uhr abgegeben werden, und zwar:

Ortsgruppe Mitte: Goethefchule, part.

Ortsgruppe Nord: Schillerschule, pari.

Ortsgruppe O st: Ortswaltung der DAF., Llcher

Straße, und der Geschäftsstelle der NSDAP., Saiferallee 6,

Ortsgruppe Süd: Liebigbau, I. Stock, Zimmer 5.

Unsere Soldaten im Osten brauchen dringend Skier!

Bringt daher schnellstens Eure Bretteln an die nächste Sammelstelle bei den Ortsgruppen der NSDAP. Denn jeder deutsche Mann und jede deutsche Fran mühte sich ja schämen, in der Stunde der Bewährung ihre Skier den tapferen Soldaten vorenthalten zu haben.

DeherbergungSbetriebe unterstützen die Gkisammelaktion.

Staatssekretär für Fremdenverkehr Esser hat in seiner Eigenschaft als Leiter der Reichsgruppe Fremdenverkehr eine Anordnung erlassen, wonach zur Unterstützung der allgemeinen Sammelaktion sämtliche Beherbergungsbetriebe ein­schließlich der bewirtschafteten Bergunterkünfte und der Privatbeherberger folgende Maßnahmen durch­zuführen haben:

1. Sämttiche Leih stier sowie die dazu ge­hörigen Ausrüstungsgegenstände, die sich im Besitz der Betriebe befinden, sind gegen Bescheinigung der örtlichen Sammelstelle abzuliefern.

2. Abzuliefern sind ferner sämtliche Skier und die dazu gehörigen Ausrüstungsgegenstände, die den Behervergun-gsbetrieben zur Aufbewah­rung übergeben worden sind, sofern die Eigen­tümer nicht bis 8. Januar 1942 über die Gegen­stände verfügen, d.h. die Ablieferung selbst vorge- nommen haben.

Die festgelegten Ausnahmen werden von dieser Anordnung nicht berührt. Sämtliche Amtsttäger und Mitarbeiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe sind angewiesen, bei der Durchführung dieser Aktton tatkräftig mitzuwirken.

Mit Wohlgefallen ruht das Auge des Besuchers auf einem Haufen sogenannter P o ste n st ie f e l, die mit Pelz und Filz verarbeitet sind und in der Hauptsache vorn Lande gespendet wurden. Der Sol­dat, der sie bekommt, dürste auch im russischen Win­ter beim Postenstehen keine kalten Füße kriegen. Ein besonders schönes Stück der Sammlung sind ein Paar originaler Lappenschuhe aus Finnland, die aus iRenntierfellen gearbeitet sind und eben­falls einen hervorragenden Kälteschutz darstellen. Ueberhaupt ist erfreulich viel Pelzwerk zusammen- « worden, besonders in gefütterten Westen, hrmacht hat als Spezialisten für die Ver­arbeitung einen Kürschner abgestellt, der sich der sachgemäßen Verarbeitung des eingegangenen Ma­terials annimmt. Ein Sonderkommando der Wehr­macht ist eifrig damit beschäftigt, die Spenden au jortteren, zu bündeln und zum Abtransport fertig zu machen. Bedeutende Kontingente an Wäsche, dicken Strümpfen, Schals, Decken und Pelzwerk aller Art harren hier des Versandes an die Front. Aber jeder mache sich klar, wie lang die Front ist, die versorgt werden muß, wieviele unserer Soldaten bei Tag und Nacht im Osten der grimmigen Kälte ausgesetzt sind dann wird« ihm seine Spende

noch gering vorkommen, und er wird bedenken, was er noch geben kann.

In allen Näh st üben der N S.-Frauen- schäft auf dem Lande und in der Stadt herrscht seit Beginn der Sammlung Hochbetrieb. Besonders der Einsatz in den Nähstuben der Landfrauenschaft darf vorbildlich genannt werden, zumal die hier tätigen Frauen aus der bäuerlichen Bevölkerung ohnehin eine sehr erhebliche Arbeitslast zu tragen haben. In den Nähstuben der Stadt Gießen sind insgesamt etwa 300 Frauen eingesetzt und von mor­gens bis abends durchgehend unermüdlich tätig. Selbstverständlich wurde auch an den Feiertagen geschafft, und auch der morgige Sonntag wird ein Werktag wie alle anderen sein. Nachrichtenhelfe­rinnen und die Schneiderinnung haben ebenfalls Hilfskräfte für die Nähstuben zur Verfügung gestellt, deren Einsatz für die große Sache in jeder Hinsicht beispielhaft genannt werden darf. Was nicht an fer­tigen Stücken zur Sammlung geliefert werden konnte, wird hier durchgesehen, geändert und in- standgesetzt; vor allem Lungenschützer, Schals, Kopf­hauben, Muffs und Herrenwesten mit Pelz. Im übrigen wird hier in den Nähstuben nicht nur zu­verlässig und sachgemäß, sondern auch schnell ge­arbeitet, denn die Zeit drängt, der Winter ist hart, und die Soldaten an der Front müssen auf dem schnellsten Wege versorgt werden.

Morgen, Sonntag, ist der letzte Tag der Sammlung, der letzte Termin für die noch Zaudern­den und die Nachzügler; er muß noch eimal ein gewaltiges Ansteigen aller für die Wintersachen­sammlung in Betracht kommenden Spenden brin­gen. Gerade an diesem letzten Tage wird sich die Dankbarkeit und Opferbereitschaft der Heimat und ihre innige Verbundenheit mit der kämpfenden Front in vorbildlicher Weise dokumentteren.

»Das wäre was für unsere Soldaten -

Hauswirt Meier zog sich seine warme Pelzjacke über und verließ die Wohnung. Er klopfte bei dem Hauswart, um ihn zu fragen, wie es mit dem Koksvorrat für denGolfstrom", die Zentralheizung,

er Hauswart war zufällig nicht da. Seine alte

Mutter kramte in der Kommode umher.

Hat Ihr Sohn nicht gesagt, wann er zurück- fommt?" fragte der Hauswirt.Nanu, Mutter Hoffmann, Sie räumen ja die ganze Kommode aus. Wollen Sie ausziehen?"

Ach nein, Herr Meier", antwortete die alte Frau.Wo werd' ich denn! So eine schöne warme Wohnung wie bei Ihnen! Ich sehe nur meine Sachen durch! Da hat sich manches verkrümelt, was einem ganz aus dem Gedächtnis gekommen ist. Hier die schonen Pulswärmer oder die Leibbinde .. .**

Wollen Sie die Sachen verkaufen?"

Aber nicht doch, Herr Meier! Das soll für un­sere Soldaten an der Front sein, für die große Sammlung! Einen dicken Pelz habe ich zwar nicht, aber ..." die alte Frau richtete sich auf. Sie sah auf Meiers Pelzjacke... tja, Herr Meier, so eine herrliche Felljacke, wie Sie da tragen ... Das wäre was für unsere Soldaten. Die werden Sie doch sicher in die Sammlung geben!"

Diese Jacke hier?" Meier knöpfte die Jacke auf, strich nachdenklich über die Pelzhaare. Er überlegte: Hm, mit diesem Balg bin ich fast verwachsen. Kann ich ja gar nicht weggeben! So was Molliges kriege ich so bald nicht wieder! Dann sah er auf die alte Frau, wie sie ihren gesamten Vorrat umkrempelte

Morgen ist der letzte Tag!

Zwei Gießener Waggons mit warmen Sachen rollen schon. - Hochbetrieb in den Nähstuben. Skier an die Front!

--------G--

Explosion in Raum 5

Roman von H. C. Hansen

Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Eldiadcer, Gröbenzell b. München

27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Wie ich das gewöhnt bin, suchte ich noch einmal das Zimmer von Herrn Kaspar auf, bevor ich das Haus verließ. Auf dem Schreibtisch lagen die Stifte, die Briefmappe, einige Mappen mit Korre­spondenzen sehr unordentlich. Das machte mich von neuem stutzig, weil Herr Kaspar immer sehr ordent­lich, beinahe pedantisch ist. Dann stand der Schrank auf, in dem er seine Ueberkleider aufbewahrte, ein Sessel war von feinem Platz gerückt, und das ganze Zimmer machte den Eindruck, als wenn jemand darin herumgesucht hätte, ohne gleich wieder Ord­nung zu schaffen.

Ich führte das damals auf die Erregung zurück, die Herrn Kaspar offenbar befallen hatte, legte alles an Ort und Stelle, schloß die Schranktür und ging nach Hause. Das muß etwa eine Viertelstunde vor 7 Uhr gewesen fein. Am anderen Morgen kam ich wie üblich, kurz vor 8 Uhr, zur Fabrik zurück und hörte gleich am Eingang, das Laboratorium von Herrn Wand fei explodiert und Herr Wand dabei ums Leben gekommen. Ganz betäubt von dieser Nachricht lief ich die Treppen hinauf und in mein Zimmer. Jeder im Hause sprach von dem Unfall.

Herrn Kaspar habe ich an diesem Tage erst ziem­lich spät gesehen. Er erzählte mir, daß er durch Ver­nehmungen und eine Lokalbesichttgung aufgehalten worden sei. Ich war ganz verwundert, daß feine Stimme so natürlich wie immer klang, obwohl er so aufgeregt war, daß er die notwendigen Briefe nur abgehackt diktieren konnte. Mit einem Male kam mir ein Verdacht. Ich fragte ihn ganz unauffällig, wann er die Nachricht von dem Unglück bekommen hätte, und er antwortete mir, daß er zu Hause von %6 bis Uhr harmlos den Geburtstag feiner Frau gefeiert hätte, dis ihn die Meldung von dem lobe Herrn Wands erreichte. Von diesem Augen­blick an war ich sicher, daß der Mann am Abend zuvor, der kurz vor 6 Uhr kam und vielleicht um

Vs7 Uhr wieder ging, nicht Herr Kaspar gewesen war."

Aenne Barkow sah den Kommissar und hinterher Doktor Ball an, als falle es ihr schwer, die Gesichter zu erkennen. ,Lch hatte ganz schreckliche Angst. Erst kam ein Mensch, der sich so verkleidet hatte, daß man ihn für Herrn Kaspar halten mußte, und kaum eine halbe Stunde nach seinem Weggehen flog das Laboratorium in die Luft, wobei Herr Wand ums Leben kam. Vorher war von dem Fremden Herrn Kaspars Zimmer durchsucht worden. Ich erinnerte mich, daß vor ungefähr zweieinhalb Jahren große Aufregung im Hause war, weil eine Erfindung von Herrn Wand im Ausland von fremder Seite zum Patent angemeldet worden war, bevor mir sie an­melden konnten. Damals gingen die Meinungen darüber auseinander, ob ein Spionagefall ober ein Zufall vorliege. Ich wußte auch, daß Herr Wand wieder einen wichtigen Apparat konstruiert hatte, der bald zum Patent angemeldet werden sollte.

Es war nicht schwer, aus diesen Tatsachen einen Schluß zu ziehen. Jemand hatte ausgekundschaftet, daß eine neue Erfindung vorlag. Er verkleidete sich als Herr Kaspar, paßte den Zeitpunkt ab, in dem Herr Kaspar nicht in der Fabrik sein konnte, schlich sich unter der Maske ein, durchsuchte das Zimmer von Herrn Kaspar und hat sicher hinterher irgend et­was im Laboratorium angestellt, was zu der Ex­plosion führte. Ich war feit Jahren Sekretärin in einer Vertrauensstellung und hatte den Verbrecher Hineingelaffen. Ich bekam furchtbare Angst, das würde herauskommen, und habe deshalb niemand etwas davon gesagt. Vor der Gerichtsverhandlung, wo ich als Zeugin aussagen mußte, überlegte ich die ganzen Wochen, was ich nur tun sollte. Sagte ich die Wahrheit, so war mir die Sofortige Kündigung sicher. Deshalb habe ich erklärt, Herr Kaspar sei um

Uhr nach Hause gegangen, was ja auch wirklich stimmt."

Als sie ihren Bericht geschloffen hatte, herrschte zunächst eine Weile völliges Schweigen in dem Zimmer. Theo Kammin sah seinen Vorgesetzten an und verständigte sich mit ihm durch einen Blick. Er klingelte und ließ das Mädchen von einem Be­amten hinausbringen.

Das ist eine Überraschung", preßte der Kvm- miffar hervor.

Teils ja, teils nein." Doktor Ball wiegte über­legend den Kopf.Eigenttich Neues hat sie uns ja nicht mehr erzählt."

Glauben Sie ihr denn alles?"

Warum nicht? Ich habe selten eine Aussage gehört, die weniger Anlaß zum Zweifel gibt als diese. Die Barkow lebt feit Monaten unter dem Druck ihres Wissens, hat dauernd Angst und ist in dem Moment zusammengebrochen, in dem sie ihr Geheimnis entdeckt wußte. Sämtliche Angaben pas­sen genau zu dem, was wir schon wissen und weiter vermuten. Es flt nur eine Ergänzung der Akten."

,Hch kann auch zu keiner anderen Meinung kom­men", gab Kammin zu.Sie macht weder den Ein­druck einer Verbrecherin, noch haben wir den ge­ringsten Anhallspunkt dafür, daß sie die Unwahr­heit sagt."

Tja, um so weniger, als sie dies alles erzählte, ohne zu wiffen, wieviel und was uns bekannt war."

Bleibt nur die Frage, ob sie einen Meineid geleistet hat. Sie hat tatsächlich die Wahrheit ge­sagt aber gegen die Eidesformel gehandelt nichts zu verschweigen."

Hat sie überhaupt geschworen?"

Das läßt sich schnell feststellen." Kammin hob den Hörer seines Telephons und ließ sich mit der Staatsanwaltschaft verbinden. Fünf Minuten später erfuhr er aus den Akten des Prozesses gegen den Werkmeister Möller, daß die Sekretärin Barkow nicht vereidigt worden war, weil das Gericht, der Staatsanwalt und die Verteidigung darauf keinen

Wert gelegt hatten.

Also auch kein Meineid" stellte Doktor Ball ruhig fest.Wir wollen ihre Aussage protokollieren und lassen sie wieder laufen."

Soll ich nicht vorsichtshalber die Haussuchung doch noch vornehmen?"

Wenn Sie es unbedingt für notwendig halten, meinetwegen." ,

Ich möchte nichts versäumen, Herr Krimmal- direktor." ,

Aenne Barkow wurde wieder hereingebracht und diktierte ihren Bericht in die Maschine. Kammin fragte sie zwischendurch stets nach Einzelheiten und suchte ihr geschickt Fallstricke zu legen. Sie ließ sich jedoch nicht im geringsten beirren und blieb haar­scharf bei dem, was sie schon einmal ausgesagt hatte.

Ich halte es für richtig, Fräulein Barkow, wenn Sie Herrn Kaspar Vertrauen schenken und ihm die Wahrheit sagen. Den Kopf kann es nicht kosten." Kammin machte ihr ernst und ruhig diesen Vorhalt.

Ja, ich glaube auch, daß es besser ist. Ich hätte es längst tun sollen."

Wenn es Ihnen recht ist, helfe ich Ihnen dabei. Zuerst möchte ich aber gern einmal Ihre Wohnung aufsuchen."

Sie haben mich doch nicht etwa im Verdacht, mit dem Mann unter einer Decke zu sein, der Herrn Kaspar gespielt hat?"

Nein, liebes Fräulein, aber die Polizei darf nichts versäumen."

Kann ich jetzt gehen?" fraate sie schüchtern.

Ja, ich begleite Sie, zuerst zu Ihrer Wohnung und dann zu Herrn Kaspar."

Unterwegs sprachen sie nichts miteinander. Sie hatte sich inzwischen ganz gefaßt und schien zu­frieden zu fein, daß sie die Last endlich vom Herzen hatte. Kammin durchsuchte das Zimmer schnell und gründlich. Er nahm auch den kleinsten Gegenstand in die Hand, sah alle vorhandenen Papiere nach und stellte im Verlaufe einer Stunde fest, daß nicht mehr vorhanden war, als bei jeder jungen Dame in diesem Alter, die ein geregeltes und anständiges Leben führt. Der über den polizeilichen Besuch ziemlich verdutzten Wirttn versicherte Theo Kam­min vor dem Weggehen, es habe sich nur um eine Formalität gehandelt. Gegen Fräulein Barkow liege nicht das geringste vor. Leider habe man ihr nur diese unangenehme Geschichte nicht ersparen können.

Als sie zu der Fabrik kamen, erfuhren sie schon beim Pförtner, Herr Kaspar sei nach Hause ge­fahren. Kurz entschlossen machte der Kommissar kehrt und fuhr zur Wohnung des Febrikanten, den er gerade beim Mittagessen antraf. Er entschuldigte sich für die ©törung und schob Aenne Barkow in den Vordergrund, die mit gesenktem Kopf vor ihrem Chef stand. Erst als Kammin sie nachdrücklich auf­forderte, berichtete sie zum drittenmal an diesem Tage genau, was sie erlebt hatte, und sah erfreut auf, als der gefürchtete Herr Kaspar plötzlich laut auflacbte.

(Fortsetzung folgt)

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