die durch die im Einverständnis mit Großbritannien erfolgte schrittweise militärische Besetzung des Landes eingeleitet wurde, vollständig geworden.
Kleine politische Nachrichten.
Die zum Schutz des deutschen Reichsgebietes eingesetzten Luftwaffenoerbände konnten am 30. Juni den Abschuß des 10 00. feindlichen Flugzeuges feit März 1941 melden.
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Der Leiter des italienischen Generalstabes, General llgo Cavallero, ist zum Marschall Italiens ernannt worden. Marschall Cavallero befindet sich in Libyen.
Am 13. Juni landeten Verbände der japanischen Marine überraschend auf den Nikobaren, ohne auf feindlichen Widerstand zu stoßen. Die Nikobaren.liegen Malaya vorgelagert im Indischen Ozean zwischen den Andamanen, die schon lange in japanischen Händen sind, und Sumatra, das ebenfalls besetzt ist.
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Japanische Marine besetzte am 21. Juni die Insel Großnatckena nordöstlich von Singapur. Sie fand auf der Insel 19 Sowjets, darunter zwei Frauen, die Ende Dezember auf einem sowjetischen Frachtschiff Schiffbruch erlitten, sich auf die Insel gerettet hatten und seitdem ohne Verbindung mit der Außenwelt dort gelebt hatten.
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Der französische Staatsrat, der sich vor zwei Jahren im unbesetzten Frankreich einrichtete, ist nach Paris zurückgekehrt, um sich hier wieder zu installieren.
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Im Reichsarbeitsministerium fand aus Anlaß des Inkrafttretens des Gesetzes zum Schutze der erwerbstätigen Mutter eine Kundgebung statt, auf der Reichsarbeitsminister S e l d t e, die Reichsfrauenführerin Frau S ch o l tz - K l i n k und Oberbefehlsleiter Marrenbach von der Deutschen Arbeitsfront sprachen.
Aus aller Welt.
Als Dolksschädling ins Zuchthaus.
Wenn englische Flieger über deutschem Gebiet gefälschte Kleiderkarten abwerfen, verfolgen sie damit den Zweck, die kriegswichtige Versorgung der Bevölkerung zu stören. Wer eine solche Karte für sich verwendet, bereichert sich nicht nur rechtswidrig auf Kosten seiner Volksgenossen, sondern hilft dem Feind in seinem Kampf gegen die deutsche Wirtschaft und muß als Voltsschädling bestraft werden. Die Ehefrau Anna Roosen aus Haßloch bei Groß-Gerau fand im Vorjahre auf dem Acker eine solche Kleiderkarte, über deren Herkunft sie nicht im Zweifel war. Anstatt die Karte sofort der Polizei abzuliefern, nahm sie den Fund an sich und bewahrte ihn monatelang im Küchenschrank auf, bis eines Tages ein Hausierer sie besuchte, dem sie die Karte, ohne über ihre Herkunft zu sprechen, für 15 RM. v e rk auf te. Als der Hausierer die Karte beim Kauf eines Mantels vorlegte, wurde sie sofort-als englische Fälschung erkannt. Das Sondergericht Frankfurt a. M. verurteilte die pflichtvergessene Finderin z u IV2 Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Dem Hausierer war nicht nachzuweisen, daß er den feindlichen Ursprung der Karte erkannt hatte. Weil er aber eine ihm nicht zustehende Bezugsberechti- Kfür sich ausgenutzt hatte, wurde er mit sieben
aten Gefängnis bestraft. 1
Kunst und Wissenschaft.
Heuet Intendant des Mainzer Stadttheaters.
Als Nachfolger Hans Teßmers wurde Generalmusikdirektor Karl Maria Z w i ß l e r vom stellv. Oberbürgermeister Provinzialdirektor Dr. Wehner zum Jndentanten des Mainzer Stadttheaters bestimmt und von Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger bestätigt. Intendant Zwißler ist seit sechs Jahren in Mainz und als Gestalter des Mainzer Musiklebens weit über Mainz hinaus bekannt geworden.
Akademische Berufung.
Der Ordinarius für Tierzuchtlehre an der Universität Jena, Professor Dr. Robert G ä r t n e r, ,st an die Universität Halle berufen worden. Gartner wurde 1894 in Freiburg geboren. Er studierte in Freiburg, Leipzig und Breslau und habilitierte sich 1922 in Breslau für allgemeine Tierzuchtlehre. 1931 erfolgte seine Berufung als Ordinarius nach Jena. Gärtner veröffentlichte Abhandlungen aus dem Gebiet der angewandten Vererbungslehre, Konstituttonsforschung, Schafzucht- und Wollkunde
Professor Friedrich Kutscher gestorben.
In Marburg starb im Alter von 76 Jahren der stützere langjährige Vertreter der physiologischen Chemie, Professor Dr. med. et phil. h. c. und Inhaber der Goethemedaille Friedrich Kutscher.
Aus der Stadi Gießen.
Sommerzeit — Hohe Zeit!
Die Natur um uns strahlt in sommerlicher Pracht. Wiesen ergrünen aufs neue nach dem ersten Schnitt, die Felder zeigen den Schimmer reifenden Kornes. Das geheimnisvolle Dämmerlicht der Wälder ist voll von Entdeckungsmöglichkeiten. Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem der Wald nicht ans Herz gewachsen ist. Warum also geringe Vorsicht mit Feuer, mit der brennenden Zigarette?
Wie schwer schon die Aehren sich neigen! Holla, nicht den Halm in den Mund nehmen! Gar leicht überträgt man dem eigenen Körper den Strahlenpilz, der bösartige Auswirkungen herbeiführen kann. ftinbern ist einzuprägen, keine Blume, keine fremde Frucht in den Mund zu nehmen. Im Walde steht die sehr giftige Einbeere, schwarz zwischen vier abstehenden Hochblättern; sie kann yon Unkundigen vielleicht als Blaubeere angesprochen werden. Auch der am Bach oder Teich wachsende Sumpf- schierlina führt Vergiftungen herbei.
An Wegrainen blühen die sog. Trockenpflanzen, Kräuter, die auf wasserarmen Böden ihr Auskommen finden. Als Ankündigerin solcher Stätten ist die Ochsenzunge anzusehen. Ihre hellblaue rührige Blumenkrone mit dem weißen Schlunde, die rauhen Blätter verraten sie leicht. Eine Zier der Ackerränder ist auch der etwas steife, dunkle Natternkopf, der auffällig honigreich ist. Hoch empor schießt das Wollkraut, das zwei Jahre zu seiner Entwicklung braucht. Es gibt Königskerzen von mehr als einem Meter Höhe; Blätter und Stengel sind stark filzig behaart und geben der sieghaften Pflanze ein silbriges Aussehen. Auf Waldlichtungen mit etwas sandigem Untergrund macht sich das schmalblättrige Weidenröschen breit, das den Kablfchlägen durch seine dicht aneinandergefügten Blüten einen rötlichen Schimmer verleiht. Dort die Kiefern mit ihren leuchtenden Stämmen, hier das Blütenmeer und darüber die Sonne! Alles verhilft zur Sommer - feligfeiU Der Duft des Harzes macht das Atmen zur Lust. Bienen summen in alter Geschäftigkeit; Mücken tanzen hier und da. Aller Reichtum der Erde gehört jedwedem. Man darf sich freuen an Blüten und Kerfen. Horch! Eine Eidechse raschelt eben über die Steine hinweg. Dort brummeln Hummeln, hier jagt eine Libelle auf der Suche nach Fliegen. Ein Bach, ein See sind vielleicht nicht weit entfernt.
Auf der Anhöhe steht eine breitkronige Linde. Der Juli ist ihr Blütemonat; bald werden sich ihre unscheinbaren Blüten erschließen und berauschenden Duft verströmen, spenden von ihrem Uebermaß an ätherischen Oeltzn. Einsam stehen bisweilen solche Bäume in der Feldflur. Oft find sie Künder dafür, daß einst Schafzucht in- den Landgebieten getrieben wurde.
Auf Schritt und Tritt zeigt sich der Sommer, lädt zu Ruhe und Genuß. Jenseits der Grenzen aber ziehen, tapfer über alle Maßen hinaus, unsere Feldgrauen gegen den Feind. Dr. E.S.
Deamtenkundgebung in Gießen.
Der Reichsbund der deutschen Beamten hält am Sonntag, 5. Juli 1942, 11 Uhr vormittags, im Theater der Universitätsstadt Gießen eine Groß- kundgebung ab, bei der Gauamtsleiter bes Amtes für Beamte, Bürgermeister Pg. Bremmer (Frankfurt a. M.), sprechen wird. Alle Beamten werden besonders darauf aufmerkfam gemacht.
z Bewirtschaftung von Gpeisefrühkartoffeln.
NSG. Durch eine Anordnung des Kartoffelwirtschaftsverbandes Hessen-Nassau sind Speisesrühkar- toffeln bewirtschaftet. Die Erzeuger von Speisefrühkartoffeln müssen diese ihrer Ortssammelstelje andienen, die über die Speisefrühkartoffeln nach Weisung der ihr übergeordneten Bezirksabgabestelle verfügt. Andienungspflichtig sind alle Speisefrüh- kartoffeln mit Ausnahme derjenigen Mengen, die im eigenen Betrieb des Erzeugers verwendet werden. Die Abgabe von Speisefrühkartoffeln durch Erzeuger unmittelbar an Verteiler und Verbraucher einschließlich Großverbraucher (Anstalten, Heime, Gaststätten, Wehrmacht, RAD. und sonstige Formationen) ist nicht gestattet. Verteiler unbjßerbrau- cher dürfen unmittelbar vom Erzeuger Speise kar- toffeln nicht beziehen. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß auch in kleineren Gemeinden Verbraucher in den in Frage kommenden Ladengeschäften «peise- frühkartoffel'n auf den Bezugsausweis für Speisekartoffeln beziehen können. Es wird von den Erzeu- ‘ gern und Verbrauchern erwartet, daß sie die bestehenden Vorschriften beachten, damit eine ordnungsgemäße Versorgung mit Frühkartoffeln gewährleistet wird.
Verdunkelungszeit:
2. Juli von 22.48 bis 4.34 Uhr.
(Bie&ener Dochevmarkkpreise.
* Gießen, 2. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Weißkraut 28, Gelbe Rüben, Bd. 19, Römischkohl 14, Erbsen 28 bis 32, Salat, das Stück 8 bis 10, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich, Bund 15, Radieschen, Bund 10 Rpf.
*
* * Der Charaktertänzer ErwinHoff- m a n n kommt am Sonntag, 5. Juli, nach Gießen ins Theater und gestaltet eine Szenenfolge „Getanztes Leben". Ihm zur Seite stehen die Künstler von Ruf: Bella Vemici, die Solotänzerin des Staatlichen Gärtnerplatz-Theaters in München, Otto Boddin, Madelon Bethke, Gife Furtwängler, Gisela Köphke und Ruth Bredy. Ueberall, wo Erwin Hoffmann mit seiner Künstlerschar bisher auftrat, verstand er es, in feinen Tanzschöpfungen und -aus- beutungen sowohl frohe Laune, als auch ernsten künstlerischen Genuß zu vermitteln.
* ♦ Neue Quittungskarten. Im Zime der Vereinheitlichung des Lohnabzugs für die Sozialversicherung werden neue Quitttungs- und Versicherungskarten notwendig. Die Quittungskarten werden in gelber, die Versicherungskarten in grüner Farbe gedruckt. Bis zum Vorliegen der neuen Muster dürfen die alten Karten weiter verwendet und ausgegeben werden.
** Keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteuer-Anmeldungen mehr. Aus Gründen der Arbeits- und Papierersparnis brauchen die Unternehmer keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen und keine Lohnsteuer-Anmeldungen mehr abzugeben. Es wird jedoch erwartet, daß sie die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen
nach wie vor pünktlich entrichten und die einbehaltene Lohnsteuer pünkllich an das Finanzamt ab« sichren. Die nächste Umsatzsteuer-Dorauszahlung und die nächste Lohnsteuer-Abführung sind in den ersten zehn Tagen des Juli fällig.
LPD. Zulassungs karten für Schnellzüge. Zur Vermeidung einer Ueberfüüung der Schnellzüge zu Ferienbeginn kann ab Frankfurt a. M., Offenbach, Hanau, Friedberg und Gießen eine Reihe dieser Züge nur unter gleichzeitiger Lösung einer Zulassungskarte benutzt werden. Näheres ist aus den Aushängen in den Bahnhöfen zu ersehen.
** Zwei Zuchthausgefangene entsprungen. Von Außenarbeiten bei Oberkleen sind die in der Strafanstalt Butzbach zur Verbüßung ihrer Zuchthausstrafen untergcbrachten Gefangenen Ern st Eberhard und Wilhelm Hoppe am gestrigen Mittwochnachmittag entsprungen. Eberhard, der noch ein Jahr Zuchthaus zu verbüßen hat, ist 30 Jahre alt, er stammt aus Rötenberg (Kreis Rottweil, Württemberg), ist 1,65 Meter groß, hat längliches Gesicht, breite Nase, dunkelblondes Haar, hohe Stirn und spricht außer Deutsch noch Spanisch, als besonderes Kennzeichen hat er eine Narbe über dem rechten Auge; Hoppe, der noch drei Jahre Zuchthaus verbüßen muß, ist ebenfalls 30 Jahre alt, stammt aus Wohldorf (Kreis Hamburg), er ist 1,75 Meter groß und schlank, hat graublaue Augen, dunkelblonde Haare, etwas größere Nase als gewöhnlich, als besonderes Kennzeichen den linken Unterarm mit einem Anker im Bremer Wappen tätowiert. Beim Auftauchen der Flüchtlinge sind alle Polizei- und Gendarmeriedienststellen sofort in Kenntnis zu fetzen.
33S.LahresseierderLudwigs-LlniversM
Rektor, Dozenten- und Studentenschaft hatten zur 33 5. Jahresfeier der Ludwigs-Universität eingeladen, die am gestrigen Mittwochvormittag in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Partei und Wehrmacht, sowie der staatlichen und städtischen Behörden in der Neuen Aula ftattfanb. Nach dem feierlichen Einmärsche des Senates und des Lehrkörpers erhob sich
der Rektor Professor Dr. med. Kranz zu einer Ansprache, in der er zunächst die Ehrengäste willkommen hieß. In einem Rückblick auf die wechselvolle Geschichte unserer alma mater Ludö- viciana gedachte der Redner dann einiger der hervorragendsten Gelehrten, welche die Gießener Universität mit Stolz zu den Ihren zählt (Schlettstein, Milbrand, Weicker, Justus von Liebig, Röntgen), und der Verstorbenen, deren Verlust im vergangenen Jahre zu beklagen war, zugleich auch der Toten der Bewegung, der 323 im ersten Weltkrieg gefallenen Professoren, Dozenten, Studenten, Beamten und Angestellten der Universität und der Gefallenen des gegenwärtigen Ringens um die Zukunft Großdeutschlands.
Zu Beginn des Berichtes über die Tätigkeit der Universität im vergangenen Jahre gab der Rektor die Ergebnisse der für 1941/42 ausgeschriebenen Preisaufgaben bekannt: Von den akademischen Preisaufgaben wurde nur die von der Philo- fophifchen Fakultät, I.Abt., gestellte Aufgabe aus dem Gebiete der Musikwissenschaft „Die Melodien der Volkslieder in Oberhesfen" bearbeitet. Den vollen Preis erhielt Ernst Jmbescheid aus Ortenberg (Oberhesfen), 3. Z. bei der Wehrmacht. Für die Bearbeitung der Preisaufgabe der Osann-Beulwitz- Stiftung aus dem Gebiete der Juristischen Fakultät, „Marktordnung und allgemeines Kaufrecht", erhielt den vollen Preis von RM. 600 Dr. A1 fr? d Mitfch, Gießen. Der Rektor beglückwünschte die Preisträger urtb gab anschließend einen Ueberblick über die wissenschaftliche Tätigkeit, die durch Gießener Professoren und Dozenten erfolgte Wehrmachtbetreuung, sowie sonstige akademische Veranstaltungen urib bedeutsame Ereignisse im abgelaufenen Jahre. Die Entwicklungskurve im Besuch unserer Universität durch Studenten und Studenttnnen habe ihre seit 2 Jahren begonnene Aufstiegsten'denz beibehalten. Die Frequenz der Studierenden übersteige diejenigen vor dem Kriege seit den letzten beiden Jahren, trotz der für Gießen vor allem im Anfang des Krieges besonders ungünstig gelagerten Verhältnisse, ganz bedeutend. Mit einem Ausblick auf die weltweiten kulturellen Aufgaben, die uns nach dem Endsiege erwarten, schloß der Rektor seine Ansprache.
Die Festrede hielt dann der Vertreter der Wirtschaftswissenschaft des Landbaues an unserer Universität
Professor Dr. Rolfes
über das Thema „Die Aufg aben ö er Wirtschaftswissenschaften des L 'a ndbaues beim A u fbau Europa s". Seinen Darlegun
gen ist u. a. folgendes zu entnehmen: Der Groß, raumgedanke gibt unserer Wirtschaft ein völlig neues Gesicht, veranlaßt eine Ueberprüfung und Erweite« rung übernommener Thesen der Wissenschaft und läßt reichhaltige konkretere Forschungsaufgaben entstehen. Besondere Bedeutung kommt der Tatsache zu, daß die Politik an die Wissenschaft den Ruf ergehen ließ, von allem Anfang an gestaltend mitzuwirken an dem schöpferischen Ausbau Europas. Damit ist, eine ganz neue Arbeitsgrundlage für die Wissenschaft und besonders auch für die Wirtschaftswissenschaft des Landbaues geschaffen worden. Aufgaben von ungeheurer Weite und Bedeutung sind hiermit gegeben. Unbestritten steht die Neugestal- tu n g, b e 5 Ostens an erster Stelle, auch wenn wir heute noch nicht wissen können, wo die räumlichen Grenzen dieses Arbeitsfeldes gezogen wer- dey. Darüber hinaus lyat aber auch die Anerkennung des europäischen ^Gedankens in befreundeten Ländern der deutschen Wissenschaft den Weg geöffnet zur führenden Teilnahme' an den Ordnungsaufga- ben auch dieser Länder; ähnliches ist in weiteren Gebieten Europas über kurz ober lang zu erwarten.
Der Rebner stellte sodann zwesi große Problemgruppen auf dem kontinentalen Arbeitsfeld der Wirtschaftswissenschaft des Landbaues in den Vor- dergründ: 1. die Schaffung einer fest gegründeten Lebensgrundlage für das europäische Landvolk; 2. die Sicherung der europäischen Ernährungswirtschaft. Die Schaffung einer Lebensgrundlage für das europäische Landvolk bezeichnete der Vortragende als ein im Grunde biologisches Problem, ja vielleicht als das schlechthin entscheidende rassenbiologische Problem, das gelöst werden müsse, wenn die in diesem Kriege errungene Erweiterung unseres völkischen Lebensraumes dauernd behauptet werden solle. Die ländliche Planung müsse sich in erster Linie nach volksbiologischen Notwendigkeiten richten, das Land sei aber nicht rein agrarisch, sondern auch handwerklich und gewerblich zu erschließen. Alle Zweige der Landbauwissenschast, die Wirtschafts- und Sozialwisienfchaften, Geographie usw. müßten hier in gemeinsamer Arbeit uns Werk gehen. Aus den Fachaufgaben der Wirtschaftswissenschaft des Landbaues, die bei der Lösung der neuen Aufgaben im Rahmen einer umfassenden Ordnung als politische Ordnung zu sehen feien, hob der Vortragende sodann einige besonders wichtige Einzelprobleme heraus. Er wies hierbei auf das Kernproblem der Siedlung, nämlich die Bestimmung der zweckmäßigen Größe des bäuerlichen Siedlungs- Hofes und auf das Problem der Siedlungsdichte hin. Weiter behandelte er in großen Zügen die Landar- beiterfrag?, insbesondere die Schaffung eines lebensfähigen deutschen Landarbeiterstandes, die wesentliche Hebung seines Lebensstandards und bessere soziale Aufstiegsmöglichkeiten. Weiter empfahl er die Vertiefung der bäuerlichen Betriebsforschung, die auch auf den Osten ausgerichtet und Allgemeingut der ländlichen Planung werden müsse.
Neben diesen Aufgaben im neuen deutschen Ost- raum forderte der Vortragende aber auch, unser
(Nachdruck verboten.)
22. Fortsetzung.
Briefe in Baieiros Hand
Roman von Anna Bisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
von der Persönlichkeit des Herrn Albrecht Sierinck, und ebensowenig kann man ihr Wesen als frech bezeichnen. Sie hat eine verdammt herablassende Art. Er muß vorsichtig sein — wenn er einen Augenblick vergißt, sie als Dame zu behandeln, weist sie ihm die Tür. „Im Gegenteil ...", sagt er noch um eine Schattierung verbindlicher. „Ich habe sogar die aufrichtige Bitte an Sie, mein gnädiges Fräulein, meinem Schwager gegenüber von meinem Besuch nichts zu erwähnen. Ich bin überzeugt, daß ich mich auf Ihre Diskretion verlassen kann!"
„Die kann ich Ihnen zusichern — ich bin keineswegs verpflichtet, Ihrem .kleinen Schwager' eine Liste meiner Besuchet vorzulegen ... Nur fange ich allmählich an, neugierig zu werden, was Sie hergeführt hat ...?"
„Selbstverständlich doch das ... Interesse, das ... wir beide an dem Jungen nehmen ..." Es klingt ihm sehr merkwürdig, wenn er .wir beide' sagt — von dieser Frau und sich selbst. „Sie müssen wissen, daß ich mich für ihn verantwortlich fühle, schon meiner Frau wegen, und ich habe leider in der letzten Zeit die Uebergeugung gewonnen, daß er zu einem sträflichen Leichtsinn neigt. Junge Leute sind allen Einflüssen unterworfen — den guten wie den schlechten. Und selbst ein gutgemeinter Einfluß kann mitunter die entgegengesetzten Folgen haben; ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen?"
„Nicht ganz, offengeftanben ..." Sie macht ein höflich aufmerksames Gesicht, ihre Augen find groß und klar und sehr schön, eine Sekunde nagt Albrecht in leichter Verlegenheit an der Lippe.
„Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß zum Beispiel auch Sie, mein gnädiges Fräulein, einen großen Einfluß auf ihn ausüben."
„Kann sein. Soweit es in meiner Macht liegt .. * Sie lacht ein bißchen, und dabei ist ein leichter Ausdruck von Verzweiflung in der Art, wie sie die Brauen verzieht. „Aber bitte verlangen Sie nicht von mir, daß ich Kindermädchen spiele! Ich habe wirklich keine Zeit, ständig auf ihn aufzupassen!"
(Fortsetzung folgt.)
kennen? Bleibt man im letzten Grunde immer einsam? /
Zunächst einmal muß er sich an anderer Stelle Gewißheit verschaffen, sich Gerd vornehmen? Auch er wird nach Möglichkeit leugnen, und wenn die Geschwister Zusammenhalten, wie immer, dann ist es sehr schwer festzustellen, wer die Hauptschuld trägt, und auf jeden Fall muß er als der gehaßte und gefürchtete Richter außerhalb ihrer Gemeinschaft stehen.
Gerd ist leichtsinnig ... aber um ihn an ine Grenzen des Verbrechens zu treiben, dazu gehört ein starker, unheilvoller Einfluß. Und von wem dieser Einfluß ausgeht, darüber kann man sich ja nicht mehr im Zweifel sein. Das Wichtigste ist, für die Entfernung dieser Person zu sorgen.
Wenn sie sich — aus Eigensinn oder anderen Gründen — nicht kaufen läßt, muß man bei der Polizei ihre Ausweisung durchsetzen.
Natürlich darf Gerd nichts davon erfahren, edjon aus diesem Grunde ist es besser, ihn nicht gleich zur Rede zu stellen. Wenn er den Verdacht gegen sich spürt und die Absicht ahnt, ist das Unheil ins Rollen gebracht. Junge Menschen, die das erstemal verliebt sind und dann in solche Hände geraten, sind zu allem fähig. Er kann sich das Leben nehmen, er kann mit ihr 'durchgehen und sich — auf Betreiben natürlich — einer großen Unterschlagung schuldig machen. r. r r
Zu seinem Aerger hört Albrecht sich seufzen.
Mit einem plötzlichen Entschluß wirft er die Feder weg und tlingelt der Sekretärin: „Ich habe eine dringende Besprechung in der Stadt, Fräulein Hollenkamp. Wenn Sie die Post fertig haben, bringen Sie sie Herrn Difern zur Unterschrift. Ich weiß nicht, ob ich am Nachmittag noch einmal wieder- komme."
27.
Albrecht Sierinck ist ein klein wenig überrascht, als er die Wohnung der Tänzerin Katta Serena betritt. Er hat sich eine — durch keine Erfahrung bekräfttgte — Vorstellung von der Behausung einer
Tänzerin gemacht. So etwas von breiten Ruhebänken mit vielen Seidenkissen, vielleicht auch verwelkte Lvrbeerkränze oder wenigstens die bedruckten Schleifen davon und überall stark duftende Blumen, von den Verehrern geschickt; von alledem ist nichts vorhanden. Denkbar nüchtern ist der Raum, fast streng in feiner Einfachheit, und ebenso streng und einfach sieht die Frau aus, die in der nächsten Sekunde vor ihm steht. „ .
„Sie wünschen mich zu sprechen, Herr ... - Em flüchtiger Blick geht auf die Karte, die sie noch in den Kngern hält. „... Sierinck? Bitte, um was handelt es sich?"
„Das ist nicht mit zwei Worten gesagt, mein gnädiges Fräulein!" sagt Albrecht sehr förmlich, aber nicht ohne Verbindlichkeit. „Ich muß Sie schon bitten, mir eine Viertelstunde zu opfern."
Erst als er spricht, geht em flüchtiges Lächeln des Erkennens über ihr Gesicht. „Ah! Sie sind der Meisterschütze! Herr Albrecht Sierinck — der Name kommt mir bekannt vor —"
„Nicht unmöglich! Ich glaube, daß mein kleiner Schwager, der 'junge Gerhard Hoffstede, den Vorzug Ihrer näheren Bekanntschaft genießt."
„Ach, Gerd, ja natürlich —", sagt sie mit einer leichten Selbstverständlichkeit. „Sie sind mit feiner Schwester verheiratet, nicht wahr? Bon ihm habe ich den Namen gehört — aber — ich weiß immer noch nicht ..." Sie zuckt lächelnd die Achseln. „Sie kommen doch wohl kaum in feinem Auftrag."
„Nein. Zu der gehobenen Position eines Boten bei meinem Herrn Schwager habe ich es noch nicht gebracht!" So liebenswürdig diese Worte gesagt werden, Katta fühlt die beißende Ironie, und em leichter Aerger zuckt um ihre geschwungenen Brauen.
. „Die Verwandtschaft mit einem guten Bekannten wäre immerhin eine Art von Einführung gewesen!" sagt sie kühl.
„Aus die ich mich zu meinem Bedauern nicht berufen kann." Albrecht merkt mit einiger Verstimmung, daß dieser Frau nicht ganz leicht beizu- tommen ist. Sie ist durchaus nicht eingeschuchtert
Alles steht wieder auf, was längst tot und begraben war, vergessen in den Jahren einer glück- liehen Ehe. Sehr deutlich steht das ernste Gesicht seines Vaters vor ihm, als er zuerst von den Hei- ratsplänen erfuhr. „Du bist alt genug, um zu wissen, was du tust, ich rate dir ab. Ein Sierinck heiratet fein armes Mädchen. Das klingt sehr materiell, aber dafür besteht ein tieferer Grund, als das biß- chen Geld mehr oder weniger, was eine Frau mit in die Ehe bringt. Die Hoftsiedes haben fast alles verloren. Das Mädchen, schön wie sie ist, ist darauf angewiesen, eine gute Partie zu machen. Kein Zweifel, daß sie dich nehmen wird, aber sie wurde dich auch nehmen, wenn du schief und krumm und schieläugig wärst. Ueberleg dir das wohl! Wenn Leute in den gleichen Vermögensumständen einander heiraten, können sie wenigstens überzeugt sein, daß der andere Teil mehr in ihm sieht als eine gute Versorgung."
Damals hatte Albrecht gelacht. Aus vollem heiterem Herzen gelacht. Nicht einen Augenblick zweifelte er an Irmelas Liebe.
Und dann kamen Augenblicke, in denen er doch daran zweifelte.
Als Albrecht geräuschlos auffteht, ohne geschlafen zu haben, steht er eine ganze Weile an Irmelas Bett und betrachtet sie in tiefen Gedanken. Sie schlaft fest, und im Schlaf gleicht sie noch mehr als sonst den Kindern, oder die Kinder gleichen ihr. Diese Feststellung, die immer eine Freude war, tut weh, auch in den Kindern ist ein großer Teil fremden Wesens — welchen Wesens? Lernt man denn nie und nie einen andern Menschen ganz


